Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestählt, part.

gestählt, part.
1)
stählern gemacht, stahlhart: die fest gestählte klinge (des schwertes). Wieland 18, 32; bildlich, innerlich gestärkt: nun bin ich gefaszt und gestählt. Göthe 42, 433.
2)
frisch geschärft (mit dem wetzstahl): der bornstein (bernstein) ziechet die spänen, das gestälet messer die glufen (nadeln), der magnet das eisen. Garg. 250ᵃ (471 Sch.).
3)
in stahl und eisen gehüllt:
den ritter dort in waffen,
mit kriegerischem zeuge so gestählt.
Schlegel Shakesp. 5, 162 (Richard II. 1, 3).
4)
mit stahlfedern gepolstert:
für dich, der lieber sich auf grünen rasen legt,
als auf gestählte sophaküssen.
Klamer Schmidt poet. briefe (1782) 111.
5)
von flüssigkeiten, stahlhaltig gemacht, indem man einen glühenden stahl darin ablöscht: ir tranck sei ein gestechlots wasser. cod. germ. Mon. 601, f. 110 bei Schm.² 2, 744; der gestähelt wein. Ryff spiegel d. gesundh. (1574) 133ᵃ;
schlürfen wir gestähltes punsches
volles masz!
Voss 6, 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4177, Z. 39.

stählen, adj.

stählen, adj.
aus stahl; ältere form für stählern, vgl. dieses.
1)
entwicklung der form.
a)
die bildung ist auf das westgerm. beschränkt: ags. stýlen, mittelengl. stelen, stilen Bosworth-Toller 920ᵇ; altfries. stelen, stellen, neuwfr. stielen Richthofen 1047ᵃ; mnd. stalen Schiller-Lübben 4, 356ᵃ und stelen 381ᵇ (beides ganz vereinzelt, der beleg für das letztere zudem unsicher, indem stelemel auch das alts. stehli = stahl enthalten kann, während mel doch wol zu franz. maille, mhd. meile zu stellen ist; doch kommt stelen sonst vor, s. den beleg unter 2, a, α und die glossen): chalybeius, calipeus stelen. Dief. gloss. 90ᵃ (voc. v. 1425, sax.-lat.); stelen calibius. nov. gl. 66ᵇ; nl. staelen, van stael, chalybeus. Kilian, jetzt holl. stalen; ahd. (nd.?) stelin ex calibe Steinmeyer ahd. gl. 3, 388, 34. Graff 6, 635, mhd. stehelîn, stähelîn, stahelîn, stælîn, mitteld. stêlîn, auch stâlîn, stêlen. Lexer handwb. 2, 1160. vgl. Weigand 2, 792.
b)
im nhd. ist stählen im 16. jahrh. noch sehr gewöhnlich in mannigfachen formen, indem das h bald bleibt (in der schreibung), bald sich zu ch verdickt, bald schwindet, und das î der endung theils als i erhalten, theils zu ei diphthongiert, theils zu e geschwächt oder ganz ausgeworfen wird. so findet sich stähelin (Franck weltb. 48ᵃ, buch der liebe 194ᶜ), stehelin (Braunschweig, Friese, Murner schelmenz.), stählin (bei Anshelm neben stächlin u. a., ferner im buch der liebe gew., sowie bei H. Sachs 5, 212ᵇ und Stumpf, auch im 17. jahrh. herrschend, s. unten); stechlin (Herm. v. Sachsenheim); stehlein (fastn. sp. 196, 15), stählein (H. Sachs 4, 2, 58ᵃ); stähelen (H. Sachs 5, 315ᵈ), stehelen (Murner narrenbeschw. 6, 44, H. Sachs 1, 400ᵇ. 404ᵈ), stählen (B. Waldis, Aventin, buch der liebe 274ᵇ), stehlen (Tucher, Mathesius, stelhen bei Luther ist natürlich stēlen zu lesen); stäheln (Brant narrensch. 76, 10); stälen (bienenk. 29ᵃ, Heinr. Julius), ställn (Franck). es erscheinen dabei oft bei demselben autor verschiedene formen, so bei H. Sachs stählin, -lein, stähelen und (gew.) stehelen. vgl. besonders die belege aus Anshelm unter 2, f, γ, wo auf 2 seiten des textes neben einander vorkommen: stählin, stächlin, stählen und flektiert auch stähle, stächle (neben stählinen, stächline). wie hier, geht auch sonst in den flektierten formen das n zuweilen verloren, s. ein steheles hembd. H. Sachs 1, 400ᵈ unter 2, b, β. die form stählin begegnet noch im 17. jahrh. (Weckherlin, Simpl. schr.). von den wörterbüchern haben nur wenige das wort aufgenommen: chalybeus, stahelin. Frischlin nomencl. 22ᵇ (1586, c. 13), staͤhlin, staͤhlern, o. d'acier. Hulsius (1616) 305ᵇ; stählin, von stahl, d'acciaio. (1618) 237ᵃ; und so noch: stählin, adj. chalybeus. Frisch 2, 315ᶜ ('vulgo stählern'). im allgemeinen ist stählen seit dem 17. jahrh. durch stählern verdrängt; vereinzelt kommt es immer noch vor (Herder, Arndt 366, Simrock), doch beweist das fehlen des umlauts in andern stellen (Lehman, Arndt 206, Rückert), dasz es sich um eine freie neubildung handelt.
c)
vereinzelt hat sich stählen in mundarten erhalten (doch wird stählern noch seltner angeführt, sodasz für die meisten mundarten die übliche form nicht bekannt ist): schweiz. stechli Bühler Davos 1, 131; in Sprengs Baseler idiot. stächlen, stächlin, s. Seiler 276ᵃ; bair. stáhhlə ̃ Schm.² 2, 744; nd. stalen, stahlern brem. wb. 6, 334, ostfries. stalen Stürenburg 261ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 298ᵃ.
2)
gebrauch.
a)
am häufigsten von waffen, besonders mhd., und zwar zunächst von angriffswaffen; vgl.: sonder er (Tubal Cain) ist auch der erste waffenschmid gewesen, der stehlene schneiden, bane, oder ort an eisen hat schweissen, wellen, und herten können. Mathesius Sar. 80ᵃ. hier fehlen merkwürdigerweise belege für das gewöhnliche stählene schwert ganz. häufig sind nur zwei verbindungen:
α)
stählener bogen, vgl. stahl II, 3, b und nl. staelen boghe, balista chalybea, arcus balistarius, arcubalista, arcus brachio chalybeo, sive lamina instructus: scorpius, scorpio. Kilian 2, 626ᵃ. umme dysse tyt (1525) synt erstmals syntrore (zündröhre) gemaket ..., wente wor men nu syntbussen voret, plech men stelen bagen to voren. Hamb. chron. 421 Lappenberg; deszgleichen da David seines handbogens, 2. Samuel. 22, gewenet, geben es auch die lateinischen auszleger: gott treibet den stehlenen bogen meiner hand. Mathesius Sar. 79ᵇ;
das reventer (speisezimmer) ist ungelogen
so lang, man mit stählen bogen
möcht schiessen.
B. Waldis Esop 3, 100, 98;
ich kan so starck als khün ...
ein stählines armbrust und bogen starck und dick
bald spannen oder brechen.
Weckherlin 69 (ps. 18, 60).
β)
stählene stange als waffe von riesen u. ä. (vgl. stange 2, a, θ):
wandiʒ wâren gigande
und trûgen an ir hande
stahelîne stangen.
Lampreht Alex. 5077 Kinzel;
ein stangen deu was stehelîn
truoc er in der hende sîn.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 19374;
vor in trat her ain wilder man,
ich main, er möcht von Norweg sin,
mit ainer stang, was stechlin.
Herm. v. Sachsenheim s. 67 Martin (mörin 634);
das er vacht mit eynr stäheln stangen.
Brant narrensch. 76, 10;
der riesz ... zuckt seine stählin stangen, und schlug gegen Goffroy. buch der liebe 274ᵃ; da zucket der starcke riesz die stählin stangen. 274ᵇ. — ähnlich auch: Goffroy ... zucket da den stählen kolben von dem sattelbogen, unnd schlug darmit dem riesen sein stählin stangen ausz der hand. ebenda; vgl.: Goffroy ... hatte einen stählin kolben, den hencket er an seinen sattelbogen. 273ᵈ;
die truogen kolben stähelîn.
Willeh. 395, 24.
b)
noch häufiger von den vertheidigungswaffen, der rüstung.
α)
der helm wird gern als stählener hut bezeichnet, vgl. nl. staelen hoed vel storm hoed, pileus chalybeus. Kilian 2, 626ᵃ, und stahlhut:
durh den stehelînen hût
verwundeter den helt gût.
Lampreht Alex. 2740 Kinzel;
setzt auf euren stehlein eisenhut.
fastn. sp. 196, 15;
doch auch:
ein mann, ein unhold, ein schelm,
mit tigerpanzer und stahlenem helm,
liegt wie ein teufel im felde breit.
Rückert Firdosi 1, 338;
(im bilde:)
und gott wird sein gerechtigkeit
zum krebs anziehen zu der zeit,
und sein strenges gericht daselbn
auffsetzen für ein stählin helm.
H. Sachs 5, 212ᵇ.
β)
vom harnisch, panzer:
(sie sahen) ein grossen erschröcklichen mann
gleich eim riesen, der war anthan
mit einem stähelen harnisch.
H. Sachs 5, 316ᵈ;
mhd.:
mit stêlînen brunjen gût
wâren die vil wol behût.
livländ. reimchron. 11147;
ein uberstarckes weyb ...
die war umbhenget gantzer
mit eynem stehelen pantzer.
H. Sachs 1, 400ᵇ
(dafür in der auslegung der allegorie:
auch spricht man Gwonheyt frembd
ist ein steheles hembd
als ob die Gwonheyt dreng u. s. w.
400ᵈ);
dafür häufig:
daʒ blût vlôʒ als ein bach
durch die stêlîne ringe rôt.
livländ. reimchron. 8421;
islîcher von dem anderen sluoc
dâ mangen stêlînen rinc.
Heinr. v. Freiberg Tristan 1805.
γ)
von der beinbekleidung:
si heten umbe ir bein   vil manegen stælin zein.
exodus 158, 16 Diemer;
helm auf dem haupt, am fusz den sporn
und spitze stählen schuh.
Herder 1, 2, 535 Meyer (graf Arnum 70).
δ)
zusammenfassend:
der (Heinrich der löwe) legt an sein stählein gewand.
H. Sachs 4, 2, 58ᵃ;
bildlich:
wohl bedurfte der mann der festen und stalenen rüstung,
welche der knabe sich schon hart um den busen gewölbt.
Arndt ged. 206;
so auch ganz vereinzelt adverbial:
komm, geist! und zieh dich stählen an!
komm, herz! und lasz dich eisern kleiden.
366.
ε)
von pferderüstung: auch (liesz er) den spissern ... pferd darführen und geben, jhre kürisz mit gantzen parschen, wolbedeckt stälen glider, und verdeckt hengst, ... gute stählin krägen, ... roszstirnen, knopff, stälen puckelbantzer. Garg. s. 316 neudr.
ζ)
vom schilde: doch thet er (der riese) schnell seinen harnisch an ... und brachte mit jm ein stählin schilt. buch der liebe 274ᵃ.
η)
dazu: das feld rennen in stehlin pund und stehling lieger als arten des turniers bei Ger. Schubart de ludis equestribus (1725) s. 175, vgl. Boeheim waffenk. s. 559 f.
c)
von allerlei andern geräten: ein stähliner spiegel, speculum chalybeum. Frisch 2, 315ᶜ (nl. staelen spieghel Kilian); du solt haben ain subtiligen segen (säge) mit ainem stehelin bogen mit ab zuͦschneiden die bain oder arm. Braunschweig chirurgie (1539) 11ᵇ (1499: 19ᵇ);
das vierdt frewlein inn harnisch blosz
trug ein stehelen hamer grosz.
H. Sachs 1, 404ᵈ.
so stählene feder, vgl. stahlfeder: dasz ein gewächs sey, so die krafft habe, ein schlosz mit stählinen federn, durch menschliche hand gemacht, auffzusprengen. Simpl. schr. 4, 185, 32 Kurz (vogeln. 2, 25). hypothetisch von einer schreibfeder (wobei natürlich noch nicht an die heutige stahlfeder zu denken ist): aber ich bedoͤrfft wol staͤlene federn, oder zu minsten ein feder ausz S. Michaelsflügel von S. Michel, wann ich alle orden ... wolt beschreiben. bienenk. 29ᵃ. unklar ist: fur 8 stehlen taffelstain 13 [[undefined:poundsign]] 10 D[[undefined:curundefined5wb]] Tucher haushaltb. 126 (vgl. theil 11, 23).
d)
stählene thüren, mauern u. dgl. kommen wol nur in der dichtung vor (vgl. indessen stahlkammer):
zende an dem palas
ein stählîn tür entsloʒʒen was.
Parz. 232, 10;
die burgmur die was stehelin
und die türn waren erin.
Altswert 36, 10;
nur hypothetisch gesagt: er wêre durch eine stehelîn mûre wol gevarn. d. mystiker 1, 304, 9 (Nic. v. Straszburg). bildlich: das sind ihre stählene mauern gewesen, darauf sie stunden, trotzten und pochten. Luther tischred. 2, 164.
e)
ein stählener berg wird oft hypothetisch gesagt in vergleichen und sprichwörtlichen redensarten: rehte also ein stehelin berg. Tauler bei Ch. Schmidt hist. els. wb. 338ᵇ; (der stoische weise Senecas,) der sich nicht bewegen laͤst, weder lieb noch barmhertzigkait, mer dann ain haͤrter kiszling, unnd ia so gar kaines anmuts, das er wie ain staͤllner berg und schrof fest stehet. Franck morie encom. 24ᵇ; alle wände waren ... mit metallen, ... so hell geriebenen geschirren besetzt, dasz es schiene, als wann ich in keiner kuchen, sondern irgends in einem staͤhlinen berg mich befunden haͤtte. Simpl. schr. 3, 349, 11 Kurz (vogeln. 1, 10);
vor zeyten loug man durch eyn brett,
das etwa drithalb elen hett,
jetz lügt man durch ein stehelen berg,
wen schon dry legendt uberzwerg.
Murner narrenbeschw. s. 25 neudr (6, 44, noch überboten 56, 3);
das ich die schelmen kennen kan
durch ein gantzen stehelin berg,
wenn schon dry legendt überzwerg.
schelmenz. s. 4 neudr. (B, vorr. 3,
dafür in A: durch eyn grossen steynen berg. s. 1, 5). ähnlich auch: was aber gottes on wort ist, das mus endlich zergehen, wenn auch alle teufel und welt, mit eisern bergen und stelhen bewmen dran hielten. Luther 8, 318ᵃ. — anderes hypothetisch: hat nicht auch der Hercules lang mit des königs Actors sönen Euryt und Creat deszhalben lang zustreiten, weil sie ausz sylberen eyerschaln warn geschloffen: so werden sie heut gewisz ausz stählinen nebelkappen schliefen. Garg. s. 310 neudr.; o du arm jrdin glück, warumb bist nicht stälin? 357.
f)
übertragen wird stählen gern auf menschen angewandt.
α)
eigentlich: hat dir doch der teufel verheiszen, er wolle dir einen stählenen leib geben, dasz du nicht leiden solltest wie andere verdammte. Simrock volksb. 4, 115; ein anderer bildet im in, er het stehelin füsz, der selbig sprang uff den steinen wie ein pferd. Laur. Phries spiegl der artzny (1519) 50ᵇ. ähnlich in Daniels vision von dem bilde, das die weltreiche bedeutet; mit bezug darauf: Daniel ... sagt, es (das römische reich) sei wol am ersten eisern und stählen, aber zuelezt wär's lauter kott, laim und hafenwerk ... worden. Aventin chron. 1, 684, 15.
β)
zunächst leiblich, in bezug auf stärke, widerstandskraft, unverletzlichkeit: denn da Job am 6. saget: ist denn mein fleisch ehrnen? geben etliche dolmetscher: ist denn mein fleisch stehlen? oder bin ich denn so herte wie ein stahel und eisen? Mathesius Sar. 79ᵇ;
mîn houbet sî mir stælîn:
dehein wâfen snîde dar în.
Münchner ausfahrtsegen (denkm. nr. 47, 3) 23.
(von ausdauer:)
wie meht ich herre trehtin,
weare mir daz haupht erin,
stalin diu zunge,
die grozen mandunge
iemer vure bringen?
Diemer ged. 333, 15.
γ)
in diesem sinne ist es wol zu verstehen, wenn Stehelin, Stehellin nicht selten als personenname vorkommt; beispiele aus urk. v. 1200, 1259, 1308, 1318 bei Ch. Schmidt hist. els. wb. 338ᵇ. doch wird dabei auch an die rüstung von stahl (s. b) und an die ethische bedeutung (δ) zu denken sein. ähnlich nennt sich im Schwabenkriege von 1499 eine schwäbische schaar der stählene haufe: diss warend vast erzknappen, die sich harzuͦ mit vil ruͤemens selbs erbutend, hiess der staͤchle huf. Anshelm Berner chron. 2, 170, 8; wie d' eidgnossen den berg und den staͤchlin hufen gewunnen. 19; trungend do so vast uf die staͤhlinen schuͤtzen, dass si hindersich durchs holz wichen, da ir 1500 staͤhlin gsellen in guͦter, staͤhliner ordnung stuͦndend. 170, 33—171, 2; also kampftends da hart mitenander, ... biss vom staͤhlinen hufen zwei glid nidergelegt. 4; also dass, welche vom staͤchlinen hufen nit abwegs verschussend oder im gestrip verschluffen, al erschlagen wurden; und ervand sich, dass diser staͤhle huf so vast vom kuͤemeiler-aten was zerschmolzen, das von im nit 200 zuͦnn mit fliehen waren ganz bliben. und also so hattend d' Eidgnossen ... den steinin berg und die staͤhline vorhuͦt zuͦr morgensuppen redlich gewonnen. 8—15; darzuͦ 1500 der fröudigisten ertzknappen ausz Etschland (genent der stählinhauff). Stumpf Schweytzer chron. 647ᵃ; auch der stählene bund für den schwäbischen bund selbst: betrachtottent die sach und erdachtent, das sy, mit gunst und willen keiser Fridrichs des dritten, auch ein punde machtent, den man nempt den stächlin pund ettlich nampttent in ouch den iüppen punde, und ettlich den schwebschen punde, als er ouch heiszt, vermeinittent, sich also durch solichen punde den eydtgenossen zu gelichen. Etterlin cron. der eydtgnoschaft (1507) 103ᵃ;
krei (krähe = Tirol), ich han mit dir gefochten
wol über die vierden stund,
an dir han ich mich gerochen
und an dinem stechlin bund.
Liliencron hist. volksl. nr. 205, 22.
vgl. auch: und haben alle völcker ye und ye bekennen müssen, dz sy meynen, die Teütschen (die man yetzund lantzknecht nennet) seyen teüfel, oder aber stähelin. S. Franck weltb. 48ᵃ.
δ)
ins seelische gewendet. so schon: Esaie 48. dein nacken ist eisern, und deine stirn ist stehlen, denn weil gott der jüden hertigkeit und hartneckigkeit, und verruchte oder unverschampte stirne beschreibet, hat er nit von einer roten stirn eigentlich reden woͤllen, sondern von einer trotzigen, und gestehleten stirne, die sich nicht schemet, nicht rot wird, und weder mit gut noch boͤsz gar nicht biegen oder lencken lesset. Mathesius Sar. 79ᵇ. — besonders stählenes herz: owe herz mins, wie bist du so stehlin, daʒ du nit alles von leid zerspringest. Suso bei Wackernagel leseb. 1², 873, 2; er müszte doch ein stähelin hertz haben, der nicht ein freud darvon hette. buch der liebe 194ᶜ; ich hette vor diesem gemeinet mein hertz were stälen, das mans mit keinem metal verwunden könte. aber diese wort, so ich jetzundt gehöret habe, haben mir mein hertze dermassen durchgedrungen .., das ich für angst nicht weis, wo ich aus oder ein sol. Heinr. Julius v. Braunschweig 129 Holland (Sus. 4, 4); die liebe macht ein stahlens hertz gelind und weich wie wachs. Lehman 2, 423. ähnlich: es ist keiner so hart, starck, stählin unnd steinen, der durch unsere liebliche wort unnd dein gesicht dir nicht gehorsam were. buch der liebe 209ᶜ; ouch die stehelin oder iserin gemuͤte gezemet der gelust. Pfeiffer altd. übungsb. 175, 27;
sô muoʒ ich sîn gar stehelîn
und herter denne ein îsen.
troj. krieg 21920.
g)
stählen (oder eisern, s. theil 3, 375) sagt man auch von abgaben, leistungen u. dgl., die dauernd unter allen umständen entrichtet werden müssen, sowie von entsprechenden einkünften, festen beständen u. ähnl.: stählin vieh, pecora chalybea, ferrea; stähline gült; stähline gultbrief, litterae ferreae, reditus chalybei; auch stähline brief, litterae moratoriae. Scherz - Oberlin 1552 f.; stählene pfründe 'praebenda, quam quis sine detractione et imminutione percipit'. 1553: aber wir haben ein vater ym himmel zuͦ dem wir schryen vatter unser der du bist in den himlen, da ist unser stehelin pfruͦnd .., da ist kein wurm noch schab der unsz die cleider esse. Keisersberg narrenschiff 187ᵃ (gedruckt 177, richtig 179).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3,4 (1906,1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 560, Z. 1.

stählen, verb.

stählen, verb.
zu stahl, hart wie stahl machen, mit stahl versehen.
1)
stählen ist eine gemeingerm. causativbildung zu stahl, chalybs: altn. stǽla Cleasby - Vigfusson 602ᵃ; ags. stýlan Bosworth - Toller 920ᵇ; mnd. - nl. ohne umlaut stalen Schiller - Lübben 4, 356ᵃ (einmal belegt, vgl. unten 2, b), ebenso bei Kilian, s. unten; mhd. stehelen, stecheln, stælen, mitteld. stêlen, und stahelen, stâlen Lexer handwb. 2, 1159 f. vgl. Fick³ 3, 344. Weigand 2, 792. im nhd. finden sich neben stählen in der ältern sprache oft abweichende schreibungen, so stäheln (Amadis 1, 466), stehlen (Mathesius, Wirsung 377 C. 546 B, sonst stählen), stehiln (1584), stälen (Stieler, Garg. 153, s. 2, d; Schwartzenberg?, s. 3, a); oberd. stächlen (Rüff, tirol. weisth. 4, 278), stächeln, stecheln (Tucher, auch stechelen), stechlen, s. die belege (unter 2, besonders 2, b); ganz vereinzelt sind umlautslose formen, s. stahiln (1584) unter 2, b und gestahlet (wunderh.) unter 3, a.mundartlich ist stählen nur oberd. bezeugt: schweiz. štǟchle Hunziker 249, stechla Bühler Davos 1, 131. 2, 69, in Basel stächlen Seiler 276ᵃ; bair. stáhhəln Schm.² 2, 744, tirol. stâchln, staͦchln Schöpf 696, steir. staheln Unger-Khull 568ᵇ, kärnt. stâchln Lexer 238. doch auch ostfries. stalen ten Doornkaat Koolman 3, 298ᵃ.
2)
stählen in eigentlicher bedeutung: stählen, stahl an etwas thun, acerer, fournir et estouffer d'acier. Hulsius 305ᵇ; stählen chalybe admisto durare. Schottel 1420; stälen, gestälet, chalybe munire, ferrum indurare. Stieler 2117; stählen, stälen, it. verstählen, accialare, temprare, durare d'acciaio. Kramer dict. 2, 903ᶜ; 'staehlen, lat. indito chalybe ferrum durare; adiecto chalybe duritiem ferro inducere. Apin. gloss. 509; ich stähle, ferrum induro, ferro chalybis formam induo. Steinbach 2, 656; stählen, verb. ferrum indurare, stahl-hart machen. Frisch 2, 315ᶜ.
a)
zunächst eisen stählen, zu stahl machen, härten, vgl. die voranstehenden übersetzungen und nl. staelen, verstaelen het yser, indurare ferrum chalybe. Kilian 2, 626ᵇ: die zend tailent an ainem lebendigen eber reht sam ain gestäheltʒ eisen. Megenberg 121, 14; Clarion ... nam eyn starcken spiesz, mit eynem guͦten gestahelten eisen zuͦ der handt. Fierrabras F 6ᵇ.
b)
häufiger (eiserne) geräte stählen, stahlhart machen, härten: ein messer, eine hacke, einen pickel etc. stählen, accialare un coltello, una scure, un piccone etc. Kramer dict. 2, 903ᶜ; ein wol gestähltes messer etc. coltello etc. di buona tempra [di acciaio]. ebenda; stählen, ein eisenes werkzeug, instrumento ferreo aciem chalybeam accudere. Frisch 2, 315ᶜ; 'mit einer schneide oder spitze von stahl versehen; im gemeinen leben auch verstählen. eine axt, eine hacke, ein messer stählen. ein gut gestähltes messer.' Adelung; 'stählen, verstählen, ein eisernes werkzeug mit stahl verbinden, oder anschweiszen, um daraus ein schneidendes werkzeug zu machen.' Jacobsson 4, 247ᵇ, s. auch Krünitz 168, 650. die erklärungen geben verschiedene nuancen der bedeutung (zu stahl machen, härten; mit stahl versehen), denen in der sache verschiedene verfahren entsprechen; welches im einzelnen falle gemeint ist, läszt sich nicht entscheiden. belege: wenn nu die Hebreer jre holtzpeil, pflugscharen, hawen, sensen, gabeln scherpffen, auszschmiden oder stehlen wolten lassen, mussten sie in der Philister lande ziehen für die schmitte. Mathesius Sar. 80ᵃ. im einzelnen, besonders waffen: der schatz eines fürsten bestand ... aus gut gestählten und geschmückten waffen. Freytag 17 (bilder 1), 185; die schneide der schwerter und messer wuszte man zu stählen. 68; mit zweyen Meyländischen Schweitzertölchlin, unnd wolgestahelten reuterböcken (dolchen, s. bock 11, theil 2, 204) klemmet er zum höchsten hausz hinauff. Garg. s. 283 neudr.;
eben so lagen vor dir, die waffen, stolzer Achilles,
die dir im heiszen Vesuv, der hinkende schmiedegott stählte.
Zachariä 310 (d. phaeton 2, 109);
ein bärt'ger mann, entblöszt die nerv'gen arme,
stählt waffen dort am rusz'gen herd.
Eichendorff² 3, 542;
was weint ihr, mädchen, warum klagt ihr, weiber,
für die der herr die schwerter nicht gestählt?
Körner 1, 59 Fischer (aufruf);
gross und selten war
des schwertes tugend, reich der goldne griff,
und reicher viel die fest gestählte klinge.
Wieland 18, 32 (Geron 377);
pfeile, mit stählerner spitze versehen:
indesz ... vom gespannten bogen
nun ein gestählter pfeil, der nicht betrüglich irrt,
auf dich, zu sichres thier, vom tod begleitet, schwirrt.
Uz 242 Sauer (kunst fröhl. zu seyn 2, 171;
(im bilde:)
freylich beiszt es in dem hertzen,
dasz uns zwang und pöbel quält ...
und das unglück pfeile stählt.
Günther 194.
kugeln: schosz mit lumpen, ... mit trei unnd vier kugeln, mit toppelem lot, gestälten kugeln. Garg. s. 284 neudr. rüstung: und also bald reit er wider den Amadis, und erreicht jn in dem schilt dermassen, dasz er jn durchstach, doch den harnisch nit, welcher gar wol gestähelt ware. Amadis 1, 466 (222 Keller);
si sazzeten ǒf ir hǒbet   die helme wol gestalet.
exodus 160, 28 Diemer.
daher dann auch:
laszt ihn den fusz gestählt, es ist mir recht,
auf diesen nacken setzen.
Kleist 2, 76 Schmidt (Penthes. 9).
andre geräte: bicken (spitzhacken) ... mot he wol scherpen oder stalen alse se ghestumpet weren. quelle bei Schiller-Lübben 4, 356ᵃ; von 3 hamern zu steheln. Frankf. urk. des 14. jahrh. bei Dief.-Wülcker 861; von eyme schellehamer an beyden enden zu stahiln. ebenda (vom j. 1584); meister Johan Solczpecher von eyme bickele den wegemechern zu erlegin und stehiln und eynen schellehamer erlacht und gestahilt. ebenda; von einem pflaster schlegel zu stecheln zwelf und viertzehen pfenning. Tucher baumeisterb. 100, 5; von einem perck eisen und steinext öer zu stecheln acht und 10 pfenning. 7; von einem pflasterhamer und störchsschnabel desgleichen zu stecheln acht und zehen pfenning. 10; von einem schellhamer zu stechelen sechs pf. 17; der pantarbesstein ziecht das gold, ... das gestälet messer die glufen. Garg. s. 397 neudr.; für ain schraithack zu stächlen 18 kr. für ain peil zu stächlen 10 kr. tirol. weisth. 4, 278, 19 f. (ordn. der hant-, tagwercher ... auf 1658). im bilde:
und wenn eurer liebeskette
festigkeit und stärke fehlt,
o so flehet um die wette,
bis sie Jesus wieder stählt.
hannov. gesangb. 365, 2 (Zinzendorf).
vgl. auch: bey uns hat inn einer zech kein ort am bergkeisen halten wöllen, vom newen stahel, darumb hat man die örter mit alten messerklingen gestehlet. Mathesius Sar. 79ᵃ. — stählen scheint aber auch einfach für schärfen, wetzen gesagt zu werden (?): so man eynen wageysen oder segeysen tangeln oder stächeln sol. Scheirer dienstb. 31 bei Schm.² 2, 744 (a).
c)
zuweilen wird stählen absolut gebraucht: was vom eisern untern hemmern abspringet, damit stehlen die schmide. Mathesius Sar. 79ᵃ; da Mose gene. 4. Tubal Cains hammer, schmitten ... beschreibet, gedencket er auch des stehlens, denn ... hat er nicht allein küpfferne unnd eiserne geschirr gemacht, polirt, geschliffen, sonder er ist auch der erste waffenschmid gewesen, der stehlene schneiden, bane, oder ort an eisen hat schweissen, wellen, und herten können. 80ᵃ. daher wortspielend mit (dem gleich gesprochenen und in der ältern sprache auch oft gleich geschriebenen) stehlen:
wer stählen will in fried',
der werd' ein messerschmied.
Wander 4, 767.
d)
in der ältern sprache, besonders der des 16. jahrh., begegnet öfter wasser, wein stählen, glühenden stahl oder eisen darin löschen, um sie eisenhaltig zu machen (wie es im volke noch jetzt geschieht), vgl. Schm.² 2, 744 (b). Unger-Khull 568ᵇ (3). zuweilen werden auch andre metalle dazu verwendet, s. die belege. wasser stählen, gestähltes wasser (vgl.stahlwasser): ir tranck sey ein gestechlots wasser. quelle bei Schm. a. a. o.; wenn ein jung khind die ruer hat, so nim ein ducaten und schechelen (l. sthechelen) jm sein wasser und milch und stos jn ainmal oder 3 darein, und wan die ruer ab nimbt, so nim mit dem schachelen (l. sthachelen) auch ab. ebenda; warzu der gestelete wein und wasser diene, gehöret fuͦr die ertzte. Mathesius Sar. 80ᵃ; jr tranck sol syn ein luterer dick roter wyn, mit gestächletem wasser vermischt. Jac. Rüff trostbüchle (1569) 116ᵃ; darnach ... hab ich jm solches mit gold gestäheltem wasser noch ein guten trunck zutrincken ... gegeben. ... solches wasser musz zu ettlichen malen gestählet sein, bisz dasz es ein wenig lawwarm würdt. Gäbelkhover artzneyb. (1595) 1, 28; zum tranck, brauch er ... gestählete wasser. Wirsung artzneyb. (1597) 369 C; also taugt auch gestehlets wasser mit stahel, eysen, gold, silber oder kiselsteinen darinngelescht. 377 C; jhr tranck soll zimlicher starcker roter wein seyn, ein wenig mit gestehletem wasser gemischt. 546 B, s. ferner 262 B. 379 C. 385 D. 388 D. wein, vgl. oben Mathesius und stahlwein: man mag jren ouch sölchen roten wyn stächlen mit klarem gold, so vil malen darinnen abgelöscht. Rüff trostbüchle 116ᵃ; mit volgendem pülverlin in wyn vermischt der gestächlet sye oder gelöscht mit reinem gold. 116ᵇ; ein latwergen ... die solt du der frouwen morgens nüchter yngeben uff ein lot, in gestächletem rotem wyn zertriben. 117ᵃ. so wol bildlich: hie gut win Dorleans, von Montflascon, ... das ist gestälet. Garg. s. 153 neudr. (jetzt in Baiern scherzhaft wein oder bier stäheln, anstäheln, indem man wasser zugieszt. Schm. a. a. o.) milch: ob einer frouwen die da schwanger wäre, jr zytung oder der bluͦm käme .., so sol sy ein süsse milch stächlen lon. Rüff trostbüchle 29ᵃ; dasz die frouw ein gestächlete milch bruche zuͦ jren köchten, als hirsz, linsy, rysz, alles darmit gekochet. 115ᵇ; so sol sie eine süsze milch stählen lassen, und dieselbige essen oder trincken. hebamenb. (1581) 47; nim hundskot 1 m, zertreibs mit wol gestählter milch. Wirsung 385 C; frische kuhmilch mit haiszen stainen gleichsam stählen. Minderer bei Schm. 2, 744; gerstenmeel wol in butter geröschet, und mit gestählter milch zu einem breylein oder müszlein gesotten, stopffet den flüssigen bauch. Tabernaemont. 622 J. in neuerer zeit vereinzelt gestählter punsch, vgl. stahlpunsch:
fröhlich nun des stillen wunsches,
schlürfen wir gestähltes punsches
volles mass!
Voss 6, 5.
3)
häufig sind übertragene und bildliche gebrauchsweisen; 'uneigentlich, in hohem grade stärken, festigkeit, dauer geben'. Campe.
a)
zunächst in bezug auf den leib, ihn stark, gesund, widerstandsfähig machen; reflexiv: schon von den frühesten jahren einer harten lebensart unterworfen, stählte sich sein körper zu seinen künftigen kriegesthaten. Schiller 9, 342; eines durch klösterliche strenge und keuschheit von jugend auf gestählten leibes bedurfte es, um die mühseligkeiten eines solchen amtes zu ertragen (es ist von Luther die rede). Heine 4, 189 Elster. unklar, ob hierher gehörig:
von feüchten, trügken, hytz und kält,
sen unser cörpel all gestält.
wölchs thayl darunder würt verzert,
uns krangkhayt und den tod beschert.
Schwartzenberg Cic. 152ᵃ.
ähnlich mhd.:
mit wîsheit diu complexie dîn ist an dem orte gestâlet.
Frauenlob 130, 12.
im einzelnen: entschlossen, das untier mindestens mit sich zu verderben, umklammert sie, mit gliedern, gestählt von wut und rache, den hund. Kleist 4, 167, 28 E. Schmidt. vom arm: der seine würde im männlichen antlitz, in seinem gestählten arme trägt. E. Müller bei Campe;
die götter täuschen nicht. das laster auszurotten,
kömmt ihr gestählter arm oft langsam, doch gewisz.
Gotter 2, 12;
ethisch gewendet:
ich soll in seinem hohn
den arm mir stählen, dasz er schonungslos
in's leben trifft!
Geibel 7, 86.
in der ältern sprache vom haupt; zunächst eigentlich, durch (einen helm von) stahl schützen:
in was daʒ hǒbet   vil wol gestalet:
manich zistiler guͦt   daʒ bewart ir bluͦt
lǒtir sam ein brunne   daʒ eʒ niht enrunne
von deheines swertes bane.
exod. 158, 23 Diemer.
dann übertragen in segensformeln (vgl. stählen, adj. 2, f, β):
das herz sei dir steinern,
das haupt sei gestahlet.
wunderh. 1, 196 Boxberger.
so jetzt gern:
dem Pyrmont die nerven stählt.
Klopstock oden 2, 188.
b)
ähnliche wendungen mit ethischem sinne, von festigkeit oder härte des charakters u. ä.; so schon gestehlete stirne (= stehlen) Mathesius Sar. 79ᵇ, s. stählen, adj. 2, f, δ. besonders aber das herz stählen:
hätt' er, der dich zu seinem dienst erwählet,
hätt' Aeskulap nicht selbst dein herz gestählet.
Gotter 1, 99;
sei stark gebieterin, stähle dein herz.
mit fassung ertrage, was dich erwartet!
Schiller 14, 104 (braut v. Mess. 4, 3);
mit unpersönlichem subject: ein guter gedanke stählet des mannes herz. Schiller 3, 80 (Fiesko 2, 19);
wenn fester entschlusz das herz ihm
stählet?
Klopstock 2, 73;
reflexiv:
es übt sich mehr und mehr das herz,
und stählt sich, dasz von tag zu tage
mit gröszerm mut es immer neuen schmerz,
und immer neuen kummer trage.
Platen 23ᵃ;
dafür auch:
selbst des lebens kämpfe stählen
fester seine feste brust.
Schiller 11, 34 (würde der frauen 56; gewöhnl. lesart: seinen harten sinn);
nicht stählen kann das unglück seine brust,
es kann ihn nur zerschmettern.
Grillparzer⁴ 9, 89 (Blanka 3).
c)
unbildlicher mit abstractem object; kräfte: dasz unschuld selbst die kräfte eines armen mädchens stälen könne; daran dachte niemand. A. G. Meiszner s. deutsche erzähler des 18. jahrh. 74, 36 Fürst; indesz die übel, womit uns ... die natur ... heimsucht, zugleich die kräfte der seele aufbieten, steigern und stählen. Kant 7, 316;
schaue dann umher nach weisen,
und nach mächtigen, die befehlen;
jene werden unterweisen,
diese that und kräfte stählen.
Göthe 5, 75.
den muth: noch weisz ich nicht, was für ein gott den muth mir stählt. Weisze bei Adelung;
wer stählet deinen muth,
dich so ohn furcht zu wagen?
wunderh. 1, 289 Boxberger;
darum danck ich vor den hasz, den mir freund und feind erzeiget,
denn er hat den muth gestählt.
Günther 864;
auch bring' ich ihm befehle: ...
zu stählen seiner brüder milchzerflosznen muth.
Schubart 2, 67.
anderes: dasz sie ihm auf dem kriegspfade folgen sollte, in der schlacht seinen eifer zu stählen. Freytag 17 (bilder 1), 87;
dass in hütt' und palast biedere treu und zucht
gern mit mässigkeit wohnt, und mit gestähltem fleiss.
Voss 3, 21.
ungewöhnlicher: er (der commandant der belagerten stadt Ziebingen) setzte kleine preise auf tapfere träume voll siege, ... um durch das träumen das wachen zu stählen. J. Paul 34, 116.
d)
gewöhnlich einen stählen: ich musz dich stählen, weichling. stahl musz das werkzeug seyn, mit dem ich gründen und bauen kann in die zukunft. Fr. Müller 3, 58; stähle mich mit kraft, den bogen des urteils rüstig zu spannen. Kleist 4, 128 E. Schmidt. so mundartlich, tirol. stâchln, staͦchln 'fig. stark, tüchtig machen'. Schöpf 696; schweiz. eine štächle, in einem entschlusse bestärken'. Hunziker 249. — reflexiv: sie ... glichen so zwei tüchtigen helden, die sich ritterlich vertragen und gegenseitig stählen, ehe sie sich befehden. Keller 4, 226;
zum unglück hatt' er auch, aus einem wenig zarten
gefühl, Kupido's gluth mit Bacchischer vermählt,
und, um das abenteu'r recht glorreich zu bestehen,
auf alle fälle sich mit cyperwein gestählt.
Wieland 21, 248 (Klelia 4, 152).
so auch Platen 23ᵃ unter b und:
wo uns natur befreit, wie kunst auch binde,
der geist sich stählt, wenn sich das herz erweicht.
Göthe 2, 157.
e)
gern mit unpersönlichem subject (vgl. unter b): die kalte nachtluft stählte mich. Bettine tageb. 48; die unglückliche liebe gegen Linda de Romeiro, die ihn später vielleicht gestählet hätte, öffnete so früh alle adern seines herzens. J. Paul 22 (Titan 2), 124; aber dieses ewige ringen und kämpfen hat ihn (den marschbewohner) gestählt und geweckt. Allmers marschenb. 11;
lasz ins ferne wandern uns, geliebter!
glückt es nicht, den bruder aufzufinden,
stähle doch und kräftige doch die welt uns!
Platen 323ᵃ (Abbass. 1).
im part. präs. absolut: das freiere, politischere, thatkräftigere reformierte wesen wirkte klärend und stählend auf ihn ein. Prutz preusz. gesch. 1, 301. dazu das part. pass., vgl.: metaph. occallere, occallescere, callum ducere, gestälet seyn. Stieler 2117; gestählt von seiner ganzen rechtswissenschaft rief er sich jene schöne maxime zu seinen eignen gunsten heran. Göthe 21, 159 (wanderj. 1, 9); mir stellte sich, sobald die gefahr grosz ward, der blindeste fatalismus zur hand, und ich habe bemerkt, dasz menschen, die ein durchaus gefährlich metier treiben, sich durch denselben glauben gestählt und gestärkt fühlen. 30, 125; ja, nun bin ich gefaszt und gestählt. 42, 433 (Götz v. Berl. 5, 13 bühnenbearb.).
f)
dazu können weitere bestimmungen treten. stählen zu etwas: aus solchen verbindlichkeiten entspringt zuletzt der ausdruck eines leeren behagens an einander, in dessen phrasen sich ein charakter leicht verliert, wenn er nicht von zeit zu zeit zu höherer tüchtigkeit gestählt wird. Göthe 25, 296 (dicht. u. wahrh. 10); (centauren,) gewaltige, wilde berg- und forstgeschöpfe, von jagd lebend, zu allen kraftübungen sich stählend 39, 198 (Tischbeins idyllen viii); dasz hier vielleicht der wichtigste punkt sey, wo die deutsche vaterlandsliebe sich zu den festesten vorsätzen stählen müsse. 43, 339 (Rhein u. Main, Mainz); in wechselvollem kriegerleben zum soldaten gestählt. Prutz preusz. gesch. 2, 126; was jenen (Friedr. I.) zu unbedachter hingebung an den schönen schein verführte, stählte diesen (Friedr. Wilh. I.) zu einer pflichttreue, die im kleinsten das gröszte achtete. 342;
einst eines haushalts seel' und oberhaupt zu seyn,
der ehrgeiz wars, der zur geduld mich stählte.
Gotter 1, 291;
der ritter, dem die liebe ...
sein tapfres herz zu jeder probe stählt.
Wieland 17, 282 (Idris 5, 51);
s. auch Platen 23ᵃ unter b. — stählen gegen: aber nicht allein gegen diese sinnlichen eindrücke, sondern auch gegen die anfechtungen der einbildungskraft suchte ich mich zu stählen. Göthe 25, 253 (dicht. u. wahrh. 9); der mann, dessen brust nicht gegen den hass, den spott und die verachtung der ungerechten gestählt ist, steht in gefahr ihnen gleich ... zu werden. Klinger 5, 65; das part. gesteigert: er (gott) gab ihnen die gröszten schmerzen, um sie geduldiger vielleicht entsagen zu lehren und sie gestählter gegen eine von allen seiten drohend blickende zeit nur auf ihn blicken zu lehren. Brentano 9, 340. seltner: man musz sich auf alles stählen; fest in sich ... still abwarten. J. v. Müller werke 14, 434.
g)
oststeir. sagt man staheln für 'in der wirtshausrechnung überhalten'. Unger-Khull 568ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 564, Z. 9.

stahlen, verb.

stahlen, verb.,
ein wort, das dem ältern nd. und dem nl. eigenthümlich ist und zum zweiten stahl gehört: mnd. stalen 'nach dem urbilde prüfen und als dem entsprechend beglaubigen', besonders vom tuche in bezug auf die färbung, dann auch geradezu in die bedeutung 'blau färben' übergehend, s. Schiller - Lübben 4, 355 f. (mit belegen aus Lübecker und Hamburger zunftrollen); 'durch ein merkmahl bezeugen, dasz eine waare die probe halte und echt sey: gestempeltes bley an die tücher hangen, zum beweis, dasz sie gehörig gefärbet seyn.' brem. wb. 4, 987; ebenso nl. staelen het laecken, plumbeo sigillo munire pannum probe tinctum. staelen oft verwen de wolle, sufficere lanam medicamentis, inficere. Kilian 2, 626ᵇ, und noch jetzt holl. stalen. dann auch bei Adelung (unter stahl) und Campe verzeichnet (in der nd. umlautslosen form, doch schreibt ersterer die wolle stählen).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 568, Z. 60.

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Zitationshilfe
„gestählt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gest%C3%A4hlt>, abgerufen am 28.11.2021.

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