Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestockt, adj.

gestockt, adj.
part. mit einem stock (s. d.) oder stöcken versehen.
1)
durch stöcke oder pfähle abgegrenzt, durch grenzpfähle getheilt, s. Grimm rechtsalt. 543: dasselb empfengnusz (lehnsgut), das von einander gestockt und gesteint gewesen were .. so soll es wieder zusammen kommen und bei einem bleiben. weisth. 2, 172 (Hunsrück, 16. jh.); mnl. ghestockt ende ghestaeft, baculis et fustibus munitus Kilian 177ᵃ.
2)
östr. schön gestocket sein, einen vollen busen haben Höfer wörterb. 1, 294.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4242, Z. 50.

stocken, m.

stocken, m.,
weiterbildung zu oben ¹stock m., besonders in der bedeutung von ¹stock 1 truncus, caudex; entsprechend dem ursprünglich ndd. stuken (s. unten) in zusammensetzungen wie unten stockenkohle, f., stockenmeiler, m., stockenraumen, n., usw.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1914), Bd. X,III (1957), Sp. 61, Z. 19.

stocken2, stöcken, stecken, verb.

²stocken, stöcken, stecken) verb.
in den stock (vgl. ¹stock m. 4 f) setzen, legen (ins gefängnisz) werfen; in der älteren sprache vereinzelt ohne umlaut stocken cippare Diefenbach glossar 121ᵃ, incippare, cippis, compedibus ligare 292ᵃ, incippare nov. gloss. 212ᵇ, intruncare glossar. 306ᵃ; neben stöcken in carcerem conjicere Stieler 2161, in vincula conjicere Wachter 1613; vgl. auch die zusammensetzung einstocken (incippare Diefenbach gloss. 292ᵃ): hilff, das wir ... nit yhrer (der sinne) begirden noch willen gelassen werden, sondern in deynen willen gefangen, gestockt und geprochen werden Luther 7, 224 Weim. (dagegen gestöckt 6, 15 und 10, 2, 401 Weim.); das sie einen jeglichen ... peinigten, stockten, queleten Schütz historia rerum prussic. 5, F 4ᵇ; neben blocken (vgl. die umgelautete verbindung unten): als ... der herzog solichs (klagführen) vernam, underfieng er sich ers noch gewaltiger aller guter des gottshaus, auch aller irer leut, stockets und blockets, verwundets, lemets und todtes Knebel chronik von Kaisheim 181; man stocket und plocket sie, und gehet unfreuntlich mit den leutten umb Agricola sprüchwörter P 8ᵃ; (substant.): dem gottshaus, seinen leuten gaistlichen und weltlichen wurd gross ungefueg und ubles erzaigt mit fachen, stocken, blocken Knebel chronik von Kaisheim 165; auch mit u (bez. ü): er hat mich fenglich angenomen, gestuckt und gepfluckt chron. der stadt Elbogen 78, 82.
1)
stöcken captivos cippare Diefenbach gloss. 121ᵃ, intruncare 306ᵃ, conjicere in carcerem Ulner (1589) 168; mit entsprechenden begriffen verbunden: hangen, rädern, köpfen und stöcken ist kein sünd, were das nit, wir behielten keinen bissen in dem mundt Franck sprüchwörter (1541) 2, 60ᵃ; kerckeren, brennen, stöcken, und tödten O. Brunfels vom evangelischen anstosz C 3ᵇ; das der ubertreter und verwircker nicht gestöckt, getormet und getotet ... werden Alex. Chrosner ein sermon von der hailigen christlichen kirchen 45; wie vil tausent ist ir freilich noch heutigs tags in vilen provintzen gestöckt, und jämerlich gefangen? (wegen ketzerei wider das papstthum) Sleidanus reden 56; (bildlich:) diss sind nu die schönen drey wort, der wir zum festen troste brauchen sollen und können, wenn uns die sünde betrüben, und der todte ansprechen, stöcken und kerckern wil Mathesius leichenreden 187; neben klemmen (th. 5 sp. 1139) wohl für die zwecke der folterung:
aber dise ritter allsampt
die hab wir für di zagen erkant.
wenn sie süst schüllen peut nemen
und manchen armen stöcken und clemen (zur erpressung),
so sein sie alle rösch (muthig) im veld (da sind sie auf dem platze)
fastnachtspiele 639, 7;
man klempts, man stöckts und stichts zu tot
644, 18.
2)
besonders in der reimverbindung stöcken und blöcken (s. th. 2 sp. 137): die sünde kan niemandt gefangen legen, stöcken oder blöcken Franck paradoxa 179; die gewissen sein im bapstumb ... gemartert, gestöckt und geblöckt worden Nas antipap. eins und hundert 3, 225ᵃ;
se (die aufrührer) stöcken und blöcken de christen gud
lied auf den Lüneburgischen prälatenkrieg 1454—56
(Liliencron 1, 472, 3);
und wolt sie einer irrthumb straffen,
so schreiends dawider mort und waffen,
wie man soll solche ketzerey
rottergeyst und schwermerey
als bald aussreuten und vertreiben,
stöcken, blöcken und entleiben
Fischart die gelehrten die verkehrten 1742 Kurz;
stöcken und plöcken in vincula conjicere Frisch 2, 337ᶜ: ich stöck und plöck torqueo Alberus 127ᵇ; dergestallt ist ain mensch gefangen, gepunden, gestöckht und geplöckht in sonder faͤncknuss, das ist in jm selbs und in seinn sünden Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 259; ir schuldigen sie fachen, stöcken und plöcken lieszen Arigo 67; der babst und die official die nemen gefangen, ... stöcken und plöcken und verfolgen ... die hyrten Luther 10, 3, 121 Weim.; denn man henget, senget, köpft, würget, stöckt und plöckt tischreden 35ᵇ; des teufels kindern gehöret, das man sie sol stöcken und plöcken Chr. Irenäus spiegel des ewigen lebens v 2ᵃ;
verführt euch also stoltz und schleck,
das man euch also plöck und stöck
Fischart flöhhaz 948 neudr.
a)
stöcken und pflöcken (th. 7 sp. 1771 unter 3) cohibere in vinculis, in carcerem compingere Stieler 2162; nicht wie das vorige eine völlig tautologische verbindung (pflöcken vielmehr einen verbrecher auf der erde liegend mit pflöcken und stricken fesseln): er vahet, stöckt und pflöckt münich und pfaffen deutsche städtechron. 5, 363 (j. 1420); leutschinder, plager oder einmahner ..., welcher die stöcket, pflöcket, pfendet und vorm gericht umbher zeucht Mathesius Syrach 2, 25ᵃ; da einer von schuld wegen, sein hauss und garten einem andern lassen, und doch gestöckt, gepflöckt, geschendet und gepfendet werden mus 2, 29ᵇ; und haben uns steupen, foltern, poltern, stöcken vnd pflöcken lassen Sarepta 216ᵇ; wo du dich nicht stehenden fuszes fortpackst, soll dich der magistrat stöcken und pflöcken und an den pranger stellen lassen Musäus volksmärchen 1, 130.
b)
in fortschreitender vocalentrundung:
die rauben, morden, stöcken, plecken
Hans Sachs 6, 375 Keller;
stecken intruncare Diefenbach glossar 306ᵃ; Paulus, ... in einen kercker gesperrt, gesteckt und gepleckt, zuͦ Yconio versteinigt Franck chron. 264ᵇ.
c)
in anlehnung an den eigentlichen gebrauch ist als bildliche verwendung hervorzuheben: wörter stöcken und blöcken, stümperhaft eine sprache gebrauchen; vgl. hier aus der gleichen sphäre radebrechen (th. 8 sp. 45 unter 3 b): wenn jr so fortfaren wollet, die syllaben mit gewalt zu stöcken und blöcken Luther 4, 376ᵃ; und wohl in anlehnung daran: wann die teutschen wörter verderbet, verkehret und durch den harten groben laut gestökket, geblökket, und nicht nach rechtem teutschen wolvermögen hervorgelanget sind, künnen sie nicht, als mit härtigkeit gehört oder gelesen ... werden Schottel hauptsprache 67.
3)
im freieren gebrauch 'quälen, foltern, in bedrängnisz bringen, allerlei schmerz bereiten': mit schmach und qual wöllen wir jn (den gerechten) stöcken, das wir sehen, wie from er sey, und erkennen, wie gedültig er sey weisheit Salom. 2, 19 (von H. Sachs in die reimformel hinübergeleitet:
wir wöllen in mit schmach und qual
stöcken und blöcken allzumal
19, 425 Keller-Götze);
martern können sie, ausreutten können sie nicht, stöcken können sie, zwingen können sie nicht Luther 5, 57ᵇ; und wie hätt' ich einen mann foltern, oder wie meine mutter sprach, stöcken sollen, der so väterlich war Hippel lebensläufe 1, 299.
4)
substant. (im eigentlichen sinne): das mittelalter, in dem alle harte knechtschaft beinahe erloschen war, kannte noch ein stöcken und blöcken der schuldner, die ihren gläubigern zu hand und halfter überantwortet waren Jacob Grimm rechtsalterthümer 2, 164;
ir (der räuber und bösewichter) verwegenheit, tron und tretzen,
ir lauschen, fahen, stöckn und schetzen
Hans Sachs 3, 60 Keller.
bildlich: auch aus vieler andern zeugnis man wol sihet, welch ein teuflisch ding die nonnerey und müncherey ist, da man mit eitel treiben, zwingen, stöcken und blöcken wil die leute zu gott bringen Luther 2, 382ᵃ; dasz darüber viel betrübter hertzen aus den klöstern gangen sind, die solches ewiges stöcken und martern jres gewissens nicht haben tragen ... wollen C. Spangenberg wider die böse sieben M 1ᵃ — entsprechend der verwendung unter 3: da hebt sich denn ein stöcken und blöcken vber die guten sprüche Luther 3, 388.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1914), Bd. X,III (1957), Sp. 81, Z. 63.

stocken1, verb.

¹stocken, verb.

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I.
transitiv.
1)
entsprechend ¹stock m. 1 in forsttechnischer sprache: die wurzel stöcke ausroden; stocken truncare Diefenbach glossar 599ᶜ; stirpare 553ᶜ (vocabul. von 1420), exstirpare Dentzler 277ᵃ (daneben die den vorgang deutlicher machende zusammensetzung ausstocken eradicare, exstirpare, s. auch th. 1, sp. 988) basl. stoke Seiler 279ᵇ; stocken, mit der stockhaue (s. unten) arbeiten, in der warnung für auswanderungslustige: wër nit hackeⁿ unᵈ nit stocken kann, soll nit noch Amerika! Martin-Lienhart elsäss. mundarten 2, 586ᵃ: der wald gehört uns und auch der schlag, bis in den Hintergraben hinein; heuer haben wir stocken lassen Rosegger schriften 14, 408; (subst:) wie das abschmatzen und stocken, ohne nachteil des anflugs vorzunehmen Heppe aufrichtiger lehrprinz 161. — in anderer bedeutung stocken (das gefällte holz) in holzstöszen aufrichten: kärnt. stock'n Lexer 242 — zuletzt bietet sich auch in forstwirthschaftlicher sprache in der zusammensetzung bestocken arbusculis conserere Stieler 2161 (vgl. auch bestocken th. 1 sp. 1680) ein übergang zum folgenden.
2)
entsprechend ¹stock m. 2 in der winzersprache 'die reb- stöcke auspflanzen'; stocken (auch mit umlaut stöcken) plantare, conserere Stieler 1691; schneiden, misten, hauen, stöcken als arbeiten im weinberge Hohberg 1, 344ᵃ — auch einen weinberg stocken vineam instituere, vites ponere Stieler 2161.
3)
entsprechend ¹stock m. 3 einen pfahl setzen und ein bäumchen daran binden; stocken stipare Diefenbach gloss. 553ᵃ (kölner glossar des 15. jahrhs.); stocken palis munire Stieler 2161, ad palum alligare ebenda; aus der winzersprache gehört hierher anstocken: die reben anstocken (th. 1 sp. 486).
4)
in rechtlicher sphäre.
a)
entsprechend ¹stock 4f stocken, doch gewöhnlich in umgelauteter form stöcken 'in den gefangenen stock setzen' s. unten als ²stocken, stöcken, verb. besonders behandelt.
b)
entsprechend ¹stock 4 i 'mit einem grenz stock versehen, durch stöcke oder pfähle abgrenzen und abtheilen', gewöhnlich in der formel stocken und steinen (vgl. unter steinen in der bedeutung absteinen, s. auch th. 1 sp. 130): so sei ein eigenthumb auszerhalb gelegen, welche unterscheiden gestockt und gesteinet sei, da auch ein besonder zehnden einfalle weisthümer 1, 477 (Auerbach an der bergstrasze vom j. 1422): dasselb empfengnusz (lehnsgut), das von einander gestockt und gesteint gewesen were .., so soll es wieder zusammen kommen und bei einem bleiben weisth. 2, 172 (Hunsrück 16. jh.); vgl. auch kleine schriften 2, 45.
II.
intransitiv, im deutlichen zusammenhang mit den unter ¹stock m., aufgewiesenen bedeutungen.
1)
forsttechnisch stocken 'im boden wurzeln, seinen standort haben' besonders von ganzen waldbeständen: grosze waldgebiete, welche auf sandstein und kalk stocken, sind auszerordentlich arm an quellen Schwappach forstpolitik 56; adject: (zwei arten der berechnung des waldwerthes), von denen die eine den preis aus dem wert des grund und bodens und jenem des darauf stockenden holzes ermitteln wollte forst- und jagdgeschichte 2, 567; auch in der zusammensetzung bestockt (wohl auch zugleich in anlehnung an bestanden th. 1 sp. 1653 unter 3): innerhalb des ganzen territorialen rahmens der Mark hat man nur mit einem einzigen wirtschaftszentrum zu rechnen, von dem aus radial der seit urzeiten mit wald bestockte boden zur landwirtschaftlichen benutzung gezogen wurde Endres waldbenutzung 29. — in bildlicher verwendung (zugleich mit einem übergang in die bedeutung unter III):
ich will nicht länger
am boden stocken;
laszt meine hände,
laszt meine locken,
laszt meine kleider,
sie sind ja mein
Göthe 15, 229 Weim. (Faust 2).
zu den oben unter I 1 aufgewiesenen trans. stocken 'gefälltes holz aufschichten' stellt sich wohl als entsprechendes intransitiv stocken 'im holzstosz lagern': die oberhessische eisenbahn durchschneidet die genannten waldungen, und stockt das abzugebende holz nur ca. 20 minuten von der eisenbahnstation Ehringshausen bekanntmachung der oberförsterei Maulbach im Frankfurter journal vom 19. (23.) januar 1873.
2)
das getreide stockt, setzt frucht an, besamt sich, daneben refl. sich stocken; wenn dᵉr mai warm unᵈ fücht ist, stockt sich der weisse Martin-Lienhart elsäss. mundarten 2, 586.
3)
entsprechend ¹stock m. 4 a von bienen 'einen stock in besitz nehmen, darin wohnen':
wir sehen allenthalben, ...
dasz wenn der bienen bruth ein schelmscher imser lockt,
sie ihrem herrn entflieht, in fremden körben stockt
Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 1, 511;
ein entsprechendes transitiv läszt sich nicht belegen, wird aber von den folgenden reflexiven wendungen vielleicht wiedergespiegelt, vorausgesetzt, dasz wirklich ein bild von dem um ihre königin sich fest zusammenballenden bienenschwarm zugrunde liegt:
schauet drausz die weiszen flocken,
wie sie streichen hin und her,
wie sie sich zusammen stocken
Harsdörffer frauenzimmergesprechsp. 2, 248;
fern im westen, über den gebirgen des Defereggentales, stockten sich die wolken zu einer glatten, grauen wand Rosegger Alpensommer 359, doch bleibt die möglichkeit eines näheren zusammenhanges mit der folgenden intransitiven gruppe III (vgl. das secundäre transitiv dazu unter IV 3).
4)
entsprechend ¹stock m. 3 (unter e) stocken, am stocke gehen, besonders von alten leuten:
he kan nicht gan dan by dem stawe,
dar mit he stocket na dem grawe
und trachtet, wo he liggen will
Waldis der verlorene sohn 14 neudr.
III.
stocken intrans. eine bedeutungsgruppe, welche von der vorhergehenden stark geschieden ist.
1)
im eigentlichen sinne 'dick, fest, steif, starr werden, so dasz bewegung oder umlauf aufhört', besonders von flüssigkeiten (vgl. auch gestocken th. 4, 1, 2 sp. 4242; erstocken th. 3 sp. 1017 und verstocken th. 12, 1 sp. 1758 unter A 1), wohl im zusammenhang mit ¹stock, m.; ursprünglich ein ausdruck der älteren medizin, welche das gestockte (dickflüssige) blut als einen hauptsächlichen erreger von krankheiten annahm und als vorbeugungsmittel mannigfache arten der blutentziehung (vgl. Heyne hausalterthümer 3, 107) zum zwecke der blutverdünnung empfahl: stocken spissari, in densitatem coire; gestocket blut sanguis concretus, gelatus Dentzler (1716) 277ᵃ; das mägle von dem lamb braucht man wider allerley gifft, in wein getruncken ... item für die gestockte milch oder bluͦt in essich Heyden Plinius 258; (rezept,) gestockt, gerunnen, oder geliffert blut zu vertreiben Gäbelkower artzneibuch 2, 279; es hat die farb als ein gestockt blut Thurneysser alchymia 58; und ist das blut roht wie gestocket blut per urinam Paracelsus opera 1, 453; dasz man denen sechswöchnerinnen nichts als warmes geben will, ist die meynung, dasz man das stockende ... geblüt durch das kalte nicht erschrecke mediz. maulaffe 442; das blut stockt (beim alter) in den verbeinerten gefäszen, die nerven haben ihre leichte reizbarkeit, und alles hat seinen ton verloren, aber die liebe bringt alles wieder in gang Möser werke 3, 57; in seinem wohlstande hatt' er zum aufbau eines lusthauses ... für eben diese freunde, wenn sie ihr stockendes blut wieder in flusz bringen wollten, zwey tausend gulden angeliehen Hippel lebensläufe 2, 183;
deine (Wiesbadens) begeisterten fluten beseelen
starrende nerven und stockendes blut
Triller poet. betrachtungen 3, 14;
auch das geronnene blut einer wunde usw.:
der fürst jhn lupfet selbs hindan,
darvon das warme blut noch ran
und in dem bart gestocket hieng
Spreng Äneis 215ᵃ;
vil blut ausz seinem mund thet schieszen,
schwartz und gestocket von jhm flieszen
Ilias 196ᵃ;
vgl.:
sogar die feder liegt noch hier,
mit welcher Faust dem teufel sich verschrieben.
ja! tiefer in dem rohre stockt
ein tröpflein blut, wie ich's ihm abgelockt
Göthe 15, 90 Weim.;
das gekrös (des leichnams) enthielt eine gelblichte zähigkeit und schien äuszerlich von stockendem blute bleifärbig Schiller 1, 53;
wenn seiner wunden stockend blut
den nahen tod
durch schmerzliches gefühl ihm droht
Ayrenhoff 1, 305;
geradezu als todesursache:
noch da ers sprach (im alter wollt er busze thun) im
da stocket ihm ein tröpflein blut, frechen muth,
und, wie ein sturm, reiszt ihn ins grab
ein schreckenvoller tod hinab
J. A. Cramer gedichte 3, 157;
(in der bedeutung schon schillernd, entsprechend dem folgenden:) der mann lag in einer blutlache; der aus einer halswunde sprudelnde quell war bereits gestockt Rosegger 8, 84.
a)
unser wort hat von hier aus auch innerhalb der medizin weiteren boden gewonnen: durch den gebrauch des schierlings erfolgt bey der freyern bewegung des blutes die auflösung stockender säfte allgem. deutsche bibl. 1, 2, 128; als dann stockt der nahrungssaft nirgends, keine materie bleibt unnütz Sturz 2, 113; wo zähe, herbe, stockende krankheitsmaterien aufzulösen und zur krisis geschickt zu machen waren Frankf. gel. anzeigen v. j. 1772 s. 57 neudr.; es versteht sich von selbst, dasz die secretion stockt, wenn die drüse kein blut oder eine nicht hinreichende menge desselben erhält Sömmering vom baue des menschlichen körpers 6, 980; diese abnormen epithelialzellen entstehen ... aus den farblosen blutkörperchen, die in den capillargefäszen der lunge stocken 8, 1, 253; vgl. (die milz hat die mechanische function,) dasz sie wie ein schwamm aus zellen bestehe, worin das blut stocke 5, 187; sogar von einem geschwür, vgl. auch ¹stock m. 5 d:
denn hier, hier stockt von altem hochverrath
ein ungeheilt geschwür
Göthe 2, 35 Weim.;
vom auge des sterbenden: sie lag mit offenem auge da, und der augenstern war gestockt und erloschen Rosegger laszt uns von liebe reden 41; freier: und wo es noch in einem herzen gestockt hatte, oder gebraust, legte es sich zu seliger meeresstille vor der reinen jungfrau geberden und worten Fouqué zauberring 3, 192; vgl.: alles, was in meinem herzen stockte, hast du los gelöst Göthe 21, 218 Weim.
b)
auch von andern flüssigkeiten (zunächst noch in die ausgangssphäre hinübergreifend, s. auch oben den beleg aus Heydens Plinius): stocken, dick werden, se cailler, se prendre, spissari; gestockte milch du lait caillé, lac condensatum Genfer dict. (1695) 350; so (mit warmem umschlag) vergehet ... auch die hitz, und zertheilt die gestockte milch Gäbelkower artzneibuch 2, 78; entsprechend von der milch im pflanzenorganismus: wie sollten denn sonst die körner in den ähren reiffen, hart werden, und die milch darinnen stocken, damit mehl daraus werde? Miller predigten für das landvolk 2, 51;
es stockte in dem zarten halm die milch
der welken ähren
Stolberg 4, 6;
sonst in rein wirthschaftlicher sprache: gestockte milch (saure milch) Ritter erdkunde 11, 708; ein becken gestockter milch Heer könig der Bernina 28; vergleichsweise: das gesicht ... noch wie milch und blut. an dem tage mehr wie milch, und zwar wie gestockte Ebner-Eschenbach 4, 162. — auch: in das den winter über gestockte öl wirfft man saltz Hohberg 1, 205.
c)
in noch höherem grade der festigkeit und starrheit stocken 'zu eis gefrieren' (vgl. dazu oben ⁴stock m. sp. 48, welches wohl von hier seinen ausgang nimmt):
zapfen sieht man eisig
an den dächern stocken
Platen 1, 406;
bildlich:
haare, wie der schnee so weisz,
in den adern stockend eis
Schubart gedichte 1, 191;
so wallt denn nur in diesen adern blut,
und rinnend eis stockt in der andern herzen?
Grillparzer 4, 150 (Sappho 1, 5);
es rieselt heisz mein blut herab
vom kalten opfersteine,
bis dasz der letzte tropfen stockt
im frierenden gebeine
moderne dichtercharaktere (1885) 78;
hinüberleitend in die freiere verwendung unter 6:
und von wintereise
stockten meine gleise
Rückert 1, 126.
2)
in freierer verwendung.
a)
das blut stockt, häufig als wirkung einer überraschung, eines schreckens oder sonst einer seelischen erregung (wenn das herz gleichsam stille steht und nicht mehr arbeitet): wann dir schon thut das bluth drob stocken Guarinonius grewel der verwüstung 399; (als die gestalt) einige schritte vorwärts that, da stockte Emils blutlauf Holtei erz. schriften 3, 129;
Trullen stockt des blutes lauf
beym gezückten, scharfen säbel
Gotter 1, 55;
denkt! wie das blut mir stockte,
als ich das blatt begann
Schiller 1, 206;
gesicht, in dessen holdem rund
vor angst bereits die purpursäfte stocken
Eschenburg beispielsammlung 6, 31;
im tödtlichsten schrecken stockte (beim anblick des brennenden schiffes) das herzblut (der zuschauer) Raabe hungerpastor 3, 219; vgl.: der jammer greift dir tödtend an das herz, — dir stockt das blut Fouqué der held des nordens 1, 192; um so gröszer war unser entsetzen, als wir bemerkten, dasz der umlauf des blutes gerade da stockte E. Th. A. Hoffmann 12, 34;
vor schrecken stokt das blut
v. König gedichte 114;
neben dem herzschlag; aber das blut stockt, und das herz schlägt nicht mehr, es fühlt weder lust noch pein Börne 1, 20;
der herzschlag stockte, es stockte das blut
Scheffel gaudeamus 135;
auch:
so lange puls und blut nicht stocken und vermodern,
soll unsers prinzen bild in ihrem schwefel lodern
Weichmann poesie der Niedersachsen 3, 38;
mit weiterer localer angabe: das blut stockt in allen meinen adern sammlung von schauspielen (1764) 1, 54; schon stockt das blut in meinen adern Arnim 15, 245 (Holtei erz. schriften 1, 43);
die lufft will in der brust, das blut in adern stocken
Günther gedichte (1735) 701;
für einen augenblick stockte ihr (Melitta) das blut im herzen, und dann ... übergosz es die bleichen wangen mit hoher purpurgluth Spielhagen 1, 74. vielmehr mit dem beisinn des trägen, langsamen: (Gneisenau äuszert zu Schill) 'fahren sie fort, die gemüther zu erfrischen, wo das blut etwas stocken will. meine treue mitwirkung für ihre pläne sage ich ihnen von herzen zu Häusser deutsche geschichte 3, 399;
lobsingt in den schall:
dasz athem und blut nicht stocken
Voss 5, 134;
(bildlich:)
horch die secunden klingen,
und dennoch stockt das blut der zeit,
und kann nicht zu dem herzen dringen,
das sehnt und singt in einsamkeit!
Brentano 2, 264;
wie ein verschlammter bach, der das wasser nur langsam weiterführt:
schon länger als ein jahr stockt mein verschlemmtes blut,
ich bin zu allem faul, verzehre mich fast selber
Schwabe belustigungen 1, 69
α)
der lebenssaft (liquor vitalis) stockt: ohne diese (den gebrauch und die übung der glieder) stocken unsre lebenssäfte Herder 13, 334;
in die welt weit,
aus der einsamkeit,
wo sinnen und säfte stocken,
wollen sie dich locken
Göthe 14, 79 Weim. (Faust I);
engel holet mich hinauf! (im winter)
denn es stockt der säfte lauf,
und um starrende gesträuche
irr' ich kalt, wie eine leiche
Schubart gedichte 1, 192;
auch: meine säfte stocken in den adern Jung-Stilling 2, 389.
β)
das herz stockt, hört auf zu arbeiten, schlägt nicht mehr (die eigentliche physiologische ursache von 2 a): ihr (Mignons) herz, das bisher vor sehnsucht und erwartung lebhaft geschlagen hatte, fing auf einmal an zu stocken Göthe 23, 172;
mein herz, beklemmt und kalt,
von keiner hoffnung mehr belebt, es schien
auf ewig nun zu stocken
9, 294 Weim.;
es stockt sein herz, die pulse ruhn,
und drauszen auch wird's stille
Böhme volkst. lieder der Deutschen im 18. und 19. jh. 130;
das part praes. in adject. stellung: unter ihrem stockenden herzen glühten die schläge des seinigen Jean Paul 2, 956;
dein (gott ist angeredet) lob belebe sein (des greises) stockendes herz
Joh. Ad. Schlegel verm. gedichte 1, 41;
daneben: mit stockendem herzschlag sah sie ihn das gleichgewicht verlieren Herm. Schmid geschichten aus Bayern 244. vgl.: als er ihre erleuchteten scheiben ... sah, stockte ihm der herzschlag Zahn Albin Indergand 91. —der puls stockt: der puls sank — stund still — ging wieder — ging hoch — stockte abermahl — kroch — verschwand Bode Tristram Schandi 6, 49; ihre pulse stocken, wenn das herz der geliebten aufhört für ihn zu schlagen Börne 4, 65;
bald hüpfet er (der puls während des fiebers), als wie die ziegen,
bald stockt er, wie es scheinet, ganz
Triller poet. betrachtungen 1, 129;
ich seh' dich an und meine pulse stocken
Chamisso 4, 161;
allgemeiner:
der wahnsinn naht und locket
unwiderstehlich hin.
der puls des lebens stocket
und stumpf ist jeder sinn
Novalis 1, 77.
selten die ader stockt:
die ahnung ruft, die vollen adern stocken
Körner 2, 50;
vgl.:
es sinkt der mensch, der wie ein gott gehandelt,
wenn eine fiber stockt, in's grab
Tiedge 1, 167;
das part. praes. als adject.: der seufzer einer sehnsucht ... liegt wie eine stockende ader beklemmend und verzehrend in meiner brust Jean Paul 8, 109.
γ)
der athem (odem) stockt (sammlung von schauspielen 1 (1764), 49; Pfeffel poet. versuche 1, 31), der mensch wird athemlos (th. 1 sp. 593, odemlos th. 7 sp. 1148): der athem stockte mir bey ihrem ... starrblick Thümmel reise 9, 69; der athem stockte, es war, als ruhte eine drückende last auf mir H. Steffens was ich erlebte 3, 156; sein athem stockte, ... eiseskälte durchrieselte ihn, er sah die alte frau Goksch, seine selige groszmutter Holtei erz. schriften 10, 240; der athem stockt dem lauschenden O. Ludwig 1, 261;
der athem stockt, gefühl und wärme weichet
Dusch verm. werke 416;
mir grauszts, der athem stockt, zu berge steigt mein haar
Schiller 6, 382;
es wogt die brust, der athem stockt
Kind gedichte 1, 104;
Ipo höret ihre kunde
und ihm stocket fast der odem
Brentano 3, 132;
schaun dich die groszen augen an,
wird dir der athem stocken
Heine 1, 248;
mit ungewöhnlicher adverb. bestimmung:
stocke nicht sträubend,
starker othem
Fouqué held des nordens 2, 130;
mit localer angabe: mag's in der brust stürmen und wogen, der atem in der kehle stocken! Keller 2, 131; aber er muszte doch (beim ersten anblick des meeres) die hand auf's herz drücken, und der athem stockte in seiner brust Raabe hungerpastor 3, 83; in einer gesteigerten bedeutung (mehr entsprechend III 1) wie zum ersterben:
sinnenlos,
herzlos lieg ich an dem boden,
mir versagt, mir stockt der oden
Göthe 16, 362 Weim.;
o bleiern schwere zeit! die sklaverei
ist eine geistige gewitterluft,
worin der athem stockt, die glieder welken
Raupach dram. werke 5, 48;
geradezu 'sterben':
und tausenden muszte der athem stocken
bei Leipzig der stadt
Arndt werke 4, 83;
vgl.:
das glühnde auge (des gefällten ebers) bricht, der athem stockt
δ)
die zunge stockt, ist wie gelähmt, hört auf zu sprechen (noch rein physiologisch):
rührt sonst einen der schlag, so stockt die zunge gewöhnlich,
dieser, so lange gelähmt, schwatzt nur geläufiger fort
Schiller 11, 123;
vgl.:
wie ist, o sohn, dir die zunge gelöst, die schon dir im munde
lange jahre gestockt und nur sich dürftig bewegte
Göthe 6, 192;
freier:
man rief ihn; er erschien; nicht, wie ein frevler pfleget, ...
dem zung und athem stockt
Gottsched deutsche schaubühne 4, 235;
preis' ich irgend jemand, der menschen und seligen götter
einen; die zunge stockt, sie singet nicht, wie sie sonst sang:
bis ich wieder den Amor und meinen Lycidas singe
Herder 26, 153;
denket — doch ob dieser schandenliste
reiszt die saite, und die zunge stokt
Schiller 1, 194;
als der gute Ludwig hoch vom pferde
todt gesunken auf die harte erde,
nahet trauernd sich ein maurersjunge:
er will klagen, doch es stockt die zunge
Kerner bilderbuch 27;
im gegensatz zum herzen, welches der gefühle voll gern reden möchte: so voll auch das herz war, so widerspenstig stockte die zunge, und sprach nur die unentbehrlichsten worte der höflichkeit Langbein schriften 31, 81;
blauäugig mädchen mit den blonden locken:
das herz will reden, und die zunge stocken
Tieck 1, 306;
(bildlich):
hier stockt der tugend matte zunge;
der schmerz, der sie zum seufzen drunge,
wird ihrer klagen hindernisz
Gottsched gedichte 129;
die zunge stockt in der antwort, im sprechen usw., wendungen die zu 5 hinüberleiten:
zwar hat der scherze viel mir der bekränzte becher,
doch ein geheimnis nie entlockt,
mein fusz vor einem thürschwell nie gezittert,
die zung im singen nie gestockt
Gökingk gedichte 3, 53;
auch: das spiel der zunge stockt (Klinger werke 1, 384).
ε)
die stimme stockt, in der sphäre des vorigen: er (Leporello) zittert (beim anblick des steinernen gastes), die stimme stockt, kaum hält er sich aufrecht O. Jahn Mozart 4, 377; schon stockte meine stimme Holtei erz. schriften 13, 211; besonders gerne das part. in adjectivischer stellung, zugleich für die ungewöhnlich stockende zunge: eine stockende falsche stimme Herder 23, 331; Abdallahs herz wollte springen, er zitterte stärker, sein busen kochte, mit matter stockender stimme stammelte er endlich: ja! Tieck 8, 220; mit stockender stimme fragen R. Wagner schriften 1, 125; mit ratlos stockender stimme Keller 4, 152; vgl. weiter: staunend stand ich da, das haar emporgesträubt, die stimm' im gaumen stockend! Bode Montaignes gedanken 1, 378. — auch das gehör stockt: wem das gehör stockt, der kann .. nicht mehr die liebliche stimme, die vertraute anrede der menschen vernehmen Jac. Grimm kl. schriften 1, 199.
ζ)
allgemein das leben stockt u. ä.: wenn das leben einmal stockt; so hemmt sich auch das ganze spiel der sinne Bode Montaignes gedanken 3, 590;
ach in hohen himmelsfreuden
fühl' ich schaudernd mich verschweben!
ha! vor wonne stockt mein leben,
stockt der athem in der brust!
Göthe 17, 31 Weim.;
auch in erweiterter bedeutung von lebensgemeinschaften: in unserer abwesenheit musz, bilden wir uns ein, leben, nahrung und athem stocken Göthe 23, 89 Weim.; es darf ja alles leben, ... warum denn er nicht? der strom des lebens müszte stocken, wenn nur der eine tropfen verschüttet würde G. Büchner nachgel. schriften 148; adject.: das ganze eingefrorene, schwere, stockende leben wird ein leichter klarer strom, auf dem das herz mit rauschenden wimpeln den lange aufgegebenen wünschen fröhlich wieder zufährt Eichendorff 3, 131;
etwas fürchten und hoffen und sorgen
musz der mensch für den kommenden morgen,
dasz er die schwere des daseins ertrage
und das ermüdende gleichmasz der tage,
und mit erfrischenden windesweben
kräuselnd bewege das stockende leben
Schiller 14, 48;
auch die lebenskraft stockt: die sonne wendet ihr angesicht weg, der himmel verhüllt sich in finsternisz, die lebenskraft stockt in den adern der jungen natur Wieland i 2, 368; vgl.: dieser mord ... dröhnt dergestalt durch jede faser meines wesens, dasz die verrichtung jeder lebenskraft in mir stockt Bürger 1, 290; vgl.: gewisz ists, dasz die hauptursache, warum die neue form zu stande gekommen ist, in der veraltung der vorigen lag, wobei die kräfte anfingen zu stocken Forster schriften 9, 19; auch: der regent erfährt, dasz die eigenen lebenskräfte in seiner staatsmaschine stocken oder schlafen 3, 40; —die lebensgeister stocken: das blut flieszt matt: die lebensgeister stocken traurig und träge: das herz schlägt krank Herder 5, 298; (part. in adject. stellung:) ich habe heute früh schon meine traurigen stockenden geister im schnee gebadet; ich dencke, das soll ihnen frische sinnen geben Göthe iv 3, 207 Weim.die sinne stocken:
o weh, es grauet mir
vor solchem ungelükk'!   es stokken meine sinnen
Neumark fortgepflanzter musikal. poet. lustwald 2, 103;
möget ihr das licht zerstückeln,
farb' um farbe draus entwickeln,
oder andre schwänke führen,
kügelchen polarisiren,
dasz der hörer ganz erschrocken
fühlet sinn und sinne stocken
Göthe 3, 103 Weim.;
wenn alle andern empfindungen mit blut und athem stocken H. L. Wagner theaterstücke (1779) 74. auch die seele stockt:
(bei dem blick ins grundlose) entsatzte sich mein geist,
es schwindelte mein aug, es stockte meine seele
ob der unendlichen höle
Brockes 1, 3;
von einzelnen gefühlen: der allermoralischte mensch wird der unmoralischte werden können, ... sein moralisches gefühl wird gleichsam stocken Lavater physiogn. fragmente 1, 36;
vergnügen, anmuth, schönheit, lust!
ihr seid zu schwach, in meiner brust,
wo nie der trieb nach ruhm von fauler wollust stocket
Gottsched neueste gedichte 92;
oft fühlt' ich meinen glauben zweifelnd stocken
Herwegh gedichte eines lebendigen 162;
gedanken stocken (Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz 330): er ward völlig irre an ihr, und seine gedanken stockten Laube schriften 14, 130; (part. adject:)
du, der du mir
der liebe stockende schmerzen
im busen auf zu sanften thränen lösest!
Göthe 17, 30 Weim.;
(von einer gemeinschaftsseele:) wenn man der menge das mitgefühl alles menschlichen geben ... und ihr stockendes innere in freie, lebhafte und reine bewegung setzen könnte! 21, 165 Weim.
b)
die thräne stockt, hört auf zu flieszen: alle mürrischen gesichter wurden freundlich, und die zähre der betrübten fing an, zu stocken Heinse 3, 129; auch hier als wirkung eines seelischen eindrucks: der erste blick, den sie auf ihn that, machte sie erschrecken, dasz plötzlich die thränen stockten Stifter 1, 30;
Angelika hört ihn erschrocken!
sieht sich umher,
hört wieder, ihre thränen stocken,
sie ächzt nicht mehr
Boie 290 Weinhold;
wenn ihr mich anschaut mit dem eisesblick,
schlieszt sich das herz mir schaudernd zu, der strom
der thränen stockt
Schiller 12, 496 (Maria Stuart 3, 4);
ich fühle, wie von schmerz und lust gedrängt
die träne stockt
Mörike 1, 46.
c)
das wasser stockt, wenn es keinen abflusz hat und wie ohne bewegung stehen bleibt (im gegensatz zum flieszen verb. th. 3 sp. 1794): hierher Abr. Gotth. Kästners frage an den kaffee, welcher aus dem krahn der maschine nicht herauslaufen will: du stockst? verm. schriften 1, 127; (die kleinen gebirgsflüsse) verlieren einen groszen theil ihrer wasser, stocken oder verschwinden ganz Ritter erdkunde 3, 1031;
die vögel zogen heim, der quell hub an zu stocken
Lichtwer fabeln 51;
(im winter) voll lautrer, blauer zacken hängt
das dach; es stockt die quelle
Salis gedichte 56;
(bildlich:) die frische lebendige quelle stockt, und es wird alles zum todten stehenden sumpfe Bürger briefe 1, 285; der flusz der ereignisse stockt niemals Treitschke hist. und polit. aufsätze 1, 95; (im vergleich:) (die völker des nordens) gefährlich den civilisierten nationen wie die meereswoge und die windsbraut, aber wie diese launisch und unberechenbar, bald rasch vordringend, bald plötzlich stockend oder seitwärts und rückwärts sich wendend Mommsen röm. geschichte 2, 174; (neben stehen verb.:) ein dunkler tümpel stehenden wassers, der in der mitte des platzes zwischen hochaufgewehten haufen gelber tannennadeln stockte Immermann 2, 142. (neben stauen verb. th. 10, 2 sp. 1165 unter 3f): (das tal) ist streckenweise sumpfig, und streckenweise von dem strome so aufgerissen, dasz der boden kein gräschen zeigt, sondern nichts, als stein und stein, zwischen denen an der linken seite ein ausgetretenes, grüngelbes wasser stauet und stockt Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1797) 7, 27; die kanäle sind nicht wie in Amsterdam zu einem drittel morast, sondern hell und klar und nirgends stocken oder stauen sie Gutzkow werke 11, 275; adject.: krankheiten, welche durch ausdünstungen stockender wasser ... entstanden Stolberg 8, 287; das lebensbedürfnisz (einzelner) gewächse erheischt ... stockendes wasser Roszmäszler der wald 558; gebüsch und erlen bedeckten die fluszauen, umsäumten die spiegelflächen der stockenden altwasser Wimmer geschichte des deutschen bodens 28. — adverb.: ältere und neue lava, durch welche die noch glühenden, stockend schleichenden feuerbäche in tiefen spalten ... sich durcharbeiten Welcker denkmäler 3, 213; auch stockend flieszen; hierauf beruht die bedeutungserweiterung unseres wortes bei Göthe:
wenn du am breiten flusse wohnst,
seicht stockt er manchmal auch vorbei;
dann wenn du deine wiesen schonst,
herüber schlemmt er, es ist ein brei
3, 177 Weim.
(und hier ausgesprochen das bild für den bald stockenden, bald voreilenden menschen; s. unten 8) — ähnlich auch stockende luft:
ein künstliches werk von schlauer mechanik,
welches die stockende luft von ihren giftigen dämpfen
reinigt
Bodmer der Noah 221 (7, 493);
vgl.: ich eilte gegen den thurm des Prokopus. dort stand ich einen augenblick, dasz die heisze sommerluft in meinem mantel stockte, den ich abzulegen vergessen Stifter 2, 112. —
stockende_dünste
(mancher palast) hebt die thürmenden giebel, die stockende dünste umbrüten,
welche mit stumpferem stral mühsam die sonne durchwühlt
Salis gedichte (1793) 81.
stockender_nebel
neben und über uns, vor und hinter uns dichte stockende nebel Steub drei sommer in Tirol 1, 396.
3)
die maschine stockt, ihr mechanismus hört auf zu arbeiten, sich zu bewegen; in anlehnung an 2 a, wie etwa ein lebensorganismus stockt (vgl. bildlich jetzt stockt der organismus Gutzkow werke 11, 68): es begab sich, dasz ... die maschine stockte E. Th. A. Hoffmann 10, 23; fehlte dieses gewaltige triebrad (ein starkes heer) in der staatsmaschine, so würde sie stocken Moltke schriften 7, 93. adject.: nach Asien und Amerika zu gleicher zeit, wissenschaft, kunst, kultur, schnellere umdrehung der trägen, in Asien fast stockenden maschinen gebracht, welche neue modificationen des denkens! Forster schriften 7, 180. —ein uhrwerk stockt: das auslaufende gehwerk (der uhr) stockt Jean Paul 21, 36; (der lustige abt, welchem das uhraufziehen beschwer macht:)
so stocke sie!
geht dann nur der bratenwender
spät und früh
sanfter, richtiger, behender,
und stockt nie
J. N. Götz gedichte 1, 131;
besonders bildlich:
der sinnen uhrwerk stockt, und wil nicht richtig gehn
Fleming gedichte 2, 662;
das uhrwerk meines glücks geht nicht mehr im gewichte,
sein guter weiser stockt, der frohe zahlen wiesz
Neukirch anfangsgründe 179;
(von der unsterblichen seele des menschen:)
nie nützt das werk sich ab, nie stockt der trieb der federn,
nie fehlt die richtigkeit den stets gewälzten rädern
Wieland i 1, 71;
vgl. das part. in adject. gebrauch: wer begreifen kann, was dazu erfordert ward, um dieses so genau gehende und nie stockende uhrwerk zu stande zu bringen, der wird es schwerlich für ein werk des zufalls halten F. Th. v. Schubert schriften 4, 25. —der compasz stockt: denn seinem compasse durfte er nicht wohl trauen, derselbe stockte immer Chr. Reuter Schelmuffsky 36. — auch das rad stockt, dreht sich nicht mehr, ein deutlicher schritt in der bedeutungsentwicklung weiter zu der prägnanten bedeutung unter 6: die zeichnung einer maschine ..., welche auf dem papiere sehr herrliche wirkungen zu thun scheint, wovon aber die probe ausweiset, dasz daran alle räder stocken J. E. Schlegel 5, 386; (bildlich:)
ist meine seele nur ein sinn,
so stocket, mit der nerven letztem zücken,
auch das gedankenrad
Gotter 1, 386;
es stockte ein ideenrad in ihm Jean Paul 7—10, 98; auch das lebensrad stockt:
des lebens innern bau wollt ihr verstehn,
wiszt nicht, wenn diese räder stocken sollen!
F. Schlegel deutsches museum 2, 516;
es treibt auf rauhe pfade
mich fort, und meines lebens räder stocken
Rückert 1, 304;
das part. praes. als adject.; (ein wesen,) welches ... in ein stockendes triebrad bewegung zu legen weis theater der Deutschen 17, 176. — aus der technischen sprache des musikalischen instrumentenmachers gehört noch hierher: eine taste stockt: das heulen (der orgel) entstehet, wenn ein tast stocket, und nach dem niederdruck nicht wieder in die höhe springt Mattheson vollkommener capellmeister 461; zum andern, wie es (das klavier) der gestalt zu bekielen, dasz es nicht leichtlich stocken könne Bendeler organopoeia F 2ᵇ; sieht man nicht oft organisten auf die an, kunft des orgelmachers, mit der gröszten bangigkeitwarten; blosz deswegen ..., weil etwan ein clavier etwas heulet, oder stocket? J. A. Scheibe critischer musikus (1745) 429.
4)
eine reiche bildliche verwendung knüpft hier an (im gegensatz zu im flusz sein th. 3 sp. 1856 unter 6):
a)
unternehmungen stocken: alle seine ungeheueren unternehmungen stockten Schlosser weltgeschichte 12, 471; die unternehmungen kamen in flusz, die bisher gestockt hatten Gervinus geschichte des 19. jahrhs. 1, 62; die kriegerischen unternehmungen, die bis dahin stockten Hebbel i 9, 147. — Nolot kam nicht zurück, und darüber stockten alle anstalten Schiller 4, 143. —eine fabrik stockt: das vermanscht er in seine geheime fabrik, und da hat er seine noth, dasz sie nicht stockt Bettine die Günderode 1, 17; natürlich, dasz alle fabriken und manufakturen stockten, da es ihnen gänzlich an abnehmern ihrer erzeugnisse fehlte Moltke schriften 6, 25; (das part. praes. als adject.:) der mann fand im stockenden eisenwerke nicht mehr genügenden erwerb Rosegger ii 11, 97.
b)
geschäfte stocken: ein nachdrucker in Süddeutschland bot sie (die schrift) für zwei reichsgulden feil; mein geschäft stockte Voss antisymbolik 2, 6; die geschäfte stocken, der kredit wankt, die kapitalisten behalten ihr geld W. H. Riehl deutsche arbeit 268; besonders alle geschäfte stocken J. Engel schriften 3, 79; (Haller restauration der staatswissensch. 1, 241); alle geschäfte stocken, oder werden nur eilig und verwirrt abgemacht Tieck schriften 19, 387; es waren so wenig menschen zurückgeblieben — dasz alle geschäfte stockten Caroline 1, 109; alle geschäfte stockten (angesichts des drohenden krieges) und man dachte an nichts als an aushebung von soldaten und anfertigung von waffen Mommsen röm. gesch. 2, 229. —der handel stockt u. ä.: ihr handel muszte sofort stocken, wie sie überall als fremde die beschwerden der ein- und ausfuhr erlegen muszten J. Möser werke 1, 356; alles leben und bewegen hört auf dem meer auf, das kommercium zur see, die grosze handlung stockt Jung-Stilling 3, 306; ja zu einer zeit, da wegen dieses krieges ihre handlung stockte, und sie dennoch mit unerträglichen abgaben beschwert wurden Stolberg 6, 136; der ganze buchhandel wird stocken Grabbe werke 4, 465;
hab stets zu fechten und zu rechten,
auch hab ich viel verlegner war,
mein handel stockt jetzt gantz und gar
Hans Sachs 14, 47 Keller-Götze;
handel und wandel stockten Treitschke deutsche geschichte 1, 277;
dasz, wo verlag und handel stocken,
da bettein künste brod,
da thät es noth,
sie lebten von der frauen rocken,
und flickten vor die bücher schuh
Günther gedichte (1735) 341.
der verkehr stockte Ranke werke 40—41, 256; der verkehr stockte, die werthe der güter und waaren fielen Freytag 4, 371; bis mit einem male alles still stand und der verkehr stockte Fontane i 5, 282. — die weiterbeförderung stockte, da man oft in den depots den augenblicklichen standort der regimenter nicht kannte Moltke schriften 3, 4; von Köln an stockte die beförderung 6, 127.
c)
das geld stockt, der geldverkehr ist nur mangelhaft, hört überhaupt auf; adject.: das stockende geld in umlauf bringen, das gleichgewicht der güter wieder herstellen, ... das heis ich ehrlich seyn Schiller 2, 42 (räuber 1, 2); auch: (er erzählte), dasz dieser (hauptmann) ... ihm schon manchmal, wenn die pensionen gestockt, uneigennützig sehr gute dienste geleistet habe Göthe 27, 267 Weim.; seine einkünfte stockten bald Schlosser weltgeschichte 6, 241; da stockte mein verdienst, meine kleine sparbüchse reichte kaum hin für arzt und wärterin Kotzebue dramat. werke 2, 165. — das fortkommen (in einem beruf) stockt; adject.: das stockende avancement Roon denkwürdigkeiten 1, 42.
d)
die arbeit stockt u. ä.: die arbeit, welche bis dahin stockte, hört jetzt ganz auf W. H. Riehl deutsche arbeit 269;
(bei Miedings tod) die arbeit stockt, die hand wird jedem schwer,
der leim wird kalt, die farbe flieszt nicht mehr
Göthe 16, 134 Weim.;
meine tätigkeit stockte jetzt plötzlich Mörike werke 3, 22; vgl.: des staates tätigkeit stockt nicht Bettine dies buch gehört dem könig 2, 336; auch das handwerk stockt; die schule stockt Göthe 25, 91 Weim.; sonach (nach dem fall von Syrakus) der kunstbetrieb dort einstweilen stockte H. Meyer geschichte der bildenden künste 3, 125 (vgl. Göthe 42, 2, 120 Weim.) — alle ordnung und alles weltliche gericht stockte in Deutschland Schlosser weltgeschichte 6, 246; die rechtspflege stockte auf der ganzen insel Mommsen röm. geschichte 2, 136; da die gerichtliche regulirung ... stockte, blieb auch sie (die commission) unthätig 2, 100; die landauslegungen stockten 1, 245. — während aber der gang des krieges in Etrurien wie in Latium stockte, kam es im Pothal zur entscheidung 2, 327; in Paris habe ich erlebt, dasz unverständige gewaltthaten gegen menschenmassen plötzlich stockten, weil sie auf „un monsieur décoré“ stieszen Bismarck gedanken und erinnerungen 1, 101. — auch stockende verhältnisse; wir ... muszten in der mitte (der feinde) still halten und in unserem stockenden zustand verweilen Göthe 33, 82 Weim.
5)
worte stocken (im stärkeren anschlusz an III 2 a δ), lassen sich nicht hervorbringen, werden nicht ausgesprochen, auch hier im gegensatz zum flieszen (th. 3 sp. 1796 unter 14):
der ist — mir stockt das wort —
der ist dein bruder selbst
Joh. E. Schlegel werke 1, 47;
ich athme kaum, mir zittert, stockt das wort,
es ist ein traum, verschwunden tag und ort
Göthe 15, 1, 216 Weim.:
warum bist du noch immer so verstocket?
drauf kämpften beide mit manch andrem wort,
und drauf mit thränen, als das wort gestocket
Rückert 3, 188;
mit weiterer localer angabe: da stockte mir das wort im munde Storm 3, 255;
mir stockt das wort
im mund', und meine füsze wanken
Collin Regulus 40 (1, 8);
selten auch:
da stockte mir im hals das wort
Kind gedichte 4, 89.
a)
das gespräch stockt, will nicht mehr flieszen: das gespräch stockte Schiller 4, 246 (Holtei erz. schriften 18, 218); nun stockte das gespräch Fontane i 4, 237; auch: das gespräch stockte eine weile Wieland 8, 286; unser gespräch stockte Holtei erzähl. schriften 2, 7; er sah sich daher, als alle tänze und touren bekrittelt waren und das gespräch zu stocken drohte, im zimmer um Hauff werke 3, 33; die gespräche stockten oder wurden einsilbiger Fontane I 2, 7; in dem augenblick, wo das gespräch stockt, mit einer frage hervorkommen (vgl. Ranke werke 4, 36, Bismarck gedanken 1, 147). —die unterhaltung u. ä.: regnet es gar, so hat bekanntlich der mensch die eigenschaft mit andern thieren gemein ..., dasz er stille wird, wenn er nasz wird; da stockt also die unterredung ganz G. Chr. Lichtenberg verm. schriften 1, 89; die andern dachten nach, und die unterhaltung stockte Göthe 22, 192 Weim.; die unterhaltung fing an zu stocken 24, 144 Weim.; die unterhaltung stockte einen augenblick, aber der fremde ... wuszte bald mit groszer gewandtheit das gespräch zu ergreifen und zu beleben Eichendorff 3, 342; die unterhaltung stockte nicht einen augenblick Gaudy werke 2, 81; die unterhaltung geriet von neuem in flusz und stockte erst, als durch das aufhören des vollen kirchengeläutes ... plötzlich die luft still wurde Keller 6, 175. —die rede: als er das letzte wort gesprochen hatte, stockte ihm die rede plötzlich Storm 5, 203. adject.: man folgte ihm gern und hörte willig seine niemals stockende rede W. H. Riehl novellen 6, 241; auch: sie (die gewohnheit des fluchens) ist bei seiner stockenden redeweise nicht mehr als ein bequemes sprachliches mittel jahrbuch der Grillparzergesellschaft 3, 24; adverb.: dennoch ... bemeisterte nicht selten ihn selber der zorn, so dasz dem glänzenden sprecher die rede trübe oder stockend flosz Mommsen römische geschichte 2, 104. — sonst: die antwort stockte minutenlang Kürnberger novellen 2, 165, ähnlich Nestroy werke 1, 161; das triumpfgeschrey der teufel stockte plötzlich Klinger werke 5, 395;
und mir stockte der laut, unter der hand stammelte misgetön,
auch des mädchens gesang stammelte hold
Voss (1802) 3, 152;
auch: auf einmal stockt meine geschwätzige laune, und ich getraue mir den mund nicht weiter aufzuthun Göthe 22, 101 Weim.
da stockt das zitternde willkommen
Günther gedichte (1735) 128;
doch plötzlich ihre lauten klagen stocken
Lenau 77;
mehrere tage lang stockte die unterhandlung völlig; Diez war auszer stande eine antwort zu bekommen Häusser deutsche geschichte 1, 313.
b)
stärker knüpft wieder an 2 a, besonders aber an ε die sprache stockt: die sprache schien ihr zu stocken Göthe 24, 346 Weim.; Sir Thomas stockte die sprache Waiblinger die Britten in Rom 126. — das part. praes. adject.: seine stockende sprache Göthe 21, 240 Weim.; das ringen eines wallenden gefühles mit einer stockenden sprache Gervinus geschichte der deutschen dichtung 1, 330. — vgl. ein alter schiffer, dessen gliedmaszen, besonders aber die sprachorgane, durch eine von jugend aufgeführte harte lebensart stockend geworden, tritt auf als gegensatz des beweglichen, schwätzenden, schreiseligen volkes, er nimmt immer erst einen anlauf, durch bewegung der lippen und nachhelfen der hände und arme, bis er denn endlich war er gedacht herausstöszt Göthe 30, 146 Weim.
c)
litterarische production u. ä. stockt: dagegen ich jetzt befürchten musz, dasz alle diese dinge bey mir, wie bisher, stocken und nicht zum ende gelangen Göthe iv 21, 336 Weim.; eine erfahrung hab' ich mehrmals angestellt, dasz vom achten gesang an der strom der empfindung und des beifalls etwas zu stocken schien Schubart leben 2, 44; wenn auf meinen todesfall das wörterbuch stocken müszte, so wünsche ich, dasz dem guten Hirzel und Reimer ersetzt werde, was sie an kosten gehabt haben Jacob Grimm kl. schriften 8, 463; Kopitar ist leider nicht hier, sondern in Paris der abzugebenden manuscripte wegen. seine sammlung slavischer volkslieder stockt auch daran in den jugendbriefen 366; jede literatur stockt, wenn das system über sie die autorität gewinnt Gutzkow werke 12, 113; auch das poetische hervorbringen stockte nicht ganz; es entstand ein zweiter band lyrischer gedichte Hebbel i 12, 46;
mein ganzes werk fing an zu stocken,
der dreymahl eingetauchte kiel
ward mir zum drittenmahle trocken
J. A. Ebert episteln 42;
auch:
geduld! hier wird das gleichniss stocken
Henrici gedichte 4, 501.
adject. gebrauch des part. praes.: bey diesen noch hie und da stockenden äuszerungen Göthe iv 19, 54 Weim.; innerhalb dieser stockende masse (eines poetischen stoffes) i 40, 320 Weim.; mein stockendes drittes heft (vom kunst und alterthum) bewegt sich wieder und wird wohl bis palmarum beysammen sein iv 29, 11 Weim.auch die litterarische communikation stockte iv 25, 92; der briefwechsel u. ä. stockt: leid genug thut es mir, dasz meine correspondenz über dergleichen gegenstände nach allen seiten hin stockt, und ich deshalb gar vieles entbehre iv 42, 55 Weim.; unsere correspondenz, mein einzig theurer und verehrter freund, stockt etwas Solger nachgel. schriften 1, 575; der briefwechsel zwischen beiden stockte Hegel werke 17, 110; allgemein: wo der austausch der gefühle ... stockt, hört die welt der menschlichkeit auf Fr. L. Jahn werke 1, 129.
6)
in prägnanter verwendung der fusz stockt, thut keinen schritt mehr:
nun eilt, nun stockt der fusz die schwelle meidend,
als trieb' ein cherub flammend ihn von hinnen
Göthe 3, 22 Weim.;
nun stockt sein fusz, ihn faszt ein freud'ger schrecken
Droste-Hülshoff 2, 219 (Walther 3).
a)
die schritte stocken: da, am rande einer feuchten lichtung, stockten ihre schritte Storm 5, 302; ihre schritte stockten einen augenblick. — auch sonst: damit nicht durch ungleichen lauf ein einholen erfolgt und der lauf stocket Fr. L. Jahn 2, 27;
die zitter verstummt, rasch stockt der tanz
Pichler neue marksteine 139;
der wilde reiterangriff ... zertheilt sich, er stockt Laube schriften 14, 64; auch weiter begründet: sein (Napoleons) zug nach Berlin stockte in der unlust seiner krieger, welche nach Paris schmachteten 8, 43.
b)
ein pferd stockt, hört auf zu laufen, will nicht von der stelle:
es steht ein schlosz im elfenwald,
ein diamantenes schlosz
da stockt' es im laufe, da macht' es halt,
da stand es, das schnelle rosz
Strachwitz gedichte 60;
u. ä. wendungen: die kleinen schiffe der menschen schienen in der ferne strandend zu stocken Jean Paul 21, 30; nur die dichtkunst söhnet die vergangenheit mit der zukunft aus und ist die leier Orpheus, die diesen zwei (symplegadischen) zermalmenden felsen zu stocken befiehlt 40, 4;
doch plötzlich stockt im eil'gen flug
der schlitten
Gaudy werke 4, 11;
auf denen (den gut bestellten feldern) stockt keine kanone! L. v. François letzte Reckenburgerin 1, 54; der festzug, die procession stockt; im längeren zug fahrende wagen stocken (vgl. dazu unten ins stocken kommen); auch: glanzperlen rinnen über glattes laub, und stocken in blüten Jean Paul 7, 118; schon: (der Ägyptier meinung,) dasz die seele ... durch den gestirnten krebs, als die eine pforte der stockenden sonne sich in den menschlichen leib herab lasse Lohenstein Arminius 1, 169ᵇ. hierher gehören auch die folgenden gebrauchsweisen: von dir habe ich seit langer zeit nichts gehört, wahrscheinlich stocken deine briefe, weil sie bisher über Frankfurt gegangen sind, irgendwo Göthe iv 12, 306 Weim.; der zweyte band des romans stockt irgend bey einem spediteur; ich sollte ihn schon lange haben, und wünschte ihn mitschicken zu können iv 10, 256 Weim.; er sprang nämlich auf eine eisscholle, die zwischen andern schollen stockte Jean Paul 3, 75.
c)
die feder stockt, hört auf zu schreiben: nun stockt die feder zuweilen bey jeder zeile Nicolai reise in Deutschland und der Schweiz 1, 15 (vorr.);
und wie die zunge stockte,
so stockt die feder auch
Göthe 6, 173 Weim.;
von einem musikalischen instrument:
die leyer stocket hier, der mund schweigt schüchtern still
besonders: der geigenbogen stockte endlich, nachdem er noch eine weile feurig in die figuren der nächsten tacte hinausgeschossen war Storm 5, 282;
der vater zeigt dich seinem knaben,
ein jeder fragt und drängt und eilt,
die fiedel stockt, der tänzer weilt
Göthe 14, 54 Weim.
(gegenstände), bei deren anblick uns nicht, wie es ihnen (dem anatom) bei jenem schönen unschuldigen arm erging, das messer in der hand stocke 25, 94 Weim.
d)
so stockt denn auch sonst das einzelne werkzeug, der eimer am ziehbrunnen usw.: vgl. als endlich jedes werkzeug stockte ..., lag er da mit gebrochenen augen Knigge roman meines lebens 1, 129; einem, am weberstuhl sitzenden wohlgebildeten mädchen stockte das schiffchen in der hand, das just durch den zettel durchfahren sollte Göthe 25, 122 Weim.; auch die spindel stockt;
und seil und kübel wird in längrer ruh
nicht am verbrochnen schachte stocken
Göthe 2, 147 Weim.;
zuletzt auch der (aus dem wocken gesponnene) faden stockt.
7)
in allgemeineren wendungen; es stockt, es will nicht von der stelle, macht keinen fortschritt, es hapert: gehen die räder schlecht, stockts hier und da und allenthalben, wehe dem schlechten dichter Herder 22, 153; die leute kommen zwar an allen enden zurück, es stockt aber doch nicht ganz und gar Merck an Karl August 127; geschrieben ist worden ..., wenig, doch stockts nicht Göthe iv 5, 7 Weim.; die beiden ersten acte der Minna von Barnhelm' sind schön und gut, sie haben handlung und fortschritt; im dritten stockts gespräche 2, 103; ihr, Hettmann, führt die braut! — nun, stockts schon wieder? Zach. Werner das kreuz an der Ostsee 131; endlich aber wünschen wir doch die vielen posten zur summe zu schlagen, und hier stockt's Kürnberger literarische herzenssachen 94; vgl. auch: da sie ihre verhaltungsbefehle von so vielen orten her erwarten müssen: so wird es allemal stokken, wenn etwas plötzlich auszuführen ist Heilmann pelop. krieg 164. — in einem stockt es (oft in stärkerer anlehnung an 2 a): mir stockts ... in allen gliedern Göthe iv 3, 173 Weim.; störrisch und kalt stockts in mir R. Wagner schriften 6, 197; auch: ich weisz dir nicht zu danken, es stockt mir hier am herzen, es kann nicht herauf maler Müller 3, 23; die ganze zeit hat mirs im begriff gestockt, und heut ... hab ichs lernen herauspoltern Bettine dies buch gehört dem könig 1, 302. —mit einem stockt es: (der grundsatz,) dasz man nämlich die äuszere mechanik zu hülfe rufe, wo es mit unsrer innern einrichtung stockt Thümmel reise 6, 372; die hauptfiguren machen ihre sache trefflich und haben schon excellent memorirt, mit den übrigen stockts noch ein wenig Göthe iv 13, 286 Weim.; Savigny wird sehr wahrscheinlich herkommen, ... nur stockt es noch mit dem ruf, weil geld fehlt Görres briefe 2, 80; mit dem allen stockte es jetzt plötzlich Dahlmann geschichte von Dänemark 3, 132.
a)
nichts stockt: er (der bauverwalter) mag doch auch mit dem gärtner ein vernünftig wort reden, dasz nichts stockt Göthe iv 10, 87 Weim.; nichts in dem gange des allgemeinen lebens stockt Fouqué gefühle 1, 14.
b)
alles stockt (vgl. oben die wendung es stockt mit allem): ist es nicht schon genug, dasz doch bei solchen gelegenheiten kräfte im menschen sich entwickeln, die individua selbst reifer und zu einer erhöhten verstandeskraft gebildet werden, dasz doch nicht alles schläft und stockt und umsonst da ist? Forster 8, 93; alles stockt, alles ist gedrückt Varnhagen tagebücher 1, 3; das schlimmste in Preuszen ist, dasz alles stockt 1, 23; über manchen dieser puncte war man ... am ende weniger innerlich einig als dasz man äuszerlich nachgab, um nur etwas zu stande zu bringen, und alles stockte hier Dahlmann französ. revolution 300; alles in dem jungen mann stockte und staunte ob dieser enthüllung eines verführerischen scharfsinns Gutzkow werke 1, 230;
alles stockt und starrt in händen,
leuchtet nicht der stern dem tage
Göthe 4, 138 Weim.
c)
manches stockt und sonstige wendungen: wie jedoch, wenn sie persönlich keine neigung zu den künsten haben, manches auf ein menschenalter stocken kann Göthe 48, 245 Weim.; nun da manches zu stocken schien, da sich zu anderem neuem weder gelegenheit noch muth fand (von theateraufführungen) 36, 4 Weim.; auch: einer gesellschaft von freunden harmonische stimmung zu geben und manches aufzuregen, was bei den zusammenkünften der besten menschen so oft nur stockt, sollte von rechtswegen die beste wirkung der poesie sein gespräche 1, 249; ich war in Italien sehr glücklich, es hat sich so mancherley in mir entwickelt, das nur zulange stockte iv 9, 3 Weim.; zuletzt: verzeih nur, dasz ich dir wieder einmal sage, was so lange stockt und verstummt iv 8, 206 Weim.; ich nehme einen wunderlichen anlauf, um, was bey mir so lange gestockt, endlich in flusz zu bringen iv 28, 82 Weim.;
zuletzt war ich von wanderlust gelockt, ...
nun auch herab, wo ihr im finstern hockt,
zu kommen, um ein wenig aufzuregen,
was hier in ew'ger langerweile stockt
Rückert 3, 114.
8)
von personen.
a)
besonders stocken, aufhören zu sprechen, in seinen worten nicht fortfahren, die begonnene erzählung oder darlegung plötzlich abbrechen:
wo sollen wir (du stokkst) sonst urtheil hoffen?
Birken fortsetz. der Pegnitzschäferey 30;
boszhafter, stocke nicht, sag's, was dein giftmaul schmäht
Lohenstein Ibrahim sultan 59;
fragt er euch was, nur nicht
gestocket! lieber eine ganze lüge
als eine halbe antwort
Schiller 12, 94 (Piccolomini 2, 1);
komm, vetter, kannst du zittern, farbe wechseln?
mitten im worte deinen athem würgen,
dann wiederum beginnen, wieder stocken,
wie auszer dir und irr' im geist vor schrecken?
Shakespeare 9, 117 (Richard ⅠⅠⅠ 3, 5);
hier stockt er, seufzt so tief betrübt,
dasz jede brust ihm antwort gibt
sich (im gespräch) verwickeln, stocken vgl. Iffland theatralische werke 4, 140; er stockt und blickt sie mit starrer ungeduld an A. G. Meissner Alcibiades 1, 288; hier stockte er; ich half ihm weiter, indem ich das wort 'courtisanen' aussprach briefe von und an Herwegh 289; bei dem gesellschaftsspiel: 'die geschichte fortsetzen', wer stockt, gibt ein pfand ... das fräulein stockt Bauernfeld schriften 1, 49. Carsten stockte, als habe er die grenze seiner erzählung erreicht Storm 5, 100; sie stockt, und milde mahnet er: 'mein kind, erkläre dich genauer' Ebner-Eschenbach 1, 191. in der frage: nun, warum stocken sie? Gellert 3, 361; nun, herr Orgon, was haben sie, was stocken sie? Eschenburg beispielsammlung 8ᵇ, 51 — als scenarische bemerkung: sie stockt Schiller Piccolomini 2, 2; (Brentano 7, 44 Ponce de Leon 1, 18; Fouqué altsächs. bildersaal 1, 56); sie stockt, weil Lucie sie mit einem ernsten blick anschaut J. Greber Lucie 36. stockend Schiller 14, 208 (parasit 2, 1); Gottl. Stephanie d. j. singspiele 16, 13; G. Hirschfeld die mütter 70 — ohne zu stocken, antwort geben: bedeckt diese gestalt, zeigt der natur ihre füsze, und die natur, ohne zu stocken, wird euch antworten: es sind die füsze eines bucklichten Göthe 45, 253 Weim. das psychologische bild des vorgangs wird geschildert: da es das erstemal in meinem leben war, dasz ich mit einem schlafredner zu sprechen hatte, so benahm ich mich sehr ungeschickt dabey, und stockte oder erröthete einmal um's andere Thümmel reise 1, 117; 'die musikanten sind hier in der gegend sehr rar', hub das mädchen dann wieder an und stockte und hatte die augen beständig niedergeschlagen Eichendorff 3, 33; hier stockte Wenzel und sein bleiches gesicht wurde ganz rot Keller 5, 52;
sie stockt, ein dunkles feuer überfliegt
mit namenlosem reiz die blassen wangen
mit entsprechender weiterer bestimmung: 'die?' — stockt' er weniger verlegen als in die fülle aufblühender träume versunken Jean Paul 7-10, 52; kam gar die reihe an ihn, eine laute rede vorzutragen, so stockte er und verwirrte sich Solger Erwin 1, 9; der seekönig stockte und gerieth in eine seltsame verwirrung Fouqué zauberring 1, 263; vgl. auch die personification:
die veilchen, sie sind erschrocken!
die rosen, sie sind vor scham so rot,
die lilien, sie sind so blasz wie der tod,
sie klagen und zagen und stocken!
Heine 1, 210.
mehr mit tautologischem werthe: doch er stockte und konnte nichts weiter hervorbringen Göthe 24, 90 Weim.; sie schwieg und stockte (vor verlegenheit) 21, 73 Weim.; hier stockte Wenzel abermals und wuszte sich nicht recht fortzuhelfen Keller 5, 56; er stockte und brach ab, weil er plötzlich fühlen mochte, dasz ... Fontane i 6, 129. (alliterierend:) der simple mensch sieht immer zehn auswege, einem beschwernisz zu entkommen, wo ein denker oft stockt und stottert maler Müller 3, 147; und dann stockte er und stammelte: 'aber ich liebe euch' Heine 3, 191.
α)
mit weiterer zeitlicher bestimmung: plötzlich stocken (Viebig das schlafende heer 1, 95); (der baron) bemerkt, dasz sie nicht zugehört hat, und stockt plötzlich Ebner-Eschenbach 4, 310; auch: warum stocken sie auf einmal? sie wissen doch, dasz wir gern von unsern siegen reden hören Klinger werke 1, 219; weil sie doch mit sich nicht einig war, ob es sich zieme, sein 'du' zu erwiedern, so stockte sie lange, ohne zu fragen Holtei erz. schriften 5, 205; er stockte einen augenblick Droste-Hülshoff 2, 283; hier stockte sie eine weile, so dasz Wolfgang weiter forschte Seidel vorstadtgeschichten 53. verblaszt: Cherämon stockte hierüber ein wenig Lohenstein Arminius 1, 268ᵇ; der kellner errötete, stockte ein wenig und sagte dann Keller 5, 106;
sag, was es sei, und nicht viel stock,
odr schlag dies glas dir auf den kopf
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 114.
β)
mitten im worte stocken u. ä.: er stockte mitten in einem worte, das er sagen wollte Wieland Agathon 1, 157;
kaum begann sie zu reden, so stockte sie mitten im worte
Bürger 1, 245;
wenn ich dann aber so nur einem meiner brüder oder schwestern eine sermon hielt, und schon im text stockte Bräker 1, 190; denn ich hätte fast mitten in der ersten abtheilung meiner predigt gestockt Bode Thomas Jones 2, 111. vgl. noch: er stockte bei diesen worten, die er mit wachsender wärme gesprochen Keller 2, 260;
nein, der client musz seinen anwalt mästen.
und wer ist denn der segnende client?
die muse stockt, wenn sie den namen nennt
Löwen schriften 1, 97.
mit keiner silbe stocken:
und wie er spricht, du glaubst es kaum,
mit keiner silbe stockt er
Stelzhamer dichtungen 3, 354;
auch:
ich ward roth,
heisz, glühend heisz, und stockte mit der sprache
Bauernfeld 5, 10;
nur adverbiellen werth hat dagegen:
(feierlich war es,) als mit bebender stimme der prediger selbst auf der kanzel
stockt', und lang verstummt', und dann voll inniger wehmut
dank und gebet aussprach, und die segensworte des friedens
Voss gedichte 2, 84.
γ)
adject.: das stockende mädchen Auerbach schriften 9, 248 — adverbiell: stockend sprechen (Ebner-Eschenbach schriften 4, 73); er sprach so klar und leicht wie jener unbehülflich und stockend Justi Winckelmann 2, 1, 225;
und wie er grüszt und wie er stockend spricht:
(ein) brief, dessen inhalt ihm erst recht fühlbar ward, da ihn die kinder stockend und stammelnd vortrugen und wiederholten Göthe 23, 87 Weim.; und langsam, unter dem peinlichsten kampfe, bald stockend, bald in wilder ergieszung, ... erzählte er das geschehene Klinger werke 8, 375; schweig! rief grimmig ausbrechend der könig, und indem er sich zu fassen suchte ..., setzte er stockend hinzu: Bourbon wartet eurer Laube schriften 3, 152;
wie ich noch so vor ihm stehe,
immer spreche: gute nacht!
bald ihn stockend wieder flehe:
bleibe, bis der hahn erwacht!
Gökingk lieder zweier liebender (1777) 17.
b)
in allgemeinerer bedeutung, zunächst in deutlicher anknüpfung an das vorige: oft bin ich ungewisz, welche gattung die beste sey, und dann zag' und stock' ich so sehr, dasz ich nur mit schneckengange weiter komme A. G. Meissner skizzen 1, 41; wer in den zerstreuten mythen, in der weitläufigen geschichte, um sich eine aufgabe zu suchen, ängstlich herumirrt, mit gelehrsamkeit bedeutend, oder allegorisch interessant sein will, der wird, in der hälfte seiner arbeit, oft bei unerwarteten hindernissen stocken Göthe 47, 18 Weim.; dasz der junge spieler (Felix Mendelssohn) wiederum das reinste lob erntete, welches sich bei Göthe in den neckenden scherz versteckte: hier habe er doch gestockt und sei nicht ganz sicher gewesen gespräche 4, 145;
geschrieben steht: 'im anfang war das wort!'
hier stock' ich schon! wer hilft mir weiter fort?
14, 62 Weim.;
o sängerin, dir möcht' ich ein liedchen weihn,
voll lieb und sehnsucht! aber ich stocke schon
Mörike 1, 226;
im laufe des geselligen kreises darf man nicht stocken, ohne unhöflich zu sein Göthe 22, 303 Weim.; als sie mir so nahe war, stockte sie plötzlich in ihrer arbeit Brentano 4, 92;
es wird ihm so schwer und es wird ihm so sauer,
er stocket in seinem geschäfte
Rückert 1, 188.
c)
entsprechend 6 in der bedeutung 'zaudern, zögern' usw.: (jener feldherr,) der im prägnantesten augenblick der schlacht, da seine truppen dem unvermeidlichen tod entgegen zu gehen stockten, verdrieszlich ausrief: ihr hunde, wollt ihr denn ewig leben! Göthe 41, 1, 364 Weim.; wer in ein haus wollte, stockte unter dem portal Jean Paul 3, 204; unter der schwelle stockt er noch sinnend, ob er weg solle; dann lief er rasch die treppe hinan 22, 135; Miller, der anfangs am schnellsten zum ziel zu laufen schien und dann plötzlich stockte Gervinus gesch. der deutschen dichtung 5, 27;
er (Proteus) ist ganz nah. nun leuchte frisch!
er ist neugierig wie ein fisch;
und wo er auch gestaltet stockt,
durch flammen wird er hergelockt
Göthe 41, 167 (Faust ii 2);
nicht stocken darfst du, vor nicht eilen;
die zeit sie geht gemessen hin
3, 177 Weim.:
sein gegner war mit säbel, zwei pistolen und auszerdem einer büchse bewaffnet, ... nichtsdestoweniger stockte er keinen augenblick im fortschreiten Moltke schriften 1, 64;
keine soll stocken im tanz!
Mörike 1, 88;
neben straucheln (bildlich:) (eine) vorstellung, ohne welche man ... stockt oder strauchelt Voss kritische blätter 1, 72.
9)
verbale erweiterungen.
a)
stocken bleiben, mit inchoativem beisinn (an stelle des gewöhnlicheren stecken bleiben th. 10, 2 sp. 1340): zuletzt bleibt ihm die stimme stocken, die thränen kommen ihm in die augen Göthe 8, 194 Weim.; (so) sahen sie nun das äuszerste erstaunen darinnen (in seinem gesichte), so, dasz ihm sogar vor schreck die thränen stocken geblieben und, wie gefrorne tropfen, in dem weiszen reife seines bartes standen Stifter 2, 77. deine phantasie ... bleibt bei einer schwarzwurzel in verzückung stocken Bettine Günderode 1, 234; der hauptstock der am individuellsten durchgebildeten gegenden Deutschlands ... ist in der kleinstaaterei stocken geblieben W. H. Riehl naturgesch. des volkes 1, 55 —zu stocken anfangen: nach und nach aber fing auch diese quelle (seines unterhalts) an zu stocken Pfeffel prosaische versuche 3, 155; (von einer person:) mitten im spruch aber fing er an zu stocken brüder Grimm sagen 1, 133. auch: und wenn dieser letztere (der reichthum) zu stocken beginnt, musz man ihn durch kluge auswege zu ergänzen suchen Beck kamäleon 6.
b)
stocken lassen (auch hier für das gewöhnlichere stecken lassen th. 10, 2 sp. 1342): die liebsüchtige dame Bellaston, und der erniedrigende umstand, als ein lohnliebhaber gedient zu haben, drängte sich ihm wieder in die gedanken, und lieszen ihm die antwort im munde stocken Bode Thomas Jones 5, 152; mit einer wirthin, die ... die unterredung nie stocken liesz Pfeffel prosaische versuche 5, 40; ich grübelte wieder, was für ein hemmnis oder dämon mir ... die seele stocken lasse H. Hesse Peter Camenzind 140;
hatte client nicht viel einzubrocken,
so liesz er den rechtshandel meistens stocken
Kortum Jobsiade 2, 45;
kosacken, laszt nicht stocken eure gaule,
dasz euer feind, der nicht im laufen faule,
nicht sage jetzt, dasz eure ross' es seien,
(welche ihn auf der schnellen flucht nicht erreichen können)
Rückert 1, 22.
c)
stocken machen: meine beschäfftigungen ..., die alle säffte stocken machen Göthe iv 6, 385 Weim.; soll ein bannstrahl ... unser freyes, deutsches blut stocken machen? Klinger werke 1, 273; aber wer hemmt meinen fusz, macht mir stocken das blut unterm herzen? maler Müller 2, 153; das beständige zurückdenken an todtkalte regeln macht den lavastrom des genies stocken Schubart ästhetik der tonkunst 134;
was für ein zauber, welch
ein heimlich gift macht seine quellen stocken?
Schiller 15, 1, 24;
von todesschrecken fühl' ich mich ergriffen,
die mir den athem stocken machen
Kleist 1, 208 (Amphitryon 1, 2);
diese feststehenden, zwischen vollkommenheit und unvollkommenheit meistens schwankenden muster einer so groszen gallerie, das immer wiederholte copiren derselben machen den geist stillstehen und stocken Göthe 48, 24 Weim.; Bülow gesteht, dasz ein solches papier ... den willen des königs umwerfen, wenigstens stocken machen könnte Varnhagen tagebücher 3, 17; (von personen:) saht ihr denn nicht, dasz er oft langeweile bei mir hatte, dasz ihn etwas beengte, stocken machte? Mörike 3, 55. — daneben vereinzelt mit durativem beisinn: (ein so kräftiges wort,) dasz es bey ihm die sonst so flieszenden worte stockend machen kann Schwabe belustigungen 1, 283.
10)
substant. das stocken haesitatio; im eigentlichen sinne (entsprechend 1 und 2): nichts ist dem wohlseyn der lebendigen schöpfung so sehr entgegen, als das stocken ihrer säfte Herder 17, 247; während Wildenow aber das entblättern dem stocken der säfte zuschreibt Hegel 7, 1, 527; (ein pension für den alten Orpheus,) weil seine verse flüsse ins stocken sangen Jean Paul 1, vorr. 18; das stocken der blutkörperchen Sömmering vom baue des menschl. körpers 1, 379; (bildlich:) wenn die bisherige pause, dies stocken des poetischen stroms nichts bedeutet hätte, als ein neues bett! Hebbel 1, 376 — in technischer sprache (entsprechend 3): das stocken der maschine, der uhr usw.: was das stocken bey denen spinetten, clavicimbeln etc. für ein verdrieszlicher handel sey, erfahren diejenigen, welche mit solchen instrumenten umgehen Bendeler organopoeia F 4ᵃ; vielmehr müsse jedermann im schrecken auffahren, wenn es (das bunte gewirr) plötzlich zur ruhe käme, wie ein müller vor dem unvermutheten stokken seiner mühle Fouqué zauberring 1, 78 — bey dem stocken meiner kräfte verhüllte sich die blühende natur in das dunkel der vernichtung Klinger werke 2, 248; um in dieses stocken aller seelenkräfte einen funken von den freuden hinzutragen, die der gebildete genieszt Meinecke Boyen 1, 59; das stocken der phantasie. — das stocken der haupthandlung Solger nachgelassene schriften 2, 588; dasz kein auffälliges stocken in den früher projektierten einrichtungen bemerklich wird Bismarck reden 4, 137; die ursache dieses stockens Mommsen römische geschichte 1, 133; das plötzliche stocken nach dem sieg verbreitete schrecken unter den Sertorianern 3, 30; das stocken (in den militärischen operationen) ist unverkennbar, und dieses selbst war ein rückschritt 5, 32. — entsprechend oben 5 das stocken der worte usw.: nicht ohne furcht des anstoszes und stockens Herder 5, 267; über dieses schweigen und stocken (des majors) verlor Hilarie fast selbst ihre munterkeit Göthe 24, 262 Weim.; mit diesen wenigen worten erhalten sie meinen roman. thun sie, als wenn der gröszte theil ihnen zugeschrieben wäre, und verzeihen mir mein übriges schweigen und stocken iv 21, 123 Weim. (vgl. auch das stocken meines briefwechsels Pfeffel prosaische versuche 5, 124); es traf sich, dasz Voss ein wenig stokte, wie er Jon eben die möglichkeit darthut, dasz er sein vater ist, das einzige kleine stocken was vorfiel Caroline 2, 171; (die pflicht,) mit lauter vernehmlicher stimme das wunderliche zwiegespräch mit dem geistlichen zu führen, welcher in weiter entfernung von mir auf der kanzel stand, und wo jedes stocken und vergessen zu einer art kirchenschande gereichte Keller 1, 95; wo immer etwas groszartig beginnt und plötzlich in kleinheit verschwindet, wie alles stocken und steckenbleiben der rede Vischer ästhetik 1, 350. — (entsprechend der bedeutung unter 6): helden aber müszten ... sich ja bei leibe hüten, dasz sie durch zweifelhaftes stocken die enge ihres hertzens verriehten Lohenstein Arminius 2, 1251ᵃ; da ist voranschreiten ... noch möglich, beim andern nur einseitigkeit, stocken und sinken Görres briefe 1, 74; daher sind naturen, die es zum innern bilden, aber von da nicht zum darstellen bringen, tief unglücklich; die innere nothwendigkeit spricht sich im subjecte als drang, das stocken als schmerz aus Vischer ästhetik 3, 6;
las dir auch nicht durch hartes stockn
ein ungeschicktes wort ablockn
Ringwald lautere wahrheit 117;
holder zorn, verschämtes stocken,
wird von schmeichelei besiegt
Heine 1, 242.
a)
mit stocken: hier hielt er mit stocken und bewegung inne La Roche fräulein von Sternheim 2, 253;
da die also (elend) angethane
schauten die leute der karawane,
floh'n einige erschrocken,
andere standen mit stocken
Rückert 12, 58;
ohne stocken: also nur ohne stocken und seufzen weiter in diesen sagen der vorzeit! Immermann 1, 54;
da zog er ohne stocken
den hut vom haupte fein
und zeigte, dasz die locken
ihm ausgegangen sei'n
Rückert 1, 177;
(dank sei meinem genius,) dasz ich ohne stocken
hindurchschwamm, und die lust mich nicht erbeutete
3, 136;
(mit adject. zusatz:)
lasz mich (gott) meine zeit wohl brauchen, dasz ich, wie ich sie verthan,
dir einst, ohne zitternd stocken, rechenschaft ertheilen kann
Triller poet. betracht. 3, 291;
dasz er kaum die nothdürftigsten formeln der höflichkeit ohne stocken herausbringen konnte Heyse 6, 107; auch: er liest in alten büchern, sonder stocken, seite um seite Alexis Roland von Berlin 3, 95.
b)
ins stocken gerathen (gewöhnlicher als oben ins stecken gerathen th. 10, 2, sp. 1347 unter 21 d); eigentlich: der strom ihrer thränen gerieth ins stocken Holtei erz. schriften 21, 26; woran lag es, dasz dies leben plötzlich ins stocken gerieth? Laube schriften 9, 91; auch: wer hat denn geläugnet, dasz die maschine dadurch vollends ins stocken gerathen, dasz die risse sich vergröszern Fichte 6, 71; von damen, die wie eine ins stocken geratene italiänische uhr in ihren rollen immerfort auf vierundzwanzig zeigen E. Th. A. Hoffmann 4, 36 — im bildlichen sinne: Karl der grosze hatte schon denselbigen plan (den Rhein mit der Donau zu verbinden) und liesz auch mit der arbeit anfangen; allein das unternehmen gerieth bald ins stocken Göthe gespräche 5, 45; das ist denn der grund, weswegen die angelegenheiten wegen des bibliothekgebäudes ins stocken gerathen Forster schriften 8, 36; aber die bewegungen, die dieser (Agis) im einverständnisz mit den Persischen admiralen im Peloponnes zu erregen gehofft hatte, waren durch die allmählige auflösung der seemacht gleichfalls ins stocken gerathen Droysen Alexander der grosze 210; in Frankreich, wo die (musikalischen) impulse ... von Italien ausgegangen, aber unter nationalen einflüssen ... in ihrer ausbildung ins stocken gerathen waren O. Jahn Mozart 1, 177; jeder versuch gerieth ins stocken Smidt tagebuch eines nord. seemannes 38; mit einer kleinen pension, die aber in folge der katastrophe des jahres 1806 ins stocken gerieth Strausz Schubarts briefe 2, 227; und die ganze sammlung gerieth ins stocken Müllner dramat. werke 8, 46; hier war aus gründen, die ich anderwärts ausführlich erörterte, die lautverschiebung ins stocken geraten Jacob Grimm kl. schriften 2, 13; der umzug geriet ins stocken Kügelgen jugenderinnerungen eines alten mannes 24; die einrichtung der neuen kirchenprovinz gerieth einige jahre lang ganz ins stocken Treitschke deutsche geschichte 3, 300; nichts desto weniger scheinen die öffentlichen bauten seitdem fast gänzlich ins stocken gerathen zu sein Mommsen römische geschichte 2, 391. — besonders: das gespräch (wäre) beinahe ins stocken gerathen Göthe 24, 295 Weim.; ihr gespräch war so ins stocken geraten O. Ludwig werke 2, 17 (Gaudy werke 5, 56); durch diese eben so unerwartete wie skandalose begebenheit war unsere unterhaltung etwas ins stocken geraten Pückler briefwechsel 2, 234; die unterhaltung gerieth nur allzubald ins stocken Gaudy werke 23, 65 (Ebner-Eschenbach 3, 389); auch: die disputation gerieth dadurch fünftehalb ganze minuten in ein völliges stocken Bode Tristram Schandi 3, 5; damit gerieth die berathschlagung abermals ins stocken 6, 79; denn unser briefwechsel ist seit längerer zeit ins stocken gerathen Wilhelm Grimm im briefwechsel mit Dahlmann und Gervinus 1, 364; so werden sie gewisz begreifen, dasz meine correspondenz mehr, wie jemals ins stocken gerathen muszte Hebbel briefe 6, 210; auch: der briefwechsel fängt schon an ins stocken zu gerathen Fr. v. Gentz schriften 1, 87. — meine dichtung gerieth ins stocken Göthe 29, 185 Weim.; über mein wandern sind die wanderjahre ins stocken gerathen an Cotta (Göthejahrbuch 18, 12); armes tagebuch! so frisch im wachsen und doch ins stocken gerathen! Hebbel tagebücher 2, 383. — eine musikalische figur geräth ins stocken vgl. O. Jahn Mozart 4, 638; als durch das ungeschick einiger leute der tanz ins stocken geriet Keller 3, 89; auch: salatwaschen, schuhflicken, strümpfestopfen, hämmern, sägen, federkritzeln, alles ins stocken gerathen, nur nicht — die zungen Raabe chronik der sperlingsgasse 81. — entsprechend 7: seitdem wir uns nicht sahen, ist alles ins stocken geraten; keine arbeit, kein verdienst Holtei erz. schriften 18, 36; bei der weiteren ausbildung zeigen sich miszverständnisse ... ohne zahl: und plötzlich gerieth alles ins stocken Ranke werke 1, 127; auch: gewisz aber wird eine nähere verbindung mit so wackern männern, als die unternehmer sind, manches, das bey mir ins stocken gerathen ist, wieder in einen lebhaften gang bringen Göthe iv 10, 166 Weim.von personen (entsprechend oben 8): so wie leute, die das klavier zu spielen gewohnt sind, gewöhnlich auf der orgel ins stocken gerathen Lichtenberg verm. schriften 3, 28; es ist aber kein stockigerer mensch in der welt als ich, wenn ich einmal ins stocken gerathe Göthe iv 4, 226 Weim.; jetzt bin ich ... ins stocken gerathen Bettine Goethes briefwechsel mit einem kinde 2, 101. — in tautologischer verstärkung durch stecken verb. (vgl. den eingang von b): meine schönen Lauchstädter vorsätze sind freylich sehr ins stocken und stecken gerathen Göthe iv 19, 92 Weim.ins stocken gerathen lassen: er schweigt also stille, und will die sache gern ins stocken gerathen lassen Gottsched schaubühne 5, 298. — vereinzelt auch ohne artikel: alles, was sich auf kunst bezieht, geräth in stocken Göthe 41, 1, 31 Weim.; die sache gerieth in schwanken und stocken iv 38, 8 Weim.; bei solchen verhältnissen waren manche geschäfte, welche die beiden freunde zusammen früher vorgenommen, gewissermaszen in stocken gerathen i 20, 79 Weim.; vergessen sie nicht, mich in jedem briefe um die religion zu mahnen, damit sie mir nicht in stocken geräth aus Schleiermachers leben 1, 202; mein briefwechsel war seit meiner Wiener reise sehr in stocken gerathen Hoffmann von Fallersleben schriften 7, 165; man ... setzte die wegen ihrer theilnahme an dem aufruhr für infam erklärten insoweit wieder in den vorigen stand, dasz sie an den gerichtssitzungen theilnehmen durften. es war ihrer eine so grosze anzahl, dasz sonst die dorfgerichte in stocken gerathen sein würden Ranke werke 2, 173; der handel ... gerieth in stocken 15, 246.
c)
ins stocken kommen: der discurs kam bald ins stocken Göthe 30, 80 Weim.;
(Dausel) ich liebe die kürze und bin ziemlich trocken.
(Emilie) da kömmt also wohl das gespräch leicht ins stocken
Meisl theatralisches quodlibet 1, 225;
ich habe es ihnen dadurch erklärt, dasz der, der sonst die briefe ... schreibe, jetzt verreist sei, wodurch diesz geschäft ins stocken gekommen Görres briefe 1, 359; die regelmäszige jährliche aushebung der consuln scheint dagegen erst gegen das ende der republik ins stocken gekommen zu sein Mommsen römisches staatsrecht 1, 101; als ... bei Borodinow der angriff wieder ins stocken kam Fontane i 1, 513; gewisz ist es beklagenswerth, dasz die verwaltungsreform (unter Bismarck) ins stocken kam Scherer kleine schriften 2, 221; (entsprechend oben 7:)
man schiebt das opfer auf, und alles kömmt ins stocken
Gottsched deutsche schaubühne 2, 72;
(entsprechend oben 8:) ich kam mit meinen beweisen ins stocken Thümmel reise 4, 37. — selten zum stocken kommen: von beiden seiten verlegen ging es (das aufsagen des gedichtes) eine weile, dann, ohne aufmunterung und nachhülfe kam es zum stocken, endlich brach es völlig ab, und die guten kleinen wurden mit einigen liebkosungen zu bette geschickt Göthe 25, 205 Weim.
d)
im stocken lassen (selten für oben stocken lassen unter 9 b): das übel freilich, das daher entstand, war, dasz bedeutende vorsätze nicht einmal angetreten, manch löbliches unternehmen im stocken gelassen wurde Göthe 41, 2, 26 Weim.
e)
ins stocken bringen: nur wünschte ich nicht, dasz etwas gesagt würde, was dem verleger schaden und folglich das gantze ins stocken bringen könte G. Chr. Lichtenberg briefe 3, 111; diese slavischen gebiete, die während des letzten jahrzehnts die innere entwickelung der monarchie ins stocken gebracht hatten, erwiesen sich ... als ein unhaltbarer besitz Treitschke deutsche geschichte 1, 257; (mehrere umstände) brachten die offensivoperationen der Römer völlig ins stocken Mommsen römische geschichte 2, 32; (entsprechend oben 7:) es sollte ein groszes kutuchtufest gefeiert werden; aber die trauerpost (vom tode des generals) ... brachte alles ins stocken Ritter erdkunde 3, 225; nachdem es entschieden war, dasz der (kurfürstl. bayrische) hof ... von Mannheim nach München ziehen werde ..., brachte der drohende krieg (gegen Österreich) alles ins stocken und ins ungewisse O. Jahn Mozart 2, 302. — daneben zum stocken bringen, besonders in der ursprünglichen sphäre: nasenbluten zum stocken bringen, so dasz es zum stillstand kommt und aufhört; (er) versuchte, das aus der wunde rinnende blut durch auflegen seiner hände zum stocken zu bringen Brehm thierleben 1, 155 Pechuel-Lösche; auch bildlich: in der macht der beamten liegt ... die möglichkeit, den staat zum stocken zu bringen Ihering geist des römischen rechts 1, 80; vgl. auch Mommsen römische geschichte 1, 252.
f)
verblasztere wendungen: es scheint, der hintritt Josephs ii habe ein stocken in der politischen maschine von Europa veranlaszt J. v. Müller 16, 402. — ein fortwährender wasserzuflusz ... würde überflusz und stocken der säfte erzeugen Ratzeburg standortgewächse 225. — was ich recht weisz, weisz ich nur mir selbst; ein ausgesprochenes wort fördert selten, es erregt meistens widerspruch, stocken und stillstehen Göthe (schriften der Göthegesellschaft 21, 160).
IV.
ein aus der vorigen bedeutung unter iii abgeleitetes transitivum läszt sich nur vereinzelt belegen; so entsprechend der eigentlichen bedeutung unter iii 1 und 2: das gemewr ... empfangt den stuben- und menschendampf an sich, und stocket denselben mit seiner kälte zu wasser Guarinonius grewel der verwüstung 486;
reiszt von den goldnen locken
des helmes decke schnell,
damit das blut zu stocken,
das rinnt vom panzer hell
Arndt werke 3, 163;
passiv.:
nur des gieszbachs wilde ströme haben
tiefe spuren zürnend eingegraben,
wo durch ihn ihr rascher lauf gestockt
S. Mereau gedichte 1, 51;
(bildlich:) diese neuere lyrik ist kein flusz, in dem man schwimmen kann; sie ist ein weiher, in dem sich zwar auch sonne und sterne spiegeln, der aber durchrankt von wasserpflanzen ist, gestockt von gedankenstämmen, besandet mit niederschlag aller art Grillparzer 15, 67; hierher wohl auch: nur unter der glühenden sonne des südlichen Amerikas wird ihre gestockte poesie zum fluthen gebracht Brunner erzählungen 1, 30. — vgl. auch eine sache verstocken th. 12, 1 sp. 1760 unter B.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1914), Bd. X,III (1957), Sp. 61, Z. 24.

stocken2, stöcken, stecken, verb.

²stocken, stöcken, stecken) verb.
in den stock (vgl. ¹stock m. 4 f) setzen, legen (ins gefängnisz) werfen; in der älteren sprache vereinzelt ohne umlaut stocken cippare Diefenbach glossar 121ᵃ, incippare, cippis, compedibus ligare 292ᵃ, incippare nov. gloss. 212ᵇ, intruncare glossar. 306ᵃ; neben stöcken in carcerem conjicere Stieler 2161, in vincula conjicere Wachter 1613; vgl. auch die zusammensetzung einstocken (incippare Diefenbach gloss. 292ᵃ): hilff, das wir ... nit yhrer (der sinne) begirden noch willen gelassen werden, sondern in deynen willen gefangen, gestockt und geprochen werden Luther 7, 224 Weim. (dagegen gestöckt 6, 15 und 10, 2, 401 Weim.); das sie einen jeglichen ... peinigten, stockten, queleten Schütz historia rerum prussic. 5, F 4ᵇ; neben blocken (vgl. die umgelautete verbindung unten): als ... der herzog solichs (klagführen) vernam, underfieng er sich ers noch gewaltiger aller guter des gottshaus, auch aller irer leut, stockets und blockets, verwundets, lemets und todtes Knebel chronik von Kaisheim 181; man stocket und plocket sie, und gehet unfreuntlich mit den leutten umb Agricola sprüchwörter P 8ᵃ; (substant.): dem gottshaus, seinen leuten gaistlichen und weltlichen wurd gross ungefueg und ubles erzaigt mit fachen, stocken, blocken Knebel chronik von Kaisheim 165; auch mit u (bez. ü): er hat mich fenglich angenomen, gestuckt und gepfluckt chron. der stadt Elbogen 78, 82.
1)
stöcken captivos cippare Diefenbach gloss. 121ᵃ, intruncare 306ᵃ, conjicere in carcerem Ulner (1589) 168; mit entsprechenden begriffen verbunden: hangen, rädern, köpfen und stöcken ist kein sünd, were das nit, wir behielten keinen bissen in dem mundt Franck sprüchwörter (1541) 2, 60ᵃ; kerckeren, brennen, stöcken, und tödten O. Brunfels vom evangelischen anstosz C 3ᵇ; das der ubertreter und verwircker nicht gestöckt, getormet und getotet ... werden Alex. Chrosner ein sermon von der hailigen christlichen kirchen 45; wie vil tausent ist ir freilich noch heutigs tags in vilen provintzen gestöckt, und jämerlich gefangen? (wegen ketzerei wider das papstthum) Sleidanus reden 56; (bildlich:) diss sind nu die schönen drey wort, der wir zum festen troste brauchen sollen und können, wenn uns die sünde betrüben, und der todte ansprechen, stöcken und kerckern wil Mathesius leichenreden 187; neben klemmen (th. 5 sp. 1139) wohl für die zwecke der folterung:
aber dise ritter allsampt
die hab wir für di zagen erkant.
wenn sie süst schüllen peut nemen
und manchen armen stöcken und clemen (zur erpressung),
so sein sie alle rösch (muthig) im veld (da sind sie auf dem platze)
fastnachtspiele 639, 7;
man klempts, man stöckts und stichts zu tot
644, 18.
2)
besonders in der reimverbindung stöcken und blöcken (s. th. 2 sp. 137): die sünde kan niemandt gefangen legen, stöcken oder blöcken Franck paradoxa 179; die gewissen sein im bapstumb ... gemartert, gestöckt und geblöckt worden Nas antipap. eins und hundert 3, 225ᵃ;
se (die aufrührer) stöcken und blöcken de christen gud
lied auf den Lüneburgischen prälatenkrieg 1454—56
(Liliencron 1, 472, 3);
und wolt sie einer irrthumb straffen,
so schreiends dawider mort und waffen,
wie man soll solche ketzerey
rottergeyst und schwermerey
als bald aussreuten und vertreiben,
stöcken, blöcken und entleiben
Fischart die gelehrten die verkehrten 1742 Kurz;
stöcken und plöcken in vincula conjicere Frisch 2, 337ᶜ: ich stöck und plöck torqueo Alberus 127ᵇ; dergestallt ist ain mensch gefangen, gepunden, gestöckht und geplöckht in sonder faͤncknuss, das ist in jm selbs und in seinn sünden Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 259; ir schuldigen sie fachen, stöcken und plöcken lieszen Arigo 67; der babst und die official die nemen gefangen, ... stöcken und plöcken und verfolgen ... die hyrten Luther 10, 3, 121 Weim.; denn man henget, senget, köpft, würget, stöckt und plöckt tischreden 35ᵇ; des teufels kindern gehöret, das man sie sol stöcken und plöcken Chr. Irenäus spiegel des ewigen lebens v 2ᵃ;
verführt euch also stoltz und schleck,
das man euch also plöck und stöck
Fischart flöhhaz 948 neudr.
a)
stöcken und pflöcken (th. 7 sp. 1771 unter 3) cohibere in vinculis, in carcerem compingere Stieler 2162; nicht wie das vorige eine völlig tautologische verbindung (pflöcken vielmehr einen verbrecher auf der erde liegend mit pflöcken und stricken fesseln): er vahet, stöckt und pflöckt münich und pfaffen deutsche städtechron. 5, 363 (j. 1420); leutschinder, plager oder einmahner ..., welcher die stöcket, pflöcket, pfendet und vorm gericht umbher zeucht Mathesius Syrach 2, 25ᵃ; da einer von schuld wegen, sein hauss und garten einem andern lassen, und doch gestöckt, gepflöckt, geschendet und gepfendet werden mus 2, 29ᵇ; und haben uns steupen, foltern, poltern, stöcken vnd pflöcken lassen Sarepta 216ᵇ; wo du dich nicht stehenden fuszes fortpackst, soll dich der magistrat stöcken und pflöcken und an den pranger stellen lassen Musäus volksmärchen 1, 130.
b)
in fortschreitender vocalentrundung:
die rauben, morden, stöcken, plecken
Hans Sachs 6, 375 Keller;
stecken intruncare Diefenbach glossar 306ᵃ; Paulus, ... in einen kercker gesperrt, gesteckt und gepleckt, zuͦ Yconio versteinigt Franck chron. 264ᵇ.
c)
in anlehnung an den eigentlichen gebrauch ist als bildliche verwendung hervorzuheben: wörter stöcken und blöcken, stümperhaft eine sprache gebrauchen; vgl. hier aus der gleichen sphäre radebrechen (th. 8 sp. 45 unter 3 b): wenn jr so fortfaren wollet, die syllaben mit gewalt zu stöcken und blöcken Luther 4, 376ᵃ; und wohl in anlehnung daran: wann die teutschen wörter verderbet, verkehret und durch den harten groben laut gestökket, geblökket, und nicht nach rechtem teutschen wolvermögen hervorgelanget sind, künnen sie nicht, als mit härtigkeit gehört oder gelesen ... werden Schottel hauptsprache 67.
3)
im freieren gebrauch 'quälen, foltern, in bedrängnisz bringen, allerlei schmerz bereiten': mit schmach und qual wöllen wir jn (den gerechten) stöcken, das wir sehen, wie from er sey, und erkennen, wie gedültig er sey weisheit Salom. 2, 19 (von H. Sachs in die reimformel hinübergeleitet:
wir wöllen in mit schmach und qual
stöcken und blöcken allzumal
19, 425 Keller-Götze);
martern können sie, ausreutten können sie nicht, stöcken können sie, zwingen können sie nicht Luther 5, 57ᵇ; und wie hätt' ich einen mann foltern, oder wie meine mutter sprach, stöcken sollen, der so väterlich war Hippel lebensläufe 1, 299.
4)
substant. (im eigentlichen sinne): das mittelalter, in dem alle harte knechtschaft beinahe erloschen war, kannte noch ein stöcken und blöcken der schuldner, die ihren gläubigern zu hand und halfter überantwortet waren Jacob Grimm rechtsalterthümer 2, 164;
ir (der räuber und bösewichter) verwegenheit, tron und tretzen,
ir lauschen, fahen, stöckn und schetzen
Hans Sachs 3, 60 Keller.
bildlich: auch aus vieler andern zeugnis man wol sihet, welch ein teuflisch ding die nonnerey und müncherey ist, da man mit eitel treiben, zwingen, stöcken und blöcken wil die leute zu gott bringen Luther 2, 382ᵃ; dasz darüber viel betrübter hertzen aus den klöstern gangen sind, die solches ewiges stöcken und martern jres gewissens nicht haben tragen ... wollen C. Spangenberg wider die böse sieben M 1ᵃ — entsprechend der verwendung unter 3: da hebt sich denn ein stöcken und blöcken vber die guten sprüche Luther 3, 388.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1914), Bd. X,III (1957), Sp. 81, Z. 63.

stocken3, verb.

³stocken, verb.
entsprechend ³stock m. 'durch feuchtigkeit verderben, stockig (s. unten) werden'. ein zusammenhang mit ¹stocken iii unter 2 in wendungen wie dämpfe, dünste stocken (hören auf sich zu bewegen und entbehren des abzugs) kann allein vermuthet werden: papiere, bücher, tuche stocken (Schmeller² 2, 730); holz stockt, geht in innere fäulnis über; wenn aber ein Eurischer morgenwind kömpt, oder sonst eine saure lufft, so stockt und faulet der zaun, und wird umbgerissen Mathesius Syrach 147ᵇ; damit es vor der näsze nicht so leichtlich stocken und faulen möge, so lassen einige die lavetten und räder mit heiszen leinöl allenthalben etliche mahl bestreichen Fleming teutscher soldat 61; das erlenholz ist zum bauen im trockenen nicht gut, weil es leicht stockt Zschokke schriften 11, 86;
sind doch bereits neun jahre des grossen Zeus uns vergangen,
und schon stockt den schiffen das holz, und die seile vermodern
Voss Ilias 2, 135;
eine verstärkung bietet verstockte wäsche, verstocktes buch, verstocktes holz (th. 12, 2 sp. 1759) — in sich schon erweiternder bedeutung: der stirbt ab, wie ein baum abstirbt, dessen triebe stocken Pückler briefwechsel 1, 198; hast du aber auch gesehen, wie sich kein zweiglein in dem garten rührt, und die baumwipfel gleichsam in den lüften stocken Stifter 3, 285.
a)
mit gewandeltem subject: läszt man aber die feuchtigkeit darin (im holze), so stockt sie, fault und macht das gewächs schwammicht und schadhaft Rode Vitruvius 1, 98.
b)
unbestimmt es stockt (im anschlusz an das vorige): es stockt in dem hause, die wände sind feucht und nasz Frischbier 2, 374ᵃ; ein kleines, artiges zimmer, aber nicht bewohnbar, weil es darin stockt Hamann 5, 238.
c)
bildlich:
so stockt, so kehrt in moder nach und nach
vor der verzweiflung blick die lust des lebens
Göthe 10, 318 Weim.
d)
substant. in forstwirthschaftlicher sprache (neben mulm th. 6 sp. 2657): (das ahornholz) ist im wetter dauerhaft, und ist dem mulm oder stocken nicht unterworfen Hohberg 2, 330ᵇ (Göchhausen notabilia venatoris 170).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1914), Bd. X,III (1957), Sp. 83, Z. 53.

stocken4, verb.

⁴stocken, verb.
im anschlusz an ¹stock m. 7: stocken ineptire, nugari, naeniis et rebus puerilibus occupari, nugas agere Stieler 2162; vgl. auch unten das hierhergehörige subst. stocker m. (unten 1 b) und die verdeutlichende zusammensetzung stocknarr: narren gehören vor den tische, dasz sie stocken Agricola sprichwörter H 6ᵃ; es ist eben unpriesterlich, ... wenn der prediger mit ehebrechern, volseuffern ..., dieben gemeynschafft helt, und frist, seufft, spilt und stockt mit jhnen Mathesius Sarepta 130ᵃ; es ist mein herr Listanus ..., ich musz was mit jhm stocken, und jm was von einer jungfraw schwatzen schauspiele engl. comödianten 211, 36 Creizenach;
(er) gieng stocken als ein ander thor
Ringwaldt christliche warnung J 6ᵃ;
als mancher thut, wenn er all sat
die dicke nasz begossen hat,
so leufft er noch zu leuten ein,
und wil daselbest stocken fein
lauter wahrheit 105;
mit rücksicht auf die alamodetracht und -sitte:
kan wo einer besser stocken
oder lügen, weder ich,
geht mit grossen haareslocken
pralen, das das kützelt dich,
trägt wo einer gold und sammet,
dessen haar am häupt geflammet
und am bahrt gekrümmt musz stehn,
der sich kan frantzösisch neigen,
und die glieder zierlich beugen,
der musz vor im tantze gehn
Königsberger dichterkreis 27 neudr.;
neben possen reiszen: wer sich auf possen reiszen ... befleisziget ... und stocket und reiszet possen umb eine soppe Mathesius Syrach 1, 118ᵇ; auch mit object: die ungebeten kommen, und setzen sich an tisch, stocken eins daher, bringen newe zeitung 3, 30ᵃ — substant. stocken, n. narretei, thorheit usw.:
man acht meins stockens nicht gar fast
Ackermann vom verlorn. sohn 131;
las dir auch nicht durch hartes stockn
ein ungeschicktes wort ablockn
Ringwaldt lauter wahrheit 109;
wie ihr des stockens voll
gespielet und gesungen
S. Dach gedichte 43.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1914), Bd. X,III (1957), Sp. 84, Z. 15.

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„gestockt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestockt>.

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