Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

getreidebau, m.

getreidebau, m.,
steht unter den entsprechenden zusammensetzungen nur hinter dem allgemeinern feldbau (s. d.) zurück, dagegen übertrifft es an verbreitung das synonyme fruchtbau (s. d.), während für kornbau (s. d.) überhaupt nur spärliche und ältere belege vorliegen.
1)
in den wörterbüchern reichen die beispiele bis in das 17. jahrhunäert zurück: es ist kein getreidebau in dem lande, haec regio vacat omni cultu frumentario Stieler 103. Steinbach, Frisch, Adelung u. a. bieten keine belege, aber Schwan: der getreidebau l'agriculture, le labourage (1782) 739. ähnlich Campe 2, 352; getreidebau, frumenti cultura Kraft 1, 1151; getraidebau, cultivation of grain, agriculture Hilpert 460. vgl. Eitzen wörterbuch der handelssprache 317.
2)
die litteratur führt in die mitte des 17. jahrhunderts: im Nassauischen, Burbacher gründe, Wittgensteinischen etc. kommen die sogenannten hauberge, und haine der untertanen für, welche, unter andern, zum kolen- und eisen-handel nüzlich zu gebrauchen sind: darnebst zum frucht- und getraidebau, als korn, heidlof, hafer etc. angewendet werden. Estor teutsche rechtsgelahrh. III (1767) s. 771, wenn er dann den getraidebau weniger einträglich findet als wein, oder andere mäszig lohnende gewächse, über deren verkauf er herr bleibt; so läszt man diese mit gewalt auszreiszen. Reimarus die freiheit des getraidehandels (1790) 93; der erdstrich unseres und besonders des gebirgigen landes hat wenigen zu dem getreidbau (über die apokope bei getreid vgl. ob. sp. 4454) ganz fruchtbaren boden, und grösztentheils kaltes klima. hier müssen also der natur die erdfrüchte mit gröszerer mühe und vielem dünger abgezwungen werden. nur setzet die verbesserung des getreidbaues eine nützliche anwendung und vermehrung des düngers in voraus, welche ich in zweyerley gattungen abtheile. anmerkungen über die verbesserung des getreidbaues überhaupt und vorzüglich im Salzburgischen (Salzburg 1790) 7; es wird wol niemand mehr in abrede seyn können, dasz der getraidebau nicht ebenfalls als eine fabrik anzusehen sey, bei welcher das getraide die waare, und die ackerleute als die fabrikanten zu betrachten sind. der getraidebau ist überdies noch zugleich mehr als ein blosses leichtes handwerk — es ist eine wissenschaftliche manufaktur, wobey die natur, kunst und übung noch zu der erfahrung die mittel vereinigt darreichen müssen. wahrheit ohne schminke über den freyen getreidehandel (Leipzig 1804) vorbericht 1; die überwiegenden vortheile einer unbeschränkten fruchthandelsfreyheit sind daher, dasz der getraidebau immer mehr zunimmt, so wie sich die allgemeinheit des handels immer mehr verbreitet haben wird. 160; die fortschreitende vermehrung des getreidebaues, mit der vermehrung der verzehrer nicht im verhältnisz stehend, übt einen nachtheiligen einflusz auf die getreidepreise. Rutschmann bad. II kammer, 30. juni 1835 (vom regierungstische aus wurde ebenda stets das synonyme fruchtbau verwendet); diese kosten (arbeitslohn, ankauf und vermahlung des getraides, disconto und speculation des fruchthandels) waren im mittelalter auf ein minimum fixirt, denn bei eigenem getraidebau hatte der consument nur die festbestimmten mahlkosten, und die gebühr in den bann- und gemeindebacköfen zu zahlen. Mone zeitschr. gesch. Oberrheins 19, 385; wo ist also da die gleiche behandlung des inländers und des ausländers, nachdem man den inländischen getreidebau mit einer hohen steuer belastet hat, die ja doch nothwendig auf die vertheuerung des inländischen getreides wirken musz? Bismarck reden (4. febr. 1881, reichstag) 8, 231; so sollte man annehmen, dasz man damals anstatt der grundsteuer eher eine prämie auf den getreidebau im lande gezahlt hätte, und, wenn man keine prämie zahlte, es doch im höchsten interesse der öffentlichen ernährung gefunden hätte, dasz der inländische getreidebau mindestens steuerfrei wäre, damit er recht wohlfeil den consumenten versorgen könne. Bismarck reden (2. mai 1879 reichstag) 8, 24; es ist eine pflicht gegen unsere nachkommen, dasz wir den inländischen getreidebau nicht in verfall gerathen lassen. (14. juni 1882 reichstag) 9, 381.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1898), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 4474, Z. 52.

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Zitationshilfe
„getreidebau“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getreidebau>, abgerufen am 30.11.2021.

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