Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestalt, adj.

gestalt, adj.,
mhd. gestalt, ahd. gistalt (in ungistalten i. gestrubten, crinibus laceris Steinmeyer-Sievers ahd. gloss. 2, 72, 4), neben kistallit, ki-, gestellet, particip zu ahd. stellan, gistellan, auf-, fest-, vor augen stellen, wohin richten; deshalb nhd. auch in der schreibung gestallt (s. d.) 1 Mos. 29, 17 (1523). P. Fleming 98. 322. Schiller VII, 233.
1)
festgesetzt, vom schicksal bestimmt:
waʒ im wêre gestalt.
Albr. v. Halberstadt 32, 106.
2)
worauf gerichtet, gestimmt:
daʒ (ir frûntschaft) zu brôdekeide niht
was geneiget noch gestalt.
h. Elisabeth 1503.
3)
hin-, vor augen gestellt, aussehend, beschaffen, gestaltet, mnd. gestalt, gestelt, beschaffen, in der lage befindlich, bereit, mhd. gestellet und gestalt: wie die magt Marîa gestellet an dem lîbe was. Walther v. Rheinau 1, 23ᵇ überschrift; speciosus, gestalt voc. inc. teut. i 4ᵇ, wol gestalt Dief. 545ᵇ;
ein fröudepernder walt
mit loup und pluomen wol gestalt.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 15187.
a)
mit adverbien:
daʒ si (feiglinge) unmenlich gestalt (wären).
Ottokars reimchr. 15944 Seemüller;
man moht dâ schouwen
vil schœner magt und frouwen
gestalt minniclich.
35766;
ist alleʒ sein (des menschen) antlütz und seineu augen sam si lachen oder lächerleich gestalt. Megenberg 43, 33;
colerici haisz drucken gestalt.
Liliencron volksl. 1, 238ᵇ;
sein har halb graw, halb schwarz gestalt.
B. Waldis 3, 83, 6 Kurz;
bitter wurzeln, weiszlich gestalt,
denen der kern war ausgezogen.
froschm. R 4ᵇ;
schon gestallt und schon von angesicht. 1 Mos. 29, 17, ausg. 1523; und saget Zizero, es sei nichts so abscheulich, und so übel gestalt, das nicht durch dieselbe (rede) scheinbar und ausführlich gemacht werden könne. Butschky kanzl. 398; wer einen wol gestalten leip hab. Megenberg 50, 20;
die so wohl gestallte länge
und der glieder artigkeit.
Günther 175;
si fint dich rose so wol gestalt.
Schwartzenberg 129, 1;
zusammengeschrieben: wolgestalt, das gegentheil von ungestalt, s. d.;
dessen schöngestalte glieder.
Schiller XI, 293 (eleus. fest 36);
seine langen feingestalten glieder.
Göthe 2, 148;
ein geist-gestalter mensch, ein mensch-gestalter geist.
P. Fleming 35;
ein freund-gestallter feind.
98;
sam in Kärnden vil kropfoter läut ist, daʒ kümt dâ von, daʒ der zuogemischt erdisch dunst zæh ist an im selber und alsô gestalt, daʒ er sich zesamen zeuht in den halsâdern und zedeuzt si. Megenberg 103, 27;
ich wolt besehen, wie die werlt wêr gestalt.
Osw. v. Wolkenstein 1, 1, 2;
und nit waist, wie dein end gestalt würt. Keisersberg granatapfel A 7ᶜ; wie war der man gestalt? 2 kön. 1, 7. 1 Sam. 28, 14;
er machet auch die scheflewt weis,
wie des helds schifflein gestalt was.
Theuerd. 65, 25;
er gieng offt mit verschlossenen augen für den spiegel, zu sehen, wie des schlafenden bildnisz gestalt wäre. Schuppius 551.
b)
vergleichend: pilosus, daʒ hât ain gestalt oben als ain mensch und ist unden gestalt als ain tier. Megenberg 157, 21; die bäumlein, daran der pfeffer wächst, sind gestalt als wilde reben. Montevilla im reisbuch (1609) 787; unter jnen eines (war) gestalt wie ein mensch. Ezech. 1, 5; oben uber den thieren war es gleich gestalt wie der himel. 22; inwendig war es gestalt wie ein fewr. 27; wie eine zunge gestalt. gl. zu Jos. 7, 21, (der wurm ist) aller glidmasz gestalt wie ein lindwurm. Rožmital 179;
du bist ja wie ein zwerg gestalt.
Lichtwer fab. 1, 9.
c)
in adverbialen wendungen: gott reiszt offt unser liebstes hin, und will so gestallter sachen uns ihm nach und zu sich ziehn. P. Fleming 322; die ursacher (der feuersbrunst sind) auch nach gestalter sachen an leib zu bestraffen. östr. weisth. 6, 374, 47 (von 1730); es wird ihm freistehen, ja gestalten sachen nach obliegen, sich des dienstes seines nechsten zu gebrauchen. Scriver seelensch. 2, 587; gestalten sachen nach erkennen, ex speciali ratione decidendi pronunciare Hayme jur. lex. 253; so gestalten sachen nach. Rädlein 376ᵇ; so gestalten dingen nach Adelung als 'blume oberdeutscher kanzelleien'; bei so gestalten sachen. Ludwig 763; dasz es bei so gestalten sachen unmöglich sei. Wieland 13, 208. 10, 211, ebenso Claudius 1, 22. Hippel 10, 5; bei so gestallten (var. gestalten) sachen fanden es die geistlichen rathsam .. Schiller VII, 233; wenn ichs bei so gestalten umständen nicht gar zu grob fände. Wieland bei Merck 2, 216;
natürlich war mein prinz bei so gestalten dingen
im achten jahre bereits ein kleiner Salomon.
werke 4, 54 (n. Amadis 3, 8).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4177, Z. 69.

gestalt, f.

gestalt, f.
ratio, forma, figura, ahd. nur bezeugt im dat. plur. dien oder den gestalten, hac ratione Notker ps. 23, 7, daneben gestellida, collocatio, situs, mhd. gestalt, nrhein. gestailt Dief. 545ᵇ, mrhein. gestalte voc. ex quo von 1469, mnl. ghestalte Kilian, nnl. gestalte Kramer 1, 98ᵇ; entlehnt dän. gestalt, poln. kszalt, czech. křstalt. nach dem part. gestalt (s. d. 3) zu gestellen, wie anstalt zu anstellen, daher auch in der schreibung gestallt buch d. liebe 219, 2. Steinbach 2, 663. Frisch 2, 316ᵇ; gen. dat. auch der gestalte j. Tit. 416, 4. Rihel Livius 6. Köhler bergmannsl. 105, daher im nominativ ein gstalte Rebhun Susanna 5, 2, wolgestalte, pulchritudo, ungestalte, deformitas Dasypod. 431ᵇ; plur. älter gestalte (fleiszig gestalte zuͦrichten, manu fingere Dasyp. 431ᵇ), gestälte J. Böhme drei princ. 13. 78. 113, schles. gestelde (mieder) cod. dipl. Sil. 4, 231 (von 1615), in letzter bedeutung auch gestälder, s. unten 3, a, η; mnd. als neutr.: ein ding in synem gestalte Schiller-Lübben 2, 84ᵇ, ebenso schweiz. in der bedeutung mieder Hunziker 116.
1)
die art, wie etwas gestalt (s. d. 3), gestellt, beschaffen ist, wie es damit steht.
a)
beschaffenheit, zustand: mhd.
ist aber si in der gestalt (so beschaffen),
daʒ si iuch lîhte (vielleicht) dunket z'alt.
Ottokars reimchr. 1809 Seemüller;
(könig Rudolf) ist ein man in der gestalt,
der daʒ mêrer (theil) gelebet hât.
14448;
nhd. si hatend nit genügen
an der kläglichen gstalt (zustand durch verrat und mord),
si woltend Glarner bkriegen,
ertöten jung und alt.
Liliencron volksl. 1, 148ᵇ;
darumb kan sein (Mosis) gesetze auch bei uns nicht in allen stücken rund und völlig gelten, denn wir müssen unsers lands gestalt und wesen ansehen. Luther 5, 247ᵃ; gleichwie Mose gesetze auff seines, und nicht auff unsers volkes wesen und gestalt gestellet sind. ebenda; scheme dich doch, das jhr mich so in dér gestalt (unbekleidet im bade) uberlauffen möget. Heinr. Julius v. Braunschweig Susanna 2, 3; gedenk irer gstalt in den grebern, wie si so voller würm und schlangen kriechen. S. Frank weltb. 114ᵃ; gestalt der natur, complexio voc. 1482 m 3ᵇ; (Christus) welcher, ob er wol in göttlicher gestalt (natur) war. Philipper 2, 6; gute gestalt des leibs, buona complessione e temperamento di corpo Rädlein 376ᵃ; Mercurius hat in sich viererlei gestälte, als herbe, bitter, feuer, wasser. J. Böhme drei princ. 13; muͦsz, sauber vom wasser auszgetruckt ... also warm, dasz es werd in eins pflasters gestalt. Paracelsus wundarzn. (1555) 105ᵇ;
seinen schmelzern er treulich befahl,
dasz man alles (erz) wegstürzen soll,
was nicht guter gestalte.
Köhler bergmannsl. 105;
mancherlei plaudernd im gehn von des wetters gestalt.
Kosegarten dicht. 2, 161;
die gestalt
der dinge, sir, hat sich indesz verändert.
Schiller XII, 474 (M. Stuart 2, 8);
das glück der schwedischen waffen hatte die ganze gestalt der dinge verändert. VIII, 137; gemütsgestalt, habitus animi Stieler 2146; ich litt und liebte, das war die eigentliche gestalt meines herzens. Göthe 19, 265; wie die dichtkunst alle gestalten (zustände) und kräfte der seele befeuert. J. Paul herbstblum. 3, 96.
b)
bewandtnis, verhalt: wie ich aber damalen geschossen bin worden, das hat diese gestalt (das verhält sich also). Götz v. Berlich. 46 Büsching; ja, saget der mann, hat es die gestalt (ist die sache so beschaffen), so musz man das best darzu reden. Frey gartenges. 88; semliche ding mag todsünd werden oder teglich sünd, nachdem und es ein gestalt hat. Keisersberg brösaml. 1, 96ᶜ;
'sie sönd nit leren nach irem willen.'
o es hat nienen die gstalt, lieben gsellen!
N. Manuel Barbali 1118 Bächt.;
dar umb es leider ubel gat
und hat kunfftig noch böser gstalt.
S. Brant narrensch. 46, 75;
um einen oder etwas: ich wil gon ein liecht holen, daʒ ich sehen kan, wie es ein gstalt umb uch (kranken) sei. Eulenspiegel c. 15; da fragten in (den arzt) des (kranken) junkern knecht, wie es umb in ein gestalt hette. Pauli schimpf (1522) 45; da das Hydaspes vernam, merckte er, dasz sie gnad begerten. dieweil er aber noch nicht wuszt, wie es ein gestallt umb sie hette. buch d. liebe 219, 2;
wie es umb ieden hett ein gstalt.
Binder Acolastus prol., schweiz. schausp. 1, 185 Bächtold;
dasz du jn gesagen künst, wie es umb alle diese sach ein gestalt habe. buch d. liebe 277, 4;
darnach ich geben bescheid,
wies um die bsalung heig ein gstald.
fastn. sp. 2, 828, 18;
mit einem oder etwas: nu wüste s. c. f. g. nicht, wie es mit diesem fürnemen gestalt hette, und ob was dran were oder nicht. Luther 2, 4ᵇ; so hat es doch mit etlichen unsern ertzen die gestalt, das sie .. Mathesius Sar. 65ᵇ; hat auch diese gestalt mit jhm, er begeret auff erden nicht mehr, denn mit euch allein zu reden in geheim. buch d. liebe 35, 1; damit möchte es ein ander gestalt haben. Tengler laiensp. (1544) 30ᵇ;
ein vil andre gestalt hat es nun mit den bösen.
Weckherlin 2 (ps. 1, 5);
wer weisz, wies hab mit ihm ein gestalte.
Rebhun Susanna 5, 2 (v. 130 Palm);
ebenfalls hats ein gestalt mit Petro, welcher wol ubel gesündigt. Ayrer proc. 1, 15; was hat es vor eine gestalt mit deiner sache? Stieler 2146; was hats für gestallt damit, quomodo se res habet? Frisch 2, 316ᶜ; nun kommen wir wider an die fördere histori, wie es mit Reymund und der Melusina ein gestalt gewunnen habe. buch d. liebe 275, 2; wie es ein gestalt mit denen gewunnen. Mathesius Luther (1576) 70ᵇ.
c)
nach gestalt, nach beschaffenheit, lage oder verhältnis: mhd. ieglîcher nâch sîns ampts gestalt. Basl. bischofs- u. dienstmannenrecht 8, 3 Wackernagel; nhd. der tochter ein heirat guͦt geben nach grösze und gestalt seines guͦts. Tengler laiensp. (1544) 31ᵃ; wunden tregt man nach gestalt des schadens mit gelt ab. S. Frank weltb. 200ᵇ; dieselben söllen nach gestalt jrer verhandlung .. gestraft werden. landpot in Ober- u. Nieder-Baiern (1516) 18ᵃ; und darneben nach gestalt desjenigen, so er entwendet, an leib oder gut zu strafen. Ayrer proc. 1, 11; dieselben (entführer) nach gestalt der person und sachen an leib oder an gut strafen. Nürnb. pol.-ordn. 28 Baader (15. jh.);
dann wie mag der, dem nach gestalt (sachlage)
entpfolhen ist der irdesch gwalt,
urteiln uber göttlich ding.
S. Brant narr. 109ᵇ, 81;
sich nach gestalt der sachen halten, sich in die sachen oder nach der zeit schicken Maaler 176ᵃ; nun weiter nach gestalt der sach .. wil ich kurzlich die breuch des lands Baiern herfür streichen. Aventin. 4, 35, 25 Lexer; ein jar oder mehr, je nach gestalt der sach. buch d. liebe 247, 1; dem klügsten und billigsten auswege, den man nach gestalt der sachen treffen könne. Wieland 20, 165; umgestellt: ob jhnen nun gestallt der sachen und aller beschaffenheit nach ... solches gebeurt. Sattler phraseologei (1607) 216; gestalts dingen nach, nach den umständen. östr. weisth. 1, 172, 28 (18. jh.); verkürzt: östr. gstalt der sachn, je nachdem Lexer 238. tirol. weisth. 4, 683, 21.
d)
die gute, gehörige art, der schick: sie wolten den lon innemen und entpfohen on arbeit, das hatt kein gestalt nit. Keisersberg postill 4, 14ᵃ; darumb dünckt mich, es hab gar kein gestalt, das man die sünden schulden nempt. bilgerschaft 5ᵃ; der arm mensch antwurt: ach es hat nit die gestalt, wie kan ich das thuͦn. thet ich sie von mir, wer kochet mir, wer macht mir das bett. 192ᵇ; lieber schulthaisz, es hat gar kain gestalt sölich red von euch. Schade sat. 2, 144, 26; und hat kein gestalt, dasz jr ein zeit on ein könig sein solt. buch d. liebe 271, 4;
die sach hat warlich kein gestalt,
die jhr (thörichter weise) fürnempt.
Alberus fab. p. 33 (10, 58 Braune);
das hat schick und gestalt!
Voss Luise 1, 204;
so hielten sie mich acht tage im gefängnisz, nach verlauf derselben sie mich, um der sache einige gestalt zu geben, zum verhör holen lieszen. Göthe 34, 307.
e)
allgemeiner, die art und weise: ich habs ja nicht gepredigt der gestalt, wie sie es für geben, .. nach der vernunft und unserm verstand. denn solch weltliche gestalt zu predigen verderbt und verleuret gewislich das evangelium gar. wo jr nu solche gestalt verloren habt, wie ichs gepredigt habe .. Luther 6, 213ᵃ; aber ich weisz die gstalt (mittel und weg) nüt, wie er dahin kommen mög. Morgant 17, 3 Bachmann; ich weisz die gstalt (die riesin zu tödten). 230, 34; darum er anfieng gedencken, wie er gstalt finden möcht den hof zetrüeben. 119, 2; der Plato hat mancherlei weisz und gestalt von der wollust geredt. Aler 927ᵃ; insbesondere in adverbialen wendungen:
al dâ nâch rôtem wilde   lief ein bracke reht in der gestalde (gerade so)
als eʒ wêr Gardivias der kluege.
j. Titurel 1329, 2;
ob yemans one des ammeisters worzeichen von der stat keme, ilende in fluchtwise oder in argweniger gestalt. Straszb. verordn. 29 Brucker (15. jahrh.); ich fand den doctor in gewönlicher gestalt bei seiner hausfrawen stehen. Luther 3, 403ᵃ; si verteten di kind in mueterleib, tribens ausz in mancher gestalt. Aventin. 4, 49, 25 Lexer; da aber in solcher gestalt Armenia mit leut erfült. 52, 9; die richter strieffen (straften) den wirdt, das er keim hund in der gestalt (in dieser weise) solt die zech mee machen. Wickram rollw. 129, 21 K.; die Tiber hatte die nidere orte mit wasser in der gestalte uberflöszt, dasz man zum rechten strome zu fusz niergend wol kommen mochte. Rihel Livius 6; mit dem tailwassern sol es nach dem alten brauch gehalten werden also und in der gestalt, es soll kainer dem andern dasselbig ablaiten. östr. weisth. 6, 157, 9 (von 1570);
die deutens (das sprichwort) auch auff die gestalt,
wie ichs dann auch allhie gemein.
Fischart dicht. 2, 351 K.;
auf allerlei, vielerlei gestalt, varie, multifariam, auf andere gestalt, alio modo Stieler 2147; durch disse gstalt, dadurch. Morgant 2, 19; mit der gestalt, ea conditione. Schönsleder V 4ᵃ; ferner
α)
im adverbialen gen. sing.: feindlicher masze und gestalt hierin handeln. Luther 4, 535ᵇ; gütiger gestalt, in güte. östr. weisth. 3, 323, 16; als er diesen kampff sich gehörter gestalt enden gesehen. Amadis 1, 90 Keller;
ein herrlich weib, geistlicher gstalt
bekleidt, nicht zu jung noch zu alt.
H. Sachs 4, 2, 25ᶜ;
grüszt jn gar freundtlicher gestalt.
B. Waldis 2, 95, 8 Kurz;
nit wellest an mich zürnen nit.
dich arger gstalt hab ich nit gfraget.
Ruff Adam u. Heva 2289;
Christus ist etlicher gestalt bei uns (geistlich, nachher kan Chr. bei inen sein etlicher weise). Luther 3, 450ᵇ; welches mir anderer gestalt nicht vergönnet (ist). Butschky hochd. kanz. 34; noch oberd. schrecklicher, angenehmer gestalt, auf eine schreckliche, angenehme art Adelung. — aller gestalt, in jeder weise, vollständig, ganz so: stelle dich aller gestalt als kündetstu nit reden. Wickram rollw. 46; deckt sein weib ein schwartz tuͦch mit einem weiszen kreütz auff jn .. aller gestalt, als ob er gestorben und ein leich were. 36; sie sollten sich aller gestalt rüsten, als wann sie aller dingen wegfertig weren. 89; (bei judeneiden) soll es aller maszen und gestalt, vermög und inhalt der kais. cammergerichts-ordnung darmit gehalten werden. kurpfälz. hofgerichtsordn. von 1573 xxiii. — gleicher gestalt, gleicher weise, sicuti, quemadmodum, pariter, similiter Duez 194ᵇ. Frisch 2, 316ᶜ; bischoff Johannes legt gleicher gstalt auff die seinen ein kriegssteur. Wurstisen chron. 446; auff diese wort rennet er stracks wider die feind. gleicher gestalt der junckher vom meer. Amadis 1, 94 Keller;
ich zwar, der ich ein bawrsman bin,
will nun ein landsknecht werden bald.
so will Pfaff Hansz gleicher gestalt
ein bawrsman werden mit der zeit.
Wolfh. Spangenberg glückswechsel 406 Martin;
glich der gestalt, ebenso. Zwingli speisen b 4ᵃ; gleichmesziger gestalt, ainsi, comme Duez 194ᵇ; ein anderer courtisan merckte, dasz ihn seine buhlschaft ebener gestalt (auf gleiche weise, wie vorher erzählt) durch einen verdächtigen apfel zu arrestiren suchte. liebescammer 825; eben der gestalt wird in einer rechtgeordneten hauszhaltung alles gleichhällig verrichtet. Fischart ehz. 13;
gleich wie einer rufft in den waldt,
antwort man jm derselben gstalt.
B. Waldis 4, 38, 56 Kurz;
solcher gestalt, sicuti, eo pacto Duez 194ᵇ. Frisch 2, 316ᶜ;
(ich habe) solcher gstalt gehandelt mit ir,
dasz sie nit mehr kommet zu mir.
H. Sachs 4, 3, 29ᵇ;
(Hecuba) erdacht ein list und schicket baldt
zum Polymestor solcher gstalt.
B. Waldis 4, 20, 116 Kurz;
eine solche straffe zu üben, die einen schein der ehren nach sich führe. solcher gestalt ist gestraffet worden der vornehme poet Juvenalis. Schuppius 557; ihnen solcher gestalt einen lust machen. Simpl. 1, 1, 2, 8; solcher gestalt schob sich die poetische und bezauberte welt in seinem kopf an die stelle der wirklichen. Wieland 11, 17, zusammengezogen solchergestalt 3, 213. 227. — welcher gestalt, auff was weisz und weg, quo pacto Emmelius sylva M 3ᵈ; wie und welcher gestalt ichs euch gepredigt habe. Luther 6, 213ᵃ; wie und welcher gestalt man den auffrührischen pöbel stillen solle. Schuppius 536; bedencken wollen, welcher gestalt ich schier mein gantzes leben .. in groszer herrn, fürsten und königen dinsten zugebracht. Weckherlin vorrede zu d. weltl. ged.; waserlei sive welcherlei gestalt es auch sei, quicquid sit quocumque modo eveniat Stieler 2147. — obiger gestalt, wie oben erwähnt. Simpl. 2, 57, 18 Kurz. — folgender gestalt, folgendermaszen: er hat offt folgender gestalt gesungen. pers. rosenthal 5, 19; dieses beweise ich folgender gestalt. Kant 8, 42. — dieser gestalt, auf diese art, also: ward auszgeruffen ein stechen, dieser gestalt, welche ritter willens weren zu stechen, solten erscheinen. buch d. liebe 36, 3; begegneten wider einander, dieser gestalt, dasz Peter dem Lanceloten den arm entzwei brach. 36, 4; unter der bedingung: Sant Hainrich gab diser gestalt zu der ê sein swester dem ungerischen künig, das derselbig mit allem seinem volk sich taufen solt lassen. Aventin. 5, 286, 25 Lexer. — der gestalt, zusammengezogen dergestalt theil 2, 1014, in dieser weise, also, hujusmodi, sic: das ein marktrichter denselben mag strafen umb 72 D, doch der gestalt: sover er in an warer that begreift. östr. weisth. 6, 276, 18 (Admonter stiftrecht von 1391); es ist auch nach althergebrachter gewonhait, sobald die gefrier im länzing nachgelassen, haben die nachbern ire schwein ringeln müessen ... solle noch der gestalt erhalten werden. 12, 2 (16. jahrh.); der gestalt behielten die delphinischen das veld. Wurstisen chr. 382;
doch stelt ich mich ganz geistlich auch,
mit gleisznerei (wie dann der brauch),
und sagt eim jeden der gestalt
wie er mir dienen solt alsbald.
W. Spangenberg mammons sold A 2ᵇ;
die damals lebten auch die glaubten der gestalt,
dasz Jesus solte da gleich kommen, oder bald.
Opitz Hugo Grot. 390;
derart, so beschaffen: er sagte, der gestallt seie der staat. der gestallt sind auch die übrigen dinge. Steinbach 2, 663. unter solchen verhältnissen: ich wolt, ich hette der gestalt die krone nie getragen. eselkönig 334; dermaszen, so sehr: ich bin der gestallt unglücklich, dasz .. Steinbach 2, 663.
β)
in gleicher verwendung und bedeutung der gen. plur. solcher, folgender, welcher, der gestalten: ich verfuhre so lang solcher gestalten, bisz er eine hand voll ergriff. Simpl. 4, 29, 27 Kurz; denen dann kein schuld solcher gestalten zuzumessen ist. Abr. a S. Clara etwas f. alle 1, 449; rainbrief, der volgunter gestalten lautet. östr. weisth. 6, 141, 22. 142, 47; anderer gestalten, anders. 2, 44, 8, noch oberd. und soll ein jeder das gewöhnliche meisterstück verfertigen, anderer gestalten aber gar nicht zugelassen werden. Heynatz antibarb. 2, 47; und fienge an zu erzehlen, wie und welcher gestalten er hinter die art des wassers gekommen. Jucundiss. 160; und hat von dessen (riesengeschützes) knall die erd auff ein gantze teutsche meil der gestalten gezitteret, dasz auch die gebäu beschädiget worden. Abr. a S. Clara auf auf ihr chr. 53, 28. 73, 18 neudr., zusammengezogen dergestalten theil 2, 1015; dafür ahd. der dat. plur.: unde den gestalten (hac ratione) gêt în z'iu der chunig dero guotlîchi. Notker ps. 23, 7 Wiener handschr., dien gestalten St. Galler handschr.
γ)
in gestalt, derart: sprachen die fürsten 'behandent jnen dem keiser, in gestalt als obs ein anderer gefangener wer'. Aimon V 2.
δ)
in was gestalt, in welcher weise, wie: in was gestalt dem ritter das kleinot, so er gewunnen hatt, zugetheilt ward. buch d. liebe 243, 1; in was gestalt dir die wandlung gefallt. Garg. 169ᵇ (311 Sch.); unser hoffrichter und die beisitzer sollen geloben und schweren, dasz sie wöllen .. von den partheien keinerlei geschenck, gab oder nutzung nemen, in was gestalt oder schein das geschehen möcht. kurpfälz. hofgerichtsordn. von 1573 x; wer sich unterstehet, esz sei bei tag oder nacht, in wasz gestalt (wie immer) es wöll, ainem andern in sein garten zu gehen. östr. weisth. 6, 258, 21 (von 1629). — durch was gestalt, wodurch, wie. alte weisen 92ᵇ; auf was gestalt, auf welche art, in welcher weise, wie: sie hat acht, auff was gestallt das bett bereitet jhm mundet. Garg. 72ᵇ (123 Sch.). — gekürzt was gestalt, welcher art, in welcher weise, wie: histori und eigentliche beschreibung was gestalt das evangelium Christi in China eingeführt, gepflanzt und gepredigt wird, verteutscht durch Aeg. Albertinum, 1608; was gestallt ein emsige sorg gegen den armen die gemeine cassa ermehre, lehren die Niderländer. Schuppius 751; auch im plur. was gestalten:
(ich) wolt selbst besehen disere sachen,
was gstalten man es möchte machen.
Haupts zeitschr. 3, 242 (von 1602);
philosophirte er, was gestallten die geistliche güter von dem miszbrauch in den wahren gebrauch können transferirt werden. Schuppius 752; was gestalten mir wieder zu mir selbst geholffen worden. Simpl. 1, 27; was gestalten die schöne Paraswadi .. plötzlich von dem gelüsten überfallen worden. Wieland 8, 162; nach welcher, welcherlei gestalt auch waser gestalt froschm. 2, 2, 14 Cc 8ᵃ, waserlei gestalt Stieler 2147. Ludwig 763.
ε)
wie eine conjunction mit nebensatz, in gestalt, oder gekürzt gestalt, wie, wie denn, maszen, indem, eigentlich 'in der weise, dasz', vgl. gestaltsam 2: darusz (aus dem Türkenzug) nicht wart, in gestalt der babist starpe, so daʒ der zog nit vorgang gewan. Limb. chr. 115, 18 Wyss; diese musten mit fast allem krieges apparat versorget werden, gestalt auff ein regiment zu fusz 22 tausent reichsthaler haben müssen geliefert werden. Micrälius alt. Pomm. 5, 210; so hat dennoch ein herrlicher sieg diesen schaden in etwas ersetzen müssen, gestalt hertzog Bernhard eine herrliche obwol blutige victory erhalten. 297; ein apfel, welchen Tell jhm vom haupt herab schieszen muste, gestalt er dann auch ohne einige verletzung des söhnlins glücklich verrichtet. Zinkgref apophth. (1639) 1, 194; gestalt er auch also umkommen. 319; man könne ehe ausz fischen als von heue, gersten und anderm gewächse bahr geld lösen. gestalt denn Jacob von Berenstein ausz seinen fischteichen 30000 goldgülden gelöset hat. Schuppius 101; derselbe kunst in legationen zu den armeen und andern herrenhöfen gar nützlich gebraucht werden, gestalt er dann eine ansehliche person präsentirte. 106; gestalt ihn unser general in der lufft verarrestiren liese. Simpl. 1, 2, 24, 200; gestalt er auch sagte, uti etiam dixit. Duez (1664) 194ᵇ; gestalt es gar viele in der welt giebt. ehe eines mannes vorr.; gestalt ich einen narren gesehn, der das holtz so sehr beliebte, dasz er es vor groszer liebe küste. liebescammer 430; wir sind eurer treu versichert genung, gestalt wir auch zum zeichen einer unveränderten gnade die heirath bestätigen wollen. Chr. Weise überfl. ged. 2, 553; gestalt ich rühmen kan, dasz ich .. kl. hofmeister 320; wir haben mit unermüdetem fleisze gearbeitet, gestalt wir auch durch gottes segen es so weit gebracht, dasz .. lat. märk. grammatik (1774) vorr.; Alexander (d. gr.) hat nur von den allerfürtrefflichsten und berühmtesten meisteren der welt sich wollen abbilden lassen, gestalt den auch seine übermäszige tapfferkeit und tugenden solches sehr wol hatten verdienet. Rist Parnass zuschr. a 2ᵇ;
gestalt den guhte frucht auch stets zu kommen pflegt
von guhten bäumen her.
B 7ᶜ;
freundschaft,
die du bisz in dein end hast gegen mir getragen;
gestalt du dan halb-todt mich noch an dich getruckt.
Rompler 75.
dafür auch hier die pluralform gestalten, östr. gstolten östr. weisth. 1, 123, 41 (17. jh.): gestallten, siquidem Frisch 2, 316ᶜ; es wird keiner gelesen, welcher ausz glückseligkeit zu reden ihme ein namen gemacht habe, der nicht vor (zuvor) der rhetorum brunnengrüblein mit wunderlicher auffmercksamkeit auszgesucht habe. gestallten von dem jenigen groszen Basilio die beschreiber ihres lebens melden, dasz .. Schuppius 724; dasz ich dannoch der einfältigste verblieb, gestalten ich, wie ich den wald verlassen, ein solcher elender tropf in der welt war. Simpl. 1, 41; erkennt das käiserl. stadtgericht zu recht, dasz besagter Titius von der ordinari-straf eines todts schlags zu absolvirn und ledig zu sprechen sei, gestalten er dann hiemit gerichtlich absolvirt und ledig gesprochen. Abele künstl. unordn. 3, 200; gestalten wir dann hiemit ernstlich befehlen .. Grefe der lüneb. saline ausschlieszl. salzdebit 44 (verordnung Georgs II von 1741); gestalten diese beide eidlich ausgesaget. Salinde 106; besagte bildsäule nebst dem feigenbaume gemeinschaftlich zu unterhalten. gestalten denn auch beide .. noch zur zeit zu sehen waren. Wieland 20, 65; gestalten ichs auch dem publico schon versprochen habe. ders. bei Merck 1, 95; nur in unserm modus existendi ists hier und da verschieden, gestalten auch unsere umstände von jeher verschieden gewesen sind. 163.
2)
die art, wie etwas aussieht, das aussehen, das äuszere.
a)
von menschen: ein gestalt haben eines frommen manns, einem redlichen mann gleich sehen Maaler 176ᵃ; er hat ein guͦt gestalt (aussehen), er mag sonst sein wie er wil. S. Frank spr. 2, 66ᵃ; daran leinet er die abgestorbene knecht mit kleidern, die gaben ein gestalt sampt stuͤnden sie allda in der halt. Fronsperger 3, 235ᵃ; er stellte sich mit tapfern geberden und muthiger gestalt in die mitte der straszen. Harnisch (1648) 217;
wann er ist nach gestalt ain kluger man.
fastn. sp. 681, 25;
der gesichtsausdruck, die miene: gestalt oder angesicht, visonomia voc. 1482 m 2ᵃ; geberde odder gestalt. Luther post. (1528) 342ᵃ; die gestalt im angesicht, vultus, animi motus Henisch 1571; do sprach der kaiser mit wolgemesziger und züchtiger gestalte seins antlütz. herzog Ernst, volksb. 300, 17 Bartsch; der alte ward gefasset, vor seine majestät geführet und von ihm mit einer zornigen gestalt gefragt: warumb u. s. w. pers. baumgarten 2, 22;
da merckt der jüd an seiner gstalt,
das er nichts gutes het im sinn.
B. Waldis Es. 4, 20, 22 Kurz;
dein gestalt verrhet die that. Eyering 1, 365; die gestalt zeugt. man sihet eim an, was er hat thon. S. Frank spr. 2, 22ᵇ.
b)
von dingen, das aussehen: das rott mer hatt ein gestalt als ein ander mer. Schiltberger 70, 9 Langmantel; wenn die sonne auff oder zu rüst gehet, und scheinet ins wasser, so gibts ein ander gestalt (das wasser wird blutrot). Mathesius Luther 147ᵇ; ouch sprochen dy luthe, dy monche hasseten dy elstern dar umme, das sy ores ordens weren, das wiste dy gestalt der kleidunge (die schwarze und weisze farbe) usz. Stolle thür. chr. 186; etliche tramplen .. die so schmutzig aussehen wie ein flecksiederwammes, die so schmierige gestalt haben wie ein angeloffene glasscheiben in einer badstuben. Abr. a S. Clara 14, 459; seit sechzehn jahren hat Brüssel, zumal um den park herum, eine neue gestalt gewonnen. Forster ansichten (1800) 1, 456;
gar ist die welt verkehret,
ein arme gstalt sie hat.
Soltau volksl. 1, 468 (von 1622);
auch in der pfalz ...
hat es ein gleiche gstalt.
469;
er hat uns gar aigentlich unterricht, wy es im slosz und in der stat ein gestalt hab. Nürnb. chr. 2, 91, 34 (von 1444); die sache hat jetzt eine gantz andere gestallt. Frisch 2, 316ᶜ; Agathokles angelegenheiten gewannen eine sehr gute gestalt. Schlosser weltgesch. 3, 340.
c)
der äuszere schein, vgl. unten 3, a, ε: gstalt der freiheit, aber nit ein ware freiheit, libertatis imago Maaler 196ᶜ; ein gstalt gäben und haben, simulare. ebenda; gestalt haben eines dings, scheinen, ansehen haben, gestalt geben oder machen, ein ansehen oder schein machen. Emmelius sylva M 3ᵈ; seinen reden eine gestalt (farbe, ein ansehen, einen schein) geben. Rädlein 376ᵃ; der ware eine gestalt (ein ansehen) geben, ein mäntelgen umthun. ebenda; es ist ein schlechte kunst, einer lugen ein gestalt zu machen. Henisch 1572; ein gestalt und schein eines krieghers zeigen und anbilden, sich spieglen als ob er ein gwaltigen hauffen kriegsvolck habe. Maaler 176ᵃ; sie haben ein gestalt der frombkeit, aber dessen tugend verlaugnen sie. Schuppius 742; daher westfäl. nitt de gestald, nicht das geringste. Woeste 78ᵃ. — in oder unter der gestalt, unter dem scheine oder vorwand:
wü päsz begert der menschen muͦt,
liebt inn gestalt als sei es guͦt.
Schwartzenberg 126, 1;
die Hispanier, welche in der gestalt, als wolten sy gold suͦchen, die insel plünderten. S. Frank weltb. 223ᵃ; under der gestalt, sub praetextu, sub titulo Emmelius sylva M 3ᵈ. Stieler 2146; unter der gestalt der beicht. Rädlein 376ᵃ.
3)
die art, wie sich etwas in festen umrissen, mit unterscheidenden merkmalen darstellt: mhd. diu driu wort 'bilde, forme, gestalt' sint éin dinc. myst. 2, 325, 2 Pf.; nhd. gestalt oder forme. Luther 4, 268ᵇ; der Deutsche hat für den complex des daseins eines wirklichen wesens das wort gestalt. er abstrahirt bei diesem ausdruck von dem beweglichen, er nimmt an, dasz ein zusammengehöriges festgestellt, abgeschlossen und in seinem charakter fixirt sei. Göthe 58, 7.
a)
die form, figur einer person oder eines dinges.
α)
von gott und anderen geistigen wesen: er sihet den herrn in seiner gestalt, nicht durch tunckel wort oder gleichnis. 4 Mos. 12, 8; seine gestalt war anzusehen wie ein engel gottes. richter 13, 6; der teufel in engels gestalt verhüllet. Luther 7, 46ᵃ; ist der teufel in sichtiger gestalt zu jhm kommen. Mathesius trostpr. T 7ᵃ; die gstalten und naturen der seelen und der geisten werdend verwandlet und verenderet. Maaler 196ᵈ.
β)
von menschen, körperform, auch wuchs, statur, vgl. angestalt theil 1, 352 (ein hüpsche angstalt hatt er. Morgant 3, 21); mhd.
magt, dîn gestalt, dîn schœne
durchschœnet alle trœne.
Frauenlob unser frouwen leich 8, 3;
(dasz Adam wäre) nâch art sîm schepfære
gelîch an forme und an gestalt.
sprüche 25, 5;
gestalte, varwe, tugende   des het der wunsch in beiden niht vergeʒʒen.
j. Titurel 2052, 4;
der ir itslich ir gestalt (bildnis)
mit irem namen ûʒgehengt
hatte in einen schilt gemalt.
Gersne minne regel v. 129;
nhd. der (künstler) wirdet durch die krafft, die gott den menschen geben hat, alle tag vil newer gestalt der menschen und andrer creaturen auszugieszen und zu machen haben. Dürer von menschl. proportion T 1ᵃ; physisch-klimatische einwirkung auf bildung menschlicher gestalt. Göthe 6, 41; sihe nicht an seine gestalt noch seine grosze person. 1 Sam. 16, 7; der gestalt des leibs nach zuͦ achten, bistu ihme nit unenlich. Schaidenreiszer Odyss. 10ᵃ; gestalt des leibs, die grösze und länge des leibs Duez (1664) 194ᵇ. — gute, schöne, häszliche gestalt u. s. w.: er (David) war guter gestalt. 1 Sam. 16, 12; das weib war seer schöner gestalt. 2 Sam. 11, 2; die gestalt ist offt gut, der kopff ein narr. Lehmann flor. (1630) 29; schön gestalt hat grosz gewalt. ebenda; eine heszliche gestalt, deformis corporis habitus Duez (1664) 194ᵇ;
glücklich, wem doch mutter natur die rechte gestalt gab!
denn sie empfiehlet ihn stets.
Göthe 40, 296;
eine leicht aufgebaute, nett gebildete gestalt, eine reine gesunde natur .. war ihr gegeben. 26, 152;
fesselt dich die jugendblüthe,
diese liebliche gestalt?
1, 77;
ich bin entzückt von seiner angenehmen
gestalt und seinen prinzlichen manieren.
Schiller XIII, 373 (Turandot 2, 2);
so hoher sinn, so seltner geistesadel
in dieser göttlichen gestalt!
385 (2, 4).
von gestalt: Reinhart was gar ein kluger ritter von libe, von sinne unde von gestalt. Limb. chr. 29, 1 Wyss; Gerhart was gar ein schone ritter von aller siner gestalt. 44, 4;
von ansehn und gestalt
sah man jhn wie ein blitz in seinen waffen blenken.
D. v. d. Werder Gottfr. v. B. 5, 44;
ist er (bräutigam) von jahren jung, und grüne von gestalt.
P. Fleming 90;
er hatte sich, als ein mann von schöner gestalt und gegenwart, in eine prinzessin verliebt. Göthe 34, 119; von schöner, gedrungener, proportionirlicher gestalt. Immermann Münchh. (1841) 1, 59; ritter von der traurigen gestalt. Harnisch aus Fleckenland (1648) 223 nach dem span. el caballero de la triste figura. Cervantes don Quixote 1, 19.
γ)
von thieren:
do Circe mit jr dranckes gwalt
syn gsellen kert jn thieres gstalt.
S. Brant narr. 108, 78;
raupen haben offt ein schön gestalt, beschmeiszen doch bäum, laub und gras. Lehmann flor. (1630) 29;
(der tiger) das ist ein ungeheuer,
ein scheusal von gestalt.
Lichtwer fab. 3, 17;
vom wuchs: die gestalt (taille) eines pferdes. Adelung.
δ)
von dingen:
mhd. der (hauben) gestalt muoʒ ich sagen.
S. Helbling 1, 274;
nhd. gestalt des himels. 2 Mos. 24, 10. Matth. 16, 3; die gestalt der erden. Luc. 12, 56. ps. 104, 30; gestalt der welt. Tieck 14, 345; der fäuht warm dunst verkêrt sich in reifes gestalt. Megenberg 85, 25; die gestalt des fewrs. 4 Mos. 9, 16; in gestalt eines weiers. Maaler 176ᵃ; einem ding die gestallt geben. Frisch 2, 316ᶜ, ein ander gestalt geben Dasyp. E 6ᵈ; fingo, ich geb ein gestalt. Alberus dict. P 2ᵃ; so man das guldin bütschet in ain wachsz truckt, es überkompt darumb nit die gestalt des wachsz, sunder das wachsz überkompt die gestalt des sigels und bütschets. Keisersberg schiff d. p. 44ᵈ; thustu es doch selbs nicht, wenn du dein korn in die erden seest, das es solt so bleiben und nicht ein ander gestalt kriegen, sondern wirffest es eben darumb dahin, das es seine jtzige gestalt verliere. Luther 6, 259ᵃ; die maccaroni, ein in gewisse gestalten gepreszter teig von feinem mehle. Göthe 28, 272; im nebel, aus dem sich die bäume und höhen .. in ihrer dämmerichten gestalt in mancherlei grün zeigten. Herder z. philos. 17, 29; ferner kommen die besondern gestalten, als einzelne kuppen, in pfeilern, tafeln und kugeln, dem basalt nicht ausschlieszlich zu, granite, porphyre, schiefer .. gestalten sich gleichfalls. Göthe 51, 134; ihre (der gothischen fenster) kühne schlanke gestalt. 39, 346;
graue thürm' und zinnen
von seltsamer gestalt.
Uhland ged. (1833) 444;
marktplatz, wo eine zahllose menge von buden die gestalt einer kleinen stadt, eines feldlagers angenommen hat. Göthe 15, 306;
ich grüszte dich (tulipane) fürstinn der blumen, wofern nicht die göttliche rose
die tausendblättrige schöne gestalt .. hätte.
Chr. Ew. v. Kleist 2, 17.
ε)
von scheinbarer, angenommener, veränderter leibesform oder lebensstellung, vgl. oben 2, c: der hât gesant di englischen geiste in wîʒer tûbin gestalt. Ködiz h. Ludwig 60, 32;
der man verkert (bei der fastnacht) in ein frauen,
die frauen sich in mannes gestalt.
fastnachtsp. 383, 6;
sich in mancherlei gestalt endern, mancherlei gestalt und form an sich nemmen. Maaler 176ᵃ; ein zauberer, der von dieser kunst alle gestalten anzunehmen einen sehr gefährlichen gebrauch machen könnte. Wieland Luc. 4, 289; unter, in der gestalt, vgl. oben 2, c: darnach, da zween aus jnen wandelten, offenbart er (Jesus) sich unter einer andern gestalt. Marc. 16, 12; o göttin, die du mir gestern under der angenommen gestalt aines gasts erschinen bist. Schaidenreiszer Odyss. 7ᵇ; wenn du ihn unter dér gestalt sähest? 'wie, unter welcher gestalt?' ... da verräth sichs im todenblassen eingefallenen gesicht, und dreht die knochen häszlich hervor. Schiller II, 52 (räuber 1, 3); in der gestalt eines menschen, der in der höhe gott der herr ist. 1 chron. 18, 17; Mars in gärtners gestalt. A. Gryphius (1663) 460; ein wunderartzet, bei dem ich in dieners gestalt ein jar lang geblieben. Würtz practica d. wundarznei (1612) 41; liebhaber in allen gestalten (als fisch, pferd, gold u. s. w.). Göthe 1, 34. als gegensatz sich in seiner wahren gestalt zeigen, auch in bezug auf charakter und gemüt: diesen erzbösewicht zu entlarven und in seiner wahren gestalt darzustellen. Wieland Lucian 2, 326; ein mensch, der sich unter zwei gestalten zeigt, ein heuchler. Campe.
ζ)
gute, schöne gestalt, schönheit, forma, vgl. unten 4, b, sowie gestalten 2, d, 4, b und gestaltig 2: species, gestalt, wolgestalt Dief. 545ᵇ; die gestalt, die hüpsche einer person. Maaler 175ᵈ; meine gestalt ist verfallen. ps. 6, 8; des erschrack der könig Belsazer noch herter und verlor gantz seine gestalt. Daniel 5, 9; gestalt verleurt sich bald. Stieler 2146;
gestalt pflegt ausz zu treten,
und ist ihr kuppler selbst.
Opitz 1, 57;
verachtung der gestalt ziert einen mann und auch
das weib, das männlich sieget.
Wernikens poet. vers. 26 Bodmer;
die (neugebornen häszlichen bären) läcket jr muͦter so lang bisz sy ein gestalt überkommend. Stumpf chr. 2, 286ᵇ; oratio gratia caret, hat kein gestalt. Alberus dict. T 1ᵇ.
η)
façon der kleider: die manirunge unde gestalt von den schupen (jopen, jacken) hatten bescheiden lengde. Limb. chr. 39, 11 Wyss; von einem gemeinen mannes rock mit einer gestalt (eng anliegenden façon) geschnitten und engen ermeln, futerlon 8 groschen (dem kürssner). Leipz. ordn. von 1544 D 1ᵃ; anzug, putz:
denn jr mir auch also (im gelben schleier) gefalt
viel basz denn in einr andern gstalt.
B. Waldis 4, 28, 30 Kurz;
in Schlesien und Böhmen heiszt das mit fischbein steif gemachte mieder der bauernweiber die gestalt, pectorale muliebre Steinbach 2, 664, gestâlt mitth. d. ver. f. gesch. d. Deutschen in Böhmen 28, heft 1, plur. gestälder Petters andeut. 45, älter gestälde: zwo macheyern (wollene) gestelde mit seiden schnüren verbremet. cod. dipl. Siles. 4, 231 (von 1615); in der Schweiz die gestalt, schnürbrust, auch leibchen mit einem rock an einander hängend Stalder 2, 390, appenz. gstâld, plur. gstälder, dim. gstäldli, leibchen, gstâldrock, rock mit leibchen Tobler 243ᵃ; aarg. die und das gestalt Hunziker 116. vgl. gestältlein.
θ)
technisch: in der wundarznei gestalt, einrichtung, diorthosis, diejenige chirurgische verrichtung, da man entweder verrenkte oder gekrümmte körper wieder in ihren gehörigen zustand oder verschobene theile wieder zurück bringt Jacobsson 5, 659ᵇ; bei den stückgieszern gestalt, der innere kern einer kanonenform, der dem mantel der form innerhalb seine bildung oder gestalt giebt 2, 73ᵃ.
b)
von geistigen begriffen und vorstellungen, form: so ein ehemann ein ander weib, oder ein eheweib ein andern mann in gestalt der heiligen ehe bei leben des ersten ehegesellen nimbt. Carolina art. 121, überschrieben 'straff des übels das in gestalt zwifacher ehe geschicht'; nichts erscheint mir in gestalt eines gesetzes. Göthe 19, 362;
und übers recht geht hoch die gwalt,
wird oft miszbraucht in rechts gestalt.
Wolgemuth Esopus (1623) 2, 470;
gestalt der gleichnisz, effigies, imago speciei voc. inc. teut. i 4ᵇ; sie ubersetzten sie (latein. epigramme) in rondeo und ballade gestalt auff frantzösisch oder teutsch. Garg. 193ᵃ (357 Sch.); diese strophen haben eine dram tische gestalt. Bodmer minnes. vorr. viii; ich habe hin und wie er diesen briefen die gestalt einer zusammenhangenden geschichte gegeben. Rabener sat. 3, 9;
wenn alle bösen dinge die gestalt
des guten borgten, dennoch musz das gute
stets diese nehmliche gestalt behalten.
Schiller XIII, 113 (Macb. 4, 6);
die schöne hippokratische verfahrungsart, wodurch sich, ohne theorie, aus einer eignen erfahrung, die gestalten des wissens heraufgaben. Göthe 26, 9; gestalt und gattung des läbens, conditio vitae Maaler 176ᵃ;
(der) ihn von wiege zu grab, durch alle gestalten des lebens,
leitet, in weh und lust, milde, behutsam und ernst.
Rückert ges. ged. 2, 280;
es hat die erscheinung fürwahr nicht
jetzt die gestalt des wunsches, so wie ihr ihn etwa geheget.
denn die wünsche verhüllen uns selbst das gewünschte; die gaben
kommen von oben herab, in ihren eignen gestalten.
Göthe 40, 280;
jene mystische empfindungs-theologie, die ihrer stillen gestalt ungeachtet vielleicht die wirksamste theologie in der welt gewesen. Herder 16, 24; ihre freude ist stark, sie nimmt die gestalt des schreckens an, sie raubt ihnen die sprache. Göthe 20, 182;
sie (die tugend) wird im letzten augenblicke,
wenn alle traurig von dir gehn,
in himmlischer gestalt zu deiner seite stehn.
Gellert 1, 165 (Herodes u. Her.);
ach, den verwegnen alpenjäger hascht
der tod in hundert wechselnden gestalten.
Schiller XIV, 339 (Tell 3, 1).
c)
charakterbild: das geheimnisz der palingenesie (der geschichtschreiber), aus der asche jedes gegebenen menschen und gemeinen wesens eine geistige gestalt heraus zu ziehen, die man einen charakter oder ein historisches gemälde nennt. Hamann 2, 41; alle charakteristiken der vortrefflichen frau ähneln sich auszerordentlich, so einfach und sicher sind die umriszlinien ihrer gestalt. zeitungsbericht; geistiges bild: die gestalt hiervon bleibt in mir. Krämer 551ᵇ.
d)
abstract, form: gestalt, die drei winckel hat, triangulus, runde gestalt wie die spinnweb, scutula Dasyp. E 6ᶜ; runde, sechseckige, schraubenförmige gestalt; bei vielen pflanzen ist die zahl und die gestalt, in welcher die kelchblätter entweder einzeln oder zusammengewachsen, um die axe des stiels gereihet werden, beständig. Göthe 58, 37 (nachher anzahl und bildung); in der philosophie: der (unendliche) raum, weil er alle gestalten, die lediglich verschiedene einschränkungen desselben sind, ursprünglich möglich macht. Kant 2, 475; im gegensatz zum stoff: euch wird der stein, der durch die kunst zur schönen gestalt gebracht worden, also schön erscheinen, .. die materie aber hatte eine solche gestalt nicht, sondern diese war in dem ersinnenden früher als sie zum stein gelangte. Göthe 49, 105;
der körper rauhen stoff, wer schränkt ihn in gestalten.
die stäts verändert sind, und doch sich stäts erhalten?
Haller ged. 106;
der entwurf des ewigen reiches der schöpfung
ward, zu gestalt urstoff.
Klopstock ...;
ästhetisch, die schöne form: so darf er (der mensch) im kreise des schönen umgangs, in dem ästhetischen staat, nur als gestalt erscheinen, nur als objekt des freien spiels gegenüber stehen. Schiller X, 381; als geistiges wesen aufgefaszt:
nur der körper eignet jenen mächten (des todes),
aber frei von jeder zeitgewalt,
die gespielin seliger naturen
wandelt oben in des lichtes fluren,
göttlich unter göttern, die gestalt.
XI, 55 (ideal u. leben 37).
die idee: gestalt, dy ainer im sin hat, und form eewan er das werck macht, idea voc. inc. teut. i 4ᵇ; idea, ein ursprüngliche gestalt. Alberus dict. P 2ᵃ; desgleichen musz er (der bauer) wissen, dasz aller lebendigen und wachsenden dinge erste materie und gestalt (anlage) in ihrem samen würklich vorhanden und darinnen verborgen sei. kunst- u. handw. not. 149; aber die verdrüszliche gestalt (vorstellung), die sie sich vielleicht von der ehe gemacht hat, umnebelt ihre liebe. Gellert lustsp. 10 (zärtl. schwest. 1, 3).
e)
feste, greifbare, klare form.
α)
eigentlich: schauen die groszen harmonischen massen (des Straszburger münsters), zu unzählig kleinen theilen belebt: wie in werken der ewigen natur, bis aufs geringste zäserchen, alles gestalt und alles zweckend zum ganzen. Göthe 39, 346; filum orationis, die gestalt der rede. Alberus dict. H 1ᵇ.
β)
übertragen: effictio, ein klar gestalt. Alberus dict. P 2ᵃ; es ist sonst weder liecht noch gestalt in seinem (Carlstadts) schreiben. Luther 3, 50ᵃ; was ich gestern dictirte, hat gar keine gestalt, und doch soll diesz blatt ungesäumt zu ihnen. Göthe an Schiller 431;
an andern er (erzieher) die fäl oft schalt,
deren er wuszt an jm (zögling) gestalt (vorhandensein).
Fischart 3, 291 Kurz;
und sonderlich bei dem gewalt
da hat der glaub schier kein gestalt (geltung).
Alberus fab. p. 26 (7, 54 Braune);
gestalt machen, formare voc. inc. teut. i 4ᵇ, specificare voc. 1482 m 1ᵃ, eine festgegründete form geben: weil jhr sach auff faulen gründen stund, .. ziehen (sie) ein berümbten redner zu sich, der böser sach sol ein gestalt machen. Mathesius Sar. 21ᵇ; dasz sie (die geistlichen) selbs ein reformation under in machen .. sie solten es aber iezund bedenken und irem wesen ein gestalt geben. Schade sat. 2, 3, 26; weil die meisten menschen selbst formlos sind, weil sie sich und ihrem wesen selbst keine gestalt geben können, so arbeiten sie den gegenständen ihre gestalt zu nehmen, damit ja alles loser und lockerer stoff werde, wozu sie auch gehören. Göthe 20, 250; jene dichtkunst, welche dahin strebt, dasz der einbildungskraft gehalt, gestalt und form dargebracht werde. 46, 126; eine gestalt gewinnen, feste form, geltung erlangen: bis das Christus in euch eine gestalt gewinne. Gal. 4, 19; was recht gethan ist, das hat ein kopff. es gewinnt ein gestalt. Lehmann flor. (1630) 752; nunmehr fieng die fränkische macht an in Gallien eine gestalt zu gewinnen. Möser osnabr. gesch. 1, 179.
γ)
in gestalt, in der festen absicht, zu dem zwecke: so daʒ zu der zit eine groisze versamelunge der cristenheit was gezogen gene Rome in gestalt widder die Turken zu ziegen. Limb. chr. 115, 18 Wyss.
δ)
sicherheit durch handschrift oder bürgschaft, cautio, assecuratio: wir haben Jorgen von der Pforten ein gestalt machen sollen, dasz her sein gelt welde lassen anstehen bisz uff Michaelis. Zeitzer copialb. fol. 128ᵇ (F. Bech); do ers aber nicht beweisen wurde, soll er die (20 thaler) nochmals bezallen und den schillingen (actori) ein gestalth machen. Peilick. gerichtsprotokoll von 1556 bei Haltaus 690; wurde sy Jacof Spigel seiner vorsatzunge halben nicht entledigen adder gestalt machen, doran on gnugete, so .. receszbuch des sächs. oberhofgerichts von 1494 f. 43; baare zahlung leisten, oder annehmliche versicherung und gestalt machen. kursächs. rescript von 1621 bei Haltaus a. a. o.; kein amtmann oder vogt soll kein hausgenosz hinausführen, welcher allhie recht geben und nehmen will und demselbigen ein genugsame gestalt gemacht hat. weisth. 6, 96, 17 (aus Franken).
f)
gattung, art, species: turdus, ein gstalt meerfischs. Cholinus-Frisius 874ᵇ; als begerest du etwas ze haben von gewuochertem guot, es ist ein gestalt des wuochers. Geffcken bildercatech. 2, 78; (der bapst) hat so viel gestalt und unterscheid der sunden gemacht, das es niemand erschwinden (aufbringen, theil 3, 978 nachzutragen) kan. Luther sermon von der beicht (1525) A 3ᵇ; er hette wol mügen schlecht (schlicht) sagen (statt 'das ist mein leib'): ich bin der mensch, der für euch gegeben ist, darinnen kein gestalt eins esserlichen und trincklichen dings were gewesen. werke 3, 70ᵃ; sprach ein mann zu Catone, durch den eingang ewers ampts gebüret euch diesen mann (der gehenkt werden sollte) zu erlösen. du sagst war, sprach er, und ungefragt gestalt seines gehandelten ubels thet er jhn von dem gericht entledigen. buch d. liebe 313, 2; dasz viel arme durch alle species oder gestallten der mühseligkeiten gezogen werden. Schuppius 749; noch oberd. allerlei gestalten (arten, gattungen) von thieren. Adelung.
g)
die elemente im sacrament des heil. abendmahls, brot und wein: Tertulliani wort, das Jeremias zuvor mit seiner weissagung habe das brot dem leibe Christi zur gestalt zugesprochen, welchs Christus hernach also mit der that vollbracht hat und das brot zur gestalt seinem leibe gegeben. Luther 3, 370ᵇ; Christus hat das sacrament beider gestalt eingesetzt. 528ᵇ;
brod und wein, die zwei gestalten,
sind nur zeichen, sie enthalten
gottes volle wesenheit.
Cl. Brentano ges. schr. 1, 155;
mit bezug auf die kelchentziehung der laien in der katholischen kirche: dasz der bapst beider gestalt (oder beide gestalt) erleubt den Behemen. Luther 3, 528ᵃ fg.; mit dem evangelio sol man die beide gestalt wider auffrichten. 2, 100ᵇ; dasz er (papst) uns heiszt zur gestalt des brots (hostie) sagen: mein gott, bis mir gnedig. 3, 80ᵇ; darnach haben sie uns die eine gestalt des weins gar genommen .. mit der weise möchten sie uns auch die andere gestalt nemen. 1, 338ᵃ; den leien ist gnug eine gestalt (spricht der papst). 8, 233ᵇ; wer das sacrament auch einerlei gestalt isset. 3, 529ᵇ; ob sie (die papisten) wol den confession-verwandten beide gestalt, wie der kron Behem, .. mit dem bedingen lassen wolten, das man jhr einige gestalt sampt jr opffermessen .. unangefochten liesze. Mathesius Luther 86ᵃ.
4)
träger der gestalt, person, wesen.
a)
von gott und göttlichen oder ihnen ähnlichen wesen: mhd. der in ainer hant ains tiefels gestalt hât mit hörnern. Megenberg 470, 18; nhd. darum hat das ewige wort geboren ein leiblich und begreiflich gleichnüsz seines wesens, darinnen alle gestälte aus der ewigen gestalt sind herausgebracht worden. J. Böhme drei princip. 113;
und jene himmlischen gestalten
sie fragen nicht nach mann und weib.
Göthe 20, 159;
von menschen: von der menge reden wir nicht, sondern von bedeutenden, ausgezeichneten gestalten. 6, 41;
es schien die thüre zu klein, die hohen gestalten
einzulassen, die nun zusammen betraten die schwelle.
40, 325;
wieder
kam ihm die hohe gestalt des herrlichen mädchens entgegen.
305;
hebet die gestalt
lang und langsam sich im bett empor.
1, 248 (braut v. Corinth str. 22);
kriegerische gestalten, mehr als eine von edler ritterlicher haltung. Freytag werke 13, 96; noch schritt die verhüllte gestalt den weg dahin. 157; Bassermannsche gestalten, zerlumpte galgenvögel, so genannt nach einem bericht des abgeordneten Bassermann im Frankfurter parlament 18 nov. 1848: ich sah hier (in Berlin) gestalten die strasze bevölkern, die ich nicht schildern will; vom dichter geschaffene charaktere: da denn doch zuletzt (bei Dschami) nur widernatürliche und widergeistige, grasse gestalten zum vorscheine kommen. Göthe 6, 68; Shakespears schroffe gestalten. Platen 2, 279; ihn (den Max im Wallenstein) schuf das bedürfnisz einer hellen gestalt in den düsteren gruppen. Freytag technik d. dramas 177; die heldengestalten der sage;
ihr naht euch wieder, schwankende gestalten.
Göthe 12, 5 (Faust 1 Weim.);
von allegorischen gebilden: wisset ihr nicht, jene der reformation verheiszung seie ein gestalt, die gar mächtig ist, anlagen herausz zu pressen. Schuppius 747;
er lehrt mich euch verschmähn, euch glänzende gestalten,
die wahn und unverstand für ihre götter halten!
dich, reichthum! dich, o ruhm.
Uz 2, 140.
b)
die trägerin einer schönen gestalt, die 'schönheit', vergl. oben 3, a, ζ:
(die schöne Helena) die gestalt aller gestalten.
Göthe 41, 196 (Faust 8907 Weim.).
c)
schattenhaftes, geisterhaftes wesen: die nacht darauf erschien mir eine wundersame gestalt im traume. Göthe 34, 360; geistergestalten Zachariä poet. schr. 2, 177, s. oben sp. 2746; scheinkörper, schatten: drei vornehme herren, alle drei gleich schwach und gleich krank .. genug, es waren blosze gestalten von menschen. Engel schriften 1, 358.
d)
von thieren und dingen: gott leszt schwantzsterne entstehen, oder sonn und mond schein verlieren, oder sonst ein ungewöhnliche gestalt erscheinen. Luther 3, 407ᵇ;
denn nahe liegt, zum knäul geballt,
des feindes (des drachen) scheuszliche gestalt.
Schiller XI, 279 (kampf m. d. drachen v. 212);
die raupe .. verwandelt sich in eine eckige gestalt, die man puppe nennt. Hebel (1853) 2, 20; da kamen die wunderlichsten gestalten zum vorschein, an fischen, krebsen und seltsamen unformen. Göthe 27, 242;
auff das du deines baws gestalt
nicht wider darffst verkeuffen bald.
B. Ringwaldt l. w. 39;
wenn die bäume (im winter) so geisterhaft vor uns stehen .. bis die landschaft sich (im frühling) verkörpert und der baum sich als eine gestalt uns entgegen drängt. Göthe 17, 310.
e)
allgemein, gebilde: betrachten wir aber alle gestalten, besonders die organischen, so finden wir, dasz nirgend ein bestehendes, nirgend ein ruhendes, ein abgeschlossenes vorkommt, sondern dasz vielmehr alles in einer steten bewegung schwanke. Göthe 58, 7; erscheinung:
im feuer seines liebenden gefühls
erhoben sich, mir selber zum erstaunen,
des lebens flach alltägliche gestalten.
Schiller XII, 375 (Wallenst. tod 5, 3).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4178, Z. 80.

gestalt, gestalten, conj.

gestalt, gestalten, conj.,
s. das vorige 1, e, ε sp. 4183.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4190, Z. 5.

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Zitationshilfe
„gestalt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestalt>, abgerufen am 04.12.2021.

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