Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestifte, gestift, n.

gestifte, gestift, n.,
coll. zum mhd. masc. und neutr. stift (s. d.), die stiftung und das gestiftete, der bau, mhd. gestifte, aedificium gloss. d. 12. jh. bei Schm.² 2, 739, mnl. ghestichte, aedificium, fabrica Kilian, niederrhein. fabrica, ein timmerringhe off ghesticht. gemma gemm. (Köln 1495) H 4ᵈ, architectus, ein meister werckman van gezimmer off ander ghestichte. B 3ᵈ, gestichte, münster Karlmeinet 222, 6, gestiecht d. reichstagsacten 1, 31, 35. 41 Weizs. (Köln, 14. jh.), gesticht, stift Laurent Aach. stadtr. 82, 9, ostfries. gesticht, geistliches oder weltliches stift ten Doornkaat Koolman 1, 620ᵃ. daneben mhd. das fem. gestift, stiftung, stift, gotteshaus, nhd. wer fech (vieh) wolte kouffen von der putt (beute), der mocht kumen zuͦ der nuwen gestifft (neustiftskirche). Hug Vill. chr. 131; ferner als verstärkung des masc. stift: der gestift (das hochstift) zu Costanz. Zimm. chr. 3, 152, 21.
1)
stiftung, festsetzung.
a)
abmachung, wodurch jemand ein gut bezieht: alle gemächt, gestift, kauf oder sätz, die auf pergrecht beschehen, die sullen mit des perkherrn hant geschechen, sinst hat das chein kraft. östr. weisth. 6, 408, 5 (15. jh.).
b)
die erste abfassung oder niederschrift: mhd.
(Kyot) ze Dôlet verworfen ligen vant
in heidenischer schrifte
dirre âventiure gestifte.
Parz. 453, 14.
2)
gestiftetes.
a)
gottes stiftung: weil sie nicht gleuben, das ein gottesdienst seine göttliche ordnung und gnadenreich gestifft ist. Luther 5, 192ᵇ; ein sacrament oder gestifft gottes. 194ᵇ; da er (Christus im abendmahl) ein sonderlich gestifft dazu eingesetzt hat. 196ᵇ; das er (der ehestand) gottes gestifft ist. 338ᵇ; von heidnischen göttern:
mag Pallas .. in städt und schlössern
leben, die ihr gestifte sind.
J. D. Overbeck Virg. 37;
bei den Bachustänzen, die dein gestifte
sind.
83.
b)
weltliche, wolthätige stiftung: in den spital, der in di stat gebort unde der burger gestifte ist. Freiberger stadtr. c. 32, 7 Ermisch; auf dem fall, da alle gestifter bei einem concursu mit capital und zinsen nicht sollen völlig ankommen, dasz er dann zuförderst ein iedes gestift der capitalien wegen befriediget. Budissiner statuten von 1678 bei Schott stadtr. 2, 16; die Fuggerei (häuser für arme bürger gegen geringen zins) ist ein gestifte von Jacob Fugger in Augsburg. Musäus 4, 18; die milden gestifte mach ich so, dasz ich für drei tausend hiesige stadtarmen eben so viele leichte gulden aussetze. J. Paul flegelj. 1, 5; sollten in meiner familie nicht vier fräulein vorhanden sein, die zur perception dieses gestifts (zinsen von zehntausend thalern) gelangen könnten. stiftung des obersten v. Strobschütz von 1798, Leipz. tagebl. 20. febr. 1891; das gestift der frommen Bertha (ein maifest, an dem der burgherr mit süszem brei bewirten muszte). Langbein sämtl. schr. 15, 49. 55.
c)
geistliche stiftung.
α)
im allgemeinen: die geistlichen gestiffte, gefälle und vermächtniss. Hohberg 3, 1, 39ᵃ; that aber dabei sogleich ein gelübde, solcher sachen zehnfachen werth in ein geistliches gestiffte zu liefern. Felsenburg 1, 591; sie wolten sie (die tochter) in das vortreffliche reiche closter Beara thun und alle ir vermögen zu einem unsterblichen reichen gestiffte ewiges gedächtnüsses machen. pol. stockf. 340;
stick drein (in das papsthorn) die unzalig gestifft,
den meszkram und die bullenschrifft.
Fischart Jesuiterhütlein B 1ᵃ.
β)
kloster: der ain (bruder) stifft das closter Aursperg, der ander das gestifft ze Paltzhausen. Augsb. chr. 1, 301, 17 (15. jh.); so erhuͦbend sich durch Clodoveum ... täglich hin und här vil coenobia und gstifft, doch warend es alles nun schuͦlen ... und wurdend die gstifft genennt collegia, das ist samlungen der gelerten. Stumpf chr. 2, 6ᵃ (5, 2); die gute äbtissin hoffte allbereit auch ihr vertrautes gestifte durch des fürstens freigebigkeit zu bereichern. Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 699.
γ)
gotteshaus, kirche: sanctificatio, ein gestifft. Luther 13, 194, 16 Weim., zu Amos 7, 9 die kirchen, gloss. heiligthüme Bindseil 7, 533; woher haben bisher keiser und könige befolhen gottesdienst und gestifft jren landen. Luther 5, 114ᵇ Jen.; er (Karl d. gr.) hat so manichs closter und gstifft erbauwen und begabet, als buͦchstaben im abc sind ... darunder Aach das a und Zürich das z sind. Stumpf chr. 1, 213ᵃ (3, 88).
δ)
dom, hochstift: er (Öcolampadius) ist vormalsz ee und er ain minch wart, zu Augspurg zu unser lieben frauen auf dem gestift brediger gwesen. Baumann quellen 1, 173; alle sloss unde stete, die zu dem gestifte zu Wirtzburgk gehorten. Rothe dür. chr. c. 793; die propstei (zu Luzern) ist mit der zeit zuͦ einem gstifft geradten, wirdt nit mer mit münchen, sonder mit chorherren verwalten. Stumpf chr. 2, 198ᵇ (7, 7); der (bischof) hielt dem gstifft zuͦ Basel wol hausz. 2, 396ᵃ (12, 27); dieweil graff Wernher dise herrlicheiten dem gstifft Basel basz gondt. ebenda; sonst hatten wir zu Köln nicht viel zu thun, als dasz wir alle tage ins hohe gestift in die thumkirche spazieren gingen. Schweinichen 1, 218.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4233, Z. 43.

gestiften, verb.

gestiften, verb.,
verstärktes stiften (s. d.), mhd. gestiften.
1)
ins werk setzen, richten:
sigihaft gein allen den, die wider in
ie gestiften iren sin.
Uhland volksl. 2, 819.
2)
die stift halten, d. h. öffentliche versammlung zur ordnung des verhältnisses zwischen der geistlichen gutsherrschaft und den holden: ich frag dich ambtman, ob es heut zeit und weil sei des jars und tags, das mein frau (äbtissin von Frauenchiemsee) wol müg mit den iren gestiften. tirol. weisth. 1, 3 (von 1462).
3)
bei der stift vergeben, belehnen: ob das wär, dasz das gottshaus und unser frau (äbtissin von Frauenchiemsee) ass vil aigner leut nicht hiet, das di die güter damit möchte gestiften. tirol. weisth. 1, 67, 27 (von 1462); dasz mein frau ir freie stift hat also, dasz sie ainen, der ein gros gut hat, dem er nicht getun mag, wol gestiften mag auf ain klainers. 4, 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4234, Z. 53.

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Zitationshilfe
„gestiften“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestiften>, abgerufen am 04.12.2021.

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