Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gespei, n.

gespei, n.
sputus, irrisio, verbalsubst. zu speien, ahd. spîwan, spîan und spiuwan, spuere, prät. spêo, spêw, spêh, dazu speichila, speiuchulla, speihhaltra speichel, goth. speivan, dazu spai-skuldr speichel, altnord. spŷja, norw. spya speien, spea spotten, schwed. spy speien, spea verspotten, spe spott, spott speichel und gespött, mnl. speeckel sputum, speeck scurrilis Kilian, nhd. spyen spuere, vomere gemma (Hagenau 1510) A 2ᵃ. E 4ᵇ, spuwen Kölner ausg. von 1495, speyen, spuchen voc. 1482 ee 4ᵇ, speiben voc. inc. teut. dd 6ᵃ, bei Dasypod. O 8ᶜ und Maaler 379ᵇ speüwen exspuere, einen speüwen inspuere, speyen deludere, scurrari, einen speyen ludificare, dazu speycherey irrisio, derisus Maaler ebenda; wegen des formalen zusammenhangs zwischen spott, spotten und speien vgl. ferner nhd. spützen, speuzen spuere, nl. spuyten, altn. spyta, schwed. spotta, ags. spætan, spittan, engl. spit speien und spot durch besprengung beflecken, nd. sputtern im reden den speichel ausspritzen. ältere formen von gespei 'gespött, geschwätz' sind gespeiw N. Manuel 228, gespewe Petrarca 16ᵇ, gespeuwe Thurneiszer nothgedr. ausschr. 1, 81, gespaib Aventin. 4, 426, 15 L. Westenrieder beitr. 5, 92, gespai Behaim 5, 5. 246, 10. Uhland volksl. 475, gspay H. Sachs 16, 505, 17 K., gspeyh 17, 128, 22.
1)
das speien, das gespiene: gespy Garg. 242ᵃ, gespeie Kramer 1, 95ᶜ, gespeye vomitus Frisch 2, 298ᶜ, bair. gespeib Schm.² 2, 653, tirol. gspeiw, das gspeiwach Schöpf 686, östr. gspaiwaz, speichel Castelli 154.
2)
gespött, spottrede, eigentlich das spöttische an- oder ausspeien: gespei, exsibilatio Alberus dict., 'das verächtliche auszischen, womit man einen vertreibt' Frisch 2, 299ᵃ; disz verachtlich gespei mut (verdrosz) die von Schwitz gar vast. Tschudi chr. 2, 148ᵃ;
der sechst steckt pös gespeis so voll,
das im das maul nimer gestet.
fastn. sp. 336, 26;
vil pös gespai gieng ausz seim maul.
Behaim Wien. 5, 5;
der kunt vil upiglichs gespai.
246, 10;
so schencke ich dich den Teütschen zuͦ einer spötterei, das sie dich mit verspottung, gespei und verlachung von in jagen. Hutten 4, 308, 23 Böcking; (die papisten) treiben also mit der gantzen christenheit jr gespei und gehei, als werens eitel geuckelmenner oder puppen. Luther 6, 535ᵇ; treiben sie nur jr gespei und fatzwerk mit jr. Wickram rollw. J 1ᵃ; unnütz gespei, blerren und geschrei oder verachtung sollen die belägerten gegen dem feindt mit nichten treiben. Kirchhof disc. mil. 35; do sie mir derhalben viel gespeuwes und verachtung getrieben. Thurneiszer nothgedr. ausschr. (1584) 1, 81;
weil er trieb vil spöttig gespeisz.
H. Sachs 4, 3, 66ᶜ;
ich treib hiemit nicht ein gespei,
es ist mein ernst und mein es gut.
Pape Christian. E 8ᵇ;
ward solches alles in ein schimpff und gespei gezogen. Frey gartenges. 94; (feinde, die sich auf die bäume geflüchtet) welche darnach die Römer mit groszem gespei heraber geschossen haben. Micyllus Tacitus 40ᵇ; nit spottent meiner, wann es ist mir ein zu streng gespei (arger spott). Aimon r; sillographus, der gespei und schimpfreden schreibt. Dasypod. lat.-germ.; holla frisch auff, bub zum gespey und gespy. Gargantua 242ᵃ (455 Sch.);
gib dasz ich nicht ein spotten und gespei
der schalkesnarren sei.
Opitz psalm. 78;
die fatzvögel ... hatten in ihrem creutz an statt des trostes allerhand gespei. Simpl. 1, 56; diese vom satan verursachten gedanken waren aber öfters gemenget mit einem greulichen und teuflischen gespei, vom h. abendmahl. Scriver seelensch. 2, 411.
3)
leeres geschwätz, gerede:
hort liegen, lieben herrn, heut hört,
wie euch der mit seinem gespei betört!
fastn. sp. 35, 11. 51, 29. 79, 15;
nun macht sie mir ein sülch gespei,
wie ir so süsz getraumet sei.
H. Folz in Haupts zeitschr. 8, 518;
man schwert bei der liebe etwann, .. ob jrem gespewe werden die armen verachtet. Petrarca 16ᵇ; Thraso .. solch gros gewesch und gespei treib, als were ers gantz und gar, desgleichen auff erden nicht sein kündte. Luther 6, 149ᵃ;
lasz dein unnütz gspeyh untrwegen.
H. Sachs 4, 3, 32ᵇ;
du gehst nur umb mit phantasei,
mit ödem und unnützem gspei.
4, 3, 69ᵇ;
(ihr) habt vil unnütz gespei.
J. Ayrer singsp. 144ᵈ;
sonst komm ich selbst in bös gespei.
Hayneccius Hansoframea a 1ᵇ.
4)
leere spitzfindigkeit, subtilität, vielleicht mit anklang an spæhe, scharf, spitzig: die am maisten auf den hohen schulen ... haben mit irem unnutzem gespaib, von petlermünchen erdacht, dise edle kunst (dialektik) also unverstendig und unwirdig gemacht. Aventin. 4, 426, 15 Lexer; die menschlich wysheit halt uͦf kein ding, dann uͦf kuͦtten, luͦjen, zeichen, gspei von menschen erdicht. Zwingli 1, 205; alle das gespei, das d. Carlstad von dem erkentnis des leibs Christi in dieser sachen auswirfft. Luther 3, 83ᵇ; darauf der satan (gegen Wolfram von Eschenbach auf der Wartburg) vil gespeies vorgegeben von den himlischen sphären. Wagenseil civ. Norimb. 512.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4138, Z. 50.

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Zitationshilfe
„gespei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gespei>, abgerufen am 03.12.2021.

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