Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gesundheitspolizei, f.

gesundheitspolizei, f.,
wie andere ähnliche mischbildungen weniger verbreitet, ersatzwort für medizinische polizei, sanitätspolizei u. a. die wurzeln der institution liegen lange vor dem aufkommen aller dieser benennungen: vgl. G. v. Ehrhart entwurf eines physikalisch-mediz. polizeigesetzbuches (1820) 16 ff. Haeser 1, 807. die gesetze Rogers von Apulien, einzelne verordnungen der deutschen städte und der weisthümer, masznahmen der klöster, seuchenordnungen, kaiserliche verordnungen von kaiser Sigismund ab bilden den grundstock, bis sich an die österreichischen sanitätsgesetze von 1755 ff. eine eigentliche fachlitteratur anknüpft. hier dauert es länger, bis das wort gesundheit überhaupt eingang in die termini findet: Wolfgang Thom. Rauen gedanken von dem nutzen und der nothwendigkeit einer medicinischen polizeyordnung in einem staat. Ulm 1764; J. P. Frank system einer vollständigen medicinischen polizey. Mannheim 1779; A. J. Schütz gekrönte preisschrift über die medizinalpolizeyverfassung. Mannheim 1808; ebendort aber (195) findet sich: so denke ich mir vorzüglich den physiker als den mann von solch hohem berufe, der mit patriotismus und beobach(tungs)geist den genius der gesundheitspolizey zu schneller oder baldiger ausführung zu leiten hat. vgl. 260; und ich sehe dazu kein ander mittel, als .. eine gute gesundheitspolizey und allgemeine aufklärung des volkes. Hufeland kunst das menschl. leben zu verlängern 2², 121; es ist mir unbegreiflich, dasz die gesundheitspolizeyen, die alle consumptibilien so genau beobachten, diese jetzt so wichtige klasse derselben nicht genauer untersuchen. ebendort 333; wie wir aber nun die maszregeln der gesundheitspolizei den einzelnen gemeinden gegenüber ausführen. Wehrenpfennig im nordd. reichstag 6. april 1870. sonst wird in den reichstagsverhandlungen neben gesundheitspflege meist medizinalpolizey gebraucht. — die sorge des staates und der gemeinde für leben und gesundheit ihrer angehörigen äuszert sich als gesundheitspolizei, wo die gebietende und zwingende gewalt des staates oder der gemeinde thätig ist; als gesundheitspflege, wo der zweck durch anregung, belehrung und hilfeleistung verfolgt wird. Bluntschli deutsches staatswb. 4, 300 ff.; (es) wird die öffentliche gesundheitssorge gewöhnlich medizinalpolizei genant, wobei die unterscheidung zwischen polizei und pflege, die dem technischen sprachgebrauche überhaupt nicht geläufig ist, unberücksichtigt blieb. ebendort 301.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4340, Z. 49.

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Zitationshilfe
„gesundheitspolizei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesundheitspolizei>, abgerufen am 06.12.2021.

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