Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gethal, n.

gethal, n.,
sammelwort zu thal (theil 11, 296), das litterarisch zwar wenig belegt ist, durch diese wenigen spuren aber auf eine thatsächlich weiter gehende verbreitung hinweist; es gehört schon der älteren prosa an und lebt in der dichtung immer wieder auf; getrennt davon ist ein mundartlicher gebrauch:
1)
wo aber solche wasser gleich auff den hohen bergen wie in dem thall liegen, alsdann so wer ehe summer auff dem gebürg, dann in gethälern. Paracelsus op. (1590) 7, 438.
2)
dasz gethäl und berg erklangk.
S. Dach 825 Österley;
gesagt so geschehn! und da naht sich der graus
und siehet so grau und so schattenhaft aus,
doch schlürft es und schlampft es auf's beste.
das bier ist verschwunden, die krüge sind leer:
nun saus't es und braus't es, das wüthige heer,
ins weite gethal und gebirge.
Göthe (der getr. Eckart) 1, 226;
was thürmt sich im gebirg? was schlingt sich im gethal?
die sterne sind so fern! die blumen sind so tot!
die wolken sind so grau! die berge sind so kahl!
Platen ghaselen 139;
nur mit list beraubt der mensch und spärlich
diese thalschlucht ihrer schätze, grosze
klumpen fleisches wälzen vom gebirge
jährlich nieder ins gethal dîe hirten:
diese beute lockt das raubgevögel.
Platen Abbassiden 7. gesang.
3)
der form des compositums nähert sich in mundarten die präpositionalverbindung ge thal: ze thal; ge taͦl, thalwärts Schöpf 436; gethal abwärts, bergab Loritzer 50.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4363, Z. 68.

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Zitationshilfe
„gethal“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gethal>, abgerufen am 01.12.2021.

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