Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestrange, gesträng, n.

gestrange, gesträng, n.
coll. zu strang (s. d.), die stränge:
schiffe, mast und segeltücher machet man hier vom gesträng.
Neumark neuspr. palmb. 56;
am pferdegeschirr:
nun, da du dein geschütz mit abgehaunen
gesträngen lässest stehn in eis und moore.
Rückert ges. ged. 2, 15 (geh. son. 24);
aus dem gestränge schlagen, wie aus dem geschirr schlagen sp. 3890; das gestränge an den maschinen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4248, Z. 8.

gestreng, adj. und adv.

gestreng, adj. und adv.
verstärktes streng (s. d.), unverkürzt gestrenge. vgl. gestrenglich.
1)
stark, gewaltig, tapfer: an ritterlichen ubungen was her (landgr. Ludwig d. h.) gestrenge unde freidig. Ködiz h. Ludwig 18, 28; die ritter söllen sein gestreng, dörstig (kühn) und unerschrockenlich. A. v. Eyb spiegel d. sitten 106ᵇ; gestreng, dapfer, fortis vir, audax, bellicosus Henisch 1579. Rädlein 377ᵇ;
du bist von kraft gestreng.
Simrock leseb. 86;
daher als titel und ehrenprädicat des ritterstandes, in lateinischen urkunden strenuus:
den rittern unde knechtin
schrîbit man den gestrengin.
Rothe ritterspiegel 705;
do sprach der erbere gestrenge, er (herr) Rudolf Schenke. Ködiz 57, 18; gestrenge, strenuis Dief. 555ᵇ; dem gestrengen und vesten Francisco von Sickingen. Luther 1, 501ᵃ; dem gestrengen und ehrnvesten Hans von Sternberg, ritter. 5, 123ᵇ; der gestreng und weit gewandert ritter Aloysius. S. Frank weltb. 211ᵃ; der edle, gestrenge, ehrenfeste und wohlbenamte herr Hans Schweinichen, ritter. Schweinichen 1, 18; sodann auch auf hohe fürstliche beamte übertragen: dem gestrengen und ehrnvesten Hans Löser, erbmarschalck zu Sachsen. Luther 5, 461ᵇ; dem gestrengen und vesten Hans Metsch, heubtman zu Wittemberg. 4, 462ᵃ; (einem obristen, der nit vom adel ist) dem gestrengen, ehren: und nothvesten N. N. obristen uber etc. Sattler phraseologei (1607) 173; ebenso im reformationszeitalter auf die frauen des niedern adels: er (Luther) liesz ein frag umbgehen, wie das (hebr.) wort chail auf gut deutsch zu geben wer, ob mans 'heuszlich', oder 'erbar, tugentsam, rathsam, vernünfftig' deutschen solle. da etliche des newen worts 'vil tugentreich und gestrenge' erwehneten, (sagte Luther) wir wöllen mit den frawenzimmer-worten und 'festen und gestrengen frawen' in unsern heusern und bibel unverworren sein. Mathesius Luther 155ᵃ; noch bair. gstrenge frau Delling 1, 217; nach dem niedergang des ritterthums führten die landedelleute den titel fort, auch die patrizier der städte, die doctoren und licentiaten Schm.² 2, 816: dem alten adel ist auf dem jüngst gehaltenen landtag gnädigst verwilliget worden, dasz denenselben von denen privatis 'wohl - edl und gestreng' zugeschrieben, auch ihre töchter 'fräulein' tractiert werden sollen. bair. mandat von 1669 bei Schmeller; die edelleute auff dem lande pflegen von ihren bedienten und unterthanen entweder 'ihre gestrenge' oder 'gestrenger juncker' begrüszet zu werden. Nehring lex. (1717) 415ᵃ; bis er durch gnädiger herr, gnädige frau verdrängt wurde: dasz so lange man die ritterguthsbesitzere noch gestrenge (im register gestrenge junker) geheiszen, selbige gnädige herren gewesen, nachhero aber, da man sie gnädige (im register gnädige herren) benennet, gestrenge herren geworden wären. Klingner dorf- u. baurenr. (1749) 1, 127; denn der titel war bereits tiefer gesunken: gestrenge, in der titulatur ein ehrenwort, so insgemein denen officiern, soldaten und anderen kriegsbedienten pfleget beigeleget zu werden. Nehring (1717) 414ᵇ; schon Grimmelshausen macht sich über ihn lustig: es wäre einem viel rühmlicher, wann er 'freundlich' titulirt würde, als 'gestreng'. Simpl. 1, 157 Keller; doch blieb er bis zur neuzeit (wiewol mit anlehnung an gestreng 4) lebendig in der wendung gestrenger herr, wie Luther die ritter Franz v. Sickingen und Hans v. Rechenberg anredet 1, 501ᵃ. 2, 271ᵃ: der bube (zu Götz). gestrenger herr! Göthe 8, 9;
Frieszhardt (zum landvogt). gestrenger herr, ich bin dein waffenknecht.
Schiller XIV, 356 (Tell 3, 3);
(Daniel zu Franz Moor) seid ihrs, gestrenger herre, der so gräszlich durch die gewölbe schreit? II, 175 (räuber 5, 1); hab ein geschäft, gestrenger herr, antwortet sie. H. v. Kleist Käthchen v. Heilbronn 1, 1; scherzhaft als anrede an Ptuto:
gestrenger schulz im Tartarus.
Schiller I, 252, 1;
in Baiern werden niedere beamte, wie pflegsverwalter, kastner, mautner, von ihren haus- und amtsuntergebenen streng oder gstreng tituliert, was noch durch mandat von 1651 ihnen bei 10—20 reichsthaler strafe, den untergebenen unter öffentlicher geigen- und schandsäulenstrafe verboten war. Schm.² 2, 816; auf dem lande ist der adliche gerichtsherr der gnädig herr, sein verwalter oder gerichtshalter der gestreng herr. ebenda. vgl. die fem. gestrenge, gestrengde, gestrengheit, gestrengigkeit.
2)
hart, eng, schwer, schwierig: gestrenge, arduus Dief. 46ᶜ; gestrenge, difficilis Stieler 2189; das thürschlosz geht etwas gestreng; schweiz. gestrenge, fest, stark, nicht leicht zugänglich: ein gestrenger pasz von Zurch nach Winterthur. Bluntschli bei Heynatz antib. 2, 49.
3)
hart, scharf, von sturm und frost: in der selbien nacht do quam ein gestrenge, ungeheure, mechtigk, grosze stormwindt. Stolle thür. chr. 170 Hesse;
dasselb wetter (hagelsturm) was gestreng und hart.
Teuerdank 72, 90;
die drei verrufenen kalten tage im mai, Pancratius, Liberatus und Servatius heiszen im volksmund die drei gestrengen herren, vgl. unten nr. 4, f.
4)
ohne schonung gesetz und pflicht, zucht und gebühr einhaltend.
a)
in bezug auf göttliches und weltliches recht: (landgr. Ludwig) was gerecht und gestrenge an dem gerichte. Ködiz h. Ludw. 9, 1; ich kandte (im kloster) Christum nicht mehr denn als einen gestrengen richter, für dem ich fliehen wolt. Luther 6, 23ᵃ. 1, 15ᵃ Jen.;
schauet, wie sie die entblöszeten arme zu dem gestrengen richter streck.
A. Gryphius (1698) 1, 175;
ernst und gestrenge das gericht gottis und der zorn ist. Luther 9, 651, 34 Weim.; gott, der du hast durch die sintflut, nach deinem gestrengen gericht, die ungleubige welt verdampt. 12, 43, 27; jetzt musz ich sein gestreng gericht erdulden. Reiszner Jerus. 2, 102ᵃ; (gott) nach deiner gestrengen gerechtigkeit. Mathesius de profundis G 4ᵃ; der gestrengen gerechtigkeit gottes genug thun. Sarepta (1562) 256ᵇ; wirstu keine gerechtigkeit üben, so gedenke an den tag der gestrengesten gerechtigkeit. pers. rosenth. 1, 12; allgemeiner: es werde pald ain gestreng verpott ausgeen. Baumann quellen 2, 395; man erzählte in der stadt, dasz die nacht darauf ein gestrenger rath selbst in aller stille habe weiter graben lassen. Freytag werke 12, 200;
die lerche will gestreng, die nachtigall gestrenger
gerichtet sein.
Gleim werke (1811) 3, 219.
b)
im benehmen und verhalten, scharf, ernst, hart, unfreundlich, unerbittlich: gestreng, severus, asper, acerbus, rigorosus Henisch 1579. Duez 196ᵃ; gegen den andern aber, so wilde, stoltze und vermessene hertzen sind, brauche einen ernst und sei gestreng. Luther tischr. 128ᵇ; hab nicht gestrenge acht auf meine werck. werke 1, 29ᵇ; das in stifften und klöstern so gestreng die priester werden verbunden zu den jerlichen messen. 1, 317ᵇ;
so freindlich als gestreng.
Weckherlin 40 (ps. 10, 21);
zu rechter zeit gestrenge sein, ist eine gottes-furcht;
dem schwerte bückt sich billich der, der keiner hand gehorcht.
Logau 2, 10, 99;
lauffet etwan ein hündlein mit ihnen aufs feld und der gestrenge herr hegereuter oder förster kommet dazu, so bekommt der arme bauer die haut voll schläge. Gerber sünden d. welt (1701) 480; wurde mein vater endlich gestrenger, gab mir auch .. ein paar ohrfeigen. Felsenb. 3, 149; substantivisch: Franz (zu Julie). gestrenge, was soll ich thun? Lenz 1, 186.
c)
gewissenhaft, sorgfältig, peinlich genau: dieweil aber ain erber rat sehen und vermerken der gemaind so ernstlich und gestreng furnemen und anhalten. Baumann quellen 2, 148; vermittelst einer gestrengen methode. Kant 8, 128.
d)
ernst, herb, von den gesichtszügen: so klärten sich ihre gestrengen gesichter auf. Thümmel reise (1794) 3, 22.
e)
enthaltsam, der bequemlichkeit und den genüssen entsagend: alle heiligkeit und gestreng leben sanct Hieronymi und Augustini. Luther 2, 172ᵃ Eisleb.; welch ein gestreng und einsam leben haben sie geführet. Arnd Thomas a Kempis (1670) 43.
f)
allzu streng, grausam: gestreng, wüterisch, tyrannisch Henisch 1579; gestreng mit eim handlen, crudelem, durum esse erga aliquem, tractare inhumane. ebenda; es hat bei den allerhöhesten leuten, wie Origenes, allzu hart, gestreng .. gedaucht, das er (gott) die menschen so dahin werffen und zur ewigen pein geschaffen haben solt. Luther 2, 271ᵃ; gestrenge fragen, wie peinliche fr., auf der folter gestellte. Tengler laiensp. 108ᵇ; gestrenge herren regieren nicht lang. Henisch 1579. Steinbach 2, 740; das gestrenge recht das gröszeste unrecht. Luther 5, 246ᵃ. Henisch a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4252, Z. 56.

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Zitationshilfe
„gestreng“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestreng>, abgerufen am 27.11.2021.

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