Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gestrick, n.

gestrick, n.,
unverkürzt gestricke.
1)
coll. zu strick, seil: o thet jm einer das trifach gesail und gestrick umb sein ruszigen halsz. Garg. 153ᵇ (284 Sch.).
2)
verbalsubst. zu stricken, in oder an einander schlingen, flechten, das stricken und das gestrickte.
a)
das geflecht, netz: und sol ouch weder man noch frowe kein ander gestricke (zum fischfang) machen, das enger sy danne die egeschriben modeln. Straszb. verordn. 183 Brucker (von 1425); schäkernde mädchen sitzen in der grotte mit netzegestrick in ihren flinken händen. Bronner fischerged. (1787) 14;
und ihm war das gestrick von den knieen gesunken des netzes,
das er zur hälfte bereits mit hölzernen nadeln vollendet.
Mörike id. v. Bodensee 66;
das höllische gestrick (das giftige gewebe) hinweg zu streifen
versucht der starke (Herkules).
Kosegarten dicht. (1824) 1, 173;
gestrick an einer perruquen. Comenius orb. pict. 2, reg.; wann die haare gewaschen und gesotten, werden gestricke gemacht und die haare mit eingeflochten. 192.
b)
strickarbeit, strickerei, strickzeug: Noema erdachte mancherlei gestricke unde gewircke von wollen unde von baste unde von andern dingen. Rothe dür. chr. in Schlorffs abschrift von 1487 bl. 166ᵃ, Germania 18, 377; gewebe und gestricke zu weiblicher zier. Speidelii speculum (1686) 2, 636ᵃ;
denn ietzo ruhn gestrick und rocken.
Günther 296;
(weglegen) die damen ihr genäh und ihr gestrick.
Rückert ges. ged. 1, 142;
(sie) nahm ihr gestrick, um auf dem ofenbrettlein
vorm schlaf noch ein paar maschen abzuthun.
161;
bair. das gstricket, das was oder woran gestrickt wird, strickzeug Schm.² 2, 809; tirol. das gstrick, die zum stricken erforderlichen nadeln Schöpf 720.
c)
gestrick von haaren 'heiszet dem Augspurgischen frauenzimmer diejenigen zusammengeflochtenen und mit rothem atlas überkleideten, zuweilen auch mit güldnen schnürlein unterflochtenen zöpfe oder wülste, so sie statt der hauben im sommer zu tragen und über die haare zu schlagen pflegen' Amaranthes frauenz.-lex. 575.
d)
das gestrick, flosz von ganzen buchenstämmen, die nur vorn an einander befestigt sind. bair. landrecht von 1616 p. 755; zwei oder mehrere mit einander verbundene flösze. Schm.² 2, 809.
e)
dichtverschlungenes gezweig, dickicht: Emanuels kleines haus stand am ende des dorfes in einem gestrick von jelängerjelieber. J. Paul Hesp. 1, 242.
f)
bildlich, gewebe von lug und trug:
durchs verwirrte truggestrick.
Rückert werke 7, 222.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4256, Z. 73.

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Zitationshilfe
„gestrick“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestrick>, abgerufen am 27.11.2021.

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