Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gespinst, n.

gespinst, n.
das gesponnene, hervorgegangen aus älterem gespünst (s. d.), mhd. gespunst, n. und f.; neben gespinst auch gespinste Widmann Faust anh. 3. Wieland suppl. 1, 164. J. Paul Tit. 2, 75, mundartliche nebenformen gespinsz Mone anz. 7, 162, 403 (15. jahrh.), gespens Limb. chron. 36, 22 Wyss, köln. gespens Hönig 75ᵃ.
1)
das garn, der faden: gespinst, gespunnen faden Aler 925ᵇ; einfaches gespinst, das garn, doppeltes gespinst, der zwirn Weber ökon. lex. 712ᵃ; kein gespinste soll im ofen oder in der stube gedörret werden. urkk. schles. dörfer, cod. dipl. Siles. 4, 242 (von 1744); des gespinnsts kundige garnsammler. Schwarzens wb. d. chursächs. gesetze 1, 192ᵃ (von 1765);
im schimmer des lämpchens
zieh aus dem wockenflausch langes gespinnst sie herab.
Voss Tibult 42;
bei den gold- und silberspinnern gespinst, reiches gespinst, ein mit gold- oder silberlahn besponnener seidener faden Jacobsson 2, 72ᵇ; golddraht von feinem gespinnste. Adelung.
2)
das gewebe des webers in hinsicht auf die beschaffenheit der gesponnenen fäden: das gespinst, opus textile, florgespinst, crispum bombycinum Stieler 2091; wenig gespinnste, oder was sonst zu gewändern benutzt werden kann, ist von anfang weisz. Göthe 53, 12; dasz an einer waare, die doch tiefer hinein ein so gutes und feines gespinnst zeigte, gerade das schau-ende so schlecht sein muszte. Engel 12, 167.
3)
das gewebe von insecten, zunächst der spinne, s. kankergespinst theil 5, 163: ihr giftiges gespinste. Widmann Faust anhang 3; voll gespinst, araneosus Aler 925ᵇ; zwischen den stoppeln hing weiszes gespinst (altweibersommer). Freytag werke 6, 211 (handschr. 1, 290); ferner der raupe Oken 5, 1113 fg.: sie (die raupe) hat das gespinnst zu ihrem todtengewande schon in sich. Herder z. philosoph. 3, 276; das gespinnst der raupe und des seidenwurms. werke 9, 118 Düntzer;
wie das zarte gespinnst (der seidenraupe) von dem laub abkämme
der Serer.
Voss Virg. landbau 2, 121.
4)
übertragen.
a)
etwas gewebe- oder netzähnliches: das leichteste gespinnst der besenstriche des cirrus stand ruhig am obersten himmel. Göthe 51, 214;
ein wundersam gespinste
von nerven (in der pflanze).
Wieland natur d. dinge 4, 137.
b)
dem bilde liegt zu grunde entweder das abzuwickelnde garn, der 'faden der erzählung': seine gespinste abwickeln (von einem erzählenden, plaudernden). Westermanns monatshefte 259, 9ᵃ; oder das netz der häszlichen oder nachstellenden spinne: die spinne des hasses, die bei jedem menschen über eine ecke der herzkammer ihr gespinnste hängt. J. Paul uns. loge 2, 81; sie halten in ihren logischen gespinnsten nur mücken und nicht bienen fest. kl. bücherschau 1, 110;
würd ich gefangen im gespinste
von einer andern (eines andern mädchens).
Gökingk 1, 84;
ein huren- und kupler-gespinst. A. Gryphius (1698) 1, 879; oder das gewebe der gleichsam träumerisch sich einspinnenden raupe, die sich zur puppe verwandeln will: Albano spann sich tief in seine sonntagträume ein und zog so gut er konnte das grüne mohnblatt der wirklichkeit in sein gespinnste. J. Paul Titan 2, 75.
c)
freier und allgemeiner, vom schleier der nacht, des schattenreiches:
und so zu des lagers vergnüglicher feier
bereiten den dunklen behaglichen schleier
die nächtlichen stunden das schöne gespinnst.
Göthe 1, 253 (gott u. bajadere str. 5);
über den schon ausgebreitet
sein gespinnst das schattenreich.
Lingg ged. 1, 154;
vom traumesweben:
in traumgespinnst verwickelt uns die nacht.
Göthe 41, 314 (Faust 11413 Weim.);
siehe, ich lande, betrete den güldnen boden,
wo der träume kindisch gespinst zur wahrheit wird.
Tieck 3, 131;
vom spinnen der gedanken:
ein junger metaphysicus
webt ein durchsichtiges gespinnste
und stellt und heftet schlusz an schlusz.
Hagedorn 3, 59;
insbesondere von phantastischen anschauungen, vgl. luft-, hirngespinst theil 6, 1254. 4², 1559:
siehe, da glaubt' ich, im bilde, so manchen schwärmer zu schauen,
der sein luftig gespinnst mit der soliden natur
ewigem teppich vergleicht.
Göthe 2, 136;
das gewebe der lüge, des betruges: das gespinnst der lüge umstrickt den besten. Schiller XI V, 266 (parasit 5, 8);
so haben die betrüger künstlich-dichtend
der lang verschlosznen .. ein solch gespinnst
ums haupt geworfen!
Göthe 9, 88 (Iph. 5, 3).
5)
die spinnarbeit, als übersetzung des lat. pensum: derowegen wird von solchen die arbeit, das werck, gespinst dapffer angenommen. Becher nov. org. philol. (1674) nr. 395.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4155, Z. 59.

gespinst

gespinst,
muttermilch, s. gespünst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4156, Z. 69.

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Zitationshilfe
„gespinst“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gespinst>, abgerufen am 30.11.2021.

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