Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gestoszen, verb.

gestoszen, verb.
verstärktes stoszen (s. d.), mhd. gestôʒen.
1)
transitiv.
a)
stoszen, stecken: mhd.
daʒ er in (den stein) dâ gestieʒe
ûf Hectorem.
Konr. v. Würzburg troj. kr. 37208;
got erbarme, daʒ er ie gestieʒ
in die touf nâch im sîn hant.
Ottokar östr. reimchr. 502 Seemüller.
b)
dagegen einwenden: wen he ichtesicht darunder gestôʒen muge. Freiberger stadtr. c. 22, 5.
2)
reflexiv, sich zû der sibbe gestôʒen, sich rechnen. Sachsensp. 1, 3, 3. 17, 1, nach Grimms rechtsalt. 605 vom tupfen mit den fingerspitzen beim rechnen.
3)
intransitiv.
a)
auf einen treffen, wohin geraten: mhd.
ûf einen ritter er gestieʒ.
H. v. d. Türlin krone 19351;
daʒ si ze stade (ans land) gestieʒen.
Tristan 2453.
b)
uneinig sein: swâ die schiedelüte gestieʒin. jahrb. d. hist. vereins v. Glarus 1, urk. nr. 37 (14. jh.).
c)
gefrieren, zu eis werden: anno 1462 gestiesz die Donau bald nach Nicolai. Gemeiner regensb. chr. 3, 371; alsbald's im winter gefrur und die Thonau gesties, so zogens über den stos mit herskraft. Aventin. 4, 597, 24 Lexer.
4)
part. gestoszen.
a)
untersetzt, von der leibesgestalt: mhd. die kurzen unde die gestôʒen. Myller deutsch. ged. aus dem 12.—14. jh. 3, 28, 89; nhd. Aiax Oileus, gestoszen, kräftiger glidmaszen. Tatius Dictys troj. kr. (Augsb. 1540) 67ᵇ; Diomedes, stark gestoszen, herrlichs leibs. 68ᵃ.
b)
substantivisch gestoszenes, verkürzt und erstarrt östr. gestoszens (Birlinger augsb. wb. 194ᵇ), gestöszens, n. als speise, vgl. bair. stosz, dickgewordene geronnene milch Schm.² 2, 788, unteröstr. stoszsuppe, suppe aus saurer dicker milch Höfer wb. 3, 190, die milch stöszt sich, gerinnt Castelli wb. 237. Abr. a S. Clara gebraucht den ausdruck gern im witzigen wortspiel: unter seinen speisen findet man nichts als gestöszens, auff seinem herd findet man nichts als prügel. Judas 1, 28; ein guter soldat musz seinen feind zu keiner anderen speisz laden, als auff ein gestöszens. auf, auf ihr christen 82, 28 neudr.; und musz manche arme haut mit den täglichen gestöszens vor lieb nehmen. gemisch gemasch 14.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4244, Z. 18.

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Zitationshilfe
„gestoszen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestoszen>, abgerufen am 05.12.2021.

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