Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gespilde, n.

gespilde, n.
in Thüringen und Westfalen das vorkaufs- oder näherrecht, welches den eigenthümern von ursprünglich zusammengehörigen, später aber getrennten grundstücken beim verkauf eines derselben zusteht Holtzendorff rechtslex. 1, 501. Frisch 2, 289ᵇ. Woeste 78ᵃ, vgl. die Königseer statuten von 1723 art. 35 bei Walch beitr. 5, 209 und gespält gut, pars praedii divisi Frisch 2, 289ᵃ. gespilde gehört nicht zu ahd. spildan, effundere, expendere, spild, prodigus, sondern zu spalten (prät. ahd. spialt, nhd. spielt, md. spîld), wie mhd. spelte, abgespaltenes holzstück, goth. spilda schreibtafel, altn. spiald, dän. spjeld, bret, tafel, nhd. gespilderter zaun, aus holzspalten gemacht. Aschauer holzordn. von 1558 bei Schm.² 2, 667. das gespilde beruht auf dem grundsatz, jedes gut so lange als möglich ungetheilt in derselben familie zu erhalten und, wenn davon abgewichen werden muszte, die abgetrennten theile wieder mit dem hauptgut zu vereinigen, sobald es geschehen konnte.
1)
das gespild, jus congrui, confinium, vicinitas Stieler 2080: der vorkauf gründet sich drittens darauf, dasz das gut, so ietzo verkaufft wird, vormahls mit dem unsrigen vereiniget gewesen, welches man insonderheit das gespilde oder spaltungs-recht nennet. Hayme 1281; so das gespilde und also den vorkauf haben. Rastenberger statuten von 1491, § 46, vgl. sächs. provinzialblätter 1802, s. 54; gespilt geht dem freundrecht vor. statuten der hrz. sächs. residenzstadt Koburg (1818) 114; scherzhaft: so unangenehm für den grundherrn das gespilde (nachbarrecht) seines schlosses mit dem nächtlichen ungethüm (gespenst, das nachts im schlosse hauste) war. Musäus volksm. (1826) 4, 54.
2)
'im salzwesen heiszt es gespelde; wenn zwei eine salzpfanne haben, und der eine will seine hälfte vermieten, so hat der, so die andere hälfte hat oder das gespelde, vor andern den vorzug oder näher-geldung der miete' Frisch 2, 289ᵇ.
3)
das im gespilderecht stehende grundstück: 7 pf. zu seinem theil der 2 Michelshühner vom halben berge Joh. Heinr. Grölls gespilte. Dief.-Wülcker 616 (Weimar, von 1776).
4)
allgemeiner: es ist eines gespildes, unius generis, compar, consimile est Stieler 2080.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4154, Z. 43.

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Zitationshilfe
„gespilde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gespilde>, abgerufen am 22.01.2022.

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