Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

getreideland, n.

getreideland, n.,
vgl. fruchtland th. 4, 1, sp. 275; kornland theil 5, 1828. der erste beleg für die einbeziehung von getreide in diese verbindung stammt wiederum von Luther, und zwar erscheint die zusammensetzung dort in derselben bedeutung, die bei den schwesterbildungen im vordergrunde steht: land ist von der technischen seite aufgefaszt, die bodenbeschaffenheit wird hervorgehoben. in neuerer zeit tritt gerade an den belegen mit getreideland mehr die politische seite hervor, getreideländer sind landgebiete, in denen viel getreide erzeugt wird.
1)
Asser hat gut getreideland innen gehabt. Luther glossen zu 1 Mos. 49, 20;
ihr wirte, die ihr pflegt das treideland zu bauen.
W. Scherffer gedichte 250, vgl. Drechsler 262;
getreydland terra frugifera Stieler 1063; die gärten der Afrikaner sind ohne methode und absicht, ein gemisch von obstbäumen, beeten und getreideland: vor unnütze parterren ist ihr boden zu fruchtbar; ihn aber zu bedüngen, ordentlich zu bepflanzen und zu verbessern, ist wider die sitten ihrer vorfahren, und also unnütz. Herder (herrn Thomas Schaws reisen) 1, 82/3.
2)
dasz ein getreidland, wie Baiern, zu allen zeiten getreid ausführen werde und wegen seinem eigenen wohlstand ausführen müsse. vorschl. zu einem städt. getreidmag. (Münch. 1795) 110; in einem von der natur gesegneten getreidelande ist für die erhaltung des staates, so lange als nach der göttlichen verheiszung saat und erndtezeit nicht aufhört, wenig zu besorgen. über den freyen getraidehandel (1804); 144 bekanntlich ist Mecklenburg ein getreideland, wo der ackerbau und die viehzucht fast ausschlieszlich alles liefern musz, was die einwohner .. bedürfen. ebendort 170. getreide-land. cornland Fahrenkrüger 325; ebenso Hilpert 460. Bismarck verwendet auch den ausdruck kornland (reden 8, 67), giebt aber doch hier der zusammensetzung mit getreide den vorzug: ist in diesen groszen getreideländern eine miszernte, so wird es eben nicht kommen, ist es eine gute regelernte, so wird es uns trotz zoll doch kommen müssen. Bismarck reden (21. mai 1879 reichstag) 8, 67; in der zeit, wo die getreidepreise höher waren wie heute, wo die eisenbahnentwicklung der groszen östlichen getreideländer noch nicht die wirkung auf unseren markt erreicht hatte, wie jetzt. 8, 59.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1898), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 4483, Z. 19.

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Zitationshilfe
„getreideland“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getreideland>, abgerufen am 06.12.2021.

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