Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesport, gespornt, adj.

gesport, gespornt, adj.
part. zu sporn (s. d.), mhd. spor, spore, calcar, mit einem sporn versehen, wie besport, bespornt theil 1, 1639.
a)
vom reiter und reiterstiefel: gesporter, calcariatus voc. 1482 m 3ᵇ; auch musten dieselben drumeter den gantzen tag gestiffelt und gesport warten. Nürnb. chron. 2, 248, 15 (von 1449); der pawr kumbt gespordt. H. Sachs 3, 3, 20ᵃ;
dasz ihr seit gstifelt und gesport
und gar gerüst auff die wegfart.
4, 3, 28ᶜ;
gesporet Rädlein 374ᵇ, gespornt Frisch 2, 305ᵇ, gespornet, nl. gespoord Kramer 2, 95ᶜ; auch bildlich gestiefelt und gespornt sein, gerüstet, bereit.
b)
vom hahn: gesporeter han. Krämer 550ᵇ, gespohret, der spohren hat wie ein hahn Duez (1664) 194ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4159, Z. 76.

spornen, verb.

spornen, verb.
mit dem sporn antreiben; mit sporen versehen.
1)
die beziehung des verbums zu dem instrument des sporns gehört nicht der frühzeit unserer sprache an, denn das ahd. sporôn calcitrare mit widarsporôn recalcitrare Graff 6, 357, stellt sich nicht zu sporo calcar, sondern zu spor vestigium, und gehört mit ahd. spornan, spurnan, alts. ags. spurnan, altnord. sporna zu dem unter spor sp. 2674 f. aufgezeigten wortkreise. erst im mhd. erscheint das wort in der technischen bedeutung von heute und in der form sporen, sporn:
daʒ ors, dâ er ûffe saʒ,
daʒ sporte er zu den sîten.
Herbort liet von Troye 5723;
welche form durch jahrhunderte die gewöhnliche bleibt, bis ins 18. jahrh. èrscheint, und noch von Adelung als dem gemeinen leben angehörig bezeichnet wird: sporen, sporen gäben, citare, adhibere calcaria, admovere calcar, concitare equum calcaribus. Maaler 381ᶜ; sporen, calcaribus concitare. Schottel 1419; ich sporte es (das pferd), das michs daurte. Simpl. 1, 293 Kurz; jugendliche einbildungskraft, von leidenschaften gesport. leiden der jungen Wertherinn (1775) s. 18; weitere belege in folgendem verstreut. auch umgelautetes spören findet sich: ach was lassen sich die leut mit des gemeinen pöfels geschrey spören und in die sprünge bringen. Mathesius hist. von Jesu Chr. 1, 85ᵃ. beide formen aber weichen den im 17. jahrh. gewöhnlich werdenden, an die mittlerweile aufgekommene substantivform sporn angelehnten spornen: spornen, gespornet, propr. calcaria induere, armare se calcaribus, anspornen, concitare calcaribus et metaphor. irritare, excitare, urgere, compellere. Stieler 2095; ich sporne, calcar addo. Steinbach 2, 635; eine form, die Campe im gegensatz zu Adelung allein aufführt.
2)
die bedeutung ist den sporn anwenden, mit dem acc. des thieres, bei dem es geschieht: auf Aristotelem staig ain froͮwe als uf ain rosse, und tet den zömen, ryten und sporen. N. von Wyle 32, 7; bösz buoben die pferid fast sporotend. deutsche volksbücher von Bachmann und Singer 93, 21; Balaam der sporet den esel und wolt in füren zuͦ dem weg. Keisersberg sünden des munds 17ᵃ; ein rosz sporen, das es bluͦt, cruentare equum ferrata calce. Maaler 381ᶜ; ein yder sport sein pferd. Aimon V 3; der künig sporet sein pferd und rennet eins rennens bisz das er sach ein rauch auff dem meer. Pontus K 1ᵃ; (ich) hatte ein rosz schon müde gespornt. Lessing 1, 92; ich werde ... nie in einer abendsonne die türme von Tarent wieder glänzen sehen, und mein pferd schärfer spornen! Leisewitz Julius von Tarent 4, 1; rosse blutig zu spornen. Rückert 11, 237; bis der grosze Arminius .. durch die legionen und den urwald sein weiszes rosz spornte. Raabe chron. der sperlingsgasse (1894) 168; in erweiterter fügung: ich leitete und schlug, und spornte den maulesel glücklich hinüber (über den strom). Seume spaziergang 2, 44.
3)
auch ohne object: die jungen leute spornten und gebrauchten ihre peitschen. W. Hauff 10, 198 Hempel;
zeige dich als kecken tummler!
sporne! peitsche! vorwärts! weiter!
Lenau gedichte 357;
in der bedeutung spornend reiten:
Titinius ist von reitern ganz umringt,
sie jagen auf ihn zu, doch spornt er weiter.
Shakespeare Jul. Cäsar 5, 3.
4)
häufig in übertragener bedeutung nach sporn 4, c und 6: da wil der alte Adam murren und sich nicht spornen lassen. Luther 23, 691, 24 Weim. ausg.; auch als anspornen (theil 1, 467): du spornst ihn an, da er sich selbst fleiszig erzeigt, sponte currenti calcaria addis. Steinbach 2, 635; dürftigkeit spornt zu fleisz und arbeit an. J. Grimm kl. schriften 1, 5; doch überwiegt in neuerer gewählter sprache hier einfaches spornen: die ruhmbegierde ... spornte mich zu mehr als gewöhnlichen anstrengungen. Wieland 3, 464 (Agath. 16, 3); das bedürfnis drängte, der ehrgeiz spornte. Seume mein leben 25; religion, wissenschaften, künste, alle moralische und physische kräfte muszte der mensch miszbrauchen können, um den rechten gebrauch davon erkennen zu lernen, um dazu gespornt zu werden. Klinger 11, 210; der denkende theil dieses empirischen plebs sieht in dem seiltänzer einen beweis, was ein mensch, gespornt durch den abscheu vor harter arbeit, aus seinem körper zu machen vermag. 214; archivarius des königs! Carlos, das spornt mich alles; ich wäre nichts, wenn ich bliebe, was ich bin! Göthe 10, 52 (Clavigo 1); Lotte lächelte mich an, da sie die bewegung sah, mit der ich redete, und eine thräne in Friederikens auge spornte mich fortzufahren. 16, 47; alle diese vorstellungen drängten sich lebhaft hintereinander vor meiner seele, schärften und spornten meinen schmerz. 24, 338; sie müssen bösartig auf die welt gekommen sein, weil dasjenige, was jeden andern zu groszen thaten spornt, ihnen nur niederträchtigkeiten abgewinnen kann. Schiller 3, 563; er (der erste mensch) sah die natur selbst säen und begieszen, sein nachahmungstrieb erwachte, und bald spornte ihn die noth, der natur seinen arm zu leyhen, und ihrer freiwilligen ergiebigkeit durch kunst nachzuhelfen. 9, 132; o werde doch — möchte man wünschen, wenn wünschen spornte — die neue zeit, die jugend der verhältnisse mit feuer von fürsten und schriftstellern gebraucht, um die ächten Deutschen und das abgestumpfte Europa verklärt wieder zu gebären! J. Paul friedenpredigt s. 47; es ist eben der starke Hamlet, der den schwachen durch verächtliche behandlung zum starksein spornen will. Ludwig 5, 369;
klimm ich zu der tugend tempel
matt den steilen pfad hinauf
o! so sporn' ich meinen lauf ...
durch die hoffnung jener schönen
über mir erhabnen scenen.
Ramler 2, 160;
ihm nach, dem liebling des Mäcenen!
ihm nach, sein name sporne dich!
Lessing 1, 98;
das spornt
anstatt zu halten.
Lessing 2, 293 (Nathan 3, 10);
sprachs, und spornte noch mehr die längst fortstrebende Pallas.
Bürger 213ᵃ (Ilias 4, 73);
erst hält mich scheu vor eurer hoheit ab,
zu spornen statt zu zügeln meine rede.
Shakespeare Richard II. 1, 1;
verwünschte gier, die uns nach fremdem spornt,
indesz schmachvoll das heimische verdirbt!
Uhland ged. 187;
auch in ausgeführtem lebendigen bilde:
die einbildung spornet die triebe;
wie rosse reiszen sie aus, die zwang und zügel verachten,
und ziehn ihn (den menschen) mit sich zum abgrund.
E. von Kleist 1, 181 (frühling 408).
5)
spornen auch mit sporen bekleiden, versehen: spornen, ocreas calcaribus munire. Frisch 2, 305ᵇ; den fusz spornen, sich spornen. Campe; besonders in dem particip gespornt, älter gesport, vgl. theil 4¹, 4159; ungespornet, calcaribus carens. Stieler 2095; gern in den allitterierenden verbindungen gestiefelt und gespornt, gespornt und gestiefelt:
mein herr, was pedewt an dem ort,
das ir seit gstiffelt und gesport
und gar geruest auf ein herfart?
H. Sachs fastn. sp. 5, 124, 3;
wie mein mann ... gestiefelt und gespornt in mein kabinet gekommen sei. Möser patr. phant. 3, 6; da stand ich gestiefelt und gespornt, funkelnagelneu vom scheitel bis an die sohlen. a. mann im Tockenb. 90; gestiefelt und gespornt und den alten mantel um die schulter geschlagen. Keller 7, 227; in wenigen augenblicken werde ich ... als courier von Straszburg ankommen, gespornt und gestiefelt, triefend von schweisz. Schiller 14, 138 (neffe als onkel 1, 4). von thieren, nach sporn 7, i: gespornter hahn, gespornte lerche.
6)
spornen, in mundarten der Schweiz mit den füszen schlagen, strampeln; in Basel spore von kleinen kindern im bett, sich unruhig geberden. Seiler 275ᵃ; im Aargau spore, mit den füszen strampeln, eine spore, mit den füszen gegen einen strampeln, 's bet ferspore, durch strampeln das bett in unordnung bringen. Hunziker 247.
7)
eigenthümliche anwendung des verbums in bezug auf die beweglichen krallen der katzenthiere: weswegen die klauen der katze, des löwen so gebaut sind, dasz sie spohren, das ist, sich zurücklegen können. Kant 6, 50.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1905), Bd. X,I (1905), Sp. 2684, Z. 1.

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Zitationshilfe
„gespornt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gespornt>, abgerufen am 22.01.2022.

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