Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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getaut, particip. adj.

getaut, particip. adj.
zu dem mit getau (s. oben) verwandten, sonst wenig verwendeten verbum, zubereitet: getautes leder, gegerbtes leder, vgl. getautes leder, holl. getouwd leer, engl. curried leather etc. Nemnich 354.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4362, Z. 79.

tauen

tauen,
s. tagwan, thauen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 185, Z. 41.

thauen, tauen, verb.

thauen, tauen, verb.
zu thau, intransitiv rorare, transitiv irrorare, ahd. towên towôn touwôn, mhd. touwen, nd. dauen, ags. déavjan.
1)
intransitiv, eigentlich,
a)
unpersönlich es thaut, rorat, ros cadit:
(es kann) schöners nichts gesehen werden,
als, wenn man, da es getauet,
frühe, nach verschwundner nacht,
das getränkte feld betracht't
und das frische gras beschauet.
Brockes 1, 222.
substantivisch das thauen:
(der acker) fragt nach keinem tawen,
nach keinem düngen nicht: was sonst der regen thut,
wird jetzund genung gethan durch faistes menschenblut.
Opitz 3, 260;
sie verbreiteten weit ein bitteres thauen (rorem amarum).
Stilling Virg. georg. 4, 431.
b)
mit einem bestimmten subjecte.
α)
thau ansetzen, erzeugen:
hier klag' ich verborgen
dem thauenden morgen
mein einsam geschick.
Göthe 1, 42;
wie die sommerflur der thauende morgen erquickt.
Pyrker Tunisias 12, 636;
wie die nacht schon thaut.
Platen 3, 30;
als der abend thaute.
4, 315;
Paris, dem am thauenden bach ..
Cypria das schöne weib versprach.
Schiller 6, 159.
β)
thauig sein oder werden:
er (der klee) touwet an dem morgen.
minnes. frühl. 58, 31;
wie schône ein wise getouwet was.
Neidhart 24, 21;
(becher,) von der thauenden ros umkränzt.
Klopstock od., krit. ausg. 1, 84;
er blieb am thauenden eckstein (stehn).
Mess. 6, 553;
durch die wipfel des thauenden hains.
12, 854;
(bis wir uns) auf thauender insel begegnen.
Hölderlin 1, 94.
γ)
als thau sich bilden, niederfallen:
es thaueten glänzende tropfen.
Voss Il. 14, 351.
2)
intransitiv, uneigentlich,
a)
wie thau fallen, niederflieszen:
(gott) lasse freuden-wein vor thränen auf uns thauen!
schles. Helikon 18;
lasz, himmel, sonnenschein und regen thauen.
Rückert 1, 237;
wie lenz vom himmel thaut.
338;
(ich sah) hernieder aus der liebe goldner schaale
dem geist des tiefen sinnes perlen thauen.
W. v. Humboldt sonette 234;
und ruhe thaut aus deinem duftgen kranze.
Schulze poet. werke 3, 18;
gott liesz fassung auf deine seele thauen. Hippel 7, 144.
b)
vom thränenthau (s. thau 4, a): die thauenden augen J. Paul uns. loge 2, 94, wangen Rückert 1, 228, wimpern Pyrker Tunis. 8, 18;
erröthend thauten ihr die wangen.
Uz 2, 20;
edle lust, der lohn der jugend, dehnt
den heldenbusen aus und macht die augen thauen.
Wieland Idris 2, 15;
der erste ausbruch ihres schreies hätte
des himmels glühnde augen thaun gemacht.
Schlegel Hamlet 2, 2.
c)
vom blute (s. thau 4, b):
mit beiden henden gîngen sie hauwen,
daʒ daʒ helle blût gunde tauwen.
Eilhart D 6052;
wie blut mag von geschwungnen schwertern thauen.
W. v. Humboldt sonette 114.
d)
vom honigthau (s. thau 4, d), bildlich: der vom himmel thauende honig des schlummers. J. E. Schlegel ästhet. und dramat. schriften 73, 29 neudruck.
3)
transitiv, eigentlich.
a)
mit thau netzen, bethauen, mhd. absolut das touwende Trist. 11890, den lîp touwen, im thau baden. Germania 9, 53 (vgl. thaubad).
b)
als thau, in thauform bilden:
(früchte,) auf denen eine schaar getauter perlen sitzet.
schles. Helikon 76;
das laub der esche thaut süszen thau (s. 4, d). Herder lit. 12, 448.
4)
transitiv, uneigentlich.
a)
begieszen (s. thau 4, f):
Lazarus ... thaut' in der lauben
kies aus dem kühlenden quell.
Klopstock Mess. 17, 387.
b)
wie thau fallen, niederflieszen lassen: sie gosz nicht thränen, sie thaute sie nur. Hippel 1, 155;
sah diesz mein aug', nie konnt' es thränen thauen.
A. Grün ges. werke 1, 191;
sie (die nacht) thauet trost.
Tiedge werke 2, 15;
jede wunde stelle (des herzens) musz ich schauen,
wenn ich drauf soll meinen balsam thauen.
Rückert 1, 233;
und es hat mein (des mondes) feuchter stral
wehmuth ihm ins herz gethaut.
306;
wo die sonne mit gelindheit
ihren glanz durch zweige thaut.
2, 234;
gottes segen sei über euch gethaut!
Hamasa 2, 271.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 326, Z. 9.

thauen, tauen, verb.

thauen, tauen, verb.
verschieden vom vorigen (den oberd. mundarten fehlend, s. 1), ahd. douwen dôan, mhd. touwen töuwen, sich auflösen, zergehn, schmelzen, über dessen mutmaszlichen zusammenhang mit dauen (verdauen) s. theil 2, 838. Kluge⁴ 4, 352ᵃ.
1)
intransitiv, von schnee, eis und gefrorensein, anfangen aufzugehen, aufzuthauen, zu schmelzen (wofür bair. - östr. abern, apern, s. theil 1, 32. Schm.² 1, 13. Höfer 1, 39. Lexer 8, schweiz. abern, obern Stalder 1, 84, schwäb. obarn Schmid 154): das eis, der schnee u. s. w. thaut;
die wisen wellent touwen ...
die boume die den winder stuonden val ...
die siht man aber in dem walde louben.
Neidhart 26, 35.
unpersönlich:
eʒ wil an den wisen touwen.
minnes. 2, 105ᵇ;
es hat diese nacht gethaut, gelu solutum est Stieler 2260. substantivisch das thauen: die gefrorenheit löst sich in ein triefendes thauen auf. J. Tobler Thomsons ged. 2, 157.
2)
absolut, schmelzen machen, aufthauen:
(schnee, den) gelöst der thauende athem des südwinds.
Voss bei Campe (s. v. athem);
o frühling, .. der in mildem thauen
voll schöpfungswonne du das all durchdringst.
Geibel juniusl. 73.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1890), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 327, Z. 19.

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Zitationshilfe
„getaut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getaut>, abgerufen am 29.11.2021.

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