Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gesod, n.

gesod, n.,

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oberpfälz.-fränk. gsôd, gsîd Schmeller² 2, 339, tirol. gsôt, gsout Schöpf 680, ahd. kisod, coctio, coll. zu dem erst mhd. belegbaren masc. und neutr. sôt, das sieden, aufwallen, der brunnen, pfuhl, die brühe als absud und speise, ags. der seađ, brunnen, schlund, grube, altfries. sôth, brühe, altn. sođ, n. brühe, schwed. saͦd, n. brühe, saͦdor, f. pl. spreu, kleie.
1)
zum absieden oder abbrühen als viehfutter bestimmter abfall von gedroschenem getreide, spreu, wie söde, palea, furfur voc. von 1432 bei Schm., fränk. die sütt, süd ebenda, wetterauisch die sütt, sitt Dief. gl. 406ᵃ, kurh. die süde Vilmar 408, schles. die siede Berndt 128, obersächs. die sæde: gesott, sprewer, paleae Aventin. 1, 396, 6 Lexer, kleibngsot Schmelzl verl. sohn 24ᵇ, s. theil 5, 1085, zu gleichem zweck auch kleingeschnittenes stroh, häcksel, häckerling, sowie andere futterstoffe: gsod, palea fit e stramento secto additis minutiis ex foeno etc. Pinicianus prompt. (1516) C 1ᵇ; haberstro und rockenstro, gesod darausz geschnitten, mit gesaltznem wasser angemacht. Seuter rossarzn. (1599) 115; wann die maierin dem vieh sowol heu als streu, gesod und gras vorleget. Hohberg 3, 1, 44ᵃ. 63ᵇ; krautblätter und rubenkräuticht drocknen, vors vieh im winter in ihre gesode (plur.) zu gebrauchen. 1, 134ᵃ, das gesott, plur. die gesötter 2, 271ᵃ; nesselgesot Schmeller a. a. o.; der leb (löwe) und das rind werden mit einander gesot essen. Aventin. 4, 1098, 20 Lexer; ich (esel) hab nichts zu fressen als leeres gesott und heu. Abr. a S. Clara etwas f. alle 2, 558; das gesöde Zinck öcon. lex. 934; schwäb. das gsod, häckerling, das gsied, der abfall von den ähren beim dreschen Schmid 496, gsod, die fülle für würste Birlinger augsb. wb. 193ᵇ; appenz. das gsod, der hühnerbrei, uneig. ein langsamer, linkischer mensch, phlegmatiker Tobler 244ᵇ.
2)
gesod, m. verstärkung von mhd. sôt, höllenpfuhl:
man solt si versenken in den gesod.
teufelsnetz 7037.
3)
zu nr. 1 das verb. gesötten, gesütten, gesitten, dem vieh gesott anbrühen und füttern Schm., ferner die zusammensetzungen:
gesottbank f.
wie gesottstuhl Schöpf tirol. wb. 680. —
gesottbottich m.
siedefasz, in dem das gesott eingemacht wird Zinck öcon. lex. 2723. —
gesotthaber m.
abgebrühte weizen- und roggenkörner, gedörrt und zu grütze gemahlen Schm. (Augsburg 1634); ihr gemüs von gsotthaber. Birlinger augsb. wb. 193ᵇ. —
gesotthacker m.
knecht, der häcksel schneidet. Scheirer dienstordn. von 1500, f. 29 ebenda.
gesottmesser n.
klinge zum häckerling schneiden Schmeller. Birlinger 193ᵇ (von 1610). —
gesodschneiden n.
das schneiden von häckerling: im jahr 1481 ist das gesodschneiden, mit dem jetzt allenthalben an statt der sprewer das vieh gefüttert wirdt, erstmals allhie aufkommen, welches dann einer von Fridberg also angegeben und gelehret. Welser-Werlichius Augsb. chron. (1595) 237. —
gesodschneider m.
1) wie gesotthacker: ein gesprechbüchlein von aim xodtschneider (var. stroschneider) und aim holtzhawer, von Conr. Distelmair (Ulm 1523), s. Gödeke gr.² 2, 268. 2) der wachtelkönig, gallinula crex Schöpf tirol. wb. 680, so genannt wegen seines schnarrenden schreis.
gesottstuhl m.
häckselschneidebank Schm. Birlinger 193ᵇ (von 1642). —
gesodwasser n.
verblümt gesodwasser tragen, menstruare, im Chiemgau Schm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4126, Z. 73.

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Zitationshilfe
„gesot“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesot>, abgerufen am 03.12.2021.

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