Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesumme

gesumme,
junges verbalsubstantiv zu dem ebenfalls erst spät belegten summen (s. d.), berührt sich mit dem aus sumsen abgeleiteten gesumse (s. d.) und dem zu surren gebildeten gesurr (s. d.) in der nachahmung des geräusches, das es bezeichnet. unser wort ist das älteste, aber nicht das entwicklungsfähigste unter den verwandten bildungen; erstmals erwähnt wird es 1669: dasz endlich er ein wenig gesumme und gebrumme verursacht. junker Harnisch 294. vgl. gesumme, susurrus, bombus. Steinbach 777. besonders häufig tritt es in den fremdsprachlichen wörterbüchern des 18. jahrh. auf: gesumme der mücken, fliegen, wespen, bienen, the humming of midges. Fritsch deutsch-engl. wb. (1716) 765; gesumme der bienen, bombus Kirsch (1764) 178 u. a. gesumme, gesums het geruisch, ruischen, gonzen van de hommels. Kramer 132.
a)
die ursprüngliche verwendung beruht auf der schallnachahmung des insektenfluges: das gesumme der abendfliegen schwärmt übers feld. Göthe (Werther) 16, 167 (vgl. d. j. Göthe 3, 355);
gesang der vögel und heimen,
des bienenvolkes gesumm.
Voss 4, 281.
b)
übertragen auf die gedämpfte menschliche stimme und ähnliche geräusche:
und wie mit tiefem gesumme die unterste saite der wölbung
leis' anklang, so entflosz stimmlos auch der lippe gemurmel.
Voss Hesiod (Orpheus der argonaut 1002);
er fühlte sich verlassen und einsam unter dem gesumme so vieler unharmonischen seelen um ihn her. Wackenroder-Tieck 186;
dasz euer gesumm' in der nachtscheide
sein werde wie das gesumme der bienen auf der heide.
Rückert 43. makame;
aufwärts gieng's den gepflasterten weg, dem gesumme der beter
antwort gebend ertönt fröhlicher winzer gesang.
Heinrich Leuthold elegie aus dem süden.
c)
in dieser übertragung ergeben sich nebenbedeutungen, gesumme = gebrumme (s. o.): ich habe dich für lieblos gehalten, das ewige gesumm und die feindschaft mit den nachbarn haben mich sehr unglücklich gemacht. Freytag handschr. 3, 72.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4290, Z. 63.

gesumse, neutr.

gesumse, neutr.
zu sumsen wie gesumme (s. o.) zu summen. in wörterbüchern wird diese bildung kaum, oder meist nur neben gesumme erwähnt, während sie in der litteratur reichlicher verwendet wird als dieses: gesumms der bienen. bombilatio. Bayer (Mainz 1733) 288; ebenso bei Schwan (1782) 1, 737, während Rondeau-Buxtorff diese form noch nicht kennt.
a)
auch gesumse geht zunächst von geräusche des insectenfluges aus:
eh noch die fledermaus
den ungesell'gen flug beginnt, eh auf
den ruf der bleichen Hekate der käfer,
im hohlen baum erzeugt, die müde nacht
mit seinem schläfrigen gesumsz einläutet.
Schiller 13, 77 (Macbeth 3, 5).
auch Wagner (Frankfurt 1779) hat hier gesumse, während Wieland und Eschenburg with his drowsy hums durch mit seinem schläfrigen sumsen wiedergeben;
im gesums eintragender bienen.
Voss Luise 1, 152;
tönt mit leisem gesumse dich oft in gemächlichen schlummer.
Voss Virgil ekl. 1, 55 (levi susurro).
b)
übertragen auf das halblaute gemurmel der menschen: ist es möglich, sagte er einsmal gegen den vater, dasz Sie unter diesem gesumse, unter dem geplauder der mägde und unter dem lärm der kinder so manchen schönen abend hier verbringen können. J. Möser phantasien 1, 46; Fiesko: stille! horch! was ist das für ein verworrenes gesumse! Mohr: es ist das geschrei vieler menschen, die vom rathhaus herab kommen. Schiller 3, 51, 16. (Fiesko 2, 4); ein stilles gesumse von spielenden kindern und anderen lustwandelnden menschen wogte um sie her. Fouqué Undine cap. 10. vgl.gesums bei Loritzer idioticon wienense (1847) 50. gesûse bei ten Doornkaat Koolman 1, 620.
c)
die unsichere, unbestimmte form der mittheilung wird auf den inhalt selbst übertragen: der verfasser läszt sich in das gesinge und gesumse wider und gegen die religion gar nicht ein. Claudius werke (1784) 1, 30. vgl. gesumse, das geschwätz. Albrecht Leipziger mundart 122. hiefür in anderen mundarten sums, vgl. Hertel Thüringer sprachschatz 240. Frischbier prcuszisches wb. 2, 387.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4291, Z. 77.

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Zitationshilfe
„gesumse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesumse>, abgerufen am 04.08.2021.

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