Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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getigert, getiegert, participiales adjectiv

getigert, getiegert, participiales adjectiv;
anscheinend unmittelbar vom substantiv tiger (theil 11, 496) abgeleitet, denn das theil 11, 498 angeführte verbum tigern ist eigentlich nur in der participialen form der vergangenheit gebräuchlich. den anlasz zu der ableitung gab die bunt gesprenkelte farbe des tigerfells; getigert heiszen wilde und zahme thiere, wenn sie in dieser beziehung dem tiger nahe kommen.
1)
die mundarten haben unter contraction des ig zu î frühzeitig anlehnung an thier gesucht; gethiert, getiegert, scheckigt. Appenzell Klein provinzialwb. 144: in groszen wäldern haben sie (die luchse) auch jre wohnung, aber nicht so gar edel vom palg, wie jnn den steinigen hohen bergen, da sie gar schön gethiert. M. Sebiz feldbau (1580) 569.
2)
in der litteratur erscheint das wort zuerst bei Wieland und zwar in der form, die es bis in die neueste zeit beibehält, als getiegert.
a)
als, ohne auf ihn und seinen kolben zu warten,
vom siege gekrönt, auf einem getiegerten hengst
der goldne paladin, mit seinem Sancho, längst
der zelten, wo alle augen voll wunders auf ihn starrten,
daher geschritten kam.
Wieland (der neue Amadis 2, 20) 4, 33;
er lud sein fräulein auf den rücken,
stieg glücklich den felsen hinab, fand seinen Brilliador,
(so hiesz sein ritterlich pferd, ein schöner getiegerter mohr).
ebendort (8, 20) 4, 157.
vgl. tieger-pferd, equus maculis tigrinis; tieger-hund, canis maculis tigrinis; tiegrisch, tigrinus Frisch 2, 374; tiger, tieger, ein hund oder pferd, so eine gefleckte haut hat. Ludwig (1765) 1, 1716; die königin sasz schwarz verschleiert auf einem getiegerten pferde. Arnim nov. 2, 290; seht mich als jägerin auf einem getiegerten rosse, der falke auf meiner hand. kronenwächter 1, 108; perlen ums knie, auf dem ein wohlstaffierter falk flattert. laszt sie so anspringen auf einen getiegerten barb (ob dieses nirgends behandelte wort auch ableitung von paraveredus ist?), sie findet überall quartier. Fr. Müller (situation aus Fausts leben) 2, 177.
b)
allgemeiner, von bunter farbe, getigert, tigrinus Kraft deutsch-lat. wb. (1843) 1, 1151; getigert, mottled Eitzen wb. der handelssprache 317: im spätjahr findet man die zweigblätter der centifolie, auf der untern seite, mit leicht abzuklopfendem staub überdeckt; dagegen die obere mit falben stellen getigert ist. Göthe (metamorphose der pflanzen) 58, 174.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4388, Z. 12.

tigern, verb.

tigern, verb.
1)
intransitiv, tiegernde augen, die tigerartig funkeln oder lauern. Barth weiberspiegel V 1ᵇ.
2)
transitiv, tigerartig bunt, fleckig machen: sein schmales gesicht war voller geworden, die groszen sommersprossen, welche ihn früher getigert hatten, waren verblichen. Freytag ges. werke 5, 69; ein getigertes pferd, blatt u. dergl.;
(er sasz) auf einem getigerten hengst.
Wieland der neue Amadis 2, 20;
im spätjahre findet man die zweigblätter der centifolie auf der untern seite mit leicht abzuklopfendem staub überdeckt, dagegen die obere mit falben stellen getigert ist. Göthe 58, 174.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 498, Z. 26.

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Zitationshilfe
„getigert“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getigert>, abgerufen am 16.10.2021.

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