Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestückelt, adj.

gestückelt, adj.
part. wie gestückt (s. d.): ein gestückelt kleid oder rock, cento, eine gestückelte serge oder decke, stragulum collectivum, pannus collectivus Duez 196ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4261, Z. 72.

stückeln, vb.

stückeln, vb.,
seit dem spätmhd. belegt.
1)
zerstücken, in stücke teilen, neben dem häufigeren zerstückeln.
a)
detrunco abhawen, stücklen, abstümplen Calepinus ix ling. (1598) 411ᵃ; stückeln, zu stücken machen spezzare Hulsius (1618) 243ᵃ; stückelen secare, scindere, frangere, ... in partes dividere etc. Stieler 2222: Syrus ist ain stain ... der hât die art, daz er ganzer in dem wazzer ob swimmt, und sô er gestückelt wirt, so vellt er ze podem K. v. Megenberg buch der natur 462 Pfeiffer; und sagen, dasz der ... bisem, klein stücklet, am gschmack der cyreneischen magsafft gleych Herold-Forer Geszners thierb. 30; es liesz der herr des orts ein ziemlich theil steinsaltz ... stücklen Butschky gedenckmahl (1633) 10. verstümmeln: derwegen der könig Alexander ergrimmet und ihn scheuszlich an seinen gliedmaszen stücklen lassen, liesz ihm die nasen, ohren, lippen, händ und füsz abschneiden Lehman florileg. polit. 3, 437; reflexiv: sie wisse demnach, dasz der berührte talck ein ... unterirdisches berggewächs ist und mit dem frauen- oder marienglasz zu vergleichen, in dem es sich auff gleiche arth ... stückelt Ettner u. Eiteritz medicin. maulaffe 148. insbesondere als ausdruck des münzwesens, das ausschneiden der münzen: ob aber wol ... die kriegsherren biszweilen zum gedenckzeichen viereckicht silbern und gülden müntz, so man klippen nent, auff ein eyl in belagerung oder stürmen haben stückeln und ... müntzen lassen Mathesius Sarepta 165ᵃ; fleiszigs auffsehen haben, dasz dieselbigen müntzen ... alle gerecht und gleich gestückelt sein G. Rost dreifacher theol. spiegel (1623) 110ᵃ; s. noch Luschin v. Ebengreuth münzk. u. geldgesch. 64; Karmarsch-Heeren 6, 185. entsinnlicht: dasz Christi fleisch ... nur ein natur hat ... und nit in zweierley fleisch solle gestücklet werden (16. jh.) bei Fischer schwäb. 5, 1902; so wissen wir, was unser erb ist, das dann bey allen gantz ist und nicht zerbrochen. dann als wenig das leben im menschen mag gestückelt werden (so wenig auch die weisheit) Paracelsus op. (1616) 2, 319 Huser.
b)
Luther gebraucht das wort im sinne eines stückweise handelns; tadelnd: (gott) ist groszer und vermag und wil auch mehr thuen, denn unser gebrechen sind. stückelts yhm nur nicht (bittet ihn um das ganze) 19, 578 W.; stückeln und tröpfeln: und wenn man sie fragt, wie man im thun solle, stückeln und tröpffeln die hie ein werck, dort ein werck, hie las dich beschneiden, dort opffer so viel auff den altar 36, 357; ähnlich 36, 453.
c)
vielfältig als adjectivisches (adverbiales) particip (s. teil 4, 1, 2, 4261): gestückelt incise, concise, articulatim, frustulatim, particulatim Henisch (1616) 1580; meist unsinnlich gebraucht: gestückelt fragen minutatim et gradatim interrogare ebda; doch ward von im und seinem convent ouch ein pfruͦnd mit gestükelten gülten daran gesetzt J. v. Watt dtsche schr. 2, 273 Götz.; in starkem gegensatz zu einem ganzen: auff dasz die physica de corpore physico möge gantz und nit gestückelt erkennt werden Paracelsus op. 2, 525 H.; gott will das herz haben, nicht gebröckelt, nicht gestückelt, sondern ganz Heinrich Müller erquickstunden (1667) 13; ein sonderlich heil ist für uns nicht in der äuszern welt zu suchen, wo man überall nur gestückelt antrifft, was man schon ganz besitzt Göthe IV 16, 96 W.; von schriftlichen aufzeichnungen, fragmentarisch: da mir nun dieselbigen (predigten) zu sehen worden und befunden, wie unordenlich und gestückelt sie verzeichnet Jac. Andree erinnerung (1567) Cc 1ᵃ; weil dise schrifften gestückelt und an vilen orten bresthafftig an mich ... gelangt seindt Just. Göbler chron. d. kriegszhändel Maximiliani (1566) vorr. 3ᵃ; unvollkommen: derhalben liesze er mir sagen ..., warumb sie denn den stein auff der andern seiten auch nicht ausgearbeitet und poliert hetten, denn die werck, die gott gehörten, solten billich volkomen und nit also gestückelt sein Fr. Alvares beschreibung (1573) 260.
2)
'aus stücken zusammensetzen', auch 'anstückeln', 'anflicken'. meist von stoffen und kleidern: pannucia gestückelt klayde Diefenbach gl. 409ᶜ; cento ein gestücklete, zesamen blätzete decke oder kleid Frisius 209ᵃ; ein kleid stückeln ... irgendwo ein stück ansetzen to piece a garment Ludwig teutsch-engl. 1908; wie oft und mannigfaltig hat nicht schon die liebe mode an den mannskleidern geschnirkelt und gestückelt Kotzebue sämtl. dram. werke 5, 226; ein einzigmal hatten die mäuse ... ein joppenmuster ... zugenagt ... es begann dann ein unerquicklich schnitzeln und stückeln Rosegger I 3, 298; auch in den mundarten: e strumpf stükle einstricken Seiler Basel 283; stückeln mit flicklappen ausbessern, aus zusammengenähten lappen zu einem ganzen herstellen Spiesz henneb. 247; flicken Jungandreas schles. zeitwortbild. 20; Leithäuser Barmer ma. 151. gern uneigentlich (bildlich). oft neben flicken, was die herkunft betont: in dem ... bäpstischen gflickten und gstickelten ave Maria (16. jh.) bei Fischer schwäb. 5, 1902; es lest sich mit gottes wort nicht stückeln noch flicken Petri d. Teutschen weish. 1, c 3ᵃ; an ihren hypothesen gestückelt und geflickt ..., dasz kein lappen mehr haften will Lichtenberg verm. schriften 9, 368; auch allein: (Wieland hätte Shakespeare) seinen charakter lassen, weniger an ihm stückeln ... sollen Gerstenberg schleswig. lit.-br. 111 lit. denkm.; eine geistige schöpfung ist es (Mozarts Don Juan), ... wobei der producierende keineswegs versuchte und stückelte und nach willkür verfuhr Göthe gespräche 8, 98 Biedermann; ihre (der verfassungen) unzulänglichkeit fühlten nicht allein die beherrschten, sondern auch die herrscher, und so ist schon seit ein paar jahrhunderten immer an ihnen gebessert und gestückelt worden E. M. Arndt schriften für u. an s. l. Deutschen 2, 439.
3)
in zusammensetzungen. auf dem gebiet des handwerks und des technischen meist zur bedeutung 1: stückelbank, bei den lichtziehern 'schneidebank mit einem 6—7 zoll hohen rande an den seiten umgeben, worauf das talg zerstückt ist' Jacobsson 4, 18ᵇ. — stückelmesser, bei den lichtziehern, auch schneidemesser genannt, 'eine grosze schneidende klinge ..., womit das talg auf der schneidebank zerstückt wird' Jacobsson 4, 21. — stückelrose, beim juwelier die kleinen diamanten, deren 100 bis 160 stück auf einen karat gehen Krünitz 176, 538. — stückelschere, eine schere zum zerschneiden der zaine in der münze, s. Besold thes. pract. (1697) 2, 766; Jacobsson 4, 338ᵃ. vgl. stückeln 1. — stückelschiefer, 'taillette' Schaffer dtsch.-frz. wb. 2, 3, 311; slate in small pieces Beil technol. wb. 1, 586. — stückeltafel, bei den lichtziehern, table à depécer Schrader dtsch.-frz. wb. 2, 1331. zusammensetzungen mehr occasioneller natur, vorwiegend unsinnlich im anschlusz an die bedeutung 2: stückelepik: dasz er (Zedlitz) sein werk ('waldfräulein') in zusammenhängender, ununterbrochener darstellung vollendet hat, statt jener fragmentarischen stückelepik, die gegenwärtig mode ist Grillparzer (1892) 18, 138 Sauer. — stückelgebäude, aus versen eines autors zusammengestückeltes gedicht: Betulius hat auch Centones, so er stückelgebäude nennet, deren exempel er eines aus dem Opitio zusammengesetzet. es hat aber in teutscher sprache nicht die art, wie im griechischen oder lateinischen Morhof unterricht v. d. dtsch. sprache 1, 640. — stückelmanier: die stückelmanier, welcher er (Hagen) und Docen sich ergeben haben, ist mir höchst fatal J. Grimm bei Steig Cl. Brentano u. d. br. Grimm 151. — stückelwelt:
zum mindsten wardst du strahlend hingestellt,
zu kleiden unsrer nacktheit ekle blösze,
zu zeigen, dasz noch ganzheit, hoheit, grösze
gedenkbar sei in unsrer stückelwelt
Grillparzer (1892) 2, 90 Sauer.
— stückelwerk: aber das menschenleben war stets ein stückwerk, die welt von heute wird ein stückelwerk Fr. L. Schmidt denkwürdigk. (1875) 1, 135.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1932), Bd. X,IV (1942), Sp. 231, Z. 10.

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Zitationshilfe
„gestückelt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gest%C3%BCckelt>, abgerufen am 28.11.2021.

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