Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

getreidehandel, m.

getreidehandel, m.,
reicht zwar nicht wie kornhandel (th. 5, 1826) in das 17. jahrh. zurück, wird aber in der litteratur des 18. jahrhunderts und in neuerer zeit viel verwendet. vgl. fruchthandel th. 4, 1, sp. 273.
1)
in wörterbüchern: getreidehandel s. kornhandel Chomel 4, 1023; der getreidehandel la greneterie Schwan (1782) 739; getreidehandel, der handel mit getreide. Campe 2, 353; getreidehandel, corntrade Hilpert 460. vgl. Kraft 1, 1151.
2)
in der litteratur.
a)
die fachlitteratur um die wende des 18. jahrh. führt das wort gerne auf büchertiteln: die freiheit des getraidehandels nach der natur und geschichte erwogen von J. A. H. Reimarus. Hamburg 1790; wahrheit ohne schminke über den freyen getraidehandel. Leipzig 1804; die polizey des getreydehandels, aufs neue untersucht von H. L. M. Barckhausen. Halle 1804. diese schrift schlieszt sich in der namengebung an einen vorgänger an (briefe über die polizey des kornhandels 1773).
b)
innerhalb der litteratur selbst ist es vorwiegend der freie oder unfreie charakter des handels, der im vordergrunde steht. vereinzelt werden auch bestimmte formen gestreift.
α)
seit einigen jahren hat man die sache besser eingesehen: der getraidehandel ist völlig frei, und die zölle davon sind aufgehoben. Reimarus a. a. o. 21; se. itzt regierende churfürstliche durchlaucht ... foderten alle hohen landskollegien, die löbliche landschaft .. auf .. zu untersuchen, wie die unbeschränkte freiheit des getreidhandels, so bald immer möglich ein unwiderrufliches fundamentalgesetz in Baiern werden könne. vorschlag zu einem städt. getreidmagazin (München 1795) 24; von den vielen schriften, welche in jenen jahren und nachher über diesen gegenstand heraus kamen, vertheidigten bei weitem die meisten eine uneingeschränkte freiheit des getreidehandels. Barckhausen 2; und dasz wir nur allein von dem ackerbaue, mithin von der freiheit des getraidhandels leben müssen. Justi memoiren III anhang 45; der freie und unbeschränkte naturproductenhandel überhaupt, und der getreidehandel insbesondere ist dasjenige beförderungsmittel des akkerbaues, ohne welches alle übrigen nur palliativ sind. J. P. Harl vollständiges handb. der staatswirthschaft (1811) 1, 435. entgegengesetzte bestrebungen neuerer zeit vgl. unter getreidemonopol.
β)
herr S. meint überdem, dasz alles, was von begünstigung so bedeutender handelszweige als bierbrauereien und branntweinbrennereyen gesagt werden könne, noch mehr bei dem reinen getreidehandel statt fände, und dasz die hände, welche zur vermeinten veredelung jener producte dienten, nützlicher bei dem ackerbau beschäftigt werden könten. Barckhausen die polizei des getreidehandels 45; rathsam scheint es daher zu sein, den inneren getreidehandel eher zu ermuntern als einzuschränken, zumahl der hoffnung eines groszen, oft daraus entstehenden gewinns ungeachtet, die eben so grosze gefahr des verlusts, verbunden mit dem unzeitigen hasse des volks gegen dieses gewerbe, mehr davon abschreckt, als dazu einladet. 61.
c)
aus neueren quellen: Stettin hatte .. vor der erwerbung von Polen allerdings einen getreidehandel mit dem inlande, aber die ausfuhr war selten frei und das magazinsystem unter Friedrich dem groszen trat dem freien getreidehandel entgegen. Th. Schmidt zur geschichte des handels und der schifffahrt Stettins 84; beim getreide- und saathandel sowohl vom verkäufer als vom käufer .. vom kaufpreise 1⁄4 procent. gebührentaxe für die handelsmäkler in Danzig (1865) zeitschrift für handelsrecht 10, 120; indem wir an der grenze südlich von Villingen nur 4—8 kr. und nördlich dieser grenze 50 kr. erheben lieszen, haben wir die natürliche richtung des getreidehandels verändert. Nebenius II. badische kammer 30. juni 1835; wohl weisz ich, .. dasz in dem getreidehandel an der Weichsel sich manche böse miszbräuche eingeschlichen haben. Treitschke deutscher reichstag 20. mai 1879. der neueren litteratur gehören zahlreiche zusammensetzungen an, die das compositum getreidehandel wiederum als compositionstheil verwenden. bei Naudé die deutsche städtische getreidehandelspolitik (Schmollers forschungen VIII, 5) treten auszer der im titel vorliegenden zusammensetzung noch folgende formen auf: eine fülle getreidehandelspolitischer schriften, diese umfangreiche getreidehandelslitteratur, übel der jeweiligen getreidehandelszustände (s. 2); eine getreidehandelsepoche (s. 3); ein steter getreidehandelsverkehr der Deutschen und Römer (15); die getreidehandelsmasznahmen von 1458 (42); der grosze getreidehandelsmarkt Deutschlands (54); die getreidehandelsverfassung beider städte (108); den getreidegroszhandel und die ausfuhr anlangend (79).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1898), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 4480, Z. 44.

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Zitationshilfe
„getreidehandel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getreidehandel>, abgerufen am 03.12.2021.

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