Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gestrickt, adj.

gestrickt, adj.
part. zu stricken (s. d.).
1)
mit stricken oder schnüren befestigt, gebunden: gestrickt, laqueatus voc. inc. teut. i 5ᵃ;
sie wâren gewappent ûf die just,
die schilt gestrickt ûf die brust.
liedersaal nr. 125, v. 248;
den habich, der gestrickit stât
uff eime guldîn ricke.
Cersne minne regel 3979;
gestrickt fahren, mit zwei oder mehrern verbundenen flöszen fahren Schm.² 2, 809, vgl. einzelne bäume eines floszes oder ganze flösze an einander gestricken oder angestricken, sie mit einander verbinden, abgestricken, trennen. ebenda.
2)
bildlich, eng verbunden, verstrickt:
die fledermeuse ligent gestricket
an einander und gezwicket
und swer ir eine zeuhet hindan,
so loͤsent sich die andern san.
Renner 19939.
3)
mit stricknadeln verfertigt: mhd.
ir zopf und ir goltvarweʒ hâr ..
(hatte sie) gevaʒʒet und gebunden
in ein gestricket hüetelîn,
daʒ was von sîden alsô vîn.
Konr. v. Würzburg troj. kr. 7495;
nhd. gestrickt claid, acu picta, ciclas voc. inc. teut. i 5ᵃ; die gestrickte hauben, reticulum Maaler 177ᵇ; gestrickte haube, kleines lichtes, aus seide oder zwirn gestricktes häublein der weiber auf dem lande zur sommerszeit Amaranthes frauenz.-lex. 575; gestrickt hembd, strimpff, indusium, tibialia reticulata Henisch 1579. Rädlein 377ᵇ; gestrickter sack, rete Krämer 553ᵇ; substantivisch: gestrickts, zodelen, trodeln, geklöppelts an bettdecken, funiculi in quatuor oris operimenti Henisch 1580; das gestrickte, die strickarbeit, wie gestricke 2, b:
das gestrickte mit den nadeln ruhte
zwischen den gefaltnen zarten händen.
Göthe 2, 105.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4257, Z. 43.

stricken, vb.

stricken, vb.,
'eine schlinge, einen knoten knüpfen; binden; einen faden zu einem maschengewirk verknüpfen'; denominativum zu strick 'schlinge, knoten'. ahd. mhd. mnd. mnl. stricken, nnl. strikken; ags. gestricedon netta hiora 'reficiebant retia sua', nur Mth. Lind. 4, 21, weicht im konsonantenstand, vielleicht auch in der bildung ab. aus dem deutschen entlehnt ist dän. strikke, s. Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 2, 1180.
1)
als ableitung zu strick 'schlinge, knoten' tritt das verbum zunächst in der bedeutung 'eine schlinge, einen knoten knüpfen' auf, wird aber schon früh für die vorgänge des knüpfens, bindens und schnürens überhaupt angewendet, wobei die begleitvorstellung 'mittels schlingen oder knoten' bald zurücktreten kann. dieser gebrauch des wortes ist vorwiegend in der älteren sprache lebendig, zeigt aber im jüngeren nhd. noch starke nachwirkungen, die sich zum teil aus archaisierender wiederaufnahme der alten bedeutung erklären. zur glossographischen und lexikalischen buchung vgl. laqueo stric kin (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 204, 8 St.-S.; strictus gistricheter, gestricter (Heinrici summarium, 12. jh.) ebda 3, 260, 3; nectere stricken, knipfen (1462) in: Mone anz. f. kunde d. teutschen vorzeit (1838) 162; stricken vel knutten nectere bei Schiller-Lübben mnd. wb. 4, 433ᵇ; vincire seylen, spannen, stricken, häfften Schöpper synonyma (1550) e 6ᶜ; stricken, hefften ligare, attacare Hulsius dict. (1618) 1, 242ᵇ; stricken, anhefften aliquid alteri nectere; hart zusammen stricken contendere vincula Aler dict. (1727) 2, 1854ᵃ. bei Kramer, Adelung und Campe ist stricken in dieser bedeutung nicht als im gebrauch befindlicher ausdruck verzeichnet. in der heutigen mundart begegnet es nur vereinzelt: einen sack, das halstuch, einen schuh, schurz o. ä. stricken 'zuknüpfen, (zu-)binden' Fischer schwäb. 5, 1866; stricka binden, knüpfen, z. b. das halstuch, die strumpfbendel Sartorius Würzburg 120.
a)
'eine schlinge, einen knoten knüpfen'. so bei Notker ein seil stricken 'es zu einer schlinge knüpfen': unde denitôn sie seîl mînen fuôzen ze stricche, das chit, sie strictôn iro seîl, daz mîne fuôze darana gehaftetin (ps. 139, 6) 2, 581, 20 P. später entsprechend jmdm ein seil um den hals stricken: won sú bundent im hend und fuͤsse ze samen und striktent im ain sail umb die kelen, daz er kum den atem hatt St. Georgener pred. 29, 19 Rieder; die funff wurden zu dem galgen gefurt, und wurden in seil umb die helse gestrickt Lanzelot 1, 223, 21 Kluge; und het damit den gürtel, den er umbgehabt, an sein halsz gestrickt, und jm selbs den tod angethan H. Boner Herodian (1532) 62ᵇ. in gleicher auffassung: rosszhaar vmb die wartzen oder geschwer hart gestrickt, macht sie herab fallen Heyden Plinius (1571) 209. mhd. auch reflexiv sich stricken 'sich verknüpfen, in knoten schlingen':
darumbe wâren geleit
edele steine genuoge,
ieglîcher fuoge
dâ sich die maschen strihten,
kriuzewîs sich schihten
Hartmann v. Aue Erec 7721.
häufiger aber stricken 'knüpfen' mit angabe des ergebnisses (schlinge, knoten):
sin zwivil mahtin als unvro
das er uf ewig unheil
zeinim stricke strichte ein seil
ob sinim bete und hienc sich dran
Rudolf v. Ems weltchronik 29 856 Ehrismann;
zwivele nichtesnicht an gote.
nie wart kein suntlicher knote
gestricket in so leiden haft,
in losete wol der ruwen kraft
passional 133, 47 Köpke;
dieweil er nun strickt mit der handt
den knopff und an die thüren bandt
Wickram w. 8, 223 lit. ver.;
sol man machen ainen strick, damit man den fygwartzen vnden, da er eng ist, wol pinden sol. vnd wann der strick sich entwint, so sol man in bas stricken Mynsinger v. d. falken 67 lit. ver.im jüngeren nhd. selten:
... dasz den vätern oft ein duftiges geschick
mit gnadenreicher hand verhasste knoten stricket
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 15.
wohl doppelsinnig auf bed. 2 anspielend: die thatsachen sind wahr, aber ihre verknüpfung haben frauenhände gestrickt Gutzkow ritter v. geiste (1850) 5, 122.
b)
in breiter verwendung der bedeutungen 'knüpfen, binden, schnüren' gibt stricken, oft im verein mit präpositionen oder adverbien, die vorgänge des festknüpfens, anbindens, zusammenbindens oder -schnürens usw. wieder.
α)
ohne präposition; 'festknüpfen':
wie man den helm stricke,
des han ich vergezzen lange
Ulrich v. Türheim Rennewart 29 596 Hübner;
Alpart stont vff der heyde,   sin ros in dem clee,
er stryckt das vorgebüge   vnd gurte sin ros basz,
es ducht jne hart gefüge:   wye rytterlich er dar vff sas
Alpharts tod 142, 3 in: v. d. Hagen heldenbuch 1 (1855) 300.
archaisierend:
so stricket mir die riemen,
seid ihr ein biedermann.
der kampf muss mir geziemen,
den ihr mir bietet an
Uhland ged. 1, 382 Schmidt-H.
'aneinanderbinden':
... manige valsche bruoder,
die bœsiu geselleschaft und auch luoder
zesamen füeget unde zwicket,
als her Sampsôn fühse stricket
(richter 15, 4) Hugo v. Trimberg d. renner 20 094 E.
'zusammenbinden': die floszlewt sullen von ainem gast nemen ... von gestricktem holz, das ze recht geladen ist, X szl. dn. (satzung d. Münchn. floszleute, um 1346) bei Schmeller-Frommann 2, 809. 'binden, fesseln': du bist gestricket (illaqueatus) mit den worten dines mundes (spr. Salom. 6, 2) bei Schiller-Lübben mnd. wb. 4, 433;
nach dem jr hend den keiben gstrickt
sönd jr in füren ylends schnell
gen Macherunta ins castell
J. Aal Johannes 131 ndr.;
von ferne stund bei ihr (der gefesselten nymphe)
ein garstiger waldgott, ein ungeheures thier,
der eben fertig war mit stricken und mit binden
Rheinbaben poet. übersetzg. (1711) 76.
β)
stricken an 'an etwas festbinden, -knüpfen':
einen vanen wizen
mit eime crutze, vnd gestricht
an einen schaft
Ludwigs kreuzfahrt 7484 N.;
des ersten ist er mit nassen sailern vnd nachmals mit ainer kettin nackent an disen pfale gestriket ... worden Niclas v. Wyle translat. 229 Keller; gieng in ir kamer über iren kasten, da der glückseckel innen was. den stricket sy gar wol an iren gürttel (1509) Fortunatus 116 ndr. bildlich:
swer in der werlde sich verzwicket
und in der gîtigkeit ersticket,
alle sünde er an sich stricket
Hugo v. Trimberg d. renner 8125 E.;
die stim ist nicht frej gelassen, sondern sie ist gebunden und gestrickt an gottes wort Luther 47, 455 W.; mit nichts strickt uns eine schöne mehr an sich, als wenn sie uns anlasz giebt, ihr eine gefälligkeit zu thun Jean Paul w. 1/2, 191 Hempel. — an ein seil stricken 'anbinden': darmede leet he den paves Paschalis unde de kardenale stricken an sele; he leet se trecken ute den munster ghebunden unde ghevanghen d. lübeckischen chron. 1, 20 Grautoff. bildlich:
Parzivâl reit âne vrâgen
dâ die bluotes zäher lâgen.
do er die mit den ougen vant,
frou minne stricte in an ir bant
Wolfram v. Eschenbach Parzival 288, 30;
scheiden, du bist ein schweres seil,
ich bin gestrickt daran
(1582) Ambraser liederbuch 252 lit. ver.
dagegen: (er) ward ... an galgen gestrickt ('aufgeknüpft') Stumpf Schweizerchron. (1606) 417ᵃ.
γ)
stricken um, von der kopfbinde: dar umbe stricket man dir eine binden umbe daz houbet. diu bezeichent einen helm, den man einem ritter ûf bindet, sô er an den strît sol Berthold v. Regensburg pred. 1, 300, 8 Pf.; redimiculum etwas so vmb das haupt gestrickt wirt, oder von dem abhin hanget zur zierd, ein zierliche hauptbinden Calepinus XI ling. (1598) 1234ᵇ.
δ)
in einen sack stricken 'einknüpfen, einbinden':
darumb du nindert basz zu töchtest
denn dasz man in ein sack dich strickt
und in der nacht nach fischen schickt
Weimarer jahrb. 2, 119;
nim fenchelsamen vnd peterlinwurtz: stricks in ein zarts säcklin, seuds in baumöl, ... leg dann das säcklin auff den bauch Gäbelkover artzneyb. 2 (1596) 8.
ε)
weniger häufig in anderen präpositionalen oder adverbiellen verbindungen, mehrfach in bildlichem gebrauch; 'binden, knüpfen, schnüren':
minne diu strickærinne
diu stricte zwei herze an in zwein
mit dem stricke ir süeze in ein
Gottfried v. Straszburg Tristan 12 177 Ranke;
sîn swert striht im daz süeze wîp
vil heize weinde umb den lîp
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 6175 Kapteyn;
so daz den schepfer sin geschaft
menschlichen an die welt gebar,
und sich in einem libe war
kint unde vater underein:
und sich da stricte zuo in zwein
der frone geist enzwischen,
so daz ir drier mischen
was niht wan der eine got
Konrad v. Würzburg d. gold. schmiede 338 Schröder;
wie er der schanden saze
von im mochte schicken
und sich uz ir stricken
passional 317, 38 Köpke;
se (das himmlische heer) hebben eenparlike ere ogen in my (die ewige weisheit) gestricket ('geheftet') horologium 61 bei Schiller-Lübben mnd. wb. 4, 433;
ick (frau Venus) byn nicht de mynste int narrenspyl;
ick the to my der doren vyl.
de syck so ersten to my vorselt,
ick stricke vast ghar mannygen helt
Hans van Ghetelen narrenschyp 13, 4 Brandes;
dann die mancherley secten, so vnder dem glauben Christi eynfallen, stricken das evangelium so in ein engs garn, so Christus das exempel vom rosz nicht geben hette, so dörffte am sabbath niemandts weder essen noch trincken Paracelsus opera 1, 112ᶜ Huser; hier thut die gerechtigkeit schon etwas übriges, strikt ihre knöchel aufs rad, und pflanzt ihre schlauköpfe auf spiesze Schiller 3, 30 G.; sie strickten die segel vom mast und warfen anker J. Grimm kl. schr. (1864) 6, 47.
c)
im mhd. und später wieder häufiger um 1800 begegnet das wort in der wendung etwas (sich) um einen gegenstand stricken mit der leicht abgewandelten bedeutung 'schlingen, winden', von pflanzen auch 'ranken':
sînen zoum begunde er sweifen
und umb die hant stricken
Heinrich v. d. Türlin diu crône 6367;
der wint was stark, der regen kalt:
sîn mantel machte er zwivalt,
und strikt in vast umb sînen lîp
Ulrich Boner edelstein 66, 35;
do er (der slange) gesunt wart unde snel,
er strict sich um des mannes kel
ebda 71, 20;
oder stricket sie um schwarz verglühte felsen
ihren schuppenleib?
maler Müller w. (1811) 2, 310;
wie um ihren stab die rebe
brünstig ihre ranke strickt
Bürger s. w. 38ᵃ Bohtz;
wo um schroffe felsenhänge
sich die epheuranke strickt
Matthisson schr. (1825) 1, 27;
den wildliebenden bruder ..., der seit jener beichtnacht gleichsam mit eichenwurzeln sich um den liebling strickte Jean Paul w. 15/18, 235 Hempel. besonders auch die arme um jemanden stricken 'schlingen':
und des frisch erkämpften weibes
freut sich der Atrid und strickt
um den reiz des schönen leibes
seine arme hochbeglückt
Schiller 11, 392 G.;
wenn ich nie mit schlanken armen
mich um deinen nacken stricke
Platen w. 1, 362 Hempel;
zwei arme strickten sich um seinen nacken Immermann w. 5, 9 Hempel; sie antwortete nicht, aber sie strickte ihre arme fester um meinen hals Storm s. w. (1900) 8, 135.
d)
im 14. jh. finden sich übertragene anwendungen, in denen sich stricken, etwa im sinne von 'sich verbinden, verbünden', auf den anschlusz an eine vereinigung oder den zusammenschlusz zu einer solchen bezogen wird (vgl. strickung 'bündnis' und strickbrief 'bündnisurkunde'): daz wir vns in der stete Erford, Mulhusen vnd Northusen helfe gestrickit vnd gezogin habin (Hessen, 1309) bei Haltaus gloss. germ. (1758) 1757; dasz wir vns zu hauffe han gestrickit widdir alle die, die vns vnrechte tun vnd widder vns sin (Wetterau, 1340) ebda; sich verbinden vnd stricken zu den herrn vnd zu den städten vnd zu weme ihn das nützlich vnd gut ist, ohne wieder das reich (urk. Karls IV., 1349) ebda. entsprechend einer gemeinschaft gestrickt (d. h. 'verbunden, zugehörig') sein oder werden:
Gêrvrit muotes rîch
der dritten schar ze houptman wart gestricket
Lohengrin 4150 Rückert;
der eilfte pâbist Benedict,
der ê dem ordine gestrict
was der predigêre
Nicolaus v. Jeroschin kronike von Pruzinlant 25 299 Strehlke.
e)
nur vereinzelt begegnet das verbum in der an strick 'fangschlinge' anknüpfenden, im mnl. und nnl. geläufigen und auch dem westlichen nd. nicht unbekannten waidmannssprachlichen bedeutung 'mit einer schlinge fangen':
Donald Caird kann hasen stricken,
kennt des rothwilds list und tücken
Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 79;
der in der kreisstadt am tage beeren und pilze verkaufte und des abends ricken und hasen, die er in den wäldern gestrickt hatte H. Löns Mümmelmann (¹²o. j.) 131; en hasen stricken ihn in der schlinge fangen Schmoeckel-Blesken Soester Börde 292. schon früh in bildlicher anwendung: wan hut euch ..., daz auf euch icht kum der gechtag, wan er vberkumt alz der strik ze striken alle, di da siczent auf dem antlucz der erd (tanquam laqueus enim superveniet in omnes qui sedent super faciem omnis terrae Luc. 21, 35) cod. Teplensis (1884) 1, 113. in den folgenden älteren belegen ist diese bedeutung nicht gesichert, da stricken hier auch im sinne von 'binden, fesseln' gedeutet werden kann:
rede unde gebærde und allez daz
daz die gedanke stricket,
minne in dem herzen quicket,
daz begundes an in wenden
Gottfried v. Straszburg Tristan 19 107 Ranke;
hat si der bösz geist gestrickt und gefangen F. Reiser reformation 264 Boehme.
2)
während komposita wie be-, um-, verstricken noch in neuerer sprache die ältere bedeutung des grundverbs (s. unter 1) erkennen lassen, ist das simplex stricken mehr und mehr auf die benennung eines bestimmten technischen vorganges eingeschränkt worden. bereits im mhd. bezeichnet stricken statt des älteren bretten das verknüpfen eines fadens zu regelmäszigen nebeneinanderliegenden maschen, aus denen ein zusammenhängendes netzartiges gewebe entsteht.
a)
netze stricken 'knüpfen': das netze (fliegennetz) was von sîden und von golde harte wol gestricket Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 8511 Hahn; die gemeinen leute stricken jhre bette gleich wie ein garn, unnd solches alles von lauter baumwolle, dan hencken sie dieselbige zwischen zwene balcken, vnd schlaffen also darinne gleich hengend vnd schwebend Scherdiger novae novi orbis hist. (1591) 14; ein dünnes zartes heutlein, gleich einem gestrickten netzlin, mit subtilen vielen äderlein oder fäszlein vmbgeben Ruoff hebammenb. (1580) 35; die niedergehende sonne strickte ein goldenes netz über die landschaft Hopfen d. alte praktikant (³1891) 147. vom netzbau der spinne:
begundt gemächlich an zu heben,
zu spinnen, haspeln, spülen, weben
an thüren, fenstern, balcken, wenden,
stricket mit füssen vnd mit henden
Burkard Waldis Esopus 1, 212 Kurz;
(die tapezier-spinnen) stricken regelmäszige, söhlige, sehr dichte gewebe in den mauer- und fensterwinkeln Oken allg. naturgesch. 5 (1835) 694;
das spinnlein selbst mit groszer müh
braucht die geübte hand;
es hat sein netzlein reich gestrickt,
mit perlenreihn geschmückt
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 3, 199.
α)
insbesondere von der herstellung der fangnetze für fischerei und vogelfang, vgl. texere plagas netze stricken nomencl. lat.-germ. (1634) 381; netze, garne stricken Kramer t.-ital. 2 (1702) 1013ᶜ; das stricken der netze, eine arbeit der fischer, ist nur ganz einfach, und hat grosze ähnlichkeit mit dem filet machen, nur dasz die netze gröber und von starkem bindfaden gemacht werden Krünitz öcon. encycl. 175 (1840) 704: waaten, tauppl und peern (verschiedene gröszen und arten von netzen für die fluszfischerei) nach dem maass des hofmodls gestrickt (1505) österr. weist. 5, 9, 21;
die selb (Arachne) erfand inn irem leben
schneeweisz subtile leinwadt weben.
dergleich durch ir vernunfft anschicken
erfand sie, mit der hand zu stricken
fischnetz und auch die vögel-garn
Hans Sachs 2, 183 lit. ver.;
die hohen netze, welche auff die schnepffen und andere grosse vögel gebrauchet und in viertzig bisz in fünfftzig ehlen lang ... gestricket Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) P 1ᵇ; reise ... ist ... ein gestricktes, mit sprügeln eingefassetes netze, darin man fische fenget Gueintz dt. rechtschreibg. (1666) 116; das stoszgarn wird aus grobem zwirne gestricket Döbel neueröffn. jägerpract. (1754) 2, 165; der vater ..., der die stube, darinn er seine wachtelgarne strickt, seine studirstube nennt br., die neueste litt. betr. 21 (1765) 157; und strickt am vogelgarne A. v. Arnim s. w. (1853) 14, 391; ich habe ihm ein fischnetz stricken müssen Iffland theatr. w. (1827) 4, 24; um ein netz aus garn zu stricken, braucht man auszer dem garn eine netznadel und ein ... strickholz Seligo fanggeräte (1914) 7. — oft bildlich: damit sie gleichwol auch anbetere finden und fahen mögen, und aus geborgten und angeschminkten schönheiten ... ein garn strickend, sich zu einem lockheerde machen S. v. Birken lorbeerhayn (1657) 42; die welt darff deiner unschuld nicht das netze der verführung stricken Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 811;
ich weiss, dass du dein netz als meister strickst,
ich bin ja selbst die erste masche drin,
doch darauf war ich nicht gefasst
Hebbel w. 6, 22 Werner;
o ihr Franken! wie der jäger
spannt dem wilde garn und netze,
also, uns hinein zu treiben,
strickt und stellt ihr uns gesetze
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 138.
β)
als terminus der netz- oder filetstrickerei, einer an die alte netzstrickerei anknüpfenden art der ziergewebeherstellung; vgl. 'man bezeichnet mit netzstricken oder fileten diejenige handarbeit, welche ähnlich wie das handstricken und häkeln mittels eines einzigen fadens, der mit sich selbst verschlungen und verknotet wird, ein netzartiges fadengebilde hervorbringt' Aberle wirkerei u. strickerei (1927) 294; Lorchen (strickt filet) theater d. Deutschen (1768) 9, 287; morgen müsz ich nach dem hochammt zu der gestrengen frau churfürstin, sie will mir absolutement filée stricken lehren; ... sie ... will, dasz ich schon künftigem donnerstag abends in der groszen galla schlacademie öfentlich stricken soll (1777) W. A. Mozart br. 1, 105 Schied.; eine königin, die ihre pflicht kennt, bleibt in ihren zimmern und strickt filet Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 119; während unsre zimperlichen dinger hinter dem ofen filet stricken Fr. L. Jahn w. (1884) 1, 278.
b)
in seiner heute allein noch allgemein gebräuchlichen verwendung bezeichnet das wort die als hausfrauliche handarbeit bekannte knüpfart, durch die mit hilfe von zwei, vier oder fünf stricknadeln dichte maschengewirke, meist kleidungsstücke wie strümpfe, jacken und dergl., hergestellt werden. in der mundartlichen umgangssprache ist dieser gebrauch des wortes in allen teilen des deutschen sprachgebiets (wie auch im südnl.) lebendig, wird aber im alemannischen durch das dort noch gebräuchliche lismen (s. d. teil 6, sp. 1061) eingeengt und hat sich im nördlichen nd. erst in jüngerer zeit gegen zurückweichendes knütten und (mit dem nl. übereinstimmendes) breien (s. Mensing schlesw.-holst. 1, 512; 3, 232; 4, 886) durchgesetzt. zur älteren lexikalischen buchung vgl. reticulum ... est indumentum capitis mulieris ex filis cancillatis artificiose factum ..., gestricket hub bei Diefenbach nov. gl. 318ᵃ; acupicta est vestis acutexta ghestrichet kleyt Tortellius (1495) A 4ᵃ; handschuhe stricken chirothecas acutexere Stieler stammb. (1691) 2194; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1013ᶜ; Adelung 4 (1780) 829. — als bezeichnung einer handwerklichen tätigkeit findet sich stricken nur selten:
ouch sach man dô mit kummer leben
wollær, lodnær und die tuoch verbent,
die buochvel unde leder gerbent,
huotær, wurflær und die dâ strickent
und die dâ altiu kleider flickent
Ottokar österr. reimchron. 65 679 Seem.;
seine eigene, leibliche, natürliche töchtere liesz er (Augustus) lernen die handwercke des wullenwebens, nehen, würcken und stricken Wigand Gerstenberg chronik 14 Diemar; die paretlinmacher .. wann sie jre paretlin gestrickt, gewalckt ... haben Sebiz feldbau (1579) 288; mein vater ist sonst ein hosenstricker gewesen, und wann ich schweren solte, so hätte er die strümpfe, die ihr da anhabt, gestricket d. betrogene schulfuchs (1673) 242. — in Straszburg scheint das wort im 17. jh. neben das im alemannischen heute noch gebräuchliche lismen (s. d. teil 6, sp. 1061 und dazu belege von 1535 und 1653 bei Schmoller Straszb. tucherzunft 155; 306) getreten zu sein, während sich das kompositum hosenstricker (s. d. teil 4, 2, sp. 1843) bereits bei Fischart findet: kellerin und magdlein teütscher oder französischer nation anzunehmen und das stricken oder gelissenen zu lehren oder auch zu befürdern sollen sich die meister (des hosenstricker- und barettmacherhandwerks) fürtershin bey straf vier reichstalern enthalten (1653) bei Schmoller tucherzunft 304; ferner 313; 327. — im 15./16. jh. wird stricken gelegentlich auch in dem weiteren sinne von 'knüpfen, wirken' verwendet: item noch 3 gestrickte girtl 1 rotg., ein mit der farbe, kosten 1 floren ... item ein gebund gestrickte schnurre umb 1 ortt floren (1496) bei Röhricht pilgerreisen 319; seidengestrickt memorialschnür, die man inn die bettbücher legt Fischart Garg. 392 ndr.; vnd führten die in jr gezelt, dasselbige von seyden köstlich, vnnd ausz dermassen reichlich mit mancherley vögelen was gestricket buch d. liebe (1587) 266ᵃ; und das volgk in dem land tregt nur gestrickt schuch an Schiltberger reisebuch 58 lit. ver. der gemeinsprachliche gebrauch des wortes setzt im mhd. ein und nimmt seit dem 16. jh. erheblich zu:
... jâ wâren niht ze guot
ir kleider, diu si (die jungfrauen) truogen. diu strihte ir selber hant,
dâ si der junge Hagene in ir ellende vant
Kudrun 107, 3 Martin-Schröder;
ir zopf und ir goltvarwez hâr
daz hetes an den stunden
gevazzet und gebunden
in ein gestricket hüetelîn,
daz was von sîden alsô vîn,
daz man sô wæhez nie gewan
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 7495;
gestricket hûben mit snüeren
sih ich sumlîche tragen
Seifrid Helbling 1, 272;
es sey nit war, das seyn gestrickter rock, den seyne creutziger nitt wollten teylen, sey mit yhm von iugent auff gewachssen Luther 10, 1, 1, 445 W.; gulden huven kostlick strycken Soester Daniel 86 bei Schiller-Lübben 4, 433ᵇ; tragen sie ... mit sich allweg wüllengarn und strickstöck, hosen, so sie und andere tragen, zu stricken Kirchhof wendunmuth 3, 162 lit. ver.; neben jhm hett er (der patriarch von Antiochia) strickwerck ligen, dann er strickt händeschuch Schweigger reyszbeschr. (1619) 319; dass ein mensch, dem er ... zu ... brod geholfen, lebenlänglich mit nähen, stricken, waschen ... und andern dienstbarkeiten unentgeltlich dem herrn inspector für seine gnade erkäntlich bliebe Lindenborn Diogenes (1742) 1, 255; dasz ich zuweilen meiner mutter wegen meiner kleinen hände beym stricken, wenn etwas verknüpft war, kindliche dienste geleistet Hippel lebensläufe (1778) 1, 98; diese strasse nach Burgund that mir einmal wieder wohl, so friedfertig sah sie aus, ... neugierige dörfer mit strickenden und spinnenden leuten (1814) J. Grimm in: briefw. (1881) 278; ich kann stricken, ich kann nähen, ich kann sogar eine weinsauce kochen, das ist aber alles nicht für sie, ungalanter mann! (1842) L. v. Gall in: br. 43 Muschler; wir armen mädchen! wir leben eigentlich nicht, wir nähen und stricken nur Bauernfeld ges. schr. 1 (1871) 78; gegenüber auf der anderen bank sasz mutter Badekow, wollte stricken, liesz aber die maschen fallen Cl. Viebig die vor d. toren (1949) 260. — bildlich:
ohn kunst, ohn müh, ohn fleisz ich dicht,
...
bisz du guckst, buckst, schmuckst, druckst in kopff,
ist mir schon ausgelehrt der topff;
bisz du flickst, spickst, zwickst, strickst im hirn,
ist mir schon abgehasplt der zwirn
Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 2 (1657) 32;
die 'elegante' (zeitschrift) hatte früher abscheulich schlechte novellen, so recht gestrickte damenarbeiten (1843) L. Schücking in: br. 175 Muschler.
c)
stricken in vereinzelten übertragenen oder abweichenden verwendungen.
α)
gestrickt, von mineralen gebraucht, bezeichnet das gitter- oder netzartige aussehen ihres kristallinen aufbaus: stufen gestrickten silbers aus Potosi Göthe III 3, 144 W.; betrachtung des ... unschätzbaren beyspiels der wechselnden spiegelung an einem ganz frischen exemplar von gestricktem kobalt ebda 13, 141; silberglanz ... tritt ... gestrickt ... auf Muspratt chemie (1888) 7, 1477; bismut, gediegen ... kristallisirt hexagonal rhomboedrisch, meist derb, körnig, blätterig, gestrickt Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 945.
β)
gestrickte gläser eine art filigrangläser mit zwei einander kreuzenden fädenlagen Bucher kunstgewerbe (1884) 139ᵃ. in dieser anwendung auch im dän., vgl. ordbog over det danske sprag 22, 406. — ähnlich von eisernem gitterwerk, s. Fischer schwäb. 3, 564 s. v. gestrickt: ein vogelhausz, mit eisenwerck und gestrickten gättern Grasser schatzkammer (1610) 202.
γ)
alemannisch-schwäb. stricken 'mit kantig behauenen balken bauen' (vgl. weiteres bei Staub-Tobler 11, 2193 unter stricken b und gestrickt b; Fischer schwäb. 3, 564 unter gestrickt): zu Steinen im land Schwytz hat ein landmann ... ein hüpsch neüw gewätten oder gestrickt hauss gebauwen Stumpf Schweizer chron. (1606) 512ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1957), Bd. X,III (1957), Sp. 1574, Z. 55.

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Zitationshilfe
„gestrickt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gestrickt>, abgerufen am 29.11.2021.

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