Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gestosze, gestösze, n.

gestosze, gestösze, n.,
coll. zu stosz (s. d.) und verbalsubst. zu stoszen, stöszen (s. d.), mhd. gestœʒe, mnrhein. gestois.
1)
das stoszen, drängen, die stösze: mhd.
der kam mit einem gestœʒe,
der stieʒ nider siben kint.
minnes. 3, 289ᵇ v. d. Hagen;
sie worden hart gestoszen (im handgemenge der nonnen) ..
ein gestösze uff sie da gieng.
Keller erzähl. aus altd. handschr. 457, 33;
aber grosz gestösz und rumorn
hette die frucht in meinem leib.
H. Sachs 1, 19ᵃ;
da war ein grosz getreng,
von rossen ein gestös.
2, 3, 190ᵇ;
mit lärm verbunden:
hört ir nit das gstösz und getrempel
von ross und leuten.
3, 2, 83ᵈ;
(die kämpfenden hirsche) lauffen mit den köpffen dermaszen zusammen, also dasz das geklöpff und gestösz eine halbe welsche meil wegs gehört werden mag. Fouilloux jägerbuch (1626) 39; noch schweiz. gestösz, lärmvolles gewühl von leuten Stalder 2, 402; gestösze bei den köhlern, knall und stosz im angezündeten meiler, wenn das feuer durch das gestäube so jähling gedämpft wird, dasz bisweilen der meiler in einander fällt Zinck öcon. lex. 935. Jacobsson 2, 74ᵇ.
2)
zusammenstosz, zwist, handgemenge: ist, daʒ sich ein gestôʒe hebit in der stat .. daʒ sich lûte slahen unde stechen mit einander. Freib. stadtr. c. 33, 1, ein gestoͤʒe 8, 1 var.; an deme gestosze wurdent zwene erschlagen. Closener in städtechron. 8, 122, 8, in demselben gestösze. Königshofen ebenda 9, 776, 9;
die huben an ein newes gestos (schlägerei beim hochzeitsschmaus).
Diutiska 2, 89 (meier Betz);
und was ein grosz gestösze zwuschen in, dasz sie von scheiden zugent und einander sluͤgent. Windecke 470 Altmann.
3)
von gewaltsamen naturereignissen: mhd. daʒ wintgestœʒe, -gestôʒe, sturm Hartm. Greg. 793. Heinr. v. d. Türlin krone 25039; gestösze, erdbeben Alemannia 1, 71. 2, 214.
4)
bildlich, ein nichts: mnrhein.
(Gallaffers warb) ein here michelich ind grois.
doch was id alles ein gestois
weder dat volck, dat Bremunt
usz hadde bracht an der stunt.
Karlmeinet 47, 36.
5)
bair.-tirol. das gestösz, das ende des ackers, wo dessen beete oder furchen unmittelbar, ohne dazwischen liegenden rain, an die gleichlaufenden des nachbars stoszen Schm.² 2, 788: der aber stuck (feldstücke) hat, so nit an die gemein oder weg stoszen, (soll fahren) über die negsten daran ligenden gestösz und mit allerwenigstem schaden. tirol. weisth. 4, 546, 11 (von 1601); wellicher iemande über das gstesz fort, der soll auch der nachperschaft ain gulden straff verfallen sein. 1, 242, 15 (von 1620).
6)
von anstoszenden kleidungsstücken: schweiz. gestösz, die lappen an den bauernhosen unter dem knie, die vermittelst einer anstosznaht an die hosen befestigt sind Stalder 2, 402; die bekleidung der dickbeine. ebenda.
7)
schweiz. gestösz, das vordergeschirr an einem pfluge Stalder 2, 402.
8)
das gestoszene: das gestösze, der schrot, malzschrot Šumavský böhm.-deutsch. wb. (Prag 1851) 1025ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4243, Z. 42.

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Zitationshilfe
„gestosze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestosze>, abgerufen am 01.12.2021.

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