Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestäubt, adj.

gestäubt, adj.
part. mit staub bedeckt, staubig: gestäubet, pulvere sparsus Henisch 1573; der ist genug gestäubt, als käm er vom eschermitwoch. Garg. 253ᵇ; getribner und gestäubter has, lepus exagitatus Henisch; gestäubte tapeten, plüsch- oder sammetartige papiertapeten, 'mit flockwolle bestreuet und bestaubet' Jacobsson 2, 73ᵇ. 3, 196ᵇ; mit sprühschaum bedeckt:
der winde kämpfend heer
fällt rasend aufs gestäubte meer.
Uz 1, 158.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4205, Z. 80.

stauben, verb.

stauben, verb.
eine rückangleichung von stäuben, verb. an den lautstand von staub, subst. braucht nicht mit notwendigkeit angenommen zu werden; ebenso wahrscheinlich läszt sich angesichts der ganzen bedeutungsgruppe unter 1 die annahme einer zustandsbildung machen; vgl. noch mhd. stouben (ahd. stoupan). das im übrigen nach oberdeutschem lautgesetz den umlaut meidende obd. stauben kann ebensowol stauben wie stäuben sein. es hat wol zu seinem theile mit dazu beigetragen, dasz die bedeutungsgrenzen zwischen beiden wörtern stark schwanken (s. unter 2). nach Adelung wird mit unserm wort haben verbunden. vgl. im übrigen auch unten unter stäuben, verb.
1)
als staub wirbelnd umherfliegen:
a)
es staubt in der mühle Adelung; vgl. Frisch 2, 322ᵃ; er galoppirte, dasz es staubte Adelung; tanzen, rennen, dasz es staubt vgl. Schm.² 2, 719; hierauf vorbeimarsch, es staubte aber so fürchterlich, dasz man fast nichts ... sah Moltke 6, 84. als scherzhafte bildliche erweiterungen dieser wendung sind aufzufassen: essen, trinken, beten, lügen, dasz es staubt (dáss's stâbt oder dáss's allen stâbt), d. h. ganz ungeheuerlich. vgl. Schm.² 2, 719, wie etwa ein tüchtiger kämpe sich auf dem kampfplatz tummelt oder ein wettläufer die bahn nimmt, dasz es staubt;
er liugt, dász 's stâbt,
und wer eam glâbt,
der kriagt a lángs nâsel.
Hartmann Abel volksschauspiele 152, 94 (aus Palling im Chiemgau).
b)
der blumenstaub staubt:
freude fliegt in meiner taube
zu dem tauber hin auf's dach;
staubt in meinem blumenstaube,
rinnt in meinem Emmabach.
Gleim 7, 179.
c)
das wasser staubt, fliegt zerstiebend umher, entsprechend staub II, 1, θ, sp. 1077:
der mühlbach saust,
das mühlrad braust,
die sonne scheinet, das wasser staubt.
Brentano 1, 497.
2)
in die bedeutung von stäuben, verb. mehr oder weniger übergehend:
a)
staub von sich geben, etwa wie die strasze stäubt u. s. w.: die männliche oder die staubende blume (der kiefer) sitzet auf den spitzen der zweige in eirunden büscheln Heppe jagdlust 3, 388. vgl. staub II, 1, ε, sp. 1077;
durch das umwölkte, staubende tosen
drängender krieger hört' ich die götter
fürchterlich rufen.
Göthe 1, 15, 1, 185 Weim. ausg. (Faust 2, 3).
scherzhaft wird in Wien und seiner umgebung von einem starken tabaksraucher gesagt: der staubt den ganzen tag oder der staubt wie ein misthaufen R. Much in der zeitschr. f. d. wortforschung 2, 286. vgl. auch oben staub I, 2, sp. 1070.
b)
stäubend streuen:
die amme, die ihn (den knaben) am busen hatt',
mit dem fusz nicht die erde betrat.
unter den fusz war ihr moschus gestaubt.
Rückert Firdosi 1, 104.
c)
den staub ausklopfen, fortblasen u. s. w. (vgl. stäuben 5): item notandum daʒ ... dye rauchen dekh im sumer aussgelaugen und alle monett ains geslagen und gestaubt werden durch den hoffkursner, damit die schaben nicht darin kömen Zingerle mittelalterl. inventarien 165 anm. (schlosz Buon Consiglio in Trient, ende des 15. jahrh.). bildlich mit worten an einem stauben, ihm tüchtig zusetzen, wie man etwa mit staubtuch und federwisch einen gegenstand in reinigende behandlung nimmt. von Lucrecia:
mein freunde mir der wort gelaubten,
mit worten alle an mir staubten,
das ich mir selb nichts arges thet.
H. Sachs 23, 28, 19 Keller-Götze.
d)
mundartlich einen stâuben, ihn fliehen machen. Schm.² 2, 719, entsprechend stäuben 8, verb. vgl. auch ahd. stoupan, turbare Graff 6, 617.
e)
sich stauben, wenn die hühner sich im sand und lockeren erdreich baden Kehrein 281, vgl. auch unten stäuben 1, c.
3)
stauben, trinken. Schm.² 2, 719. hat sich wol als eine art von verknöcherung aus den oben unter 1, a angeführten scherzhaften erweiterungen ergeben, zugleich in verbindung mit dem anderen vorstellungskreis: den staub hinunterschwemmen, seinen durst löschen (vgl. oben staub II, 3, e, sp. 1081). als weitere möglichkeit soll eine übertragung des der jägersprache angehörigen ausdrucks die hühner stäuben (sich) (vgl. 2, e und stäuben 1, c), nehmen ein bad, womit sich dann leicht überhaupt die vorstellung des sich gütlich thuns verbindet (man denke nur an die freuden mittelalterlichen badelebens), durchaus erwogen werden. J. Grimm hat unter bestäuben (welches als 'sich gründlich stäuben' auch in den eben umrissenen gedankenkreis einginge) theil 1, sp. 1658 den zusammenhang mit (sich) benebeln erwogen.
eins nahtes het er (der mann) wol gestaubt
dô sloʒ die frauwe leise ûf die tür
und gie zu irm ameise hin für.
renner 12849;
so werdent aller leute haubet
von neuwem mosten mer betaubet,
swenne der trinker wol gestaubet,
denn von reinem virnem weine.
17273.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1910), Bd. X,II,I (1919), Sp. 1097, Z. 63.

stäuben, verb.

stäuben, verb.
als factitiv mittels jan-suffixes gebildet zu dem starken verbum stieben (s. u.) mit benutzung des praet. sing. ahd. stoup. (weniger wahrscheinlich zu dem subst. staub wie etwa räuchen, verb. theil 8, sp. 245 zu rauch, m.), mhd. stöuben; dagegen ohne umlaut stouben, das sich zu nhd. stauben (s. o.) stellt. zweifelhaft bleibt in seiner zugehörigkeit ahd. stouban, stoupan. vgl. noch nd. stoven. im übrigen haben sich stieben und stäuben vielfach ihr hausrecht streitig gemacht, vgl. nur beide synonym gebraucht: in Teutschland, in den Alpen, bei den Savoiern und in Piemont stiebe und stäube alles voll unholden Fischart Bodin (1591) 267; wie denn auch stieben gleichsam zum ersatz für stäuben ein schwach flectierendes praet. stiebte mit transitiver function gebildet hat. vgl. andererseits unten 7, sowie die oben gegenüber stauben, verb. gethanen übergriffe (s. stauben 2).
1)
den staub emporwirbeln, dasz er wolkicht fliegt, pulverem movere Schottel 1421, Frisch 2, 322ᵃ.
a)
beim gehen, schreiten, laufen, fahren:
α)
stäube nicht so! Adelung;
der pabst und kaiser und clerisey!
haben lange mäntel und lange schwänz, ...
trottiren und stäuben zu hellen scharen.
Göthe 13, 3 (puppensp. prolog).
die füsze stäuben:
liebliche ruh, stäubt endlich der fusz in des weges
krümme nicht mehr.
Klopstock oden 2, 33, 9.
staub aufwirbelnd fahren u. s. w.: er rennt nach, der wagen schieszet voraus und im freien sieht er ihn schon hinter seinem schlosze stäuben J. Paul 1, 48 (unsichtb. loge 1);
setze dich hier, und lausche nun nicht dem stäubenden rade,
noch dem schnaubenden rosz
Stolberg 1, 377 (traum);
hierher auch:
so bricht aus jenem stäubenden gewimmel (des kampfes)
der schmucke Fortunatus manches mal: ...
bald taucht er auf, bald wieder taucht er unter.
Uhland ged. 437 (Fortunat 1).
β)
stäubende fahrt, flucht:
siehe, da rudelten dort sich die hirsche zusammen, und stürzten
laut die stäubende flucht hinab durchs offene blachfeld.
Bürger 246ᵇ;
er, Roin der held und Ferschideward
ritten dahin die stäubende fahrt.
Rückert Firdosi 2, 147.
γ)
begrifflich stärker zusammengeschlossen mit dem localen bahn, weg u. s. w.:
denn wer träte mit euch
in die stäubende bahn, wo es am ziele grünt,
säumt euch das nicht im lauf?
Klopstock oden 2, 34, 7;
wo vom staub und blut der waffen
stets die wilde rennbahn stäubet.
Arndt 5, 38 (Rösch-Meisner);
das ist Italien, das ich verliesz. noch stäuben die wege.
Göthe 1, 349;
dem geistigen blicke
erscheinen die fahnen,
erscheinen die heere,
das stäubende feld.
2, 43 (Rinaldo).
ganz allgemein:
das rosz schnaubt dampf und rauch, es stäubt und kracht die erde.
J. E. Schlegel 4, 53.
δ)
mit gröszerer unbestimmtheit es stäubt, der staub wird (in wolken) aufgewirbelt:
ich seh' es stäuben
von fern, und einen in dem staube kommen.
ich kenn' ihn nicht.
Klopstock 9, 77 (Salomo 3, 5);
und wer bin ich denn, gegen ihn,
wenn laut die schlacht ertönt, und es nun gen himmel stäubt!
40, 22 (David 1, 8);
und laszt uns sehn, dort stäubt's im sand,
dort zieht ein wüthig heer zu land.
Göthe 13, 53 (neuestes von Plundersweiler).
es stäubt in der ferne stark, heftig; doch wendungen wie er reitet fort, dasz es stäubt Kramer dict. 2 (1702), 916ᵇ; es stäubt heute sehr u. ä. ordnen sich vielmehr zu unten 7, a; zweifelhaft bleibt: es stäubt draussen, egli fà polvere fuori Kramer dict. 2 (1702), 916ᵇ.
b)
weniger die blosze bewegung und erregung als die entstehung selbst scheint begrifflich unserm wort eingeschlossen:
ja ich verschmachtete schier in der stäubenden dürre des sommers.
Voss 2, 260 (der bezauberte teufel).
c)
in der jägersprache stäubt das federwild, wenn es sich im staube oder sande badet v. Thüngen waidm. pract. 310: am morgen gehen sie (die rebhühner) auf die weide, stäuben, wenn die trockenheit des bodens es gestattet, und bleiben dann den tag über fest liegen 200.
d)
in der sprache der botanik stäuben die blumen und blüten den männlichen samenstaub (vgl. oben staub II, 1, l, ε [sp. 1077], staubblüte u. s. w.). das korn stäubt in jenem wundersamen augenblick, wo, wie auf ein zeichen, der männliche samenstaub des getreides in einer wolke sich über dem ährenfelde erhebt und bald zur befruchtung wieder niedersinkt; nach kurzer zeit ist das schauspiel schon zu ende:
und unten auf besonnter flur
seh ich des kornes wellen treiben,
in blauen wölkchen drüber stäuben —
ein keusch geheimnisz der natur.
Storm 8, 248 (auf dem Segeberg);
(die staubpilze) bilden in der blatt- und rindensubstanz kleine ... gefärbte gruppen, die oft stäuben, wenn man sie anstöszt Ratzeburg standortgewächse (1859) 73, wo der begriff in 'zerstäuben' schon übergeht. die blumen stäuben duft in dichterischer sprache; verborgen liegt dieser gebrauch in der folgenden stelle bei Rückert 3, 182:
und durch den saal hin zog sie die betäubte,
bis zu dem orte, wo verdeckt lag Flor
in seiner wiege, die von düften stäubte.
e)
perrücken stäuben, geben puderstaub von sich, als begleiterscheinung einer bei uns nun vergangenen mode des 18. jahrh. (vgl. auch die belege unter staub II, 1, l, γ, sp. 1077):
von heiszen stirnen nicken
und stäuben die perrücken
wie wolke birgt den blitz.
Keller 10, 15 (Panard u. Galet).
f)
bei einem kranken thiere, z. b. einem hunde stäubt das fell, hat glanzloses aussehen und giebt beim berühren staub von sich: räudige schaafe lassen die wolle gerne gehen: und wenn der fuchs kranck wird, so stäubet ihm der balg A. Gryphius (1698) 1, 805 (Horribilicribrifax).
2)
im übergang schon zu dem begriff 'zerstäuben' vom stark herabfallenden wasser (vgl. entspr. staub¹ II, 1, l, θ, sp. 1077 und staub², wasserfall, weiterhin staubbach u. s. w.). Schönaich (ganze ästhetik in einer nusz) gieszt noch seinen spott über diesen gebrauch: nach der lehre der herren neologisten thut nun der bach das, was man sonst vom sande sagte, jener stäubet und dieser spritzet: wenn also mein kleid voll staub ist, so ist es bespritzet, ... wenn ich aber ins wasser gefallen bin, so bin ich bestäubt, doch ohne guten grund.
a)
der bach, die flut u. s. w. stäubt:
so schwebet der bogen
gottes über der stäubenden fluth des stürzenden stromes!
Stolberg 1, 143;
vgl.:
sie (die sonne) mahlet mit farben des himmlischen bogens
die schwebenden wolken der stäubenden fluth.
1, 105.
strömt von der hohen
steilen felswand
der reine strahl,
dann stäubt er lieblich
in wolkenwellen
zum glatten fels.
Göthe 2, 58 (gesang der geister über den wassern);
euch, kleine wellen, seh' ich stäuben
den fels hinab im raschen lauf.
Platen 10ᵇ;
(strom,) der von der höhe herunter in allen farben des regenbogens stäubend und wirbelnd in die tiefe schosz Klinger 10, 126 (Sahir 3, 6). im vergleich:
die jahre fliehen hin, so wie ein stäubender bach.
Zachariä 2, 291.
im bilde:
du, meines hymnus feuerstrom!
er stäub' und donnr' im thale.
Schubart ged. 2, 277.
b)
deutlich in dem begriff 'zerstäuben' aufgehend: hochauf bäumen sich die wilden wasser und schauen gierig über den deich in's gesegnete land, weit hinein ihren stäubenden schaum schleudernd Allmers marschenb. 34; mit gleicher wirkung erscheint das passiv:
den fallenden sturz gestäubter
wasser.
Rückert 12, 47.
hierher auch der regen stäubt, fällt und rieselt fein herab (vgl. unten staubregen): unbewegt stand die elegante schwarz befrackte gestalt des bräutigams am fenster und sah in den stäubenden regen hinaus Marlitt zweite frau 37. substantivisch mit weiterer bestimmung: der regen verwandelte sich in ein dünnes stäuben Ganghofer mann im Salz (gartenlaube 1905 s. 988ᵇ).
c)
erweiterungen dieses gebrauches.
α)
das stäubende rennen eines baches u. s. w.:
der alte hat den steg erreicht,
den durch des wirbels stäubend rennen
er eben, eben mag erkennen.
v. Droste-Hülshoff 2, 51 (hospiz auf dem gr. S. Bernhard).
β)
des baches stäubender nebel: bis er (der sturzbach), aufgefangen von einer vorstehenden felsplatte, ... mit stäubendem nebel die tiefe anfüllt, und die grüne matte weit umher bethauet Stolberg 6, 180. stäubendes silber:
so entsenket die erscheinung des Thuiskon, wie silber stäubt
von fallendem gewässer, sich dem himmel, und kommt zu euch.
Klopstock oden 1, 171, 5.
vgl. die bezugnahme auf diese stelle bei Herder 5, 353 (Suphan).
γ)
als letzter grad solcher erweiterung brücke, welche stäubt, welche ganz von feinem wasserstaub umsprüht wird, vgl. auch die hierauf zielende anschauung des begriffes in dem beleg unter 2, c, α:
sendet der berg nicht seine windeswehen
auf euch herab von dem beeiszten joch,
so kommt ihr auf die brücke, welche stäubet.
Schiller 14, 423 (Tell 5, 2).
3)
mit ausgesprochenem object: dann der lufft die äschen hin und wider stäubt Stumpf Schwytzerchron. (1606) 153ᵃ;
der stab wird
mir nicht allein von dem staube, den der weg stäubt,
wird dem wanderer auch von asche
näherer todter bewölkt.
Klopstock oden 2, 26, 2;
vgl.:
(er) stäubte den staub von unsern hallen
zur sonn' auf, und liesz sie in schutt zerfallen.
Rückert Firdosi 1, 43;
was denn auch leicht an eine tautologische verstärkung grenzt:
sie (die beiden jungen helden) stäuben nun auf des kaisers bahn
den staub des kampfes himmelan.
3, 308.
vgl. als sich mehr an 2 anschlieszend: ist er (der sperling) unglücklich, wenn das pustrohr des tölpischen knaben auf ihn zielt, und im nächsten moment rollt er, ein blut stäubendes federklümpchen, das dach herab? Alexis Isegrimm 267.
4)
stäuben mit weiterer richtungsangabe in der bedeutung 'stäubend streuen', zumeist mit object: und nam das kalb, das sie gemacht hatten, und verbrands mit fewr, und zumalmets zu pulver, und steubts auffs wasser 2 Mos. 32, 20; im winter aber stahl ich nieszwurtz und stäubte sie an den ort, da man die knaben zu castigiren pflegt Simpl. 1, 625, 5 Keller; ein wenig pfeffer auf die speise stäuben Adelung; er kam an die Donau, setzte sich ans ufer nieder, scharrte den sand mit seinem stock auf, und stäubte ihn ins wasser Miller Siegwart 2, 315. im geistigen bilde: so sind unser augen vil zu dunckel, nach dem der teufel sein mord und blindheit drein gesteubet Mathesius Sarepta (1571) 199ᵇ. passivisch gewendet: secht da, der ist genug gestäubt, als käm er vom eschermittwoch Garg. 403 neudr. hierher 'gestäubte tapeten, auf welche sehr feine wolle oder seide gestäubet wird' Adelung und G. Freytags versuch, den begriff 'mehl' hinter der alterthümlich erfundenen kenning gestäubte gabe zu verbergen: was bedeutet die gestäubte gabe, soll sie zu einem opferkuchen für die götter, weil die hände freier jungfrauen den stein gedreht haben? 8, 80 (ahnen 1, 1, 5).
5)
durch abstäuben, ausstäuben reinigen u. s. w., doch haben die zusammensetzungen jetzt durchaus die herrschaft; mit innerem object: sy bekleydens mit purpur und stöubend denn den staub ... ab jren antliten Zürcher bibel (1531) 6ᵇ; wenn schaaren vorausgesprengter kuriere unsere niederfahrt melden, dasz sich die satane festtäglich herauspuzen, sich den tausendjährigen rusz aus den wimpern stäuben Schiller 2, 44 (räuber 1, 2 schausp.); der leibhusar ... stäubte mit dem schnupftuch den puder vom kleid Hebel 2, 246, 32 Behaghel; oft habe er sich durch ohrfeigen den puder aus den goldblonden haaren gestäubt Uhlands leben 5. verbunden mit andersartigem begriff: erst wenn die orgel schwieg, klappte auch er sein gegesangbuch zu, stäubte sich mit seiner ausgespreizten hand die andacht aus den rockaufschlägen Storm 3, 190 (zwei kuchenesser), eine psychologisch fein beobachtete geste von leuten, die sich einem eindruck u. ä. nicht lange hingeben wollen.mit äuszerem object: das zimmer stäuben, es von staub reinigen Adelung; in der landwirtschaft das getreide stäuben, es durch schwingen vom staube reinigen ebenda; hierher auch die betten stäuben, die federn mit einem federwisch in bewegung bringen, so dasz die guten daunen emporfliegen, die schlechten aber liegen bleiben ebenda. mit scherzhaftem beisinn, einem die falten (des wammses) stäuben, eigentlich 'ihn gehörig durchprügeln', dann überhaupt 'ihm einen ordentlichen denkzettel geben':
thu frolich zusamen halten,
du frommer adel gut
und steubt in recht die falten.
volkslied auf Albert v. Rosenberg (1545) bei Liliencron 4, 258.
(einem) den beutel stäuben, 'ihn gründlich ausleeren':
der zehn jahr ein müller war, diesem, das den beutel steubt
der, der jhm die mühle liesz, scheint gar billich und erleubt.
Logau 2, 9, 37 (ein müller).
6)
in anlehnung an das vorige mit beziehung auf die elektrische eigenschaft des katzenhaares: sie (die kräuterfrau) hatte den grauen hauskater auf dem schosz und stäubte ihm sanft die funken aus dem pelz Storm 3, 21 (Hinzelmeier).
7)
an stelle von stieben (starkes verb.), zu dem unser wort mit neuer function doch überhaupt erst gebildet ist (dabei hat gewisz die flexion ich stiebe, du steubst u. s. w., welche im älteren nhd. genug vorkommt [s. unten stieben], noch das ihre gethan, um hier die grenzen zu verwischen):
a)
stäuben, wie staub umherfliegen, umherwirbeln u. s. w.
α)
in eigentlicher bedeutung: nemet ewre feuste vol rusz aus dem ofen, und Mose sprenge jn gen himel fur Pharao, das uber gantz Egyptenland steube, und böse schwartze blattern aufffaren 2 Mos. 9, 9; darzu stäubt eim der sand in hals, das verursacht ein unseglichen durst Garg. 352 neudr.; das mehl steubt durch den beutel, pollen per cribrum excussorium ejectatur Stieler 2124; es hat in die stube gesteubet, pulvis in hypocausto considet. ebenda;
ein geriesel, wie wenn sand auf estrich stäubt durch schmale rillen.
v. Droste-Hülshoff 2, 12 (spiritus familiaris des rosztäuschers);
er (gott) ist kein sand, der glitzernd stäubt.
1, 60 (die stadt und der dom).
stäubender sand zum löschen der tinte:
(der Amor stand) das haupt gewendet vom stäubenden sand,
und spiegelte sich in der tinte
1, 188 (sommertagstraum);
schutt und moder stäubte durch die luft Treitschke 2, 281; ich ... blickte unverwandt dem wägelchen nach, wie es durch den stäubenden sand zog Storm 9, 62; (er) gosz das wasser in die herdflamme ... eine weile blieb er stehen, bis die stäubende asche sich verflogen hatte 13, 100;
die welt werd ehstes das, was in der sonne stäubt.
Logau 1, 45, 77;
krachend
hallte das kreuz! herauf von der wurzel stäubte die erde.
Klopstock 5, 54 (Messias 11, 780);
wirbelwind und trocknen koth
lasz sie drehn und stäuben.
Göthe 1, 6, 106 Weim. ausg. (westöstl. divan);
der schreiner baut die wiege aus brettern, fest und stark,
vom selben stück gezimmert stand nebenbei ein sarg;
die späne stäubten sprühend und säg' und hammer klang.
A. Grün der letzte ritter⁶ 14.
federn und flocken stäuben:
bald er (der habicht) dieselb (die taube) pflegt anzuschawen,
gebraucht er seine scharffe klawen,
zerreist dem thierlein das gefider,
so von dem wind stäubt hin und wider
Spreng Aeneis 236ᵃ;
dort stäubt vom baum
der flocken pflaum
wie leichter blütenregen.
Salis ged. (1793) 56;
man sah die (schnee)flocken stäuben und wirbeln, von der flamme des herdes beleuchtet C. F. Meyer nov. 2, 93 (hochz. des mönchs);
vielleicht schon stäubet der schnee vom huf
der schnellen boten, welche 'verworfen sei
vom volke der von gott verworfne',
melden dem aufgang und niedergange.
Stolberg 2, 289 Napoleon (15. jan. 1814).
funken stäuben für gewöhnlicheres funken stieben (s. funke 1 theil 4, 1, 595f. und unten stieben, verb.):
schiebt das reisig der flamme ein,
puh, wie die funken knistern und stäuben!
A. v. Droste-Hülshoff 1, 339.
(bildlich:) es stäuben da noch immer funken von kunstanlagen Schubart leben 2, 22. das laub stäubt:
das laub von dem gezweige stäubt,
wie sich der zug vorüber treibt.
A. v. Droste-Hülshoff 2, 285 (schlacht im Lohner Bruch 1).
(blumen)duft stäubt (vgl. oben 1, d): der stäubende duft eurer balsamstaude — meldete mir die milde, die von euch thaute Rückert 11, 309 (makame 12).
β)
bildlich, in anlehnung an das vorige): sie (die studenten) studieren und zulesen sich immer, dasz jhnen das lateinische zum halse raus stäubt, wie schimlich brodt Schoch studentenleben D 6ᵇ; dasz dir so schäbige redensarten aus dem munde stäuben dürfen? Tieck 3, 253; ich wundre mich nur ... über alle die gelehrten anspielungen, die euch so vom munde stäuben, wie federn vom kissen, wenn das bett gemacht wird Immermann Münchhausen 1, 83.
b)
zerstieben, zu staub zerfallen und in nichts verfliegen (vgl. auch unten zerstäuben, verb.) von dem akte der verwesung (vgl. auch staub 5, a und b, sp. 1085ff.):
jetzt erwachte sein stäubend gebein.
Klopstock 5, 73 (Messias 11, 1081);
nicht in der (grabes)kammer, wo die toten stäuben.
Hebbel 4, 52, 749 (Siegfrieds tod 1, 1);
auch:
erde mag zurück in erde stäuben,
fliegt der geist doch aus dem morschen hausz!
Schiller 1, 183 (elegie auf Weckherlin).
verdeutlichend dafür hinstäuben:
wil sie mir nicht löschen meinen brand,
so werd ich lauter asch und steub hin in den sand.
Reinhold reime dich (1673) 87.
von dem erduntergang:
ruhend
hoch auf Tabor, hält er den tieferzitterten erdkreis,
dasz der staub nicht vor ihm in das unermeszliche stäube.
Klopstock 3, 260 (Messias 5, 325),
zu der besonderen verwendung von staub als bezeichnung des erdballs vgl. staub II, 6, sp. 1090;
wollt' er; so stäubte die erde ins chaos.
Schubart ged. 2, 303.
der begriff weiter verdeutlicht:
Tristan, umschmeichelt und umtäubt,
entsetzt, beglückt, meint, dasz ihm stäubt
die welt, all ding, das bei einander,
in bunte funken aus einander.
Immermann 13, 273 (Tristan u. Isolde II).
ganz im bilde: sic transit gloria mundi — also gehet, fleugt und steubet alle pracht und ehr der welt dahin Kirchhof wendunm. 375ᵇ.
c)
von dem hervorwachsen der weichen milchhaare (vgl. auch oben staub II, 1, l, sp. 1077 und unten staubfeder, staubhaar): ich war damals in der bästen blüt meiner jugend, und sahe man blöszlich die schwartze milchhaar über den leffzen heraus stäuben Simpl. 1, 4, 5, 369.
d)
zuletzt auch von menschen und thieren, welche eilig dahinlaufen und dabei den staub aufwirbeln: zogen damit er und Prelingant ... dahin, steubeten und spüreten unerschrocken alle tritt und spuren auss, das wild wer inns holtz oder herauss gangen Gargantua 361 neudr., wo steuben unwahrscheinlicher synonym mit (aus)spüren gebraucht ist. vgl. ebenda: ain haselhun das da fleugt, ain rech das da steubt 74. man darf also nicht verkennen, wie diese gebrauchsweise sich oben unter 1 neue kraft geholt hat;
hier kam der riesige Karen gestäubt.
Rückert Firdosi 1, 252.
der ausgang von I, 1 wird noch deutlicher, wenn steuben im part. praes. mit einem andern wort der bewegung verbunden wird; stäubend laufen, reiten u. s. w.: der hohenflieszische infant jagte aus Italien ... stäubend und keuchend nach Deutschland zurück J. Paul 21, 19 (Titan 1);
hab' ihn stäubend reiten sehn.
Bürger 291ᵃ (Macbeth 1, 6);
drauf sah gott hin ins grüne feld,
da regt' sich stäubend grosse schaar
von wurm und thier und was die welt
zum kriechen oder gehn gebar.
Herder 6, 73 Suphan (schöpfungslied);
es schwillt und wirbelt in der luft,
und nun wie bienenschwarm gescheucht
es stäubend auseinander fleucht.
A. v. Droste-Hülshoff 2, 279 (schlacht im Lohner Bruch 1).
mit richtungsbestimmendem adverb verbunden:
ein heller ruf vereint der rüden heer,
es stäubt herbei in freundlichem gewimmel.
v. Droste-Hülshoff 218 (Walther 3);
und rastlos stäuben die gedanken heim
nach ihrem ziel, sich kreuzend wie der schnee.
Rückert ged. (1841) 259;
(euch jagen,) dasz ihr heulend mir davon stäubt.
Keller 10, 234 (apotheker von Ch. 2, 13);
als dieses endlich auseinander stäubte, lagen Wilhelm und Joseph ... sterbend bei einander am boden Fouqué gefühle, bilder 1 (1819), 138; plötzlich verstummt die musik, der kreis stäubt auseinander v. Droste-Hülshoff 2, 375 (bilder aus Westphalen).
8)
einen stäuben, ihn in eilige flucht jagen, gewisz ein vortreffliches eingehen in den factitiven sinn, das aber ohne die entwicklung unter 7, d kaum zu stande gekommen wäre; auch der einflusz der bedeutung von stöbern, verb. bez. steubern, verb., wird nicht gering anzuschlagen sein: unnd das gevögel viel auff das fleisch, aber Abram stöubet sy davon Zürcher bibel (1531) 15ᵇ (1 Mos. 15, 11, wo Luther hat: scheuchte sie davon); unter disen sachen fielen die Teutschen in das römisch kriegsvolk, erlegten's, schluegen's, stöberten's und stäubten's wider ausz Teutschland über den Rein in das römisch reich Aventinus bair. chron. 1, 758, 16;
das stürmende wetter
stäubt ihn (den feind) schnell vom geschützten ins feld.
Klopstock 2, 61 (Hermann aus Walhalla).
eine menge auseinander stäuben, nach allen seiten in die flucht jagen: bis Sulla ... die ihm entgegenstehenden reiterhaufen auseinander stäubte Mommsen röm. gesch. 2, 153.
9)
auf einen stäuben, auf ihn jagd machen: hund, die dem fuchsen die hennen nit liessen zu lieb werden, sonder steubten so offt drob, bis er zuletzt den tod an den hennen frasz ... und von den hunden zerrissen ward S. Franck sprichw. 2 (1541), 29ᵇ. vgl. auch mit bloszem accusativ im niederdeutschen: Augustinus schuldiget sik vor gode, dat he underwylen gherne dar na sach, wo de spennen de vleghen venghen, unde wen he gink ouer wech, dat he dar na sach, wo de hunde den hasen stoueden serm. evang. 139ᵃ bei Schiller-Lübben 4, 422ᵇ.
10)
mit einem steuben, mit ihm auf dem kampfplatz sich messen (so dasz der staub umherstiebt): Israhel ist ein hebreisch wort, damit der grosse engel gottes, so mit Jacob dem ertzvatter am bach Jabok range oder steubete, ihn nach dem eroberten sieg nante Mathesius 130. psalm V 1ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1910), Bd. X,II,I (1919), Sp. 1099, Z. 1.

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Zitationshilfe
„gestäubt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gest%C3%A4ubt>, abgerufen am 27.11.2021.

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