Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gestaltig, gestältig, adj.

gestaltig, gestältig, adj.
1)
gestaltet, eine gestalt habend, s. gestalt 3 sp. 4184, nur in zusammensetzungen: zweigestaltig, biformis, vilgestaltig, varius Dasyp. E 6ᵈ; halb-, eingestaltig Becher nov. org. philol. (1674) 303, nr. 816; den heldengestaltigen. Rückert Nal 118; in bezug auf gemütsstimmungen: laune der wandelbarsten und vielgestaltigsten aller weiber. Wieland 35, 341; ein aussehen, eine farbe habend, s. gestalt 2 sp. 4183: aingestaltig, unicolor Dief. nov. gl. 385ᵃ; gebildet zu der gestalt, derart, s. gestalt 1, e, α sp. 4182: mit dergestaltiger freude. pers. baumgarten 6, 11; bewandt: bei so gestaltigen sachen musz man eilen. Heynatz antib. 2, 47 oberdeutsch, vgl. das adj. part. gestalt 3, c sp. 4178.
2)
von schöner, stattlicher gestalt, formosus, vgl. gestalt 3, a, ζ: gestältig, speciosa de Lapi vocabularius (Bologna 1479) a 10ᵇ; gesteltig, speciosus Dief. nov. gl. 344ᵇ (Augsb. vocab. von 1516); wolgestaltig, hüpsch machen, decorare Dasyp. (1537) 431ᵇ; welche jr jungkfröuwliche eer verloren hatt, die erlanget keinen eerenmann mer, wie gestaltig, reich oder schön sy iemer was. Stumpf chr. 1, 23ᵇ (2, 5); ein junges töchterlin (hungerte und durstete vier jahre lang), sein leible bleib one abnemmen und kranckheit, gestaltig. 2, 204ᵇ (7, 10); es sind grosz leüt, gstaltig, und starck von leib. 2, 83ᵃ (5, 19); als er in seiner jugend unvertragen, fräch, darzuͦ von person gstaltig was. 2, 25ᵃ (5, 6); noch bair. gestältig, wolgestalt, schön Schm.² 2, 754. gegensatz ungestaltig, häszlich: die geboren jungen (bären) sind .. gar ungestaltig, die läcket jr muͦter so lang bisz sy ein gestalt überkommend. Stumpf chr. 2, 286ᵇ (9, 14).
3)
mit bezug auf gesichtsausdruck und benehmen, freundlich: doch erzeigte ich mich gestältiger gegen ihr als gegen einer andern. Simpl. 2, 1, 6, 29.
4)
gestaltig oder höflich nennt der bergmann das gebirge oder eine erzlagerstätte, die sich aussichtsvoll gestaltet, erze verspricht, gegensatz ungestaltig, unartig Scheuchenstuel 129: gestaltige gänge und klüfte. Veith 233.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4191, Z. 76.

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Zitationshilfe
„gestältig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gest%C3%A4ltig>, abgerufen am 27.11.2021.

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