Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gestübe, gestübbe, n.

gestübe, gestübbe, n.

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staub, wie gestüppe (s. d.) coll. zum gleichbedeutenden mhd. neutr. stuppe, stüppe, ahd. stubbi, stuppi, das sich zu mhd. stieben, stiuben, stüben, ahd. stiuban, stiupan stellt; nebenformen gestub Mathesius Sar. 153ᵇ, gestib bibel 1483 47ᵇ, gestob Dief. 57ᶜ, gestöb Baumann quellen 1, 473, gestöbe, calcula Dief. 89ᶜ, gestübt Keisersberg spinn. a 8ᶜ. vgl. gestäube, gestiebe.
1)
staub und staubähnliches: so du zusamen stoʒt alle ding in ein dunnes gestib. bibel 1483 47ᵇ, 2 Mos. 30, 36; das flochgestub (flugstaub, das durch den luftzug fortgerissene staubförmige erzpulver), das fewer und geblesz ubersich stoszet und wider herab fellet, heiszet in gemeine 'cadmia fornacum'. Mathesius Sar. (1562) 153ᵇ; kohlen-, kohlgestübe s. theil 5, 1587. 1593; der straszenstaub, bildlich: mein herz ist ain gasthaus, alles gestübt das da fleügt, das geet da aus und ein. Keisersberg geistl. spinn. a 8ᶜ; splitterchen, acheln: der mensch, dem recht ist, der sol zu dem ersten den tram aus seinem auge geworfen haben, ee das er werfe das gestübbe aus seines bruders aug. Tauler (1508) 101ᵇ; gesäme von unkraut, das das getreide verunreinigt:
(die faulen bauern) machend das (zins-)korn zuo nichte,
treffzen, wikan und kornbollen
land darinn die ackerschollen,
und wend (wollen) es nit suber wannen (reinigend in der wanne schwingen),
das sollichs gestüb gang dannan.
teufels netz 12380.
2)
technisch.
a)
bergmännisch gestübe, gestüb, in den giesz- und schmelzhütten die klein gestoszenen mit lehm gemischten kohlen, davon der herd oder platz vor dem schmelzofen gefüllt und gemacht ist, darunter steht die form, worein das metall aus dem ofen laufen musz Frisch 2, 322ᵇ; sind es kohlen allein, so heiszt es leichtes gestübe, und wenn lehm darunter ist, schweres gestübe oder gestübbe. Jacobsson 2, 75ᵃ; das blei kreucht im schmelzen durch das leichte gestüb unten im ofen. L. Erker beschr. aller erz 117ᵇ; das gestübe, daraus der herdt und tiegel pflegt gemacht zu werden, wirt aus kolen und erden. Bechius Agricola 312; das gestüb steht auf sagt man, wenn beim glocken- und stückgieszen im zugedeckten herd das glühende, mit feuchtigkeit sich berührende metall spritzt und kohlen, staub und erde umherwirft Frisch 2, 322ᵇ; schlahe nicht umb dich, als wenn in der hütten das gestübe auffstehet. Mathesius Sirach 2, 53ᵇ.
b)
gestübe benennen die köhler die ganz kleinen abfallkohlen, die sie zum bedecken eines meilers brauchen Heppe jäger 181ᵇ, auch erde zu gleichem zweck Jacobsson 2, 75ᵃ, gestübbe techn. wörterb. (Leipzig 1818) 81.
3)
zusammensetzungen, meist zu 2, a:
gestübebatzen m.
klumpen zum verschlieszen des ausfluszloches am schmelzofen auf steirischen und ungarischen eisenhütten Jacobsson 1, 11ᵇ. —
gestübeherd m.
am schmelzofen herd aus zerstosznen kohlen und lehm Jacobsson 5, 662ᵃ. —
gestübekammer, gestübkammer f.
ein behältnis bei den schmelzhütten, worin das gestübe zugerichtet wird Minerophilus (1730) 287; in den zinnhütten ein behältnis, in welchem sich derjenige zinnstein, der in dem feuer mit aufsteigt und davon stäubt (s. gestübe 1), wieder sammelt Jacobsson 2, 75ᵇ. —
gestübeloch n.
kasten aus eisernen platten oder stein, worin das gestübe bei schmelzwerken bereit gehalten wird Richter hüttenlex. 1, 407. —
gestübmacherin f.
frau eines gestübmachers oder schmelzers: und nimmet sich einer armen schmelzerin oder gstübmacherin so trewlich an. Mathesius Sar. 3ᵃ. —
gestübepuchwerk n.
pochwerk, worin die kohlen zum gestübeherd gepocht werden Jacobsson 2, 75ᵇ. —
gestüberand m.
bei den köhlern der rand von erde (s. gestübe 2, b), der um eine kohlenstätte geführt wird. ebenda.
gestübesack m.
sack aus grobgewebter leinwand, gestübe (gestoszene kohle und lehm) enthaltend, das bei eisengieszereien auf die formen und die modelle gesiebt wird, damit kein sand an der oberfläche hängen bleibe. Richter hüttenlex. 1, 407. —
gestübeschaufel f.
schalenförmige schaufel, mit der sand und gestübe gegen den damm oder das tümpelstück im schmelzofen geworfen werden. ebenda.
gestübesieb n.
sieb aus eisendraht, womit das gepochte gestübe zum zumachen des schmelzofens gesiebt wird. ebenda.
gestübesohle f.:
der sohlstein (des schmelzofens), welcher zunächst mit einer lehmsohle und darüber einer gestübbesohle bedeckt wird. Karmarsch-Heeren 1, 245. —
gestübestoszer m.
eiserner stoszer, mit dem das gestübe im boden des schmelzherdes eingestoszen wird. Richter 1, 408.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4260, Z. 45.

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Zitationshilfe
„gestübebatzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gest%C3%BCbebatzen>, abgerufen am 06.12.2021.

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