Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gethan, participiales adj.

gethan, participiales adj.
zu thun (theil 11, 434), gethun (s. d.). die adjectivischen verwendungen des particips, die weit in die althochdeutsche zeit zurückreichen (Graff 5, 313), werden besonders begünstigt von der sprache der mittelhochdeutschen dichtung (mhd. wb. 3, 143ᵃ); in der neuhochdeutschen periode treten sie in den hintergrund und der neueren sprache gehören sie nur in spärlichen resten an.
1)
die reichere entwicklung knüpft an den relativen gebrauch an, sie folgt für die ältere sprache deutlich dem verwendungsgebiet, das vom lateinischen factus erschlossen war.
a)
ganz auf die ältere sprache beschränkt sind ersatzbildungen zum attributiven gebrauch in fällen, wo die deutsche sprache kein entsprechendes adjectiv zur verfügung hatte: labefactus, zi lotare kitan glossen der hrabanisch - keronischen sippe Steinmeyer - Sievers 1, 205; madefactus welc kitan 1, 206; humifactus fuht kitan ebendort; táz tér newérde zeûz. tríppen getân ei non esse ius exulare. Notker Boethius (Hattemer) 3, 39ᵃ;
quađ that Lazaruses legar ni uuâri
giduan im te dôđe, 'ac thar scal drohtines lof', quathie,
'gifrumid uuerđan: nis is im te ôđron frêson giduan'.
Heliand 3978.
b)
länger hält sich diese function des particips bei substantiven, deren bestandtheile zergliedert werden: Maria habenti salbfaz salbun fon narthu gitana diuro, Maria ergo habens alabastrum unguenti nardi spicati pretiosi. Tatian 138, 1;
drank ér tho, so nan lústa; er wíht es thoh ni wésta,
es wiht ni quám imo ouh in wán, theiz was fon wázare gidan.
Otfrid 2, 8, 4;
frühzeitig tritt hier zwar das synonyme gemacht an die stelle, vgl. gerade zu Joh. 2, 9 (aquam vinum factum) daz ez waz gemacht zu wein. cod. tepl. vereinzelt aber begegnet in solcher verbindung unsere form auch später:
darinnen vil beum theten ston,
dern frücht von steinen warn gethon,
als pflaumen, kirschen, datteln gut.
Wickram pilger 10 (bl. 78).
c)
am andauerndsten aber hat sich das particip als mittel erhalten, qualitative bestimmungen attributiv auszugestalten.
α)
uuir gihortun inan quedantan, mugan ziwerfan gotes tempal thaz mit henti giworhtaz inti after thrin tagon anderaz nalles mit henti gitanaz zimbron (aliud non manu factum). Tatian 189, 3. (vnd wider pawe in .. nit gemacht mit der hant. Marc. 14, 58 cod. tepl.). smidu kitan fabrefactus Graff 5, 310; meistarlihho gitânaz fabrefactum ebendort 311.
β)
uasa uinaria, fialas, scypus; faz wines endi stauf in (adara) andara wisun kitaniu. gloss. ker. Steinmeyer-Sievers 1, 87; dir étewâr gemengen. târ mûot súht ín slîefen mág. sámo dúrh skétero getâna spízzûn, velut hiante robore valli. Notker Boethius (Hattemer) 42ᵃ;
er sprach 'wer irret uns den wec'?
sus fuor er zuome knappen sân.
den dûhter als ein got getân:
ern hete sô liehtes niht erkant.
Parzival 121, 30;
sant Cecilia sprach 'da ist din gewalt anders niht getan
wan als ein blater, duͤ vast ist zerblan.'
sant. Cecilia (14. jahrh.) 1589 zsch. d. a. 16;
swester, des mahtu dich schamen:
er gewan nie koufmannes namen.
er ist sô minneclîch getân,
ich wil in zeime ritter hân.
Parzival 352, 23;
'swie freislîche ir sît getân,
ich enbær doch sanfte iwer drô.'
521, 6;
zv eyner zit an einer nacht
sach se vor ir sten eynen man,
dher was so herlichen gethan
daz im sin gethane eren jach.
Braunschweiger reimchr. 1970, monum. germ. vernac. II;
wenn er sich also gesellet hab
mit einem erbären man,
der pesser ist, denn er getan.
Vintler 516 Zingerle,
kam uf ain wundergroszen plan
der was so minniglich gethan,
das er mir da gab trostes vil.
Graf Wilhelm v. Zimmern (c. 1540) Zimmersche chronik (litt. ver. 94) 337, 10.
γ)
eine lieblingsverbindung der mittelhochdeutschen dichtung ist wol getân, vgl. mhd. wb. 3, 143ᵃ:
er hôrte sagen mære,   wie ein schœniu meit
wære in Burgonden   ze wunsche wol getân;
von der er sît vil fröuden   unde arebeit gewan.
Nibel. 45, 3 (Lachmann) u. a.;
'nemt frowe, disen kranz':
alsô sprach ich zeiner wol getânen maget:
'sô zieret ir den tanz
mit den schœnen bluomen, als irs ûffe traget.'
Walther 74, 21 Lachmann.
diese verbindung erhält sich, namentlich im sprichwort und ähnlichen formeln noch lange, auch als der lebendige gebrauch ausgestorben war, so in den reimen über das lebensalter des menschen:
zehen iar ein kind
zwainczig iar ain íungling,
driszig iar ain man,
vierczig iar wol getan,
funffczig iar stillstan.
Twinger in seinem vocabular unter 'etas' s. zsch. gesch. Oberrh. n. f. 10, 434;
nu merkt, ihr herren wolgethan.
Raber Stertzinger spiele 23, 1;
wolgethan Henisch 1585; wes sie sich halten sölte und ob es sie wol getuͦn deuchte. dekameron 63, 78 Keller.
δ)
1))
als mittel, pronominale adverbia attributiv auszugestalten, ist das particip schon in der althochdeutschen zeit mitund alsô eng verknüpft:
ther mán, theih noch ni ságeta (Joseph),   ther thaz wíb (Maria) mahalta
was ímo iz harto úngimah,   tho er sa háfta gisah.
Ih ságen thir in war mín,   sí ni mohta inbéran sin
in flúhti joh în zúthi,   theiz álles wesan móhti;
ouh, so iz zi tháru wurti,   iz díufal ni bifúnti;
joh thiu rácha sus gidan   nam thes húares thana wán.
Otfrid 1, 8, 6
(quatuor causis hoc ita gestum esse .. ne Christus quasi fornicationis filius despiceretur .. et ut diabolum lateret nativitas ejus. Beda); ze sô getânero wîs werdent fertiligot alle íro fúrsten. Notker psalm 82 (Hattemer 2, 299); in prophetiis ist so getân gechôse émizîg. psalm 125 (ebendort 460); tîe hábent tén-selben námen náls áber nîeht sô getâniu exempla. Boethius (Hattemer) 3, 58; und so in allen schriften Notkers, vgl. Graff 5, 313; die wile wir in dirre werlte leben, da so getane fursten inne rihesent. Windberger psalmen zu psalm 82, 12 (Luther 83, 12);
'alsus getanis arzetuͦmis sture
negere ich nicht' sprach der ture.
Trierer Silvester 116 Kraus;
dô sprach von Tronge Hagene   'stât zuo des sales want,
lât niht die brende vallen   ûf iwer helmbant,
trit si mit den füezen   tiefer in das bluot.
ez ist ein übel hôchzît   die uns diu küniginne tuot.'
in sô getânem leide   in doch der naht zeran.
noch stuont vor dem hûse   der küene spilman
und Hagen sîn geselle   geleint über rant:
si warten schaden mêre   von den ûz Etzelen lant.
Nibel. 2057, 1 Lachmann;
den wir hie haben enphangen,
das ist ein rîter sô getân,
das wir ze vlêhen immer hân
unsern goten, die in uns brâhten,
daz si des ie gedâhten.'
Parzival 21, 5. weitere beispiele s. mhd. wb. 3, 143ᵇ;
'swes er gert oder bit,
das gelobt im für uns alle'
mit sô getânem schalle
die boden wurden gesant.
Ottokar 1410 Seemüller;
vnd ob ein mann sin recht niut anderes behaben mag. er gebe dem richter guͦt .. da von hat erz keine sonde, die so getan guͦt gebent. Schwabenspiegel landrecht § 90 Laszberg; git si im och so getan guͦt er sol daz sine e ane werden. e daz ir. § 23; item die kleidung von den luden in Dutschem lande was also gitan. Limburger chronik 36, 4 monum. germ. script. vernac. 4, 1; der ritter was also getan, daz in di ganze gemeine von Coln lip hatten. 90, 26; bufen dy mogen ouch nicht getzugen gesyn vnd so getane lute. dy is myt yrre tumpheyt dortzu brocht han. das alte Kulmische recht 5, 47 Lehmann; und ob der handel also gethan wäre .. daz (er) in das grundpuch mit so vil mainung füglich nicht geschriben werden möcht, deshalben soll ain registerpuch aufgericht sein. St. Lamprecht grundbuchordnung von 1494 österr. weisth. 6, 227; so bin ich. nach der welt, ein armer bettler vnd ob ich gleich viel hette, doch ewer wesen also gethan ist, das ich damit euch nicht sonderlich erzeigen möcht. Luther das schöne confitemini (1530) werke 5, 43ᵇ Jena; meyn hertz ist also gethan, das ich hoff ich habs ynn gottis namen angefangenn, aber so kune bynn ich nicht, das ich dasselb vrteyll, vnd auszruff, es sey gewiszlich nit anders. Luther auff des bocks zu Leypczick antwort 1521 neudruck 96, 20; wir wissen, das in der christenheit also gethan ist das alle kirchen gleich sind. wider das bapstum. (1545) u. a. Dietz 2, 108, vgl. theil 11, 449; auch sind die (schul) knaben nicht also gethan, dasz sie alszbald auff die schweren kunstreichen gesänge angeführt werden können. Joh. Rhau geistl. gesangbuch (Frankfurt a. M. 1589) vorrede;
die gute tag sind so gethon,
dasz ich wer lieber fern davon.
Erasmus Alberus p. 28ᵇ,
vgl. sogethan, sothan.
2))
die verbindung mit indefiniten adverbien tritt etwas später auf, doch begegnet auch sie gelegentlich schon bei Notker: wie getan dero goto fliht si, qua sit cura deis. Marc. Capella Graff 5, 314;
er unde Îsôt, sie beide
beliben an ir triure
und suochten âventiure
in anclîcher trahte,
mit wie getâner ahte
daz iemer kunde geschehen,
daz sî sich möhten gesehen.
Tristan 14386;
ze swelch getâner zît
sich hüebe mêr ein solich bôr,
daz den sînen diu burctôr
niht durft wæren
gegen den Wiennæren.
Ottokar 65930 Seemüller u. a., vgl. wie getan bei Frisch 2, 373;
sô du sehest mich,
sô lâ dir dîniu ougen gên
an einen andern man.
son weiz doch lützel ieman
wiez under uns zwein ist getân.
Kürenbergstrophe, minnes. frühl. 10, 8;
der baldt sehen vnd mercken kan, wie es umb ein ding gethan sey, listig, verschlagen, perspicax. Henisch 1585; zum drittemal wolt er sehen, wie es umb seine vertraute gethan. Kirchhof wendunm. (1602) 1, 123; swelich der man si odir swie getan er si, man sol in horen. Görlitzer landrecht 47 § 3. Homeyer Sachsenspiegel II, 2, 219.
2)
der absolute gebrauch zeigt bedeutungsmannigfaltigkeiten, die nicht eigentlich aus der grundbedeutung selbständig entwickelt wurden, sondern die dem verbum innerhalb des satzgefüges zugeflossen sind und mit der participialform nun auch auszerhalb desselben verknüpft werden.
a)
am unmittelbarsten knüpft an die grundbedeutung die vorstellung des vollendeten, abgeschlossenen an, die sich naturgemäsz aus der participialform des präteritums entwickelt: kitaniu confecta (Can. 1), cataniu effectum (Gh. 3), kitan transactus, perfunctus (Ra.) schon in den althochdeutschen glossen. Graff 5, 309. aus solcher vorstellung entspringen redensarten wie: man legte sich mit ein paar linienschiffen in den golf von Neapel und bäte sich zwei thore von Rom aus, so wäre die sache gethan. Göthe br. 2623 (8, 296 Weimar);
wenn wir uns selbst verletzen,
so ist es, Michael, um deinen hals gethan.
Gryphius (Leo) 1, 64;
es ist um mich getan.
Fleming 532;
haltet ihn und steht mir bei, ich rücke die leiter,
wenig minuten, so soll's um diesen schelmen gethan seyn.
Göthe (Reineke Fuchs) 40, 65.
eine grosze zahl von neueren beispielen s. th. 11, 449. vgl. gramm. 4, 823. es wird bald mit ihm gethan sein, il va être troussé en malle Schwan (1782) 1, 738.
b)
in attributiver verbindung kommt so das particip zu der bebedeutung von vollendet, abgeschlossen; daneben entwickelt es andere bedeutungen, die sich aus der syntaktischen function in verbindung mit der grundbedeutung ergeben, in einzelnen fällen endlich tritt die letztere zurück und die function allein kommt zur geltung.
α)
bey gethaner arbeit ist gut feyren. Henisch 1585; nach gethaner arbeit ist gut ruhen, acti labores jucundi. Steinbach 785; un travail fini donne du plaisir. Schwan 1, 738; eine gethane sache, une afaire faite Rondeaux - Buxtorff 253; seine getahne pflicht. Butschky kanzl. 115; die gethanen vorschüsse. Lessing 1, 591.
β)
gitanaz tranch steht in den glossen zum liber comitis Steinmeyer - Sievers 1, 817 für siceram (wein vnd stark getrenke wird er nicht trincken. Luther Lukas 1, 15), gitan ist hier also = zubereitet; ähnliches zeigt sich bei ghedaen forma, facie sive vultu präditus, figuratus Kilian i 2ᵇ.
γ)
zuiror catan sahha, biccio Steinmeyer - Sievers 1, 102; eine schriftliche werbung gethan von den fuͤrsten der helle seinen lieben getreuen. titel eines pasquills bei Schade 2, 99; nach solcher gethaner red. eselk. 276; die im vorigen herbst gethane reise des herrn hospitalpredigers Wyttenbach. Wielands Merkur 1779 3, 116, vgl. theil 11, 439.
c)
auch in verbindung mit hülfsverben entwickelt dieses particip bedeutungen, die den übrigen formen des verbalstammes nicht so zugänglich sind.
α)
dar vmme so ysset best ghedaen
dat gy to hove myt my ghaet.
Reinke de vos 1302;
so ist es gewisz am besten gethan, wenn ir jetzo mit mir nach hofe geht. Gottsched 59 (Göthe 40, 46 drum ist es am besten).
β)
he es drop gedân Dortmunder redensart (er ist darauf erpicht) Woeste 74.
γ)
ich wehrte mich wol recht courage, und wenn ich gethan hette, sie hetten alle mit einander, so viel ihrer da waren eingebüst. ich bin aber mit keinem beine dazu kommen. Schoch komödie vom studentenleben 71 Fabricius; eben dieselbe verbindung zieht auch negative bedeutung an, die sich (vgl. zschr. d. phil. 23, 42 ff., theil 11, 451) elliptisch aus dem zusammenhange ergibt: in summa, wo allein der geitz gethan het, welches er sich zu sehr merken lies, möchte er sich zu einem jeden der alten hauptmänner .. vergleichen (si avaritia abesset). Micyllus Tacitus histor. 2, 5; weil ir denn die meiste ursache solches tumultes wegen seyd, auch des Petroni haus, woferne ihr gethan, nicht gestürmet worden were. Schoch 88.
3)
lebhafte verwendung findet das particip in redensarten und im sprichworte, wo ein längeres leben im volksmunde die übrigen glieder des satzgefüges absterben liesz: so gethan, so gegangen ist ein sprichwort in allen landen. Henisch 1421; so gethan, so gegahn Henisch 1585; jung gewohnt alt gethan. ebendort; on dit proverb. gesagt, gethan, aussitôt dit, aussitôt fait Schwan 1, 738; gesagt, gethan, no sooner said than done Hilpert (1845) 460; wohl angefangen ist halb gethan, il n'y a qu'à bien enfourner d'abord; es ist eher geredet als gethan, c'est un bel instrument que la langue. Schwan 1, 738.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4364, Z. 10.

tun, vb.

tun, vb.,
s. thun teil 10, 1, 1, sp. 434.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1772, Z. 43.

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s t u v w x y z -
gestipft getüche
Zitationshilfe
„gethan“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gethan>, abgerufen am 29.11.2021.

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