Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gethun

gethun,
verstärktes thun (theil 11, 434 ff.) theilweise mit intensiverer bedeutung; es gehört der älteren sprache an, reicht aber doch noch in die neuhochdeutsche zeit herein. Graff 5, 305 ff. mhd. wb. 3, 144ᵃ.
1)
obwohl in der älteren sprache einfache und zusammengesetzte form mehr nach syntactischen und bloszen stilistischen bedürfnissen wechselt, machen sich doch auch die bedeutungsunterschiede oft geltend: conficit gituot Prudentiusglossen Steinmeyer-Sievers 2, 443; únde skînet. táz platonis réda waríu íst. tér dir chád. eínen die wîsen múgen getûon. dáz sie wellen. únde die úbelen múgen íro mûot-willen tûon. únde ín dóh nemúgen fólle bríngen, solos sapientes facere .. improbos vero exercere quidem .. explere non posse Notker Boethius (Hattemer 3) 173ᵇ. dieselbe bedeutung wird noch im anfang des 16. jh. festgehalten: ghedoen, agendo perficere Kilian i 3; vgl. gedôn, thun Schiller-Lübben 2, 27. Verwijs und Verdam 2, 1065, wo für das neuniederländische die form als veraltet angeführt ist. schon Kramer 2, 133ᶜ bemerkt, dasz gedoen auszer gebrauch sei, vgl. 3.
2)
in der rechtssprache macht sich die neigung für vollere formen und umständlichere redeweise zu gunsten der präfigierten form geltend, ohne dasz die bedeutung über das grundwort hinausgienge: ein wip mac ir man dehein ir erbe gegeben. des si dannoch nit geerbet hat. und des si wartet ze erbenne. des selben mag och der man sinem wibe nit getuon. Schwabenspiegel § 35 Laszberg; wer einen dotschlag adir einen mort getud. Frankfurter akten (1318) Diefenbach-Wülcker 618; daz ich mit dem gerichte ze Terembach und mit allem dem daz dor zuͦ gehoret gesuͦcht und ungesucht, daz von ime get ze lehene, nimmer niht getuͦ oder geschicke weder mit reten oder mit geteten an allerslachte geverde denne mit rote willen und worten mines vorgnanten herren. urkunde von 1321 für das hochstift Würzburg monum. boica 39, 176; es sol auch niemant auf den panrisen in den telern und pächen kainerlai holz slahen, darin das vich schaden genemen möcht oder di päch schaden davon getun möchten. Mittersill ende des 15. jahrh. österr. weisthümer 1, 287.
3)
eine besondere neigung zeigt innerhalb und auszerhalb der rechtssprache das mit einem dativobject verbundene verbum (vgl. theil 11, 453) für die zusammengesetzte form; doch scheint kaum, dasz hier die grundbedeutung des präfixes noch durchklinge: item wo ainer auf ainem guet ist der das unpanleich und unstiftleich legt, oder dem nicht getuen mag und unfugleich ist, so sol in der amptman seine recht haiszen hingeben in drein virzehen tagen. stift Admont 15. jahrh. österr. weisth. 6, 268; der ein ze grosz guet hat, dem er nicht getün mag. österr. weisth. 2, 67. vgl. damit: szo wirt den gott sprechen, wie hie Isaac ich kan ihm nicht gethun, Jacob hatt den segen hynweg, diszem volck hat der segnen gebuhrtt, ehr ist dohyn. nachschrift von Luthers predigten über das erste buch Mose, werke 14, 365 Weimar; drum weizs ich meime arme leide nicht ze gethun oder ze derdenken, wosz ich angaan (angeben) soll. Gryphius die geliebte Dornrose 1. vgl.hy kan zig gedoen met dat huis. Kramer niederl.-hochdeutsches wb. 1, 135ᶜ.
4)
sonst sind es syntactische momente, die die vollere form begünstigen, oder es ist ein rhythmisches bedürfnis, das bei älteren schriftstellern bald die eine, bald die andere form vordrängt. die neuere zeit kennt nur noch das einfache wort:
a)
es sy ein oberkeit nit schuldig dem christlichen vnderthon alles guͦts so er im gethuͦn mag, meer dann ein thürck seim vnderthon. solich vnd der glichin Aristotelisch haidnisch lere treiffen sy vnsz in von unser juget uff. Eberlin von Günzburg neudruck 9; das gröst werck, das du gethun kanst, ist eben das, das du dein kindt recht zeuchst. nachdruck von Luthers sermon vom ehelichen stand, werke 9, 218 Weimar.
b)
wie mag ichs geton in meiner jugend. A. v. Eyb (Philogenia) Herrmann 2, 121 u. a.; doch war die macht der unglaubigen .. so grosz, dasz jhnen die Behem in die länge nicht widerstandt gethun mochten. buch der liebe 270ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4383, Z. 57.

gethun, n.

gethun, n.,
verbalsubstantiv zu thun, nebenform zu gethue mit anknüpfung an die infinitivflexion (s. oben); vgl. das österreichisch-bairische tun, tün, vgl.gethün bei Kehrein volkssprache und volkssitte in Nassau 1, 162: ich kann mir leicht einbilden, wasz vor ein gethun es sein musz, wo so viel fürstliche personen sein. Elisabeth Charlotte (litter. verein) 107, 11; wen ir wissen köntet, wasz vor ein stättiges gethun hir ist. 88, 161; habe ich alle tag so viel leütte gehabt .. aber mitt allem dem gethun so seydt versichert .. dasz ich so offt antworten werde, alsz es mir immer möglich sein wirdt. 107, 50. ebenso 107, 488. da die form nur aus den briefen der Elisabeth Charlotte belegt, die in der überwiegenden mehrzahl der fälle sich der pfälzischen wendung gethuns bedient, so musz die erklärung von diesem letzteren ausgehen (s. d.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4384, Z. 47.

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Zitationshilfe
„gethun“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gethun>, abgerufen am 07.12.2021.

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