Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gestöber, n.

gestöber, n.,
verbalsubst. zu stöbern (s. d.), aufwirbeln, aufscheuchen, durcheinanderstieben, älter md. gestubere, gestüber, gestobere, gestober, noch bei Frisch 2, 213ᵃ schneegestüber. vgl. gestäube, gestiebe, gestübe.
1)
aufscheuchung, aufruhr, auflauf, getümmel:
alsus in gotis namin
si ûf dî viende quâmin ..
und machtin ein gestubere
si aldâ anritinde.
Jeroschin 13962;
ein gestobere sich erhûb
under den gotes cristen.
pass. 169, 10 Köpke;
und machet ein gestober unter den hennen,
das sie zu hinderst flugen an den tennen.
fastn. sp. 1, 71, 22,
die gleiche stelle bei H. Sachs 5, 355ᵃ, aber mit der form gstöber; ist esz, das ymant, esz sy tag odir nacht, leufet gewappent zu einem gereüffe odir zu einem gestüber. Mone zeitschr. 7, 18 (Mainz, um 1430); sie hemmten disz gestüber. Keisersberg granatapfel 13.
2)
aufwirbelnde staubmasse:
dô hueb sich ain gestöber aus der gluet.
Osw. v. Wolkenstein 10, 2, 1;
ein gestöber machen, ein gestäube oder gestiebe, der wind macht ein starck gestöber Ludwig 764;
do aufferhub sich der sudwind ..
und trieb daher ein grosz gestöber.
als mir nun das gestöber nehet,
es sich umb mich ringweisz umbdrehet
H. Sachs 1, 285ᶜ;
gestöber, gestäub, polverio, polverina Krämer 553ᵃ; gestöber, pulveratio, pulvis Steinbach 2, 709; mühlen-gestöber, mill-dust Ludwig 764; aschengestöber Pyrker werke 35; davonwirbelnde spreu:
doch wie der wind hinträget die spreu durch heilige tennen,
unter der worfeler schwung, ..
fern dann häuft das weisze gestöber sich: also umzog nun
weisz von oben der staub die Danaer.
Voss Ilias 5, 502;
wasserstaub: durch diesen fall und oftmalige brüche des wassers wird ein groszer theil derselben in staub und nebel verwandelt. man siehet von diesem gestöber um die (teufels-) brücke herum ganze wolken. Fäsi beschreib. d. eidgenossensch. (1766) 2, 195 fg., vgl. Gödekes hist.-krit. Schillerausg. XI, 460.
3)
durch einander wirbelnder regen, hagel, besonders aber schnee: ein regen-gestöber Ludwig 764;
von hagelgestöber zergeiszelt.
Bürger 248ᵃ (Dido 279);
ein schnee-gestöber Ludwig 764; ein wallendes gestöber. Brockes Thomsons jahreszeiten 461;
im tiefen schnee,
auf öden wegen,
gestöber und regen.
Göthe 57, 133;
der morgenwind schlug sich mit einigen schneewolken herum und jagte abwechselnd leichte gestöber an den bergen und durch das thal. 16, 285; da kriegt ich den ansatz (von dicken backen) und wurde vermehrt durch fatales gestöber auf der reise. an frau v. Stein 1, 113; man konnte vor dem gestöber kaum zwanzig schritte sehen. Seume spazierg. 49;
da rannte sie durch das gestöber.
Voss ged. (1802) 2, 285;
und gestöber des schnees, gleich duftigem reife,
fiel anfrierend herab.
Odyss. 14, 476;
dasz ich mich bei dem ununterbrochenen feinen gestöber in dem tiefen blendenden schnee verirrte. Arnim Hollin 17 Minor.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4241, Z. 45.

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gestipft getüche
Zitationshilfe
„gestöber“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gest%C3%B6ber>, abgerufen am 06.12.2021.

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