Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gespur, gespür, n.

gespur, gespür, n.,
coll. des neutr. und fem. spur, spür, vgl. gespor; mit geschwächtem stammvocal gespier Henisch 1569. später durch einflusz des stammwortes auch fem.: die gespuhr Duez 194ᵇ. Krämer 551ᵃ, die gespur Rädlein 375ᵃ; so wird es (das wild) doch die gespuhr verrathen. Abr. a S. Clara weinkeller 460; dem hasen auf die gespur kommen. Höfer wb. 1, 291.
1)
fuszstapfen, fährte: mhd.
nû kam er ûf ein gespür,
als ime ritter riten vor.
Heinr. v. d. Türlin krone 28733;
nhd. so bald das weiblin (des tigers) sein nest leer findet, eilt es dem gespür (des räubers) geschwinde nach. Heyden Plinius 125;
im wald sucht er wider und für,
doch fund er keins menschen gespür.
H. Sachs 4, 2, 58ᵃ;
weidmännisch, die fährte des wildes: so er (jäger) des hirsch klauwen und gespür vernimpt. Meurer jag- u. forstrecht (1582) 63ᵇ; wie man ain wild bei dem gespür kent. S. Frank parad. 148ᵃ; die den beern sehen und aber nicht gern stechen, die thun als sehen sie jhn nicht und suchen das gespür. Agricola sprichw. 228ᵃ; bildlich: basl. uff g'gspur cho, auf den richtigen weg, die richtige fährte kommen Seiler 152ᵃ.
2)
allgemeiner.
a)
spur, wahrzeichen, merkzeichen: kurtzumb, er (Christus) ist geist, damit hat er gottes art ein gespür lassen sehen, summa, was, wer und wie gott sei, in seinem fleisch auszdruckt. S. Frank parad. 144ᵇ; darnach zuͦ seiner zeit .. sendet gott den messiam, darinn er offentlich auszdrucken und für die augen stellen wolt seines worts ein auszdruck und gespür. 156ᵃ; alle creaturen sind ein ruck, gespür und ausdruck gottes. de vanitate 123ᵇ, nach einer stelle Taulers: alle creatur sind ain gespüre oder fuszstapf gotz. (1508) 11ᵇ; nuhn ist ein gespür vorhanden von der natur, so soltu wissen, wo sich die ansetzt, da hilff (als arzt) hinausz. Paracelsus op. (1616) 1, 705 C.
b)
anzeichen, überbleibsel: Mentz, da Carolus magnus ein pruck 500 elen oder elenbogen lang uber den Rein hat gemacht, desz aber heüt kain gespür vor augen ist. S. Frank Germ. chron. 303ᵇ; das man viler künst kain gespür mer findet. de vanitate 81.
3)
im östr. bergbau gespür, erzspur, unbedeutendes erzvorkommen Scheuchenstuel 96.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4173, Z. 16.

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Zitationshilfe
„gespur“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gespur>, abgerufen am 06.12.2021.

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