Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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getobt, getopt, participiales adjectiv

getobt, getopt, participiales adjectiv
zu toben, begegnet vereinzelt an stelle des häufigeren top (Lexer 2, 1461, tobic 2, 1454, d. wb. theil 11, 531) oder des particip. präsentis tobend (theil 11, 529):
so wenend die lüt er si getopt.
teufels netz 9632.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4389, Z. 10.

toben, verb.

toben, verb.
1)
intrans. tob (oder wie tob) sein oder werden, demgemäsz sich auslassen, bewegen und handeln, ahd. tobên topên topân und tobôn topôn (furere, delirare, insanire, grassari, debachari Graff 5, 348 f.), mhd. toben; öfter verbunden mit sinnverwandtem rasen, wüten.
a)
von lebenden wesen: mhd.
toben er began
von ungefüegem zorne.
Nibel. 191, 3;
Wate tobete sêre (zeigte rasende kampflust).
Gudrun 1494, 1 u. anm.;
dû tobest (bist von sinnen), ode eʒ ist dîn spot.
Iwein 1807;
mîn frowe mac wænen daʒ du tobst,
sît du mich alsô verlobst.
Parzival 86, 5;
owê danne, sô hân ich getobet (war ich ein thor).
Walther 40, 22;
nhd. sie schelten und fluͦchen, wüten und toben gleich den zornigen hunden. Keisersberg seelenp. 155ᵇ; aber was frage ich darnach? sie toben oder rasen. Luther 5, 142ᵇ; er lies sie toben und wüten. ps. 78, 79; warum toben die heiden? 2, 1; denn sihe, deine feinde toben. 83, 3; da das die völker horeten, tobeten sie (so in den ersten sieben ausgaben nach irati sunt der vulgata, später erbebeten). 2 Mos. 15, 14, vergl. zeitschr. f. deutsche philol. 22, 335; könig Saul wird unsinnig, schreit und tobet. H. Sachs 15, 50, 21; der pfarrer was zornig und dobet fast. Eulensp. 58 (37) neudr.; dasz er anfieng vor rachgiriger boszheit zu ... toben. Fischart Garg. 111ᵇ; toben von zorn, furere Maaler 402ᵈ;
sich selbsten schelten,
sich selbsten loben
thun kluge selten,
thun die, die toben (sinnlos handeln).
Logau 2, 5, 31;
ich mache mir gedanken, dasz Deutschland immerdar,
es tobe, wer da wolle, wird bleiben, was es war.
2, 2, 26.
toben mit:
dein rachsalig gmüt
... tobt und wüt
mit schelten, fluchn, schlahen, mördn.
H. Sachs 1, 472, 2;
er hat mit morden und brennen grausamlich getobet. Wedel hausb. 127;
so haben wir mit höllischen latwergen
in diesen thälern, diesen bergen
weit schlimmer als die pest getobt.
Göthe 12, 58 (Faust 1052 Weim.);
oh! ich könnte weinen wie ein weib und mit
der zunge toben.
Schiller 13, 128 (Macb. 4, 6).
toben gegen, wider: sie toben wider gott thürstiglich. Hiob 12, 6. 2 Macc. 7, 19; die torheit eines menschen verleitet seinen weg, das hertz wider den herrn tobet. spr. Sal. 19, 3; wider den bischof soll niemandt doben, auch gegen den er unbillich handelt. Frank weltb. 54ᵃ;
wenn ihr mich bindet, ...
so werd' ich toben gegen meine bande.
Schiller 14, 360 (Tell 3, 3).
toben durch, in:
so sang der wüste schwarm (der wilden jagd) und tobte durch die luft.
Schulze Cäcilie 10, 45;
die gasse, worin der knabe tobt, rennt, stürzt. J. Paul Levana 3, 4; kindern sagt man nach, dasz sie in ihre gesundheit toben. J. Grimm kl. schriften 1, 199. toben nach, leidenschaftlich wonach verlangen oder jagen:
sîn herze ûf freude brinnet
und tobt nâch grôʒen êren.
warnung 3251;
wir tobten niht sô hart nâch guot.
Thomasin welscher gast 4177;
von übermuot daʒ geschiht,
daʒ wir toben nâch hêrschaft.
4181;
wie ir herze leides vol
nâ dem fürsten tobte.
Reinfr. v. Braunschw. 7195;
dinge, nach denen so vast alle menschen ... ringen und dringen, toben, wuͤten. Aventin. 4, 622, 8.
b)
von heftigen erregungen und leidenschaften, von kampf und streit u. dergl.:
du hast ein angefochten hertz,
das in begier tobet und wuͤt.
H. Sachs 10, 348, 4;
wie kumpts doch, das mir tobt mein gmuͤt.
Schmelzl verl. sohn 26ᵇ;
eine hölle
von eifersucht tobt unter mir!
Göckingk 1, 85;
es tobt' ihr jungfräuliches blut,
dasz sie sich kaum zu fassen wuszte.
Wieland 10, 132;
(pein,) die jetzt in ihrem busen tobt.
Schiller 5, 2, 180 (don Carlos 1, 5);
wir müssen, müssen vorwärts gehn,
wie wahn und trug auch toben!
Voss ged. 4, 279;
es tobt' unermeszlicher aufruhr.
Il. 12, 471;
und wie des meeres brandung tobt der streit.
Körner 39ᵃ;
übertragen auf elementare kämpfe und kräfte (s. 2): und ob seine (des meeres) wellen schon toben. Jer. 5, 22; die wasser sahen dich und engsteten sich, und die tieffen tobten. ps. 77, 17; es sind auch die winde ein teil zur rache geschaffen, .. und wenn die straffe komen sol, so toben sie, und richten den zorn aus, des, der sie geschaffen hat. Sir. 39, 34;
wenn der ergrimmte donner tobt.
Mühlpforth leichenged. 3;
wie eine losgelaszne hölle tobt
der sturm.
Schiller 13, 310 (jungfr. von Orl. 5, 1);
also .. toben die rasenden winde.
Lenz ged. 57 Weinhold;
auch der ocean tobt.
60;
wo .., von hoher brücke übersprungen, der wilde strom tobt. Göthe 22, 139.
2)
tobend partic. adj., furiosus, insanus, rabidus Dief. 253ᵇ. 300ᵇ. 482ᵇ (vgl. tobendig): mhd.
er wolte sich ertrenket hân
gelîch als ein tobender man.
Mai u. Beaflor 135, 8;
daʒ mîne sinne erkanden
nie ritter mit sô tobendem muot.
Virginal 787, 11;
ich gevâhe tobende sinne (gerate in wut). Schwabensp. 173, 12 Gengler; der heher wirt dicke tobent ..., also daʒ er sô unsinnig wirt, daʒ er sich erhæht in die zwislegen este auf den paumen. Megenberg 199, 19, vgl. 219, 24; von elementen:
si nam daʒ leide veige vaʒ,
si truog eʒ dannen und warf daʒ
in den tobenden wilden sê.
Trist. 11699;
(dasz sie) in zugen ûʒ dem tobenden sê.
Konrad troj. krieg 14153;
daʒ wir sît mohten nie
geschiffen ûf daʒ tobende mer.
22441;
als in daʒ wilde tobende mer
vil manic waʒʒer diuʒet,
sus rinnet unde fliuʒet
vil mære in diz getihte grôʒ.
236;
nhd. die tobende jugend, tobende worte. Stieler 2284; tobender hund. versehung eines menschen 93ᵇ; dobende sucht, frenesis Dief. 247ᵃ; das ebullirende und tobende geblüt (bei hitzigen krankheiten). Hohberg 1, 313ᵇ;
der tobend-tolle wind.
Weckherlin 342;
das tobende meer, mare tumidum Aler 1901ᵇ; ich besinne mich, wie die tobende see mein schiff herumwarf, dasz der kiel krachte. Schiller 3, 316 (Fiesco 4, 14); und so legen sich nach und nach die tobenden wellen (ihrer seelenkrankheit). Göthe 25, 281;
tobendes schlachtengetümmel.
Voss Od. 11, 314;
wenn sich im kampfe tobender partheien
die stimme der gerechtigkeit verliert.
Schiller 11, 401.
3)
reflexiv, tobend sich auslassen, betragen:
wie eʒ dem ritter nu ergie,
der sich sô vaste hât getopt.
Reinfr. von Braunschweig 9173;
mit angabe der wirkung:
es tobten sich im kriege die männer vormals müde.
Logau 3, 10, 9.
4)
trans., in wilder, tobender weise etwas thun: hott toben, s. töbern;
und wird auch kein .. walzer getobt.
Göthe 1, 138;
mit angabe der wirkung: gewöhnlich flüchtete ich mich ... in die gärten, um in der frischen winterlandschaft das herz wieder muthig zu toben. J. E. Wagner Wackernagels lesebuch 3, 2, 1292ᵇ, 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 528, Z. 38.

toben, n.

toben, n.
der substantivisch gebrauchte infinitiv des vorigen: mhd.
sich huop dâ michel ringen
unde ein brehten unde ein toben.
Konrad troj. krieg 16409;
die getorste er schelten unde loben:
man næme ietwederʒ vür ein toben (für narrheit).
das bloch v. 644;
der hund toben (wut) vertreibt man .. Megenberg 125, 21; eʒ sint waʒʒer in dem land Campania, diu benement den frawen ir unfruchtperkeit und benement den mannen ir toben. 483, 21. — nhd. daselbs müssen doch aufhören die gottlosen mit toben. Hiob 3, 17; das toben deiner widerwertigen wird je lenger je gröszer. ps. 74, 23; der du stillest das brausen des meers ... und das toben der völker. 65, 8;
dempf eilends den verkehrten sinn!
sein viehisch toben gantz zu stillen
mustu mit gutem raht mich füllen.
S. Dach 443 Öst.;
eine fürstin starbe noch in bester jugend, ..
ieder der sie kante ...
hat des todes toben sehr gescholten.
Logau 3, 5, 76;
du (tod) bists, der uns entzeucht dem toben toller zeit.
3, zugabe 2, 142;
nun bringt man zeitung her,
dasz der waffen toben
ganz sei aufgehoben.
Rist dicht. 161, 15 Gödeke;
das toben der winde, ventorum vis, vehementia, rabies Stieler 2284;
da steht der held ganz unbewegt:
so wie ein fels, wenn mit vergebnem toben
sturm, gusz und fluth den starken rücken schlägt.
Pyra u. Lange 140 neudruck;
der begihrden wildes toben.
Drollinger 21;
von dem toben
des hohen busens aufgehoben.
Göckingk 1, 83;
und sollen wir singen, was weiter geschehn,
so schweige das toben und tosen.
Göthe 1, 197.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1891), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 530, Z. 24.

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Zitationshilfe
„getopt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getopt>, abgerufen am 01.12.2021.

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