Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

gespenst, n.

gespenst, n.
das gerüst der bauleute, entweder zu spannen, rüsten, oder, was wahrscheinlicher ist, nebenform von gespinst (s. d.): wenn man ain gewölb will machen, so muͦsz man vil gerüst darumb machen, ain gantz gespenst richtet man auff ... on das gerüst und on dasselb gespenst kann man dasselb gewölb nit machen. Keisersberg geistl. spinnerin d 4ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4140, Z. 15.

gespenst, n.

gespenst, n.
illecebra, spectrum, larva.
I.
Herkunft und formen.
1)
in der ältern sprache sowol fem. ahd. ka-, gispanst, suasio, suggestio, mhd. gespanst,
diu gespenst (geistererscheinung) zergieng.
Boner edelst. 94, 54,
da mit die gespenst verswand.
Wittenweiler ring 15ᶜ, 26,
als neutr. ahd. gispensti, mhd. gespenste, gespenst, auch nhd. noch gespenste Luther 6, 512ᵇ. Ziegler schaupl. 1168ᵇ. Weisze kom. op. 3, 142; verstärkung des ahd. fem. spanst, lockung, mhd. spenst, verlockung, noch bei Göthe das neutrum spenst, umgehender geist: wo ich im groszen fürstenhause ganz allein wie ein spenst mit meinem diener wohne. an fr. v. Stein 1, 182; abgeleitet wie gespän (s. d.) vom ahd. spanan, locken, reizen, antreiben. daher die schreibung ein gespänste Steinbach 2, 634, gespänst S. Frank weltb. 216ᵇ. Hulsius dict. 61ᵇ. Simpl. 1, 919 Keller.
2)
der plural im ältern nhd. noch gespenste Luther 6, 520ᵇ. S. Frank mor. encom. 12ᵃ. Widmann Faust 367 u. o., gespänste Xylander Polybius vorr. 3ᵇ; unwiderstehliche gespenste Schiller IX, 367;
samt den gespensten der schlacht.
Klopstock 7, 37;
auch gespenst: ihr meinet, es sein keine teufel, keine gespenst. Scriver seelensch. 2, 427; es weren gespänst. S. Frank weltb. 213ᵇ; seit dem 17. jahrh. gespenster, z. b. Simpl. 1, 616. 618. Widmann Faust 392 u. o.
3)
nebenformen.
a)
alemann. gespönst Keisersberg schiff 11ᵃ, s. Weinhold al. gr. §§ 28. 84.
b)
gespengst, wie ähnlich gespengnus (s. d.), Denzler 132ᵃ; nachtgspengst Maaler 300ᵇ; die teufel haben den menschen in menschlicher gestalt gespengst gemacht. Hedio Eusebii kirchenhist. 279ᵇ; gespengste regieren die verzweiffleten. Paracelsus op. 1 (1616), reg.;
ich halt dich für ein teuffels-gspengst.
J. Ayrer 1053 Keller;
auch werden offt die selbig (Andreas-)nacht
gespengst und zauberei volnbracht.
B. Waldis päpstl. rych S 3ᵇ;
mit umdeutung: sphynx, daher das wort gspingst. Fischart Bodin. (1586) 201.
c)
gespens Henisch 1566, mnl. ghespens Kilian, nnl. gespens Kramer 1, 98ᵃ, köln. gespens Hönig 75ᵃ: des teuffels gespensz. Luther 9, 614, 4 Weim.; auf das der teufel mit seinem gespens uns nit schad. Schade sat. 3, 199, 17; so sol ein gespensz viel kinder zusamen gelockt und im selbigen bergk (Rammelsberg) verfürt haben. Mathesius Sar. (1562) 23ᵇ; ich hielte es vor ein rechtes gespens. Phil. Lugd. 5, 267; du ungeheures thier, bistu ein gespens? ebenda; gspäns Schöpf 686 aus älterer Bozener handschr.; gespenz H. Sachs bei Schm.² 2, 671, gespäntz Abr. a S. Clara gramm. relig. 511, wie garz, garzig für garst, garstig sp. 1427 fg.
d)
schweiz. gespeist, wie feister für fenster theil 3, 1519, dazu das verb. gespeisten, spuken Stalder 2, 381. Hunziker 116, kölnisch das gespeis, gespuke Hönig 75ᵃ.
II.
Bedeutung.
1)
eingebung, beredung: thuruh mîn selbes gispensti (mea ipsius suasione) odo thuruh anderes mannes gispensti. ahd. glaube bei Scherz 1, 538;
gloubich unde getrûwe
machet er (der heilige geist) den menschen
mit sînen gespensten.
glaube 1669 Maszmann;
vil manigen si (priester) bekêrten
mit gûten gespensten.
2933.
2)
verlockung, verführung, versuchung: ahd. ich habe gisundôt ... in huoris gispensten. Bamberger beichte bei Müllenhoff-Scherer³ 1, 304; ube du ana dir keoboren wellest die fleisclîchen kispensta, sô pilide (nimm als vorbild) Joseph. Haupts zeitschr. 8, 111; wenn wir unsern vleiʒ legen auf diser werlt gespenst und ir üppichait. Megenberg 182, 5;
diser werlde wolenste (gunst),
diu ist des tiuvels gespenste
und ein reizel gegen der helle.
Lamprecht v. Regensb. tochter Syon 226;
nhd. darumb hond wir im brauch und ist recht, das wir unsz bezaichnen mit dem hailigen creütz, so unsz zuͦstat ettwan ain böser gedanck, oder angstberkait, ain bösz gespenst, oder so wir ainen schmertzen empfinden. Keisersberg schiff d. pen. 34ᵇ; diszer hanffbutz (popanz, d. h. sich schämen zu beichten) ist nüt anders dann des teüfels gespönst. 11ᵃ, ain gespenszt des böszen gaists ebenda.
3)
blendwerk, täuschung, trug.
a)
besonders gern vom teufel gebraucht, vgl. teufelsgespenst theil 11, 284: mhd. ich widersage dem tievel unde allen sînen gespensten. fundgr. 1, 111, 36; ich widersag mihm teuvil und allen sînen zîren und allen sînen gespensten. pred. 1, 8 Jeitteles; nhd. so würst du erst ain sun gottes, so du widersagst dem teüfel und aller seiner gezierd oder gespenst. Keisersberg has im pf. Aa 2ᶜ; noch bei Mathesius: dem teuffel und seinem gespenst in der tauf absagen. Sarepta; des teüfels gespenst ist nit anders, denn das er macht, das etwas scheint, und das selb doch nit ist. Keisersberg emeis 39; es geschicht dick, das einer went, der teufel hab in gefürt an ein ander ort, so es im geist ein gespenst ist. 43; ein forchtsamer mensch .. kumpt hernach on zweifel in solliche cleinmutigkeit, das er kum oder nimer darvon erlöszet mag werden, sunder in dunckt, wie wol falschlich usz des teüffels gespenst, er wolte ee den todt leiden. irrig schaf 13ᵃ; usz irer bösen gewonheit und des teufels gespenst werden sie mit groszer schleffrikeit erfallen. 18ᵇ;
nit weisz ich, ob es gschicht ausz gott
oder ausz lauter teuffels gspenst.
H. Sachs 3, 1, 207ᶜ;
der teuffel auch durch sein gespenst
sich oft in schwartze gaisz verwandelt.
1, 500ᵇ;
ach das wir so blind sind und dem teufel in seinen gespensten (wallfahrten und ablasz) nicht allein seinen mutwillen lassen, sondern auch stercken und mehren. Luther 1, 306ᵇ; darumb ist das fegfewr mit allem seinem geprenge .. für ein lauter teufelsgespenste zu achten. 6, 512ᵇ; wer könde aber die büberei erzelen, was man für teufelsgespenst getrieben hat unter dem heiligen namen Christi .. mit solchem gespenst ist nu auffkomen und bestettigt das fegfewr, seelmessen. 5, 452ᵇ fg.; und wirt mit dem wort gots erclärt und gezeigt, dasz es (des bapsts und seins ganzen anhangs wesen und regiment) ein falsch erdichts, erlogen, gotlos, teufelisch gespenst ist. Schade sat. 3, 187, 11; das auch die allerhöhest vernunfft durch solch gespenst vom teufel angerichtet, betrogen und verfüret wird. Luther 5, 449ᵇ; das villeicht ein truͦg oder sonst ein teuffels gespenst ist. S. Frank türk. cron. G 2ᵇ; es künde on des teüfels gespänst nit zuͦgehn, das wir solche ding zuwegen brächten. weltb. 216ᵇ; diser baum (lorbeer) ist allem teufelischem gespenst zu wider, wirt von keinem donderschlag beruͦrt. Lorichius ausleg. in Wickrams Ovid 7; Machomets und aller seiner teufelischen gespensten verleugnen. Fierrabras H 4;
sein (des antichrists) gespenst und triegereien
wird kunth zu diser frist.
Soltau volksl. 1, 270 (16. jh.);
uneinigkeit wird als gespenst des teufels aufgefaszt: es ist des teufels gespenst, wen eeleute mit ein ander hadern. Keisersberg sünd. d. munds 42ᵇ; es were kaum ain teufel ausgetriben worden, so kem yetz ain anderer teufel .. und understund, wider sein gespenst zu machen, und es wern rat und gemaind kaum mit ainander ainig worden, so understund sie der teufel yetz wider unainig mit ainander zu machen. Baumann quellen 2, 373.
b)
im allgemeinen: da soll der prophet Machomet leibhafftig begraben ligen .. aber es soll ein fabel oder gespenst sein. S. Frank weltb. 185ᵃ; der bapst verdammet und verfolget das wort (gottes), und richtet all sein gespenst dahin, dasz er abführe von dem reinen glauben an Christum. Luther tischr. 36ᵇ; aber weil in demselbigen recht die ehescheidung gemeiniglich dermaszen zugelassen wird, das sich keins verendern thar (darf), halten wir solche scheidung für nichts, ja für ein lauter gespenst, der seelen und gewissen fehrlich. werke 5, 251ᵇ; da mus alles falsch sein, was daraus wachsen sol, und was sie für geben, ein lauter gespenste und geplerr für den augen. 6, 43ᵇ; iren geistlichen, so solch triegnus und gespenst anzuerichten maister sein. Aventin. 4, 70, 32 Lexer;
habend uns so vil gspenst ufgericht
mit mäsz, vigilgen und chorjölen.
Eckstein rychstag, kloster 8, 852;
der herr heist jhr (Jairi tochter) zu essen geben, damit jederman sehe, es sei kein gespenst oder blendwerck. Mathesius trostpred. P 7ᵇ; darumb ist hie kein gespenste oder triegerei. leichpred. 165ᵇ.
c)
blendwerk der gaukler und zauberer: die Saracener hatten spiesz und fändlin daran, damit sie viel gespenst (gaukelei) und jubilirens machten. Hedio Eusebii kirchenhist. 317ᵇ; er (gott) feret nicht erab, das er allein wölle ein ledig gesicht zeigen, als ein schemen oder gespenst wie ein gauckler, sondern das er sein werck und krafft da (bei der taufe) ausrichte. Luther 6, 287ᵃ; was für spiel richt nit an mit seinen diebstalen, gauglerei und gespensten Mercurius? S. Frank mor. encom. 12ᵃ; Simoni dem zauberer, der mit seinem gespenst die Römer in irrthumb fürende. chron. 257ᵃ; so waren auch bei XX tausent kinder mit dem creütz bezeichnet und mit einem gespenst bezaubert. 190ᵇ; mit was seltzamen gespensten dieselbige in ein meerwunder ist verwandelt worden. buch d. liebe 262, 2 überschrift; als teufelstrug gebrandmarkt: mhd. die mit des tiuvels gespenste umbe gênt, die dâ lüppe unde zouber trîbent. Berth. v. Regensburg 1, 363, 24. 530, 8;
der treibt darinn sein zauberei
und ist auch ganz des teufels gespenst da pei.
fastn. sp. 668, 31.
d)
trugbild, truggebilde: mhd. ist es denne, das es (der lichtglanz) ein gespenste von dem tüfel ist. Nic. v. Basel 150 Schmidt; nhd. im bergwercke vexiret und betreuget der teufel die leute, macht jhnen ein gespenste und geplerr für den augen, dasz sie nicht anders wehnen, als sehen sie ein groszen hauffen ertztes und gediegen silber, da es doch nichts ist. Luther tischr. 202ᵇ; der hase fuhr in die luft und verschwand, denn es war ein teufflisch gespenste. ebenda; so ain pfaff abgeet, soll dasselbig affengespenst (die pfründe) gewendt werden in ainen gemainen nutz und hinfurt kainem andern gelihen werden. Baumann quellen 2, 132;
Opitz grab hat auch gespänste.
Logau 3, 7, 73;
des gesetzes gespenst steht an der könige thron.
Schiller XI, 81 (spazierg. 173).
4)
bloszer schein, scheinbild, schatten.
a)
im gegensatz zum wahren, wirklichen, echten: das gespenst, wenn einer wänt es seie etwas und ist aber nichts, simulacra inania Maaler 175ᵇ; was sichtbar ist, muͦsz vergon und ist in der warheit nichts dann ein betrüglicher schatt und zergänklich gespänst. S. Frank weltb. vorr. 5ᵇ; das unsichtbar, das warheit und kein gspänst (ist). ebenda; ein blauer dunst, gespenst, geplerr und laͤrer schein. paradoxa 40; (die) das erste gebot nur mit euszerlichen wercken erfüllen ... stecken in dem euszerlichen geplerre und gespenste. Luther 1, 228ᵇ; solch demütig gespenst, vorher ein gemachte demut im gegensatz zur rechten demut. 1, 483ᵇ. Scriver seelensch. 1, 725; ich frage dich, ob nicht dein herz nach hohen dingen trachtet, dazu es durch solch demüthig gespenst gedenkt zu kommen? H. Müller erquickstunden 20; der ketzer Marcion leret, wie Christus nicht hette natürlichen rechten leib an sich genomen von Maria, sondern were nur ein schemen oder gespenst eines leibs gewest, das sich weder greiffen, fülen noch halten leszt. Luther 3, 369ᵃ; was ein eitel ding, schemen oder gespenst ist, das kan keine gestalt fassen, denn ein gespenst hat weder farbe noch dicke, noch lenge, noch breite, es ist ein eiteler schein. ebenda; die alten nannten den leib ein gespenst (εἴδωλον) der seele. Hamann 8, 33; so ist die tugend ein gespenst, das in der luft zerflieszet, wenn man es am festesten umarmt zu haben glaubt. Lessing 2, 11 (Sara Samps. 1, 7); als nun ihr gemahl in der seltsamen verkleidung (im kaiserornat) aus dem dome zurückgekommen und sich ihr so zu sagen als ein gespenst Karls des groszen dargestellt. Göthe 24, 319;
denkst Helenen so leicht hervorzurufen
wie das papiergespenst der gulden.
41, 72 (Faust 6198 Weim.);
sie hält alle ihre freunde und liebsten für schattenbilder und von den geistern untergeschobene gestalten. und wie will man sie von dem wahren überzeugen, da ihr das wahre als gespenst verdächtig ist? 11, 44; leider besteht der ganze hintergrund der geschichte der wissenschaften bis auf den heutigen tag aus lauter solchen beweglichen in einander flieszenden und sich doch nicht vereinigenden gespenstern, die den blick dergestalt verwirren, dasz man die hervortretenden, wahrhaft würdigen gestalten kaum recht scharf ins auge fassen kann. 53, 80; so ist denn gleich eine scala, ein in einander flieszendes .. bild fertig, ein gespenst, das nun schon hundert jahre die wissenschaftliche welt in ehrfurcht zu erhalten weisz. 59, 17;
in den köpfen eurer lehrer
laszt gespenst und wahn und trug.
(1850) 2, 375;
wo blieb der ahnherrn
gewaltger geist? ...
er ist entschwunden! was uns übrig bleibt
ist ein gespenst, das mit vergebnem streben
verlorenen besitz zu greifen wähnt.
9, 380 (nat. tocht. 5, 8).
b)
Göthe gebraucht in den naturwissenschaftlichen schriften gespenst für spectrum, scheinbild: wir haben den ausdruck augengespenst (s. theil 1, 806) mit fleisz gewählt und beibehalten, theils weil man dasjenige was erscheint ohne körperlichkeit zu haben, dem gewöhnlichen sprachgebrauche nach, ein gespenst nennt. 54, 244; das prismatische gespenst, ein durch das prisma durchgegangenes und gebrochenes farbenbild: der verfasser hat nun auszer seiner grünen mitte des fertigen gespenstes auch noch eine weisze mitte des erst werdenden noch unfarbigen gespenstes, er hat ein langes gespenst, er hat ein rundes. 59, 71; kehren wir dagegen das geöffnete auge nach einer wand und betrachten das uns vorschwebende gespenst in bezug auf andre gegenstände. 52, 22; dasz doppelbilder als halbirte bilder, als eine art von durchsichtigem gespenst erscheinen. 107; das profil: das bei den pachydermen schon eingeführte gespenst der äuszeren gestalt (auf d' Altons tafeln). 50, 108.
c)
für 'abstraction': wenn eine kunst uns bei substanz und wirklichkeit vestzuhalten vermag, ists diese (die bildhauerei): und wird síe gespenst, was sollte nicht gespenst werden? Herder z. lit. u. kunst 11, 353 (vom jahre 1778);
nur das ganze, mein freund, wie es lebt und im leben sich spiegelt,
das sei dein ideal, frei von der formel gespenst.
Fr. Schlegel ged. 253.
5)
schattenhafte geistererscheinung: dis ist das buͦch von der omeiszen ... und gibt underweisung von gespenst der geist. Keisersberg emeis, titel; umb metten zeit erschien dem bruͦder die falsch Maria, in weiszer kleidung angelegt, mit seltzamen gespenszt. Kirchhof wendunm. 1, 502 Österley.
a)
von bösen geistern, teufeln: mhd.
daʒ der tûfel sathanâs,
sîn gespenste und sîn getwâs
ûʒ eime bilde sprach (beim delphischen orakel).
Herbort 3500;
der tiuvels vâlant
und sîn gespenste ist zuo mir komen.
schretel 93 bei Haupt 6, 177;
ein gespenste vil unrein (teufel)
sprach zû der helle gemein.
passional 99, 15 Hahn;
nhd. christen wissen wol, dasz ein ander arzenei sein musz, die den teufel und sein gespenst vertreiben soll. Tabernämont. 37; solcher rauch vertreibt allerlei böse gespenst. Tobias 6, 9; in dem augenblick, da meine seel vom leib geschieden ist, bin ich den höllischen gespänstern zu theil worden. Abr. a S. Clara gramm. relig. 510;
aus brandes flammen, düster leuchtend, hebt sie sich
wie aus der hölle rachen ein gespenst der nacht
hervor.
Schiller XIII, 240 (jungfr. v. Orleans 2, 7).
b)
von irrwischen, kobolden und andern heidnischen unholden: irrwische und gespenst, so die leute von rechtem weg und strasze füren. Luther 7, 197ᵃ; ein zunselgespenst, irrwisch. Garg. 231ᵃ (433 Sch.); daemonologia Rubinzalii Silesii d. i. auszführlicher bericht von dem wunderbarlichen gespenste dem Rübezahl, von J. Prätorius, 1668; bergmännlein (bergmönche) werden die gespenster genennet, die sich offt in bergwercken sehen lassen. Hertwig bergbuch (1710) 55ᵇ; die wolsingenden mörwunder oder gespenst Sirenes. Schaidenreiszer vorr. 3ᵃ.
c)
von abgeschiedenen seelen: das gespenst von Samuel (bei der zauberin von Endor). Luther gl. zu 1 Sam. 28, 3 bei Bindseil 7, 494; gleich dem gespenst im Hamlet durch winke reden. Hamann 2, 269; die allgemeine sage geht, dasz die gespenster meiner väter in diesen ruinen rasselnde ketten schleifen. Schiller II, 169 (räuber 4, 5);
lasz das gespenst (die erscheinung der Helena) doch machen was es will.
Göthe 41, 88 (Faust 6515 Weim.);
bildlich: gespenster citieren, veraltete überlebte einrichtungen u. s. w. wieder beleben wollen. Wander 1, 1629.
d)
traumbild: Minerva schickt zuͦ der traurigen Penelope (im schlaf) ain bildnisz oder gespenst under der gestalt Iphitime, welche der Penelope leibliche schwester was. Schaidenreiszer 19ᵃ.
e)
polternder oder umgehender geist: dasz die gespenste bisweilen in den häusern ihr unwesen treiben mit ihrem poltern. Widmann Faust 362; dasz zu Mainz ein gespenst herum gangen, so mit steinen um sich geworffen, an den hausthüren angeklopfft. ebenda;
die jhr auch mit dergleichen gspenst
noch heut zu tag treibt ewr geblenst
und gebet viel auff poltergeist.
(Denais) drei Jesuiten latein durch ein alt dorfpfarrerlein (1607) 26;
das gespenst, das in gegenwärtigem öden edelhoff wohne. Simpl. 1, 297;
bisz man das haus zu aschen brennt,
das grausam gspenst ein ende nomb.
H. Sachs 4, 2, 100ᵇ u. o.;
zur nachtzeit, zur geisterstunde: gespenst, lemures, nachtgespenst, larvae Dasypod. E 6ᶜ;
das gspenst kumpt schier al pfintztag nacht.
meisterl. f. 23, nr. 211;
indem mir sehr viel bluts ausz der wunden fleust, welches mir dieses gespenste (in der nacht) geschlagen hat. Harnisch 181;
wenn um die mitternacht
ein schwärmendes gespenst ihr lager furchtsam macht.
Günther 964;
den ganzen abend bis um die zeit, da, gott sei bei uns! die gespenster zu gehen pflegen (mitternacht). Wieland 11, 67;
sie schlug, die stunde der gespenster.
Langbein 2, 89;
scherzend, von nächtlichem kammerbesuch: es ist nicht all ein gespenst, das in der tochter kammer gehet. Henisch 1566;
doch wünscht ich ihr gespenst zu sein.
Lessing 1, 50.
f)
allgemein: etlich (Indianer) meinten es (die schiffe) weren gespänst, fantasmata und trügnisz. S. Frank weltbuch 213ᵇ; von guten gespensten, also zu nennen, oder gesichten haben wir auch exempel in heiliger schrifft (2 kön. 7, 6). Widmann Faust 25; der fynde (teufel) schafft, es sei im schlaf mit treumen, oder so der mensch wacht, das gespenst erscheinen. Keisersberg hell. löw 27; dasz ein greulich gespenst in der küchen wäre, welches zween köpffe hätte. Simpl. 1, 241; gespenst mit éinem fusz, empusa Aler 925; do sagt das gespenst in gestalt eins geistlichen münichs. S. Frank türk. cron. J 2ᵇ; es liesz sich ein gespänste in gestalt eines alten hageren mannes sehen. Steinbach 2, 634; da jn die jünger sahen auff dem meer gehen, erschracken sie und sprachen, es ist ein gespenst. Matth. 14, 26. Marc. 6, 49; weil sie ihre tochter vor ein gespenste hielten. Ziegler schauplatz 1168ᵇ; wie man sagt, dasz einer, dem ein gespenst erschienen, nicht wieder froh wird. Göthe 28, 18; die gespenster beschwören Aler 925ᵇ;
sie jagen uns mit muckenwädeln,
wie d'pfaffen das gspänst mit sprengwädeln.
Fischart flöhhaz 664 Kurz, 790 Sch.;
bildlich, die gespenster des aberglaubens im gegensatz zum geist der wahrheit und klarheit: exorcisten, welche, um die gespenster zu vertreiben, sichs zur heiligen pflicht machen, den geist selbst zu verjagen. Göthe 53, 163;
lasz
des aberglaubens nächtliche gespenster
nicht deines hellen geistes meister werden!
Schiller XII, 231 (Wallenst. tod 1, 7).
g)
schrecken und grauen erregende erscheinung, schreckbild: dieselben götter seind nichts anderst dan gespenst, so laider die leut zu nacht schrecken. Aventin. 5, 37, 17 Lexer; wie ein gespenst der mitternacht, das ungeheure schrecken erzeugt, in folgenden augenblicken der fassung für ein kind des schreckens gehalten wird. Göthe 18, 112;
schreckt disz gespenst des pöbels auch die fürsten?
Schiller XIII, 226 (jungfr. v. Orl. 2, 1);
wag ich mich einmal auf die gassen,
werd ich, alsz ein gespenst, mit grausz
von mäniglich verlassen.
Weckherlin 139 (ps. 31, 17);
grauenhafter gegenstand:
mit solcher schelmenübung gewönet er weder sich noch sein pacolletröszlin untodenschew und gespenstfrei zu sein, sonder legt jhm sonst ein gespenst in sein futer, das es also darüber gewonet.
Garg. 235ᵃ (440 Sch.);
allein ein pergament, beschrieben und beprägt,
ist ein gespenst, vor dem sich alle scheuen.
Göthe 12, 87 (Faust 1727 Weim.).
h)
unheimliche lufterscheinung: es erschein jnen aber ein selb brennend fewr, voller erschrecknis, da erschracken sie fur solchem gespenste, das doch nichts war. weish. Sal. 17, 6; seegespenst, dünengespenst, fata morgana; das Brockengespenst auf dem Brocken im Harz, hervorgerufen durch schattenbilder von haus und menschen in einer östlichen nebelwand bei sonnenuntergang.
i)
phantastisch gaukelnde bilder vor den augen, veranlaszt durch die blutgefäsze in der netzhaut: die augen-gespenster. wer ein wenig auf sich selbst acht gibt, wird schon in der nacht, wann er ruhig im bette lag, bemerkt haben, dasz bei verschlossenen wie bei offenen augen allerlei miszgestalten vor ihm hergaukeln .., bei welchen aber nie ein rein umgränztes bild oder ein zusammenhängendes, bis zum ende geführtes spiel wahrzunehmen ist u. s. w. Oken 4, 291.
k)
weidmännisch, ein gespenst machen, ein geschossenes wild, das der jäger nicht alsbald wegbringen kann, mit reisern zudecken und an diese mehrere mit schieszpulver bestrichene papierstückchen hängen, um raubthiere und schwarzwild davon abzuhalten. Kehrein 141.
l)
übertragen, von einem menschen mit blassem, eingefallenem angesicht und abgemagertem körper: der mensch sieht aus wie ein gespenst. Delling 1, 216; eure kammerfrau ist sogar untreu, das alte gespenst steht auch gegen euch. Fr. Müller 3, 188; das lebende gespenst, die mutter Veronica. Arnim Berthold 79; das bereits halb vermoderte gespenst (Marat). Wieland 47, 135 Gruber; als schimpfwort du gespenst! für einen menschen, dessen anblick häszlich, abscheulich ist Delling 1, 216;
ach rauhe Elsz, du wildes gspenst.
J. Ayrer 1055 Keller;
aus meinen augen verderberin! verhasztes, freches gespenst! Mörike Nolten 576; nordböhm. gespenst, höllgespenst, schimpfname für ein kleines durchtriebenes kind Knothe 253.
m)
als name von thieren und pflanzen wegen ihres seltsamen aussehens oder unheimlichen auftretens: gespenst, der fichtenspargel, monotropa hypopitis Pritzel-Jessen 239ᵃ, das rohrhuhn, rallus aquaticus Frischbier preusz. wörterb. 1, 231ᵇ, eine asiatische kegelschnecke, conus spectrum Oken 5, 454. Nemnich 1, 1185. 1195, die tannenholzwespe, sirex spectrum Campe; schweiz. gespeist, fliegendes ungeziefer wie bremsen Stalder 2, 381. vergl. gespenstassel, -käfer, -schrecke, -krebs, gespensterthier, -ente.
n)
geistig, bild, das dem inneren auge vorschwebt, vorstellung, die die gedanken mächtig aufregt.
α)
im guten sinne: es ist ein wahres unglück wenn man von vielerlei geistern verfolgt und versucht wird! heute früh ging ich mit dem festen, ruhigen vorsatz meine dichterischen träume fortzusetzen nach dem öffentlichen garten, allein, eh ich michs versah, erhaschte mich ein anderes gespenst, das mir schon diese tage nachgeschlichen (nachher die alte grille, ob ich nicht die urpflanze entdecken könnte). Göthe 28, 150; Hamlet und seine monologen blieben gespenster, die durch alle jungen gemüther ihren spuk trieben. 26, 218; seit diesem augenblicke steht ihre gestalt mit allen ihren reitzen so lebendig vor mir, dasz ich eher mir selbst als diesem allzu liebenswürdigen gespenst entfliehen könnte. es verfolgt mich überall. Wieland 8, 385.
β)
wahngebilde, hirngespinst, vgl. hirngespenst theil 4², 1559: o über die wilden, unbiegsamen männer, die nur immer ihr stieres auge auf das gespenst der ehre heften. Lessing 1, 578 (Minna v. B. 4, 6).
γ)
schreckbild, von personen: nur vergessen sie nicht, dasz zwischen ihren brautkusz das gespenst einer selbstmörderin stürzen wird. Schiller III, 467 (kabale 4, 7); aber lasz kein gespenst zwischen dich und die geliebte treten. Kotzebue dram. sp. 3, 172; ich sah noch die gespenster der vettern überall, und fürchtete bald da bald dort einen hervortreten zu sehen. Göthe 25, 12; das gespenst der Preuszen sasz mir fest im gehirn. Seume 1, 97;
der gegner hasz .. stellt mir diese Stuart,
ein ewig drohendes gespenst, entgegen.
Schiller XII, 540 (M. Stuart 4, 10);
des gatten rachefoderndes gespenst
schickt keines messedieners glocke, kein
hochwürdiges in priesters hand zur gruft.
412 (1, 4);
von dingen und abstractionen:
der könig fühlte das gespenst des messers
lang vorher in der brust, eh' sich der mörder
Ravaillac damit waffnete.
Schiller XII, 377 (Wallenst. tod 5, 3);
getrieben vom gespenst stäts hungriger begierden
sucht er in arbeit ruh.
Haller ged. 167;
als das gelassne gespenst mich schreckt, das die schöne von fern mir
zeiget: die thüre steht wirklich des gartens noch auf!
und ein anderer kommt!
Göthe 1, 302;
verläugnet sogleich euer schreckliches gespenst, das mich nur vergebens ängstigen würde. Sperata ist nicht meine schwester. 20, 265; wir spielen mit voraussagungen, ahnungen und träumen und machen dadurch das alltägliche leben bedeutend. aber wenn das leben nun selbst bedeutend wird, wenn alles um uns sich bewegt und braust, dann wird das gewitter durch jene gespenster nur noch fürchterlicher. 17, 191; kein gefühl bleibt mir als das gefühl meiner schuld, die doch auch nur wie ein entferntes unförmliches gespenst sich rückwärts sehen läszt. 20, 29; wenn verrätherei und hofgunst unter seinen nächsten anhängern wie unwiderstehliche gespenste spuckten. Schiller IX, 367, 24; das drohende gespenst der revolution.
δ)
gespenster sehen, ohne hinreichenden grund schwarz sehen, unheil wittern: Tellheim, was für gespenster sehen sie! Lessing 1, 596 (Minna v. B. 5, 10); hat unsre seele nur einmal entsezen genug in sich getrunken, so wird das aug in jedem winkel gespenster sehn. Schiller III, 438 (kabale 3, 5); offenbar ist diese nachricht nichts als ein unsicheres gerücht .. sieh du keine gespenster. Freytag journalisten 4, 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4140, Z. 21.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
gesellschaftsbezug gestipp
Zitationshilfe
„gespenst“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gespenst>, abgerufen am 07.12.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)