Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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getauft, participiales adj.

getauft, participiales adj.,
das sich in einigen bedeutungen vom verbalstamme isoliert:
1)
ich heisze
der reichste mann in der getauften welt;
die sonne geht in meinem staat nicht unter.
Schiller (Don Carlos 1, 6) 5², 186;
nun dank, o frommer christ,
im nahmen aller weiber,
dasz dieser heid' und räuber
bereits gestorben ist.
zwar .. fehlts auch zum verführen
nicht an getauften stieren.
Bürger Europa.
2)
getaufft, tinctus Maaler 177ᶜ; getaufter wein vinum dilutum, infuscatum Stieler 2262; on dit figur. getaufter wein, du vin trempé, coiffé, getauftes bier, de la bière coiffée Schwan 1, 738; als Tiroler redensarten führt Schöpf 740 an: nass wie eine getaufte maus. als sie ausgesehen, wie die getaufte meisse.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4360, Z. 56.

taufen, verb.

taufen, verb.
baptizare. goth. daupjan, ahd. toufan (aus toufjan) toufen doufen, mhd. toufen und töufen, nhd. taufen und früher auch umgelautet täufen teufen (alem. toifen Weinhold § 69, schlesisch in Nordböhmen têfen Knothe 173); alts. dôpjan, mnd. dôpen, nd. döpen; ags. wird für die christliche bedeutung fulwian fullian (voll machen, erfüllen) gebraucht in beziehung auf die seligmachende, helfende kraft der taufe Leo 529, 2. taufen ist factitivum zu tief (s. dasselbe) und bedeutet eigentlich, wie noch bei 1, ein-, untertauchen, entsprechend dem griech. βαπτίζειν, das die christianisierten Goten durch daupjan wiedergaben, das vielleicht schon in altgermanisch-heidnischer zeit für die 'wasserweihe' gebraucht wurde (s. taufe 2). vgl. tauchen.
1)
in das, unter das wasser bringen, ein-, untertauchen (das ags. deôpjan, dŷppan hat nur diese bedeutung, s. Leo 376, 34): mhd.
swie ir an der stunt
mich habt getouft (in den flusz gesenkt).
Eracl. 1093, vgl. 1050 ff.;
teuf eʒ in den brunnen.
altd. wälder 2, 55, 171;
nhd. deuffen, mergere Dief. 388ᵃ; einen taufen das er ertrinkt Maaler 399ᵃ; wie in (Pharao) im roten meer teuffen wird. Luther 5, 273ᵇ (s. tauf 1); reflexiv: nach verbrachtem ebruch ist die störchin ins feld zu ainem brun geflogen, hat sich alda tauft und abgewaschen. Aventin. 5, 89, 26. taufen in, immergere Dief. 299ᵇ; kessel, das feuerwerk darein zu tauffen. Fronsperger 14ᵃ. 15ᵃ (Frisch 2, 364ᵇ), vgl. Schm.² 1, 588; alem.
wo's immli sini stiefel chauft,
im blueme-schosz si chöpfli tauft.
Hebel (1843) 2, 81.
2)
alttestamentlich nach taufe 1, a und b.
a)
goth. jah af maþla niba daupjand, ni matjand (inti fon strâʒn noba sih githwahân ni eʒʒant. Tatian 84, 4; wan so si komen von dem markt, si asen nit, neur si wurden gewaschen. cod. Tepl., sie waschen sich denn. Luther). Marc. 7, 4; jenes euszerlich waschen und teuffen (der juden). Luther 6, 284ᵇ.
b)
ik (Johannes) daupja izvis in vatin (ih toufu iwih in waʒʒare. Tatian 13, 23, ich teuffe euch mit wasser Luther). Marc. 1, 8;
er (Johannes) fuar bredigônti   joh doufta thio liuti.
Otfrid 1, 23, 15;
Johannes aber teuffet auch noch zu Enon, ... denn es was viel wassers daselbs. Joh. 3, 23; und lieszen sich teuffen von im im Jordan, und bekanten ire sünd. Matth. 3, 6; ich teuffe euch mit wasser zur busze. 3, 11; und da Jhesus getauft war, steig er bald herauf aus dem wasser. Luther 6, 277ᵃ.
3)
christlich nach taufe 2, baptizare Dief. 67ᶜ: ik daupida auk jaþ þans Staifanaus gadaukans (ich habe aber auch getauft Stephana hausgesinde. Luther). 1 Cor. 1, 16; þai daupjandans, die welche die taufe an sich vornehmen (die sich teuffen lassen. Luther). 15, 29;
toufet sie inti bredigôt,   thaʒ sie gilouben in got.
Otfrid 16, 28;
sô der man wirt getouffet   sô sint im abe gestrouffet
die sunde.
Milstätter genesis 16, 33;
den îlte man dô toufen   und gap im einen namen.
Nibel. 660, 1;
man sol niht toufen, wan ein lebendeʒ mensche. Berth. v. Regensburg 2, 87, 2; manige wurden getouft in dem waʒʒere. Schönbach altd. pred. 1, 265; kint, das getauft wirdet. Nürnb. polizeiordn. 70 (15. jahrh.); darumb gehet hin, und leret alle völker, und teufft sie im namen des vaters und des sons und des heiligen geists. Matth. 28, 19 (vgl. Luther 6, 282ᵇ. 286ᵇ); wer da gleubet und getauft wird, der wird selig werden. Marc. 16, 16; kinder sol man teuffen. Luther tischr. 155ᵇ; darumb sol man nur diejenigen täuffen so da glauben. 12ᵃ; man solt alle die, so schon von den ketzern getauft wären, wider teufen. Aventin. 4, 949, 37; er ward geteuft im tauff. Eulensp. 5 neudruck; die künder taufen ausz lawtrem wasser. Baumann quellen 1, 177; getauft sein auf den namen gottes. Wicel hom. orthod. 51ᵃ;
(ich) lasz mich tauffen auf ihren gott.
Ayrer 694, 21;
und willig lassen sich in Christus namen tauffen.
Opitz Hugo Grotius 346.
reflexiv, sich taufen lassen, christ (christin) werden:
frouwe, wiltu toufen dich,
du maht ouch noch erwerben mich.
Parz. 56, 26;
die rauhe Elsz thut tauffen sich.
Ayrer 1059, 17;
getauft christlich, substantivisch der christ, die christin:
den getouften wîben sint gesniten
ab die brüste, gemartert sint ir kint.
Wolfram Willeh. 297, 14;
des al getouftiu diet
mit prîse sich von laster schiet.
Parz. 329, 5;
ich heisze
der reichste mann in der getauften welt.
Schiller 5, 2, 186 (don Carlos 1, 6);
der, die getaufte:
der heidn und der getoufte
wârn mir strîtes al gelîch.
Parz. 495, 38;
ob getouften noch getwergen
der bêder künic wart ich nie.
Biterolf 4154;
wær er hie niden, ich wæne, in die getouften
noch verkouften sumelîche.
Reinmar v. Zweter 134, 8 Roethe.
4)
bei der taufe einen namen geben, dann allgemeiner einen namen beilegen, nennen, heiszen.
a)
(das kind ward) Tristan getoufet al zehant.
Trist. 2000;
man doufet si Elizabet.
Elisab. 284;
wie der gouch getoufet sî (welchen namen er in der taufe bekommen hat, wie er heiszt),
der gewiʒʒen bin ich vrî.
Neidhart 77, 11.
b)
darnach ist das zwölft laster listikeit, wie toift man dis? sie wurt geheiszen vernünftikeit, fürsichtikeit, klugheit. Keisersberg seelenparad. vorr. 3ᵇ; daher sie ir buch selbs nennen concordantia discordantiarum, fürwar recht getauft und genennet. Luther 6, 166ᵃ; ich teuffe sie (die stadt Constanz) nach irem rechten namen. 319ᵃ;
den text sie alzit töufen (auslegen) basz,
das nie des textes meinung was.
Murner narrenbeschw. 29, 38;
disz getichte (sonett) vielleicht von wegen seiner hin und wieder geschrenkten reime, die fast einen andern laut als die gemeinen von sich geben, als sei getauffet worden. Opitz poet. 44 neudruck;
wers will gar zierlich taufen (das wasser der flüsse),
der nenns geschmolzen glas.
Spee trutzn. 83 B.;
von denen, welche die alten köpfe zu kennen und zu taufen behaupten, wird dieser kopf Ptolomäus genannt. Winckelmann 5, 428 anm.; eilf figuren, welche der ehemalige besitzer eine familie des Lycomedes getauft hat. 2, 405; so kann ich ihre hochgepriesene fräulein tochter nicht anders taufen, als eine gans. Gotter 3, 296; da manche nationen mit ihrem namen krankheiten getauft (z. b. die Franzosen). J. Paul dämmerungen 4; am ende, wenn Genua .. frei wird, läszt sich Sacco vater des vaterlands taufen. Schiller 3, 15 (Fiesko 1, 3);
's (das carcer) war just ein neugebautes nest,
der erste bewohner sollt' es taufen.
12, 33 (Wallensteins lager 7);
du tauftest deine rachgier
gerechtigkeit.
Grabbe 1, 139;
reflexiv: weine, die sich nach so berühmten flüssen wie Rhein, Neckar und Mosel taufen. J. Paul komet 3, 143.
5)
sonst nach taufe 5 in übertragener bedeutung.
a)
etteliche wurden getouft in dem bluote der matere (s. taufe 5, d). Schönbach altd. pred. 1, 264, 30; könnet ir ... euch teuffen lassen mit der tauff, da ich mit getauft werde? Matth. 20, 22 (Tatian 112, 2).
b)
eine glocke, ein schiff u. s. w. taufen (s. taufe 5, e) Rädlein 869ᵃ; wenn ein fladenweiher eine glocken teuffete. Luther 6, 84ᵃ.
c)
einen hippenjungen taufen (s. hippenjunge) Rädlein 869ᵃ; das vornehmen der matrosentaufe (s. taufe 5, f) Bobrik 687ᵃ: unsere matrosen vergaszen bei dieser gelegenheit die wunderlichen gebräuche wegen des tauffens nicht, sondern machten bei einer lächerlichen masquerade mit denenjenigen, so die linie zum ersten mahle passirten, und sich nicht mit geld lösen wolten, eine verzweiffelte wäsche. Felsenb. 1, 88; überhaupt tüchtig begieszen, durchnässen: er war geteuft .. in der lachen und im kessel mit warmem wasser. Eulenspiegel 5 neudruck, nasz sein wie eine getaufte maus, s. maus 3, a (H. Sachs 9, 266, 1. 299, 34. Wickram rollw. 95, 7 Kurz); wir mögten woll ein wenig getauft werden; den die wolken ziehen sich und es geht ein starker windt. Elis. Charl. (1867) 405. (1871) 592; die bauren sollen ihre mägde, wenn sie das erste grasz im jahre bringen, taufen, oder mit wasser begieszen, so schlafen sie hernach das jahr nicht beim grasen. rockenphil. 646 (4, 71);
der unmuth thut nicht eher gut,
bis ihr ihn tauft mit wein.
W. Müller verm. schriften 2, 99.
d)
wein, bier taufen, wässern Rädlein 869ᵃ: und er wolt lieber trinken ein jüdischen (ungewässerten) wein weder ein getauften (baptisatum). Bebel facet. (1589) 81ᵃ; sie thun wasser in wein .. das dann sie auf ihre weisz nennen den wein tauffen, damit es ein christlicher wein werd. Weidner apophth. 373; ich taufte den wein mit wasser, warum man mir jetzo (in der hölle) zusaget. Simpl. (1684) 3, 321; denk derweil darüber nach, dasz du (der wirt) das taufen vergiszst. Auerbach ges. schriften 3, 34.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 188, Z. 77.

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Zitationshilfe
„getauft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getauft>, abgerufen am 28.11.2021.

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