Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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getrachte, getracht, n.

getrachte, getracht, n.,
verstärkte bildung zu dem aus tragen (s. d.) abgeleiteten substantiv tracht (s. d.), mhd. trahte, traht. das compositum gehört zwar der älteren sprache an, greift aber mit einigen resten seiner mannigfaltigen verwendungen auch in die übergangszeit über und läszt sich mundartlich bis in die neueste zeit verfolgen.
1)
in der bedeutung mit dem nahe verwandten getregide, getreide (s. d.) sich berührend, knüpft auch getrehte an tragen = hervorbringen an. vgl. trahte = leibesfrucht (in dînes lîbes êrste trehte. Lexer 2, 1493):
daz vnraine gislæchte.
daz böse getræchte.
daz also wird von in.
daz hat houbet fiurin.
Albers Tundalus 58, 7 Hahn (bestie capita);
einen son het dô der
der heʒ nah im ovh Alber
von dem daʒ vil edel getræcht
ist chomen Chuͦnringer geslæcht.
lib. fundat. des stiftes Zwetel (14. jahrh.) fontes Austr. 2, 3, 11.
hierher gehört auch, sofern mit Sprenger zschr. d. phil. 7, 94 an wörtliche übersetzung des vulgatatextes 'non bovem, non asinum' zu denken ist und nicht ein ganz allgemein das besitzthum zusammenfassendes wort vorliegt:
wir sulen ouch niemans niht gern,
des wir zuͦ rehte sulen enperen,
sînes guͦtes, sînes knehtes,
sîner diernen, sînes getrehtes
noch alles des niht, des er hât.
H. v. Krolewitz vaterunser 3539.
2)
an tragen in seiner iterativen bedeutung knüpft traht = dapes, ferculum (Lexer 2, 1493) an. die allgemeinere bedeutung, die dieser zu grunde liegt, ist noch heute in einem mundartlichen reste des compositums zu erkennen: gedracht, n., bürde, tracht Woeste wb. der westfälischen mundart 74ᵃ. an die specielle mittelhochdeutsche verwendung dagegen knüpft an:
dise lere merke er vil eben
die im diz buch wil geben
wann eʒ kan wol berihten
von manigerleie gerihten
von groʒʒen und von kleinen
wie sie sich vereinen
und wie sie sich besachen
daʒ sie klein getrahte zu hoher spise machen.
buch von guter speise (14. jahrh.) 1, vgl. auch Schmeller² 1, 644.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4410, Z. 4.

getrachte, getracht, n.

getrachte, getracht, n.,
verstärkte bildung zu dem aus tragen (s. d.) abgeleiteten substantiv tracht (s. d.), mhd. trahte, traht. das compositum gehört zwar der älteren sprache an, greift aber mit einigen resten seiner mannigfaltigen verwendungen auch in die übergangszeit über und läszt sich mundartlich bis in die neueste zeit verfolgen.
1)
in der bedeutung mit dem nahe verwandten getregide, getreide (s. d.) sich berührend, knüpft auch getrehte an tragen = hervorbringen an. vgl. trahte = leibesfrucht (in dînes lîbes êrste trehte. Lexer 2, 1493):
daz vnraine gislæchte.
daz böse getræchte.
daz also wird von in.
daz hat houbet fiurin.
Albers Tundalus 58, 7 Hahn (bestie capita);
einen son het dô der
der heʒ nah im ovh Alber
von dem daʒ vil edel getræcht
ist chomen Chuͦnringer geslæcht.
lib. fundat. des stiftes Zwetel (14. jahrh.) fontes Austr. 2, 3, 11.
hierher gehört auch, sofern mit Sprenger zschr. d. phil. 7, 94 an wörtliche übersetzung des vulgatatextes 'non bovem, non asinum' zu denken ist und nicht ein ganz allgemein das besitzthum zusammenfassendes wort vorliegt:
wir sulen ouch niemans niht gern,
des wir zuͦ rehte sulen enperen,
sînes guͦtes, sînes knehtes,
sîner diernen, sînes getrehtes
noch alles des niht, des er hât.
H. v. Krolewitz vaterunser 3539.
2)
an tragen in seiner iterativen bedeutung knüpft traht = dapes, ferculum (Lexer 2, 1493) an. die allgemeinere bedeutung, die dieser zu grunde liegt, ist noch heute in einem mundartlichen reste des compositums zu erkennen: gedracht, n., bürde, tracht Woeste wb. der westfälischen mundart 74ᵃ. an die specielle mittelhochdeutsche verwendung dagegen knüpft an:
dise lere merke er vil eben
die im diz buch wil geben
wann eʒ kan wol berihten
von manigerleie gerihten
von groʒʒen und von kleinen
wie sie sich vereinen
und wie sie sich besachen
daʒ sie klein getrahte zu hoher spise machen.
buch von guter speise (14. jahrh.) 1, vgl. auch Schmeller² 1, 644.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4410, Z. 4.

getrachte, n.

getrachte, n.,
verstärkte bildung zu dem ausgestorbenen fem. trahte; sie ist wie das grundwort in der neueren sprache durch den substantivierten infinitiv des verbums verdrängt; vgl. dichten und trachten. in der althochdeutschen zeit standen drei bildungen nebeneinander: das fem. gitrahta, das neutr. getrahtede und gitrahte Graff 5, 515:
óba ih thaʒ irwéllu,   theih sinaʒ lób zellu,
zi thíu due stúnta mino,   theih scribe dáti sino:
úbar mino máhti   so íst al thaʒ gidráhti;
hóh sint, so ih thir zellu   thiu sinu thíng ellu.
Otfrid an Ludwig den Deutschen 11.
die mittelhochdeutsche zeit bevorzugt das neutrum, das auch im mhd. wb. 3, 83ᵃ (Lexer 1, 947) als einzige form angegeben ist, dem aber doch auch das fem. gelegentlich zur seite tritt: wenn solhe getrahte seiner minne erczundet in unserm herzen unser minne. von den 6 namen des fronleichnams bei Merzdorf 4, 42 (in der Heidelberger handschr., in der Aargauer steht betrachtunge). weder die lyrik noch die epik der blütezeit verwendet unser wort, es tritt erst in der späteren dichtung wieder auf:
daʒ du eʒ herr durch dich tuͦst
und durch die minne in der geluͦst
dô du dis speis machte;
erlewcht mein getrachte;
cze sprechen, deʒ du geruͦches.
Heidelb. handschr. zu den '6 namen d. fronleichnams' Merzdorf 4, 42 (in den Münch. hdschr. getrehte);
in disen contemplieren lauffent si mit ir getrahte zwischen den himelischen schâren, sie sehent an die schönen ordenung der engel. ebenda 55;
wan rôr surch, saher unde gras
ein lange zîl was zwischen in,
daʒ ietweders teiles sin
dûht dâ selbes wær ein mos,
daʒ dehein ros
mit gewarheit überkomen möhte.
daʒ was ir ietwedes getrehte.
Ottokar 15338 Seemüller;
ob er indert ze hûf
mit den vînden komen möhte,
darûf stuont alleʒ sîn getrehte.
57090;
dô diu klage het ein ende,
kunic Ruodolf der behende
het maniger slaht getrehte,
wie er daʒ darzuo bræhte,
daʒ mit vollen rehten
sînem sun Albrehten
und ouch Ruodolfen
der lande wurde geholfen,
diu er het ervohten.
18899;
ietweder ûf des andern schaden
mit getraht was munder.
27714;
swa valsch untreuwe wider gat,
da enruche ich, weder irʒ beʒʒer hat,
der zweir, ob man eʒ sprechen sol,
ist leider manic capitel vol,
swenn sie des tages vnd in der naht
beten solten mit andaht,
so stet ir manges getrehte,
wie er sinem bruder tv vnrehte
vnd betrube im sinen mvt.
renner 4109 u. a.;
wach vff, mein hordt, sich hat geschartt
des sternes glast von himels gartt.
wachter, ich spür dein valsche wartt ..
ob mir miszlung min hine fart,
du hast dich vil ze lang gespart,
das macht dein schnöds geträchte.
Hätzlerin 1, 20, 28; dieselben verse (in verstümmelter überlieferung) bei Wolkenstein 29, 1, 30;
also reit ich in dem getracht
durch veyol, rosen und durch clee.
ich gedacht: seid oder ee
ward nye so wol geziert ein plan.
Hätzlerin 2, 57, 20;
von manchem man
der sich mit dem getrachte
verkeren tuot, so im der wein
zuͦ nahen kumbt und im versêrt das hieren sein.
O. v. Wolkenstein 23, 1, 8 Weber;
auff dise grassen puberei
gedaht ich hin vnd wider,
ich ging auff vnd auch nider.
als ich nun gieng in dem getreht,
da kam zu mir ain harnasch knecht.
Beheim 326, 20;
mit reynem getrechte und fursatze. handschr. des 15. jahrh. der Frankfurter stadtbibliothek Diefenbach-Wülcker 618. andere beispiele aus Münchener handschr. bei Schmeller² 1, 644.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4410, Z. 51.

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Zitationshilfe
„getracht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getracht>, abgerufen am 28.11.2021.

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