Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gesprenge, n.

gesprenge, n.,
verbalsubst. zu sprengen (s. d.) in allen bedeutungen dieses zeitworts Frisch 2, 308ᵇ.
1)
das ansprengen der reiter oder pferde: mhd.
sie quâmen mit gesprenge
in daʒ grôʒe gedrenge.
Herbort 5186;
nhd. die pferd scheweten und machten ein gröszer gespräng (tumultus) under einander, denn in der schlacht. Rihel Livius 535; schwäb. bair. schweiz. das gesprang, das eilige hin- und herlaufen, die eilfertigkeit Schmid 503. Schöpf 693, das gspreng Schm.² 2, 702. Hunziker 116; das eilfertige thun:
o thewre kunst, wort und geseng,
und all der zäuberer gespreng.
Milichius zauberteufel c. 8, theatr. diabol. 182ᵃ.
2)
das gespreng, das sprengen des gesteins und der erze in den bergwerken durch pulver oder werkzeuge Frisch 2, 308ᵇ. Adelung.
3)
was nur vereinzelt, wie versprengt vorkommt: heuer gibts grad ein gspreng oder ein gsprenglwerk birnen (nur einzelne). Schm.² 2, 702, so auch schweiz. Hunziker 116; wenn die eichel gerathen und es entweder ein ganz oder halbes geäckerig oder nur ein gespreng gibt. Ansb. forstverordn. bei Schm.
4)
was von der geraden linie abspringt, abweicht, absatz, stufe, z. b. an einem nach verschiedenem durchmesser behauenen krummen oder sehr abschüssigen balken Mothes ill. baulex. 1, 361ᵇ, bergmännisch, vorsatz oder stufe in der sohle eines stollens Löhneisz (1617) 234. Veith 232: der stollen hat ein gesprenge. Adelung; ferner wie bremmer, fehlerhafter absatz in einem schacht, der dadurch entsteht, dasz die von der erdoberfläche und aus der tiefe einander entgegenarbeitenden nicht genau auf einandertreffen Frisch 2, 308ᵇ. Veith: es ist ein gesprenge im schacht. Berward bergphras. (1673) 22; jäh ansteigendes gebirge, im unterschied von gehänge, abhangendes, sanft sich erhebendes gebirge (3, a, β sp. 2323): dasz gott bergk und thal, gehänge und gesprenge, klufft und gänge mit höchster weisheit geschaffen. Löhneisz 44;
wie er (gott) segnet klüft und gänge
und veredelt das gespränge.
alte bergmannslieder nr. 23, 1 Köhler;
diesz mächtige gehänge
führt güldenes metall,
ein ander quarz-gesprenge
bricht lautern silber-fall.
sächs. bergreyhen 2, 25 Döring.
5)
das gespreng, das ausgesprengte gerücht Schm.² 2, 702.
6)
das besprengen: das gesprenge, irrigatio, roratio Stieler 2097; gespreng, gespritz Krämer 551ᵃ;
doch nicht achteten grosz die mägdlein solches gesprenges (der meereswellen).
Kosegarten dicht. 3, 23;
das weihende besprengen, das einsegnen:
natur nam (nahm an) von dir (heiliger geist) dein gespreng,
gelaub und sprach.
Hätzlerin 2, 63, 24.
7)
quelle, wie gespring (s. d.): das gesprenge, fluvii fons. vocab. rei numariae (Wittenb. 1558) N 6ᵃ; Regen-gespreng, quelle des Regenflusses Schm.² 2, 702.
8)
in der baukunst wie sprengwerk, dachwerk oder decke mit eingehängten bogen, ohne pfeilerstützen Frisch 2, 308ᵇ. Schübler zimmermannskunst (1749) § 244, s. gesprengt 4; brücke aus sprengwerk: das künstliche gespreng, so anno 1642 150 schuh lang bei Lanquenow über die Syl von Johann Holzhall ist geführet worden. Schübler ebd.; auch bindebalken in einem sprengwerk Mothes baulex. 2, 74ᵇ.
9)
bogenförmiger krönender zierat in durchbrochener arbeit, an altären, kelchen, wappen u. s. w., s. gesprengt 5: im 1443. jahr liesz ich machen das gesprenge und leuchter auf die zwelfpotten ob den dreien altaren, do die schuler singen, kostet 35 gulden. Nürnb. chr. 5, 746, 25; die gespreng (des altars) alle verguldet und bruniert. anz. d. germ. mus. 1866, 274 (Basel, von 1518); ein silbern sarch mit zweien pöden, oben mit silberm ubergulten gesprengk und schilt der kur und Sachsnerlandt. Wittemberger heiligthumsbuch (1509) c 2ᵃ; der berhümbte künstler Cuntz Wels, der die kappe am corpus (des groszen altarkelchs) mit amelierten und geschmeltzten angesichten und schönen gesprengen kleidete und schmückete. Mathesius hochzeitpred. 88ᵇ; von dem wappen und dessen gspreng oder zirat zu gieszen. cod. bav. Mon. 2225, f. 217 bei Schmeller.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4167, Z. 59.

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Zitationshilfe
„gesprenge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesprenge>, abgerufen am 06.12.2021.

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