Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

gewöhnlich, adjectiv und adverb

gewöhnlich adjectiv und adverb
erfolgreichste der adjectivableitungen unserer sippe, namentlich für die prosa und umgangssprache. sie führt auf gewon (vgl.kewohn sp. 6470; sp. 6480) zurück. zu den nebenformen mit dental s. u.
I.
älteste belege, sonderentwicklung in der rechtssprache, statistik, formen.
1)
auf deutschem boden ist die ableitung spät bezeugt (vgl. Graff 1, 870); erst die mittelhochdeutsche dichtung zeigt fortgeschrittene entwicklung, in der ihr das angelsächsische zuvorkommt (vgl. Bosworth-Toller 471). dort sind prädicative, attributive und adverbiale verbindungenmit und ohne anlehnung an lateinischen gebrauchbeobachtet: þam folce was gewunelîc (it was usual with the people) richter 7, 8; eall đaet was gewunelîc an đisan lande Saxon chronicles 236 Earle (aus 1100); gewunelîcre mildtheortnysse, solita clementia. lat. hymnen 11, 25; gewunelîce cwa᷍ede, solita sit dicere Beda 4, 19; đe gewunelîce is nemned, consuete vocatur 4, 4. fürs deutsche bietet die negirte form den ersten anhaltspunkt: insolite, ungawonalihho Hrabanische glossen Steinmeyer-Sievers 1, 187 (anders Keronische glossen). hier waren aber entsprechende formen mit gawon zur hand, die das nächste bedürfnisz völlig deckten: ungawon, insolens, inusitatus; ungiwono, inusitato, sind entsprechungen, die von den Hrabanischen glossen bis in die mittelhochdeutsche zeit hinüberführen.
a)
anders ist es mit der positiven fassung des begriffs, für die das alte adjectiv giwon nicht in allen verwendungen ausreicht. die prädicative verbindung mit dem verbum substantivum zielte hier durchaus auf ein persönliches, zunächst handelndes subject und ist erst spät und ganz vereinzelt auf unpersönliche subjecte bezogen, die das object eines brauches einführen: mit allen deme daʒ gewon ist s. oben sp. 6475. dagegen bilden solche verwendungen. einen hauptausgangspunkt des mittelhochdeutschen gebrauches von gewonelich (s. u.). noch deutlicher wird das für die attributiven verbindungen, die bei gewon spärlich belegt sind und die einen wechsel der actionsart dort bedingen, vgl.: und uobten gewoneʒ ritterspil (var.: gewöhnlichen) Heinrich v. d. Türlin krone 29 159 Scholl.
α)
hierher weisen zwei zeugnisse des 12. jahrhunderts, die ältesten, die Graff a. a. o. für unsere bildung anführt:
dar nach ubir gewonlich zit
wart swanger daʒ selbe wip.
Milstäter exodus 124, 36 Diemer (s. auch unter c);
vgl. auch: ein ander tier ... heiʒʒet idris, dauon zellet phisiologus daʒ iʒ fiant si dem nikhuse (nickes, krokodil) unt ist diʒʒe sin gewonelich geslahte prosabearbeitung des Physiologus s. Diutisca 3, 25.
β)
im gegensatz zum substantiv sind beim abgeleiteten adjectiv die formen ohne präfix auf niederdeutsche belege beschränkt: wontlich (Hildesheim 1479) weisth. 4, 686; vgl. wontlik, wonlik Schiller-Lübben 5, 767. an der substantivischen weiterbildung greifen solche formen weiter aus; vgl. wonlicheit Lexer 3, 976; s. unter gewöhnlichkeit. andererseits ist eine substantivform zu unserem adjectiv mit praef. auch in der allgemeineren bedeutung belegt, die an unserer ganzen gruppe sonst nicht mehr zu beobachten ist (vgl. dagegen sp. 6471): benedictus man ich dich (Maria) das diu gotlich frucht dines libes gesegnot was vor aller zit in sines vater ewiger gewonlichî spätmittelhochd. tractat s. Alemannia 3, 105.
γ)
formen mit dental, die aus gewont (s. sp. 6496) erklärt, aber auch phonetisch gedeutet werden können, begegnen nicht nur in niederdeutschen, sondern auch in oberdeutschen denkmälern: vgl. gewondlich bayrische urkunde von 1375 s. deutsche städtechroniken 4, 181; Teuerdanck 138; gewandlich öster. weisth. 2, 148; gewendleich Iglauer stadtbuch 3, 174ᵈ; andererseits vgl.: unde han ... dit vurgenante testament in eyne uffinbar instrument gemachet unde han daʒ gezegent myt myme gewontlichen zechen ... Limburger urk. v. 1371 bei Wyss Limb. chron. 122; kemen de meyeheyde to Brunswyk tohope uppe allen vyf radhusen in dem schyne gewontlike hovetlude to kesende Henning-Brandis (1488) s. dtsche. städtechron. 16, 261; als it gewontlich was u. a. s. Schiller-Lübben 2, 106; alʒ byt her gewontlich ist gewest urkundenformel (1386) s. Bauer-Collitz 301; dan idt is gewaͤntlick, dat ... jüngere glosse zu reineke d. v. 87 Brandes; sine wanunge unde gewontlike 96; vgl. auch gewontlichen unter gewöhnlichen.
b)
in der mittelhochdeutschen dichtung
α)
läszt die prädicative verbindung mit dem verbum substantivum den gegensatz von gewonelich gegen gewone am sichersten zu tage treten: gewonelich giebt die möglichkeit unmittelbarer beziehung auf den geübten brauch, während bei gewone erst der umweg über das betheiligte persönliche subject zu nehmen ist. nur in einzelnen ausnahmefällen greift auch gewonelich hier in den bereich von gewone über, wie später gewone in den von gewonelich (sp. 6479/80): dô twang er die burger fürer denn si gewon wærint: dâ von wârent im die vient. dô muostent im die gebûren mêr guotes gên dann si gewonlîch wærint aus Christian des küchenmeisters neuen casus sancti Galli s. Wackernagel lesebuch 837, 16; dazu vergleiche aus den niederdeutschen dialogen Gregors: als he gewontlik was, als se gew. was Schiller-Lübben 2, 106.
1))
sonst erfordern diese verbindungen ein neutrales subjectpronomen und berühren sich auf das engste mit entsprechenden verbindungen des substantivs gewonheit; vgl.:
bi den selben ziten
was daʒ gewonelich,
si wære arme ode rich,
daʒ si mohte durch ir muͦt
riten swar si duhte guͦt,
unbesprochen und ane leit
daʒ was do gewonheit,
swa man deheine riten sach,
daʒ ir niemen niht ensprach.
Wirnt Wigalois 2359 ff.;
wie bei den rechtssprachlichen verbindungen von gewonheit, so stehen sich auch hier hauptsatz- und nebensatzformen gegenüber:
a))
ouch ist daʒ gewonlich
daʒ man dem sündigen man
nâch riuwen sünde vergebe.
Hartmann Iwein 8104;
sô ist ot gewonlich,
daʒ der bâbest und sin rât
solher gæhe niht enhât,
dâmit er iht verîle.
Ottokar österr. reimchron. 5408 Seemüller;
für die abgrenzung der adjectivverbindung gegen die des substantivs ist bemerkenswerth, dasz infinitive an stelle des substantivsatzes, wie sie bei gewonheit hier so beliebt sind, nur in niederdeutschen belegen beobachtet wurden: gewontlik is ... kopluden over mere to varende Hieronymus s. Schiller-Lübben 2, 106.
b))
zu den nebensatzformen vgl.:
dô sprach der marcgrâve   'ir edeln künige rîch,
als ir nu wider rîtet   (daʒ ist gewonlîch)
heim ze Burgonden   sô gib ich iu min kint
daʒ ir si mit iu füeret'.
Nibelungen 1624, 2 Lachmann;
gegen:
vil manic ritter küene
lac dô jaemerliche erslagen.
der wart gedunsen und getragen
ab dem gevilde sâ ʒehant
und von den Kriechen dâ gebrant,
als eʒ dô was gewonelich.
die burger ouch dô fliʒʒen sih,
daʒ si des selben pflâgen.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 37823;
die besitzer der padstuben ... sullen 13 arme leut, die mit czeichen als gewendlich ist, darkomen, alle wochen frei paden Iglauer stadtbuch III 174ᵈ s. Jelinek s. 318; als it gewontlick was (dial. Gregors 166) Schiller-Lübben a. a. o.; dat nicht gewontlick noch bequeme was (urkunden des hauses Stahlhof zu London 121) ebenda.
2))
bei diesen verbindungen, die ausschlieszlich eine mehrheit von personen als träger des brauches voraussetzen, ist die abgrenzung gegen die rechtssprachlichen wendungen (s. u.) oft strittig; vgl.: eʒ waʒ gewonlich in der alten e, swelh wib ein degenkint gebære, daʒ si sich darbete der kirchen vierzech tage spec. ecclesiae 39 Kelle.;
iʒ en ist gewonlich noch reht
daʒ ein man ein wip so minne
daʒ er aller siner sinne
vergeʒʒe durch ir libe.
ehmanns rat v. 188 s. kleinere mhd. erzähl. s. 103 Rosenhagen;
... sol er den selen ze hilff und ze trost auf ainen tag vier und twaintzzigk mezz haben und hundert kertzin tragen in gleichin mit ainem pfund wachs zuͤ dem opfer und zu der par als sitleich und gewoͤndlich ist bayrische urkunde s. deutsche städtechroniken 4, 181.
β)
die attributiven verbindungen, die in den mittelhochdeutschen belegen für gewon, gewone fast ganz fehlen oder, wo solche bezeugt sind, durch varianten eingeschränkt werden, sind bei unserer ableitung gerade aus der mittelhochdeutschen zeit reichlich belegt. gelegentlich schlieszen sich solche verbindungen unmittelbar an althochdeutsche zeugnisse für gewone an. zu Notkers fone kewonên slegen vgl.:
Lanzelet dô niht vergaʒ
der gewonlîchen slege sîn:
er treip den künic Valerîn
umbe in manege kêre
und wundet in als sêre.
Ulrich v. Zatzichofen Lanzelet 5323.
bemerkenswerth ist, wie sich hier aus einzelnen verbindungen geläufige formeln entwickeln; diese betreffen meist solche wendungen, in denen als träger der gewonheit ganze gruppen erscheinen, während die individuelle beziehung auch hierin spärlicher bedacht ist.
1))
nu mach den stein zebrot
ob du eʒ seist der gotes sun
so macht duʒ harte wol tuͦn
und satte dich der mite
nach gewoͤnlichem site.
Anegenge 37, 41 Hahn;
unz an den funften tac
heten si dâ bit,
unz man nâch gewonlichem sit
geteilt des roubes gewin.
Ottokar 84 821 Seemüller;
nach gewonlichen siten Marienlegenden 42, 32 Pfeiffer;
oitmudiclich die furstin rich
do nider kniet gewonlichem sit,
gotligher ordenunge.
Muskatplut (2, 62) s. 7 Groote;
eʒ ist ein gewonlicher sit.
könig v. Odenwalde (9, 49) 70 E. Schroeder;
welheu frawe ir gewonleich haimleichait well pringen ... diu trink rautensaf Konr. v. Megenberg buch der natur 417 Pfeiffer (vgl. gewonheit sp. 6570); etleich esel trinkent niht danne gewönleich prunnen und gar guot waʒʒer 120; vgl. auch: gewonlicher dinge gern Stricker (handschriftlich) nach Lexer;
von Wirzpurc der bischolf
nâch gewonlichem orden
burgel was worden
des bischolfes von Babenberge
an die juden ze Nurnberge,
ich enweiʒ umb wie vil.
Ottokar österr. reimchron. 33 436 Seemüller;
als si gewont hâten,
sus jâhens zuo den zîten,
si wolden birsen rîten
die gewonlich vart.
87 032.
vgl. auch gewonlich zît sp. 6597. besonders eigenartig ist die folgende verbindung:
eʒ ist ein gewonlîch wârheit:
lebet der mensch kurz oder lange
mit vreuden unde mit gesange,
owê, sô muoʒ er doch sterben tôt
Dietrichs flucht 2060 Martin.
2))
einzelne dieser verbindungen sind gelegentlich auch bei der beziehung auf einen individuellen träger des brauches beobachtet:
aine was an ir gelâʒe
ir selber noch der werlt niht mite
nâch ir gewonlîchen site;
swaʒ sî sich fröuden angenam,
swaʒ schimpfes ir ê wol gezam,
daʒ missestuont ir alleʒ dô.
Gottfried v. Straszburg Tristan 966 Marold;
nû muoʒ ich wider in daʒ lant,
von dem ich dir wart gesant.
dâ muoʒ mir aber sîn bereit
mîn gewonlîches kleit.
dô bat in da Jôsaphât
die gewonlîchen wât
zeigen, die der guote man
truoc gewonlîchen an.
Rudolf v. Ems Barlaam 163, 6 ff. Pfeiffer.
andere verbindungen gehören im besonderen zu der individuellen richtung; vgl.:
dô hâte im got niht verzigen
sîner gewonlîcher erbarmekeit
und sante im disiu zwei kleit,
gedingen unde vorhte.
Hartman Gregorius 111.
vgl. gewonlichen haʒ pass. 274, 12. dazu vgl. auch: si (die katzen) kriegent oft gar scharpfleichen mit enander, dar umb, daʒ ir iegleichiu ir gewönleich stat behalte zuo irem mäusvâhen Konr. v. Megenberg buch der natur 151 Pfeiffer.
γ)
eine hauptverwendung des neueren stils, die adverbiale, findet sich zunächst neben pflegen, das schon den gleichen bedeutungsinhalt zum ausdruck bringt:
und wir dar in sin gelegen,
und wir der (d. sünden) gewonlîken plegen.
Heinrich v. Veldecke Servatius 96;
wîlent was ein stat
grôʒ und guotes rîche,
dâ man vil wunderlîche
vremeder site manigen tac
vil gewonlîche phlac.
Rudolf v. Ems Barlaam 127, 26 Pfeiffer.
im folgenden tritt zu diesen beiden ausdrucksmitteln noch das gleichbedeutende substantiv, der begriff der wiederholung ist also dreimal gekennzeichnet:
wand ich der gewonheit pflege
alle zit gewonlich.
passional 347, 69 Köpke.
auszerhalb dieser verbindung mit pflegen sind nur vereinzelte formen adverbialer verwendung belegt. hier treten den wendungen, die mit dem subject des satzes auch das subject der wiederholung treffen, andere gegenüber, in denen das adverbium über den bereich des satzsubjectes hinauszielt.
1))
durch dise vorhte dâhten sie
mit vil manigen listen, wie
sie den witze erdæhten sô,
daʒ der künec belibe alvrô
gewonlîch zem opher dâ (var. gewonliche).
Rudolf v. Ems Barlaam 285, 9 Pfeiffer;
do sprachen sie gewonlich
mit reiner andaht ir gebet.
das veterbuch 1986 Franke s. 127ᵃ.
vgl. auch gewonlichen unter gewöhnlichen.
2))
do er gewonlich alsus
gewuchs unz daʒ sin wiser mut
verstunt beide, ubel unde gut,
do wolde er gerne hin zu gote.
passional 93, 74 Köpke;
diu sâ von sînem lîbe
gewonlîch nâch rehter art
eines kindes swanger wart.
Rudolf v. Ems weltchr. 71ᵇ s. auch Lexer a. a. o.
c)
eine reiche verwendung erfährt unser adjectiv in der rechtssprache, die im wesentlichen ebenfalls auf prädicativen und attributiven gebrauch beschränkt ist.
α)
die prädicativen verbindungen des adjectivs berühren sich auch hier aufs engste mit denen des substantivs, ja sogar die zusammenstellung mit dem bedeutungsverwandten recht wiederholt sich hier in der kategorie des adjectivs. dabei ist unverkennbar, dasz in den eigentlichen rechtsdenkmälern die nebensatzform überwiegt, während die hauptsatzform mehr in der allgemeinen litteratur begegnet, wo diese die rechtsformeln anzieht.
1))
als eʒ reht un̄ gewonlich ist, juste et legaliter. deutsche und lateinische fassung einer Klingenthaler urkunde von 1276, Basler urkb. 2, 118; so schol der richter und die schephen uber si richten, wen si unczucht oder vrevels wegen in der stat, als gewonleich ist und recht, und in waʒ pueʒ oder wandel si gevallen handfeste Ottokar II. (Znaim 1276) s. stadtrechte von Brünn 376 Röszler; dasz auch in denselben vogtien ... recht und gewonlich sie also weisth. 5, 131. dazu vgl.: dem covent in allen dingen volgen, als es recht und gewonlich ist Tauler predigten 272 Vetter. vgl. auch: umb ire gerechtigkeit, wie von alter gewonlich Bruchweiler weisth. (1511), weisth. 2, 139; und also unczehar gewöhnlich gewesen ist, das man epten und eptissen und susz zu liebe und zu leide geschencket hat, daʒ sol hinnanvürder absin und man in soliche schencke nit nie tun dtsche. städtechron. 9, 1024; als gewohnlich ist gerichtsordnung von Basel (1457) s. o. sp. 5626; als gewonlich ist (more solito) Iglauer jus reg. mont. (1, 7 § 15) 83 Zycha, vgl. auch Kölner eidformel bei Stein 1, 266.
2))
dô bevestente si der guote chneht,
sô was gewonlich unde reht:
er gap ir sîn vingerlîn,
daʒ was rehte gemahelîn.
die hochzeit 227 Waag 89;
so was gewonlich unde reht Karajan 24, 11; item des ersten ist gewonlich und recht und von alter herkomen weisth. 4, 407;
iʒ en ist gewonlich noch reht
daʒ ein man ein wip so minne
daʒ er aller siner sinne
vergeʒʒe durch ir libe.
kleinere mittelhochdeutschen erzählungen, (117 ehmanns rat) 188 Rosenhagen.
β)
unter den attributiven verbindungen ist zunächst die formel gewonliches recht als vorgänger des späteren gewonheitsrechtes bemerkenswerth. vereinzelt treten dem verbindungen mit synonymen (herkommen, brauch) zur seite. mannigfach sind die verbindungen, die sich auf ort und zeit eines dem herkommen entsprechenden gerichtes beziehen; sie sind auch in den wörterbüchern am meisten berücksichtigt. eine dritte hauptgruppe betrifft abgaben und leistungen, verschiedenster art, die ja im wesentlichen gewohnheitsrechtlich sich entwickelt haben; vgl. die parallele consuetudo = steuer.
1))
wir verzihent uns och alles des rechtes, geistliches und weltliches oder gewonliches urkunde von 1273 s. urkundenbuch der stadt Basel 2, 69; daʒ sind die alten gewohnlichen recht und saʒ der state ze Mülldorf handschrift d. 13. jahrh., s. österr. weisth. 1, 7; nach alten gewonlichen herkommenden rechten weisth. 2, 189 Grimm (anders: gewöhnliche befugnisse bei Immerman s. II, 2); nach langem und gewönlichem richtlichem herchömen 3, 726; und alsz das lantgericht nach gewonlichem gebrauch nidersasz, lieszen inen die hern und vom adel reden, wie inhalt eines vertrags ... sich gebüren wolte, dasz disz lantgericht mit ainem landrichter vom adel und den merenteil mit edlen urtelsprechern besetzt wurde. das widersprachen die pauren, vermainten, sie weren für das gewonlich lantgericht veranlast ... schreiber des truchs. v. Waldburg, s. Baumann, quell. z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 532.
2))
den vorbedingungen eines ordentliches gerichtes (vgl.: mag man das peinlich gericht mit die gewonlichen glocken beleitten Carolina § 82 Kohler u. Scheel 1, 46) erwachsen:
a))
zeitbestimmungen: in gewoenlicher zit weisth. 1, 615; zu gewonlicher zeit tiroler weisth. 1, 177, vgl. aber gewonlich zît s. oben sp. 6597; zu rechter gewonlicher tagzeit weisth. 2, 189 Grimm; freitags den 7 februari ... als das erste und hohe hoffgericht zu On in Egypten gehalten ward, setzet sich Joseph ... zu früer gewöhnlicher tags - zeit zu gericht Ayrer processus juris (2, 7 cap.) s. 638; als hievor die frefelsachen an des h. reiches und unserm gericht alhie und zu desselbigen gewöhnlichen tägen wie andere rechtliche sachen seindt furbracht frefel- gerichtsordnung s. verordnungen zur erläuterung der Frankfurter reformation (1752) s. 25; unser ordinari hof-gericht soll, wie bisanhero, jährlich zweimal ... zu gewöhnlichen und angesetzten stunden gehalten werden altes badisches landrecht II, 3, s. 84 (1622: gewohnlichen). dazu vgl. über das rechtsgebiet hinausgreifend: bedanckte mich ... vor die einladung in den gewohnlichen kirchtag prinz v. Arkadien (18. jahrh.) s. Bayerns mda. 1, 344; in diesem gebäude (dem neuen bau) wird, wenn ... die gesandten der städte ihre sitzungen auf dem rathhause haben, von dem magistrate an den gewöhnlichen tagen rathsversammlung gehalten J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete (1786) s. 112.
b))
ortsbestimmungen: wêr aber daʒ er ân zweifl fur das malefitzrecht gehört, so sol man in im gericht an gewondliche schrann fürn und gevarn nach sitt und gewonhait des gerichts daselbs, wie von alter herkomen und recht ist weisth. v. Niederwintl (1474) s. österr. weisth. 5, 447; an offner gewonlicher richtstatt weisth. 5, 98; uf den ersten tag octobris ... ist ain erber rat in der gewonlichen gerichtsstuben gesessen Augsburger rahtsdecret v. 1527 s. dtsch. städtechr. 29, 38 anm.; in der gewonlichen kleinen ratstuben ... ist leiplich erschinen der andechteg gaistlich bruder Simon Lindner Nürnberger notariatsinstrument s. dtsch. städtechr. 10, 769; Areopagitae genennet ... von dem ort, welcher Areopagus ... geheissen allda diese richter das gewöhnliche gericht gehalten curae Augustanae reipubl. (Augsburg 1714) s. 8. auch auszerhalb dieses rahmens der gerichtssitzung spielen solche ortsbestimmungen rechtssprachlich eine rolle: und ist (der ausgegrabene leichnam des mörders) also durch den nachrichter an ander gewonliche statt, da solch verzweifelt corpell hingehören, gefürt worden Wickram (rollwagenbüchl. cap. 55) 3, 77 Bolte; das galtvich und rosz das soll ainer auf seinen gewentlichen vichtrib auskern tirol. weisth. 177, 11; un̄ derselb in seiner gewonlichen hauszwohnung ... nit anheimisch were Wormser statutenbuch IIᵃ.
3))
breiten raum nehmen die abgaben und leistungen ein: als der ... marggraff ... ist gemant gesin ... rechte gewonlich giselschaft zu leisten Freiburger urk. v. 1391 urk. z. Schweizer gesch. 2, 261; hierumb welt bedenken die gutthaten, euch von meinen vorfarn bewisen ... und mir, auch in namen meiner gebrueder gewonnliche glipet (s. u. lippet) und huldigung thon Zimmerische chronik 2¹, 45; dasz derselb pan ... so offt dasz zufall kumbt, von unsz ... zu lehen empfahen, und darumb gewondlich huldigung, pflicht und aide, alsz sich gebuͤrt, getan werde belehnung des abts von Alpirsbach mit dem bluetbann 1504 s. Besold 175 (vgl. auch sp. 6616); so mag es das gotzhus inn sin hand ziehen unnd inn siner hannd han, untz es von im gewunen wirt mit einem gewonlichen erschatz öfnung v. Thalweil (1572) weisth. 1, 57; da gebe ein ieder jars siner herschaft sin gewonlich lippet (lîp — bete) und sin fru ein hun weisth. 1, 549; und wenn ain burger von hinnen wolt faren, des solt man im wol gunnen, doch dasz er solt geben drei gewonlich steur B. Zink s. dtsche. städtechr. 5, 73; keme aber iemand frönder dar von frönden landen ... der sol dem landgraven dienen und öch dem bauherren eine zit in dem jor von wunnne und von weide ein gewonlich gewerff, und vasenacht hunre geben urk. v. 1314 bei Schöpflin 2, 109; derselb vischmeister soll alsdann die gewondlichen zins von guetn edlen vischen dovon, ... empfangen ... tir. weisth. 1, 9, 2; und das ist auch zu bewainen, das so vill bedeckend aigne laster mit gottis wort als ungehorsame gegen weltlicher oberkait, abzug gwonlicher pflicht in tzinsen, zehenden Eberlin v. Günzburg schriften 3, 249 neudr.; darumb geb ein christ gewonliche gült, zinsz, zehenden, fier opffer, so lang solichs gefordert wirt 3, 103; ... Nickel Sachs hat gebeten, dass wir ihm und seinen erben zu erbe und eigen (die gütter) bestetigen, und haben wir seine obgenante erbe und eigen bestetiget, und behalten uns auch hierinn unser gewoenliche dinste urk. v. 1420 bei Meitzen urk. schles. dörfer 46. vgl. auch gew. geczal 206. und was also an pferden verkaufft wird, davon sollen sie den rechten gewöhnlichen unterkauff, wie ihnen der uffgesetzt wird, fordern Frankfurter ordnung (1626) s. erläuterungen z. Fr. reformation s. 59; wöllen ouch die alten masz abthon, dasz gewohnnlich umbgelt geben, und unns der nüwen masz ... gehalten urfehde von 1514 s. Besold docum. s. 178; in der untern etage ist vorne heraus ... die zollstube, in welcher an den roszmärkten der kauf- und verkauf der pferdte aufgeschrieben, und der gewöhnliche zoll mit 1 pfenning vom gulden des kaufs bezahlt wird J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete (1786) s. 117; hingegen soll dieser letztere ... obgedachten kaufbrief binnen 30 tagen ... dem betreffenden amtsgericht zu dem ende vorlegen, damit gegen die von ihm zu entrichtende gewöhnliche schreibgebühr die einrückung in das flurbuch oder gerichtliche hypotheken- und contracten-protocoll ordnungsmäszig vor sich gehe badische verordnung von 1807.
4))
dazu vgl. noch einige mehr vereinzelte attributive verbindungen: nachdem der armen scheffen 2 zu zietten nit aller wiese sein, und auss alder gewonheit sie sich an den burgkman als irem gewœnlichen heuffte sich belernen weisth. (Kreuzberg 1518) 3, 845; ein offen notarius ... hab ich herumb dis offen instrument ... geschriben, und mit meinem gewöhnlichen namen und zeichen underschriben und gezeichnet urk. v. Alpirsbach (1488) s. Reyscher s. 47; die gewöhnliche mahnungen wie dieselbige im vorigen weissthum begriffen thun weisthum zu Pommern (1606), s. weisth. 2, 447; solle er solches an den gewohnlichen landrechnungen zu verrechnen schuldig sein handbuch des kantons Appenzell s. 30.
γ)
unentwickelt bleiben in der rechtssprache die adverbialen verwendungen: seczzen wir und antwuͤrten wir im swaʒ marchfuͦter ze recht und e gewonleich auf unsern chasten ze Aspach gehoͤrt und genomen ist urkunde herzog Albrechts (1298) fontes rer. Austr. II 31, 464; das es von alter hür an uns gewonlich komen ist weisth. 5, 384; item all unrecht weg zu den weingarten und von den weingarten die von alten nicht gebonlich herkomen sein zu gen, die sulen ... all verpoten sein bergtaiding in Steier (15. jahrh.) s. österr. weisth. 6, 406; vermerkt die recht der schefrecht, wie sie mit alten gewonhaiten und rechten herchomen sein und wie man sie ieczund gewondleich haldunt ist schiffrechte v. Laufen s. österr. weisth. 1, 85;
lat das recht nur für sich gien
vnd latz nit lenger ane stien,
dan es von allter also herkumen ist,
das red ich zu diser frist,
das man gewondlich zu diser zeit zum maleficz ist gessessen.
Sterzinger spiele (1511: Wiener neudrucke 9, s. 235).
2)
statistik.
a)
in der bibelübersetzung läszt sich aus den wenigen anhaltspunkten, die hier geboten sind, doch erkennen, dasz auch Luther den adverbialen gebrauch des adjectivs nicht zu lieben scheint, denn er weicht gerade hier von seinen vorgängern ab, wie ihm hierin spätere zuvorkommen. dagegen führt er den attributiven gebrauch in einigen festen wendungen gegen die ersteren ein. bemerkenswerth ist auch eine stelle aus Mendelssohns späterer übersetzung, die das substantivirte adjectiv in volksthümlicher älterer bedeutung einführt.
α)
sünden, die den leuthen gewonlich widerfarent Augsburger bibel (1507) u. a. (die den leuthen gewonent zu widerfahren Mentel; sunde die er gethan hat Luther) 3. Mos. 5, 6; wente he des nicht ghewoenlik en was 2. niederdtsch. bibel (er het sein nit gewont Mentel ähnlich Luther) 1. Sam. 17, 39. dazu vgl. auch
warum ist heut euwer antlitz traurig dann es ist gewonliche
Eggesteyn (fehlt bei Luther) 1. Mos. 40, 7;
dazu vgl.: jhr solt nit sagen, wie jhr gewonlich sagend: uber die wird nit unglück tropfen Eck Micha 2 (Luther: sie sagen).
β)
wenn aber ein weib jren blutflus eine lange zeit hat, nicht allein zur gewönlicher zeit, sondern auch uber die gewönlichen zeit, so wird sie unrein sein 3. Mos. 15, 25 Luther (in dem zeit der kranckheit ... nach der kranckheit Mentel u. a.; non in tempore menstruali wel quam post menstruum; Züricher bibel von 1531 und Kautsch wie Luther); und hielt weder sabbath noch andere gewönliche feier 2. Marc. 6, 6 Luther (neque dies solemnes patrii servabantur, festlike dage niederdtsch. bibel u. a.).
γ)
sie hatte nicht mehr das gewöhnliche wie andere weiber Mendelssohn 1. Mos. 18, 11 (und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und wol betaget, also das es Sara nicht mehr gieng, nach der weiber weise Luther).
b)
die buchungen.
α)
die wörterbücher der schriftsprache sind bis in das 18. jahrh. hinein gegenüber unserem in der litteraturwie anscheinend auch in der sprache des täglichen lebens (s. d. mundarten) — so verbreiteten adjectiv auffallend zurückhaltend, namentlich in der buchung fester verbindungen. bei diesen ist beachtenswerth, dasz adverbiale wendungen so spät vermerkt werden, obwohl schon die vocabularien nicht verfehlen, die adverbiale geltung des adj. anzuerkennen.
1))
die begriffsbestimmung stützt sich durchweg auf die parallele mit üblich, gebräuchlich; vgl. gewohnlich, vide gebräuchlich Emmel Q q 7ᵃ; gewöhnlich, bräuchlich ... Henisch 1607 u. a,; vgl. aber auch: gewöhnlich, gemeiniglich, adv., de coustume coutumièrement Duez dict. germ. gall. lat. 200ᵃ; wie weit im verwendungskreise unsers adjectivs die grenze gegen verbindungen von gewohn und verwendungen von gewohnen durchgefühlt wurde, läszt sich aus den lateinischen parallelen (vgl. consuetus, frequens, solitus. solitum Henisch 1607; vgl. Schönsleder V 6ᵇ; Stieler 2495) nur theilweise erschlieszen; doch vgl.: gewöhnlich, bräuchlich, gebräuchlich ... ein ding dessen einer gewohnt ist, usité accoustumé, ordinaire, frequent, consuetus, solitus, usitatus, more receptus Duez 199ᵇ; in den ältesten buchungen sind jedenfalls übergriffe von gewöhnlich vermerkt: gew., suetus s. Diefenbach 564ᶜ; vgl.gew. bei solere ebenda 540ᶜ; der contrastbegriff wird selten und spät gestreift: mehr als gewöhnlich, plus solito Henisch 1607; mehr als gew., supra consuetudinem, ungewöhnlich, insuetus Aler 1, 944ᵃ; der bedeutungswandel ins niedrige, der unter dem einflusz dieses negirten begriffes am positiven einsetzt (vgl. auch gemein, commun, ordinär s. II 2), wird kaum berücksichtigt; vielleicht ist er in parallelen mit lat. tritus angedeutet: gar gewöhnlich, pertrite Steinbach; dazu vgl.: beim gewöhnlichen d. h. oft mittelmäszigen bleiben Campe.
a))
in den ältesten buchungen ist, wie bemerkt, die adverbiale geltung des adj. betont: vgl. usualiter Diefenbach 631ᵃ; rite 499ᵃ; der älteste deutsch-lateinische vocabularius beschränkt sich sogar ganz auf das adverb: gewonlich, rite, solite, de more consueto vocab. incip. teut. h 7; vgl. auch unter gewöhnlichen; für das adjectiv im allgemeinen ist unserer bildung der begriff usualis (Diefenbach 631ᵃ), usitatus (630ᵇ) als besonderes eigenthum zugeschrieben, dazu vgl. auch naturalis, seminalis 485ᵇ; vgl. gewohnlich, vide gebräuchlich Emmel Q q 7ᵃ; gewöhnlich, bräuchlich ... Henisch u. a.; vgl. gewohnlich, solitus, usitatus receptus Aler 1, 944ᵃ; gewöhnlich (adj.), usitatus, tritus, solemnis status Steinbach II 2, 1026; gewöhnlich, usitatus Frisch 2, 456; —, usitatus, usitate Hederich promtuarium 1427 f.
b))
bei den neusprachlichen buchungen treten neben manchen ableitungen aus den oben belegten lateinischen formen auch neue auf, deren analogie sicher auf den bedeutungswandel auch bei unserem adjectiv mitwirkt: gewöhnlich, bräuchlich, usité, accoustumé; gewöhnlich, custumièrement, selon l'usage et costume Hulsius (1614) 164ᵇ (1640 zugesetzt: ordinariamente); accoustumé, usité, ordinaire; gewöhnlich, solitus, consuetus, usitatus Duez dict. gall. germ. lat. 8ᵃ; gewöhnlich, gewöhnlicherweise, secondo il costume, ordinariamente, ordinairement, d'ordinaire, coûtumièrement, selon l'usage et la coutume Rädlein 385ᵃ; gewöhnlich, bräuchlich, usité, accoûtumé, ordinaire, frequent; gewöhnlich, als zinse, interêts courant Frisch nouv. dict. des pass. 2, 262; der eigennutz ist der gewöhnliche bewegungsgrund, le motif commun Rondeau 2 U u 4ᵇ; gewöhnlich sein, to be usual, ordinary, customary, able, fashionable, used, practised; teutsch-engl. lexikon; gewöhnlich, usual, ordinary, customary Arnold⁴ 427ᵇ; gewoͤhnlich, gemeiniglich, gewonelyk, gemeenlyk Kramer (1719) 2, 97 c.
c))
gewöhnlich ... was in den meisten oder doch in mehreren ähnlichen fällen ist oder geschiehet Adelung 2, 674; ebenso (mit voransetzung von: was die gewohnheit mit sich bringt) Campe 2, 369ᵇ; Stosch bemüht sich gewöhnlich gegen gebräuchlich und gemein abzugrenzen: was ofte vorkommt, nennet man gewöhnlich, gebräuchlich und gemein: allein mit dem unterschied, dasz gewöhnlich, dasjenige heiszt, was schon lange geschehen ist, und noch geschiehet: gebräuchlich, dasjenige, was die meisten menschen thun, oder was von dem grössesten haufen geschiehet: gemein, dasjenige, was auch unter geringen, oder gemeinen leuten vorkommt. gleichbedeut. wörter 2, 403; die beiden ersten wörter (gewöhnlich u. gebräuchlich), beziehen sich nur auf die handlungen, das letzte (gemein) auch auf die dinge selbst. welche oft vorkommen 2, 404.
2))
unter den verbindungen sind
a))
die attributiven am frühesten angemerkt.
α))
zunächst werden verbindungen gebucht, die synonyma betreffen oder der rechtssprache angehören: moribus ... sittlich, nach gewonlichen sitten Cholinus Frisius (1541) 563ᵃ; gewöhnliche sitten teutsch-engl. lex.; das gewöhnliche recht, herkommen Schwan; honos usitatus, gewonlich eerenampt das man ze verleihen gewont hat Cholinus Frisius 910ᵃ; an dem gewöhnlichen ort, loco solito, au lieu accoustume Duez (ebenso Adelung, Campe); ein gewöhnlicher weg, via trita Steinbach; à l'heure accoustumé, zu der gewöhnlichen stund, hora consueta Duez; gewöhnliche zeit, teutsch-engl. lexikon, Campe; gewöhnlich feier halten, patria festa servare Henisch; ein altes und gewöhnliches fest, vetus et usitatum festum Steinbach; ein gewöhnlicher feiertag, solemnis et status dies festus ebenda; un(!)gewöhnlicher feiertag, solemnis et status dies festus Frisch; gewöhnliche spiele, solemnes ludi Steinbach; den gewöhnlichen gottesdienst abwarten Adelung; die gewöhnlichen zinsen Schwan.
β))
eine der ältesten buchungen gilt einer verbindung, diedoch mit anderen synonymenspäter sehr beliebt wird: gewonliche stat, habilitas oder gelirnigkeit, empfengligkeit vocab. theut. (Nürnberg 1483) M 5; dazu vgl.: gewonlicher natur, craft, art Diefenbach 485ᵇ; auf die gewöhnliche weise Adelung; nach der gewöhnlichen art denken ebenda; desgl. Campe.
γ))
concrete träger des attributs begegnen mehr in den späteren wörterbüchern: gewöhnliche sporen Jacobsson 5, 673ᵃ; gewöhnliche kleidung Campe (vgl. die prädicativen verbindungen). hier kommt neben der typischen richtung des gewohnheitsbegriffes auch die individuelle zu ihrem recht: hat mein pferd sein gewöhnliches futter bekommen? Steinbach; sein gewöhnliches trinken Campe; das gehört zu meinen gewöhnlichen verrichtungen Adelung.
δ))
andererseits treten in den jüngeren buchungen neue verbindungen mit abstracten auf: der gewöhnliche bewegungsgrund der menschlichen handlungen, le motif commun Schwan vgl. oben Rondeau; eine gewöhnliche rede, oratio usitata Steinbach; gewöhnliche worte, usitata et trita verba Steinbach, Frisch; ein gew. wort Schwan; ein gewöhnliches und altes sprichwort, tritum sermone vel vetustate proverbium Steinbach; gew. sprache Schwan, Campe; gewöhnliche unterhaltung Campe; die gewöhnliche bedeutung eines wortes Adelung, Campe.
b))
gelegentlich werden auch prädicative verbindungen angemerkt, mit älteren und jüngeren fügungen (s. u.): was gewöhnlich ist, quod a consuetudine non abhorret Steinbach; was wenigen gewöhnlich ist, quod paucis usitatum est. ebenda; es ist ihm gewöhnlich früh aufzustehen Adelung; ähnlich Campe; es ist bei mir ganz gewöhnlich, it is quite usual with me. teutsch-engl. lexik.; die erdbeben sind dort sehr gewöhnlich Schwan; diese kleidung ist hier nicht gewöhnlich Adelung. fraglich ist, ob einige ältere buchungen hierher zu ziehen sind; sie würden mit veränderter actionsart des adjectivs auf ein persönliches subject zielen: soleo tarde surgere, gewonlich sein Aventin (rudimenta gramm.) 1, 420; nihil insolens facit: hoc illi sollemne est, er thuts wie ers gewöhnlich, so ist sein brauch P. Apherdianus methodus discendi (Köln 1601) s. 212; die ellipse musz wohl zu gunsten eines adverbiums ergänzt werden s. II 1, d, β.
c))
die adverbialen verwendungen, die anfangs nur vereinzelt berücksichtigt werden, nehmen erst in den wörterbüchern des 18. jahrhundertsaber auch dort nicht gleichmäszigraum in anspruch: usitate, gewonlich, bräuchlichen, nach gebräuchlichen sitten Cholinus-Frisius (1541) 910ᵇ; plerumque fit ... es geschicht gewöhnlich Schönsleder, Aler; an der börse steht er gewöhnlich bei dem dritten pfeiler, customably; derselbe vogel hält sich gewöhnlich an wässerichten orten auf, that birds wont or plins usually, ordinary or commonly; das gericht wird gewöhnlich an solchem tage abgehalten, are wont to be held. teutsch-engl. lexik.; gewöhnlich, adv. gewöhnlichermasen Schwan; er steht gewöhnlich sehr spät auf, ordinairement il se lève fort tard. ebenda; es pflegt gewöhnlich so zu gehen, cela se pratique communément. ebenda; gewöhnlich reden, usitate loqui Steinbach; bei tische spricht man hier gewöhnlich nur wenig Adelung; dazu vgl. mit bedeutungswandel des adj. (s. sp. 6632): die geschichte ist gar gewöhnlich geschrieben, pertrite historia facta est Steinbach.
d))
die in der neueren sprache so sehr geläufigen formen der substantivirung werden erst bei Campe berücksichtigt: das gewöhnliche ... beim gewöhnlichen bleiben; das gewöhnliche, monatliche reinigung; andererseits vgl.: sich nicht über das gewöhnliche erheben.
β)
in mundartlichen wörterbüchern ist das adjectiv viel angemerkt, theilweise im wettbewerb mit gewöhnliglich (s. d.). vgl. gewohntlich Bauer - Collitz 306; wontlik Bremer wörterb. 5, 230 (vgl. auch oben sp. 6597). gewḗnli, adj., gewöhnlich, gemein Siebs Helgoland 225ᵃ; gewōnlîk, gewōnelk, gewöhnlich ten Doornkaat Koolman 1, 625ᵃ; gewû̄nlek Bauer-Collitz 40ᵃ; gewehnlich Follmann dtsch.-lothr. mda. 203; gewǣnlich (als lehnform auch gewenlich) Gerbet gramm. Vogtl. 252; keweenlic Lenz Handschuhsheimer dialekt 28ᵃ; vgl. auch H. Fischer schwäbisches wb. 3, 639; gewöhnlich ... kwênlik ... gemeiniglich Martin-Lienhart 2, 832; g'wōonlig, adv. Seiler Basler mda. 157; g'wantli(g) ... gwoonli W. Hopf wb. d. mda. v. Habkern 67. einige merken auch verbindungen an, zumeist adverbiale: die stille wässerli gründe g'wantli tief Seiler; 's ist g., dass 's reyt uf pfingsten; wenn mer geprassiert ist, kummt eim g. eps derzwischen, wü einen ufhaltet Martin-Lienhart; dazu vgl. die gleichsetzung mit gewöhnt: sie waren sehr kirr und gewöhnlich C. Lehman (1699) s. Müller-Fraureuth wb. d. obersächs. mda. 418.
c)
dem sprichwort scheint unser adjectiv wenig geläufig zu sein. in dem sprichwort des ersten belegs aus Seiler erscheint das adverb als secundäres einschiebsel.
3)
formen.
a)
stammvocal.
α)
im gegensatz zu gewohnen und gewohnheit ist das dort besprochene a hier nur wenig belegt: groschen gewanlicher geczal urk. v. Krampitz (1396) bei Meitzen 206; gewahnlich A. Dürer handschr. entwurf zu einer einleitung s. nachlasz 289 (im gegensatz zu gewohnlich s. 183 und gewöhnlich in einem druckfertigen manuscript s. 207). da in heutigen mundarten die qualität des vocals so verschieden ist, so lassen sich einzelne litterarische belege für gewenlich, gewendlich, die ja aus entrundung von gewönlich erklärt werden können, auch anders deuten: gewenlich J. Meier vorrede z. Elsbeth Stapel, Joh. v. Neumarkt 14 (var.); gewenlich bei Fischart, wanlich gewenlich Stieler; dazu vgl. gewähnlich G. Nötzold gedichte u. erzählungen in erzgebirgischer mda. 3, 39; ne gewähnling wag 3, 43 s. Müller-Fraureuth 418; gewaenlich Gerbet gramm. des Vogtlandes 252. zur verdunklung des vocals vgl. gewunlek (s. o.). vgl. gewünlich Huge Scheppel 13ᵛᵇ; das gleiche auch als variante Luther 19, 232; vgl. auch: gewunlich Diefenbach 540ᶜ; gewinlich Bebels facetien.
β)
der umlaut an sich wird kaum vom zweiten compositionstheil ausgegangen sein, zudem auch nach der syncope der mittelsilbe (s. gewonelich sp. 6598/9), später doch immer die consonantengruppe zwischen den vocalen stand. für die umlautformen, die in concurrenz mit unumgelauteten zuerst bei Seuse und Joh. v. Neumarkt beobachtet sind, wird wohl der einflusz von gewöhnen zu berücksichtigen sein.
1))
vom 15. in das 16. jahrhundert sind in den denkmälern aller landschaften vorwiegend noch formen ohne umlaut zu beobachten, bei Aventin, Knebel (chronik von Keisheim), in Augsburger drucken (Gregors dialoge) u. chroniken; in der Zimmerischen chronik, bei Wyle, Steinhöwel (neben umlautformen), Eberlin v. Günzburg, S. Franck, Bebel; in urkunden zum kloster Alpirsbach, zum bauernkrieg aus Oberschwaben, zur stadt Basel, bei Murner, Fischart, Wickram, Cholinus-Frisius, Waldis, Stumpf und Platter (zu den Schweizern s. auch u.). auch die Nürnberger drucke merken lange keinen umlaut an, so nicht im Teuerdanck und nicht bei Schwarzenberg, ebenso ist er in den Luther drucken gemieden.
a))
in formen mit dental fehlt der umlaut meist: gewontlich Teuerdanck 138; gewondlich Sterzinger spiele 235; Alpirsbacher urk. v. 1504 bei Besold 175; Schaidenreisser Odyssee 4ᵇ. dazu vgl. gewontlick Joh. Veghe u. a.
b))
gewonnlich Zimmerische chronik 2, 45; Simon Rot, vgl. gewohnnlich Alpirsbacher urkunde bei Besold 178.
c))
gewohnlich stadtrecht v. Brünn 376; weisth. 4, 216; Aventin 1, 837 (s. auch oben); Wetzel 129; buch der liebe 255, 3 u. a.; Luther auslegung d. proph. Sacharja Wittenberg 1528 (s. 23, 556 Weimar); Albrecht Dürer nachlasz s. 183 s. dagegen oben sp. 6606; Emmel, Calepinus, Michael Stifel, J. Spreng Ilias 29ᵃ; ja sogar noch im Prinzen von Arkadien (Bayerns mundarten 1, 344) und im landbuch des kantons Appenzell v. 1747.
2))
der umlaut istabgesehen von den oben besprochenen formen mit e — zuerst bei Seuse und Konrad v. Megenberg belegt: gewönlich neben gewonlich; dazu vgl. gewönlich weisth. 1, 615; 3, 726 (gegen gewonlich weisth. 1, 57. 448. 549; 2, 139. 189; 4, 407; 5, 131, 98, 384); desgl. Alpirsbacher urk. von 1488 bei Reyscher s. 47; urk. schlesischer dörfer bei Meitzen s. 46; in der chronik des Andreas von Regensburg; Steinhöwel Äsop 228 (neben gewonlich s. o.); Bock kräuterbuch 6; Kantzow in der hochd. fassung der Pommerschen chronik 1, 392; Grimmelshausen 2, 47 Keller (gegen gewöhnlich 2, 335).
a))
zum vereinzelten vorkommen des umlauts in den formen mit dental vgl. die bayrisch-österr. belege für gewendlich (s. o.); gewöndlichen landpot in Ober- und Nider-Baiern (1516) 16ᵇ; vgl.: gewöndlich Wilw. v. Schaumburg 60.
b))
das dehnungszeichen nach dem umgelauteten vocal findet sich zuerst im hoffteufel des Chryseus (1562): gewöhnlich D 5ᵇ; desgl. in der ausgabe von 1606 der facetien des Bebel (gegen gewonlich 1558); in den druckschriften der Böhmen von 1609; bei Schwendi; Ayrer (prozessus juris). in den wörterbüchern giebt Hulsius (1614) das erste beispiel, ihm folgen Duez, Schönsleder u. a. Stieler kehrt mit gewenlich zu älterer schreibung zurück; alle anderen wörterbücher folgen der neueren schriftform; nur im teutsch-engl. lexikon v. 1716 gewönlich oder gewöhnlich; zu gewönlich neben gewöhnlich bei Grimmelshausen s. o.
b)
zum zweiten compositionstheil ist wenig zu bemerken. zur bayrischen diphtongirung in der nebensilbe vgl. gewonleich Konrad von Megenberg 417; gewönleich 151, 120. östr. weisth. 1, 85 u. a. der auslautende guttural unterliegt in niederdeutschen denkmälern mannigfacher schreibung, neben gewontlick vgl. gewönlig comedien von der geburt Christi (1589) (1, 1) 31 Gerstmann.
c)
besondere beachtung fordern hier die steigerungsformen.
α)
die steigerungspartikeln. vereinzelt wird an stelle des negirten ungewöhnlich die umschreibung mehr als gew. beobachtet: mit mehr als gewöhnlicher scharfsichtigkeit Gerstenberg im Schlesw. litbr. s. lit.-denkm. 30, 195; dasz die grazien sich leichter mit einer person von mittlerer grösze verbinden, als mit einer von mehr als gewöhnlicher länge S. v. La-Roche frl. v. Sternheim (1) 111 Ridderhoff. für den positiven begriff sind die partikeln (all), ganz, sehr als steigerungsformen beliebt und namentlich aus der sprache Herders belegt; neuerdings treten sie bei der bedeutung gebräuchlich mehr zurück, setzen sich aber in wendungen, die die werthminderung des begriffes in der richtung auf gemein, ordinär ausdrücken, um so mehr fest und zwar vor allem die form ganz (zu gar bei Steinbach s. o.), seltener sehr.
1))
in der gantzen Türckei ist es allgewönlich, ja es seind eigene von dem grosz Türcken priviligierte kauffleuth, welche jene wahr verhandlen, die Jesus Christus mit seinen teuristen bluet in die freiheit gesetzt hat Abr. a S. Clara auff, auff, ihr christen (Wiener neudrucke 1) 46; wenn das wunderbare in der natur nicht eben das allgewöhnliche wäre (Falk) s. Sanders 3, 1653ᵇ; altgewöhnlich (Spitteler) s. ebenda; in Raimonds d'Agiles geschichte Jerusalems werden sie den namen ganz gewöhnlich finden Herder (br. ü. tempelherrn) 15, 83; aus dem einfachsten satze ... können wir ein sehr gewöhnliches vorurtheil beleuchten J. F. Fries wissen, glauben und ahndung 26 (neudr.); bei den Ebräern waren die ausdrücke vom geöfneten himmel, von herabsteigenden stimmen und engeln sehr gewöhnliche symbole vom wohlgefallen gottes Herder (christliche schriften 1797) 19, 311; ganz ähnlich 15, 73; nach dem damals sehr gewöhnlichen wortwitz 15, 91; die gemeinen Neapolitaner und Sicilianer nennen mit einer ihnen sehr gewöhnlichen metathesis die insel nur Crap. Seume (spaziergang 1) 2, 139 Hempel; überdem war der name funken (scintillae) in den mittleren zeiten sehr gewöhnlich Herder (br. z. bef. d. hum.) 18, 165; ebenso 20, 104; die gewitter sind im sommer etwas sehr gewöhnliches Adelung; die tollsten übergänge ... sind bei meinen russischen freunden nur zu gewöhnlich briefe von und an Herwegh 79; sonst lebe ich hier sehr gewöhnlich, und geniesze athmend den frühling sehr Herder (an Caroline 1772) aus H. nachlasz 3, 270.
2))
manches kleine mädtchen verspricht eine himmlische schönheit, und verwächst sich hernach zu einem ganz gewöhnlichen dinge Heinse (Hildegard 1) 5, 22; der mutter, welche ... ihm (d. kinde) mit sorgfalt alle tage eigenhändig die locken wickelte und es so herumlaufen liesz, dasz es sich von allen anderen kindern unterschied, obgleich es ein ganz gewöhnliches wesen war G. Keller (Züricher novellen) 6, 20; die vermeintlichen hauptstädte der europäischen groszstaaten bedeuten nicht viel, ein ganz gewöhnlicher ackermeier würde sie besser angelegt haben, als manche gepriesene staatsweisen F. L. Jahn 1, 201; sonst ist man nichts weiter als eine ganz gewöhnliche böse schwiegermutter, wie sie so abgemalt werden Hans Hoffmann aus der sommerfrische 7;
ich hört' einmal ein brüllen grosz,
schon dacht' ich: himmlischer vater!
das ist ein leu! doch fand ich bloss
einen ganz gewöhnlichen kater.
Geibel (der gestrenge kritiker) 2, 138;
neulich hab ich hier einen landsmann ... kennen gelernt ... freilich eine ganz gewöhnliche schmeiszfliege, aber was aus dem vaterland kommt, hat immer einigen reiz Hebbel briefwechsel 1, 65; nur der ganz gewöhnliche, sehr gemeine kohlweissling W. Raabe alte nester 264.
3))
dabei fällt mir aber auf, dasz es eine sehr gewöhnliche prosaische sache sei, in Berlin anzukommen Göthe (an Zelter) briefe 41, 192; ein kleiner mann, untersetzt, mit ... sehr gewöhnlichem gesicht briefe von und an Herwegh s. 289; vgl. auch (s. u.) G. Freytag 6, 307.
β)
unter den flexivischen mitteln der steigerung ist der comparativ viel seltener belegt als der superlativ.
1))
zu den veraltenden gebrauchsformen gehört der comparativ im prädicat: wie erspriesslich würde es also sein, wenn es gewöhnlicher als bisher wäre, diesen mangel gleich im ersten anfange der academischen bemühungen abzuhelfen J. J. Pütter jur. encyclopädie (1757) s. 97; wovon nur zu wünschen wäre, dass es schon gewöhnlicher wäre, sie auf eine brauchbare art ... abzuhandeln s. 36; die sonne geht ihnen ... in 8 jahren 99 mal (auf). gewöhnlicher ist ihnen ein umlauf von 19 jahren Herder (Adrastea 3, 2) 23, 574. in der negirten form ist die gleiche verwendung noch heute geläufig: keine zusammenfassung ist in der bibel gewöhnlicher, sinnlichgröszer, und jedem kinde verständlicher Herder älteste urk. d. mensch. 1, 2) 6, 213;
betrügen und betrogen werden;
nichts ist gewöhnlicher auf erden.
Seume (verlangtes gutachten über menschen u. ihren umgang) ged.² 51.
dazu vgl. den comparativ bei der werthminderung (s. u.) W. v. Polenz der Grabenhäger 1, 22. nicht so fühlbar wird dieser unterschied zwischen negativer und positiver fassung bei der adverbialen verwendung, vgl.:
doch du scheinst mir dazu nicht geschickt, da die scherze
des vaters
schon dich treffen so tief, und doch nichts gewöhnlicher
vorkommt,
als ein mädchen zu plagen, dasz wohl ihr ein jüngling
gefalle.
Göthe (Hermann u. Dorothea 8. ges.) 40, 328.
gegen: denn dergleichen gefäsze dienten noch weit gewöhnlicher zur aufbewahrung von früchten W. v. Humboldt über das antike theater in Sagunt; d. literaturdkm. 58, 102; dann setzte er mehrere nummern zu einer oper, die er des textes wegen späterhin aufgab. hier war er faszlich für jeden; doch hatte er dafür auch einiges gewöhnlicher genommen, als in der symphonie Immermann (memorabilien: Grabbe) 19, 104. am auffallendsten berührt der comparativ beim attribut: auch gab das gewöhnlichere verbrennen der todten mindere gelegenheit zu gräberdenkmalen, da den grundsätzen der Indier nach die seele im grabe keine wohnung haben konnte Herder (zerstreute blätter 4) 16, 83.
2))
um so beliebter ist der superlativ beim attribut: die gewöhnlichste haube der frauenzimmer hat einen ungeheuer breiten strich ... die vornehmste frau und das gemeinste mädchen tragen diese haube ... G. Forster ansichten v. Niederrhein 3 (1794), 75; ferner verlange ich dasz du ... die gewöhnlichsten kartenspiele lernst, ... Göthe briefe 1, 109; eine eigentliche spitze oder pointe; welchen namen die Franzosen ... dem ausgange des ihnen gewöhnlichsten epigramms geben Herder (griech. epigr.) 15, 365; in den gewöhnlichsten geschäften L. A. v. Arnim 1, 24; aus dem nämlichen grunde, aus welchem die zärtlichsten leute es verabsäumen, die gewöhnlichsten pflichten der höflichkeit zu erfüllen W. Raabe alte nester s. 170; im gewöhnlichsten leichten sinn Arndt 1, 30; bei den morgenländern ists der gewöhnlichste idiotismus geworden, das anerkennen einer sache namengebung zu nennen Herder (über d. urspr. d. sprache) 5, 47; und ich schliesse nach der allgemeinen tradition und der gewöhnlichsten etymologie (älteste urk. d. menschg.) 6, 458; desgl. 24, 482; aber das ist ja nichts mehr als die allergewöhnlichste gerechtigkeit Seume (spaziergang 2) 3, 133 Hempel. dieser gebrauch bedeutet einen schritt auf dem wege zur werthminderung des begriffes, aber für den vollzogenen bedeutungswandel ist der superlativ im attributiven gebrauch, der hier die steigerungspartikeln vorzieht, wenig beobachtet: der vorhang fällt; ab legt der held seine rüstung, der schauspieler seine kleider, und beide sind ihrem hausrock oft die gewöhnlichsten menschen Herder (Adrastea 1, 2) 23, 166; die gewöhnlichsten spielgesellen Arndt 1, 32. noch weniger gilt dies für die vereinzelten sonstigen gebrauchsformen des superlativs: warum sollte also die gottheit, die sich jetzt der stimme dieses schlauen weiszagers bemächtigen wollte, ... nicht eben des weges gehen, der ihm der gewöhnlichste, der auf ihn der wirksamste war? Herder (v. geist d. ebräi. poesie) 12, 159; da man alles unterste oberwärts kehret und das gewöhnlichste neu, d. i. schief anfängt (Adrastea 1, 2) 23, 177; zwar waren die teppiche, deren die alten bei den theatern erwähnen allerdings von verschiedener art, und derjenige, dessen am gewöhnlichsten gedacht wird, ist nichts anders, als unser vorhang W. v. Humboldt s. dtsch. liter. denkm. 58, 97; vgl. auch am gewöhnlichsten Schwan a. a. o.
II.
verwendungen und verbindungen der neueren sprache:
1)
der begriff der wiederholung, unberührt von dem gegensatze zu den begriffen ungewöhnlich, hervorragend: gewöhnlich in den bedeutungen von üblich, gebräuchlich.
a)
dem einflusse des contrastbegriffes leistet die prädicative verwendung des adjectivs besonderen widerstand, sie wird allerdings auch im neueren sprachgebrauche weniger gepflegt und verkümmert namentlich im 19. jahrhundert.
α)
in den vorhergehenden jahrhunderten aber lebt die verbindung mit dem verbum substantivum doch immer wieder auf und entwickelt sogar noch im 18 ten einige bemerkenswerthe neue züge:
1))
so war namentlich die alte formel mit der beziehung des prädicats auf subject- oder vergleichssätze dem prosastilauch der anspruchslosen darstellunggeläufig und tritt gelegentlich als concurrenzform oder pleonastisch neben synonyme verben: und so fil zeit darzuͦ brauch, als man dar zuͦ pfligt und gewonlich ist zuͦ brauchen Geiler v. Keisersberg hellisch löw f 1ᵇ; in übersetzungen tritt sie für lateinische verba wie solere ein, bei Göthe begegnet sie noch im zwangslosen briefstil und läszt sich in der beschreibenden litteratur des 18. jahrhs. viel belegen:
a))
und es auch gewünlich were, wenne man einen phahen also versetzt, das der sich einer sachen verheisset Elisabeth v. Nassau Hugo Scheppel 13ᵛᵇ; wann es ist gewönlich das vor dem vall di herczen der hochfertigen übermütig sein Andreas v. Regensburg (chronik d. fürsten zu Bayern) 604 Leidinger (solent); so si es ouch an etlichen andern enden gewönlich, das man einen lasse etlich tag vorhin ... verrichten mit dem heiligen sacrament Straszburger stadtordnung von 1461, s. Brucker 21; es war zur selben zeit das umbziehen und wandern gewonlich und auch nötig Aventin (dtsch. chron.) 1, 344;
kein sibenden, dreissigst, jartag halten:
es was nit gewonlich bei den alten.
Murner v. Luther. narren 116 Kurz;
in den romanen unter Philipp dem schönen wars so gewöhnlich, den tempelherrn alles böse zuzuschreiben Herder briefe über tempelherren 15, 109; es ist hier gewöhnlich dasz der Nikolas bescheert Göthe br. 5, 232; vor 300 ... jahren war es gewöhnlich, allerlei geschichten und bilder in freskomalereien an den häusern anzubringen J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete (1786) s. 36.
b))
und der knecht gieng mit einem hilczin aimer zum prunnen als da gewonlich ist Gregors dialoge 1, 1; er soll dienen, wie in der statt gewonlich ist Knebel chronik v. Kaisheim 110; wie dan auch bei den Kriechen gewonlich ist Aventin (bayr. chron. 1. einl.); in diesem hofe wurden meistens, wie es noch gewöhnlich war, bären-, stier- und andere hatzen zu halten, diese blutigen schauspiele aufgeführt J. H. Haid 113; alles so bei ihnen gewöhnlich und gebräuchlich hochhalten Herder (zerstr. bl.) 16, 224.
c))
Herder im besondern ist eine fügung eigen, die in der älteren sprache nur wenig belegt ist, aber doch von da bis zur neueren zeit weiter führt, die kennzeichnung eines persönlichen trägers der wiederholung im einfachen dativ: gewonlich ist rittern, knechten und auch kaufleuten uber mer zu faren Johann v. Neumarkt leben des hl. Hieronymus 107 Benedict; das es ... einem menschen als gewonlich und als licht und lustlich si als ob es sine natur si worden Tauler predigten 350 Vetter; und nit begeren daʒ ieren naturen nit zuo gehört noch gewonlich ist Steinhöwel Äsop 94; zu Luther s. u.; wenn er gewuszt oder sich eben erinnert hätte, dasz es den alten ärzten gewöhnlich gewesen, sich einer vollkommen ähnlich gläsernen kugel zu einer verwandten absicht zu bedienen Lessing (antiquar. briefe 45 ter) 10³ 385; wie kann man vermuthen, dasz diejenige vorsichtig und gut handeln werde, der es nicht einmal gewöhnlich ist, vorsichtig und gut zu reden? (freigeist 3, 4) 2³, 97; vgl.: es ist den morgenländern gewöhnlich, so die erscheinung des mädchens in nacht und dämmerung zu mahlen Herder (lieder der liebe) 8, 503; ihm (Daniel) ists ganz gewöhnlich, reiche als thiere zu sehen (Persepolis) 15, 574; ebenso: (es ist Jesaias gew.) 11, 396; so gewöhnlich ihm (Homer) ist, das sein krieger mit klirrenden waffen ... fällt und stirbt ..., so ungewöhnlich fällt und stirbt einer mit geschrei 3, 18.
2))
im 18. jahrhundert treten hier an stelle des neutralen pronomens gern nominale subjecte, eine fügung, die in der älteren sprache, so nahe sie lag, doch wenig gepflegt erscheint:
a))
ohne kennzeichnung des trägers der wiederholung: es war auch voran vil tag aneinander ain erdpiden, doch gewohnlich, demnach nit sorgsam dem künigreich Naplis gewesen Aventin 1, 837; es brauchte keines streits, denn die bilder sind alle gewöhnlich; recht verstanden auch alle paszend und edel Herder (vom geist der ebräischen poesie 1) 11, 267; der fall, mein werthester herr Zelter, wegen dessen sie sich an mich wenden, ist gewöhnlich, aber bedenklich Göthe briefe 16, 127; bald wurde die beschenkung einflusz reicher senatoren durch auswärtige könige so gewöhnlich, dasz es auffiel, als Scipio ... die ... gaben in die kriegskasse einwarf Mommsen römische geschichte 2, 66.
b))
item die rede: 'wirstu auff meinen wegen wandeln', sol nu fast uns gewohnlich sein, das gotts wege heissen gotts gebot und werck, und drauff wandeln ist: gotts gebot und werck uben und drinnen gehorsam sein Luther (Sacharja ausgel. cap. 3) 23, 550; von einem andern gebrauche der zufälle wünschte ich, dass er bei mehr menschen gewöhnlich wäre A. G. Kästner verm. schr. 1 (1755) 23; gewölbe mit diesen schlaken geleget, sind in Neapel gewöhnlich, in Rom aber ist ... cardinal A. Albani der erste ... welcher ... also gebauet hat Winckelmann (zur baukunst der alten 1. cap.) 2, 364 Eiselein; die benennung derselben (der straszen) ist diejenige, die auf dem steuerhause gewöhnlich, von der gemeinen aber ganz verschieden ist J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete s. 39; ebenso s. 40; die schöne rathstube mit einem geräumigen vorsaale oder wie bei uns die benennung gewöhnlich ist rathslaube s. 115; wären die beiden letzten thiere dem lande, wo Hiob wohnte, gewöhnlich gewesen, so könnten sie unmöglich so riesenhaft und feierlich beschrieben werden Herder (ebr. poesie 1) 11, 307; die vergleichung tapfrer kriegsheere mit hörnern und kräften des stiers ist dem orient gewöhnlich (theologiebriefe 6) 10, 73; ähnlich: 9, 279; 13, 218; 15, 435; die kleine versart in achtsylbigen jamben, die den mittleren jahrhunderten die gewöhnliche war (zerstr. blätter) 16, 223; in den jüdischen erzählungen ist der ausdruck: 'er hat das gesetz und die 70 sprachen gelernt', gewöhnlich (christliche schriften 4) 20, 104; 12, 34; 18, 165; in der bedeutung des worts nämlich, die auch bei uns noch gewöhnlich ist, da larve eine maske bedeutet (wie die alten den tod gebildet) 15, 477; 'er hat von Christi zeit an, wo der name Jakobus gewöhnlich ist, den zunamen des gerechten geführt' (br. zweener brüder) 7, 485; eine zusammenstellung von menschen aus verschiedenen zeiten, wie sie auf den alten bildern gewöhnlich ist und mit kleinlichem verstande ... getadelt ist C. Hase (erinnerungen an Italien) 11, 1, zweite abs. s. 53.
β)
ganz vereinzelt ist der prädicative accusativ: wahrscheinlich machte diese erste begebenheit dem christenthum den kühnen ausdruck gewöhnlich und einheimisch Herder (christliche schriften 4) 20, 108; dazu vgl. (s. u.): etwas gewöhnlich finden G. Freytag 6, 307; A. v. Droste-Hülshoff 2, 94.
b)
als attribut findet das adjectiv in der neueren sprache die weitestgehende entwicklung, sowohl was die bedeutungsfärbungen betrifft (s. 2), als auch in bezug auf die mannigfaltigkeit der verbindungen. in diesen berührt es sich enger mit gewohnt, wenn es auch nicht alle verwendungen (vgl. sp. 6507/8) theilt. vielfach tritt es hier an dessen stelle. — gewonte burde Forer thierbuch 96ᵇ (gewöhnliche last in der ausgabe von 1660) u. a.; einzelne feste typen, die gewohnt in individueller richtung entwickelt, führt gewöhnlich in der collectiven durch. natürlich sucht das adjectiv auch die verbindung mit andern attributen, doch seltener mit synonymen: denn wenn das frauenzimmer die sonst gewöhnliche freiheit der mannspersonen annimmt, müssen wir ja nothwendig die vor alters gebräuchliche sitsamkeit des frauenzimmers uns angewehnen Menantes (Hunold) satyr. roman 1 (1710), 11; Christus bedient sich hiebei der hergebrachten und gewöhnlichen formeln seiner zeit Herder (christliche schriften 1794) 19, 76; gewöhnliches landübliches schwert 15, 107 (s. u. sp. 6617); ich will euch aber einen kürzeren weg καθ' υπερβολην zeigen. der ist die gewöhnliche, ordentliche, alltägliche liebe (recensionen u. kl. schriften 1776ff.) 19, 440; wer heute in das haus hineinsehen konnte, ... der merkte wohl, dasz die gedanken seiner bewohner nicht im gewöhnlichen alltäglichen geleise gingen O. Ludwig zw. himmel u. erde cap. 3; allbekannte, gewöhnliche überschriften Herder (kl. schriften 1800) 20, 372; ein bekanntes gewöhnliches bild 9, 203; da Petrus in der gewöhnlichen, ihnen allen verständlichen sprache spricht (christl. schr. 1794) 19, 9; genau so 7, 359; endlich kam er, genau, wie er versprochen hatte, nach einem vierthelstündgen, das aber fast so lang war als anderthalb der gewöhnlichen bürgerlichen stunden Lichtenberg aphorismen 2 (no. 585) Leitzmann. so neme er in gotes namen für sich sine guͦte gewonliche übunge, weler kunne das sî, do er aller meist gnade zuͦ hat Tauler predigten 385 Vetter; die gleiche zusammenstellung der adjectiva Teuerdanck (58, 17) 138 (s. u.): die umstände waren allerdings so beschaffen, dass sie sich allein mit den gewöhnlichen und anständigen waffen ihres geschlechts vertheidigen konnten Wieland (Agathon 1, 3) 1, 35; der sonst gewöhnlichen würdigen erklärung Herder 7, 453; die jhenigen, die jhre gewonliche, und freundtliche trunckenheit lieben, wöllen nit zürnen Ambach vom zusauffen E 2ᵇ; vgl.: meinen fröhlichen gew. morgengruss Joh. Meier zu Elsbeth Stagel 9 Vetter; und ging dann mit seinem gewöhnlichen stolzen schritt die treppe hinab P. Heyse (im grafenschlosz) II 7, 126; mit gewöhnlicher aufmerksamer thätigkeit zu besorgendes Göthe br. 28, 91; so bracht man die vormittagig zeit nach obgedachtem ordenlichen brauch zu ... aber nach dem mittagmal pflegen sie an statt jhrer gewonlichen heuschrecklichen feldübung und graszversammelung ... zu hause zu bleiben Fischart Gargantua 293 neudruck; die heiligen vätter verlangen, unnd dieselbige mit jhren gewönlichen schalcksnärrischen, schimpflichen lesterungen antasten J. B. Fickler Putherbeys tract. v. verbot. büchern (1581) 157ᵃ; was man mit dem auch noch jetzt gewöhnlichen, aber zweideutigen oder falschen namen erscheinungen gar nicht nennen sollte Herder (christliche schriften 1797) 19, 344 u. a.; ei! sagte nach seiner gewöhnlichen gleisznerischen art der herr Specht ... J. J. Engel (herr Lorenz Stark 3) 12, 24; sie leben nach ihrer gewöhnlichen unordentlichen art und weise Zückert beschr. d. gesundbrunnen s. 121; schon bei dieser zusammenstellung mit anderen adjectiven hat sich ein unterschied zwischen der collectiven und der individuellen richtung von gewöhnlich gezeigt; bei der letzteren werden hauptsächlich solche adjectiva herangezogen, die der kennzeichnung des trägers der wiederholung oder seines gebahrens dienen, während bei der ersteren adjectiva überwiegen, die den begriff der wiederholung selbst in entsprechender weise umschreiben. dieser unterschied zwischen collectiver und individueller richtung, der für den prädicativen gebrauch kaum in das gewicht fiel, ist noch in mehreren anderen punkten beim attributiven gebrauch von bedeutung.
α)
zu der collectiven richtung des gewohnheitsbegriffes sind vorzugsweise auch die wendungen zu zählen, die als träger der wiederholung ein abstractum oder einen sachbegriff einführen: also hat den fisch nicht mussen Jona verdewen, und die natur des fisches hat da nicht alleine mussen stille halten von ihrer gewonlichen wirckunge und dewunge, sondern hat auch müssen die speise widder geben ... Luther (Jona ausgel. cap. 2) 19, 232 (var. gewünlichen); und versteckte mich hinter einige noch unbesetzte stühle, die sich aber bald nachher eine gesellschaft junger damen unter dem gewöhnlichen geräusche ihrer seidenen stoffe und geläufigen zungen zueignete Thümmel (reise 1) 1, 35; die gewöhnliche höhe dieser ... gesträuchsteppen Ratzel völkerkunde 2, 11; die ... stellen bezeugen, dasz die worte, wiedergeburt, regeneration des volks gewöhnliche ausdrücke des judenthums gewesen Herder (christliche schriften 1797) 19, 316; dies waren gewöhnliche ausdrücke ihrer heiligen grammatik und rhetorik 19, 29; dies ist die gewöhnliche sprache der prophezeiung (MAPAN AUA 1779) 9, 105; ... sind gewöhnliche ausdrücke der ebräisch-griechischen bibel (christl. schriften 1794) 19, 26; die gewöhnliche art der vorreden Gottsched neuer büchersaal 1, 454 s. Reichel ztschr. dtsch. wortforsch. 8, 168; eine solche arbeit dringt zugleich in das gröszeste leben der geschichte ein, und führt über ihre gewöhnlichen gränzen, ja in einigen theilen über alle erfahrung hinaus W. von Humboldt (betrachtungen über die weltgeschichte) d. literaturdkm. 58, 56; musz ich dem neid, so nichts ungestraft läszt, seinen gewöhnlichen gang lassen A. Dürer (von menschl. proportion) nachlasz 207; da es so ernst ist, und eben so sehr vom gewoͤnlichen lauf der dinge abweicht, ist ihm vielleicht um so geschwinder abzuhelfen F. M. Klinger (zwei freundinnen 1) neues theater 2, 193; nach dem gewöhnlichen lauf der dinge Heinse (Hildegard 2) 5, 254; eines volkes, das sich ... wider den gewöhnlichen lauf des schicksals unter andern völkern seine denkart so lange bewahrte Herder (ideen 3, 11) 14, 14; im gewöhnlichen rechtslauf Mommsen römische geschichte 1, 73; damit war für heut die grosse frage erledigt, und alles im comptoir ging seinen gewöhnlichen gang G. Freytag (soll und haben 3, 1) 4, 375. die gruppe, die als träger der wiederholung gilt, ist zwar häufig durch eigenes ausdrucksmittel gekennzeichnet, doch zahlreicher sind hier die belege, die den träger aus dem zusammenhange nur erschlieszen lassen.
1))
das nächstliegende mittel der kennzeichnung bilden genetivverbindungen oder deren pronominale vertreter; an stelle der ersteren tretennamentlich bei Herderauch dative, mit und ohne präpositionen. seltener sind adjectiva, noch seltener nebensätze; dagegen finden sich verhältniszmäszig oft adverbiale bestimmungen.
a))
bei den genetivverbindungen kreuzen sich vielfach die kennzeichnenden bestimmungen, oft musz auch zu dem nächststehenden genetiv, der nur das object umgrenzt, auf das die wiederholung zielt, das subject erst ergänzt werden, von dem sie ausgeht.
α))
das gilt namentlich für lieblingswendungen Herders, denen aber auch ältere typen vorausgehen. schon im folgenden belege aus Knebel deutet das mit der präposition statt im genetiv angegliederte substantiv auf das object und nicht auf das subject der wiederholung: dise tag soll von den festen gelesen werden, und die gewonlichen collect von den selen sollen darein geleibt werden Knebel chronik v. Keisheim s. 38 Hüttner. dazu vgl. nun: auch sie (die fürsten) sind menschen; und nach ihrer gewöhnlichen erziehung ist oft zu bewundern, dass sie es noch blieben Herder (br. z. bef. d. hum. 2) 17, 95; von den ältesten zeiten an war es bei ihnen die gewöhnliche regel eines gedichts, von gott und vom propheten anzufangen (7) 18, 39, genau so (gew. regeln des epigramms) 15, 372; der ausdruck: 'sünde vergeben und behalten' war die gewöhnliche formel der bestellung eines lehrers, der über rein und unrein, erlaubt und verboten gesetzmäszig urtheilen sollte' (christl. schriften 4, 1798) 20, 38; aus mündlicher anvertrauung, (παραδοσις) dem damals gewöhnlichen mittel der fortpflanzung des unterrichts (1797) 19, 410; mit der gewöhnlichen aussprache der wörter (Adrastea 5, 2) 24, 269; anders: über diese jetzt so gewöhnliche goliathsprache werden in kurzem die kinder lachen (theologiebr. 21) 11, 141.
β))
gelegentlich tritt solchem genetivobjecte der träger der wiederholung in einem subjectiven genetiv vor oder folgt nach: alle nation ... haben ire lange kleider, und gewoenliche zudeckung des leibs, wie sie es von iren eltern entpfangen, behalten Musculus hosen teuffel (neudr.) s. 18; des edelmans verding was, das er (der maler) im allerlei nationen unnd völcker (malet) mit irer kleidung, und wie sie gon mit wehren und irer gewonlichen kriegsrüstung Wickram (rollwagenbüchlein cap. 101) 3, 128 Bolte; der gewöhnliche friedensgruss mehrerer morgenländischer völker Herder (zerstr. bl. 4) 16, 61.
γ))
bei manchen solcher possessivbestimmungen läszt sich die frage, ob die im genetiv eingeführte person die wiederholung selbstthätig bestimmt oder ob sie von dieser beherrscht wird, erst nach genauer prüfung des zusammenhangs beantworten, häufig bleibt sie unentschieden, wie im folgenden: so jr und ich an unser gewohnlichen statt sitzen buch der liebe 239, 2; darauf bevalhe er dem diener, den dreien am thor zu antworten, sie megten wol an ir gewonlich statt oder ort wider ziehen Zimmerische chronik 2, 47; active bethätigung liesze sich annehmen in wendungen wie die gewöhnliche rennbahn flacher geister Herder (Adrastea 1, 1) 23, 111; wir gingen zum abendessen an unsern gewöhnlichen tisch Arnim 1, 345; hoffnung erscheinet in gewoenlicher weiberkleidung, mit freudigem gesicht, und annehmlichen geberden J. Rist friedejauchzende Teutschland s. 45 (1, 4); die enhuben sich snellichen und eilten zu den zweien mit gewonlichen iren wapen in meinunge ires hauptmannes gebot suntlichen zu enden Johann von Neumark leben d. hl. Hieronymus 165 Benedict; ward in den kerker geworfen, aus welchem er jedoch auf dem gewöhnlichen wege der geister, durch's schlüsselloch, leicht einen ausgang fand Musäus (Rübezahl) volksmärchen I 7 Hempel; vgl. F. Reuter (stromtid 2, 16) 2, 265; wir sind einer guten mahlzeit gewohnet und wenn wir unser sonst gewöhnliches essen nicht bald wider bekommen, so werden wir ... uns zu tode hungern Happel academischer roman 208; dies ist unser gewöhnliches frühstück, contractlich auf ein jahr ausgemacht Gustav Freytag (journalisten 4, 2) 3, 107; deutlicher weisen auf eine passive betheiligung: bevilhet inen gemeldt maultier auss seinem gewohnlichen stall, in den stall, da das treuwlose weib dess nachts den stallmeister heim zusuchen pflegt, zuführen und anzubinden H. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) s. 129; jetzo in der bastille, dem gewöhnlichen aufenthalte der französischen witzigen köpfe Lessing (in der Vossischen zeitg.) 5³, 178; denn dies (das kreuz) war der gewöhnliche lohn solcher Galiläer und aufrührer Herder (christliche schriften 1796) 19, 184; im wenigsten bezahlete er (Avarus) keine näherin oder wäscherin, deren er ihren gewöhnlichen lohn ringerte und was er denen abbrach, heimlich in seine beutel steckte Grimmelshausen Simpl. 492 neudr.; nachdem er die humaniores ... und die gewöhnlichen wissenschaften eines jungen menschen von stande wohl begriffen hatte Lessing (Virginia) 6³, 70; arm und elend, wie es der komischen epossänger fast gewöhnliches schicksal war Herder (Adrastea 6, 1) 24, 364; dasz sie andrer menschen gewöhnliche ruhe störten (4, 2) 150; ..., es ist das gewöhnliche schicksal der verstorbenen, dasz überbliebene und nachkommende auf ihrem grabe tanzen Göthe briefe 1, 167; den eine gewöhnliche menschenlänge beherrscht Otto Ludwig (zwischen himmel und erde) ges. schriften 1, 142. auch andere wendungen, in denen eine eigenschaft im mittelpunkt steht, lassen sich unter dem gesichtspunkt eines leidenden subjectes hierher ziehen: die gewöhnliche eitelkeit auch nur zum schein einigermaaszen begünstigter liebhaber machte, dasz ... Heinse (Hildegard 2) 5, 297; die übrigen götter nur im vorbeigehn, nach ihren gewöhnlichen charakteren erwähnt W. v. Humboldt Pindar (s. lit. denkm. 58, 48); die gewöhnliche stellung derselben (der götter) ist die sitzende: denn sie sind könige, herren des weltalls Herder (zerstr. bl. 4) 16, 74.
δ))
anders die verbindungen, deren subjectiver genetiv handelnde personen zusammenfaszt oder kennzeichnet: sie (die höflichen mannspersonen) werden sich, nach ihrer gewöhnlichen artigkeit, bei ihren schönen angenehm machen Gottsched vern. tadl. (1725 1. stück) 1 (1738), 8; ich ... sahe mich nach niemanden anders als seeofficianten um, war auch so glücklich, einen tisch anzutreffen, welcher mit 6 personen von dergleichen schlage besetzt war ... ihre gewöhnliche freiheit verleitete sie gar bald, mich ... zu fragen: wer und woher ich wäre? J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 13 neudr.; denn es ist solcher groben und unverständigen leute gewöhnlicher brauch Schoch comödie vom studentenleben 4, 22; mein knän hatte vielleicht einen viel zu hohen geist, und folgte dahero dem gewöhnlichen gebrauch jetziger zeit, in welcher viel vornehme leute ... mit schulpossen sich nicht viel zu bekümmern pflegen Grimmelshausen Simplicissimus 9 neudruck; er sorgt durch die wilden hassenden reden der Atriden trefflich dafür, dasz auch der wahnsinn des Ajax nicht weit über das gewöhnliche benehmen der sogenannten vernünftigen hinaus zu stehen kommt ... Immermann (Ajax des Sophokles) 17, 440; unser gewöhnliches kinderhausleben Arndt 1, 15; brauchten auch ir gewonlich exorcismos Knebel chronik v. Keisheim 112; nach diesem beteten wir einstimmig das vater unser und den gewöhnlichen segen der christlichen kirche über uns J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 203 neudr.; 'es ist immer so gewesen', war die gewöhnliche antwort eines Abderiten, wenn man ihn nach ... dem ursprung einer sache fragte Wieland (Abderiten 1, 11) 19, 118; im anfange gewöhnliches universitätsgespräch: duelle, duelle und wieder duelle Heine (Harzreise) 1, 39; ein grosser theil seiner ausdrücke, auch selbst seiner gebete, nimmt aus der damals gewöhnlichen sprache der Jüden sein licht Herder (theologiebriefe 16) 10, 182; haben wir ein gemein versammlung ... unszer gewonlichen weisz gehalten Luther (urteil der theologen zu Paris) 9, 739; unsre gewöhnlichen konzerte erfordern nothwendig wenigstens diese verbesserung, dasz ... Heinse (Hildegard 1) 5, 108.
b))
vereinzelt ist an stelle solchen genetivs der dativ belegt, der der prädicativen verwendung des adjectivs geläufig ist: es zeigt also an, dasz dergleichen lieder ganz durchcomponirt gewesen; nur freilich auf die den morgenländern gewöhnliche sehr simple weise, die sich dem veränderten gesange hier neu anschlosz Herder (vom geist der ebräischen poesie 2. theil) 12, 250; dieses urteil fälle ich von mir, aus einer gelehrten und allen autoren gewöhnlichen schamhaftigkeit Rabener bd. 1, 148; ihre thaten entsprängen nur aus denen dem menschen gewöhnlichen leidenschaften Klinger (betrachtungen 307) 11, 296. häufiger natürlich ist die jüngere umschreibung mit präpositionen beobachtet: bannen war bei den Römern ein gewonliche straff Simon Rot H 7ᵇ; war ein gewöhnliches bild der vergötterung bei den Römern Herder (wie die alten 9) 15, 470; bedeutet das aufsteigen im ebräischen nichts anders? wars nicht der gewöhnliche ausdruck von denen, die nach Jerusalem insonderheit zu den nationalfesten zogen? (vom geist der ebr. poesie 2) 12, 244; ähnlich 15, 452; 15, 81; 19, 25.
c))
adjectiva: und verspotteten in in weibesgewande, das sie in falschem rat im zugelegt hatten an die stat seines geistlichen gewonelichen gewandes Johann von Neumarkt leben des hl. Hieronymus 14 Benedikt (var. gewenlichen); das wenige was ich hier von mir selber zu sagen habe, beschränkt sich auf das gewöhnliche vorrednerische eigenlob Jean Paul 1, einl. XXX.
d))
im gegensatze zu der spärlichen umschreibung mit nebensätzen steht die häufige verwendung kurzer adverbialer bestimmungen: gegen: gotteslästerlich, pestilentialisch, abscheulich das gewöhnliche beiwort, mit dem sie ihn aus dem reich der geister citiren Herder (gott) 16, 419; vgl. mit denen zu seiner zeit gewöhnlichen complimenten Thomasius s. lit. dkm. 51, s. 5; dem volke dagegen wurde die 'Fuggerei' das zur zeit Luthers gewöhnliche wort für geldwucher G. Freytag (bilder a. d. dtsch. verg. II 2, 8) 19, 245 (anders: das freilich war am ende des 16. jahrh. das gewöhnliche loos der gutsherrn [II 2, 9], 19 299); wie Martin der affe nach Rom reisete ... imgleichen von etlichen zu Rom gewöhnlichen lastern Gottsched Reineke Fuchs (2, 9 überschr.) 87 Bieling (unde van etlicken to Rome Reinke de vos); die in ihren landen gewöhnliche art der butterbereitung Gottsched Bielefelds staatskunst 1, 324 s. Reichel ztschr. f. dtsch. wortforsch. 8, 176; es war dieses (der huldigungseid im 'neuen bau') eine beständige gewohnheit ... um dieser in diesem hofe gewöhnlichen huldigung willen hatte das gebäude vor alten zeiten den namen kaiser- oder königshof J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete s. 113; weil nach dem osterlamm kein andrer sonst gewöhnlicher nachtisch aufgetragen werden dorfte Herder (christliche schriften 5) 20, 197; sonst gewöhnliche freiheit Menantes 1, 11; ähnlich (jetzt gew.) Herder 19, 344; so wenig charakter und eigenen bestimmten ausdruck hat die heute gewöhnliche musik Heinse (Hildegard 1) 5, 117 (anders: dasz man es ... leicht in die gewöhnliche sprache übersetzen kann, eben weil es damals gewöhnliche sprache und vorstellungsart war Herder [zerstreute bl. 6] 16, 391).
2))
den verbindungen, die mit solchen mitteln die gruppe kennzeichnen, welcher die wiederholung zugeschrieben wird, stehen zahllose andere gegenüber, die einer solchen bestimmung ermangeln. das gegenseitige verhältnisz wird am deutlichsten bei der gegenüberstellung in den einzelnen gruppen, die sich nach dem bedeutungsgehalt der verbindung gliedern lassen. hier sind die eben besprochenen belege nur mit kurzer quellenangabe angedeutet.
a))
unter den verbindungen des adjectivs mit synonymen von gewohnheit wird die ältere formel gew. sitte (s. sp. 6599) durch den gew. brauch abgelöst: szo folgen wir dem alten und gewonlichem brauch und vorbannen und vormaledeien von wegen des almechtigen gottis ... die Gasarer, die Pateroner ... Luther (bulla romana domini cap. 2) 8, 695 Weimar; und wie nach gewinlichem brauch sich ein gerümpel und rumpern erhebet Bebels facetien deutsch (Tübingen 1558) M 4ᵃ; dictio ... ein wohlgesetzte red, ein gewohnlicher brauch zu reden Calepinus dictionar. 435; gewonlich miszbrauch Eberlin v. Günzburg 2, 55; als der gewöhnliche brauch fordert Herder (Adrastea 4, 2) 24, 162; dazu vgl. (s. o.): gew. ... brauch Schoch 4, 22; Grimmelshausen Simpl. 9.
b))
mit den verbindungen, die dem boden der rechtssprache erwachsen waren (sp. 6601 ff.), berühren sich mannigfache wendungen allgemeineren gebrauches, sei es dasz sie eine rechtsformel litterarisch verallgemeinern oder dasz sie das gebiet streifen, das mehr der sitte als dem eigentlichen recht angehört: alle tag dreier pfennig mer dan den gewonlichen lohn Tucher baumeisterbuch 68, 8. dazu vgl. (s. o.) Grimmelshausen Simpl. 429; Herder 19, 184; drumb hätte ich dieselben nicht tauffen lassen, sondern hätte das gewönliche patengeld an die soldaten verwendet Weise die drei ärgsten erznarren 25 neudr.; er freute sich innerlich, so oft er den gruss eines einwandernden gesellen hörte, der das gewöhnliche geschenk zu fordern kam Ph. Moritz Anton Reiser s. 55 neudr.; vgl. auch: die gew. straff (s. o) Simon Rot H 7ᵇ; religiosus heisst auf deutsch gebunden, das ist: angebunden mit den gewöhnlichen gelübden an seine ordensstatuten Abraham a S. Clara (prophetischer willkomm.) 1, 119 Strigl; dazu vgl.: ... ist ... der sonst gewest gewohnliche wochenliche vichmarkt von st. Michaeli ... auf dem erchtag transferiret worden freiung des markes St. Michael (1758) s. österr. weisth. 1, 240; der einlasz ... wurde nach dem gewöhnlichen thorschlusse geöfnet J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete (1786) s. 28. im besonderen ist auch bei ehrbezeugungen und höflichkeitsformeln die grenze zwischen sitte und gewohnheitsrecht beweglich (vgl. auch die schwurformeln sp. 6618): nicht derbente im furbas gewonliche ere mit keinerlei dheinem dinste Johann v. Neumarkt leben des hl. Hieronymus 209 Benedikt; gewonliche wirdikeit erboten (veneratione debita) 173; daher etliche künig gewonliche eer und herrligkeit der begrebnisz haben manglen müssen S. Frank weltbuch (1534) 10ᵃ; die sind mit gewonlicher reverentz und eeren für den kaiser hinauffgangen C. Sender s. dtsch. städtechron. 23, 30; als nun die belehnung der regalien, mit aller gewonlichen zierlichkait volkommlich und glücklich verricht verzeichn. d. röm. kaiserl. may. hofstats (1566); gewöhnliche zierliche baslesmanes zu machen Grimmelshausen (vogelnest) 2, 335 Keller; am neulichen neujahrstage habe ich mit besonderer aufmerksamkeit die gewöhnlichen glückwünsche vieler leute angehöret Gottsched vern. tadl. (1725 2. stück) 1 (1738), 10; die gewöhnliche verehrung gottes ist die offenbarste gottes-entehrung Herder (christl. schr. 5) 20, 246; nebst deme ist ihm mit bekanter gebühr ... zugetruncken, von ihm ... beantwortet, und die handlung mit gehöriger maszen dem gewöhnlichen gesundheittruncke beschlossen der fruchtbringenden gesellschaft ält. ertzschr. 64 Krause; und nachdem sie die schale wieder gefüllt hatte, brachte sie mir den gewöhnlichen gast- und freundschaftstrunk in einem weine zu Wieland (Peregrinus Proteus 1, 2 abschn.) 27, 136; vgl. auch (s. o.): den gew. segen Schnabel insel Felsenburg 1, 203; gew. huldigung Haid 113. auch die zeit- und ortsbestimmungen führen hier zwischen dem engeren rechtsgebrauch und der allgemeineren beziehung auf die sitte hin und her: wenn also 42 prophetische monate 666 6⁄9 gewöhnlichen jahren gleich sind Jung-Stilling 3, 16 Grollmann; als er in der gewöhnlichen stunde mit andern vor den könig trat Herder (Adrastea) 4, 2) 24, 82; aber ohne diese phantasiencur, die ich gewöhnlich starck um die gewöhnliche brunnenzeit gebrauchte Lichtenberg aphor. 5, 51 Leitzmann; vgl.gewohnt sp. 6508; sind die evangel. stände an gewöhnlichem ort ... zusammen kommen relation ... von böhmischen sachen (1609) s. 12; ich befehle dir hiemit, dasz nach meinem tode die trauerceremonien am gewöhnlichen ort nicht gehalten werden Herder (Adrastea 4, 2) 24, 284; insinuiren, verkünden ... etwas schriftlich an gwönlichen orten anschlagen Simon Rot J; mich in den weinhäusern, dem gewöhnlichen orte, wo man sonst den charakter eines volkes zu sammeln pflegt, sonderbar umzusehen J. E. Schlegel 5, (1770) 16; die wachtparade war der gewöhnliche ort, wo sein stolz die allgemeine huldigung einnahm Schiller (spiel des schicksals) 6, 111; auf den gewöndlichen straszen landpot in Ober- u. Nider-Baiern (1516) 16ᵇ; vgl.(s. o.): gew. statt Zimmerische chron. 2, 47; gew. aufenthalt Lessing 5³, 178; gew. stall Wetzel 129; gew. rennbahn Herder 23, 111; gew. tisch Arnim 1, 345; die verbeszerung der welt auf dem gewöhnlichen wege der zeit geht sehr langsam Herder (br. z. bef. d. hum. 21) 17, 96; jener zwist ... bei dem man behaupten darf, dasz ihn beizulegen auf den gewöhnlichen wegen der concilation alles versucht sei (christl. schr. 1797) 19, 397; dazu vgl. (s. o.): gew. weg der geister Musäus; (s. u.) durch den gew. weg Varnhagen 88; im gew. ... geleise O. Ludwig zw. himmel u. erde cap. 3.
c))
die verbindungen mit substantiven der art und weise, des grades und maszes erzeigen ihre beliebtheit schon darin, dasz sie bis zur composition weiter führen (s. u.); vgl. auchgewohnt sp. 6510/11; gewonlicher weisz Luther 9, 739 (s. o.); da er es bejahet, und zu den Juden gar ebräisch spricht, erklärt er, wie er zu diesen sprachen gekommen, auf die gewöhnliche weise Herder christliche schriften (1794) 19, 9; da bei den rohesten völkern der erde und bei den juden selbst gewöhnlicher weise satan nur der lustige held der nebenrolle war (ideen, zusätze) 14, 565; gewöhnlicher weise redet man von der Nemesis zu Rhamnus ... als von zwei statuen (Nemesis 2) 15, 405; vgl. gewöhnlicherweise sp. 6638, gewöhnlichermassen ebenda; nach der gewöhnlichen vorstellungsweise A. v. Baumgartner über gewitter s. 9; und unweit auf dem gartenweg steht ein frauenzimmer, so grosz und stark, dasz sie für drei von gewöhnlicher art ausgereicht hätt', hat auch ein dreifach kinn gehabt Anzengruber (dorfgänge) 3, 99; den gewöhnlichen temperaturgrad Baumgartner s. 9; dazu vgl. (s. o.) gewöhnliche höhe Ratzel völkerk. 2, 11; gew. ... länge O. Ludwig 1, 143; gew. grenzen W. v. Humbold (litt. denkm. 58) 56.
d))
verhältniszmäszig wenig entwickelt ist hier die verbindung mit concreten: und was ein man von 30 oder 35 jarn alt mit einem gewonlichen hare und bartt M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 124; dazu vgl. (s. o. sp. 6613) die belege für gew. kleidung, ausrüstung, waffen; vgl.: oder sehen sie nicht, dasz es strich für strich das gewöhnliche landübliche ketzerschwert war, womit man die tempelherrn würgte? Herder (br. üb. tempelherrn) 15, 107; die organa waren also die gewöhnlichen hochzeit-instrumente (die heilige Cäcilia) 15, 162; begab sich eins tages, das Reinhart und Gabriotto allein ... den ballen mit einander schluͦgen ... Philomene mit Rosamunda an das gewonlich fenster kamen, dem balkenschlagen zuͦzuͦsehen Wickram (Gabriotto cap. 15) 1, 229; vgl. auch die ortsbestimmungen oben sp. 6616; vgl.gewohnt sp. 6508;
Braun erreichte das schlosz und fand die gewöhnliche pforte
fest verschlossen.
Göthe (Reineke Fuchs 2) 40, 21;
(und die thüre verschlossen fand, dadurch Reineke auszugehen pflegte Gottsched; dar Reynke uth plach to ghan. Reinke de vos); jemand ..., der die grösze eines fleckens beschreiben wolte, sagte: er war von der grösze eines gewöhnlichen dintenflecks Lichtenberg aphor. 5, 47 Leitzmann; über die grösze der hagelkörner wird oft merkwürdiges berichtet ... gewöhnliche hagelkörner haben einen durchmesser von 3 bis 10 l. A. v. Baumgartner s. 21; wirkungen, die gewöhnlichen winden fremder sind s. 15.
e))
breiten raum nehmen dem gegenüber die abstracta als träger des attributs ein. hiebei ergeben sich schon aus dem für uns erschlossenen material verhältniszziffern, die sich auch bei einer erschöpfenden zusammenstellung der litterarischen belege nicht so wesentlich verschieben dürften. auch die mündliche sprachform, die naturgemäsz hier nicht ganz ausgebeutet werden kann, dürfte deshalb nicht so sehr zu gunsten der concreta ins gewicht fallen, weil diese weniger der collectiven als der individuellen richtung des adjectivs (s. u. sp. 6621) zugehören.
α))
die schon im bisherigen erkennbare bevorzugung der nomina actionis als der träger des attributs läszt erkennen, wie stark der attributive gebrauch des adjectivs aus den wurzeln des prädicativen und adverbialen erwachsen ist. die einschlägigen belege lassen sich neben den oben vorweg genommenenen gebrauchsformen auch unter andern gesichtspunkten in gruppen gliedern, die das adjectiv begünstigen oder hemmen: also fahen etliche an und reitzen das volck widder pfaffen und münche, sagen, ... das gewonlich fasten, beichten ... gelte nichts zu der seligkeit Eberlin von Günzburg (wie sich ein diener ... halten soll) 209 neudr.; statt des gewöhnlichen fuszwaschens Herder (christliche schriften 1797) 19, 333; gewöhnliches anschauen, richtige ansicht der irdischen dinge, ist ein erbteil des allgemeinen menschenverstandes Göthe (max. u. refl. 1) 49, 37; und daʒ tuͤgent aber und aber, nutze daʒ ú einen gewöhnlichen abeker gewinnent Seuse (pred.) 504 Bihlmeyer (zum genus vgl. mhd. wb. 1, 799ᵇ); vgl. auch (s. u.) nicht gewöhnliche bewegung A. v. Baumgartner s. 9; wan (der vater) nur ... seinen consens zu beider verehelichung geben, und diese ehe durch den gewöhnlichen kirchgang offentlich bestetigen lassen wird Grimmelshausen Simpl. 275 neudr.; diesen und andern unartigkeiten in dem gewöhnlichen umgange abzuhelfen ... Gottsched vern. tadl. (1725, 2. stück) 1 (1738), 16; in allen volksgeschichten ... und auch in erzählungen des gewöhnlichen umgangs F. L. Jahn werke 1, 73; dem gewöhnlichen lehrgang in den alten sprachen mit wenig lust und eifer folgend Mörike (maler Nolten) 4, 37 Krausz; möge ... ich von euch allen vernehmen, dass es euch im gewöhnlichen lebensgange leidlich behagt Göthe br. 37, 109; dazu vgl. (s. o.) gewöhnlichen gang gehen; gewöhnlicher lauf der dinge, des schicksals u. a.; vgl.gewohnt sp. 6509; vgl.noch immer schmeichelte sie sich mit der hoffnung des gewöhnlichen wechsels der dinge Thümmel (reise 1) 1, 75; als es werktag war und das feld weit herum in gewöhnlicher stiller arbeit begriffen G. Keller (grüner Heinr. 2, 4), 1, 259; vgl.(s. o.) irer gewonlichen ... feldübung Fischart Gargantua 292; den gewonlichen aid zuͦ thon, der zuͦ ainem cardinal wirt auffgenomen C. Sender s. deutsche städtechroniken 23, 137 (vgl. dazu gewohnsam); nach gelaistem und erstattem gewonlichen aidschwur Mameranus verzeichnis der röm. k. may. hofstats (1536); in demselben (dem schwörsaal) schwört auch der ins amt trettende bürgermeister den gewöhnlichen eid J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete (1786) s. 118 (vgl. oben sp. 6616); ferner soll der feldtmarschalk die gewohnliche umbfrag thun, ob das gericht mit tauglichen ehrlichen leuten bestellet Schwendi krigsdiskurs (1605) s. 277; dasz ..., beweisen unter andern die gewöhnlichen fragen im gemeinen leben Herder (zur plastik) 8, 108; dazu vgl. (s. o.) gewöhnlicher friedensgrusz 16, 61; gew. ... exercismos chronik von Keisheim 112; wenn man die kinder nicht zu haus unterrichtet, noch auch in die gewöhnliche kinderlehr schickt Abraham a S. Clara (etwas für alle: der flaschner) 4, 183; haben sie darauff den gewöhnlichen hymnum oder gesang, veni sancte spiritus in böhmischer sprach ... gesungen relation von böhmischen sachen (1609) s. 6; bei der gewöhnlichen liturgischen wiederholung Herder (zerstr. blätter 5) 16, 254; die gewöhnliche kirchenandacht (christl. schriften 5) 20, 247; der unwürdigste begriff, der in eines menschen seele kommen kann, ist der gewöhnliche sogenannte gottesdienst oder gottescultus 20, 247; indessen war der herzog von seiner mission zurückgekommen und eben noch zur rechten zeit, um den gewöhnlichen festlichkeiten am hof und in der stadt beizuwohnen Mörike (maler Nolten) 4, 57 Krausz; dazu vgl. (s. o.) gew. ... konzerte Heinse 5, 108; gewöhnliches geräusch Thümmel 1, 35; wenn leute einen mathematischen satz von einer andern seite her verstehn lernen, als durch die gewöhnliche demonstration G. C. Lichtenberg aphorismen 3. buch 132 L; ich habe viele leute im gewöhnlichen gespräch gehört, denen nichts einfacher schien, als die preussischen reichstagsabgeordneten kurzweg zu mitgliedern des preuss. abgeordnetenhauses zu erklären Bismarck (1869) 4, 95; die fünf vorcale mit ihren doppellauten sind die tonleiter des alphabets und der gewöhnlichen aussprache Heinse (Hildegard 2) 5, 244; vgl.: sie reden die gewöhnliche sprache, so gut sie solche gelernt hatten Herder (christliche schriften) 19, 9; überdem wird dies wunderbare in den mittleren zeiten so leicht, ich möchte sagen, so natürlich eingeführet, dasz man es eben so leicht in die gewöhnliche sprache übersetzen kann, eben weil es damals gewöhnliche sprache und vorstellungsart war (zerstreute blätter 6) 16, 391; das gleiche (s. o.) 9, 105; 10, 182; 11, 141; 19, 9; was es mit den gewöhnlichen politischen prophezeiungen für eine bewandschaft habe Herder (briefe z. bef. d. hum. 60) 17, 326; gewöhnliche sprüchwörter und redeformeln (christliche schriften) 19, 176; vgl.(s. o.) mit ihren gew. ... lesterungen J. B. Fickler 157ᵃ; Caesar, mit seinen soldaten unzufrieden, redete sie an: vos Quirites, an statt ihnen die gewöhnliche benennung: vos Milites, zu geben Th. Abbt verm. werke 6, 2, 59 anm.; 'edelstein ... bruder der sonne' u. f. waren gewöhnliche beinamen der könige Herder (Persepolis) 15, 588; ein schriftgelehrter also ... hiesz mit dem gewöhnlichen ehrennamen ein mann der siebenzig zungen (christl. schr. 1794) 19, 30; dazu vgl. (s. o.) der gew. name 19, 344; 15, 81; gew. beiwort 16, 419; vgl.: da bei den Ebräern ... der gewöhnliche ausdruck eines groszen rabbi war: 'er hat das gesetz gelernt und die siebenzig sprachen' (christl. schr. 4) 20, 113; ebenso 19, 27. 91; das gleiche (s. o.) 12, 244; 19, 25. 26. 29. 316; 20, 28; gew. wort 11, 297; gew. formel 20, 38; vgl.: daher wurde das bild ein gewöhnlicher idiotismus (vom geist der ebr. poesie 2) 12, 57; desgl. 10, 61; vgl. auch (s. o.) 9, 203; (gew. zeichen) 15, 452; (gew. überschriften) 20, 372; vgl.gewohnt sp. 6510. die erfahrung von dem gebrauch und miszbrauch der gewöhnlichen evangelischen sagen Herder (christl. schr. 1797) 19, 262; mit meiner übersetzung, die ich für wörtlicher, als die gewöhnliche lateinische, ausgeben kann Gerstenberg (Schlesw. litbr. 20) s. lit. denkm. 36, 239; es existirt eine göttingische chronik von Bunting in folio. Magdeburg 1620 (die gewöhnliche ist in 4 to) Lichtenberg aphor. 5, 20 Leitzmann; mich dünkt es gehe jetzt auch mit den gewöhnlichen physiko-theologien ziemlich zu ende Herder (gott) 16, 492; der gewöhnlichen theorie zuwider (br. z. bef. d. hum. anhang) 18, 318; die gewöhnlichen sieben magisterkünste (kl. schr.) 15, 36; vgl.(s. o.) gew. wissenschaften Lessing 6³, 70; so bekennest du, das alles weihen in gewonlicher mainung, irrsal sei unnd irrig, sünd unnd schand und ergernus Eberlin v. Günzburg schriften 2, 11 neudruck; das ganze (die Aeginetengruppe) scheint nicht sowohl, nach der gewöhnlichen meinung, eine bestimmte scene des trojanischen kriegs darzustellen ... sondern es ist vielmehr ein sinnbild des kriegs überhaupt C. Hase (erinnerungen an Italien) 11, 1, zweite abth. s. 11; damit sie verwirrungen im sehepunkt der gewöhnlichen denkart vermeiden Herder 5, 34; das letztere ist freilich die gewöhnliche und daher in diesem buch regelmässig gemeinte bedeutung K. F. Eichhorn dtsch. staats- u. rechtsgesch. 1³, 49; ... was Hegels aesthetik beträfe, so habe ich sie in allem einzelnen geistreich gefunden, in der hauptsache aber trivial, wenn auch nicht trivial im gewöhnlichen sinne Hebbel br. 1, 102 Bamberg; nun zeigt sich die gewöhnliche erscheinung: ein kühner macht den anfang, und der grosze trosz der zagenden wird plötzlich ... von muth ergriffen Heine Harzreise 1, 39; ansteckende krankheiten, das gewöhnliche gefolge aller kriegsheere Herder (br. z. bef. d. hum. 36) 17, 176; sie müssen denken, es sind die gewöhnlichen folgen einer mesalliance Fr. Reuter (stromtid 2, 22) 2, 356; vgl.(s. o.) gewöhnliche wirkung Luther 19, 232; auch alles liebe musz in der gewöhnlichen ordnung zuförderst durch jenes (thor) Herder (herz u. verstand) 15, 153; meine nachlassenschaft ist so ... mannichfaltig, so bedeutsam ... dasz ich nicht vorsicht und umsicht genug anwenden kann, um jenen vormündern die verantwortlichkeit zu erleichtern und zu verhüten, dasz durch eine rücksichtslose anwendung der gewöhnlichen regeln und gesetzlichen bestimmungen groszes unheil angerichtet werde Göthe über sein testament (zu kanzler v. Müller) Göthejahrbuch 31, 3; ohne mich an die gewöhnliche regel zu binden Pfeffel pros. vers. 5, 34; das gleiche (s. o.) Herder 15, 372; 18, 39; (gew. formen seiner zeit) 19, 440; dasz er die gewöhnlichen ganz unphilosopischen verwirrungen hierüber gerade vorübergegangen war (gott) 16, 444; die das gewöhnliche chaos unserer physiognomischen träume sehr ordnete 549.
β))
bemerkenswerth ist, wie dem gegenüber solche abstracta, die auf einen zustand oder eine eigenschaft zielen, in dieser gruppe gegen die individuelle fassung (s. u.) zurücktreten; vgl. dagegen gewohnt sp. 6509:
sie thet jhm nicht an gwonlich pein
sondern sie an ein nadel steckt,
darnach zu einem liecht sie legt,
da muͦsten sie braten ellend.
Fischart, flöhhaz 846 (neudrucke 5, 25)
sonst wäre ich von der andern seite noch ganz hinunter gestiegen. gefahr kann weiter nicht dabei sein als die gewöhnliche Seume (spaziergang 2) 3, 72 Hempel; vgl. (s. o.) gew. schicksal Göthe 1, 167 br.; die gewöhnliche seekranckheit setzte uns dermassen hefftig zu, dasz wir nichts gewissers als einen baldigen und höchst gewünschten tod vermutheten J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 249 neudr.; vgl. (s. o.) jhre gew. ... trunckenheit Ambach E 2ᵇ; gew. ruhe Herder 24, 150; ich entgegnete dann von der tribüne, seine (v. Vincke's) äusserung überschreite nicht nur die gränzen der diplomatischen, sondern auch der gewöhnlichen discretion, die man von jedem manne von erziehung zu verlangen berechtigt sei Bismarck briefe an seine frau (1901) s. 328; dazu vgl. (s. o.) gew. artigkeit Gottsched vern. tadlerinnen 1, 8; gew. eitelkeit Heinse 5, 297; gew. leidenschaften Klinger 11, 296; gewöhnliche freiheit J. G. Schnabel 13; gewöhnlichen charakteren W. v. Humboldt Pindar s. 48.
f))
auch persönliche träger des attributes sind nicht viel beobachtet, weder in abstracter noch in concreter fassung: nach untergang der sonnen ... setzten wir uns in gewöhnlicher gesellschaft wieder zusammen, und höreten dan alt-vater Alberti ... seiner geschichtserzehlung dergestalt zu J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 214; vgl. in gewöhnlicher fruchtbarer gemeinschaft leben Herder (ideen 7, 1) 13, 257; vgl. auch sp. 6614; die namen könnten sie allenfals mit anfangsbuchstaben hinsetzen, oder dafür die gewöhnlichen Doris, Alcindor, u. d. g. unterschieben J. v. Sonnenfels (br. üb. d. wienerische schaub.) s. Wiener neudrucke 7, 8; dasz man die angelegenheiten ... wieder den gewöhnlichen statthaltern überliesz Mommsen röm. gesch. 2, 9; vgl.(s. u.) die gewöhnlichen thorschützen abhandl. zw. (kaiser) Rudolph u. Matthias; anders: die consuetudinarii, oder gewöhnliche sünder Abraham a S. Clara etwas für alle 3 (1711) 192; s. gewohnheitssünder; ein andres mosaik, den musizierenden Orpheus mit den gewöhnlichen nebenfiguren darstellend Matthisson (erinner. 1) 2, 191; vgl. dagegen die zahlreichen entsprechenden belege für den bedeutungswandel im sinne von mittelmässig, gemein.
β)
bei der individuellen richtung des begriffes zeigen die attributiven verbindungen des adjectives ein ganz anderes gepräge. so werden sächliche substantiva als logisches subject nur in ausnahmefällen herangezogen: du sitzest noch unter uns, bruder, dein körper hat noch seine gewöhnliche gestalt und ist dem unsrigen noch ähnlich Herder (zeustr. bl. 6) 16, 337; hier wie im folgenden ist das sächliche substantiv nur der passive zielpunkt der wiederholung: offenbar ists, dasz nicht der bart, sondern der bart ohne sein gewöhnliches attribut, die kutte, Marianens entsezen erregte Pfeffel pros. vers. 2, 13; anders in einem der ältesten belege, dem personificationund zwar in anlehnung an lat. vorlagezu grunde liegt: wilt du den himel zäumen und im seinen gewonlichen lauf vorbiten? Johann v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 114 Benedikt (caelum firmare, ne usitatos exerceat motus?); auch in der kennzeichnung des trägers der wiederholung zeigt sich diese gruppe einheitlicher; sie führt diese in der mehrzahl der belege durchund fast ausschlieszlich mittelst des possessivpronomens. ausnahmen (vgl. auch sp. 6622) sind selten: Jeronimus bei solchen zehern, bei suftzen und bei klagen der unschuldigen jungern sich gewonlicher barmhertzikeit nicht enthalden mochte Johann v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 171 Benedikt; als er sich mit gewonlichen listen in fremder gestalt vormachet hette 157; und do er in der klag stondt, do kament sin inneren sinne in ein gewonlich uffgezogenheit und erlúcht inn gar clarlich. der ewigen wiszheit betbüchlein (Basel 1518) 2ᵃ; diesz machte, dasz sie nicht mit dem gewöhnlichen leben tanzte Heinse (Hildegard 3) 6, 78; namentlich scheinen zeitbestimmungen, sofern sie einer individuellen bethätigung als unterlage dienen (vgl. sp. 6621), dem possessivpronomen sich zu entziehen. bemerkenswerth ist hier das folgende beispiel, in dem sich zwei arten der bestimmung zusammenfinden, die aber ungleich behandelt sind: Lockmann kam den tag darauf um die gewöhnliche zeit. die mutter war wieder mit ihrer arbeit beschäftigt, und schien sich nun den musiksaal zu ihrem gewöhnlichen aufenthalt gewählt zu haben Heinse (Hildegard 3) 6, 4; dasz die abstractere fassung der rechtssprache das anschauliche pronomen meidet, ist natürlich: die verhaftung des verdächtigen rechtfertigen ... wirkliche entfernung von dem gewöhnlichen wohnorte ohne eine, dieselbe erklärende ... ursache (bair.) entwurf eines gesetzbuches über das verfahren in strafsachen (182) s. 33; vgl. aber auch: der gewöhnliche weg von Volksstädt um die schöne ecke herum bei der brücke, die berge jenseits der Saale ... alles das stand wieder so lebendig vor mir Schiller (an Lotte v. Lengefeld 1789) br. 2, 213.
1))
synonyma begegnen hier nur wenig als träger des attributs: der alte her nahm den Markhold, seinem gewöhnlichen gebrauche nahch, in den arm, und führet' ihn mit sich in di tafel-stube Zesen Adriatische Rosemund 183 neudr.; auch die berührungen mit der rechtssprache sind hier naturgemäsz kaum entwickelt: zu den höflichkeitsformen (s. o.) vgl.: und woͤlti och sinen gewonlichen morgengruͦʒ underwegen lassen von unmuͦt Seuse (leben cap. 35) 109 Bihlmeyer; ebenso (s. o.) Joh. Meyer vorred. zu Elsbet Stagel 1, 9; nur die ortsangaben im gegensatz zu den zeitbestimmungen (s. u.; vgl. auch oben sp. 6616) greifen häufiger in die individuelle richtung über. das gleiche gilt für die verhältniszbestimmungen: (vgl. dazu gewohnt sp. 6508): ist er auf Geroltzegk, alda er dann sein gewonnliche residenz, gestorben Zimmerische chron. 1², 365; also bleib der koͤnnig Latinus in der statt Laurentium, do er vormals sein gewonliche statt und wesen gehalten hett Carbach übers. d. Livius 2 v; vgl.(s. o.) gew. wohnort, aufenthalt; vgl.: sein gewönliches ort ist alt gemeur Bock kreutterbuch 6; abends las ich in meinem gewöhnlichen café in der passage des panoramas den 4 ten und 5 gesang der Ilias Hebbel (1844) 3, 3, 54 Werner;
die mutter
ging indessen, den sohn erst vor dem hause zu suchen,
auf der steinernen bank, wo sein gewöhnlicher sitz war.
Göthe (Herm. u. Doroth.: Euterpe) 40, 264;
setzt sich auf ihren gewöhnlichen platz Kotzebue dramat. sp. 2, 211; ein geehrter abgeordneter hier, den ich auf seinem gewöhnlichen platze unerwarteter weise in diesem augenblicke nicht sehe Bismarck (1869) reden 4, 123. sein gewonliche weise durch sein gantze lebend was so, das er nichts anfinck, sonder ginck des morgens ersten in die kirch Kantzow chronik v. Pommern (hochd. fassung) 1, 392 Gaebel; wenn ich auch meine gewöhnliche lebensweise nicht veränderte Herder (gott) 16, 425; diese ganze beschreibung zeigt uns, dass hier der hl. Christus nicht in seiner gewöhnlichen gestalt, die er jetzt in seiner herrlichkeit im himmel hat, dem Johannes erschien Jung-Stilling 3, 35 Grollmann; nach seiner gewöhnlichen gleisznerischen art J. J. Engel (Lorenz Starck 3) 12, 24; 42⁄3⁰ meiner gewöhnlichen scale A. v. Baumgartner über gewitter s. 12.
2))
reichlicher als bei der collectiven richtung sind hier concreta beobachtet (zu den ortsbestimmungen s. o.): het er sein gewonlich klaidt an, war ain geliderter gelhut Zimmerische chronik 2¹, 585; Diana ... in ihrem gewöhnlichen habit, macht ein jäger geschrei tugend und liebesstreit 2, 4 (schausp. engl. comöd. 89); Anton erblickte ihn zuerst in einer grünen pelzmütze, blauem brusttuch und braunen kamisol drüber ... seiner gewöhnlichen hauskleidung Ph. Moritz Anton Reiser s. 47 neudr.; er, der alles was einer affectation ähnlich sieht, haszt, wollte nicht anders gemahlt sein, als in seinem gewöhnlichen anzuge Herder (Klopstocks bild) 24, 568; dazu vgl. dein gewontlich birschbüchsen Teuerdanck 138; hast du mein gewöhnliches mittagessen schon vom speisewirthe geholet J. T. v. Cronegk (der mistrauische 3, 3) 1, 84;
da hatt' ich einen kerl zu gast,
er war mir eben nicht zur last;
ich hatt' just mein gewöhnlich essen,
hat sich der kerl pumpsatt gefressen,
zum nachtisch, was ich gespeichert hatt'.
Göthe (rezensent) 2, 214.
3))
unter den abstracten treten die verbalhandlungen, die in der vorigen gruppe so reich zu belegen waren, stark zurück, namentlich im verhältnisz zu den eigenschaftsbezeichnungen, die hier um so mehr gepflegt erscheinen:
a))
biehte gotte zem ersten, och das du denne nút dine ufsetze, dine gewonlichen gebettelin út anhebest Tauler predigten s. 295 Vetter; als sie pflag ires gewonliches gebetes (ut erat solita) Johann v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 175 Benedikt; damit er ... der liebe seinen gewöhnlichen thränen-zoll desto frei und ungehinderter entrichten ... möchte Grimmelshausen (Dietwald u. Amelinde 5) wiedererst. Simpl. 3, 270; dasz es sich nicht schicke, ihr gewöhnliches stillschweigen über ihm zu brechen Heinse (Hildegard 3) 6, 48; vgl. auch (s. o.) mit seinem gew. stolzen schritt Paul Heyse 2, 7, 126; er setzte seine gewöhnlichen reisen und übrigens auch seine gewohnte lebensart fort Göthe (sammler 2) 47, 134 Weim.; vgl. auchgewohnt sp. 6509. dazu vgl. (s. o.) mit gew. aufmerksamer thätigkeit br. 28, 91; sine guͦte gew. übunge Tauler 385; und bedunkt mich, das gelöblich sin, nach iren gewonlichen werken Steinhöwel Boccaccio de claris mulieribus 43 Drescher; ob es nicht blosze vorgefaszte meinung bei deinem gewöhnlichen zeitvertreibe sei Heinse (Hildegard 1) 5, 138; vgl. seit dem ... bin ich anhaltend in Jena, wo ich ausser meinen gewöhnlichen geschäften auch noch die akademische bibliothek zu behandeln übernommen Göthe br. 29, 61; man ... geht unter diesem und neben jenem seinen gewöhnlichen geschäften nach C. Hase (erinnerungen an Italien) 11, 1, 2, 74; den ganzen sommer ... habe ich auf dem lande zugebracht und ziemlich ungestört den lauf meiner gewöhnlichen beschäftigungen verfolgen können W. v. Humboldt an Göthe s. Göthejahrbuch 31, 49.
b))
mich mit ihrer gewonlichen freundlichkeit zu underhalten Grimmelshausen Springinsfeld 2, 47 Keller; von mir nehmen sie mit ihrer gewöhnlichen gütigkeit die versicherung ... unveränderlicher ehrerbietung demoiselle (C. C.) Lucius an Gellert s, 118; er hörte sie mit seiner gewöhnlichen langmuth an Wieland (Abderiten 4, 2) 20, 10; erklärte sich sogleich mit seiner gewöhnlichen hitze (4, 3) 19; seiner gewöhnlichen derbheit gemäsz antwortete er: „ei was, da hätten sie betteln müssen“. Otto Nicolai über Zelters letzte tage s. Göthejahrbuch 31, 165; dieser antwortete mit seiner gewöhnlichen freimütigkeit, wie folgt Heinse (Hildegard 2) 5, 177; ich kann ihm mit meiner gewöhnlichen offenheit die genesis dieses entschlusses vollständig darlegen Bismarck (1874) 6, 228; vgl.gewohnt sp. 6509. an der grenze des bedeutungsüberganges zu alltäglich, gemein (s. 2) hält sich: nur ein paar mal schien der verfasser sich über die gewöhnliche trockenheit erhoben gefühlt zu haben H. Steffens was ich erlebte 1, 93.
4))
persönliche träger des attributs sind hier in zwei richtungen beobachtet: bei collectiven begriffen und als nomina agentis, die meist ein verhältnisz zum logischen subject des satzes kennzeichnen. beim letzteren tritt gewöhnlich wieder in wettbewerb mit gewohnt; vgl. sp. 6511.
a))
als Benedikt Meister ... aus seinem gewöhnlichen kränzchen abens gegen achte nach hause kam Göthe W. Meisters theatral. sendung 1; früh um 5 uhr an den sprudel; mit der gewöhnlichen gesellschaft (tagebücher) III 3, 220 Weim.; wenn aber die mutter, der das kind starb ... acht tage darauf in ihre gewöhnlichen gesellschaften geht Immermann (epigonen I 2. buch cap. 1) 5, 77.
b))
ihm (dem pfarrherrn) hette ein bürger, einer von seinen pfarrkindern und sein gewönlicher zechbruder, etwan lang ein stücklein geborget Kirchhof wendunmuth (2, 107) 156 Oesterley; Wölfchen ist mein gewöhnlicher gesellschafter Göthe br. 42, 279; Lucinde erkannte ihn wohl, er war der gewöhnliche diener des kammerherrn Gutzkow zauberer v. Rom (1. br. cap. 18) 2, 91; als eben ein geistlicher in das zimmer trat, es war der gewöhnliche gewissensrath verdeutschung des paysan parvenu von Marivaux 2, 78 (1752); er ... gieng über den sandweg, sah den pförtner sitzen, ging über die treppe empor, fand das gewöhnliche mädchen in den vorzimmern, trat von diesen in die wohnung ein und fand dort sie Stifter studien (das alte siegel) 2, 365.
c)
zur substantivierung des adjectivs sind neben den allgemeinen formen, die gewöhnlich mit gewohnt theilt, auch besondere züge von bedeutungsverengerung zu belegen, dienamentlich in der schwäbischen umgangssprachevon den verschiedenartigsten zusammenhängen ausgehen:
α)
allein, dieses ist etwas gewöhnliches, und kann Amouretten ... nicht zum vorwurfe gereichen Rabener 1, 190; dasz männer, die auch noch so mannbar sind, keine kinder hinterlassen, ist bei unsern regierungsverfassungen und zu starken bevölkerungen etwas gewönliches Heinse (Hildegard 1) 5, 17; und der tod würgt heute so allgemein, dasz er etwas ganz gewöhnliches scheint Grabbe (Napoleon 5, 4) 3, 164; alle regeln, welche bis hieher über die zweckmässige einrichtung der academischen studien aufgestellt sind, betreffen nur das allgemeine, und sind bloss auf das gewöhnliche berechnet. wo ausnahmen zu machen sind, musz jeder durch seine eigene beurtheilungskraft entscheiden A. F. J. Thibaut jur. encyclopädie (1797) s. 392; Cyclop: genug der löwen! hab' ich ... lange menschenfleisch entbehrt. Silen: ja, herr, was neues maeht sich auf's gewöhnliche viel angenehmer Schöll der Cyclop des Euripides (1851) 16.
β)
nichts neues, als das gewöhnliche: 'kein geld! böse zeit!' Herder (zerstr. bl. 5, 1793) 16, 183; worauf die mutter mir zuerst das gewöhnliche (schläge) verabreichte, dann aber auch die nötige belehrung erteilte Michel Buck selbstbiographie in seinen 'Bagenga' (1892) s. 51; frau Hedwig ' s gewöhnliche! Vischer auch einer 2, 12.
d)
die adverbiale verwendung, die der bedeutungsentwicklung nach dem begriffe des niedrigen zu den stärksten widerstand leistet (s. u.), bildet das wenigst bestrittene gebiet unseres adjectivs, in das auch gewohnt hier kaum anders als in umschreibungen übergreift. reich entwickelt hält sie, da die prädicative verwendung mehr und mehr zusammenschrumpft, vor allem den begriff des geübten und gewohnten in alter reinheit fest. in dem wettbewerb mit dem hilfsverbum pflegen (vgl. oben sp. 6600) halten sich noch immer tautologische bildungen: sie fuhren, wie man gewöhnlich zu thun pflegt, nach mitternacht ab Heinse (Hildegard 3) 6, 149; es pflegt doch gewöhnlich zu geschehen, dass fromme seelen durch gewisse zeichen unterrichtet werden, was ihnen bevorsteht Klinger (Fausts leben) 3, 101; wie denn die frauen ... gewöhnlich zu siegen pflegen Arndt 1, 6;
beschrieb ich ihm ernstlich
einen balken, auf dem sich ein hahn des abends gewöhnlich
neben sieben hühnern zu setzen pflegte.
Göthe (Reineke Fuchs 3) 40, 52;
(zu sitzen pflegten Gottsched; to sitten plegen Reinke de vos). auch einzelne syntaktische formen, die dem adverbialen gebrauch entwachsen und die ihn verschleiern, zeugen von dessen entwicklungsfähigkeit und reicher verwendung. bemerkenswerth ist bei dieser reichhaltigkeit, wie sehr die collective zusammenfassung bei den trägern der wiederholung gegen die individuelle zuspitzung überwiegt.
α)
collective und individuelle richtung.
1))
die collective richtung begünstigt auch hier wieder unpersönliche subjecte.
a))
diese erscheinen seltener als träger einer activen wiederholung, meist dagegen eines passiven erleidens:
α))
geschickligkeit und vortheiligkeit ursacht gewöhnlich glück und guten auszgang desz kriegs Schwendi kriegsdiscurs 115; pleonastisch, wie sich das volle gemüth des gemeinen mannes zu menschen gleicher art gewöhnlich ausdrückt Herder (christl. schriften 4) 20, 21; diesen druckt gewöhnlich die würde seiner vorgesetzten ... wie blei und eisen zu boden (Adrastea 4, 1) 24, 71; in den übergängen herrscht die gröszeste lyrische freiheit. die phantasie allein bringt sie gewöhnlich herbei W. v. Humboldt Pindar (litt. denkm. 58, 52); die andern (wunder) alle, von der verschiedensten art, führt dies evangelium gewöhnlich kürzer als Markus an Herder (christl. schr. 1797) 19, 406;
demuͦt ist selten bei kurtzen leuten,
rot haar thuͦt uns gwonlich untreu deuten.
Bebels facetien deutsch (Tübingen 1558) b 8ᵇ (1606: gewöhnlich);
der hinterrand eines gewitters erscheint gewöhnlich aus dichtem ... gewölk anleitungen zur beobacht. d. gewitterersch. (1888) 5; sie (die deutsche sprache) läszt gewöhnlich das unbestimmte vorangehen A. W. Schlegel s. Athenäum 1, 63; dann gewöhnlich folgt, das ... Schwendi kriegsdiscurs 138; jedes neue jahrhundert fing daher gewöhnlich mit pracht an Herder (Adrastea 3, 1) 23, 485; so tritt die nordische romanze gewöhnlich keck auf (5, 2) 24, 266; dasz der Zend-Avesta gewöhnlich mit Gustasp ... aufhöret (persepol. briefe) 551;
als Neidlhart misriet sein falscheit,
die er dem held het zubereit,
fiel im in seinen falschen mut,
wie dann gwonlich eim bösen tut,
ein küriser, den er wol kannt.
Teuerdanck (92, 4) 225 Goedeke;
das macht gewöhnlich das intereszanteste solcher legenden Herder (Adrastea 2, 3) 23, 225; ebenso 24, 539.
β))
so die kaufleüt gen Franckfurt kummen,
so ist der pfening auch dabei.
ged. auf pfennig s. z. f. d. a. 48, 37;
weil es sonst gewöhnlich der fall sein müszte ... Herder (kl. schr. 1787) 16, 614; die religionsverehrungen waren gewöhnlich umgänge um den altar (vom geist der ebr. poesie 2. th.) 12, 265; vgl. auch 23, 36. 191; die schlechtesten ehen unter allen sind gewöhnlich die hofehen Heinse (Hildegard 1) 5, 141; das huse was aber höher danne nach sitt der welschen büwen die hüser gewonlich sien Niclas v. Wyle translationen 51 Keller; den Griechen war, wie bekannt, ein theaterstück gewönlich zu kurz; sie spielten mehrere nach einander Herder (zerstr. bl. 4) 16, 101; vgl. auch (s. o.) Göthe wahlverwandschaften 2, 5; ist nicht das kürzere, das schmucklose, gewöhnlich das frühere Herder (christl. schr. 1797) 19, 391;
wann in der sonnen nidergehn
rote wolcken an dem himmel stehen,
der tag darnach wird gewönlich schön.
Fischart aller pracktik groszm., s. unten theil 9, sp. 1614;
das kombt sie schwer an, und wird jnen gewöhnlich der platz und standt zum sturm zu eng Schwendi kriegsdiscurs 108; dass ... die verwirrung gewöhnlich nur noch ärger ward Mommsen röm. gesch. 2, 20; die kräuter ... nutzen wenig, also das sie gewonlich alle jar mit fewer verbrent werden Ambach vom zusauffen (Augustin 5, 2304 Migne) D IV 6; auch sie (die sitze) hat man groszentheils zerstört, um sich der breiten steine zu bedienen, mit welchen sie gewöhnlich belegt waren W. v. Humboldt über das antike theater in Sagunt (dtsch. lit. denkm. 58, 72); ans theater des bürgerlichen lebens ist gewöhnlich ein hospital gebaut, in welches sich nach und nach die mehrsten der schauspieler verlieren Herder (zerstr. bl. 4) 16, 110; so wurde sie (die bibliothek) wöchentlich einigemal den liebhabern geöfnet, gewöhnlich donnerstage und samstage, und auf einen legeschein konnte auch jeder ein buch mit zu hause nehmen J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete (1786) s. 119; auch die stellung des genius zeigt kaum etwas mehr, als jene schwachen füsze, die dem schlaf gewöhnlich zugeschrieben wurden Herder (wie alten den tod gebildet 6) 15, 452; vgl. auch 24, 537; die psalmennummern, welche gewöhnlich mit kreide auf einer schwarzen tafel verzeichnet werden Heine (Harzreise) 1, 20; vom türkischen meer, welches gewöhnlich der archipel genannt wird Jung-Stilling 3, 28; Byzanz steht für Constantinopel, es ... passt besser in den stil und wird in sachen der bildenden kunst gewöhnlich gebraucht Göthe br. 4, 27; ganz ähnl. Herder (Adrastea 4) 23, 314 (vgl. auch was gewöhnlich den namen führet 17, 241); aus ... einer masse ... geringhaltiger sagen, gewöhnlich ohne sinn für sage zusammengesetzt Mommsen röm. gesch.einl. 1; einen abgrund aufdecken, der in den fastis der universitäten gewöhnlich nicht gemahlt steht Herder (kl. schr. 1798) 20, 378; bei welchem die herrschung steet, der ist auch gewondlich an guͦt vermoͤgend Schaidenreisser Odyssee 4ᵇ; den solche pfant so si verliehen werden, belibent gewonlich usz ston Murner geuchmatt (geschwornen artickel 6) 37 Uhl.; das lächerliche sowohl in der poesie als musik entsteht gewöhnlich durch kontrast Heinse (Hildegard 1) 5, 147; dasz für uns Europäer eben der geist ihrer weisen sprüche und reden, auf den sie es am künstlichsten anlegten, gewöhnlich zuerst verrauchet Herder (zerstr. bl. 4) 16, 13; die römischen feldherren waren oft consuls, deren amt und feldherrn-würde gewöhnlich nur ein jahr dauerte (ideen 3, 1); sie (die stromrinne) liegt gewöhnlich nicht in der mitte des stromes Ritter erdkunde 1, 83; dasz diser see ... in seiner grösze weder eisz noch frost habe (der Bodensee) ... welches doch dem Cellersee ... zuͦ gemeinen kalten wintern gewonlich begegnet Stumpf Schweizer chronik 390ᵇ; als denne in solichen landskriegen gewonlich beschee, dasz der unschuldig des schuldigen engelte urk. buch der stadt Basel 7, 197; das geschicht gewöhnlich, wo viel nationen seind Schwendi kriegsdiscurs 129; wie es gewöhnlich geschieht J. F. Fries wissen, glauben u. ahndung 29 neudr.
b))
persönliche subjecte sind meist als träger activer bethätigung belegt. passivfügungen dienen zunächst der umschreibung für das unbestimmte subject, das naturgemäsz in dieser gruppe überwiegt: dasz sie vil unrichtigkeit verursachen, und gewöhnlich untrewlich mit umgangen wird Schwendi kriegsdiscurs 122; da finde man selten die besten rosse, wenn man soviel habe, so werde gewöhnlich schlecht gefüttert Jeremias Gotthelf Uli der knecht (cap. 11) s. 157 Vetter. andere passivfügungen sind selten beobachtet: wann koment si in not, so werdent sie gewonlich on hilff verlassen Steinhöwel Aesop 105 neudr.; also camen sie an das thörlin, da sie gewonlich eingelassen wurden Carbach verdeutsch. d. Livius 137ʳ. das subject der activen bethätigung ist bei der collectiven richtung nur ausnahmsweise auf bestimmte und genannte personen eingeengt: ein freundlich gelegenes landhaus, wo die geschwister gewöhnlich einen theil der sommermonate ... verlebten Mörike (maler Nolten) 4, 45 Krause. zumeist ist nur die gruppe abgegrenzt, innerhalb der ein liebiger träger der wiederholung zur wahl steht. das gilt auch für das personalpronomen der ersten person im plural, in dem sich der sprechende mit seinen zuhörern identificiert: weil wir ... selten auf die letzten gründe zurückgehen, also gewöhnlich nur urteile von urteilen ableiten J. Fr. Fries wissen, glauben und ahndung 26 neudr.; kein heide ... würde exercitia pietatis genannt haben, was wir gewöhnlich so nennen Herder (christl. schr. 5) 20, 248; u. a.; übrigens treiben wir allerlei wunderliche dinge und thun wir gewöhnlich mehr als wir sollten, nur gerade das nicht was wir sollten Göthe br. 19, 470.
α))
den weitesten spielraum erschlieszt das viel belegte man: aber inn den trincklanden finde man gwonlich frumb, warhafft, getrew, hart, mannlich leüt Johann von Schwarzenberg das büchlein vom zutrinken 37; man schaue gewöhnlich auch nicht rings umher, sondern dieser auf dies, jener auf jenes Herder (br. z. bef. d. hum. 57) 17, 282; wie man ihn in brustbildern gewöhnlich sieht (Adrastea 3, 1) 23, 453; mein spiegel ... zeigt also, was man gewöhnlich nicht sieht, nicht sehen will J. Gotthelf (bauernspiegel) 2, einl. s. 7 (Bern 1898), exedra, ein ort von stülen, da man gewohnlich ein gespräch haltet, ein capitelhaus Calepinus dict. 533ᵃ; man nimbt sich aber gewöhnlich nun umb die bollwerck an Schwendi kriegsdiscurs 114; möge man thatsachen entschuldigen, wie man gewöhnlich thut Herder (kl. schr. 1797) 20, 289; desgl. 24, 218; nicht aus gründen, die man gewöhnlich angiebt (christl. schr. 1797) 19, 304; der vertrag von Verdun, den man gewöhnlich als die gränze dieser periode angiebt K. F. Eichhorn dtsch. staats- u. rechtsgesch. 1³, 6; unter dem namen der morgenländischen dichtkunst begreift man gewöhnlich die poesie so verschiedener ... völker Asiens Herder (zerstr. bl. 4) 16, 12; das bescheidene gesicht mit flügeln der Psyche, das man ihm (Plato) gewöhnlich beilegt Herder (christl. schr. 1797) 19, 277; ursachen, die man gewöhnlich anführet 364; er kam zu früh (sagt man gewöhnlich) (Adrastea 3, 2) 23, 549; sagt man laut und gewöhnlich (4, 2) 24, 107; was man vom geschmack gewöhnlich aussagt (Kalligone 2) 22, 207; (gew. zuschreibt) 15, 597; (lieset) 19, 391; (sich denkt) 17, 271; 19, 396; den Proteus zu fesseln ... den man gewöhnlich nationalcharakter nennt (br. z. bef. d. hum. 7) 18, 58; genau so 23, 23. 57. 39. 295. 362. 430; 24, 242 (vgl. auch 23, 318); das glacis, das man gewöhnlich die konterschar nennt, von der französischen benennung der contr' escarpe, mit welcher man unrecht das glacis belegt J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete s. 26; gewöhnlich fordert man, dasz ... Savigny v. beruf unserer zeit s. 25.
β))
enger grenzen den spielraum pronominalformen ein, welche auf die merkmale hinweisen, durch die die gruppe zusammengefaszt wird. vereinzelt stehen sie im singular, meist dagegen im plural: der könig nach dem, so desz vogels gewohnlich warten musz, schickete buch der liebe 283, 3; vgl. auch (s. o.) Schaidenreisser Odyssee 4ᵇ; jeder der von vasen spricht und sie gewöhnlich für aschengefäsze ansieht, sollte diese kurzen abhandlungen lesen Herder (kl. schr. 1797) 20, 285; zur aufsicht waren zwei bibliothekare bestimmt, von welchen der erste gewöhnlich der jeweilige senior des ministeriums ist Haid Ulm mit seinem gebiete 120;
die vil lüsz gewonlich haben
mit spenen musz mans von in schaben.
Thomas Murner narrenbeschwörung 34, 27;
der grosse sach ein weil auffhenckt,
fein langsam mit der zeit bedenckt,
und dennocht allen fleisz anwendt.
die han gewonlich ein besser endt
denn die, welch schnell und unbewagen
doch listig werden angeschlagen:
die werden gmeinlich ubereilt,
denn allzu bhend hat offt gefeihlt.
B. Waldis Esopus (4, 97) 2, 273;
dann gewohnlich alle, die etwas neues bauen wollen, wollten auch gern ein neue fatzon darzu haben A. Dürer (unterweisung der messung) nachlasz s. 183; die ersehen gewohnlich das ungeschicktest, wie wol sie das gut nit erkennen 189; viel sint deren, die e wöllent maister sin, wann schuͦler ... so fallent sie gewönlich in merkliche schand und schaden Steinhöwel Äsop 228; nicht dasz die groszen herrn den üblen willen hätten, armes volk zu täuschen, sie meinens gewöhnlich recht gut mit ihren versprechungen Holtei erzählende schr. 1, 40; wenn bei kleinen personen alles innere starck und gut ist, so sind sie gewöhnlich lebhaffter als andere menschen, weil bei gleicher bluterzeugung weniger masse zu versorgen ist G. C. Lichtenberg aphorismen 4, 11 Leitzmann.
mit tugendsprüchen und groszen worten
gefällt man wohl an allen orten;
denn da denkt jeder für sich allein;
so ein mann magst du auch wohl sein!
doch wenn wir droben sprächen und thäten,
wie sie gewöhnlich thun und reden!
Göthe (jahrmarktsfest zu Plundersweilen) 13, 10;
γ))
mehrfach sind auch collectivbegriffe beobachtet und appellativa, die vereinzelt auch im singular eingeführt sind:
den nach der seügerin natur
gewonlich nach schlecht creatur.
Thomas Murner narrenbeschw. 4, 113 neudr.;
auch findet die deutsche nation geschmack am reisen und reiset gewöhnlich zuerst nach Frankreich Herder (br. z. bef. d. hum. 9) 18, 153; die leichte reiterei macht gewöhnlich desz streits scharmützels oder der schlacht anfang, mit scharmütziren Am. Comenius janua (1644) 220 (usitate); er stellte seine armee, welche gewöhnlich nur eine einzige linie einnahm, in einer gedoppelten linie in schlachtordnung Schiller (dreiszigjähriger krieg 2) 8, 149; obgleich der bischof zu Rom in seinen anordnungen gewöhnlich den gemäszigten weg ging: so fehlte es ihm dennoch bald an gelehrsamkeit, bald an ansehen, um auf dem ganzen ocean der lehre das schiff der kirche zu steuren (ideen 4, 17) 14, 340; ähnlich (der erzähler) 23, 224;
wie wol wir narren narren seind,
so werden wir gewonlich feind
allen denen, die es unsz sagen.
Murner v. Lutherischen narren 116 Kurz;
die grossen könige ... haben gewöhnlich ... jre stätt und ordentliche kriegszahlmeister Schwendi kriegsdiscurs 210; die kriegsleut seindt gewöhnlich, wie man sie regiert 199; domkapitel und stifte waren ... für deutsche wissenschaften gewöhnlich ganz todt Herder (br. z. bef. d. hum.) 17, 297; die alten römischen Cäsars, eine reihe regenten, helden ... dichter, philosophen hatten sonderbare wahngestalten im kopf, die sie gewöhnlich andern aufzwingen wollten 229; auch haben fast alle ein gartenhausz, in welchem die besitzer mit guten freunden sich gewöhnlich an sonn- und feiertagen ergötzen J. H. Haid Ulm mit seinem gebiete s. 9; wider die gewohnheit der mütter, die den jüngsten gewöhnlich am meisten lieben Herder (Adrastea) 4, 2) 24, 85;
und so brachten bei uns auf deutscher seite gewöhnlich
auch die kinder des morgens mit händeküssen und knixchen
segenswünsche den eltern.
Göthe (Hermann u. Doroth.: Melpomene) 40, 318;
dasz die genialischen menschen gewöhnlich ein wenig sonderbar sind (Rameaus neffe) 36, 12; unserer meinung nach halten sich liebhaber gewöhnlich viel zu lange bei der ägyptischen ... kunst auf (anzeige der Propyläen) 47, 41; solcher höflichen ableinung und begiettigung gebrauchen sich die redner gewonlich am anfang Simon Rot teutscher dictionar. (unter insinuatio); die philosophen geben auch ihren krankheiten gewöhnlich ehrennamen Herder (Adrastea 1, 1) 23, 94; (die wortkritiker) 24, 186; die vorzüglichsten schauspieler kamen gewöhnlich ... aus dem mittelthore W. v. Humboldt üb. d. antike theater (lit. denkm. 58, 99); ein altes ... wirthshaus ... wo gewöhnlich die frachtfuhrleute herbergen Mörike (maler Nolten) 4, 60; polnische juden ... die zuweilen einkauften, gewöhnlich aber die erzeugnisse ihrer länder ... verkaufen wollten G. Freytag (soll u. haben 1, 4) 4, 59.
2))
bei der individuellen richtung ist für unpersönliches subject nur in ausnahmefällen raum, vgl. seit mehreren jahren war mein reise entschluss gewöhnlich nur aus dem stegreife gefasst Göthe br. 28, 63; 'was bringen sie uns neues'? war nächst dem grusz gewöhnlich das erste wort an seine gäste Mörike (maler Nolten) 4, 48 Krausz. auch der passiven antheilnahme ist diese gruppe wenig zugänglich: dasz Petrus nicht der älteste nachfolger Jesu gewesen, ob er gleich in den evangelien gewöhnlich zuerst genannt ward Herder (christl. schr. 1797) 19, 271; vgl. auch 23, 183.
a))
das man zuͦ nacht vor seiner (des ritter Galmy) kamer auff in warten solt; dann er gewonlich ... spat von seinem gsellen kumpt Wickram (Galmy c. 26) 1, 86; sie besucht mich die woche gewöhnlich einmal Göthe br. 35, 283;
und hinzuführen an sein bett,
da er gewohnlich schlaffen thet.
J. Spreng Ilias (1610) 3, 29ᵃ:
einen ... stein ... auf dem der ehrwürdige dichter (Dante) von wanderungen ermüdet, gewöhnlich ausruhte Matthisson (erinner. 3) 4, 183; dort liesz ich gewöhnlich die pferde zwei stunden rasten Stifter (a. d. bayr. walde) erzähl. 1, 280 Aprent; wenn er ihn besuchte, blieb er gewöhnlich den mittag über da H. Steffens was ich erlebte 1, 77; dort residirt er gewöhnlich Göthe (noten z. Divan) 7, 194 Weimar; das ... kleine römische haus ... in welchem der herzog des sommers sich gewöhnlich aufhält reisetagebuch des burggr. W. zu Dohna-Schlobitten s. Göthejahrbuch 31, 62.
b))
die hatt gwonlich 5 oder 6 mätzen zhusz Th. Platter 44.
c))
ich weis auch wol zu welcher zeit
er sein gebet gewöhnlich treibt.
Chryseus hoffteuffel (1562) D 5ᵇ;
er fängt an mit dem tone, der ihm am natürlichsten ist, woraus ... sein ganzes wesen geht, und worin er gewöhnlich spricht Heinse (Hildegard 1) 5, 26; für seinen freund Sickingen, der sich auch Luthers schriften beim abendessen und müszigen stunden vorlesen liesz, und denn gewöhnlich wahre ritter-worte drauf setzte Herder (zerstr. bl. 5) 16, 285; wo er gewöhnlich seine harfe ... ertönen lisz (Adrastea 5, 2) 24, 311; Leibnitz selbst machte verse, latein und französisch gewöhnlich nur aus artigkeit, als komplimente (Adrastea 3, 1) 23, 485;
unser herr ist der löwe, und alles an sich zu reiszen
hält er seiner würde gemäsz.   er nennt uns gewöhnlich
seine leute.
Göthe (Reineke Fuchs 8) 40, 132;
was nach diesen zeiten geschehen sei, weisz ich nicht; da ich auszer einem kleinen blatt gewöhnlich kein kritisches deutsches journal lese Herder (br. z. bef. d. hum. 8) 18, 130; da sie von ihrem bruder, als einem läst sigen korrespondenten, in solchem fall gewöhnlich nur zum kleinsten teil erfahre Mörike (maler Nolten) 4, 63 Krausz;
Nicolai entdeckt die quellen der Donau! welch wunder!
sieht er gewöhnlich doch sich nach der quelle nicht um.
xenien 257 s. schr. d. Göthegesellsch. 8, 29;
'ihr befindet euch immer wohl'? 'ja gewöhnlich aber heute nicht besonders' Göthe (übers. v. Rameaus neffe) 36, 10.
β)
entwicklungsformen, die über die adverbiale verwendung hinausführen:
1))
die viel belegte verwendung im vergleichssatze entwickelt im neueren stil elliptische formen, die je nach der art der ergänzung für das adverbiale oder für die prädikative verwendung in anspruch genommen werden können.
a))
das etlich freihern und vom adl mit einander (als gewöndlich sölicher zank in dem land zu Franken selten rut) zu schaffen hetten Wilw. v. Schaumburg 60; als gewöndlich die schwabischen frauen mit schönen ... worten redreich 55; gereicht übrigens, wie es gewöhnlich ist, der wahn zur bequemlichkeit einiger Herder (br. z. bef. d. hum. 46) 17, 230; der vater kommt, seine stimme tönt (vielleicht wie gewöhnlich, zum schlusz des tages sich rechenschaft von ihrer arbeit geben zu lassen, und sie dadurch zu unterweisen) (theologiebriefe 2) 10, 20.
α))
das concilium der ärzte war, wie gewöhnlich, unter sich uneins Herder (zerstr. bl. 5) 16, 143; vgl. auch 23, 39; dies dinér ist ausgefallen, wie gewöhnlich, nämtich erbärmlich schlecht, was mein benehmen betrifft Hebbel (1842) 3, 2, 146 Werner; nach dem konzerte wurde über die zwei berühmten scenen, wie gewöhnlich, viel gesprochen Heinse (Hildegard 2) 5, 198; er setzte dieser behauptung gutmüthige patriotische briefe entgegen, die aber wie gewöhnlich an den groszen deutschen nemo geschrieben waren Herder (kl. schr. 1791 ff.) 18, 383; dass solche confessionen, wie gewöhnlich, in stunden der äussersten ermattung ... geschrieben sind 366; da dann wie gewöhnlich die französischen fechter die lautesten ... waren (Adrastea 4, 1) 24, 7; in der politik ebbe, wie gewöhnlich briefe v. u. a. Herwegh s. 40; predigt, die wie gewöhnlich, gut, aber etwas lang gewesen war Fon tane (quitt 3) 1, 6, 13.
β))
er wird wohl wieder im hecht abgestiegen sein, wie gewöhnlich Lenz (hofmeister 4, 1) 1, 48 Tieck; Louvois ... kam einige tage nachher, wie gewöhnlich, mit dem könige im zimmer der Maintenon zu arbeiten Herder (Adrastea 1, 1) 23, 112; des königs, der hier wie gewöhnlich auf seinem Perserstuhl sitzt (Persepolis) 15, 599; jetzt sitzt sie noch wie gewöhnlich bei ihren schwestern maler Müller 1, 138; die familie sass, wie gewöhnlich um diese zeit, im gartensaal zusammen Storm 1, 29; ihnen im rücken, an dem tisch mit den gedrehten beinen, sasz, wie gewöhnlich, der Vetterlein Holzamer vor jahr und tag s. 37; Rousseau, der hier, wie gewöhnlich nach seiner art, auffrufft ... macht aber auch hier wie nach seiner art gewöhnlich, ein panisches feldgeschrei Herder (üb. d. ursprung d. sprache) 5, 120; ich habe den geheimen assistenzrath Schmidt bei meiner abreise wie gewöhnlich gebeten sich der kriegs-sachen anzunehmen Göthe br. 8, 14;
und Isegrim lüge wie immer
schwöre falsch wie gewöhnlich.
Göthe Reineke Fuchs 12140, 214 (ohne vorbild);
er drehte den ring Salomonis ganz sachte am finger und sprach leise:
Salomon, du groszer könig,
mache mich doch gleich ein wenig
dem ganz alten Gockel ähnlich;
mach mich wieder wie gewöhnlich.
C. Brentano ges. schr. 5, 100.
b))
also auch für seine person hat er ein reineres gefühl für ehre, als man ihm gewöhnlich zutraut Herder (Adrastea 4, 1) 24, 71; ebenso 25, 253; dazu vgl.: und da zufälliger weise der tag bewegter als gewöhnlich wird, so sage ich ... Göthe br. 31, 177; es war weit später als sonst gewöhnlich O. Ludwig 2, 309; Münchhausen — zog die augenbraunen in die höhe, dasz das blaue und das braune auge noch gewaltiger hervortrat als gewöhnlich Immermann 1, 104; die mütze noch einmal so tief als gewöhnlich eingedrückt Göthe (Rameaus neffe) 45, 91 Weimar; die diction (ist) hin und wieder tadelhafter als gewöhnlich Gerstenberg (in Schlesw. litbr. 17) s. lit. denkm. 29, 157; auf die eigennamen muss im allgemeinen ein stärkerer ausdruck in der aussprache gelegt werden als gewöhnlich Göthe (theater u. schauspielkunst) 40, 143 Weimar; Raphael ging einige tage stiller ... herum als gewöhnlich Klinger (Raphael de Aqu.) 4, 140; sie ergötzten sich eben zu Turin an dem göttlichen spiel und der eitelkeit des alten fauns Pugnani, der sich mehr als gewöhnlich angriff Heinse (Hildegard 3) 6, 94; die aussichten, die er pries, zeichnete sie mit mehr fleisz und treue, als gewöhnlich 145; ganz ähnlich: (2) 5, 261.
2))
ebenfalls dem neueren stil erwächst die präpositionalverbindung für gewöhnlich, die umschreibend an die stelle des adverbiums tritt, wohl um das gewicht des ausdrucks zu verstärken: warum? kennen sie diese kleidung nicht? er ist ein Salzburger, und er hat mich ersucht, ich möchte sie ihn für gewöhnlich tragen lassen C. G. Klemm der v. d. Parnasz versetzte grüne hut (Wiener neudrucke 4) 57; aus den für gewöhnlich angenommenen quellen A. v. Baumgartner über gewitter 13; auch für gewöhnlich bekommt mann und weib sein maasz landwein täglich Immermann 2, 119; die art ihres teints, der für gewöhnlich bleich, bis zur entfärbung der lippen A. v. Droste-Hülshoff 2, 331; die gärtnerei; darin ging für gewöhnlich sein tagesleben auf Wilhelm v. Polenz d. Grabenhäger 2, 31.
γ)
im neueren stil ist auch eine wachsende neigung zu beobachten, den satz mit den vorangestellten adverb zu eröffnen. die ältere sprache gibt nur vereinzelte belege:
gewonlich wurkt man jn der eil,
wi ider hat gewont ein weil.
Joh. v. Schwarzenberg trostspruch 518 Scheel s. 35;
dagegen vgl.: gewöhnlich ereignete sich diesz auch bei der correspondenz und verursachte mir manche pein Göthe (tag- und jahres-hefte 1817) 32, 134; gewöhnlich fehlt es in Italien den sängern entweder an action, oder den acteurs an stimme Heinse (Hildegard 1) 5, 45; gewönlich hört die anstrengung auf, wenn der mensch am längsterflehten ziele seiner glückseligkeit landet Schiller (an G. Körner 1785) br. 1, 245 Jonas; gewöhnlich aber steuert unser urtheil, wenn es auch wahr ist, zu sehr auf eine seite Herder (zerstr. bl. 4) 16, 126; gewöhnlich wurden die gröszesten ausschweifungen von denen verübt (christl. schr. 4) 20, 17; gewöhnlich wurde die tötung gleich nach der geburt ... vorgenommen Ratzel völkerkunde 2, 61; gewöhnlich liebt man dies bei dichtern nicht Herder (Adrastea 5, 1) 24, 214; gewöhnlich fordert man, dasz sich die sprache der gesetze durch besondere kürze auszeichne F. C. v. Savigny vom beruf unserer zeit s. 25; gewöhnlich leitet man die hypothese von zweien ... grundursachen ... her Herder (br. z. bef. d. hum. 10) 18, 294; (gew. legt man bei) 18, 407; (gew. hält man) 16, 9; desgl. 24, 215;
gewöhnlich glaubt der mensch, wenn er nur worte hört,
es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.
Göthe (Faust I) 12, 131;
gewöhnlich denken wir nur in der sprache, in der wir erzogen wurden Herder (br. z. bef. d. hum. anhang) 18, 336; gewöhnlich spricht es der monarch zuletzt und immer nur über wenige aus (Adrastea 1, 3) 23, 45; gewöhnlich giengen die disputanten ... entfernter aus einander (3, 1) 23, 470;
gewöhnlich fress' ich mohrenfleisch
und sonntags manchmal einen Türken.
Geibel 4, 86;
gewöhnlich fuhr die mutter mit, die indessen am morgen nur kurze zeit blieb Mörike (maler Nolten) 4, 50; polnische juden ... die zuweilen einkauften, gewöhnlich aber die erzeugnisse ihrer länder ... verkaufen wollten G. Freytag (soll und haben 1, 5) 4, 59;
abend war es geworden und Reineke wuszte, gewöhnlich
liege Rüsteviel nun in seiner kammer zu bette.
Göthe (Reineke Fuchs 2) 40, 24 (fehlt Gottsched u. Reinke de vos).
δ)
wenig gebräuchlich ist das adverbium neben adjectiven oder dem part. pass.:
in einer dazumahl gewöhnlich langen nacht
des herrn v. Koenig gedichte 40;
die construction hat nichts hartes, sobald man dies als den gewöhnlich-verkürzten namen des gottes dieser begebenheit ansieht Herder (v. geist d. ebr. poesie 2) 13, 138; wenn ... wie wir bei der schildkröte wahrnehmen, die äusseren gewöhnlich weichen und zarten theile in einen harten und starren zustand übergehen Göthe (zur morphologie) II 8, 34 Weimar.
ε)
an Herder im besondern ist die neigung beobachtet, das adverb mit partikeln und andern adverbien zusammenzustellen: sie wards, hie und da auf eine rohe, oft aber und gewöhnlich ... auf eine ... angenehme weise (Adrastea 2, 3) 23, 274; laut und gewöhnlich 24, 107; vgl. auch bald und gewöhnlich.
2)
die bedeutungsentwicklung unter dem einflusz des contrastbegriffes.
a)
wenn das adjectiv in der bisher besprochenen bedeutung von üblich, gebräuchlich auf eigenen füszen selbständig sich behauptet hatte, so zeigt es sich bei den verwendungen, die dem neueren stil im besondern eigen sind, als abhängig von seinem gegenbild. die wandlungen der beurtheilung oder werthschätzung, die der begriff des ungewöhnlichen, nicht gewöhnlichen, in einzelnen zusammenhängen, bei einzelnen stilisten, in einzelnen zeitströmungen findet, färben auch auf die werthung dessen ab, was als norm und brauch gegenübergestellt wird.
α)
in einem satze wie der schlosshauptmann und die gewöhnlichen thorschützen sollen mit eid und pflicht ... verwandt und zugethan sein (abhandlungen zwischen Rudolffen dem Andern und ihrer maj. herrn brudern Matthiae A 2) läge es dem neueren sprachgefühl nah, nach analogie des gemeinen soldaten in gewöhnlich den begriff des untergeordneten zu suchen. dem zusammenhange nach wird aber eher der begriff des etatsmässigen heranzuziehen sein; entsprechend dem gegensatz des ordentlichen und auszerordentlichen professors, bei dem die bedeutung auszerordentlich scherzweise ebenso ausgebeutet wird, wie dies für gewöhnlich bei unserer entwicklung der fall ist.
1))
an und für sich kann die gegenüberstellung des allgemein üblichen gegen sonderformen der bethätigung eines werthurteils auch ermangeln: der könig lässt sich nie ein buch überreichen, es muss durch den gewöhnlichen weg kommen A. v. Humboldt an Varnhagen s. briefw. 6; gewöhnliche minen, nennt man diejenigen, die eine solche ladung bekommen, dass der durchmesser des trichters 2 mal so gross als die minderste widerstandslinie wird F. H. Rumpf realencyclopädie d. ges. kriegskunst 1² (1827) s. 366; (ein bandenunfug) den jeder leidlich tüchtige statthalter mit den gewöhnlichen mitteln niederzuhalten vermochte Mommsen röm. gesch. 2, 19; ist der gegenstand von der art, dass die versammlung wünschen musz, das publikum sei nicht zeuge ... so ist die sitzung eine vertrauliche und mit recht. wenn aber die sitzung eine gewöhnliche ist und das publikum auf den galerien ... die ordnung ... stört stenograph. ber. d. dtsch. nationalversamml. (II) sp. 1445ᵇ; die theorie ist aber in der diplomatischen thätigkeit ... noch grauer als im gewöhnlichen leben Bismarck im preusz. abgeordnetenhause 9, 12, 1868; vgl. auch:
den schatten seh' ich vor der scheibe schwanken,
ein langer arm, ein dunkler finger steigt;
ich war noch jung, wie pulver die gedanken,
wenn aufgeregt, erkannten keine schranken.
man weckt den arzt um mitternacht so leicht:
gewöhnlich fänd ich's jetzt, dort wunderbar.
A. v. Droste-Hülshoff (des arztes vermächtnisz) 2, 94.
2))
wo aber ein werthurtheil durchklingt, wird der ausnahme nicht immer der vorzug gegeben: schlechter gestalt und gewöhnlicher weisz unkeüscheit treiben vorachten sie, unnd heiszen es baurenwerck (et secundum naturam libidinari vel ex consuetudine contemnunt) Hutten (Vadiscus) 4, 182; da nit allein seltzam ungewonlich menschen seind, sunder auch leopard S. Franck weltbuch (1534) 5ᵃ; im menschen ist ein sundere neigung zuͦ erneüwerung und zuͦ vrdrutz des gewonlichen, so dann solche bewegung in ein gemein kumpt, truckt man sie hindurch on alles urteil, es sei warlich oder scheinlich guͦt Eberlin von Günzburg schriften 2, 54 neudr.; verhoffen, es werde disz Teutsch ... bisz weilen schand, spottens, und vexierens halb ... noch mehr nutz und frucht bringen ... dasz ausz einer ungewonlichen manier, ungedachter nutz entspringe K. Scheidt verdeutsch. des Grobianus einl. s. 6; aber als schutzmittel gegen die theuerung, kann sich ... ein solches magazin nie bewähren. wohl würde es aber selbst in gewöhnlichen jahren für beide, den producenten und den konsumenten äusserst drückend sein Lotz handbuch der staatswirtschaftschaftslehre 2, 327; fast wie ein mährchen klangen mir diese erzählungen, wenn ich sie mit der friedlichen ruhe verglich, mit der stillen ordnung des gewöhnlichen H. Steffens was ich erlebte 1, 108; (G. Freytags figuren) haben eine solche angst davor, in das gemeine zu fallen, dass sie sogar das gewöhnliche meiden Gegenwart 18, 401ᵃ; s. Sanders ergwb. 650ᵃ; dazu vgl. den gegensatz des gewöhnlichen gegen zauber und hexerei, der im wandel der zeiten und im wechsel der beurtheiler ebenfalls verschieden betrachtet wird: er bediente sich der erlernten zauberformeln ... fand sich aber anfangs in seinen erwartungen schändlich getäuscht. immer beobachtete er das gewöhnliche, was ohne hexerei zu geschehen pflegt A. J. F. Köhler untersuchung über das leben Fausts (1791) s. 93.
3))
die litterarischen richtungen, die dem ungewöhnlichen den preis geben, eröffnet zunächst die mystik, sie werden vor allem von der romantik wieder aufgenommen: diʒ zwingt die usser dinck ze lauzend, gewonlich dinck ze mident, über sich selber dringen und an die bloʒen gotheit springen pred. der Freiburger hdschr. bei Jostes meister Eckhart 105; gewöhnlicher weise sind zwar die sängerinnen von solchem talente nicht in einer truppe anzutreffen: aber die neue unternehmung thut in allen stücken das ungewöhnliche ... das unmögliche Sonnenfels br. üb. d. Wienerische schaubühne (Wiener neudr. 7) 74; bedenke, dass du, wie dein vater ... in einem lande lebst, für das wir nicht geboren zu sein scheinen. sieh dich als eine pflanze in deinem vaterlande an, die man darum aus dem boden gewaltsam reisst, dass sie den gewöhnlichen nicht durch ihre fremde gestalt schade Klinger (Raphael) 4, 45; das tageslicht, das ihn umgab, war heller und milder als das gewöhnliche Novalis (Heinrich von Ofterdingen 1, 1) 1⁵, 9; darauf ward alles wieder dunkel und eng und gewöhnlich 17; kunstwerke ... gehen über das ordentliche und gewöhnliche hinaus Wackenroder herzensergüsse 161; dazu vgl.: hier sieht man mystische zeichen, aus der kabbala und auf dem erklärenden holzschnitte einen nicht gewöhnlichen schuhmacher, der das schuhmachen aufgeben will, um gold machen zu lernen Bonaventura nachtwachen (4) 25 Michel; nur ein paar helle, kluge augen verriethen einen nicht gewöhnlichen geist Immermann (epigonen I 1. buch 14. cap.) 5, 66; die wahre poesie sucht das auszerordentliche gewöhnlich darzustellen, die falsche das gewöhnliche auszerordentlich Hebbel tagebücher 5152; von Fronsperg bis auf den harten Mansfelder ... hat das grosze Deutschland keinen adligen feldherrn von mehr als gewöhnlicher brauchbarkeit hervorgebracht G. Freytag (bilder a. d. dsch. vergangenheit II 2, 9) 19, 264; ungewöhnliche menschenkraft (2, 6) 19, 187; u. a.
β)
je mehr die werthschätzung des ungewöhnlichen steigt, desto mehr sinkt die unseres adjectives, ein bedeutungswandel, der sich namentlich in den bestimmungen spiegelt, die dem adjectiv entgegengestellt werden, oder die ihm zur seite treten.
1))
im ganzen finde ich das leben sehr viel wohlfeiler, als ich erwartete; nur musz man sich an das gewöhnliche halten, nichts besondres fordern Bismarck (1842) briefe 6 Kohl; so wird das grosze zum gemeinen verzerrt, das reinmenschliche durch grobe pinselzüge verwischt, das gewöhnliche zum unding verschraubt F. L. Jahn 1, 256; die meisten könnten auch wohl von einem minder auszerordentlichen mann gedichtet zu sein scheinen; manche entfernen sich fast nicht vom gewöhnlichen F. Schlegel (z. romantischen dichtkunst) 10, 42; ein anderer ... aüsserte ... „Humboldt war ein groszer mann, bis er nach Berlin kam, da wurde er ein gewöhnlicher “ Varnhagen briefwechsel m. A. v. Humboldt 88; ... sin Fritz ... süll unner Hawermannen sine fuchtel de landwirtschaft lihren. „das höhere“, säd Fritz, „denn dat gewöhnliche kenn ick all“ F. Reuter (stromtid 1, 6) 2, 121; und der vetter Just sprach, ohne es zu wissen, von dem unterschied zwischen den vornehmen naturen innerhalb der menschheit und den gewöhnlichen Wilh. Raabe alte nester s. 212.
2))
bei der deutung der parallelen adjectiva ist vorsicht geboten. in: es ist gott eine schlechte und gewöhnliche sache, das er grosser herren hochmuht ... zu schanden machet (Butschky Pathmos 367); tritt nicht das niedrige, sondern das mühelose am begriff des gewohnten zu tage, ähnlich wie in: wenn die begeisterung ... der zustand der seele ist, wenn sie sich über ihre gegenwärtigen und gewöhnlichen verbindungen hinaussetzt Abbt verm. werke 2, 1, 93; dieses leichte und gewöhnliche macht also, dass wir dergleichen dingen die grösse absprechen 6, 1, 17; während im letzteren aus der vorstellung der geringeren anstrengung bereits das moment der werthminderung erwächst, beherrscht dieses in steigendem masze die folgenden verbindungen: ... dem schauspieler Le Cain, der seine helden mit besondrem theatralischen anstand, mit erholung, erhebung und kraft spielte, und sich vom natürlichen und gewöhnlichen entfernt hielt Göthe (dicht. u. wahrh. 11) 26, 66; dasz sich die studirende jugend ... nicht an alle formen des gewöhnlichen bürgerlichen und höheren geselligen lebens ... gewöhnen wird bl. f. litt. unterh. 1, 615ᵇ; ein volk von wenigen aber starken begriffen und leidenschaften geregt und getrieben, hat wenig lust zu ordnungsmässigen, gewöhnlichen, ruhigen geschäften Herder (br. z. bef. d. hum. 7) 18, 32; die gebildeten stände der polnischen nation finden nun einmal keinen geschmack daran, auf eine so gewöhnliche, mühsame, praktische, prosaische weise, wie es ein beamter wohl thun kann, an der herstellung ihrer nationalität mitzuarbeiten Wilhelm Jordan s. stenogr. ber. d. dtsche. nationalvers. (2) 1147ᵇ; vgl.(s. o.) eine sehr gew. prosaische sache Göthe br. 41, 192; (s. u.) nüchtern und gew. W. v. Polenz Grabenhäger 1, 22; es sei dieser Richmann'sche feuerball ein kleiner gewöhnlicher donnerknall und schlag gewesen J. F. Hartmann anmerkungen über gewitter-elektricität s. 19; aus der denknotwendigkeit alles auszeichnende zu nehmen, sie ins gewöhnliche, kleine, menschliche herabzudrücken J. Volkelt quellen d. menschl. gewiszheit s. 83; vgl.(s. u.) gew. und unbedeutend Novalis 1, 32; solche pferde, von geringer und gewöhnlicher art sind klepper; vorzüglichere heiszen renner L. Jahn 1, 100; bis dahin wo sie wieder zum gewöhnlichen und niedrigen herabsinkt, und in der gefangenschaft ihre erhabnen freunde verräth Heinse (Hildegard 3) 6, 43; als wenn er das gewöhnliche und gemeine leben der menschen ... um sich herum summen hörte Wackenroder herzenserg. 235; dass man ... es (das gute) eben so hingehen lasse wie das gemeine, gewöhnliche Göthe (an Zelter) br. 41, 116; dagegen vgl.: die jungen leute, mit denen ich auf diese weise immer in nähere verbindung kam, waren nicht eigentlich gemeine, aber doch gewöhnliche menschen (dicht. u. wahrh. 5. buch) 24, 275.
b)
dieser bedeutungswandel des adjectivs unterliegt gewissen syntaktischen einschränkungen: in adverbialer verwendung läszt er sich nur ausnahmsweise beobachten (vgl. auch sp. 6606): du hast vorzüge ... die dir niemand leugnen wird, ich am wenigsten, aber hier sprichst du wie gewöhnliche menschen gewöhnlich; am neuen sehen sie nur das seltsame, im seltenen jedoch alsobald das bedeutende zu erblicken, dazu gehört schon mehr Göthe (Wilhelm Meisters wanderjahre 3, 3) 23, 33; er benimmt sich ungewöhnlich gewöhnlich Hanslick s. Sanders erg. wb. 650ᵃ; eher noch scheint hier die anlehnung an ein attributives adjectiv den bedeutungswandel zu begünstigen: und dasz ihre sprache nicht die reinste, sondern die gewöhnlich-jüdisch-griechische war, die leute in ihrem stande lernen und reden konnten, beweisen ihre schriften Herder (christl. schr. 1794) 19, 10; wenn er dann aber .., es sich in einer gewöhnlich-lustigen und scherzenden gesellschaft hatte wohl schmecken lassen Wackenroder herzenserg. 238; mögen sie heute abend ein gewöhnlich frugales gastmahl, in der philosophisch-artistischen gesellschaft, einnehmen, so sollen sie uns herzlich willkommen sein Göthe br. 15, 167; auch der prädicativen verwendung entspringt der bedeutungswandel nur selten: manches (in der oper) sei gewöhnlich, und das ganze nicht so neu und gediegen, wie der Achill Heinse (Hildegard 3) 6, 123; die gestalt des jungen menschen schien gewöhnlich und unbedeutend Novalis (H. v. Ofterdingen) schriften 1, 32 E. Heilborn; sie gehen ins theater, lesen gedichte und romane, schneiden den fratzen darin die gesichter nach und sagen zu gottes geschöpfen: wie gewöhnlich! G. Büchner (Dantons tod 2) 44 Franzos; alles schien nüchterner und gewöhnlicher geworden, als ob ein feiner duft durch ihr scheiden von den dingen genommen wäre Wilh. v. Polenz Grabenhäger 1, 22; sie aber fühlte jetzt ebenfalls die verpflichtung etwas zu reden, und begann über die schulter: „ich finde den namen sehr gewöhnlich“ G. Freytag (verlorene handschr. 2, 5) 6, 307; vgl. aber (s. o): gewöhnlich fänd ich's jetzt A. v. Droste-Hülshoff (des arztes vermächtnisz) 2, 94. ganz anders entwickelt zeigt sich der bedeutungswandel am substantivirten adjectiv, das schon in den oben belegten verbindungen (s. sp. 6631) stark hervortrat. durchaus überwiegt dabei die unpersönliche fassung. gegen:
aber der heisser an heisseres herz die menschheit, die
welt preszt,
fremdling nur ist er dem geschlecht der gewöhnlichen,
reiszt sich
wunden nur in der weltumarmung.
F. v. Sonnenberg Donatoa (2) I 1 s. 126;
vgl.: es schlägt fünf uhr, da nehme ich studentenbesuche an ... es ist besser, ich sage einem jungen studenten etwas nützliches, als meiner correspondentin etwas gewöhnliches Gellert an demoiselle Lucius s. brw. s. 58; der stoff zu dieser operette ist etwas gewöhnliches, und es giebt viel bessere ältere texte Heinse (Hildegard 1) 5, 148; dieses und das andere gewöhnliche Arndt 1, 30; jedes ungeheure auszerordentliche, welches sich in der zukunft des wanderers vorgespiegelt hatte, war nicht eingetreten, jedes gewöhnliche, was er von seiner seele und seinem leben ferne halten wollte, war gekommen A. Stifter (der waldgänger 1: am waldwasser) erz. 2, 9 Aprent; der jungen heiligen, sammt ihren abweichungen von dem gewöhnlichen, so nahe als möglich zu kommen Thümmel (reise 2) 2, 59; des jahrs können sie mich einmal festhalten ... weil ihr charakter von den gewöhn lichen absticht, und sie die lästige einförmigkeit unterbrechen Göthe (Rameaus neffe) 36, 6; denn es geht nur hin, wer beruf hat und wer sich schon etwas über das gewöhnliche hebt Seume (spaziergang 2) 3, 97 Hempel; Cäcilia und Johannes haben (auf dem gemälde) ganz gemeine gesichter; nur der ausdruck erhebt sie über das gewöhnliche Heinse (Hildegard 1) 5, 102; er (der componist) ist, wenn er das gewöhnliche nicht nachleiert, mehr schöpfer, als irgend ein andrer künstler (2) 238. aber auch für diese bevorzugung substantivirter formen ist als eigentlicher träger und als ausgangspunkt der entwicklung doch der attributive gebrauch anzusehen, der in einer unverhältniszmäszigen fülle von zeugnissen zu belegen ist. hier läszt sich auch zeigen, dasz die eigenart des vom attribut begleiteten substantivs mit der bedeutungsabstufung des adjectivs, die in einzelnen gruppen vorherrscht, in einem gewissen zusammenhang steht.
α)
eine besondere rolle spielen persönliche begriffe.
1))
die mannigfaltigsten bedeutungsfärbungen gehen von der verbindung gewöhnlicher mensch aus, für deren verbreitung auch zahlreiche weiterbildungen und variationen zeugen:
a))
und doch sagt die geschichte ... dasz alle des umgangs mit dienstfertigen geistern verdächtige männer immer die gewöhnlichen menschen blieben, bei aller gerühmten übernatürlichen kraft nie mehr leisteten, als endliche wesen zu leisten im stande sind A. J. F. Köhler untersuch. üb. d. leben Fausts (1796) s. 10; wir gewöhnlichen menschen F. H. Jacobi 3, 297; uns gewöhnlichen menschen wird es am leichtesten, mit dieser welt fertig zu werden, wir sind genöthigt, uns in andere zu schicken G. Freytag (soll und haben 2, 6) 4, 287; dieser tiefsinn, der ihm allerdings nicht recht eigne, möge ihm wohl noch als nachübel seines zustandes anhaften; indessen hoffe er auch davon bald befreit und gewöhnlicher mensch in der vollsten bedeutung des wortes zu werden Immermann (Münchhausen 3. buch 10. cap.) 2, 115; der alte baron verwunderte sich ... über die weisheit des schulmeisters, die ihm geblieben war, obgleich er wieder, den sinn eines gewöhnlichen menschen angelegt hatte ebenda; der dichter will uns also eigentlich auf einem höhern standpunkte der wahrheit orientiren, von welchem herab Ajax als ein gewöhnlicher mensch und sein fall als ein problematisches, doppelt zu deutendes ereignisz erscheint (über den rasenden Ajax des Sophokles) 17, 440; die gewöhnlichen menschen können nicht begreifen, was es damit (mit der begeisterung der dichter) für eine bewandniss habe Wackenroder herzenserg. 11; der gewöhnliche mensch auf dem gange seines lebens wird von eindrücken entfernt, deren ein einziger den ganzen kreis seiner ideen zerrücken und ihn für diese welt unbrauchbar machen würde Herder (ideen z. phil. d. gesch. d. menschh. 5, 6) 13, 198; der gewöhnliche mensch kann sich überhaupt kein wesen, sei es noch so mächtig ... anders vernünftig und verständig ... vorstellen, als unter seinem bilde Heinse (Hildegard 1) 5, 103; Sacco. verschworner. mann von 45 jahren. gewöhnlich (var. gewöhnlicher) mensch Schiller (Fiesko personenverz.) 3, 7.
b))
sie (die mediceische Venus) ist nach meiner meinung wol keine himmlische Venus, sondern ein gewöhnliches menschenwesen Seume (spaziergang 2) 3, 96 Hempel; menschen ... die sich ein würdevolles ansehen geben wollen, indem sie sich möglichst von gewöhnlichen menschenkindern entfernen Justi Winckelmann 1, 41; Infant: du treibst die menschheit über ihre kraft. Don Roderico: vielleicht die gewöhnliche F. M. Klinger (Roderico 4, 3) neues theater 1, 208; er, ein kalter züchtiger mann, der unflätereien im gespräch sowohl als im leben bis aufs kleinste merkmal nicht dulden konnte, ward vom gewöhnlichen trosz der menschen gleichsam exhumanisirt Herder (Adrastea 1, 2) 23, 187; einer ... verehrung welche ihren besitzer in vielem über das gewöhnliche menschen loos heraushoben und unter den besonderen schutz der heiligen stellten G. Freytag (politische aufsätze) 15, 523.
c))
dass Dioklea bei allem wunderwürdigen, das ihren aufenthalt von der wohnung gewöhnlicher sterblichen unterschied, gerade so aussah als ob nichts alltäglicheres sein könnte, als diese dinge Wieland (Peregrinus Proteus 1, 2) 27, 137; der gute ausgang allein bringt ausserordentlichen handlungen bei gewöhnlichen seelen bewunderung zuwege Th. Abbt (vom tode fürs vaterland) 2, 1, 92; ein kleiner geist, eine seele vom gewöhnlichen schlage 6, 1, 18 (1768 ff.); durch wie viel tausend labirinthe von schlüssen würde sich ein gewönlicher geist bis zu dieser entdekung haben durchkriechen müssen, wo das verwegene genie durch einen riesensprung sich am ziele sah Schiller (an Körner) br. 1, 247 Jonas; der gewöhnliche kopf ist immer der herrschenden meinung und der herrschenden mode conform Lichtenberg aphor. 2, 47 Leitzmann; dazu vgl. (s. o.): ein ganz gew. wesen G. Keller 6, 20.
2))
appellativa und nomina agentis, vor allem geschlechts-, berufs- und standesbezeichnungen führen den bedeutungswandel am attribut gern zum abschlusz: Therese war nun nicht mehr die erlauchte unbekannte ... sie war ein gewöhnliches mädchen, das einen beweinten buhlen wiederfand Pfeffel pros. vers. 5, 51; vgl.(s. o.): ein ganz gewöhnliches ding Heinse 5, 22;
durch einander gleiten sie her, die schüler und meister,
und das gewöhnliche volk, das in der mitte sich hält.
Göthe (vier jahreszeiten 90) 1, 407;
der junge mann meinte mit dem selbstbewusstsein, das die uniform den gewöhnlichen leuten giebt, vorläufig gefalle es ihm noch so gut bei der truppe, dass er nicht daran denke, den pallasch mit der mistgabel zu vertauschen W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 5; vgl.(s. o.): ein ganz gew. ackermeier F. L. Jahn 1, 201; ... anders, als ob man zu hause, und anders, als ab man in einer gewöhnlichen bauernfamilie wäre G. Keller (grüner Heinr. 1, 21) 1, 217; ihre antipathie gegen die gewöhnlichen landadeligen figuren hat ihnen noch nicht erlaubt bekanntschaften zu machen Wieland (Don Sylvio 3, 9) 11, 225; der könig ist ... ein gewöhnlicher bürger Mommsen röm. gesch. 1, 62; för en gewöhnlichen börger ... äwer nich för en studierten Fr. Reuter (stromtid 2, 19) 2, 295; wie sterne glänzen die wenigen, die diesen auszeichnenden ruf verstanden, in der unendlich-dunkeln wolkennacht gewöhnlicher regenten Herder (ideen z. phil. 9, 4) 13, 386; zur zweiten classe gehören die gewöhnlichen gelehrten, welche die gelehrsamkeit gemeiniglich nur als ein erwerbungsmittel ansehen, und wenn sie ihre wissenschaft oder kunst auch gründlich verstehen, doch nichts neues hinzuthun, sondern das, was andere erfunden haben, nur in eine andere form bilden .. J. Chr. Adelung in der vorr. zur forts. Jöchers; das nämliche gilt auch von ... dem gewöhnlichen philosophen, der nur von überlieferten begriffen lebt Ludwig Feuerbach (zur reform d. philosophie) 2, 325 (vgl. auch: wir andern philosophen von gewöhnlichem schrot und korn Gerstenberg s. lit. denkm. 128, 180); der grosze haufe der gewöhnlicher tonkünstler bekümmert sich darum sehr wenig Heinse (Hildegard 1) 5, 71; gegen einen gewöhnlichen handelsjuden F. Reuter (stromtid 2, 16) 2, 268; jene und diese waren wölfe in schaafskleidern, vor denen Jesus als ein machthabender, d. i. als gesetzgeber einer zu einem geistigen zweck errichteten societät, nicht als ein gewöhnlicher gesetzausleger warnet Herder (christl. schr. 1796) 19, 172; Hasdrubal ... war einer jener gewöhnlichen heerverderber, wie die Karthager sie zu feldherrn zu nehmen pflegten Mommsen röm. gesch. 2, 24; die keusche Luna, deren gute dienste so oft von den gewöhnlichen liebhabern angerufen werden Wieland (Peregr. Proteus 9) 28, 179; setzen wir den fall, Ledebrinna sei nur einer der gewöhnlichen heimatlosen landläufer Tieck (die vogelscheuche 4. aufz. 3. szene) ges. novellen. neue folge 4, 166; an gewöhnlichen tagen und für gewöhnliche spaziergänger bietet dieser verbindungsweg überflüssigen raum; am kirchweihfeste aber würde seine breite, auch vierfach genommen, noch immer zu schmal sein für die endlose menge Grillparzer (der arme spielmann) 13⁵, 227; wenn irgend ein mann meine kleine Lilli davor bewahren kann, eine von den gewöhnlichen weltdamen zu werden, so ist es dieser P. Heyse (die beiden schwestern) II 3 s. 29.
β)
auch naturerscheinungen und concreta werden in bestimmten bedeutungszusammenhängen als hebel dieser entwicklung beobachtet.
1))
zu den ersteren läszt sich auch die thierwelt ziehen, die hierbei selten personificirt erscheint, vgl. (s. o.): eine ganz gewöhnliche schmeissfliege Hebbel briefw. 1, 65; ein ganz gew. kater Geibel 2, 138; ein gewöhnliches pferd, wenn es auch rasse hätte, das sich in den pflug spannen lässt und darin aushält, zeigt eben dadurch, dass es keine flügel hat P. Heyse (glück v. Rothenburg) II 10, 111; der wegen einer wette die tour von Riga nach Mitau ... mit gewöhnlichen postpferden in 58 minuten machen wollte Holtei erzählende schr. 1, 106; dazu vgl.: ein gewöhnlicher zug im gegensatz zum schnellzug s. H. Fischer schwäb. wb. 3, 639;
2))
niedere berge von gewöhnlicher form, unter denen nur die bewaldeten auf einige anmuth anspruch machen A. v. Droste-Hülshoff 2, 346; gewitterwolken zeichnen sich durch ein so eigenthümliches äussere vor gewöhnlichem gewölke aus A. v. Baumgarten über gewitter s. 9; bei hagelwettern ist die störung in den wärme ... verhältnissen noch bedeutender als bei gewöhnlichen gewittern s. 17 u. a.; schon mit gewöhnlichem wasser gelang die elektrizitätserregung nicht L. Sohncke ursprung der gewitterelectricität s. 36; diese blume ist keinem gewöhnlichen sande entsprossen, und diese töne sind die sprache Charlottenburg's, wo man das Berlinische noch besser spricht als in Berlin selbst Heine Italien cap. 2.
3))
die königliche pracht trat uns knaben, die wir uns immer nur in den gewöhnlichen, wenn auch heiteren, bürgerlichen räumen herumtrieben, ... wie ein gedicht entgegen H. Steffens was ich erlebte 1, 53; was für mancherlei vortheile diese einrichtung (des dampfbades) vor den gewöhnlichen badstuben voraus hat Zückert beschr. d. gesundbrunnen s. 172; und dann gehe ich mit ihm in gewöhnliche bierhäuser Sudermann das hohe lied (2, 8) s. 381; aber in einem gewöhnlichen wagen empörte sich augenblicklich sein ganzes innere, wenn er nicht vornehm im fond sasz G. Freytag (soll und haben 2, 7) 4, 297; Wallenstein hielt 60 pagen ... seine gewöhnliche tafel war nie unter 100 gängen Schiller (dreiszigjähriger krieg 2. b.) 8, 144; dort erregte er ein grosses erstaunen und eine unverhehlte freude, die alsobald nach schüsseln und tellern, nach töpfen und gläsern, nach eingemachtem und gebackenem auseinanderlief, um das gewöhnliche mittagsmahl zu erweitern Gottfr. Keller (sinngedicht) 7, 19; weltbekannt war sogar auch den Griechen jener heilige becher, aus dem die Perser opfer gossen, der sowohl dem namen, als dem gebrauch nach vom gewöhnlichen becher unterschieden wurde Herder (Persepolis) 15, 587; man nimmt davon ein kleines stück, legt es auf die öffnung der ader, darüber die gewöhnliche kompresse und binde Bernstein chirurg. lexicon 1 (1783), 216; ich ging in meinem gewöhnlichen reisezeug, mit gewöhnlichen baumwollenen strümpfen in meinen festen stiefeln Seume (spaziergang 2) 3, 34; er war in gewöhnlicher kleidung Gottfr. Keller (grüner Heinrich 2, 16) 1, 390; diese ... petition steckst du in ein kouvert, das etwas gröszer ist als das deines letzten briefchens, damit es auf dem arbeitstisch des stadtpräsidenten sich nicht so leicht verkrümmelt. zu diesem zweck kannst du auch einen gewöhnlichen quartbriefbogen schreiben bei Baechtold 3, 60; dass mir zu meiner anzeige der ganze raum einer gewöhnlichen zeitungsbeilage von 8 spalten gestattet würde F. H. Jacobi (vorber. z. 1. ausgabe 'v. d. göttl. dingen') 3, 257.
4))
aber zerrüttet die noth die gewöhnlichen wege des lebens,
reiszt das gebäude nieder, und wühlet garten und saat um ...
Göthe (Herm. u. Doroth.: Polyhymnia) 40, 287;
dasz durch ihn und für ihn sie fortan als dem gewöhnlichen weltlauf abgestorbne allein zu seinen zweck wirkten? Herder (christliche schriften 1794) 19, 132; er der ein grosser maler ... hätte werden können ... ward sachwalt, nahm zu früh ein weib, und muszte, in dem gewöhnlichen lebenskarren eingespannt, im schweisze seines angesichts ziehen Arndt (erinner. 1, 45); in vielseitigern beziehungen als die gewöhnlichen alltagsverhältnisse sich träumen lassen Matthisson (erinnerungen 3. buch) 4, 142; nun pflegte zwar die partei des archons in gewöhnlichen sachen fast immer die stärkere zu sein Wieland (Abderiten 5, 3) 20, 201.
γ)
neben abstracten und verbalhandlungen bleibt das attribut meist im ersten anfangspunkte des bedeutungswandels stehen, den abschlusz zeigen sie nur selten.
1))
sens-commum in einer anmerkung erklärt als: 'der gewöhnliche menschenverstand' Hermes Sophiens reise 1³, 190; viele motive, die in der prosaischen ausführung recht gut am platze zu stehen schienen, kann ich jetzt nicht mehr brauchen; sie waren blosz gut für den gewöhnlichen hausverstand, dessen organ die prosa zu sein scheint; aber der vers fodert schlechterdings beziehungen auf die einbildungskraft Schiller (an Göthe 1797) br. 5, 289; drei brüder, davon der älteste listig und klug, der zweite von gewöhnlichem verstand, der dritte und jüngste aber war unschuldig und dumm brüder Grimm märchen 120; dagegen vgl.: avancierte bureaukraten oder schneidige husarenpolitiker, das ist es, was sich einer solchen politik zur verfügung stellen kann, handlanger, aber im gewöhnlichen sinne des wortes E. Richter im deutschen reichstag 18. 5. 1897.
2))
'was bringt sie zu mir?' ... 'kein gewöhnliches geschäft' Iffland (verbrechen aus ehrsucht 1, 6) 1, 129; dagegen vgl.: dasz die neue firma auch in sachen der toilette und bildung anständiger war, als das in vielen dingen gewöhnliche geschäft des Ehrenthal G. Freytag (soll und haben 4, 4) 5, 69.
a))
sie thet jhn nicht an gewonlich pein.
Fischart flöhhatz. vgl. oben sp. 6619;
verbliebe es zwischen uns bei keiner gewöhnlichen kund- und freundschafft Grimmelshausen (Proximus u. Lympida 1, 3) wiedererst. Simpl. 3, 360; und um über gewisse gewöhnliche unglücksfälle erhoben zu sein, verhärten sie ihr herz vor denselben Herder (br. z. bef. d. hum. 7) 17, 33; zage nicht; der lohn für diese anstrengung wird allen, bald schalen, wie selbst die Ninons und die neuern gedichte und romane zeigen, welche ich kenne, gewöhnlichen genusz übertreffen Heinse (Hildegard 1) 5, 135; diese (fröhlichkeit) war wohl zu unterscheiden von einer gewöhnlichen lustigen stimmung G. Keller (grüner Heinr. 2, 4) 1, 257; welches geschwätz, dass sie theil an mir nehme! ja das almosenantheil eines gewöhnlichen mitleids Immermann (epigonen I 2. buch cap. 7) 5, 109; woher kams, dasz edle gemüther sich über die gewöhnliche denkart erhuben, das joch des despotismus abzuwerfen und ein volk nach neuen, unerhörten begriffen der freiheit und der verbindung einzurichten unternahmen? Herder (vom einflusz der regierung auf d. wissensch.) 9, 383.
b))
gehen sie alle tändeleien durch, in welche dichter und künstler den kleinen gott gesetzt haben, und nehmen ihm die flügel, so sind es gewöhnliche kinder- und knabenspiele, womit er sich belustigt Herder (br. z. bef. d. hum. 75) 17, 383; zu viele gefahren und verführungen ... als dasz eine gewöhnliche vorsicht ihnen hätte entweichen mögen (ideen 4, 17) 14, 326; in einem höheren kreise, als der gewöhnlichen philantropie (christl. schr. 1796) 19, 222; dagegen vgl.:
Grimbart sagte: verredet zuerst das rauben und stehlen,
allen bösen verrath und andre gewöhnliche tücken.
Göthe (Reineke Fuchs 3) 40, 48;
wie konnten sie wagen, eine anständige dame zum gegenstand so gewöhnlicher huldigungen im localblatt zu machen? G. Freytag (soll und haben 4, 5) 5, 97.
c))
gewöhnliches anschauen ... reines anschauen des äuszern und innern Göthe 49, 37, vgl. oben sp. 6617; dem anschein nach ist es der leichteste stil; aber abgebrochen, kühn, verachtend die gewöhnlichen übergänge und zwischengedanken Herder (christl. schr. 1797) 19, 349; nach art ... der gewöhnlichen ritterspaasse (br. über tempelherrn) 15, 96; die gewöhnlichen stoischen argumente (wie die alten den tod gebildet 10) 15, 472; die grössten redlichen absichten können selten in der gewöhnlichen sprache des tages ausgedrückt werden Göthe br. 28, 80; die Griechen scheinen unter den bekannten völkern, schon nach der spätern erfindung ihrer accente zu schlieszen, am mehrsten melodie in ihrer gewöhnlichen aussprache gehabt zu haben Heinse (Hildegard 2) 5, 238; der gesang ist gegen gewöhnliche rede, was tanz gegen gewöhnlichen schritt und gang (Hildegard 2) 5, 237; eine magische gewalt üben die sprüche des dichter aus; auch die gewöhnlichen worte kommen in reizenden klängen vor, und berauschen die festgebannten zuhörer Novalis (Heinrich v. Ofterdingen 1, 2) 1⁵, 31.
d))
sie suchten dem deutschen frauenzimmer ein blatt in die hände zu bringen, welches ihm ... von nützlicherm und lehrreicherm inhalte sein sollte, als die gewöhnlichen romane Gottsched vorr. zur neuen aufl. d. vern. tadl. (1738); so sehr ist er im geiste der gewöhnlichen ritterromane Solger nachgel. schr. 1, 4; er schritt aus dem kreise der gewöhnlichen evangelien, die von der taufe Christi anfingen, hinaus, und erzählte von anbeginn her Herder (christl. schr. 1796) 19, 218; den gewöhnlichen trosz unsrer predigten halte man gegen ... Luthers reden an das volk (Adrastea 6, 2) 24, 390; 'aus der geschichte' wird man sagen, aber auch hinzusetzen müssen: wenn die gewöhnliche geschichte solche (beispiele) liefert (kl. schr. 1786) 16, 587; dass die verfassung im wege der gewöhnlichen gesetzgebung ... abgeändert werden kann Bismarck 1, 316; dagegen vgl.: die persönlichen rechte der gevettern sind restaurirt; sie haben aber ... eine umwandlung erlitten, sie stehen nun mit allen übrigen gewöhnlichen befugnissen in reihe und glied Immermann (epigonen I 2. buch 3) 5, 94; fast ohne gewöhnliche flickreime fliessen die verse, wie ein sanfter strom Herder (zerstr. bl. 5) 16, 220; wenn ich mit ihnen mund gegen mund reden durfte, so hatten unsere gespräche immer einen gehalt; eine gewöhnliche dedications-epistel konnte ich ihnen daher nicht schreiben Immermann 4, 10.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1912), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 6597, Z. 1.

Im ¹DWB stöbern

a ä b c d e f g h i j
k l m n o ó ö p q r s
t u ú ü v w x y z -