Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

getreidemarkt, m.

getreidemarkt, m.,
jüngere und weniger verbreitete bildung als die zusammensetzungen mit den synonymen. das volkstümlichste wort ist kornmarkt (theil 5, 1828), das im norden und süden gebräuchlich ist und das, wie es schon mittelhochdeutsch belegt ist, so auch noch jetzt an straszennamen und plätzen haftet. fruchtmarkt (th. 4, 1, sp. 277) schränkt sich mehr auf den südwesten ein. für getreidemarkt sind es wiederum thüringische und bairisch-österreichische quellen, die das wort einführen, und aus den Leipziger wörterbüchern erst stammt die verbreitung in der litteratur, die dem worte heute für den schriftlichen geschäftsverkehr das übergewicht verschafft hat. in den älteren belegen überwiegt die bedeutung eines nomen actionis, daher die verbindung markt halten, abhalten; vielfach jedoch auch localisiert sich diese bedeutung in der örtlichkeit, in der die thätigkeit stattfindet, markt, marktplatz. vgl. getreidebörse.
1)
die gastgebere sollen kein getreydig-markt mit aufladen und sonsten in ihren höfen bey straff eines guldens gestatten. statuten von Zeitz (1573) 1, 272 Schott; der thraitmarkt aber soll allweeg zwai jahr auf dem obern und zwai jahr auf den undern platz zu halten verbleiben. nachbanntaiding von Stockerau. handschr. von 1642, öst. weisth. 8, 447; nahend an einer grossen stadt, wo traydmärckte gehalten werden. Hohberg 7 cap. 54.
2)
getreid-marckt the cornmarket. teutsch-engl. wb. (1716) 766, ebenso später Hilpert 461; getreydemarkt, forum frumenti Kirsch 179ᵃ; ebenso Corvinus 365. Frisch 2, 380; getreidemarckt (cornmarckt) gerechtigkeit und platz Chomel 4, 1025; getreidemarckt marché aux blés Rondeau-Buxtorff 263, ebenso Schwan (1782) 739; Krünitz 18, 20 und Jacobsson 5, 663 verweisen unter getreidemarkt auf kornmarkt; getreidemarkt, forum frumentarium, mercatus frumentaria Kraft 1, 1151; auf den schrannen und getraidmärkten. intelligenzblatt von Unterfranken, 14. november 1850; erst durch niederkämpfung der benachbarten märkte haben sich städte, wie Hamburg und Stettin, zu groszen getreidemärkten emporgeschwungen. Naudé die deutsche städt. getreidehandelspolitik 15. die zeitungen haben eine ständige rubrik für die berichte vom getreidemarkt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1898), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 4484, Z. 64.

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Zitationshilfe
„getreidemarkt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/getreidemarkt>, abgerufen am 27.11.2021.

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