Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestrackt, adj.

gestrackt, adj.
part. zu strecken (s. d.) mit rückumlaut, ahd. gistract, ki-, kestraht, mhd. gestract, gestraht.
1)
ausgestreckt: mhd.
daʒ ir apgot nider lâgen
gestraht an dem esterîche.
bruder Philipps Marienleben 3366 Rückert;
diu tierl (furunculi) unkäuschent mit enander gestracht. Megenberg 139, 6; ein klagendes weib spricht
an ditz gestrakt (aufgetöst) gebende
bin ich von schulden gevallen.
Moriz v. Craon 1770;
gestrachti hant, palma. voc. opt. 1, 129 Wackern.; nhd. gestrackte hand, manus extensa voc. inc. teut. i 5ᵃ.
2)
gestreckt, gerade: daʒ er domit (mit den schweinen) den nechsten gestrackten wege zu der wesserung treibe. Nürnb. pol.-ordn. 283 Baader; in einem lauff, den gestrackten wol gebanten weg der hell zuͦ. S. Frank spr. 1, 125ᵇ; und begaben sich mit einander uff den gestrackten weg gegen Vindelisora zu. Amadis 1, 191 Keller; gestrackts wegs ein erbar stadtgericht umb verfügung der gant (öffentlichen versteigerung) anlangen. Haltaus 692 (von 1610); die gestrackten linien. Dürer underweisung (1538) A 5ᵇ; darnach zeuch die gemachten punckten mit gestrackten linien zusamen. P 3ᵇ; der häring hat ein gestrackts eingeweid oder därmle .. dann sie kein ander eingeweid haben dann allein eins, einfaltigs, gestrackts durch den leib ohne krümm oder gehenck. Forer fischb. 5ᵇ.
3)
ohne umschweife oder vorbehalt, unbedingt, fest: haben wir dir her zu komen und von dannen widerumb an dein sicher gewarsam, unser und des reichs frei gestrackt sicherheit und geleit geben. keis. maj. citation und gleitsbrief gen Wormbs auf den reichstag 1521 bei Luther 1, 433ᵇ; auff das schulampt und regirunge der jugent sollen unser seelsorger, prediger und die zehen vorsteher ein unnachlessig treulich auffsehen haben und alle sontage derwegen notdürfftig bedencken und rahtschlag halten und mit gestracktem ernst handhaben. 2, 265ᵃ Jen., 12, 25, 16 Weim.; der lust und das licht wird mit nichte mit eigenem luste eingezogen, sondern er ist ein gestrackter und ernster lust in got, der einen grawen hat in allem dem, das nit got ist oder von gotte abfürt. Carlstadt von dem sabbat B 1ᵇ; die gestrackte kraft, feste furcht gottes .. sei mit dir, bruder Ernst. Thom. Müntzer an den grafen Ernst v. Mansfeld bei Luther 3, 133ᵇ; das du auch wissest, das wirs gestrackten befehl haben, sage ich, der ewige lebendige gott hat es geheiszen. ebenda 134ᵃ; sy stont gestrackt (steif und fest) uff irem sinn. Keisersberg bilg. 39ᵈ.
4)
adv. sofort, vgl. gestrack 2, gestracks und gestrackts: weilen aber der hiesigen inwohner überflüssig vil, so sollen die frembden (tagelöhner) sambt iren weibern gestrackt ausgeschaffen werden. tirol. weisth. 4, 271, 2 (17. jh.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4246, Z. 63.

straken, vb.

straken, vb.,
'streicheln, schmeicheln, liebkosen': aber mein süszes kind strakete mir mit ihren süszen händleins meine wangen Meinhold d. bernsteinhexe 229. das hier in hochdeutscher umgebung verwendete wort ist nd. herkunft, vgl. mnd. straken: he (Christus) en strakede unde saluede nicht de vorsten vnde koninge, men he hartliken se bestraffede bei Schiller-Lübben 4, 426; ebda weitere belege ebenfalls aus dem ende d. 15. jh. in mundarten: Mensing 4, 876; Doornkaat-Koolman 3, 331; brem.-ns. wb. 4, 1055; Richey 293; Böning Oldenburg 109; Danneil 214 (sick straoken); Dähnert 466; Mi 87; Frischbier 2, 377;
deels sünt (die mädchen) so flink, as ene brut,
mit oegeln un mit straken
de keerls verleewt to maken
Voss in: Gött. dichterbund 1, 105 S.
straken mit ā aus ŏ (s. Lasch mnd. gramm. § 89) entspricht nl. strooken 'übereinkommen, übereinstimmen, streicheln, schmeicheln', ostfries. (saterl.) strôkje 'streichen, streicheln, schmeicheln' Doornkaat-Koolman 3, 340, mit denen bis auf die konsonantendehnung ags. stroccian 'streichen' und mhd. strocken 'straucheln' (s. Wissmann nom. postverb. 1, 131; 185) übereinstimmt; schwundstufiges deverbativum zu altnord. striúka 'streichen, mit der hand über etwas fahren, abwischen, schnell gehen, sich fortmachen, entgleiten'; germ. *streuk — ist wie *streik — erweiterung der idg. wurzel sterə- 'ausbreiten', s. Franck-v. Wijk 678; Walde-Pokorny 2, 638 (doch lassen sich die dort getrennten wurzeln ster 4 'streifen', 5 'ausstreuen' und z. t. 'starr sein' nicht sicher scheiden).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1951), Bd. X,III (1957), Sp. 816, Z. 5.

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Zitationshilfe
„gestrackt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestrackt>, abgerufen am 03.12.2021.

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