Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gespons, m., f., n.

gespons, m. f. n.,
mhd. der und diu gespunse, gespuntze; amasia, gespuncze, gespüncz Dief. nov. gl. 19ᵇ, gesponz heil. leben (1472) 156ᵇ, aus lat. sponsus und sponsa, der und die verlobte. 'veraltet, aber von den ritterromanschreibern vielfach wieder hervorgezerrt' Heynatz antib. 2, 46, heute fast nur noch scherzhaft gebraucht. durch anlehnung an gespan entstand die form der gespans nonnenbüchl. des 15. und 16. jahrh. bei Schm.² 2, 679, durch italienischen einflusz gespusi (s. unten nr. 3, c), durch antritt eines t im auslaut der gesponst J. Wolff rattenfänger 14, 15, das gesponst (s. nr. 3, b), erweitert östr. die gespunstin, ehegattin Loritza 50ᵃ, auch die gesponsin Gottfr. Keller werke 8, 242. gleiche abstammung wie gespons hat das mhd. verbum sponsieren, sponzieren, spunzieren, verloben, vermählen, dann zärtlich sein wie verlobte, tändeln, buhlen, sponsierer, freier, kuppler, puler voc. 1482 ee 5ᵇ, sponzery, unzucht, spontziererin, buhlerin, kupplerin Straszb. verordn. 459. 465 Brucker (von 1471 und 1493), gespuncziererin, amasia deutsche volksbücher 314, 3 Bachmann-Singer, noch bair. mit einer spönseln, spönzeln, den freier, galan, zärtlichen mit ihr spielen Schm.² 2, 679, schwäb. gesponsen, buhlen Schmid 503, wien. gspusi, frivole unterhaltung Hügel 74ᵃ.
1)
masc.
a)
der bräutigam:
herzlieber gspons, von hertzen gern
thu ich euch dieser bitt gewern.
H. Sachs 3, 2, 5ᵃ;
(sah man) den hochzeitbitter im dorf umher und der gegend
laden die gäste zu ehren der Gertrud und dem gesponsen.
Mörike id. v. Bodensee 59;
kirchlich nach dem hohenlied Sal., von Christus als bräutigam der christlichen kirche:
du werde christenheit,
danck deim gespons lobesame,
der gnadenreichen zeit.
H. Sachs etl. geistl. lieder (1525) 4ᵃ;
die cristlich gmain pedeut die praut,
die im in der tauff ist vertraut ...
Christo ihrem gespons zu ehren.
ged. (1579) 5, 38ᵇ;
durch die taube wirt in h. schrifft (hohel. Sal. 2, 14. 5, 2. 6, 8) die keusche unabfellige braut des himmlischen gesponsen Christi verstanden (nachher der geistliche gespons). Heyden Plinius 405; heiliger, der sich der jungfrau Maria angelobt hat: unser liebe frow nam irem lieben kind das brüstlein aus dem mund und gab es sant Bernhart irem lieben gesponzen und hies in saugen. heiligen leben (1472) 156ᵇ.
b)
der gemahl (vergl. franz. époux):
Alvar, ihr gespons, (war ein unhold)
der sein getreues, sein göttliches weib
als eine gefangene plagte.
Pfeffel poet. vers. (1803) 5, 102.
2)
fem.
a)
die braut: der jüngling, den die gesponsz begert. Keisersberg bilg. 54ᶜ; von dem brutgom der gesponsen zu geben. manuale curatorum 98, 2; seiner gesponsen vertrawen. Agricola spr. 201;
dieser meiner pein
ein ursach ist dîe gsponse dein.
H. Sachs 3, 2, 5ᵈ;
jener bräutgam,
welcher gab seiner gspons einmol
ein gmalring.
Fischart ehz. 45 (445 Sch.);
ich dorffte mich nicht .. vor seine gespons ausgeben. Simpl. 3, 22, 25 Kurz; wie denn die fincken und nachtigalln .. um ihre gespons herum so angenehm singen. Döbel jägerpract. 3, 176ᵇ.
b)
die gemahlin (vgl. franz. épouse):
den könig thut die köngin thawren ...
wöl wir erhalten in beim leben,
müsz wir ein ander gspons im geben.
H. Sachs 4, 1, 22ᵃ;
als don Melchior seine gespons aufsuchte. Pfeffel pros. vers. (1810) 1, 152.
c)
das kebsweib: David hette sechtzig ehelicher weiber ... und hette viel gesponsen. Joh. Montevilla im reisbuch d. heil. landes (1609) 773, an 300 gespunsen Scherz 539.
d)
kirchlich, von der seele als gottes braut: die seel wirt wider ain gespons und fründin gottes. Keisersberg granatapfel B 1ᵃ; cantica canticorum, die gespons mit jrem freund ..
dise geistlich gespons erzel
ich, dasz es sei die glaubig seel,
die unserm herren Jesu Christ
in der tauffe verlobet ist.
H. Sachs 5, 208ᵈ fg.;
von der kirche als braut Christi: die kirch ist die gespons, Christus ist der bräutgam. Fischart bienenk. 13ᵇ;
kum z'hilff dinr heilgen gsponse.
Rud. Wonlich das himm. Hierusalem (1584) str. 37;
von einer nonne: eine nunne, ein gespons Christi. Schade sat. 3, 164, 22. 274, 13.
3)
neutr.
a)
die braut, geliebte: wann ein yecklicher liebhaber seinem allerliebsten gesponsen dye beszten und die hüpschosten stat bereit. nachvolgung Cristi (Augsb. 1486) 174ᵃ; falls es nicht masc. ist, wie möglicherweise bei Sigm. Meisterlin: sanctus Sebaldus, der durch got weltliche ere und sein zarten gesponsen (braut) verachtet. Nürnb. chr. 3, 64, 8, wie auch das masc. gemahl in der bedeutung gattin vorkommt: der erst gemahel Caroli hiesz Galiena, des künigs von Toledo tochter, der ander aber Hirmigarda. Stumpf chr. 1, 213ᵇ (3, 88).
b)
die gemahlin, s. ehegespons theil 3, 42: den zwölf sternen an der kronen des gespons (der königlichen gemahlin). Stretl. chron. 66;
Jago. denn Cassio fürcht ich auch für mein gespons.
Schlegel-Tieck Othello 2, 1;
schweiz. das gspons, ehegemahl Hunziker 116; sein eheliches gesponst. Aug. Lewald ausgew. schr. 1, 261.
c)
in allgemeinerer bedeutung. von thieren, die kindern als spielkameraden zugetheilt sind: jedes von uns pflegte und hütete sein ihm zugetheiltes gespons. Rosegger waldheim. 1, 107; bair. das gspusi, mädchen überhaupt Schm.² 2, 679, basl. ein altmodisches gspusi, altfränkische person Seiler 152ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4157, Z. 38.

gespunse

gespunse,
s. gespons.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4171, Z. 70.

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Zitationshilfe
„gespunse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gespunse>, abgerufen am 08.12.2021.

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