Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesträusz, n.

gesträusz, n.
kampf, streit, mhd. gestriuʒe, gestriuʒ, md. gestrûʒe, gestrûʒ Jeroschin 12325. 9038 u. ö., älter nhd. gestrüsz, gestreusz, gestreysz, coll. zu strausz (s. d.), mhd. strûʒ. im spätern nhd. erloschen.
1)
gefecht, handgemenge: mhd.
und entwichen dem gestrûʒ (: ûʒ).
Ottokar reimchr. 8176 Seemüller;
(bauern) die hebent grôʒ gestriuʒe.
Neidhart in minnes. 3, 220ᵃ Hagen;
darnach das gestreusz heftig was. Nürnb. chr. 2, 335, 6 (von 1449);
und was auch in dem gestreusz
ain Steirer ...
der plaib auch in dem graben tat (todt).
Beheim Wiener 182, 3;
als diseʒ gestreüsz was zergan.
262, 13;
da wüst auch nieman rechte,
wer cristen oder heiden was
in dem groszen gestrüsze.
heldenbuch 77, 5 Keller;
Otnit in dem gestrüsze
sach er in vor im ligen.
79, 12.
2)
kampf der elemente:
swâ viur gên waʒʒer wider slehet, dâ hebt sich ein gestriuʒ,
daʒ ie man dunre hât genant.
Frauenlob 406, 10;
doch menger hett ein gelt
verlorn in dem gestrius (seesturm).
Altswert 228, 23;
doch genas ich (aus dem schiffbruch) ..
in dem gestreuss (mit wind und wogen)
haubtgut (einen mast) gewin.
Osw. v. Wolkenstein 1, 2, 26.
vgl. der windsstrausz, sturmwind Schm.² 2, 819 (von 1560).
3)
auflauf, tumult: gestreus vom volck, tumultus voc. inc. teut. i 5ᵃ, gestreüsz Hüpfuff voc. 1515 J 3ᵇ; geschit ein urhap ader ein gestreusze in dem wîcbilde zu Vrîberc von beseʒʒenen (ansässigen) luten, dasz sich di werren mit einander mit worten, roufene, meʒʒerruckene. Freib. stadtr. c. 8, 1 var., gestrewsse, gestruͤʒe 33, 1 var.; wer ein rewmer, ein gestreysz oder ein mürmelen machet. cod. germ. Mon. 402, f. 129 bei Birlinger augsb. wb. 194ᵇ; noch schweiz. gesträusz, gekeife Stalder 2, 408.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4249, Z. 45.

gesträusz, n.

gesträusz, n.
buschwerk, älter nhd. gestrüsz, gestrusz, gestreusze, gestreusz, ohne umlaut gestrausz Schönsleder V 4ᵇ. H. Sachs 13, 340, 26 Keller-Götze, gestraus, gstraus 3, 215, 180. 1, 299, 14 Gödeke, gestrausze Loritza 50ᵇ, coll. zu strausz (s. d.), busch, büschel.
1)
niederer buschwald: gestreusz vor holcz, hecken oder stauden, frutex, dumus, parva silva. voc. inc. teut. i 5ᵃ, gestrusz var.; ein thal, so mit stauden und einem nidertrechtigen gestreusz verwachsen. missive o. sandtbrieff v. 11. nov. 1541 A 2ᵃ; durch alle gestreusz, abweg, über stauden und stöcke wegbringen. kriegsb. d. fried. 65; einen fuszpfad, den er mit vielen bäumen und dickem gesträusz verwachsen suchet. Amadis 6, 486;
das ander teil desz birges was
alls mit hohen felsen umbgeben,
mit sehr dickem gestreus darneben.
H. Sachs 5, 296ᵇ;
(die königin) fusz für fusz gieng da in kürtzweil
in dem gestreusz an meers gestatt.
4, 2, 59ᵇ u. ö.;
gieng er an desz wassers gestatt
durch ein gestreusz.
4, 3, 79ᵃ;
durch berg und thal, gestreusz und hag.
4, 2, 117ᵈ;
(öde statt) verwachsen mit paum, stauden und gstrews ..
da lies Rupertus raumen ab
holz und gestrews, alles abhawen.
22, 482, 14. 34 Keller-Götze;
ein kleines haus
sehe ich dort in dem gestreusze stahn.
J. Ayrer kön. Theodos. 167ᵃ;
zu suchen, geh ich drauff, sobald ich solches weis,
den mörder, diesen schelm, im wald und im gestreüsz.
D. v. d. Werder Ariost 24, 23, 8;
sie verstecketen sich, doch in guter ordnunge, hinder ein geheck oder gestreusz zum hinderhalt. eselkönig 288; höret er in dem gesträusz sich etwas regen. ebenda; ob das gebürg oder die ebene mit dickem gebüsch, gesträusz und wäldern, oder mit liechtem holtz bewachsen. Böckler kriegsschule (Frankfurt 1668) 334.
2)
gebüsch, gesträuch: und was ain feintlich gestreusz und ain hegge mit rauen doren umb das schlosz. Burk. Zink Augsb. chr., städtechr. 5, 106, 18; darauff (auf dem hag oder wall) steht ein gestreusz und hecken, das darüber nit liederlich (leicht) zu kommen ist. S. Frank weltb. 80ᵃ;
ist mir ein specht zu sehen worn
ausz einem dicken gstreus auffliegen.
H. Sachs 5, 252ᵈ;
wir wöllen uns in dem gestreusz
verhalten hinter dem geheusz
heimlich und still.
3, 1, 118ᶜ;
(wie) dort hoch an ein berg sein geisen
in eim gesträusz die zweig abreiszen.
Fischart 3, 311, 134 Kurz, kloster 10, 1039;
zwei wässerlein, welche durch etliche gesträusz und steine daher rauschen kamen. Philander 1, 112; der alte vermercket hinder einer hecken oder gebusch ein kleines geräusch ... alleinig sehe er nur, dasz sich das gesträusz bewege. Abr. a S. Clara Judas 1, 249; gesträusz, virgetum, virgultum, arbustum Aler 928ᵇ;
es lies ein tapffrer mann
sich blicken im gesträusz, dahin er sich verborgen.
Rist Parnass 412;
wann ich statt des waldgesträuszes
reben erst hab angepflanzt.
Rückert werke 2, 534;
noch bair.-östr. gsträusz, gebüsch Schöpf 719. Lexer 243, gstraisz Castelli 155. östr. weisth. 6, 449, 11 (von 1644), gestraisz 448, 39, gestreisz 100, 16 (von 1738).
3)
dorngestrüpp: dorn-gesträusz Schöpf 719 (von 1738); von distlen, gstreisz. ebenda (ende des 18. jh.); kärnt. gstreis, dornhecke Überfelder 124.
4)
reisig, gezweig: vil holtz, stöck und gestreusz. geschwenk Bebelii x 3;
in einem busche in der nech
thet ich durch das gestreusz nein schauen,
da sasz ein gsell bei einer frawen.
H. Sachs 5, 403ᵇ;
das gestreusz sive gestreusze, suffrutices, dürres gestreusz, cremium Stieler 2191; gesträusz, so dürr. Kirsch corn. 2, 149ᵃ; dürres gesträus Weber deutsch-lat. wb. 353ᵇ; östr. das gsträusz, gstreisz, reisig Hügel 74ᵇ. Loritza 56ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4250, Z. 1.

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Zitationshilfe
„gesträusz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestr%C3%A4usz>, abgerufen am 28.11.2021.

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