Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesparrt, part. adj.

gesparrt, part. adj.
1)
abgesperrt, verschlossen, zu sperren, ahd. sparran, mhd. sperren mit prät. sparte und part. gespart: da hatte er unendlich krumme retorten sich geblasen, um allerlei dünste unter einer mit quecksilber gesparrten glocke zu verbinden. Arnim werke 19, 6.
2)
zu sparren und gesparre (s. d. 2), in der heraldik, nach art von dachsparren getheilt Müller-Mothes arch. wb. 1, 457ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4137, Z. 38.

sparren, m.

sparren, m.
tignum, vectis, sudis. nhd. sparren, surus, sudes, vectis, tignum, cantherius. Steinbach 2, 619; sparren, surus, sudes, vectis. Dentzler 2, 268ᵃ; sparren, stang, sparus, sparum, vectis. Dasypodius; sparren, tignum. Dief. 583ᵃ; sparren vel sperre, tignum. Dief.-Wülcker 857; daneben älteres sparre: sparre, cantherius. Frisch 2, 293ᵃ; sparre, trave, spranga, barra. Kramer 2 (1702), 850ᶜ; sparre, ein holtz darauff die dachlatten geschlagen werden. Hulsius (1616) 301ᵇ; sparre, tignum Dief. 583ᵃ, seltener sparr: sparr Steinbach 2, 619; sparr (der), starcker stäck, sudes, sparus, sparum, surus, paxillus. Maaler 378ᵈ; sparr damit man etwas lupfft. ebenda; sparr, tignum. Dief. a. a. o. auszergewöhnlich ist die behandlung des wortes als fem., die sparre, sparum, tignus, tigillum. Stieler 2073, sparre, f. sparum, tignus, darauf die dachlatten geschlagen werden. Schottel 1418: so müst ... keine sparre am hause bleiben. Luther 6, 151ᵃ; das dach vom hinterhaus wirst du neu decken müssen, eine sparre ist eingeknickt. Alexis hosen des herrn von Bredow 129; vielleicht unter einflusz von mnd. spare, fem. quelle bei Schiller-Lübben 4, 304ᵃ; mnl. spar, fem. Franck 928. im mhd. tritt das wort als sparre auf. vgl. mndl. sperre, sparre, sudes, paxillus, vectis, contus, pertica, longurius, tignum oblongum. Kilian; mengl. sparre Skeat 577ᵇ; ahd. als sparro Graff 6, 361, vgl. das nur selten belegte und wol erst spät entlehnte an. sparri (schwed. sparre). auszerhalb des german, sind sichere beziehungen nicht erkennbar.
1)
in eigentlicher bedeutung: sparre, ein holtz, darauff die dachlatten geschlagen werden, un cheuron de couverture de maison. Hulsius (1616) 301ᵇ; sparrn, darauff das dach ruhet, pertice, legni longui da sustentare il tetto. (1618) 234ᵃ; das dach lieget auff haltern (balcken), die ziegel, dachsteine oder schindel auf den sparren und latten. Comenius 545; häufig in der zusammensetzung dachsparren (s. theil 2, 667): dachsparren, spranghe, travi del tetto. Kramer 2 (1702), 850ᶜ; dachsparren, trabes, quae tectum sustinent, sind der stärke nach unterschieden als: ziegelsparren müssen nach der last der steine die stärksten seyn, cantherii tecti tegulitii; schindelsparren, cantherii tecti scandularis; strohsparren, cantherii tecti straminei; rohrsparren, cantherii tecti arundinei; hangelsparren; dem ort des daches nach nennt man: ecksparren, die äussersten am dach, die nächsten an dem giebel, cantherii tecti primi vel ultimi, cantherius in angulo tectorum. Frisch 2, 293ᵃᵇ. die gesamtheit der im dach befindlichen sparren heiszt das gespärre, ohne umlaut gesparre (s. theil 4, 1, 4136). vgl. Heyne hausaltert. 1, 26. fur ein gemein sparren, der 30 oder 40 schuch lang ist, 20 pf. fur ein sparn, der 46 schuch lang ist, 30 pf. fur ein sparren, der 60 schuch lang ist, 75 pf. Tucher baumeisterb. 75, 16 f.; und heten die sparrn 70 schuh pisz an die ersten stangen oder den spiesz (der wetterfahne), so oberhalb der sparrn ist. d. städtechron. 11, 477, 5 (v. j. 1482); ich weisz nicht, ... das kommt mir doch kurios vor mit dem schlosz, das hängt ja alles so liederlich, die sparren vom dach und die laden aus den fenstern, als wär auch schon der kriegsbesen darüber gefahren. Eichendorff 3, 406; hie und da zwischen pfannen und sparren fuhr ein grauer rattenkopf hervor und lugte wie suchend mit den blutschwarzen augen umher. Storm 3, 124;
dô sint die balken wol geleit
und ouch die sparren mit wîsheit.
vom priester Johann 473. Haupts altd. bl. 1, 320;
prasselnd in die dürre frucht
fällt sie (die flamme), in des speichers räume,
in der sparren dürre bäume.
Schiller 11, 312 (glocke 203).
als rechtsbrauch wurde er dem in seiner pflicht säumigen meier aus dem dach gezogen: wa er (der meier) sich aber des gespert oder kains (brennholz) gehapt, habend die gest guet fueg und macht gehapt, ain sparren von dem haus zu nemen und die visch mit süeden (v. j. 1413). Birlinger volkstümliches aus Schwaben 2, 173. im sprichwort:
wo die sparren faulen,
stürzen bald die saulen.
Simrock 9654.
im vergleich:
ich sprach edens, daʒ die sparren
waren an unsir brut huse
und daʒ gemelde an irre kluse
von cypresso und von cedro ...
sin gedute ist abir ho ...
ich meine welche die sparren sint:
iʒ sint bischofe prelaten gotis kint.
Brun v. Schonebeck 8465. 8472;
wo stände wohl das haus, worin
kein ein'ger krummer sparren?
wo fände man den weisen wohl,
der nichts besitzt vom narren.
Hebbel 8, 112.
seltener und wol erst secundär in der allgemeineren bedeutung von stange, stock, knüttel: sparr (der), starcker stäck, sudes, sparus, sparum, surus, paxillus. Maaler 378ᵈ; sparr, damit man etwas lupfft, vectis; mit sparren oder stangen zesamen lauffen und einanderen schlahen oder tülppen, sudibus inter se concurrere. ebenda; warff das englisch beihel, schlenckert den spiesz, schlaudert die stangen und schweresten riegel ... dartet (schleuderte, warf) den sparren, schosz zum zweck. Garg. 179ᵇ; ich sprang zurück, zog hose und hemd an, nahm einen tüchtigen sparren in die hand und ging hinaus. Bräker der arme mann im Tockenburg 211; er (der laden) war mit sparren oder hebeisen heruntergezwängt, der eiserne riegel verkrümmt und tief ins holz gedrückt. ebenda; (der hurnusz) wird mit schlanken stecken von einem sparren, der hinten auf dem boden, vornen auf circa zwei bis drei fusz hohen schwirren (pfählen) liegt, geschlagen, auf den er aufrecht mit lehm angeklebt wird. etwa zwanzig schritte weit vor dem sparren wird die fronte des raumes bezeichnet, innerhalb welchem der hurnusz fallen oder abgethan werden musz. Gotthelf Uli der knecht 56; (mit stärkerem hinweis auf die verwendung beim hausbau:) aus dem vorrat von balken und sparren, der hoch aufgeschichtet im hofe lag, wurde an Ingo's haus ein schlafsaal für seine genossen gezimmert. Freytag ahnen 1, 85;
wir sehin unde schowen ...
gotis engel tougen
diu unser sele lagent
und uns armen plagent
mit ysninen sparren.
Martina 279, 81 Keller;
treit er (der esel) uns beide, so ist er verlorn,
gât er lær, sô sîn wir narren;
tragen wir in an einem sparren,
so ist nieman touber danne wir.
Boner 52, 84.
in besonderer verwendung sparren einer wagenleiter: er trat an denselben (den leiterwagen) heran, legte seine arme über einen der leitersparren und lehnte daran mit tiefgesenktem kopfe ... stahlblaue und grüne fliegen surrten hinzu, hielten auf dem grauen und rissigen holze des sparren kurze rast und fuhren in einem fluge wieder weg. Anzengruber³ 3, 42. in mehr übertragenem gebrauche und schon stark beeinfluszt durch 2:
juchheisa, wir hoffen und harren,
drum sind wir die narren der zeit!
das schwert, das wir führen, heiszt sparren,
ist immer zum kampfe bereit.
Freiligrath⁵ 2, 199;
den (Brutus) wählt zum patron euch, ihr gecken!
gleich ihm führt den sparren gewandt!
200.
2)
in bildlicher verwendung mit beziehung auf den alten und naheliegenden vergleich des daches eines hauses mit dem menschlichen schädel (vgl. auch das verhältnis von ahd. gibil, mhd. gibel [beim hausbau] zu ahd. gebal [daneben das fem. gibilla], mhd. gebel, schädel, kopf.) zur bezeichnung eines geistig nicht ganz normalen menschen. ähnlich ist die scherzhafte redewendung: in seinem oberstübchen ist es nicht ganz richtig, nicht ganz in ordnung. vgl.: wenn eine matrone, bei der schon jeder balken im gesparre knackt, sich nach ihrer auflösung sehnet. Musäus volksm. 1, 141, auch unter gesparre, gespärre 4 s. theil 4, 1, 4137.
a)
mit einem die lebendige beziehung auf das alte bild deutlich machenden hinweise oder zusatze:
asz (das mädchen) hat zwahr an wurmiga (wurmstichigen) sporn im hirn.
prinz von Arkadien 1, 5 (Bayerns mundarten 1, 209, 29).
wol mit beziehung auf ein glasdach:
wer glas auf sparren trägt, musz ungeworfen lassen.
Günther 463.
dem im folgenden aufgewiesenen gewöhnlicheren gebrauche liegt wol zunächst das bild des durch fehlen von sparren schadhaft gewordenen daches zu grunde: aus diesen obgedachten reden vernahmen die reisigen vollends gäntzlich, dasz don Kichote einen sparren zu wenig hatte. juncker Harnisch (1669) 163; vgl.:
dem schedel fehlt ein grosser sparren,
das haupt ist wie ein taubenhaus,
da fliegen mir die jungen narren
bald fornen ein, bald hinten naus.
Fuchsmundi 7.
schon mehr beeinfluszt durch redensarten wie er hat seine sinne nicht alle bei einander; er hat zu wenig sinne:
dieweil vom aussehn sie auch worden an ihm inn',
als hett' er wol nicht recht beysammen alle sparren,
so rieffen sie gar starck und drewten diesen narren.
Dietr. v. d. Werder übersetzung des Ariost ⅩⅩⅤⅠⅠⅠ, 4ᵇ;
er musz das reiten nicht verstehn,
er hat gewisz zu wenig sparren,
sonst würde er zu fusze gehn.
Hübner poet. handb. 175.
unter dem einflusz von wendungen wie einen sinn zu viel oder zu wenig haben, bekommen, verblaszt dann das zugrundeliegende bild mehr und mehr: er (der sekretarius) war erst von den studien kommen und stack dahero noch voller schulpossen, die ihm zu zeiten ein ansehen gaben, als wann er einen sparren zu viel oder zu wenig gehabt hätte. Simpl. 1, 155 Keller; endlich als er etliche becher wein auf das hertz genommen hatte, gab er sich blosz, dasz er einen sparren zu wenig, oder mehr als einen zu viel, haben müsse. Weise erznarren 24 neudr.; ich glaube, der arme tropf zog sich diese verdrieszliche lebensart dergestalt zu gemüthe, dasz er vollends einen oder etliche sparren zu viel oder zu wenig bekam. insel Felsenb. 2, 430; sie haben einen sparren zuviel oder zu wenig, herr pastor, die mädchen alle. Hermes Sophiens reise 6 (1776), 431; (im gen.:)
ich mein, der doctor hab eins sparrn
im kopff zu wenig oder zu vil.
H. Sachs 21, 111 Keller-Götze.
dann auch nach einen sinn zu viel haben: einen sparren zu viel haben, esser tagliato à cattiva luna. Kramer 2 (1702), 850ᶜ; einen sparren zu viel haben, vulg. einen fehler an sich haben, der einen verächtlich macht, certo erroris genere se aliorum risui exponere, stultitia sua deformem fieri, ut male aedificatum tectum. Frisch 2, 293ᵃ; da die leute oft mehr als einen sparren zu viel ... Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 73;
man heiszt mich einen narren;
doch wer mich schimpfen wil,
der hat wol einen sparren
im kopffe selbst zu viel.
Weise die drei klügsten leute (1679) 224;
der philosophische idealist
hat, wie ihr wist,
so was von einem narren;
der kritische idealist
hat, wie ihr noch vielleicht nicht wist
auch oft wol was von mehr als einem sparren.
Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 208.
als versuch neuer bildlicher bildung:
will jemand einen sparren
zu viel ins dach uns narren;
frisch!
trommelt auf den tisch! ...
und laszt ihm seinen sparren!
Voss 4, 133 (tafellied);
anders gewandt (mit bezug auf den gesamten menschlichen körper): und derhalben ist nicht die frage, ob ein groser mann besser sey als ein kleiner? sondern dieses musz erörtert werden, ob man füglicher am leibe oder am gemüthe einen sparren entrathen könne. ich reisete neulich durch eine vornehme stadt, da stundt ein grosz haus; ... doch als ich solches besehen wolte, so war es unter dem dache nicht ausgebaut. Weise die drei klügsten leute (1679) 47. mit zugrundelegung eines ganz anderen bildes und zu b hinüberleitend: für diese krone, um sie aufzuhängen, gab es bei ihm nicht blos den kopf, sondern auch einen haken am kopf, einen sparren. Gutzkow² 5, 63; wann einer auf dem dorfe ein häkchen hat, so kann man sicher sein, dasz es zum sparren ausgeschmiedet wird. Auerbach dorfgesch. 2, 8.
b)
ohne solche auf die zugrundelegung des bildes vom schadhaften dache hinweisenden zusätze in der einfachen wendung: einen sparren haben, haver' un ramo, una vena di pazzia. Kramer 2 (1702), 850ᶜ, wobei wol die nicht zu belegende, aber wahrscheinlich vorhanden gewesene redensart er hat einen sparn, d. i. sperling (vgl. die entsprechende, in scherzhafter rede gebrauchte wendung: er hat einen vogel), von einflusz war: ich schätze ihn (La Roche), ich kenne sein gutes herz, und kenne auch seinen sparren. Schiller 14, 246 (der parasit 4, 4); wie es scheint, musz der mensch immer einen sparren haben, um recht zusammenzuhalten. Immermann Münchh. 1, 86; 'es sind zwei gelehrte, sie haben einen sparren —', er wies nach dem kopfe. 'was sie sich einbilden, ist verrückt, und ich gebe ihnen nur nach, um in zukunft ruhe zu haben.' Freytag verl. handschr. 1, 61; der ganz stumme herr an ihrer anderen seite ist der privatsekretär meines vetters, ein redlicher, geschickter, leider mit einem sparren behafteter mann. Heyse kinder der welt¹³ 2, 152; vgl.: jeder hat einen sparren und ders nicht glaubt, hat zwei. Simrock 9653.
ich weisz, mein gut vergeht
mit schlemmen früh und spät;
doch der hat einen sparren,
dem was zu herzen geht.
wunderhorn 2, 283 Boxberger;
die liebe ist ungütig,
sie raszt, und weist sich wütig,
und schmeckt nur anfangs wohl,
der eine hat ein sparren,
den andern machts zum narren,
und dann den dritten toll.
Simpl. 1, 503 Keller;
ihr narren
habt sparren.
Harlequins hochzeit- und kindtaufenschmausz 18;
... mein alter ist nicht hoch, doch hab ich schon so manchen freyer,
ohn absicht einem zu gefallen, genau und sinnreich ausstudiert,
und so viel sparren angetroffen, als hier mein ausputz nadeln führt.
Günther (1735) 430;
den herren purschen steht ein jeder wirth parat,
wenn mancher einen sparren auch gleich im kopfe hat.
Leberecht Blaustrumpf vier possierliche ged. (1746) 20;
und fand es überall wie hier,
fand überall 'n sparren,
die menschen grade so wie wir,
und eben solche narren.
Claudius 5, 170;
(in bildlicher belebung:)
sonst war ich freund von narren,
ich rief sie in's haus herein;
brachte jeder seinen sparren,
wollten zimmermeister seyn.
wollten mir das dach abtragen,
ein andres setzen hinauf.
Göthe 3, 201 (valet);
ich sagt: hinaus ihr narren! —
sie ärgerten sich drob;
nahm jeder seinen sparren,
der abschied der war grob.
ebenda.
mich hält ein jeder künftig zum narren
und meinet, ich hätte wie ihr einen sparren.
Arnim schaubühne 2, 39;
diese neuern haben einen sparren.
Platen 62ᵇ;
stosz im mörser einen narren!
unzerstoszen bleibt sein sparren.
Daumer Mahomed 19;
noch flehte Kunz — vergebens! sein blick bat flehentlich,
darauf verzog's ihm die lippen halb bitter, halb weinerlich,
und zwischen den zähnen murrt' er: ich ahnte wohl den sparren!
wer jetzt hier sucht den könig, der findet nur einen narren.
Grün der letzte ritter⁶ 90;
ein tücht'ger kerl hat seinen sparrn!
das ist unwiderleglich;
und hat das haus nicht seinen narrn,
so wird es öd und kläglich.
Storm 8, 296.
seinen sparren zeigen:
auch die, so gar tyrannisieren,
die zeigen gleichfals ihre sparrn,
wann sie nicht wissen maas zu führen,
so heist man sie nur wilde narrn.
Simpl. 1, 107 Keller;
mein mann der ist ein flegel,
er stolpert übern schlegel,
so offt er zu mir geht,
und zeigt mir seinen sparren,
dasz er vor einen narren,
bey aller welt besteht.
Fuchsmundi 49.
mit weiterem zusatze: ich weisz wohl, dasz Timant bey allen seinen guten eigenschaften einen gar seltsamen sparren hat. Cronegk (1765) 1, 98; die grosze wahrheit, welche ich besitze, ist; dasz es keine tollheit, keinen noch so verrückten sparren und keine einfaltspinselei giebt, welche jemals wirklich stürbe unter den menschen. Immermann Münchh. 2, 183;
die welt ist jetzo voller narren,
und darum bin ich einer mit:
und der hat wohl den gröszten sparren,
der aus gemeinem gleisse tritt.
Günther (1735) 921;
vgl. dazu die redensart: er hat keinen sparren, er hat einen vierziger balken (Göttingen). zur bezeichnung der person selbst:
aus kleinen sparren
werden grosze narren.
Hoffmann v. Fallersleben mein leben 6, 329.
c)
sich anlehnend an das biblische bild vom 'splitter im auge': daʒ betiutet Kristus selber an dem worte, daʒ er sprach: wirf den sparren ûʒer dîme eigenen ouge unde wische denne den stoup ûʒ eines anderen ougen; hie bî ist ze merkenne, daʒ alliu geschepfede gelîchet ist eime sparren in der sêle ougen, unde sie hinderent gotlîche einunge, wan sie crêatûre sint. d. mystiker 2, 241, 31. 33 Pfeiffer; man kann ohne ein sehr zweydeutiges lächeln die vier bände dieser paraphrastischen erklärung nicht durchlaufen, und die häufigen stellen verfehlen, wo D. B. mit einem sparren des pabstthums in seinem eigenen augapfel, über die splitter der römischen kirche eifert. Hamann 2, 274.
3)
besonderer gebrauch, in der heraldik: sparren in den wappen, figura cantheriorum, sive tignorum divaricatorum, cantherii. Frisch 2, 293ᵇ; sparre, .. ein ehrenstück, bestehend aus einem rechten und lincken schrägbalken, davon die spitze sowol als die enden an den rand des schildes stoszen. Jablonski 733ᵃ; einen sparren im wappen führen, portar barra nell' armi, met. esser mezo matto. Kramer 2 (1702), 850ᶜ; er führet einen blauen sparren im güldnen schild oder feld, egli porta d'oro à barra ozurra. ebenda. als wappenzeichen auf den ärmeln: was gar ein lustigs röttlein zu sehen, und nemlich waren die fuszknecht alle in rot röck mit weissen und roten sparrn auf dem einen erbel geclait. d. städtechron. 11, 672 anm. (v. j. 1504); wol als ein querbalken nur, statt des häufigeren bar, f. (vgl. mhd. wb. 1, 87ᵇ):
noch sihe ich ir einen   mit liehten sparren rôt:
dâ stânt ôrter inne,   des kument helde in nôt.
Kudrun 1371, 1.
grosz ist die anzahl der möglichen variationen: gestürzte sparren, tigna, quorum crura superiorem scuti partem tangunt, et culmen inferiorem. stumpfe sparren, cantherii superius obtusi. erhöhte sparren, cantheriorum triangulum, cruribus latere tangens et cuspide superiorem scuti partem. erniedrigte sparren in den wappen, cantherii superiorem scuti partem non attingentes. Frisch 2, 293ᵇ; gesparrter sparren, sparren, auf den ein zweiter sparren gelegt ist; gespaltener sparren, dessen schenkel sich durch die farben unterscheiden; mit sparrenleiste (s. d.) belegter sparren, auf den ein schmalerer sparren gelegt ist; gewellter sparren; dornensparren; sparren mit ausgebrochenem giebel; sparren mit zerspaltenem giebel; links (rechts) ausgebrochener sparren; links (rechts) gekreuzter sparren; mit quertheilungen gerauteter sparren; gegitterter sparren; gestufter sparren u. s. w. Siebmacher terminologie 59 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1946, Z. 55.

sparren, verb.

sparren, verb.,
in der sprache der heraldik ein wappen mit einem sparren versehen. gesparrtes wappen, gesparrter schild, wappen, schild mit einem sparren als wappenbild, schildzeichen: da wehten die fähnlein gar lustig im herbstwind und sah man friedlich mark Brandenburg und Franken bei einander; die weisze bracke der Thermo neben dem gesparrten schilde von Sparneck. L. Hesekiel Nürnberger tand 1, 130.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1951, Z. 6.

sparren, verb.

sparren, verb.,
s. unten sperren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1951, Z. 13.

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„gesparrt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesparrt>, abgerufen am 07.12.2021.

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