gewinn m.
Fundstelle: Lfg. 8 (1908), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5861, Z. 69
verbalsubstantiv zu gewinnen, s. d.
I.
abstammung, älteste bedeutungsunterschiede, spätere gebrauchs- und bedeutungsgruppen, statistik, formen.
1)
für die sippe, der das substantiv entstammt, wird der umfang verschiedenartig abgegrenzt. die lat. Venus, das deutsche wine, die abstracta wonne, wunsch und in zusammenhang damit auch die zu wohnung und zu gewohnheit gehörigen bildungen werden sowol unter dem gesichtspunkt der formen- als auch der bedeutungsentwicklung angezogen. von anderer seite (vgl. auch Meringer indogerm. forschungen 16, 182) wird der gleiche anspruch für wund erhoben, das sich in formeller beziehung unmittelbar, der bedeutung nach erst mittelbar anschlieszen läszt. in beiden richtungen bedarf es problematischer mittelglieder für die angliederung von wahn (spes). durch eine stellungnahme in dieser frage darf jedenfalls die sorgfältige darlegung der ursprünglichen verwendungen von gewinnen, gewinn nicht beeinträchtigt werden, und diese soll hier aus dem material erschlossen werden, das uns vorliegtunbekümmert um die seitenlinien der problematischen verwandtschaft. das substantiv entspringt in den meisten gebrauchsformen klar und deutlich zunächst aus dem engeren verwendungskreise des verbums, der sich mit sicherheit und bestimmtheit abgrenzen läszt. wo beim verbum einzelne anklänge an die oben genannten begriffe entgegen treten, rechnet unsere darstellung mehrfach mit secundärer entwicklung. diese annahme konnte sich nicht in jedem falle auf gleich zwingende schlüsse stützen; bei solchen erwägungen sind deshalb auch alle momente angeführt worden, die gegen unsere auffassung sprechen könnten. für das verbum kommt zunächst die abgrenzung unserer heutigen zusammengesetzten form (gewinnen) gegen das älterenunmehr ganz ausgestorbene grundwort in betracht.
a)
winnen (winnan Graff 1, 875) ist im gotischen und den verwandten sprachzweigen belegt und reicht auf deutschem boden bis in die ausläufer der älteren sprache, vgl. mhd. wb. 3, 709ᵃ; Lexer 3, 910. dort scheidet sich der gebrauch in zwei richtungen, die eine verläuft ganz im geleise von gewinnen, von dem sich winnen nur formellund zwar mundartlich (mitteldeutsch) — abgrenzt. die andere richtung weist verwendungen auf, die von gewinnen nicht übernommen wurden, in denen aber für die bedeutungsentwicklung der ausgangspunkt zu suchen ist. wenn dieser schlusz richtig ist, wird die grundlinie von der zusammenstellung toben oder winnen beim pfaffen Konrad (78, 6 u. a. vgl. auch winnender, winniger hund Lexer a. a. o.) rückwärts und aufwärts zu althochd. winnenti, fervide, freneticus Graff a. a. o. zu ziehen sein und sie fände in der kennzeichnung heftiger willensregungen und eines gesteigerten gemütslebens ungezwungen anschlusz an wahn sowol als an wine (Venus), wonne, wunsch, ja sogar an das entgegengesetzte wund (anders Meringer a. a. o.). diese annahme will durchaus nicht einen der logischen erwägung annehmbaren begriff ausklügeln, von dem sich die thatsächlich gegebenen bedeutungen dann ableiten lieszen; sie findet die einheitlichkeit vielmehr in der übereinstimmung der sinnlichen merkmale, in denen sich verschiedenartige gemütsbewegungen äuszern, und in der verknüpfung verschiedenartiger wirkungen, die ihnen entspringen. leidenschaftliches begehren mag die formen der gier, der wut, des leidens annehmen, es wird zu kampf, streit und mühevollem ringen anreizen und je nach dem erfolg wird es äuszerungen der freude oder des schmerzes zur folge haben. in allen diesen richtungen liegen verwendungen des einfachen verbums oder der abgeleiteten substantivbildungen vor.
α)
in den kreis der verwendungen, der durch die begriffe gier, wut, leid begrenzt wird, fallen auszer den oben angeführten zeugnissen die althochdeutschen glossen wunnun, bachantes, furentes Graff 1, 881, helliwunna, eumenides (ebenda); dazu vgl. winna, passio (ebenda). hieher gehört auch das von sinnlicher kraft belebte gotische substantiv: miþ winnom jah lustum. Ulfilas Gal. 5, 24 (sampt den lüsten und begirden. Luther); ebenso winnon, lustu ubilana. Koloss. 3, 5 (schendliche brunst, böse lust. Luther), ähnlich Röm. 7, 5. das verbum entfaltet dem gegenüber bei Ulfilas nur abgeschwächte bedeutungen; am stärksten noch in: winnandona sokidedum þuk. Lucas 2, 48 (haben dich mit schmertzen gesucht. Luther).
β)
sonst zeigt sich das gotische verbum fast ausnahmslos in der verblaszten bedeutung von dulden, leiden, die über den acc. des inneren objects hinweg zu transitivem gebrauch (erleiden) führt: du winnan agliþos. 1 Thess. 3, 4 (trübsaln haben Luther, leiden cod. Tepl.); vgl.: gisah iro barn tholôn, winnan wunder quâla. Heliand 5611 u. a.; skal sunus mans filu winnan. Ulfilas Marc. 8, 31 (des menschen son mus viel leiden. Luther) u. a. hier ist das verbum nur einmal mit dem präfix verbunden, das wol eine änderung der actionsart kennzeichnet (abschlusz der verbalhandlung), damit aber noch keinen unterschied in der bedeutung selbst herbeiführt: swa filu gawunnuþ sware? Gal. 3, 4 (habt ihr denn so viel umsonst erlitten? Luther).
γ)
in diesen belegen handelt es sich durchaus um ein leidendes verhalten, eigentliche bethätigung im ringen mit hindernissen läszt sich vielleicht dem folgenden entnehmen: winnandans arbaidai, naht jah daga waurkjandans. 2 Thess. 3, 8 (mit erbeit und mühe. Luther). dazu vgl. auch den althochdeutschen beleg: gisehente sie winnente quam zi in Tatian 81, 2 (videns eos laborantes; in Matth. 14, 26 andere fassung). vgl. angels. vinnen, laborare, niti. Graff a. a. o. viel weiter geht winnan im Heliand s. u.
δ)
nicht belegt fürs gotische, aber für andere germanische sprachen ergiebig ist die beziehung auf kampf und streit: mine ambahta wunnin, thaz ih ni wurdi giselit Judein. Tatian 195, 4 (decertarent, ut non traderer. Joh. 18, 36; würden drob kempffen. Luther);
ne gilôbdun is lêron, ak habdun im lêđan strîd,
wunnun wiđar is wordun.
Heliand 2342 u. a.
vgl.: ubarwinnan, vincere. Tatian 176, 5; vgl. widarwinno (angels.: gevinna), inimicus. Graff a. a. o.; vgl. angels.: gewinna, ennemy, adversary. Bosworth-Toller 468ᵃ; ebenso winnan, certare, bellum gerere.
b)
eben diese letzten, im gotischen kaum überlieferten bedeutungsrichtungen, der kampf oder wettstreit mit einem gegner, vielleicht auch das ringen mit hindernissen, bilden die grundlage, auf der sich der deutsche gebrauch von gewinnen aufbaut. das präfix ist hierbei von der andeutung der actionsart zur kennzeichnung eines bedeutungswandels übergegangen. gewinnen ist erringen, erlangen, ob das ziel nun im kampf, wettstreit oder in arbeit und mühe errungen wird:
ih mag giwinnan heriscaf,
engilo giwelti, ob ih iz duan wolti.
Otfrid 4, 16, 15;
war mugun wir nu biginnan, mit koufu brot giwinnan.
3, 6, 17.
im Heliand sind auch für den fall der perfectiven actionsart und des vollzogenen bedeutungswandels formen ohne präfix belegt; diese zeugnisse sind in eine reihe zu stellen mit der später in mundarten (so namentlich mitteldeutsch) beobachteten bevorzugung präfixloser formen:
sie nie kunnun ênig feho winnan,
thôh giƀid im drohtin god dagô gehwilîkes
helpa wiđar hungre.
1671 u. a.
die von dem gotischen giwinnan (erleiden) gekennzeichnete richtung ist auf deutschem boden anscheinend nicht verfolgt worden. man könnte zwar verbindungen wie eine sucht, eine krankheit gewinnen als reste dieser auffassung in anspruch nehmen; sie lassen sich aber besser aus der abgeschwächten (neutral gewordenen) bedeutung des verbums erklären, vgl. die analoge entwicklung bei kriegen (urlaub kriegen, schläge kriegen), s. u.
2)
in beiden richtungen (kampf und mühevolles ringen. arbeit) greifen auch die ältesten belege für das substantiv aus, die schon zu den frühesten überlieferungen der althochdeutschen periode gehören. hier stehen sich noch gleichberechtigt zwei verschiedenartige gebrauchsformen gegenüber. in der einen wird der kampf. die arbeit als solche erfaszt. gewinn ist also im engern sinne zu winnen zu stellen; in der andern wird das durch kampf, durch arbeit erreichte ziel gekennzeichnet: gewinn gehört zu gewinnen (durch kampf, arbeit etwas erreichen).
a)
gewinn zu winnen:
α)
zu winnen, furire (toben, wüthen) stimmen einige belege aus dem Heliand, bei denen freilich auch eine andere erklärung (secundäre entwicklung aus der unter γ) angeführten gruppe) möglich ist:
thô warđ wind mikil,
hôh weder afhaƀan;   hlamôdun uđeon,
strôm an stamne ...   was im wrêđ hugi,
seƀo sorgonô ful,   selƀon ni wândun
lagu — lîđandea   an land kuman
thurh thes wederes gewin.
2920, ebenso 2252.
ebenso 2965 (thurh thes wateres gewin), 2973 (wiđ thes watares gewin). vgl. auch angels. gewin, tumult ... agony. Bosworth-Toller 467ᵇ f.
β)
gesichert dagegen und durch seinewenn auch vereinzelte, doch alterthümlichestellung bedeutsam ist die parallele mit labor: ni bismerôt, hwanta, doh siu mit arbeitim sii gawuntôt, zi nohênîgeru râhhu sih ni gahrôrit, bidiu hwanta siu hear in demo mihhilin gauinne bîtit after diu mêrin itlônes. de vocatione gentium (denkmäler s. 214) 4, 25 (dum magnis laboribus majora post praemia expectat). dazu vgl. angels. gewin, labour, toil. Bosworth-Toller 467ᵇ; auch hier münden später vereinzelte, auf secundärer entwicklung beruhende gebrauchsformen wieder ein:
wan sî sint ân alle tugent
den wir dâ sîn undertân:
sine kunnen uns niht genieʒen lân
aller unser arbeit ...
von unserme gewinne
sô sint sî worden rîche,
und wir leben jæmerlîche.
Hartmann Iwein 6404.
die einbeziehung unseres substantivs in den kreis der auf die landwirtschaft zielenden vorstellungen läszt sich jedoch nicht im zusammenhang mit der bedeutung labor belegen, sie knüpft in allen zeugnissen an die sachbedeutung usus, fructus (s. u.) an. zur beleuchtung dieser thatsache sei auch auf Tacitus Germania cap. 26 hingewiesen: nec enim cum ubertate et amplitudine soli labore contendunt, ut pomaria conserant et prata separent et hortos rigent: sola terrae seges imperatur.
γ)
reicher belegt ist die beziehung auf den kampf; vgl. certamina, kiwin. Keronische glossen Steinmeyer-Sievers 1, 233; in conflictu, in strite, in gawinne. Regensburger glossen des 10. jahrh. Steinmeyer-Sievers 2, 765. am ergiebigsten ist hier die sprache des Heliand:
than nis friđu hwergin
ak wirđid wîg sô manag   oƀar thesa werold alla
hetilîk afhaƀan,   endi heri lêdid
kunni oƀar ođar,   wirđid kuningô giwin.
Heliand 4323;
'ef ik wiđ thesa skola weldi' quađ he,
'wiđ theses werodes gewin   wîg-saka frummian,
than manôdi ik thena mâreon   mahtigna god,
hêlagna fader   an himil-rîkea,
that he mi sô managan engil herod   obana sandi'.
4887, ebenso 5123. 4896;
was imu is hugi drôƀi
bi theru menniskî,   môd gihrôrid,
is flêsk was an forhtun ...   was an gewinne thô
an themu godes barne   the gêst endi the lîkhamo.
4754, ebenso 3928 (wurđun ... an gewinne);
ähnlich 4267 (habdun im gewin mikil); 2289 (thes sie thâr that giwin driƀun). vgl. angels. gewin, battle, contest, war, strife, quarrel, hostility, tumult. Bosworth-Toller 467ᵇ; ein beispiel auch bei Verwijs-Verdam 2, 1911.
b)
von diesen vereinzelten resten abgesehen ist der gebrauch von gewinn ausschlieszlich durch die zugehörigkeit zu gewinnen bedingt. das erreichen eines ziels, das erfolgreiche kämpfen und ringen füllt den bedeutungsgehalt, für den die function eines nomen actionis immer mehr hinter der sachbedeutung des erkämpften preises, des erlangten vortheils zurücktritt.
α)
gewinn kennzeichnet den erfolg im kampfe, und von da aus auch den sieg im rechtsstreit wie im spiele, die beide in den formen des wettkampfes erfaszt sind.
1))
die wahrung der verbalkraft am substantiv.
a))
ernstkampf und kampfspiel:
daz muget ir wol versuochen,   welt ir mir volgen mit
ze wette zuo dem brunnen.   sô daz ist getân,
man jehe dem gewinnes   den man siht gewunnen hân.
Nibelungen 914, 4 Lachmann (nach A.; vgl.: der sol hân gewunnen, den man siht ze vorderst stân in C.).
dazu vgl.:
wan Morgân was an sîner wer,
der bestuont in ofte mit her
und tete in dicke schadehaft;
wan ze urliuge und ze ritterschaft
hœret verlust unde gewin.
Gottfried Tristan 365 Marold;
auch der folgende beleg ist unter diesem gesichtspunkt zu deuten. gewinn füllt dann eine lücke im zusammenhang aus, während die erklärung aus lucrum eine tautologie erzielte (vgl. z. 5: von grôzem guote):
einer seit waz er gesiht,
der ander seit waz im geschiht,
der dritte von minne,
der vierde von gewinne (var. ungewinne).
der fünfte von grôʒem guote,
der sechste von hôhem muote.
meier Helmbrecht 4.
denn auch für das in variante stehende ungewin ist ja die beziehung auf krieg und kampf mit der bedeutung niederlage belegt:
got gap in dâ ze strîte heil.
die heiden staphten gegen in,
des gewunnens da ein ungewin (var. gewin).
Jansen Enikel fürstenb. 1174 Strauch u. a. (s. u.);
bei der verbindung mit objectivem genetiv ist mit der möglichkeit zu rechnen, dasz die beziehung auf den kampf erst durch das object der verbalthätigkeit wieder aufgefrischt wird:
dâ lîp und êre werte
und Gyburge minne
und des landes gewinne
der marcrâve als er kunde.
Wolfram Willehalm 369, 8 Lachmann;
si senden in den stunden
die dan haben des landes gewin
ir gift ein ander under in
und irvrowen sich zu widerstreit.
Hesler apokalypse 16037 Helm;
sîn gir stuont nâch minne
und nâch prîss gewinne.
Wolfram v. Eschenbach Parzival 736, 2 Lachmann;
du strîdes ûf prîses gewin.
Berthold v. Holle Crane 3284 Bartsch.
doch ist auch am absolut gebrauchten substantiv selbst in spät-mittelhochdeutscher zeit die gleiche bedeutung immer wieder erneuert:
der gotisman nam abir an sich
von Plotzk brûdir Heinrîch
zu schiffe strîtêre vil
und wolde Pisten in dem zil,
darzû Junigêden hân
gesturmit ûf gewinnes wân.
Nicolaus v. Jeroschin chron. v Preuszen 25005 Strehlke;
di veint di kerten da den ruk,
si iagten nach untʒ auf die pruk:
Praun von Reinach ward erslagen
und im sein ross, daz hör ich sagen.
er schumphentewert auch durch gewin
mit ernst vor purk Sandaninn:
vor Luk ein groʒʒe schumphfentewer
geschach durch hoher wirde stewer.
Suchenwirt 14, 117 Primisser s. 44ᵇ.
b))
aus dem rechtsstreite gehört hierher vor allem die vielverwendete formel zu gewinn oder zu verlust, die in der mittelhochdeutschen dichtung mannigfach übertragen und erweitert wird (s. u.). die verbalkraft des substantivs erhellt aus belegen wie: bittet ein man eines mannes der sin wort spreche vor gerichte ... unde he irvalle an sinem worte, daz ienre an sin wort nicht iehe, so ist di teidinc unde die sache verlorn ... ist aber, daz he an sin wort iehit, so muz iz vor sich gehn, als he geteidingit hat, iz si zu gewinne oder zu verlust. Freiberger stadtrecht cap. 31 § 24 Ermisch s. 205. dazu vgl. auch: spilt ain man zu ainem pfanntner ... so sol der pfanntner nicht entwern den des si bediehent zu gwin und zu verlust. Wiener stadtrecht v. 1435 (script. rer. Austr. 3, 165).
c))
für das spiel vgl.:
ich hete ein spil sô guot, daʒ ich gewinnes mich versach;
ich leite dâ steine und ouch gebot: alsô ich eʒ von holze brach,
ich leite ie willeclîche dâ des holzes einen spân.
ich was sô vrô, ich wânde daz spil gewunnen solte hân.
Bruder Wernher 65 Schönbach II, 80;
vil maneger an dem zabelspil
von êrst gewinnes wirt gewon, (hdschr. gewines wert)
der mit verlüste gêt dervon.
Konr. v. Würzburg Partonopier 13979 Bartsch;
der spiler warf uʒ uf den gewin
achzcen punct uf wurfil drin.
pfarrer vom Hechte md. schachb. z. f. d. a. 17, 345, 23 Sievers;
hir umme sta na ghewinne
unde hült din gud mit sinne ...
Meister Stephan schachb. 4718 Schlüter;
ebenso übertragen:
sô du machest
daʒ diu liebe gegen der liebe spilt
nâch gewinne,
da ist eht Minne
nâhe bî
unde machet zwei geliebe herzenswære frî.
Gottfried v. Neifen 41, 14 Haupt.
2))
den übergang zum collectivbegriffe und zur sach bedeutung vermitteln belege wie der folgende, der von dem begriffe sieg, entscheidung, zu dem des siegespreises überleitet:
und griffen an ir altez spil (kampf Îdêrs u. Erecs)
als ich iu nû sagen wil.
mit guoter kunst, mit niuwer kraft
und mit alsô glîcher meisterschaft
sî spilende belîben ...
ditz beleip lange staete
wederm geviele der gewin,
des was zwîvel under in.
Hartmann Erec 928;
ebenso:
durch got und durch êre
wold er verliesen sînen lîp
ode daz unschuldige wîp
lœsen von des herren hant ...
der wirt wart zuo der rede genomen:
der half im ûz für die stat ...
swenne er wider quaeme,
daz er in lieze wider in,
er braehte flust ode gewin.
Gregorius 2090 u. a.
sichergestellt ist jedenfalls die sachbedeutung in:
Këy den schilt ze halse nam.
mit zorne er uʒ ze velde quam.
er wolde bejagen den gewin;
mit groʒʒen schanden verlos er in:
wandin der riter nider stach.
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 453 Benecke;
und luͦgte durch den zun dar in
do sach si allen ir gewin
helm, schilt, und isengewant.
5495;
wan sî vor ir ligen sach
fünf roubære.
man saget daʒ eʒ wære
ein selleschaft under in
und daʒ sî teilten ir gewin
mit den die Êrec het erslagen.
Hartmann Erec 3301;
dazu vgl.: sin ghewin delen. meister Stephans schachb. 4885; vgl.: spilgewin mhd. wb. 3, 712ᵇ;
β)
gewinn als erfolg und ertrag einer arbeit:
1))
die abschwächung der verbalkraft des substantivs und die übergänge zur sachbedeutung lassen sich hier weniger sicher verfolgen und belegen als im vorhergehenden. schon die lateinischen synonyma bieten nur spärliche anhaltspunkte, da sie einen weiten bedeutungsumfang vertreten, und im günstigsten falle nur der engere zusammenhang, dem eine glosse entnommen ist, eine begrenzung ermöglicht. possessio sowol als quaestus kennzeichnen nicht nur nomina actionis, sondern auch collectivbegriffe, und das lat. lucrum, das später für den collectivbegriff von gewinn typisch ist, wird anfangs durch andere deutsche bildungen gekennzeichnet, so durch das verbalsubstantiv kastriuni, aemolumentum, vgl.: cawin, lucrum castriuni. Steinmeyer-Sievers 1, 28; ähnlich 1, 65. wie rasch andererseits bei gewinn die entwicklung der sachbedeutung vorgedrungen ist, dafür mag ein indirectes zeugnis sprechen. in einer stelle der Bamberger beichte, die mit ausgesprochenen verbalsubstantiven arbeitet, genügt unser substantiv für die function des nomen actionis anscheinend nicht mehr ganz, es ist eine vollere bildung an die stelle getreten: ich nihabo rehte bihaltin daʒ ambat noch den lîb dar ich zuo ginamit bin noh reht êra noh rein herza, gihellesami, untarehafti, reht giwînnigi reht haben. denkm. (91, 226) 1³, 305. im folgenden soll nicht versucht werden, alle fälle auf den unterschied zwischen sach- und verbalbedeutung einzugliedern. die darstellung begnügt sich mit der aufzählung der sicheren zeugnisse und will auszerdem den factoren gerecht werden, die den übergang zur sachbedeutung begünstigen oder aufhalten. unter die letzteren gehören namentlich einzelne feste verbindungen, so die verbindung mit einem genetiv des objectes oder die angliederung durch präpositionen, die das substantiv als zielpunkt einer thätigkeit erscheinen lassen. doch auch in solchen fügungen schwächt sich bei formelhafter weiderholung und bei übertragung die verbalkraft ab.
a))
gens sancta, populus acquisitionis, kewinnes (glossen zu 1 Petri 2, 9) Steinmeyer-Sievers 1, 789; questum, kiwin (zu 1 Timoth. 6, 5: quaestum esse pietatem, gottseligkeit sei ein gewerbe. Luther) 1, 777; questus causa, kewinnes (zu Judae 16) 1, 797; fraglich ist, ob noch hierher gehört: lucri gratia, kewin (zu Petr. 5, 2) 1, 790, s. u.:
b))
präpositionalverbindungen:
einfeltic an der gebere
manicfaltic an der lere
kunstic an dem sinne
redlich an dem gwinne.
Herbort v. Fritzlar trojan. krieg 156 Frommann;
minn hât vil manegen funt
wie sî gelieb ir werden kouf.
si setzet den nider und den ouf,
an dem gewinne ist minnen louf (var. gedinge).
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 93, 31 Singer;
und fraugten mich gar vil der mer,
wa ich als lang gewesen wer.
wasʒ mir dann fuogt, das sagt ich in.
man fint vil koufflüt aun gewin,
also mir ouch geschehen was.
Herm. v. Sachsenheim mörin 6028 Martin.
alsô vil ist dîner habe:
da begêst dû dich schône abe
zu anderm gewinne,
hâst dû deheine sinne.
Hartmann Gregorius 1775 Paul;
swem ist ze sölhen werken gâch,
dâ missewende hoeret nâch,
pfliht werden lîp an den gewin,
daʒ muoʒ in lêren kranker sin.
er mîdetʒ ê, kan er sich schemn:
den site sol er ze vogte nemn.
Wolfram Parzival 338, 27;
swenne ich nâch gewinne var.
v. d. übelen weibe 295 Haupt;
vgl. auch: umme sin ghewin varn. meister Stephan schachb. 3722;
nû vander aber unde kôs
einen list dâ mite er mêre gewan.
er dâht': 'ich wil ein koufman
werden nâch gewinne,
unt wil mit mînem sinne
michel guot erwerben,
oder benamen sterben.
pfaffe Amis 1563 bei Lambel 70;
so ein burger oder ein gast ellenden win Zürich gefuͤret, den er den burger uf gewin schenken welle, den win sol nieman entladen noch ze kelre ziehen. Züricher stadtbücher 1, 67; das enkein kornmacher noch nieman anders uf deheinen pfragen noch gewin enkeiner slacht korn kouffen sol (korngesetz von 1341) 169. im letzten beispiel ist das nomen actionis auch durch das beigefügte synonymon sichergestellt. auch in solchen verbindungen wird jedoch die function des nomen actionis zu gunsten der sachbedeutung zurückgedrängt, so in übertragener verwendung im Iwein, wo beide bedeutungsunterschiede von gewinn mehrfach neben einander wiederholt werden; vgl.:
swer gerne lebt nâch êren,
der sol vil starke kêren
alle sîne sinne
nâch eteslîchem gewinne,
dâ mit er sich wol bejage
und ouch vertrîbe die tage.
Iwein 7178; vgl. dagegen 7195 (s. sp. 5870), vgl. dazu 7186 und 7202 auf sp. 5868.
c))
die überordnung über einen genetiv des objectes (vgl. oben: ûf prîses gewin. Parzival 736, 2 u. a.): wanda fone sâldôn guunne sâlîge werdent. unde got sâligheit ist. ter god kuuinnet. ter ist sâlîg. Notker Boethius 137ᵇ (beatitudinis adeptione) Hattemer; fone wîstuomes quuinne wîse ... fone gotes kuuinne. ebenda;
wan er alle sîne sinne
chêrt an des guotes giwinne,
dem er denne zuo wil,
der schulde macht er harte vil,
untz in jener mit dem guote grûʒʒet:
sô ist diu sunde gebûʒʒet.
Heinr. v. Melk priesterleben 665 Heinzel;
ebenso Hartmann Erec 2620 (niene kam ûf guotes gewin);
got, von dir reden birt reinen sin
und kiuscheʒ hôchgemüete
und jaget den tievel von uns hin;
des ich vil wol versinnet bin:
eʒ ist gewin
der iemer wernden güete.
lobgesang auf Maria u. Christus 80, 13 Haupt (z. f. d. a. 4, 543);
dô daʒ kint die toufe enphie,
der abbet sprach 'sît ich nû hie
sîn geistlich vater worden bin,
durch mînes heiles gewin
sô wil ich eʒ iemmer hân
(eʒ ist sô sæleclîch getân)
vil gern an mînes kindes stat.'
Hartmann Gregorius 968, ebenso B. v. Holle Crane 4189 Bartsch;
nu was die junge koningin
durch irer vroweden gewin
mit manicher vrowen clâr
gekomen zuhtenclîchen dâr.
Berthold v. Holle Crane 4505 Bartsch.
zur abschwächung der verbalkraft in formelhafter wiederholung vgl.:
dâ her die koninginne fant,
dâ reit her snellîchen hin
ind brâhte ir vroiden gewin.
Berthold v. Holle Crane 1034 Bartsch, ähnlich 1140;
hêrre, als i'u nôt gesage,
waʒ ich der im herzen trage,
sô gebt ir jâmers mir gewin.
gein swem sich krenket mîn sin,
der solʒ durch zuht verkiesen.
Wolfram Parzival 612, 25;
ähnlich 723, 4 (ergetzens gewin);
ist dîn herze steinîn gar
und dornic, ob ich sæje dar
guotes sâmen gewin.
R. v. Ems Baartam 42, 13 Pfeiffer.
2))
auf vorübergehende entwicklung eines eigenschaftsbegriffes deutet die glosse: rapacitatis, giwinnes. Steinmeyer-Sievers 2, 275. die neuere sprache hat dafür das compositum gewinnsucht (s. d.) geprägt.
3))
der übergang zum collectivbegriff und zur sachbedeutung; vgl.: gewin, fruit of labours. Bosworth-Toller 467ᵇ; Verwijs u. Verdam 2, 1911.
a))
schon in einigen glossen ist diese entwicklung sichergestellt: gewinne, possessione. Lipsische glossen zu psalm 103, 24 (impleta est terra possessione tua, vol deiner güter. Luther) Heyne altndd. denkm. 49; das gleiche zu psalm 77, 48 (tradidit grandini jumenta eorum et possessionem eorum igni) ebenda; desgleichen gehört hierher: possessio, heeht; lucrus, gawin (vocab. St. Galli) Steinmeyer-Sievers 3, 5; lucra, giwinna (zu Gregors homilien) 2, 269; ebenso 2, 281; fraglicher ist: questus, kiwin (Keronische glossen); doch vgl.: questum, scaz ... gewinn (zur apostelgesch. 16, 16) 1, 747. ähnliche bedeutung ergiebt sich aus anderen buchungen: emolumentum, cawin, laon (Keronische glossen) 1, 28; commodum, cawin, kiwin (ebenda) 1, 64. bedeutsam ist die parallele mit nuzzen, zins, weil sie aus der sinnlichen bedeutung des ertrags aus dem grundbesitz hervorgeht: reditus, cawin, nuz (zu 1 könige 8, 15 vinearum reditus) 1, 398.
b))
wie sich innerhalb der formelhaften verbindungen der mittelhochdeutschen zeit der übergang zur sachbedeutung vollzog, ist oben gezeigt worden, wobei schon auf die stelle Iwein 7178 ff. hinzuweisen war. aus dieser läszt sich der gleiche gegensatz auch auszerhalb der formelhaften verbindungen belegen; vgl. die sachbedeutung in:
daz sî deheinen gewin
an ir koufe vunden.
Iwein 7186;
gegen:
nû sehent ir wie selh gewin
iemen gerîchen mege.
7202.
zur sachbedeutung vgl. auch:
vil olbenden sluͦgen
die koufliute vor in hin.
die truͦgen richeit gewin,
spise, und also rich gewant
daʒ man da niender beʒʒerʒ vant
ze Kriechen und in der heidenschaft.
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 10712 Benecke;
nu helf uns Maria und ir kint,
daʒ unser ende werde guot.
gewin der welte sanfte tuot.
die vorrede ich han geseit.
got mere unser selikeit!
Kunz Kistener die Jacobsbrüder 68 Euling;
dazu vgl. aus den übertragenen verwendungen:
auch ist mir maere geseit
daz hie ein âventiure bî
mit starkem gewinne sî
von einem guoten knehte.
Hartmann Erec 8385; vgl. auch 8398 (s. u.).
c))
am entschiedensten ist die sachbedeutung resp. der collectivbegriff in derjenigen entwicklung gekennzeichnet, die die vorstellung des ertrags an den grund und boden, die landwirtschaft, anknüpft und von da bis zu der parallele mit nutzen, zins weiterführt (zur thatsache, dasz für die parallele mit dem nomen actionis labor belege hier mangeln, s. sp. 5864).
α))
er sprach: mit sînem sâmen
gie ein man ûʒ drâte.
dô er den sâmen sâte,
sîn viel ein teil ûf herten stein.
wan dâ nith bernder vrühte schein,
in âʒen vogel und truogn in hin:
alsus verdarp dâ der gewin.
Rudolf v. Ems Barlaam u. Josaphat 41, 16;
dâ sprungen bluomen unde gras
vil wünneclichen inne,
und wuohsen nâch gewinne
dâ vîgen unde mandelrîs.
Konrad v. Würzburg Engelhard 5232 Joseph;
vgl. die übertragung:
sô wol dem manne, der nu sî
vrô von wîbes minne!
dem wirt ûʒe und inne
wunnen vil bereit:
wan im der bernden boume zwî
gruonet nâch gewinne,
daʒ im sîne sinne
machet vil gemeit.
lieder u. sprüche 7, 42 Bartsch.
β))
so die töchter den vatter oder brueder nach absterben irer mueter ir müeterlich haab und guet an ligenden gütern ... willig inhaben und genüessen lassen ... und der vater oder brueder mittlerweile was erübrigt und gewungen hat, das soll nach seinem abgang ... der müeterlich gewin in der haubtsach pro rato ... den töchtern neben den brüedern zugleich gebüren. statuten von Thurn, österr. weisth. 5, 663, ebenso 5, 725 (stat. v. Enneberg: der müeterlich gwinn sambt der hauptsach); dazu vgl.: wanner süster und broeder thosamen sinnen in unvordeelden guederen, und de oldern sinnen doet, wat se dan thosamen winnen moegen se geliecke deelen, de süster nimpt so voele van dem gewinne, alse de broeder. hebben se oek schaden, so vorlüst de süster oeck so voele, als de broeder. ostfries. landrecht (2, 78) 385 v. Wicht; daʒ man aller waisen guot in der stat chamer geben sol, und sol man den waisen jaerleich ie von zehen pfunden ains geben, und süllen auch die waisen die zeit, und daz selb guot deu stat inne hat, ungesteuert sein, und swenn die waisen ze iren tagen chöment, so sol man in ir guot wider geben und den gewin, den si dannoch nicht ein habent genomen. Münchner stadtrecht art. 421 Auer s. 160;
daz drittel des samen genuht
ouch darzu halb des holzis vruht,
eʒ was unser selbes vurwar
daʒ laʒen wir uch alleʒ gar.
... unde von drin steten alda
die ligen in Samaria
unde in Galilea hin
die stete unde irn gewin
sint uch alle hinzu geleit
von nu hute in ewikeit.
buch der Maccabäer 4718 Helm
γ))
'bis got wilkomen! teile har den gewin!
dîner kunft ich ervröuwet bin,
alsô das mir hüget der muot;
ich hoffe, du bringest mir ein grôs guot.'
puer sprach: 'heiliger vater mîn!
ich bring weder houptguot noch gewin:
ich hab es alles sament verlorn.
Konr. v. Ammenhausen schachzabelbuch 17973 u. 78 Vetter;
knecht bose und trege, du soldes minen schatzt gegeben habn zu gewinne, swanne ich were komen, daʒ ich min gute hette wider genumen mit wuchere, daz ist mit gewinne. mensche, dirre schatz daʒ ist din wunif sinne die dir got hat verlichen, die soltu nu kern zu gotes dineste und zu andern guten dingen, uf daʒ du mugest gewissen was du dar mit habes gewunnen. predigt der Leipz. handschr. (3: dominica secunda) bei Schönbach 1, 14.
3)
gebrauchs- und bedeutungsgruppen einzelner sprachperioden und stilgattungen. in der älteren sprache ist es der poetische stil der mittelhochdeutschen dichtung, der dem verbum und in wechselwirkung damit auch dem substantiv gesteigerte verwendung und verbreitung gab. die althochdeutsche periode liesz nicht so sehr häufigkeit des gebrauches als eine weite des bedeutungsumfanges erschlieszen. als ausgangspunkt war die grundbedeutung von winnen auch in belegen für das substantiv noch durchzuspüren; andererseits zeigen die glossen, wie weit die entwicklung des substantivs sowol in der zu gewinnen gehörenden bedeutung sieg und erwerb als auch in der richtung auf collectivbegriff und sachbedeutung schon fortgeschritten war. die mittelhochdeutsche periode (vgl. auch Zwierzina beobachtungen zum reimgebrauch Hartmanns und Wolframs, festgaben für Heinzel s. 460 anm.) erweitert den übernommenen verwendungskreis durch die formen der poetischen übertragung und durch die verallgemeinerung der bedeutung. vor allem entwickelt sie eine reihe fester verbindungen und formelhafter fügungen, die ihrerseits wieder zu allerlei erweiterungen und neuerungen führen. beachtenswert ist hier auch die sonderentwicklung in einzelnen stilformen der sprache, unter denen die rechtssprache sowol durch die eigenart der verwendungen als auch durch die beeinflussung des litterarischen formelschatzes ins gewicht fällt.
a)
gebrauchsformen des poetischen stils der mhd. periode.
α)
die poetische übertragung und die erweiterung des bedeutungsumfanges. die verbindungen des substantivs mit genetiven des objects und mit entsprechenden präpositionalen fügungen im obigen überblick haben schon gezeigt, wie sehr das substantiv in dieser richtung durch die verwendungen des verbums beeinfluszt wird. dasz aber verbum wie substantiv bei den mittelhochdeutschen dichtern in solch ungewöhnlicher häufigkeit angezogen wurden, erklärt sich aus der ergiebigkeit des bedeutungsinhaltes; denn eine sippe, die die bedeutungen kampf und spiel, arbeit und lebenserwerb in sich schlieszt, stellt für die lebensregungen jegliger art bilder und tropen bereit.
1))
so wird die minne als ein siegreicher streiter, so wird der kämpfer bald als spieler bald als kaufmann dargestellt, der nach neuen grundsätzen handelt:
diu sigerîche Minne
diu windet sich ûʒ wîbes ougen
durch des mannes ougen tougen nâch gewinne:
Minne unt ein minniclîcheʒ wîp sint sinneroubærinne.
Reinmar v. Zweter 270, 11 Roethe, ebenso 273, 4 (s. u.).
nû hân ich eines spiles wal,
bin et ich sô wol gemuot
daz ich mîn vil armez guot
wâge wider sô rîche habe,
daz ich iemer dar abe
geêret und gerîchet bin,
ob mir gevallet der gewin ...
mag ich nû disen herzogen
ûf gotes gnâde bestân?
nû weiz ich doch wol daz ich hân
beidiu sterke und den muot.
Hartmann Gregorius 2042, vgl. auch oben Erec 928.
si entlihen kreftiger slege
mê dan ich gesagen mege
âne bürgen unde pfant,
und wart vergolten dâ zehant ...
sî wâren zwêne maere
karge wehselaere
und entlîhen ûz ir varende guot
ûf einen seltsaenen muot.
sî nâmen wuocher dar an
sam zwêne werbende man:
sî pflâgen zir gewinne
harte vremder sinne.
dehein koufman hete ir site,
ern verdurbe dâ mite:
des wurden sî rîche abe.
Hartmann Iwein 7195;
ein ritter, der in brâhte dar,
in fuorte dâ saʒ wol gevar
Antikonîe de künegin.
sol wîplich êre sîn gewin,
des koufes het si vil gepflegn
und alles valsches sich bewegn:
dâ mite ir kiusche prîs erwarp.
Wolfram Parzival 404, 24.
2))
und so verallgemeinert und verdünnt sich der begriff. dem substantiv treten verblaszte verba zur seite, oder bestimmungen, die jeder beziehung zur grundbedeutung von gewinn entbehren:
a))
daʒ ist zer werlt ein sælekeit
und ist gote niht ze leit,
eʒ ist bêdenthalp ein gwin
got und diu werlt minnet in:
swer der selben zouber kan,
der ist zer werlt ein sælec man.
Hartmann erstes büchlein 1345 Haupt;
wîplich name dêst ein wort,
daʒ aller worte hœhsten hort
an gotes geschaft wol krœnet;
gebluomet unde geschœnet
ist weltlîcheu vreude an in;
wîbes name ist ein gewin,
der mannes namen und werden man
an herzenvreuden herzen kan.
Rudolf v. Ems Barlaam u. Josaphat 297, 8;
swer mit lieben wîben vertrîben
sol die langen winterzît,
hei, waz deme wunnen gît
minne bî den herzesüeʒen frouwen!
wer mac von ir lîben geschrîben,
waz an ir gewinnes lît
unde fröide ân allen strît?
Konrad v. Würzburg lieder u. sprüche 17, 20 Bartsch;
Reinhart sprach 'ich wil gân
nâch den bruodern, daʒ si balde komen:
dirre gewin mac uns allen fromen.'
Reinhard Fuchs 774 Jacob Grimm s. 53;
der künic sant dô nach im,
daʒ dûht die muoter ein gewin (var. ainen)
man zôch in schôn unz an sîn stat,
wan ez der künic ziehen bat,
unz dem kinde wart gezalt,
es wær sicher zwelf jâr alt.
Jansen Enikel weltchron. 19908 Strauch.
b))
wie mag in den ouwen
iemer bluot betouwen,
diu für trûren beʒʒer sî
sendem manne,
danne wîbes mînne?
si kan mit gewinne
wundes herzen sinne
machen aller sorgen frî.
Konrad v. Würzburg lieder u. sprüche 10, 31 Bartsch;
vgl. auch: mit gewinne sîn. klage der kunst 1216;
doch kam dîn süeʒe niender hin
wan in diu reinen herzen:
dâ birt si wünnebernden sin
und ziuhet alle gnâde drin
und der gewin
vertrîbet grimmen smerzen.
lobgesang auf Maria 59, 13 (zsch. d. a. 4, 535).
β)
die festen verbindungen und formelhaften fügungen entwickeln sich leicht aus solch poetischer übertragung, sie wirken andererseits auch wieder fördernd auf diese zurück. begünstigt wird diese entwicklung zugleich durch den übergang zur sachbedeutung, die das substantiv mit andern auf den gleichen begriff des vortheils (des nutzens) zielenden bildungen in engere beziehung bringt. deutlich wahrzunehmen ist jedenfalls der einflusz des formelschatzes, den das ältere vruma schon entwickelt hatte (s.fromme theil 4. 1, sp. 245), während das ebenso nahe liegende geniesz (vgl. oben sp. 3451 ff.) eher durch unser wort beeinfluszt wurde, ebenso nutz (zur priorität einzelner formeln s. u.).
1))
schon die verbindung zu gewinne oder zu verluste, die oben mit einem belege aus der rechtssprache für die verbalkraft des substantivs als zeugnis angezogen wurde, ist in beiden richtungen bemerkenswert.
a))
wie der übergang zum collectivbegriff resp. zur sachbedeutung von der annäherung an vruma begünstigt wird, zeigt ein vergleich mit der verbindung von frommen und schaden (ez gê ze schaden oder ze fromen. Parzival 157, 2 u. a. vgl. mhd. wb. 3, 430ᵃ, s. unten sp. 5878); jedenfalls ist hierdurch die folgende fassung beeinfluszt:
'werder kunig, greiff es an
und seit der raisz ain hauptman:
desz hastu immer ere ...
er sprach 'seit ir mein pegertt
desz seit von mir gewertt:
ich wil mein leib und mein leben
zu gewinn und zu schaden geben.
Heinr. v. Neustadt Apollonius 3083 Singer.
b))
welchen antheil die poetische übertragung und verallgemeinerung des ursprünglich engen rechtsbegriffes an dieser entwicklung hat, zeigt das folgende:
ob iuch vertreit ritterschaft
in riwebære kumbers kraft,
sô wiʒʒet, mîn hêr Gâwân,
des sol mîn herze pflihte hân
ze flüste odr ze gewinne' (: küneginne).
Wolfram Parzival 432, 1.
vor allem wird in solch freierem gebrauch die besondere anschluszform abgestreift und die verbindung frei in den satz eingefügt:
waʒ tâ geschehe, wieʒ dort ergê,
gewin und flust, wie daʒ gestê,
desn weiʒ frou Herzeloyde nieht.
102, 24;
'gewin und verlust
muoʒ dâ haben stat.'
'niht wan nâch iwern rât
wil ich immer varn.'
Ottokar österr. reimchron. 2554 Seemüller;
und leiten ûf die wâge
beide guot und lebetagen
gewin den wolten si bejagen
oder kiesen die verlust.
Konrad v. Würzburg Partonopier 20496 Bartsch;
eia, hertz kunstlos!
wærstu vol kunst groʒ
und witzricher sinne,
die gein verlust gewinne
prislich ordinierten.
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 7816 Regel.
2))
bei der zusammenstellung von gewinn mit dem verbum gewinnen wirken auf die formen der poetischen übertragung, die das substantiv in die mannigfachsten zusammenhänge eindringen läszt (vgl. auch oben zum wettkampf und spiel, vgl. unten) noch überdies die möglichkeiten ein, die dem verbum als solchem offen stehen (s. dort). der gebrauch der einen kategorie in einem bestimmten zusammenhang begünstigt die einführung auch der andern, die ihr an sich vielleicht ferner gestanden hätte:
des wundert di Kriechen sêr,
daʒ man von des wîbes rât (3 rosse zu machen)
solt gewinnen die stat —:
'daʒ wîp lêrt mich disen sin
und jach, es wær ein guot gewin,
swann diu ros wurden bereit,
daʒ man mit grôʒer wîsheit
schütt golt âne zal
in diu houbt über al.
Jansen Enikel weltchron. 16612 ff. Strauch;
er betwanc si mit grôʒem schal
und mit vorhtsamer hant
gewan er dô Egyptenlant (var. betwang).
daz kom im ze gewinne.
den herrn sluoc er dar inne
und der werlt ein michel teil.
daz kom im gar ze unheil.
3530 ff., vgl. auch 1174;
stirb! fuͤr mit dir den gewin
den du hie gewunnen hast:
daʒ du dinn erben last
daʒ dir dort ewige marter git!
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 19362/3;
ich sage iu wol, wer ich bin;
iuwer kunft hân ich gewin
mêr, dan ir gewunnet ie:
ir lieʒt mich ûʒ dem miste hie
ziehen; von iu muoʒ ich in vröuden sîn;
ich bin eins armen vleisches schîn,
ir habt mich ûʒ grôʒer nôt erlôst.
rittertreue 800/1 gesammtabenteuer 1, 126;
vgl. auch Wittenweiler ring 8 Bechstein;
o meister aller wisheit stric
dine urteil sint unfundic.
wer mac erkennen dinen sin?
du gewunne da gewin,
da wir vorliesen gedahten,
die schult zu sunden brahten,
und der tufel wande gewinnen (: mit sinnen).
evangelium Nicodemi 294 ff. Helm.
3))
in manche verbindungen wird gewinn dadurch hereingezogen, dasz der träger der verbindung den begriff des vortheils, des nutzens nahe legt oder contradictorisch ergänzen läszt; da es sich in diesen fällen meist um geläufige verbindungen handelt, musz diesen ein besonderes gewicht beigelegt werden.
a))
besitz und verstand werden in der durch reim gebundenen formel sinn, gewinn einander entgegengesetzt:
dem einen gît er schœnen sin,
dem andern guot unt den gewin,
daʒ er sich mit sîn selbes muote swachet.
Walther 20, 20 Lachmann;
ist got selch ebenære?
er gît dem einen sin,
dem andern den gewin:
sô wæne ich alsô mære
ein rîcher tôre wære
sô rîch als ich armer bin.
122, 10 (handschr.: dem einen gewin dem andern sin);
vgl. auch:
begraben schatz, verborgen sin,
dâ hât nieman von gewin.
Freidank 147, 10 W. Grimm;
minne, schatz, groʒ gewin
vercherent gutes mannes sin.
carmina Burana CCIV, 22 Schmeller s. 109.
anders die zusammenstellung im folgenden, wo gewinn die function des nomen actionis sich bewahrt hat (vgl. oben):
diu minne wendet nâch gewinne
des mannes unt des wîbes sinne:
... ir beider muot ir lêre sich tuot undertân.
Reinmar v. Zweter 273, 4 Roethe, vgl. auch 270, 11.
b))
auch die zusammenstellung von minne und gewinn, die nach dem obigen schon der poetischen übertragung nahe lag, fand in der reimbindung jedenfalls förderung:
swer dich (Maria) hie lobet, der êret in (gott)
und sînen hôhen gotes sin;
êst ein gewin
ein minne und ein gemeine,
ein stæter wille und ein gewalt.
lobgesang auf Maria u. Christus 37, 7 Haupt;
ûf minne und ûf gewinne (var. gewin)
stânt al der werlde sinne.
noch süeʒer sint gewinne
dan keiner slahte minne.
vil liep sint wîp unde kint,
gewinne dannoch lieber sint.
sô der man ie mê gewinnet,
sô erʒ guot ie sêrer minnet,
des mannes sin ist sîn gewin,
swanner mit sinne vert dâ hin.
Freidank 55, 19 ff. W. Grimm;
vgl. auch das spruchgedicht in Laszbergs liedersaal 3, 349;
der biderbe sorget sêre
umb liute guot und êre,
der minner umbe minne,
der girege umbe gewinne.
Freidank 58, 20 W. Grimm, s. auch unten I, 5.
c))
manche verbindungen, die an sich durch bedeutungsgemeinschaft nahe gelegt waren, sind doch nur vereinzelt nachzuweisen:
daʒ gotes gerihte rache git,
nach sinen werchen, uber in
der mir freude und gewin
ane schulde genomen hat.
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 9942 Benecke;
vgl.: lust und frommen theil 4, 1, sp. 245;
nu hin, ir strites vænr!
stapft an die losen zagen!
lat uns gewin und er bejagen!
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 8056 Regel;
vgl.: vrume unde êre Iwein 2415 u. a. mhd. wb. 2, 429.
4))
präpositionalverbindungen, die dem substantiv ein anderes unterordnen oder die das substantiv selbst an verba anknüpfen, erwiesen sich vor allem als bequeme und schmiegsame formen, die sich in den verschiedensten zusammenhängen einbürgern. sie werden zu formeln, die die gebrauchsfähigkeit des substantivs steigern und dessen bedeutungsgehalt abschwächen.
a))
die angliederung eines weiteren substantivs mittelst einer präposition gehört zu den gebrauchsformen, die das substantiv vom verbum her übernimmt und nach seinen eigenen bedürfnissen umbildet. für die ergiebigkeit des von hier aus erschlossenen gebietes stellt vor allem Wolfram belege; seine verwendungen von gewinn zweigen theils vom allgemeinen begriff vortheil, theils von der engeren bedeutung sieges-preis ab.
α))
swaz dâ gekriuzter ritter reit,
die genuzzen 's heldes arbeit:
diu gewunnen ors diu gaber in:
an im lag ir grôz gewin.
Wolfram Parzival 72, 16; ähnl. 12, 12;
din gewin lecht an redeliken worten. richtsteig landr. cap. 4.
β))
die zuo der selben stunde
dâ gesâʒen oder sît,
der het einer âne strît
an lobe den besten gewin:
des jâhen se alle under in:
wand er nâch sage nie
keine lôsheit begie.
Hartmann Erec 1620 Haupt;
si kêrte ir herze an guote kunst:
des bejagte si der werlde gunst.
frou Herzeloyd diu künegin,
ir site an lobe vant gewin,
ir kiusche was für prîs erkant.
Wolfram Parzival 103, 4:
vgl. später das gleiche bei J. v. Neumarkt 61;
Ehmereiz, dîn hôher muot,
swederthalp der edelt hin,
daz wirt an prîse dîn gewin,
nâch dînem vater oder nâch mir.
Wolfram Willehalm 342, 26;
holt er an prîse dâ gewin,
daz geschah im nimêre dâ nâch.
408, 22.
γ))
sun, geistlîch leben in êren habe:
daʒ wirt dir guot und ist ein sin.
der willen kum durch niemen abe,
bring in ze dîner gruobe hin:
eʒ wirt an sælden dîn gewin (var. an schaden).
Winsbeke 6, 5 Haupt;
ist mîn zuht dar an bewart,
und och min schamlîcher sin,
daʒ gît an freuden mir gewin:
wan mir mîn meisterin verjach,
diu rede wære des sinnes dach.
Wolfram Parzival 369, 8,
ebenso 425, 12 (daz wære an freuden sîn gewin);
ze Heimrîch und ze Irmenschart
unt zanderr mînre getriwen art,
ûf genâde wil ich [hin] zin.
got geb an helfe mir gewin.
Willehalm 122, 30;
diu rîche wîse heidenin
het an künste den gewin
daʒ si wol redete franzeis.
Parzival 329, 12.
δ))
hier findet auch eine am verbum viel beobachtete erscheinung für das substantiv ihre entsprechung, dasz gewinn nicht nur mit erfreulichen, vortheilhaften, sondern geradezu mit schädlichen, unerfreulichen vorstellungen in beziehung gesetzt ist:
er het ouch beʒʒern slâfes muot,
dan des nahtes dô diu herzogin
an ungemache im gap gewin.
Wolfram Parzival 628, 10;
ir triwe an jâmer hat gewin.
31, 12.
b))
ungewöhnlich zahlreich und verschiedenartig sind die präpositionalverbindungen, die das substantiv mit verbis in beziehung bringen. die einschlägigen belege greifen in die älteste schicht der gebrauchsformen zurück, lassen aber gerade dort erkennen, wie häufig die festen verbindungen in dem verwendungskreise synonymer substantive vorgebildet sind. diese thatsache musz es rechtfertigen, wenn unsere darstellung sich hier weit in einzelheiten einläszt. dasz auch die schon mehrfach erwähnten reimbindungen den gebrauch solcher formeln steigern, wird sich nebenbei häufig belegen lassen.
α))
des lônet vil hôhe mit hôhem gewinne
diu vil werde minne.
diu gît freud und êre.
Ulr. v. Lichtenstein frauendienst 404, 6 Lachmann;
vgl.: mit wuchere ... mit gewinne. predigt der Leipziger handschr. 1, 14;
mit gewinne ... vrî machen.
Konrad v. Würzburg lieder u. sprüche 10, 31 Bartsch;
ouch ist mir mære geseit
daʒ hie ein âventiure bî
mit starkem gewinne sî
von einem guoten knehte.
nû weste ich gerne rehte
wieʒ hier umbe wære gewant.
Hartmann Erec 8385;
dâ saʒ ân alle missetât
ouch bî der küniginne
Wârheit und ir vil hôher rât
und ouch gerehtiu minne.
swaʒ edeler tugent namen hât,
daʒ was dâ mit gewinne:
unz an die kunst, der was ir wât
zerbrochen ûʒe unt inne.
Konr. v. Würzburg klage der kunst 12, 6 Joseph s. 78;
verborgen schatz und wîstuom
diu sint ze nutze cleine vrum;
rede mit wîstuom vrumt.
vil emezeclîchen daʒ kumt,
daʒ an der rede vælt der sin
unde stêt gar âne gewin.
Heinr. v. d. Türlin krone 16 Scholl,
wan er sorge hett zu in
daz er dar für an all gewin (var.: daz er verlür allen gewin).
H. v. Neustadt Apollonius 4878 Singer;
vgl. althochd.: anu fruma Graff 1, 646.
β))
damite si wir gelêret
so wir allen unseren sin
cheren an den werltlichen gewin
und allen unseren wistuͦm
cheren an den werltlichen ruͦm
so muͦʒe wir îmer mangelen
der ewigen wunne.
bücher Mosis 18, 1 Diemer;
ebenso genesis u. exodus 109, 7, das gleiche bei Heinrich v. Melk (s. o.), vgl. auch: an den gewin pflichten. Parzival 338, 27.
γ))
sô vaste strebet ir muot ûf gewin.
Heinr. v. Melk erinner. 282;
vgl.: uf gewin koufen, schenken. Züricher stadtbücher 1, 169 (s. o.) uf den gewin werfen. pfarrer v. Hecht;
man sagt hie vor den jungen,
wie die nâch êren rungen,
die dâ wâren vor in.
daʒ tâten sî ûf gewin (var. auf den gewin)
daʒ si dâ bilde nâmen bî.
sus wurden die edelen schanden vrî
und vliʒʒen sich wan guotes.
Mai und Beaflor 1, 4;
vergip mir mînen argen sin
und ouch diu wort, lâ den gerich:
ich weiʒ wol daʒ ich schuldic bin.
swaz du gebitest, daʒ wil ich
leisten iemer ûf gewin.
v. Gliers bei Bartsch schweiz. minnes. 200, 151;
vgl.: kam ûf guotes gewin. Erec 2620; ähnlich Crane 3284.
δ))
na gewinne stân. meister Stephan schachb. 4718; nâch gewinne varn. 3722; v. übeln weibe 295; sîn gîr stuont nach prîssgewinne. Parzival 736, 2;
d'ors wurden aber sêre
und vaste mit den sporn gemant
und wider zesamne gesant.
hie huop sich herzeminne
nâch starkem gewinne.
sî minneten âne bette:
diu minne stuont ze wette,
sweder nider gelæge,
dem wurt der tôt wæge.
mit den scheften sî sich kusten.
Hartmann Erec 9107 Haupt; vgl.: und wuochsen nâch gewinne. K. v. Würzburg Engelhard 5232; lieder und sprüche 7, 42 Bartsch;
ê hâte sich Minne
nâch swachem gewinne
geteilet an manege stat (var. manige arme)
da es sî nieman enbat:
von danne nam sî sich nû gar
unde kêrte sich dar
mit aller ir kraft,
ze diu daʒ ir meisterschaft
dâ deste merre wære.
Hartmann Iwein 1558;
swâ si vant brœde sinne,
dar warf si nâch gewinne
der brœdekeit gelîchen twalm. ...
sus huop sich ganzer liebe vrevel.
Frauenlob minneleich 12, 2 Ettmüller s. 26;
des himmels einhürne
... suochte, keiserlîchiu maget,
in dîner schôz vil sanftez leger.
ich meine dô der himelsjeger
dem undertân diu rîche sint,
jagte sîn einbornez kint
ûf erden nâch gewinne
dô in diu wâre minne
treip her nider balde ...
dô nam ez, vrouwe, sîne vluht
zuo dir.
Konrad v. Würzburg goldene schmiede 265 W. Grimm.
ε))
zur verbindung mit zi vgl. die althochdeutschen belege für die synonyma: zi nuzze. Graff 2, 1123; zi frumu, zi frumun. 3, 646;
welch wünne ein wîp dâ mite hât
daʒ sî ir friunt sô lange lât
an zwîvellîchen sorgen,
die sint mir gar verborgen.
eʒ ist ein unbescheiden site,
ir friunt verderbent sî dâ mite
und sûment guote minne:
daʒ wirt in dran ze gewinne.
Hartmann erstes büchlein 1592 Haupt;
vgl.: uns zi frumu wurti. Otfrid 3, 19, 25 u. a., vgl.: ze bôsem gewinne dâ sîn. Wigalois 1956; daz kom im ze gewinne. Enikel weltchron. 3530; das komt uns ze gewinne. Stricker Daniel 5750; vgl. auch Oudemans 2, 667;
ein âventiure hie stât
ze solhem gewinne
daʒ ich in mînem sinne
des vil grôʒe angest hân,
es mueʒe iu alsam ergân
als eʒ allen den ergie
die noch her kômen ie.
Hartmann Erec 7976;
ebenso 8013; ähnlich Wirnt v. Grafenberg Wigalois 9538 (diu ze hohem gewinne stat). vgl.: ze frume gân bei Lexer 3, 550 und vgl. das spätere ze nuzze stân. 2, 126.
ζ))
zur anknüpfung mit durch vgl.: sô têt ichz durch geniez. mhd. wb. 2, 394ᵃ; durch vrumen, durch mînen vrumen. 3, 430ᵃ;
ich sage iu, frouwe, umbe waz
ich her zuo iu komen bin:
ein teil durch iuwern gewin
und benamen durch iuwer êre.
mir erbarmde nie sô sêre
weder man noch wîp
als iuwer wætlîcher lîp.
Hartmann Erec 3755;
doch inwiste ich [niht] war ich solde hin.
durch mînes heiles gewin
sach ich ein vûr, dar stûnt mîn ger.
alsô bin ich gekomen her.
Berthold v. Holle Crane 786 Bartsch;
ebenso 4189 (die verbindung ist oben schon aus dem Gregorius belegt 1140), ähnlich Crane 3279 (durch prîses gewin), 4505 (durch irer vroweden gewin);
als er daʒ buoch ûf getete
nâch des bischoves bete,
vuort' er den esel dar.
do er des buoches wart gewar,
dô greif er sâ durch gewin
nâch dem haberen dar in.
pfaffe Amis 275 bei Lambel 28;
ebenso Brun v. Schonebeck (de holt min cleit dorch ghewinne) minne 101, s. ndd. jahrb. 30, 137ᵇ.
η))
ich bin sô muotes ræʒe,
hei waʒ ich îsens vræʒe!
eʒ næme der keiser für gewin,
vienge ich in niht und züge in hin
und beschazte in unz an den slouch.
meier Helmbrecht 411.
5))
schon bei diesen präpositionalverbindungen erwiesen sich einzelne verba als bevorzugte theilnehmer der fügungen, so stehen (s. unter âne, nach, zu), fahren (ebenda), kommen (auf, zu, durch), werfen (auf, nach). andere verba kommen für solche verbindungen in betracht, in die gewinn als subject oder object eintritt und in denen die präposition zur anknüpfung weiterer bestimmungen dient. hier wurden neben der präposition an verba beobachtet wie sein, werden, liegen, widervaren, haben, geben, finden, holen. eben diese verba kehren auch auszerhalb solcher verbindungen neben gewinn immer wieder.
a))
zu den verbindungen mit dem verbum substantivum vgl. die älteren formeln bei fruma (al thaz iro fruma was Otfrid 3, 20, 186 u. a.) und die jüngeren bei geniesz mhd. wb. 394ᵇ. besonders beliebt ist diese verbindung in den fällen, in denen ein possessivpronomen zum substantiv tritt, vgl. auch unter b)). aber auch sonst häufen sich derartige wendungen:
ich waene daz was missetân.
er unt sîn frouwe riten hin
daz was ein sündehaft gewin.
Wolfram Parzival 522, 30;
ebenso (riterlich gewin) Wirnt Wigalois 574; Enikel weltchron. 15831 (was im dô ein boeser gewin); Stricker Daniel 7308 (daz ist ein sô getân gewin); u. a. vgl. auch sp. 5877/8; zu gewinn als subject neben andern verbis vgl.:
sprach si: 'nu sult ir gâhen,
und bringt mir balde mîn pfert.
mîner reise ir sît mit iu gewert.'
daʒ dûhte in freudehaft gewin.
Wolfram Parzival 512, 25;
ebenso J. Enikel weltchron. 9208 (ein guot gewin); 26073, 18474 (ein schœn gewin);
dâ von wuohs zwîvalt gewin
Wîmâre, guot und êre.
Willehalm 176, 8;
ebenso 343, 30 (wuohs dem jâmer sîn gewin); vgl.: dâ wahset an ir frome. minnesangs frühling 74, 11;
welch êre disen zwein geschach,
dô tâten si ouch nâch in.
sus huop sich ir aller gewin.
Moriz v. Craon 250 Edw. Schröder;
wê wie jâmerlich gewin
tegelich vor mînen ougen vert!
daʒ ich sô gar ertôret bin
mit mîner zuht, und mir daʒ nieman wert.
Walther 90, 23 Lachmann;
wem trawmpt, wie er lach,
dem widerfert ʒo gemach
an dem gut ein grosser gewin;
das kundet im des trawm sin.
Daniels traumdeutungen 443 (z. f. d. a. 48, 529).
b))
gewinn als object neben verbis: zur verbindung mit haben vgl.: frumen hân. Lexer 3, 550; mhd. wb. 3, 430ᵃ;
wer möht ouch haben den gewin,
als ich von dir berâten bin
an hôher minne teile,
sîn lebn wære drumbe veile,
und alleʒ daʒ er ie gewan?
Wolfram Willehalm 95, 11;
vgl. Erec 1620 (den besten gewin an lobe hân) u. a.;
unt dîn gelücke hât gewin
dîn lant ist erlœset.
Parzival 213, 10;
vgl. rittertreue 800 (iuwer kunft hân ich gewin; vgl. dasselbe bei vrume Iwein 4133 u. a.);
se spreken werestu en koning der doghede
du ne letest so langhe nicht dine voghede
in ener voghedie bliuen
du ne scholdest se van danne driuen
unde setten ander lude dar in
dat se ok mochten hebben ghewin.
Meister Stephan schachb. 2220 Schlüter;
eft di de woninghe wol behaghe (der stier des Phalaris)
vinstu dar inne ghut ghewin
so rop enen anderen do dik in.
545;
ebenso 1048; vgl. Wolfram Willehalm 408, 22 (an prîse gewin holen);
dô wolden die dar ûʒe   zuo ir vriunden sîn dar in:
die nâmen an den türnen   vil kleinen gewin.
dô wæren die dar inne   vil gerne für den sal:
Dancwart lieʒ ir deheinen   die stiegen ûf noch zetal.
Nibelungen 1910, 2 Lachmann;
vgl.: fruma neman Otfrid 3, 14, 15;
si wolten nit me wortten,
und tailten mit im.
er nam seinen gewin
und begund den verkauffen.
Friedrich v. Schwaben 1656 Jellinek;
vgl. evangel. Nicodemi 4115 (der helle neme ... irn gewin); vgl. Erec 2705 (gewin begân); Wilhelm v. Orlens 5241 (grossen gewin fuͤgen); Wilhelm v. Österreich 8754 (gewin erwerben); Wigalois 493 (den gewin bejagen);
ein tschanze dicke stêt vor in,
si gebent unde nement gewin.
Wolfram Parzival 494, 4;
vgl.: fruma geban (Otfrid 2, 22, 37) u. a.; andererseits vgl. Willehalm 122, 30 (an helfe einem gewin geben);
so will ich sie bezallen,
einem jeden geben sein gewin,
darbei wirdt man erkhennen
das ich der herre bin.
volkslied der Heidelb. handschr. 343 bei Kopp s. 12;
si sprach 'nu füert mich mit iu hin.
welt ir teilen den gewin,
den ir mit minne an mir bejagt,
mit laster irʒ dâ nâch beklagt.
Wolfram Parzival 510, 28;
(vgl.: frumen teilen. Lexer 3, 550) ebenso 445, 10, desgl. K. v. Ammenhausen schachzabelb. 17973; vgl. auch oben (sîn gewin teilen) Erec 3301; meister Stephan schachbuch 4885.
6))
in diesen verbindungen bedingt der zutritt des possessivpronomens zum substantiv oft bemerkenswerte veränderungen, vgl. das pronomen bei gewin teilen, geben, nemen; vgl.: durch iuwern gewin, umme sîn gewin. manche fügungen ziehen ihren wesentlichen inhalt aus solcher kennzeichnung des subjects zu gewinn durch das possessirpronomen oder entsprechenden genetiv:
a))
ouwê vreude, dîn gewin
gît andm orte smæhen lôn.
Wolfram Willehalm 167, 18;
warumb er die sô lange lieʒ
an gewalt und an genieʒ,
die dô der lande phlâgen.
eʒ solte wol betrâgen
sîn wîsheit, het er guoten sin,
wan eʒ wær doch niht sîn gewin.
Heinr. v. Beringen schachged. 3379 Zimmermann;
idoch ist iemmer al mîn haʒ
gein wîben volleclîche laʒ:
hôch manlîch vreude kumt von in,
swie klein dâ wære mîn gewin.
Wolfram Parzival 820, 4;
vgl.: doch was dâ kleine ir geniez. mhd. wb. 2, 394; was ir vrome cleine. Lexer 3, 549;
daz nie nieman herquam,
wan der sîn ende hie nam ...
nû half doch got dem rehten ie;
daz wurde villîhte sîn gewin.
der Stricker Daniel 1299 Rosenhagen;
vgl. Willehalm 342, 26 (da wirt an prîse dîn gewin), ebenso Parziral 425, 12; Winsbeke 6, 5. nicht belegt ist die im mittelniederl. bezeugte verbindung: in sijn gewin iet brengen, vgl. Verwijs u. Verdam 2, 1912.
b))
diu wîsheit ist der sêle gewin
swer vil von wîsheit welle suochen,
der lese an Salamonis buochen,
der ich leider niht enkan.
Lamprecht tochter Syon 2815 Weinhold;
durch mîner ougen gewin
und durch got vuͦre mich so hin.
vitae patrum 3673 Franke;
eʒ was der geste gewin:
daʒ si alle umbe ere striten.
deheine fruͦmcheit si vermiten.
Wirnt Wigalois 193 Benecke;
genau so 181 (der riter gewin);
du bist gewin
der herzeclîchen minne.
lobgesang auf Maria 22, 13 (zsch. d. a. 4);
dâ was der minnen gewin;
diu minne rîchsent under in
und fuogte in grôʒen ungemach.
Hartmann Erec 1858; vgl. auch 8398.
7))
in derselben richtung zielen auch einige attributive adjectiva; sonst trägt freilich das attribut neben gewinn in mittelhochdeutscher zeit wenig zur individualisierung bei. es überwiegen die allgemeinsten begriffe:
a))
mîn kus dir schiere wære bekant,
wan daʒ ich kuss enterbet pin.
mîn beste minneclîch (var. manlîchen) gewin,
den hat mir Terramêres kraft
umbelegen mit sölher rîterschaft,
daʒ mir der kus nu wildet.
Wolfram Willehalm 156, 24;
swer abir den wistuͦm sin cheret an werltlichen gewin
unde dich herre niht furhtet so er sich verwurchet,
der muͦʒ der ewigen wunnen in iener werlt mangelen.
genesis u. exodus 109, 7 Diemer u. a. (s. o.);
durch disen irdischen gewin,
den du menscheit haʒ beseʒʒen,
und hast dines gotes vorgeʒʒen.
Hesler apokalypse 6938 Helm.
b))
von dannan rihten si sich do
und machetent riliche
die wirte aͤlle riche
und fuͦgeten grossen gewin
die da geborgot haten in.
Rudolf v. Ems Willehalm v. Orlens 5241 Junk;
das gleiche schon Parzival 72, 15; Freidank 147, 5; carmina Burana 204, 22. vgl. auch: hoher gewin Wigalois 9538; Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 404, 6; vgl.: een poent van groten ghewinne. Oudemans 2, 666 (hoghem ghewinne s. o.); mit starkem gewinne. Erec 8385. 9107; nâch swâchem gewinne. Iwein 1558; zu klein in verbindung mit gewinn (s. auch oben) vgl.: daʒ er niht enruochet, wer dâ von stürbe oder siech würde, daʒ eht im ein kleiner gewin werde. Berthold v. Regensburg 1, 86 Pfeiffer;
vil schœnen gewin
hette sîn selleschaft begân,
des ân in niht wære getân.
Hartmann Erec 2705;
ähnlich Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 8754 (prislichen gewin); ich bin sculdig in scazgîrida ... in argheite, an viʒâdilinne, in betelônne, in scantlichemo giwînne. Bamberger glauben, denkm. 1³, 303; diu selbe sünde heiʒet gîtikeit nâch guote, unrehte gewinne. Berthold v. Regensburg 1, 393 Pfeiffer;
mich dunchet guͦt, wir tuͦn uns abe
der ruͦwe, und riten anderswa;
si ist ze bosem gewinne da.
Wirnt Wigalois 1956;
ebenso meister Stephan schachb. 293, ähnlich 2760 (en kranck ghewin);
daʒ dûht si ein guot gewin,
wan si hêt got berâten.
Jansen Enikel weltchron. 9208 Strauch;
ebenso 16614; meister Stephan schachb. 1048 Schlüter; vgl.: guot vrume. mhd. wb. 3, 429ᵇ.
b)
sonderentwicklungen innerhalb der geschäftsformen der sprache waren für gewinn schon im vorhergehenden zu streifen; es ist namentlich die rechtssprache, die einzelne verwendungen entwickelt und für längeren gebrauch aufrecht erhält.
α)
an der formel zu gewinn und zu verlust war oben die verbalkraft des substantivs belegt und der übergang zur sachbedeutung beobachtet worden (ad lucrum et damnum); es liesz sich auch zeigen, wie der rechtsausdruck von der poetischen sprache übernommen und dort weiter gebildet wurde (vgl. sp. 5871). in rechtssatzungen und urkunden hält sich die formel vom Freiberger stadtrecht ab, wo sie zuerst beobachtet wurde, unverändert bis ins 17. jahrh., höchstens dasz in der präposition, die als anknüpfungsmittel dient, ein wechsel eintritt (verdrängung von zu durch auf). doch gehört diese neuerung hauptsächlich dem kaufmännischen stil an, der die formel übernimmt und mit der entsprechenden bedeutungsverschiebung auch freiere gebrauchsformen entwickelt.
1))
die formel mit der beziehung auf die entscheidung in einem rechtsstreite.
a))
wanne wir zu reht und zu urteil funden haben, daʒ die kure der stimme uff das furstentum und uff das land der Marke zu Brandenburg und zu Lusitz, und uff daz egenante kamer ampt also gegruntvestiget sint, daʒ ir eines ane das ander nicht gesin mag, sunder sie mueʒʒen bi einander, in aller ansprache zu vorlust und zu gewinne blieben. pfalzgraf Ruprecht 1356 bei Riedel cod. dipl. Brandenb. II, 2 s. 397; wir sein in auch des egenanten geltʒ schuldig worden umb ir zehent ze Aspang, die von alter gefürt sind worden in ihren zehenthof an dem Wanch klein und groʒʒ, die wir von in darumb bestanden haben ze flust und ze gewing von hinn untz auf die liechtmesz. urk. von 1377 s. monum. Boica 4, 479; were auch, ob ain gebaur seze auf ainem guͦt, daz in ain ampt gehört, daz ain burger in hat ze gewinne und ze verlüste, oder auf ainem guͦt, daz ain burger gekauft hat ze jaren oder ze leipgedinge, also daz er dieselben guͦt besetzt und entsetzet, der gebaur sol daz selb reht haben, als ob er auf dez burgers aigen gesezzen were. Nürnberger polizeiordn. 19 Baader.
b))
Frantzke Kessil und Smogil juden, und haben mechtig gemacht Abraham Juden von Opol alle ir sachen, die sie zu schaffen und zu teidigen haben gegen Nickel Dittrich, sie zu vortretin, zu vorantwortin uff gewin und uff vorlust gleicher weise als sie selbir zu geginwortig weren. urk. v. 1432 bei Meitzen urk. schles. dörfer 49; (vgl.: sine clage offte sin antworde einem andern manne in de hand setten, te winne offte to vorlese. aus 1270 bei Westphalen monum. ined. 4, 2099) dem selben sol man richten, als sich die richter danne erkennen zu gewinn und ze verlust. stadtrecht v. Wimpfen § 55 Schröder; das wir do unsern gesworn oberbotten nemlich Hanns Meyger gantz volle macht und gewalt geben haben und gebent in crafft des briefes zu gewinne und zu verlust und zu allen rechten wie sich dann geburt. Straszb. urk. v. 1477 bei Schilter anhang zu Königshofen s. 779; weilen viel und schwehre rechtsfertigungen und andere sachen vorhanden, die (so wohl zum verlust alsz zum gewin stehen) grosse mühwaltung, unkosten, unnd andere auszgaben mit sich bringen. test. Georg Ludw. v. Seinsheims Nürnberg 1589 s. Schwarzenbergisches stammregister (1659).
2))
mannigfachen verschiebungen unterliegt die formel in dem weiteren rahmen der allgemeinen geschäftssprache, deren bedürfnissen die verbindung von gewinn und verlust entgegenkommt. vgl. auch zum sprichwort sp. 5888.
a))
in der form der präpositionalverbindung, die dem substantiv die verbalkraft am längsten wahrt (auf [zu] gewinn und verlust), wird die wendung vom kaufmännischen stil übernommen: gewinn ist der erfolg, verlust der misserfolg in kaufmännischen unternehmungen. im übergang zur sachbedeutung wandeln sich die begriffe erfolg, misserfolg bis zu der vorstellung eines betrags, den man gutschreiben oder abschreiben musz:
α))
und uff welchen tag di gewercken di kost mit gemeinem rate zu geben setzen und bescheiden zu gewinne und zu verluste. Kuttenberger zusätze z. deutschen Iglauer bergr. 38 Zycha; die vader des samenden gûets ... gebrûke tô gewin ind tô verlîes. schichtung v. Cleve (15. jahrh.) bei Loersch u. Schröder 1², 234; item daz ich Ott Ruland enpfangen hab von dem Walthasar Ramstainer zu Nurnberg 200 reinisch gulden, die sol ich ihm anlegen zu gewin und verlust auf sein wagnuss. Ott Ruland handlungsb. 16 Hassler; auff gewin und verlust verdingen. ist, jemanden eine gewisse lachter zahl verdingen, dasz er nicht eher geld bekomme, bisz sie herausz geschlagen. Berward interpres phras. metall. 21; vgl. auch sp. 5881; die rechnung zur helffte auf gewinn und verlust ... da wir mit jemanden in einem gewissen, nur eine zeitlang währenden, oder auf eine gewisse waare eingeschränkten handel zur helffte auf gleichen gewinn und verlust interessiret sein und ... zu ende der conto mit gewinn oder verlust geschlossen, und entweder von dem einen oder dem andern jedem sein theil zugeschrieben wird. Chomel 2, 1307.
β))
wie fest gerade die äuszere form dieser verbindung dem sprachbewusztsein innewohnt, das zeigen mehrere zeugnisse für volkstümliche und poetische übertragung der formel: der ehestand ist nichts anders, als eine handlung, beruhet auch auf gewinn und verlust, das ist, auf ehren und wehestand, dessen handlung-zeichen ist, bisz euch beede der tod scheidet. Abele künstl. unordnung (1, 6) 1, 48; etwas auf gewinn oder verlust wagen, hazarder une chose à perte ou gain. Rondeau Uu 3ᶜ; ebenso Schwan 1, 745ᵇ; up gewinn un verlust en por spitzbauwen in de luft scheiten ... = aufs geratewohl mit dem ausdruck 'spitzbube' um sich werfen. C. F. Müller der Mecklenburger volksmund 37; den spielenden figuren der zeit in die karten zu sehen und selber zu gewinn und verlust mitzuspielen. Göthe zu Eckermann 1829, 13. februar;
ich glaube gern, dasz es ihm wohlgefiele,
dem neuen herrn, wenn ich die reichen lande
ihm sendete nach Schwaben ... bin nun alt genug,
um auf verlust mich zu verstehn und auf gewinn.
Grillparzer (Ottokar 2) 6⁵, 69.
b))
der übergang zur sachbedeutung löst die verbindung andererseits von der präpositionalen verknüpfung gern wieder ab: gewinn und verlust als engere verbindung wird im kaufmännischen verkehr mit mehreren verbis in beziehung gebracht, denen es sich als object angliedert. vgl. schon die frühzeitig in wörterbüchern verzeichneten wendungen: den gewinn und verlust überschlagen, lucri et damni rationem inire. Henisch 1600; gewinn und verlust verdingen. Minerophilus 259ᵃ. dazu vgl.: dispendium compendio farcire, den verlust mit gewinn ersetzen. Denzler 565ᵇ; gewinn- und verlustconto, in der kaufmännischen doppelten buchführung das conto zur aufstellung aller gewinne oder verluste, welche bei den ein- und verkaufsgeschäften sich ergeben, oder auch überhaupt zur verzeichnung aller in und durch das geschäft sich ergebenden gewinne oder verluste. Thiel 4, 430ᵃ; ein gesellschafter kann den rechnungsabschlusz und die vertheilung des gewinns und verlustes erst nach der auflösung der gesellschaft verlangen. ist die gesellschaft von längerer dauer, so hat der rechnungsabschlusz und die gewinnvertheilung im zweifel am schlusse jedes geschäftsjahrs zu erfolgen. bürgerl. gesetzb. § 721. die enge zusammengehörigkeit der beiden substantiva zeigt sich auch darin, dasz es jederzeit auffällt, wenn eines der beiden glieder durch ein synonymon vertreten ist: so ist nun einmahl die weise der groszen weltregentin! glück und verdienst, ausgabe und gewinn, genusz und arbeit, scharf und gleich gegen einander abzuwägen, ist ihres thuns nicht. Wieland (Aristipp 3, 10) 35, 127.
3))
auszer dieser so bevorzugten verbindung hat die rechtssprache nur wenige ähnliche formeln entwickelt, die überdies nur spärlich zu belegen sind: es ist auch mehr geredt, ob unsz der vorgenannter herr der bischoff ahn den sachen nit völliglich, oder nicht endlichen seines rechten gewiesen werden, oder die weissung oder uhrkundt ahn etlichen sachen nit gehaben mögt, oder sich leicht nicht verbietten wolt, da ihn doch dünckte, das sein gottshausz recht ahn hett, dasz sollen die sieben verrichten nach einer ehrbahren kundtschafft, jetweden theill zu gewinn und zu fleisse. Ingolstädter urk. v. 1305 bei Falckenstein cod. dipl. antiq. Nordgaviensium (1733) 130; dass vermittels göttlicher hülf in denselben bergwerken mit nutz fromen und gewinn gearbeitet möchte werden. urk. v. 1538 s. cod. dipl. Silesiae 21, 64 (no. 532); allain zu irem aignen nutz, forthail und gewin, dem armen gmainen man aber zu sonderm abbruch, nachtl und schaden. weisth. v. Kufstein (17. jahrh.) s. österr. weisth. 2, 24.
β)
landschaftlich begrenzt, aber vom engeren gebiet aus doch auch in die allgemeinen schriftformen der rechtssprache übergreifend ist eine bedeutung von gewinn, in der das substantiv den verbalcharakter besonders deutlich und kräftig erhalten hat. schon bei gewerf (vgl. oben sp. 5625) war auf handgewinn aufmerksam zu machen: begert vom herrn off seinem scholtisz dat guidt zo hand gewinnen ind werven ... und vur dat handgewin sall der man ind vrawe, die op den hoeven wonen geven gelick. hofrechte zu Ekel (1500) weisth. 3, 63; vgl. auch: gewin en gewerf. Verwijs-Verdam 2, 1913; gewerf u. hantgewin. Schiller-Lübben 2, 105ᵇ mit berufung auf Woeste: 'unter gewin verstand man auch bis in unsere zeit die bei sterbefällen des lehnsmannes oder nach herkömmlicher bestimmter frist eintretende neue belehnung mit einem gute; es war eine mit einer abgabe verbundene anerkennung des erbpachtverhältniszes.' (die stelle in Woestes wb. und in dessen volksüberlieferungen der grafschaft Mark nicht enthalten), vgl. gewinnen und gewinnbrief.
1))
die einschlägigen belege für gewinn, die auf westphälische rechtsdenkmäler beschränkt sind, lassen im gegensatz zu der allgemeineren verwendung des verbums die besitzerwerbungen ausschlieszlich aus der form der pachtung hervorgehen: dat ich ... unde min echte wif ... hebben ghewunnen den hof to Syverdinch husen ... mit alle deme lande dat dar to behoret to eime lantrechte to twelef jaren ... were ok dat wi storven binnen dessen vorgenanten twelef jaren ... so sal unse ghewin quit ledich unde los wesen sunder imans vorder ansprake. urk. v. 1385 bei Seibertz urk.-buch v. Westfalen 2, 654/5, ebenso statutarrechte v. Rüden ebenda 2, 92; nachtrag zur Soester schrae (1531) 2, 412; hedde ein borger van eme gaste lant gewunnen vor ene pacht, de he eme kummerlos hedde gelovet to antwordene, dat lant en mach numment vredelois leggen, dat dem borger hinder an sinem gewinne. Dortmunder statuten § 35 Frensdorff; oick is men ... eins geworden, zoe wei van der stat enige pechtinghe eder gewin an kempen, lande, garden eder sus anders hedd, ind up kerstmisse neit en betaillde, sall dei rentmester alsdan tertit macht hebben einen anderen dei pechtthonge to doine. willküren der stadt Dorsten (15. jahrh.) s. z. d. ver. f. gesch. u. alterthumskunde Westfalens 7, 229; gewin ... hoef, pachthoef, pachterij, landbauwerij. Schuermans 155ᵃ.
2))
so wird gewinn in einer westphälischen rechtsformel als contrastbegriff dem kauf entgegengesetzt (vgl. jetzt miete s. d.): illa civitas (in Westphalia) quae dicit, kauff gehet vor gewinn, emtione venditione locationis contractum extingui putat; haec quae asserit, gewinn gehet vor kauff, nequaquam: J. Rudinger observ. jur. comm. (1611) 245; so schon Wehner observat. 180, ebenso Henisch 1601, u. a. vgl. auch Wander 1, 1656.
γ)
auch eine bemerkenswerte bedeutungsverengerung läszt die rechtssprache belegen: gewinn, der ertrag aus geldbussen, gewin = brüche, brüchte: sall hoeger dan funff marck gebrucht haven. item durch klagten, dat eime undersaiss gewalt geschieht were, dairuiss unsem g. l. heren etc. gewin unstain moichte, sullen die parthien unverzoichlich vur dat recht bescheiden werden und des rechten erwarthen. landrecht v. Jülich (1, 12) (1537) in Lacomblets archiv 1, 113.
c)
die bergwerksprache zeitigte am substantiv nur eine verengerung des begriffs ertrag (vgl. die reichere entwicklum beim verbum); und was er gewinnes mit mittelmessigem eisen unter sich czu im geczihen mak, das schol im czu nucze gefallen (et quicquid lucri ferro mediocri subtus se contrahere poterit). Iglauer stadthandfeste § 11 bei Zycha 5; darnoch in den wirdigen hochczeiten, als gewonlich ist, noch dem gewinne der silbergruben den si vor sein, so sol man si, als vor geredet ist, mit einer bequemlichen steur und hulfe, nicht mit ercze, sunder mit phennigen trosten (juxta lucrum argenti fodinarum). Iglauer ius regale montanorum 87 Zycha; es sagend weiter die bergkwerck schaͤlten, das der gewin keinen bestand habe, lobend derhalben den ackerbauw über die massen. Georg Agricola vom bergwerk (1) deutsch v. Bechius (1557) 3; vgl. dagegen den allgemeineren weiteren begriff in: wan sotan urburer di suchen in irem schaden gewin und meinen mer ein raub czu haben den ein stewr von armen leuten. Iglauer ius reg. mont. 55 Zycha u. a. vgl. sp. 5898.
4)
statistik.
a)
die bibelübersetzung läszt für unser substantiv einen der selteneren fälle erkennen, in denen Luthers sprachgebrauch den wortschatz der neueren sprache nicht beeinflussen konnte. Luther liebt das wort gewinn in der engeren beziehung auf gelderwerb und geschäftliche vortheile nicht, er führt dafür mit vorliebe das concurrenzwort geniesz (s. d.) ein, das spätere übersetzer wieder beseitigt haben. und wo er an die sippe unseres wortes sich hier anlehnt, bevorzugt er nebenformen wie gewinnst.
α)
die wenigen fälle, in denen Luther, übereinstimmend mit früherem und späterem gebrauch die form gewinn setzt, betreffen:
1))
übertragene bedeutung: denn Christus ist mein leben, und sterben ist mein gewin. Luther 1 Philipp. 22 (τὸ ἀποθανεῖν κέρδος; gaswiltan gawaurki. Ulfilas; ein gewinnen in der ältesten bibel, ein gewin seit Zainer, mein gewinn bei den späteren, s. u. II, 3); was mir gewin war, das hab ich, umb Christus willen fur schaden geachtet. Luther Philipp. 3, 7 (gawaurki, κέρδη; gewinn bei allen übrigen übersetzern); in der stelle: es ist aber ein grosser gewin, wer gottselig ist, und lesset jm genügen. 1 Timoth. 6, 6 (gawaurki, πορισμὸς, gewinn vor und nachher) hatte Luther zuerst geniesz eingesetzt (so Dietenberger und Züricher bibel, vgl.erwerbsquelle bei Weizsäcker).
2))
für die eigentliche bedeutung von gelderwerb und geschäftsvortheil braucht Luther das substantiv ganz selten: unnütze schwetzer und verfürer ... die da gantze heuser verkeren, und leren das nicht taug, umb schendliches gewins willen. Luther 1. Tit. 1, 12 (in faihu gairneins Ulfilas, αἰσχροῦ κέρδους, unreinen gewins. Eggesteyn u. a.; schendtliches gewins. Emser u. a.). die gleiche verbindung 1 Petri 5, 2 (s. unter gewinnsucht); ebenso in varianten zu 1 Tit. 1, 7; 1 Timoth. 3, 3; 3, 8 (neben unehrliche hantierung treiben).
3))
dagegen bevorzugt hier Luther die form gewinnst (s. d.) vgl.: denn einer mit namen Demetrius ein goldschmid, der machet der Diana silberne tempel, und wendet denen vom handwerck nicht geringen gewinst zu (var. gewerb). Luther apostelgesch. 19, 24 (οὐκ ὀλίγην ἐργασίαν, nit lutzel gewinne Mentel u. a. geniesz. Dietenberger, Emser, Eck); vgl. auch: sie halten auch das menschlich leben fur einen schertz, und menschlichen wandel fur einen jarmarckt, geben für, man müsse allenthalben gewinst suchen, auch durch bose stuck. Luther weish. Salomonis 15, 12 (conversationem vitae compositam ad lucrum, et oportere ... ex malo acquirere, gesetzet zuͤ dem gewin ... gewinnen von dem ubel. Eggesteyn u. a.).
β)
gegen die übrige bibelübersetzung führt Luther die form gewinn in einigen ausnahmefällen ein.
1))
einmal im falle eines ausgesprochenen nomen actionis: und umb seinen gewin, gewerbe und hantirung, das wol gelinge, bittet er den, so gar nichts vermag. Luther weish. Salomonis 13, 19 (von der gewinnunge. Eggesteyn u. a.; van toe verkrigen. niederd. bibel; in allem dem das jm zehanden gadt. Züricher bibel, Dietenberger, Eck; wegen des erwerbs. Kautzsch, de acquirendo).
2))
zweimal für sachbedeutung im sinne von beute (glücksfund): stritten die könige der Cananiter zu Thaanach am wasser Megiddo, aber sie brachten keinen gewin da von (var. geldgewinst). Luther richter 5, 19 (nihil tulere praedantes, raub. Eggesteyn u. a.; beute an silber gewannen sie nicht. Kautzsch); bedeutsam erscheint der zweite beleg, der das substantiv in einer volkstümlichen wendung einführt, die vorübergehend weite verbreitung fand: er küsset einem die hand, die weil man jm leihet ... aber wenn ers sol widergeben, so verzeucht ers, und klagt seer, es sei schwere zeit. und ob ers wol vermag, gibt ers kaum die helffte wider, und rechents jenem fur einen gewin zu. vermag ers aber nicht, so bringt er jenen umbs geld. Luther Syrach 29, 7 (computabit illud quasi inventionem, rechnet es als ein vindung. Eggesteyn u. a.; der wird es für etwas gefundenes ansehen. Kautzsch).
γ)
ein in der älteren bibelübersetzung übliches gewinn wird bei Luther durch andere fügungen (zu Jacob 4, 13, s. unter gewinnen) oder durch synonyma zurückgedrängt:
1))
dorumm es ist besser zwei zesein entzampt. den eim: wann si habent den gewin ir geselschafft. prediger 4, 9 Eggesteyn; ebenso Koburger u. a. (sie geniessen doch irer erbeit wol. Luther); der trieglich vindt nitt den gewin: und das guͦt des menschen wirt ein werd dez goldes. sprüche Salom. 12, 27 Eggesteyn; ebenso Koburger (eim lessigen geret sein handel nicht, aber ein vleissiger mensch wird reich. Luther).
2))
si massend die erbarmd zesein den gewinn. 1 Timoth. 6, 5 Mentel, Eggesteyn u. a. (gottseligkeit sei ein gewerbe. Luther; var.: sei umb geniesz willen); was do ir herren gesachen, daz di zuversicht irz gewinz was ausgegangen. apostelgesch. 16, 19 cod. Tepl. u. a. (ἐλπὶς τῆς ἐργασίας; irs gewinnens Mentel u. a.; gewins Zainer u. a.; da die hoffnung jres genies war ausgefaren. Luther); di da gab grossin gewin iren herren mit der zaubernus. apostelgesch. 16, 16 cod. Tepl. u. a. (trug jren herrn viel genies zu mit warsagen. Luther); und warum gabt du nit mein gut zu dem wucher, und so ich wer kumen, ernstlich ich het enphangen daz mein mit dem gewinne? Luc. 19, 23 cod. Tepl. (gevorderet mit dem wuͦchere. Beheim; hette ichs mit wucher erfoddert. Luther).
δ)
zum vordringen des substantivs in der neueren bibelübersetzung vgl.:
1))
sprach der herr, ich will ihren gewinn dem herren verbannen. (Micha 4, 13) Piscator anh. z. bibel 511 (ir gut Luther).
2))
was für gewinn hat der handelnde, womit er sich abmüht? Kautzsch prediger 3, 9 (was hat der mensch für bas von seiner arbeit. Eggesteyn u. a.; man erbeit wie man wil, so kan man nicht mehr ausrichten. Luther); ebenso prediger 1, 3; mehrt sich das gut, so mehren sich, die es verzehren, und welchen gewinn hat sein besitzer davon, als den anblick? prediger 5, 10 Kautzsch (und was geneusst sein der es hat, on das ers mit augen ansihet? Luther; und was nutzt es den besitzer. Eggesteyn u. a.); als ich aber hinblickte auf alle meine werke, die meine hände gewirkt, und auf die mühe, die ich aufgewandt hatte. sie auszuführen, da befand sich: alles war eitel und streben nach wind, und es giebt keinen gewinn unter der sonne. prediger 2, 11 Kautzsch (siehe, da war alles eitel und jamer, und nichts mehr unter der sonnen. Luther; und nichtz zuͤ beleiben under dr sunn. Eggesteyn; ebenso Koburger u. a.); wer in rechtschaffenheit wandelt und die wahrheit redet, wer erpressungsgewinn verschmäht. Jesaia 33, 15 Kautzsch (wer unrecht hasset sampt dem geitz. Luther; der do verwirfft die geitigkeit von der nitzicht. Eggesteyn u. a.).
b)
in den wörterbüchern ist das substantiv nicht blosz von einer lückenlosen überlieferung getragen, sondern auch mit einer ungewöhnlichen ausführlichkeit beschrieben. die fülle und reichhaltigkeit erschöpft jedoch nicht so sehr die vielseitigkeit der bedeutungsfärbungen, sie zählt sprichwörtliche redensarten (s. unter c) und feste verbindungen (s. II) auf, die mehr für die gesteigerte verbreitung eines und desselben engeren typus zeugen. wol weisen auch über diesen engeren rahmen einzelne ältere feststellungen hinaus, so gelegentliche zeugnisse für die verbalkraft des substantivs im gegensatze zum collectivbegriff und der sachbedeutung, ebenso einige hinweise auf eine breitere grundlage der letzteren im gegensatze zu der engeren richtung auf geldinteressen. im allgemeinen aber arbeiten die vocabularien und die deutsch-lateinischen wörterbücher immer ausschlieszlicher die bedeutungsverwandtschaft von gewinn mit den lateinischen begriffen lucrum und quaestus heraus, die sich ihrerseits wieder in einzelne unterbegriffe spaltet. auch in den fremdsprachlichen wörterbüchern bedeutet der zutritt italienischer, französischer und englischer synonyma anfangs kaum eine erweiterung des rahmens, eher eine belebung des schmalen inhaltes durch entwicklung der unterarten. am ehesten läszt sich aus Henisch, namentlich aus dessen sorgfältiger aufzählung des formelschatzes, ein annäherndes bild gewinnen. wenn dem gegenüber Stieler durch ungewöhnliche dürftigkeit überrascht (für das verbum ist er weit mittheilsamer als für das substantiv), so zeugen doch gerade die wenigen angaben für treue beobachtung; die knappe zeichnung erweitert den bedeutungsumfang. dieser eindringenderen beobachtung, wie sie vom boden der sprachregelung aus und im dienste der neu auftauchenden synonymik versucht wurde, bot auch der thatsächliche gebrauch des substantivs im wandel der entwicklung neue seiten dar. die engere verbindung von gewinn und nutzen war mehr in den hintergrund getreten, im neueren vielseitigeren sprachgebrauch machte sich die bedeutungsverwandtschaft von gewinn und vortheil geltend, in deren annäherung und in deren abgrenzung für den begriff gewinn sowol aus geschichtlicher betrachtung als auch aus statistischer beschreibung ein immer weiterer umfang erschlossen wurde. das ergebnis dieser bemühungen liegt in den fast erschöpfenden angaben Adelungs vor. neben der abgrenzung von gewinn und vortheil ist in den neueren wörterbüchern auch der versuch bemerkbar, gewinn gegen andere ableitungen aus derselben sippe abzuheben. auf der einen seite gegen nomina actionis wie gewinnen, gewinnung u. a. (s. unten), auf der anderen seite gegen erweiterungen wie gewinns, gewinnet und gewinst (s. d. und vgl. unter 4). die letztere form hat namentlich in den mundarten wurzel gefaszt, vgl.: winst, gewinst Danneil wb. d. altmärk.-plattd. mundart 247; gewinst Bauer (Waldeck) 40ᵃ; dagegen vgl.: gewinn (gwing) Schmeller 2². 931; gewenn Hoenig wb. d. Kölner mda. (1905) 65ᵃ; vgl. auch: gewin friesch woordenboek 1, 455ᵃ. bemerkenswert ist die feststellung von Lenz, der wol das verbum (gewinnen), nicht aber das substantiv im wortschatze des Handschuhsheimer dialectes (s. 28ᵃ) findet.
α)
der function eines nomen actionis werden die buchungen kaum gerecht, doch lassen einzelne sie belegen oder erschlieszen.
1))
in bezug auf kampf, rechtsstreit, spiel ist eine solche lexikalisch kaum gekennzeichnet. eine ausnahme macht Emmel (silv. quinq. N 2ᵈ), der für gewinn neben nutz, gesuch, vortheil auch eroberung bucht. ebenso merkt Stieler 2544 in seiner knappen skizze für gewinnung, gewinnen, gewinn, gewinnst neben lucrum, quaestus, proventus, reditus auch victoria an; Adelung führt an betreffender stelle verbalformen auf: dahin gehöret auch der wettstreit vor gericht, wo derjenige gewinnet, dem vor gerichte das recht zugesprochen wird. den prozesz gewinnen. er hat seine sache gewonnen, oder er hat gewonnen. 2, 664. das substantiv wird an anderer stelle mehr verdeckt eingeführt: doch kommt zuweilen der gewinn der schlacht, der gewinn des groszen looses ... in derselben (bedeutung, nämlich für eine 'handlung') vor. 2, 662; vgl. auch Heynatz antibarbarus 2, 56; vielleicht darf auch die gleichung der gewinn ... das gewinnen (Campe 2, 363ᵇ) zum theil hierher gezogen werden.
2))
für den allgemeinern begriff erwerbung reichen die buchungen weit zurück: captura, ein anfange oder gewinn, quœstus. Dasypodius E 4ᵇ; ein fang, losung, gewinn oder ding darnach einer stelt. Serranus d 3ᵃ; capitur, fang, nutz und gewin. Simon Rot C 5ᵇ; acquisition, erlangung, gewinn, uberkommung. B 2ᵃ; kein besserer gewinn als ein gab oder geschenck. Henisch 1329, 26 (acquisito, vgl. auch Wander 1, 1657); inhonesti lucri captura, schändlicher und elender gewinn. Matthiae 1, 212ᵇ; der gewinn ... die handlung, da man etwas gewinnt, d. i. durch arbeit, durch bemühung erlangt ... in welcher bedeutung es nur selten gebraucht wird. Adelung 2, 662; the act of gaining or winning. Hilpert ii, 1 s. 464ᵇ.
3))
früh bezeugt ist hier auch die engere beziehung auf gelderwerb; gewinn tritt dabei in engste berührung mit gewerbe (vgl. auch oben zu Luther), eine parallele, die nur vorübergehend wirkte (vgl. oben sp. 5504): gewinn oder gewerb. Dasypodius Ee 7ᵈ; ebenso Serranus X 8ᵇ; Garth-König (1658) 620ᵃ (in der ausgabe von König 1668: gewinn, nutz s. 966ᵇ); dazu vgl.: quœstus, gewinn, gesuch, nutz, gewerb, begangenschafft, handthierung. Dentzler 640ᵇ; gewerbe, handthierung, nahrung .. gewinn, nutz. Matthiae 1, 1105ᵇ; gewinn und gewerb, commercia, negotiationes. Aler 1, 936ᵇ.
β)
auch der eigenschaftsbegriff, der ja in gewinnsucht eine eigene prägung gefunden hat, wird wie in den glossen (vgl. sp. 5868), so vereinzelt auch hier unserm substantiv zugesprochen: der gewinn ... zuweilen, obgleich selten, auch die begierde nach gewinn; dem gewinne ergeben sein, s. gewinnsucht. Adelung 2, 662.
γ)
die sachbedeutung.
1))
in der beziehung auf kampf und spiel setzen die buchungen hier mit einer ausnahme erst spät ein, erweitern aber die neueren angaben durchweg durch breite betonung der bedeutungen siegespreis, kampfpreis, spielgewinn: prœmium, sold, lon, belonung, gewün. Frisius dict. (1556) 1042ᵃ; gewinn, so auff schiessen, lauffen gesetzt wird. bravium. ders auffsetzt. brabeutes. Aler 1, 937ᵃ, vgl. auch Kirsch, Matthiae; prœmium, ein lohn, verehrung, beschenckung; preisz, eines siegs, verehrung, it. geschencke, gewinn oder kleinod. Sperander a la mode sprach der Teutschen 494ᵇ; ebenso (lohn verehrung, preisz, eine siegs-verehrung u. a) Matthiae 1, 1047ᵃ; gewinn, prix, recompense. Rondeau 2, Uu 3ᶜ; gewinn, signifie, belohnung, preis; le prix, la récompense. Schwan 1, 745ᵇ; der gewinn ... in einigen fällen auch der preis, die prämie. der gewinst. Adelung 2, 663; zuweilen wird gewinn auch für ausgesetzter preis (præmie) gebraucht. Campe 2, 364ᵃ; ebenso Heinsius 2, 437ᵃ; prize Hilpert ii, 1 s. 464ᶜ; der gewinn ... was man in einer jeden art von wettstreite gewinnet oder gewinnen kann; wo von mehrern individuis dieser art auch der plural die gewinne üblich ist. Adelung 2, 663; der gewinn, um welchen gewettet wird. ebenda; die gewinne in einer glücksbude. ebenda; die gewinne in der looserei. Campe 2, 364ᵃ; der gewinn ... was man im spiele gewinnet; der gewinst. Adelung a. a. o.; so heiszt auch das, was man erlangt, wenn das spiel, eine wette etc. glücklich ausfällt, der gewinn. Campe a. a. o.; [in gaming or betting] winnings. Hilpert ii, 1 s. 464ᶜ.
2))
den allgemeinen begriff des ertrags lassen die ältesten und jüngsten buchungen übereinstimmend aus mühe und arbeit hervorgehen: gewinn der arbait und der mue, emolumentum. vocab. inc. teut. i 6ᵇ; gewinne, lucrum oder frucht arbeit, emolumentum. vocab. theut. (Nürnberg 1482) M 5; emolumentum, nutz und gewinn den man ausz der arbeit erlangt. Dasypodius L 1ᶜ, ebenso Serranus h 1ᵃ; vgl. Diefenbach 200ᶜ; vgl. auch die parallele mit fructus unter anderen angaben von Decimator silva vocab.; der gewinn ... alles was man gewinnet, d. i. durch arbeit und bemühung erlangt, oder erlangen kann; wo es in der weitesten bedeutung nur noch in einzelnen fällen gleichfalls ohne plural üblich ist. Adelung 2, 662; dasjenige, was man gewinnt, was man theils durch arbeit und bemühung, theils durch glücklichen zufall erlangt. Campe 2, 363ᵇ f.; ähnlich Heinsius 2, 436ᵇ; vgl.: gewin, wat man met arbeid of bedrijf verdient. friesch woordenboek 1, 455ᵃ.
3))
von der sonderentwicklung des begriffes innerhalb einzelner standes- und berufssprachen (vgl. sp. 5880) nehmen die buchungen wenig kenntnis: gewin, lehenzettel, schedula emphyteutica. Henisch 1599.
4))
im mittelpunkt der älteren buchungen, die den begriff durch lateinische parallelen eingrenzen, steht die engere beziehung auf geschäftsvortheile und gelderwerb; für sie bieten sich als nächstliegend die bildungen lucrum, quaestus dar, die bald allein, bald unter zutritt ähnlichervielfach auch engererbegriffe die entsprechenden buchungen beherrschen.
a))
für die begriffsbestimmung dienen lucrum, quaestus als einzige synonyma: gwün, quaestus, hujus quaestus. Frisius dict. (1556) 108ᵃ, ebenso Maaler 201ᶜ (unter gwün; anders 180ᵃ unter gewün s. u.); gewinn, eigennutz, quaestus, lucrum; Calvisius thes. lat. serm. 699ᵃ (anders 310ᵃ s. u.); gewin, lucrum, quaestus. Schönsleder 5ᵇ; gewin, lucrum. C. Seidel port. lat. ling. 7; gewin, nutz, quaestus (qui mercantur et questum meditantur) 193ᵃ; dazu vgl die angaben der lat.-deutschen wörterbücher: questus, gewin in vocab. d. 15. jahrh. bei Diefenbach 479ᵃ. Verepaeus B 6ᵃ; lucrum, gewinn, gewin, gewünn bei Cholinus-Frisius, Frisius, Dasypodius, Serranus, Garth-König, König; zu Faber, Dentzler, Campe s. u. dazu vgl.: lucrum, der nutzen, fürschlag, gewinn ... so nach abgezogenen unkosten und schaden übrig ist. Sperander a la mode sprach der Teutschen 355ᵃ.
b))
der kreis der lateinischen parallelen wird durch bestimmungen erweitert, die einen bedeutungsunterschied zwischen lucrum und quaestus erkennen lassen und vertiefen.
α))
dem allgemeineren begriffe, wie ihn lucrum vertritt, stehen auch bildungen nahe wie die folgenden, vgl.: ghewin, quaestus, lucrum, compendium, emolumentum, commodum. Kilian 147ᵃ; ebenso (ohne das letzte) Steinbach 2, 1029; das gleiche bei Aler, Kirsch, Matthiae (mit zufügung von praemium, brabeum s. o.), ebenso gewinn, lucrum, quaestus, emolumentum. Frisch 2, 451ᵃ; ganz ähnlich Hederich 1, 1423 ff. unter den neu zugetretenen terminis ist emolumentum schon oben als ertrag aus arbeit (gewinn und nutz) aus den vocab. und ältesten wörterbüchern belegt. bald aber streift der begriff diese beziehung ab: boni nullo emolumento impelluntur in fraudem, frome leute lassen sich keinen nutz oder gewin zu triegerei vermügen. Faber 276ᵃ; in ähnlicher verallgemeinerung: emolumenti, nutzes und gewins. ebenda; dazu vgl.: emolumentum ... nutz, gewinn, profit. Dentzler 232ᵃ; genau so Matthiae 1, 489ᵇ: emolument, nutz, förderung, gewinn, profit, einkünfte, zuträglichkeit. Sperander; das gleiche bei compendium: quaestus et compendium, gewün und fürschlag. Cholinus-Frisius 182ᵇ; compendium, ein erspahrung, gewinn, nutz. Dasypodius Bb 4ᵈ; ebenso Serranus t 3ᵇ; compendium, ein gwün oder vorteil, oder ersparung zits, gaͤlts, arbeit. Cholinus-Frisius 182ᵇ, ähnlich Frisius dict. (1556) 267ᵇ; (gewinn, vortheil) König 234ᵃ; dazu vgl.: compendium, gewinn, vortheil, erspahrung der zeit. Matthiae 1, 301ᵇ; commodum, ein nutz oder gewün. Frisius dict. (1556) 261ᵃ (vgl.nutz oder fug bei Cholinus-Frisius 178ᵇ); ebenso Dasypodius, Serranus, König, Matthiae.
β))
den engeren begriff, der sich an quaestus gerne heftet, kennzeichnen bildungen wie foenus, usura, fructus, proventus u. a.; gewünn, nutz, quaestus, foenus, commodum, lucrum. Maaler 180ᵃ (ebenso mit zufügung von usura und aucupium) Dasypodius Tt 4ᶜ; Decimator silva vocab. (fügt fructus, utilitas, κέρδος hinzu) V 8ᵈ; fructus pro cujus vis rei proventu, nutz, gewinn. Andr. Reyher theatr. rom.-teut. 2, 2742; fructus, nutz, gewinn, profit, vortheil. Matthiae 1, 594ᵃ; foenerato, adv., mit wuͦcher und gwün oder übernutz. Cholinus-Frisius (1541) 377ᵃ; ebenso Frisius dict. (1556) 575ᵇ; ebenso vgl. gewinn unter foenus (wucher, ubernutz) und unter usura bei Dasypodius, Serranus, Frisius, Verepaeus, Simon Rot, Dentzler, Matthiae u. a.
c))
unter den deutschen synonymen, die in den älteren buchungen den lateinischen parallelen beigefügt sind, fordern vor allem zwei beachtung, die später ganz verdrängt werden: geniesz und nutz. geniesz vertritt die allgemeine bedeutung von lucrum, nutz mehr die von quaestus; vor allem verengt es in der gegenüberstellung mit geniesz seine bedeutung in der richtung auf zins und wucher (sonst auch vertreten durch ubernutz): nutz, geniesz, frommen, gewinn, vortheil, utilitas, utile ... compendium, lucrum. Calvisius 310ᵃ (de utilitate). dazu vgl.: lucrum, quaestus, genies, gewin. Faber (1571) 462ᵃ; gewin, gewinst, geniesz, vortheil, geniesz, gesuch, ein glückseliger auszgang, merces, lucrum, lucellum, questus, commodum, compendium, emolumentum, fruitio, utilitas, usura. Henisch 1599. dazu vgl.: der gewin oder verlust so an geld inn desselben verwechszlung gewunnen wirdt, collybus, foenus. ebenda.
5))
die späteren buchungenfremdsprachlicher und deutscher gattungführen die gleichen bedeutungsunterschiede in neuen formen fort, zunächst treten an stelle von geniesz und nutz (im engeren sinne) zwei lehnworte aus dem (latein.) ital.: interesse und profit; vgl.: in summa interesse, ist nichts ander ... denn der schad, darein der beklagt die klage gfuͤrt ... unnd darzuͦ der abgang, oder die versaumnus des nutz und gewins, den er klager ... hett gehaben mögen. Simon Rot H 8ᵃ; im gemeinen leben hat man für den gewinn im handel und wandel viele, oft niedrige, oft aber auch possierliche nahmen, welche zuweilen den begriff des unerlaubten mit bei sich führen; dahin gehören profit, beschores, schmu, jux u. s. f. Adelung 2, 663. doch im ganzen drängen die späteren buchungen immer mehr über den rahmen der engeren geschäftssprache heraus und wie sie den begriff interesse im bedeutungsgehalte des substantivs zurücktreten lassen, so geben sie dem begriff, für den anfangs profit genügte, weitere ausdehnung und höhere ziele, für die das vielseitigere vortheil kaum ausreicht.
a))
engere beziehung auf geschäftliche vortheile: der gebin, el guadagno. deutsch-ital. sprachb. herausg. v. Brenner 28, 12; gewinn, lucrum, κέρδος, gain. Emmel nomenclat. quadr. 384; gewin, gain, profit. Hulsius (1596) G 2ᵃ; gewinn, gesuch, gaing, prouffit, guadagno, utile, profitto. derselbe (1616) 138ᵇ; gewinn, guadagno, profitto, interesse, emolumento, lucro, proveccio, avanzo, avantaggio, gani, profit, avantage. Rädlein 1, 383ᵇ; gewinn, gain, et proffit, lucrum, commodum, emolumentum. Duez (1664) 199ᵃ; gewinn, gain, aquêt, avantage, ménage, qu'on trouve à faire une chose. Frisch nouv. dict. des passagers 2, 279; gewinn, gewinnst, ... gain; profit; avantage; it. menage; acquêt, épargne. Rondeau 2, Uu 3ᶜ; gewinn, gewinnst, le gain, lucre, profit, avantage. Schwan (1783) 1, 745ᵇ; der gewinn, ueberschusz, le revenant bon, surplus. ebenda, gewinn einer handelsgesellschaft, nach abzug des capitals und der interessen, produit [t. de negoce]. Rondeau 2, Uu 3ᶜ; ebenso Schwan 1, 745ᵇ; on appelle aussi gewinn, le ménage, l'épargne; it. l'acquêt, ce qu'on a de bon ou de reste. gewinn oder gewinst (der) der nutz oder profit, the gain, proffit, lucre, getting, winning, emolument, interest or advantage. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; gewinn, gain, lucre, advantage. Th. Arnold 1 (1790), 427; ähnlich Hilpert 2, 1, 464ᵇ; der gewinn bei einem actiengeschäfte, dividend. 464ᶜ; gewin, gewin, winst, winning, baat, profyt v. nutzen, vortheil. Kramer 2, 97ᵇ; gewinn, oder gewinst, lat. lucrum, foenus, fructus, usus, frantz. gagne, gain, gagnerie, oder profit, heisset in der nahrung dasjenige, was einer nach abzug der unkosten oder des aufwandes bei einer gewissen sache entuͤbriget hat. denn ein jeder mensch soll bei seiner nahrung dahin bedacht sein, dasz er nicht allein seinen unterhalt damit gewinnen, sondern auch uberflusz haben moͤge; dahero soll er, damit er nicht statt des gewinstes schaden habe, ehe er eine sache anfaͤngt, wohl uͤberlegen, dasz er in seiner wirthschafft so viel gewinne, damit nach aufgewendeter arbeit und kosten etwas uͤbrig bleibe. Chomel 4, 1060; der gewinn ... im handel und wandel, der überschusz, der auf eine waare oder arbeit nach abzug aller unkosten übrig bleibt. Adelung 2, 662; der gewinn ... besonders, was man durch zusammentreffen glücklicher umstände erlangt, ohne sich gerade immer sehr darum zu bemühen. so heiszt der überschusz von dem für waaren oder für arbeiten gelöseten nach abzug aller unkosten der gewinn. Campe 2, 364ᵃ; gewinn (profit), nach Schäffle's trefflicher definition die vergeltung, welche der unternehmer für den volkswirthschaftlichen beruf der selbstständigen wirthschaftlichen zusammenfassung der productivkräfte mittelst speculativer capitalnutzung beanspruchen darf. Thiel 4, 429ᵇ.
b))
die erweiterung und übertragung, die das substantiv in der richtung auf den allgemeinen begriff vortheil erzielt, wird in den buchungen am spätesten gewürdigt: gewinn ... uneigentlich von kenntnissen und geistigen vortheilen, so wie vom nutzen überhaupt. Heinsius 2, 436ᵇ; unter den festen fügungen des neueren gebrauches (II) wird sich zeigen, wie weit die litterarische verwendung in dieser beziehung vorgeschritten ist; nach den buchungen scheint gewinn in solcher annäherung die syntactische beweglichkeit eingebüsst zu haben, doch giebt in bezug auf die genetivverbindungen, von denen die wörterbücher kaum mehr notiz nehmen, der sprachgebrauch hierfür keinen anhaltspunkt, vgl. sp. 5907. 5913 ff.
c))
abgrenzung gegen vortheil.
α))
unter stilistischem gesichtspunkt ist eine abgrenzung nirgends versucht, die buchungen zielen durchweg auf bedeutungsunterschiede: vortheil ist nicht allzeit gewin. Henisch 1601; vortheil und nutzen bezeichnen das geschlecht, wovon gewinn nur eine eingeschränkte unterart ist. Adelung 1, 2, 663.
β))
das trennende merkmal erwächst dem heutigen begriff gewinn aus seiner beziehung auf streit und spiel. von hier aus wird ihm im gegensatz zum vortheil vielfach die vorstellung des unberechenbaren, unerwarteten beigemischt: das wort gewinn, scheinet sehr etwas zufälliges anzuzeigen, und ein wagen, oder gefahr laufen, vorauszusetzen, wie es denn besonders im spiele gebraucht wird, und von den kaufleuten, welche oft etwas wagen, und sich in gefahr setzen müssen, um einen guten gewinn zu machen. das wort vortheil, scheint den begriff einer mehreren sicherheit mit sich zu führen, und einen fleisz, und bemühung voraus zu setzen. es (gewinn?) bedeutet eigentlich einen ausserordentlichen nutzen, welchen man nur bei gewissen gelegenheiten erlanget. Stosch versuch in richt. bestimmung etc. 2, 130 ff.; die vermehrung seines eigenthumes, ist der gewinn; der gewinn hängt daher vom zufalle ab, denn es können zufällige umstände dazwischen kommen, welche die vermehrung des eigenthumes, die uns einen vortheil erwarten lässt, hindern können. Rumpf wörterb. z. reinigung d. sprach- u. schreibart 137; vortheil ... begreift dabei die verhütung eines verlustes sogut als die erwerbung eines zuwachses und endlich alles, was für jemand gut ist, wenn es auch sein eigenthum nicht vermehrt. gewinn (gegens. verlust) dagegen ist nur die vermehrung des besitzes, die jemand an einer sache auch auf mittelbare weise hervorgeht. namentlich ein solcher erwerb, der mehr durch zufall als durch anstrengung, durch gewagte unternehmungen, glücksspiele entsteht, heisst gewinn. Eberhard-Lyon synonym. handwb. (1904) s. 564 ff. dazu vgl.: gewinn, imaginärer ... ein möglicherweise zu erwartender gewinn aus der ladung; kann mit versichert werden. Stenzel deutsches seemänn. wb. (1904) s. 147ᵇ.
c)
auch das sprichwort führt unser substantiv in zahllosen, vielfach auf fremdem boden geprägten, wendungen auf. der bedeutungsumfang ist jedoch auch hier nicht weit gezogen, im mittelpunkt steht wiederum der begriff des gelderwerbs. erweiterungen gehen am ehesten von der verbindung mit contrastbegriffen aus. kampf und spiel kommt in diesem kreise kaum zur geltung (gewin auff dem spiel ist ein süsse gift. Petri Ff 4ᵃ); am ehesten erinnert daran die betonung des wagemutes als der vorbedingung des gewinns; vgl.: gewin waget alles. Henisch 1601; vgl. auch Wander 1, 1656;
nun so lebet denn wohl, ihr kinder, und dränget euch mutig
in die feindlichen reihn! wagen ist halber gewinn.
Chr. Fulda antixenien, s. litteraturdenkm. 125, 44.
ergiebiger ist dieser gedanke in den formen des verbums (s. u.) verwertet, wo auch der antike ursprung deutlicher wird. bemerkenswert ist, dasz ältere sammlungen wie die von Petri in varianten der überlieferung für gewinn auch nutz oder geniesz einsetzen (vgl. oben sp. 5886).
α)
die verbindung mit contrastbegriffen wird durch zwei verschiedenartige erwägungen begünstigt: im einklang mit den eben besprochenen formeln steht die vorstellung von der unsicherheit des erfolges; mit verlust neben dem gewinn musz rechnen, wer etwas erreichen will (vgl. auch sp. 5879 f.). andererseits sieht man auch in dem erzielten erfolge schattenseiten: vortheile für den einen sind mit benachtheiligung anderer verknüpft oder sind für den gewinner selbst mit ungünstigen nebenwirkungen belastet. in der ersten gruppe wird verlust, in der zweiten schaden als contrastbegriff aufgeführt, das in der ersten gruppe nur ausnahmsweise vertreten ist.
1))
gewin und verlieren ist kauffmans fuhr. Petri der Teutschen weiszheit Ff 4ᵃ; das gleiche bei Henisch 1601; kein verlust, kein gewin. ebenda;
gewin und verlust, frewd und trawren,
sind sehr nahe verwandte nachbaren.
Petri a. a. o.;
man thut uber verlust offt klagen,
thut aber vom gewin nicht sagen.
Henisch a. a. o.;
wer hat den gewinn, der nehme auch den schaden hin. ejus debet esse damnum cujus est praemium. (Zeiller 101) Wander 1, 1658; wenn dir gewinn wohl thut, so lass dir verlust nicht wehe thun. Körte 2130. vgl.: tanto è mercante colui che pende, quanto colui che guadagna. Wander 1, 1658;
guten vortheil bringt ein heitrer sinn;
andern zerstört verlust den gewinn.
Göthe (sprichwörtlich) 2, 257.
2))
es ist kein gewin, der schaden zu geferten hat. Lehmann florileg. polit. 852; vgl. Wander 1, 1656.
a))
der vortheil des einen als nachtheil des andern: gwün on dines naͤchste schaden, ist gwün. Sebast. Franck sprichwörter (1545) 2, 86ᵃ; ebenso Petri u. a.; des einen gewinn, ist des andern schad, lucrum sine damno alterius fieri non potest: compendium unius dispendium alterius. Aler 1, 937ᵃ; das gleiche (mit hinweis auch auf italienische formeln) bei Wander 1, 1655; es ist ein übler gewinn, steckt des andern schaden drin. 1656. vgl. auch Simrock 3596; Reinsberg-Düringsfeld 1, 348.
b))
der vortheil wird durch begleiterscheinungen ins gegentheil verkehrt: gewin mit bösem gerücht ist schad. Petri Ff 4ᵃ; ebenso Henisch; lucrum cum jactura famae damnum est, gewinn mit verlust des guten leymuths ist ein schade. Bachmann janua lat. 185; des auffruͤhrs gewin ist schad. Henisch a. a. o.;
der gewin, so boͤsen namen hat,
fuͤr schaden billich wirdt geacht.
Petri N 8ᵇ, ebenso Henisch u. a.;
unrechter böser gewin und wucher ist nur für schaden zu achten. Petri Vv 3ᵇ u. a.;
gewin in der kisten,
macht schaden im gewissen.
Petri Ff 4ᵃ; ebenso Henisch; desgl. Winckler 2000 gute ged. (1685) 10, 70;
besser schaden als unrechter gewin. der schad betrübt unnd lässt nach. der gewin macht ein unrüig gewissen. Lehmann 852.
β)
die vorstellung von den unerfreulichen begleiterscheinungen des erfolges wird auch auszerhalb des eben belegten zusammenhanges viel gepflegt:
selten gewinn ohne betrug.
Winckler 19, 86;
(vgl. das ital. sprichwort bei Pazzaglia s. Wander 1, 1657; vgl. auch die redensarten, die sich an den grossen gewinn knüpfen sp. 5889):
unrechter gewün, ist schab und schin.
wie der marckt ist, also ist der zol.
Sebast. Franck sprüchwörter 2, 86ᵃ; ebenso Henisch u. a.;
unrechter gwin schlegt nit für. Franck 1, 157ᵃ; böser gewin faselt nicht. Petri L 4ᵇ; ebenso Henisch u. a.; böser gewin fahret hin. Petri L 4ᵇ. Henisch u. a.; dazu vgl. Wander 1, 1654 ff. und 1657. vgl.: vil dicke âne reht zergât, swaz macht gewunnen hât bei Reinsberg-Düringsfeld 1, 647; der wucherer schind auszm trucknen hauffen gelts seine nahrung macht sich feist mit müssig gehen, von armer arbeitsamer leut schweisz, von unrechtem gewinn kommet gerechte straff. Lehmann floril. polit. 913; unrechter gewin ist ein fewer im gut, das alles frist. 852 (vgl. ital. sprichwort bei Pazzaglia), s. Wander 1, 1658. dagegen vgl.: ein guter gewinn macht fette suppen. frz.: bon gagnage fait bon potage. (Kritzinger 339ᵃ) Wander 1, 1655.
γ)
dem gegenüber wird die wertschätzung, deren sich jede art von gewinn beim groszen haufen erfreut, in formeln, die meist auf fremdes vorbild zurückführen, drastisch beschrieben: aller gewinn schmeckt wol. Franck 1, 119ᵇ; ebenso Henisch u. a. (vgl.: de tout gain est bon le pain), s. Wander 1, 1654; eine entsprechende lateinische formel, die auf Juvenal und Vespasian zurückweist (vgl.: lucri bonus est odor ex qualibet re, vgl.: gewinn hat guten geruch. Wander 1, 1656; vgl. auch: gewinn in koth ist besser als versuche in bisam. Burckhardt arab. sprichw. 62) wird zwar in den buchungen viel angezogen, die deutschen wendungen nehmen aber meist eine andere richtung: gewinn ist gut, worvon er auch seie: ein gestohlener pfenning gilt nicht minder als ein anderer. Dentzler 413ᵃ; der gewinn ist so lieb, dasz man sich seiner nit schewet. Henisch 1601; ich nemme zween gewin für ein. 1601; lucrum pudori praestat, gewinn ist besser als scham. Dentzler 413ᵃ; gewinn geht über scham. Wander 1, 1656; gewin machet reich (ansehnlich), lucrum luculentos reddit homines. Hederich 1, 1423; umb gewin reiset der kauffman zur seewerts. Petri Vv 1ᵃ; ebenso Henisch u. a.; umb gewin gehet der priester an den altar. Petri Vv 1ᵃ, ebenso Henisch.
δ)
die begriffsbestimmung des wahren gewinns ist hauptsächlich innerhalb des engern rahmens des geschäftsverkehrs gehalten und zielt hier auf die wertschätzung der arbeit und des langsamen vorwärtsschreitens mit kleinen, bescheidenen aber stetigen erfolgen. andererseits erweitert sie den bedeutungsumfang wieder, indem sie dem bloszen geldgewinn höhere, dauernde errungenschaften gegenüber stellt.
1))
die einschlägigen wendungen dienen vorwiegend dem preise des redlichen mühsamen erwerbs. wenn einzelne eine geringschätzung gerade dieser form des gewinns zur schau tragen, verrathen sie meist zugleich fremden ursprung:
a))
gwin schmeckt fein, wie klein er mag sein. Franck sprichw. 2, 45ᵃ; das gleiche bei Henisch u. a.; ein häller abgebrochen ist auch gewin. Henisch 1601; wo es immerzu tröpflet, da würts nimmer trucken. kleinr gwin macht den hauffen oder gwin nit klein. Franck sprichw. 1 (1541), 87ᵇ, ebenso Petri, Lehmann u. a.; kleiner gewin macht grossen gewin. kleine reglein machen auch nasz. Lehmann 427; vgl. auch (schweiz.): im chline g'wünn isch rege drinn s. Wander 1, 1657; d'viele gid der g'wün. ebenda 1655; kleiner gewin, guter gewin. Henisch 1601; aber: kleiner gewin macht grosse diebe. ebenda (vgl. schon Petri Ll 7ᵇ); umb einen gewinn von einigen gulden würde er seinen freund verrathen. Hilpert ii, 1, 464ᵇ; solchen gewinn schmiert man wol auf die schuhe. Wander 1, 1658; solchen gewinn schmiert man an die peitsche. Simrock 3609. charakteristisch ist, wie die übeln begleiterscheinungen an den grossen gewinn geheftet werden; bei grossem gewin ist gar grosser betrug. Petri L 1ᵃ; ebenso Henisch u. a.; bei grossem gewinn, grosser betrug. Schottel 1120ᵃ; vgl. oben zu Freidank (s. Wander 1, 1657); vgl.: ein grosser gewinn ist oft kein kleiner verlust s. Wander 1, 1655; grosz gewinn, grosz ausgaben. ebenda; wer zu grossen gewinn sucht, verliert zuletzt das kapital. 1658; er kann vor gewinn nicht reich werden. Simrock 3608; aber aus dem italienischen: grosser gewinn macht schwere arbeit leicht. Wander 1, 1657.
b))
der beste gewinn kommt aus arbeitsschweiss (dän.: gave skal med ervedes gieldes). Wander 1, 1655; leichter gewinn ist bald dahin (ital.: il guadagno insegna a spendere). 1657; aber vgl.: leichter gewinn macht schwere beutel. Winckler 2000 gute ged. 2, 98 (vgl. holländisch: ligt gewin makt zware beurszen. Harrebomée);
c))
wer nicht rechen und gewinnen kan, der sei geduldig, und achte für gewinn, was jhm sein feind nicht abgenommen hat. Petri Ppp 7ᵃ; ebenso Henisch 1602; es ist alles gewinn, was man von bösen schuldenern bekommet. Winckler 11, 90; vgl. dagegen Wander 1, 1656.
d))
zehr sparlich vom gewin
das die nahrung nicht zu rinn.
Petri Nnn 5ᵇ;
soll der gewinn gedeihen, muss man ihn nicht beschreien (mache kein geschrei im angesicht des gewinns, sonst fliegt er davon, sagt man in Aegypten. Burckhardt 734). Wander 1, 1657.
2))
dem gegenüber ist die erweiterung des rahmens hier nur spärlich belegt. die wendungen, die dem gewinne ein allgemeineres und höheres ziel stecken, sind wenig entwickelt.
a))
fromb sein, ist allein gewin. Sebast. Franck 1, 54ᵃ; böses verlieren ist grosser gewin. Petri L 4ᵇ; vgl.: es ist nicht alles gewinn, was man im beutel hat. Körte sprichw. 2129;
wer geld zu rechter zeit veracht,
offt viel gewin hat eingebracht.
Petri Fff 7ᵃ; ebenso Henisch 1601.
b))
hab für gewin den guten tag,
der dir in unglück werden mag.
Petri D 4ᵃ;
es ist kein gewinn, die ganze woche fasten, um am samstag (sonntag) kuchen zu essen. Wander 1, 1656.
c))
wenn ihm der gewinn auch an den mund käme, er kehrte ihm den rücken zu. Wander 1, 1658; sein gewinn ist ihm in hölzerner münze ausgezahlt worden, er hat prügel bekommen. 1, 1658.
5)
formen.
a)
das genus zeigt oberdeutsch und mitteldeutsch von anfang an ausschlieszlich ein masculinum, während aus niederdeutschem gebiet auch das neutrum festgestellt ist; vgl.: verwandelde de wertlicken neringe umme dat gewin, dat in den evangelien gelegen is. leben des heil. Franz 169 (Schiller-Lübben 2, 105ᵃ); unde de seile en verleise dat gewin der innicheit. dial. Gregors 259ᵇ; vgl.: een grot ghewinn in der niederd. bibel; vgl. auch das schwanken der genera im mittelniederl., s. Verwijs-Verdam 2, 1911. wie weit solches neutrum mit der von niederdeutschland aus auch in mitteldeutsches gebiet eindringenden form gewine, gewinne neben gewin zusammenhängt, läszt sich im einzelnen nicht mehr verfolgen, weil für diese nebenform das genus meist nicht ersichtlich ist (s. u.). in die gemeinformen der sprache ist das neutrum nur einmal, bei einem mitteldeutschen dichter, vorgedrungen:
der künik in rîchez erbe gît
ze der hochgezit,
mit immer werndem schalle.
swer hie versumet daz gewin,
der muoz doch hin.
Reinholt v. d. Lippe bei v. d. Hagen 3, 51ᵇ;
für die Keronische glosse certamina, kiwin (Steinmeyer-Sievers 1, 233) liegt keine nötigung vor, die form als plural aufzufassen, sonst freilich müszte hieraus auch für älteren oberdeutschen gebrauch auf vereinzeltes neutrum geschlossen werden.
b)
der plural ist an und für sich nur der sachbedeutung zugänglich und ist hier schon früh belegt:
α)
die mittelhochdeutsche dichtung begünstigt ihn von ihren ersten anfängen ab in der reimbindung mit minne (vgl. auch sp. 5872):
nû habe dir ze stiure
alle mînes rîches gewinne
durch des wâren gotes minne,
und beruoche mir wol mîn liut.
kaiserchron. 10415 Schröder;
ouch ne gerten si nehainer gewinne. (var. winne)
ni wan di waren gotes minne.
Konrad Rolandslied 115, 28 W. Grimm;
wolde er die gewinne
teilen durch die minne.
den vrostigen solde er bewaeten,
den hungerigen nerigen.
die hochzeit 490 Waag s. 97;
ach herzeliebe Minne, nim war wie gar mîne sinne
stellent ûf die gewinne, daʒ mir fröuden iht zerrinne.
Ulrich v. Winterstetten 5, 38 Minor; ähnl. 35, 16;
ebenso Wolfram (unechtes lied) 9, 7 Lachmann; Parzival 686, 25; Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 1548. 5488;
und enphehet denne die minne
daʒ ir alle die gewinne
die der werlde vreude beren,
ein galle da wider weren.
die sieben himmlischen gaben bei Leitzmann lehrged. der Melker handschr. (12, 58) s. 18ᵇ;
vgl. auch: owi magister. die dine grozzi gewinne. die du da erwurue. da du Adamin ûʒ dem paradyso verleîteste. die hastu nu alli verlorn an deme crûce. spec. eccles. 67 Kelle. auszer der reimbindung mit minne ist der plural in der ältesten dichtung nur spärlich belegt, einmal an inne, zweimal an sinne (vgl. oben sp. 5872) gebunden:
nû hieʒ erʒ heven ûf den sant
unde lœsen abe diu bant.
dô sah er ligen dar inne
seltsæne gewinne,
ein kint, daz im sîn herze jach
daʒ er sô schœneʒ nie gesach.
Hartmann v Aue Gregorius 860 Lachmann;
ach, waʒ groʒʒer vræuden trait
si nu in hertzen sinne!
die lieplichen gewinne
daʒ hertz ir erquickten,
ir blicke da verstrickten
die lieb manicvaltic.
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 9396 Regel.
dazu vgl.:
sehent da wil er tresten mich.
war für hant ir die gewinne.
da man got zelone git.
dar noch stundent mir ie die sinne.
geistliches lied des 14. jahrh. bei Wackernagel lesebuch 894, 17.
β)
im neueren sprachgebrauch sind für die sinnliche fassung der sachbedeutung eine reihe von concurrenzformen, meist erweiterungen, aufgekommen, die gerade in den pluralformen bevorzugt werden, so das neutrum gewinnet und das masc. gewinnst (s. d.).
1))
so bleibt auch hier der an sich mögliche plural gewinne immer noch vereinzelt: wellen wür das fueszvolk bei uns behalten, so werden sie beuten und gewinnen nachziehen. Georg v. Waldburg bei Baumann s. 545; viel andere aber (hab ich gekannt), welche sich in alle unnd jede schändliche gewinn, so jhnen in säckel geraten, einlassen, und treflich und auszbündig abgericht seind auffs gelt einnemmen. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (50) 430; zwar der unvergängliche ruhm jener meister unserer groszen dichtungszeit war nicht gleich zu erjagen ... die äuszeren gewinne aber waren für viele gröszer, als sie für jene groszen gewesen waren. Gervinus leben 270; wir haben preuszisches blut nicht eingesetzt um gewinne, um eroberungen, sondern für die sache Deutschlands in Schleswig-Holstein. und diesen krieg haben wir glorreich durchgeführt. Bismarck im preusz. landtag 3. 2. 1866; gewinne aus den nicht im handels- oder gewerbebetriebe unternommenen spekulationsgeschäften. preusz. formular einer steuererklärung (1908). u. a. vor allem die festen fügungen widerstehen hier dem plural; auffallend erscheint darum: leichtsinnig auf spekulationen wird die regierung sich nicht einlassen, sie geht nicht darauf aus, gewinne zu machen. Miquel im preusz. abgeordnetenh. 6. 5. 1896. für den gewinn im spiel und in der lotterie gehen praxis und theorie auseinander: Heynatz führt aus: der gewinn wird häufig für gewinnst im spiel gesetzt, welches ich für unrichtig halte. eine lotterie von 1000 gewinnen musz also von 1000 gewinnsten heiszen. antibarbarus 2, 56. allerdings ist der plural von gewinnst heute vor allem in dieser engeren bedeutung belegt, jedoch ohne die form gewinne irgend verdrängt zu haben; vgl.: dasz die gewins-zettuln gleich ausgehen mit den gewinnen unnd sein sonst keine blinde zetteln darinnen. Caspar Klock de œrario (2, 118) (1651) 624; sie gingen also vor einer so genanten glücksbude vorüber, und wurden gewahr, dasz viel volcks daselbst stehen blieb, demnach drengeten sie sich gleichfalls hinzu, um zu sehen, ob viele gewinne gezogen würden. der Göttinger student auf der Plesse 1, 126. Adelung 2, 663 schränkt hier den plural auf die preise im wettstreit ein (gewinne in einer glücksbude), weiter geht Campe (die gewinne in der looserei) 2, 364ᵃ, womit auch der gebrauch in den neueren ausschreibungen der lotterien übereinstimmt.
2))
für übertragungen der sachbedeutung ist der plural noch immer wenig beliebt: ich unterstehe mich daher nur, sie durch diese zeilen versichern zu wollen, dasz ihr gütiges interesse an mir immer einer der rührendsten gewinne meines lebens sein wird. Cl. Brentano (Ponce de Leon, widmung) 7, 6: diese gewinne sind ... unirdischer natur. J. G. Kohl reisen in Irland 1, 203.
3))
aber vor allem auffällig ist er in fällen, in denen das substantiv als nomen actionis aufgefasst werden kann: anfänglich reizte man ihn durch öftere gewinne, die man ihm absichtlich zukommen liesz. J. C. Brandes meine lebensgeschichte 1, 202.
c)
wandlungen am lautkörper.
α)
im auslaut.
1))
der vereinfachung des nasals wirken die erscheinungen des systemzwanges (der ältere gegensatz von gewin, gewinnes wird später ausgeglichen: gewinn) langsam entgegen.
a))
die ersten belege bieten zwar schon vocabularien und älteste wörterbücher: gewinn vocab. incip. teut., ebenso bei Cholinus-Frisius, Frisius, Dasypodius; doch erst nach schwankungen wird gewinn im 17. jahrh. von den wörterbüchern wieder aufgenommen, um für immer durchgeführt zu werden. in der litteratur stellt die vorlutherische bibel einen der ersten belege für den doppelconsonanten, ebenso stellen sich Brant, Geiler, Hutten (vereinzelt Luther), während die bibelübersetzung noch über Luther hinaus an der schreibung gewin festhält.
b))
die alte schreibung erscheint auch beim truchseszen v. Waldbug, ist bei Sebast. Franck häufig, bei Petri ausschlieszlich festgehalten, selbst noch bei Weckherlin, der seinerseits den vocal dehnt (gewihn) und bei Fleming, Tscherning, Logau. unter den wörterbüchern nahm Maaler den einfachen nasal zuerst wieder auf (gewün); ihm folgten Decimator, Kilian, Henisch; der letzte scheint Schönsleder 1647.
c))
in einzelnen mundarten verklingt der nasal (g'wie Frommann glossen zu Grübel 3, 249) oder geht in entsprechenden guttural über (gewing monum. Boica 4, 479), was wol auch aus dem einflusz inlautender formen zu erklären ist.
2))
als gegenstück dazu erscheint die erweiterung durch suffixvocal. in einigen fällen ist fraglich, ob nicht pluralform vorliegt: der bracht nit luzel gewinne den werkmaistern. apostelgesch. 19, 24 Mentel; jedenfalls sind zwei ausgangspunkte möglich: einmal von seiten der wortbildung (vgl. auch: gewin, gewinne. Verwijs-Verdam 2, 1911) und andererseits durch beeinflussung seitens der flectierten formen. die ältesten belege erscheinen in vocabularien: gewine mitteld. vocab. des 15. jahrh. bei Diefenbach 479; ebenso gewinne in einem vocab. gleichen alters und gleicher herkunft bei Diefenbach 338ᵃ; gewinne vocab. theut. Nürnberg 1482; ebenso gewine bei Albrecht v. Eyb spiegel der sitten 104, und bei H. Sachs (3, 67 Goetze und Drescher; reim auf sine für sinne); desgl. Straszb. ordn. v. 1543.
β)
im inlaut.
1))
der nasal ist:
a))
auch hier gelegentlich vereinfacht so in genetivformen des sing. mit und ohne syncope des flexionsvocals: gewines Partonop. 13979; gewins schon cod. Tepl., ebenso Terenzübers., Geiler, Emser, Fickler, Zinkgräf, selbst Grimmelshausen, vgl. auch die nebenform gewins neben gewinst (s. u.); in dativformen in verbindung mit apokope: zu gwin Wiener stadtrecht; das gleiche bei Grimmelshausen, andererseits gewine bei H. Sachs.
2))
der vocal zeigt bei den Schweizern gerundete aussprache: gwünn bei Cholinus-Frisius, ebenso Maaler, (gwün) Züricher bibel und der Schwabe Sebast. Franck.
γ)
das präfix.
1))
den üblichen schwankungen in den glossen (kawin, kewin, kiwin, gawin, giwinnes) folgt früh die synkope des vocals guunne, guinne Notker, Boeth., guin Wiener hdschr. der Genesis 109, 7 Diemer; gwin variante zu Parzival 494, 4, Moritz v. Craun 250, Wiener stadtrecht u. a. (in Iwein 7178 ist gwinne gegen die handschrift eingesetzt). an dieser synkope halten wiederum die Schweizer und Schwaben am längsten fest, vgl. gwünn bei Cholinus-Frisius, Züricher bibel, Sebast. Franck u. a. die wörterbücher lassen hier den vocal früher zur geltung kommen, vgl. gewinn bei Dasypodius, Maaler u. a.
2))
mundartliche unterdrückung des präfixes und nicht ursprüngliche entbehrung wird vorliegen in:
want dir zu lobis winne
diss bûchis ich beginne.
Jeroschin 3ᵃ u. a.
II.
die bedeutungsgruppen mit ihren festen fügungen in der neueren sprache.
1)
gewinn als erfolg oder als preis eines kampfes, eines wettstreits, spiels.
a)
das substantiv mit voller verbalkraft, gewinn: sieg, erfolg.
α)
für den ernstkampf liegen aus späterer zeit nur noch wenig belege vor: fast wol sahe der groszmechtig keiser Carle, das Reinhardt mit grossem gwin und sein des keisers mercklichen schaden in sein schlosz kommen was. Aimon (1535) e 6ᵇ; der sich auff die defension gibt, der hat viel zu verlieren, unnd wenig zu gewinnen. der einen andern in seim landt angreifft, der sucht ihm das hertz, und stehet ihm der gewinn für augen. Schwendi bestellung d. g. kriegswesens (1605) 23; es steht aufs beste für des tags gewinn (for the day). Schlegel übers. v. Shakespeares Heinrich IV. theil 1 (5), 3. dazu vgl.: der gewinn der schlacht. Adelung 2, 662 u. a., das gleiche (the gaining of the battle) Hilpert ii, 1, 464ᵇ. hier münden einige übertragene verwendungen ein, bei denen das substantiv die beziehung auf einen kampf erst secundär entwickelt hat:
so schwankte list um list im gleichgewicht,
bis ungeduld'ge leidenschaft zuletzt
den augenblick entschiedenes gewinns
beschleunigte.
Göthe (nat. tochter 4, 1) 9, 330;
was willst du lange vigiliren,
dich mit der welt herumvexiren,
nur heiterkeit und grader sinn
verschafft dir endlichen gewinn. (sprichwörtlich)
2, 255.
β)
auch für das obsiegen im rechtsstreit, im wettkampf und der wette überhaupt, die das verbum so lebhaft in bewegung setzen, ist das substantiv weit seltener belegt: wie man noch wol leuth findet, die ante victoriam glorirn, jre gegentheil auszumachen, und jnen den gewinn der sachen dermassen einbilden, dasz wenn jhr gegentheil jhnen gut und gelt anbieten thet, und sich mit jnen zu vertragen begeret, sie es doch im allerwenigsten nicht theten. Ayrer hist. proc. (2, 6) 543; ich weis wohl, dasz man in bürgerlichen händeln nicht nöthig hat, seinem widersacher beweise gegen sich an die hand zu geben ... weil sein verlust nothwendig mit des andern gewinne verbunden ist. Lessing (rettung des Cardans) 5³, 322; auf meinen rath hatte er zwei alte verwickelte familienprozesse, deren ende nicht abzusehen war, durch gütlichen vergleich abgethan, und bei diesem vergleich mehr baaren vortheil gehabt, als er selbst vom gewinn der prozesse gehofft hatte. Zschokke die verklärungen (12, die wechsel). wann nun alle singer mit ihren gesang fertig sind, so gehen die mercker zu rath, wie ein jeder bestanden, und wann sich findet, dasz es einige gleich gut gemacht, und keiner mehr silben versungen als der ander, müssen sie umb den preisz gleichen, und weiter sich hören lassen, bis so lange einem vor den andern die ehre des gewinns bleibet. J. C. Wagenseil v. d. meistersinger holdsel. kunst (de civit. Norib. 544. für die sachbedeutung des preises steht hier überraschender weise gewinnung s. d.); ich habe darauf gewettet, und mein und euer glück hängen lediglich von dem gewinn dieser wette ab. C. Müchler was kümmerts mich? (Grätz 1796) s. 10; eben ich wette ja nur auf gewinn. zu verlieren habe ich nichts. Anzengruber heimg'funden (1) s. 4.
γ)
um so zahlreicher sind die belege für den erfolg im spiel.
1))
auch hier kehrt die formelhafte verbindung von gewinn und verlust (s. sp. 5879/80) wieder:
vor usz die pfaffen mit den leigen
soltten jr spiel lon underwegen ...
der Nidthardt ist sunst under jnn
der rögt sich mit verlust und gwinn
und auch das jnn verboten ist
kein spiel zuͦ tuͦn zuͦ aller frist.
Brant narrenschiff (77) 76ᵃ Zarncke;
kein bitterer verlust ist dann wann der spiler die suͤsse des gewins gekostet hat, dann das ist ein suͤsses gifft, das jhme bald durch marck und bein gehen würdt. verdeutschung der zwei trostbücher des Petrarca (1559) 24ᵃ; diesem nach, ist besser, man unterlasse das spielen gar; oder, man spiele üm so geringen wehrt, dasz der verlust, niemand reuen; noch der gewinn, erfreuen könne. S. v. Butschky rosen-thal 183; die reise gleicht einem spiel, es ist immer gewinn und verlust dabei, und meist von der unerwarteten seite, man empfängt mehr oder weniger als man hofft. Göthe an Schiller 14. 10. 1797.
2))
andere belege stellen das substantiv mit dem verbum zusammen oder zeigen die oben besprochenen fügungen, die die verbalkraft am substantiv erhalten:
nach dem warff er den nechsten wuerff herwider,
Sant Niclas sieben augen
und sprach 'du sant Niclas
hast gwuͤnen das.
ich kan dir das nit laugen!'
sties ims gelt in stock an der stras ...
am driten tag warff mit sant Niclas gancze
der lanczknecht umb zwölff krona noch ein schancze,
die gwon der lanczknecht ...
seit her sint pfaffen grome
den lanczknechten und irem gwin.
H. Sachs (der landsknecht mit Sanct Nicolaus) fab. u. schw. 5, 166;
so bald aber die hoffnung desz gewinns blicket, unnd man sich geluͤsten lässet, seines mitspielers geltlein zu gewinnen, laufft es wieder gottes gebott. Harsdörfer lust- und lehrreiche gesch. (52 die glückseligen spieler) 187; unnd viertzig tausent kronen par gewonnen (hat). als nun der könig jhn beschuldigte, dasz er kurtzweil wegen zu spielen angefangen, und gewinns wegen aufhören könne, hat er das gelt alles zum fenster hinausz geworffen. 186;
das glücke gab mir nechst den vortheil über dich,
der vortheil und gewinn war nur verdrusz vor mich.
J. C. Günther (a. d. convers. m. e. frauenz.) ged.² 1053;
aber gesondert im kreis, kaum achtend des mahles und trunkes,
oder des herz-erfreuenden worts, ergaben die einen,
heisz erpicht auf gewinn, sich der würfel trüglicher kurzweil.
Pyrker Tunisias 6, 419;
sie lenkte die würfel zum falschen gewinn
am faden der schwarzkünstelei.
Langbein (Amor u. d. habsucht) 2, 42;
der gewinn der [spiel] partie, the winning of the game. Hilpert ii, 1, 464ᵇ; Adelung führt auch den gewinn des grossen looses auf 2, 662; doch folgt der sprachgebrauch in dieser richtung kaum mehr nach. für das lotteriespiel steht dem substantiv nur noch sachbedeutung zu.
3))
übertragene wendungen:
wie dein bräutigam, als er dich auserkohren,
so mit gewinn verspielt, mit wucher so verlohren.
Joh. Chr. Günther (an eine braut) nachlese 189;
im spiel ist gutes und böses in gottes hand, und wenn wirs wollen, ein spiel zum gewinne. Herder (ält. urk. des menschengeschlechtes 4) 7, 132; ich hab gesehen, die vor hochmuth bersten wollen, wann ihnen das glück zulacht, und mit ihnen zum gewinn gespielt. Heinr. Müller geistl. erquickstunden 64.
b)
der übergang zur sachbedeutung ist nicht immer sicher zu stellen. für das folgende ist nur aus der sprödigkeit gegen den pluralgebrauch auf ein nomen actionis zu schlieszen: es genüge zu berichten, dasz den ersten preis ein schütze jener gattung herausschosz, die wir jetzt kommiszschützen zu nennen lieben, ein mann, der des gewinnes wegen auf alle schützenfeste lief. Fr. Th. Vischer auch einer 202. dagegen darf die lockerung des gefüges fester verbindungen durch attributive bestimmungen als kennzeichen der sachbedeutung gelten:
wer spielt allein durch grossen gwinn
dem gat es seltten nach sim sinn.
Brant narrenschiff (77) 76ᵇ Zarncke;
unde wan mi dit kumpt to sinne,
so spele ick ok na mineme ghewinne.
Reinke de Vos 3916 Prien (so spiele ich auch nach meinem vortheile. Gottsched (2, 7) s. 83 Bieling; so spiel' ich halt auch mein spiel. Göthe).
bei der verbindung mit genetiven läszt sich nur selten aus dem substantiv selbst ersehen, ob subjectiver genetiv vorliegt, der auf sachbedeutung von gewinn weist (der gewinn des siegers, des sieges s. u.), meist giebt erst der zusammenhang die anhaltspuncte: der gewinn dieses prozesses war ein recht magerer, aber der gewinn dieses prozesses ist dem auftreten des gegners zu danken.
α)
der siegespreis in kampf und wettstreit.
1))
die ministri so umb ihre majestät gewesen, nahmen dadurch (durch Ferdinands sieg über die Böhmen) auff, ihre majestät schulden aber wurden soweit, dass hernacher aller gewin den Böhmen wieder zugestanden. Londorp acta publica (1668) 1, 452; also sagt auch Polybius ... dasz der, so in einem kriege den sieg erhalte, einen unsäglichen gewinn thue, als der auf einmahl weib, mann, städte, schätze, ganze landschaften und königreich an sich bringe. Grimmelshausen wieder erstandener Simpl. 3, 11; ähnlich 115; die übergabe der stadt war der gewinn des sieges, la reddition de la ville fut le prix de la victoire. Rondeau 2, Uu 3ᶜ;
am fusz
des Kaukasus raubt' eine wilde horde
von Malandrinen uns die schätze, nur
das nakte leben blieb uns zum gewinn.
wir muszten kämpfen mit des hungers qualen.
Schiller (Turandot 1, 1) 13, 344;
'wer immer dem feindlichen führer sofort
den schädel zerhaut,
der nehme die schöne Maria zur braut!'
dies kündet Abdallah mit frischerem sinn.
die seinen ermutiget hoher gewinn.
Platen (Zobir) 1, 13 Redlich;
vgl. dazu die übertragung: und der dank der liebe war der schönste gewinn des siegers. Herder ideen (20, 22) 4, 290.
2))
auf der einen (bünen) waren die güldenen geschirr und gewin nacheinander auffgesetzt, darbei auff einer tafel beschrieben die artickel, wie es mit dem rennen zum ringlein ... solte gehalten werden. Jac. Schickfus schles. chron. (1625) 3. buch 137 (dazu vgl. sp. 5891 zum pluralgebrauch); palmam alicui praeripere, dem [!] gewins oder kleinot einem abdringen oder ablauffen. Corvinus 559; einen gewinn aufsetzen, proposer un prix. Rondeau 2, Uu 3ᶜ; genau so Schwan 1, 745ᵇ; bei einem pferderennen gewinne aussetzen. Adelung 2, 663; gewinn aussetzen. Campe 2, 364ᵃ; die gewinne ausstellen, to exhibit the prizes. Hilpert 2, 1, 464ᶜ; der den gewinn ausztheilet, brabeutes, athlotheta. Aler 1, 936ᵇ; ebenso Kirsch 2, 151ᵇ; genau so Matthiae 2, 181ᵃ; die gewinne austheilen. Adelung u. a.;
3))
kommt alle, deren fleisz zu guten künsten brennt,
hohlt euch den grünen lohn, der um die schläffe prahlet;
wer vor den ehren-krantz das gold der arbeit zahlet,
ist würdig, dasz man ihn vor meinen sohn erkennt.
das wort (der weisheit) war kaum heraus, so lieffen ihre jünger,
wie wenn es hagel schneit, mit gantzen schaaren hin,
sie streckten hand und arm und suchten den gewinn;
doch wer zu hitzig griff, dem klopffte sie die finger.
Joh. Chr. Günther (zu Joh. Christ. Ernestis doctorwürde);
jeder behagliche mensch erschafft sich alsdann, wie bei einer wette, ein willkürliches interesse, unwesentlichen gewinn und verlust. Göthe (dicht. u. wahrh. 17. buch) 48, 67; geringen talenten genügt nicht die kunst als solche, sie haben während der ausführung immer nur den gewinn vor augen, den sie durch ein fertiges werk zu erreichen hoffen. gespräche (zu Eckermann 28. 2. 1824) 5, 42 Biedermann.
β)
der treffer im spiel oder in der lotterie:
1))
wann ein jeglicher, der mit dem würffel spilet, verlüre, so spilet nimmer keiner, die aber gewinnen, sollen wissen, dasz der gewinn künfftiges schadens und verlusts, nur ein pfandt ist. verdeutschung der trostbücher d. Petrarca (1559) 23; ein Castilianer, namens Geron, war der leichtfertigkeit des spiels sehr ergeben ... dasz er also auff der hohen schule Siquenza ... den gewinn mit karten und würffeln gesucht ... und die bücher den motten überlaszen. Praetorius gazaph. (wünschelruthen) 37; sie liehen auch mäntel, tische und würffel her, und wusten deszwegen ihr gebühr sowol vom gewin einzunehmen, dasz sie gewöhnlich das meiste geld erschnappten, doch faselt es nicht, dan sie verspieltens gemeiniglich wieder. Grimmelshausen Simplicissimus (2, 20) 150 Kögel; den gewinn des spiels davon tragen, emporter le gain du jeu. Rondeau 2, Uu 3ᵃ; mit einem groszen gewinn davon gehen, cum cumulo quaestus decedere. Hederich 1, 1424; mit seinem gewinn fortgehen, to go off with one's winnings. Hilpert ii, 1, 464ᶜ; wie viel beträgt ihr gewinn im spiel? Campe 2, 364ᵃ; ebenso Hilpert 2, 1, 464 (how much did you win); gewinnshalber spielen, jouer pour le gain. Schwan 1, 745ᵇ; dasselbe 1, 746ᵇ; um des gewinnes willen spielen (nicht zutreffend erklärt durch in der absicht zu gewinnen). Adelung 2, 663; ebenso Campe und Heinsius; in Berlin musz man freilich schon so viel knicke in die karte machen, wenn man nur einigermaszen gewinn hoffen und ziehen will. Göthe an Zelter 26. 1. 1829; und er spiele jetzt beinahe an vierzig jahre whist ... damit steckte er ärgerlich den gewinn ein. Georg Hermann Jettchen Gebert⁸ 309. dazu vgl. das compositum: wie nun aller spielgewinn ein unterpfand bald folgenden verlusts ist. Harsdörfer 181;
die habsucht verlachte den jammernden kalt,
und packte den spielgewinn ein.
Langbein (Amor u. d. habsucht) 2, 42, dazu vgl. theil 10, 1, sp. 2398.
2))
Hektor, Priamos sohn, und mit ihm der hohe Odysseus
zeichneten nun zuerst den kampfraum ab. nach diesem
nahmen und schüttelten sie zwei loos' in ehernem helme,
... der grosze, der helmbuschschüttelnde Hektor
schwenkte nun rückwärts schauend, und, hui, sprang Paris gewinn hin.
Bürger (Ilias 3, 325) 210ᵇ Bohtz (in der jambenübers. loos s. 145ᵇ);
heute habe an meine liebe tochter geschrieben und ihr gemeldet dasz das loosz 75 f. gewonnen hat ... auch habe ich sie gebethen ... mich ihre gedancken wiszen zu laszen ob ich das geld ihr übermachen, oder ob sie den gewinn an ein neues loosz wenden ... will. frau rath (an Göthe 3. juni 1808) 2, 183 Köster; beim loosen kann einer den ganzen gewinn ziehen, der andere den ganzen nachtheil tragen. F. L. Jahn (bereicherung d. hd. sprachschatzes) 1, 113 Euler; den groszen oder höchsten gewinn erhalten, to get or carry the great or first prize. Hilpert ii, 1 s. 464ᶜ. dazu vgl. das compos. hauptgewinn theil 4, 2, sp. 614; 'diesen beutel hat sie in der lotterie gewonnen'. 'gewinn soll das sein — das ist blutgeld'. J. L. Huber das lotto s. 20; alles hab ich gewonnen, das ganze vermögen des lotterie-herrn ... geb er mir's heraus! er hat den ganzen gewinn — gestern nachts ist er auf einem wagen in sein haus geführt worden. s. 66; bei der gestern fortgesetzten ziehung der 5. klasse wurden folgende nummern gezogen ... erhielten den gewinn von 240 mark. gewinnliste der 217. preusz. klassenlotterie:
was die seele, was die sinne
hoch begeistert, tief erreget,
deines glücksrads lustgewinne
seien alle ausgeleget.
Cl. Brentano romanzen vom rosenkranz (14, 9) 241 Morris;
du forsche nicht vergebens
nach dieser schöpfung sinn:
zieh' aus dem schmerz des lebens
auch deinen glücksgewinn.
Bodenstedt Mirza Schaffy lieder d. klage 12.
γ)
aus der gewohnheitsmäszigen verwendung in den letztbelegten bedeutungen flieszt dem substantiv auch da, wo es von der beziehung auf spiel und lotterie gelöst ist, leicht die vorstellung eines unverhofften, zufälligen, vom glück zugeworfenen vortheils zu: unversehener gewinn, lucrum abruptum. Calvisius thes. lat. sermonis 699ᵇ; einen unverhofften gewinn überkommen, εὕρημα εὑρίσκειν. Garth-König 429ᵇ; ein unverhofter, unvermuteter, zufälliger gewinn, le casuel, partie casuelle, aubaine. Schwan (1783) 1, 745ᵇ; ungesehener gewinn, ἑρμαῖον. Hederich 1, 1424; da hingegen andere, welche den ehestand als einen wehestand annehmen, hernachmahls alle guten stunden gleichsam als einen unverhofften gewinn erkennen. Chr. Weise erznarren (cap. 33) 160 Braune. dazu vgl. auch die gegensätze in:
wer dieses alles weisz und in den wind schlaͤgt hinn,
und wagt gewisses gut umb maͤszlichen gewinn,
verblendet durch den geitz: der hat den witz verlohren.
Rachel satyr. ged. (kinderzucht) s. 52 Drescher;
kanst du das abgenommene nicht widerkriegen, so nemme nicht fuͤr schaden was wegk ist, sondern hab fuͤr gewin, was noch fuͤr handen ist. Henisch 1601; was mir unverhofft wird zukommen, werd ich fuͤr gewinn halten, deputabo in lucro. Aler 1, 936ᵇ; vgl. auch Matthiae 1, 799ᵇ;
dein erblich Pommern gabst du hin,
den Deutschen frieden zu erwerben;
und nahmst für sicheren gewinn
die hoffnung, dermahleins dein Magdeburg zu erben.
Besser (glückseligkeit der Brandenburg. unterthanen) 3;
wenn nun also die vollendete waare, entweder gegen geld, gegen andre waaren oder gegen arbeit vertauscht wird; so musz in dem verkaufspreise über das, was zur bezahlung des rohen materials und des arbeitslohns nöthig ist, noch etwas für den gewinn des unternehmers, der sein kapital bei dieser sache gewagt hat, gerechnet werden (something must be given for the profits of the undertaker). Garve übers. v. Adam Smiths nationalreichthum (1, 6) 1, 86.
2)
der erwerb aus arbeit und mühe ist auch im neueren sprachgebrauch anfänglich fast mit beschränkung auf geldinteressen und eigentlichen geschäftsverkehr erfaszt. mehr und mehr aber erweitert sich der rahmentheilweise unter dem einflusz von wendungen, die aus anderem zusammenhange hier einmünden.
a)
in dem erweiterten rahmen, der die landwirthschaft und die nutzung von grund und boden überhaupt umfaszt, hat das substantiv seine verbalkraft ganz eingebüszt, gewinn kennzeichnet durchaus hier den ertrag, nicht aber den act der gewinnung.
α)
zahlreich sind hier die wendungen, die von der vorstellung der beute aus zu der des ertrages überführen:
(gans.) ich hab ein essen guter visch,
die stehn dortheim auff meinem tisch,
die wil ich geben dir zuuorn ...
da sprach der reiher: 'nim jn hin:
an vischen hab ich bessern gwin.'
Burkhard Waldis Esopus (4, 54) 2, 129 Kurz;
wie wann der löwe bruͦllet,
der waͤlder furcht und macht, das Lybien erschuͤllet,
so laufft der kleine stier zu seiner mutter hin
doch reist der loͤw hinzu und nimmt jhr den gewin.
Tscherning d. ged. früling 15;
der raben mutter sucht am galgen ihr gewinn,
und trägt das blutig aasz den kalen jungen hinn.
Rachel satyr. ged. (4, 79) 43 Drescher;
ich war mit Isegrim glücklich
einst ein schwein zu erjagen, es schrie, wir bissen es nieder.
und ihr kamt und klagtet so sehr und sagtet: es käme
eure frau noch hinter euch drein, und theilte nur jemand
wenige speise mit euch, so wär' euch beiden geholfen.
gebet von eurem gewinne was ab! so sagtet ihr damals.
Göthe (Reineke Fuchs 10) 40, 182 (van iuweme ghewinne. Reinke de Vos 5419 Prien; ebenso Gottsched 3, 135);
und vom gewinne jeder
jagd bewahr' ich dir getreu die hälfte.
Platen (Abassiden 4) 2, 486 Redlich;
und was er für wild gehalten,
für frohen jagdgewinn,
es war sein kind, sein eigen blut.
Grillparzer (Argonauten 1) 4⁴, 41.
β)
auch für den ertrag, der dem boden durch den anbau des getreides und der nutzpflanzen abgerungen wird, ist gewinn nicht aus der parallele mit labor, sondern aus der verallgemeinerung und übertragung der begriffe usus, fructus erwachsen (sp. 5864 ff.): darum steigert sich die sinnlichkeit und anschaulichkeit hier mit den späteren belegen:
1))
gewinn aus dem getraide, lucrum frumentarium. Hederich 1, 1423; gewinn vom getraide, quaestus frumentarius. ebenda; das gut hat einen ansehnlichen heugewinn, in der landwirthschaft, es kann jährlich viel heu einernten. Adelung 2, 662; noch bestand der boden aus schwarzem moor, das ein überaus fetter graswuchs bedeckte, welcher einen reichen gewinn des besten und saftigsten heues in die gräfliche zehntscheuer lieferte. O. Müller die mediatisierten;
doch wird ein wagen schon gefüllt.
dasz das gespann umsonst nicht brüllt,
ziehn von dem duftigen gewinn
die stiere ihren abtrag hin.
R. Mayer (ländliches) ged.² 319;
der ackerbau, spreche ich, ist gar ein natürlicher weg zu dem reichthum. wann reiche leute sich auff den ackerbau und bauren-gewinn ergeben, pflegen sie unzehlbaren reichthumb zusammen zu haͦuffen. Schuppius schriften 617 (kunst reich zu werden), vgl. auch sommergewinn theil 10, sp. 1530;
suchst du der wolle gewinn; zuerst sei stachlichte waldung,
kletten und dorngesträuch, dir entfernt.
Voss Virgils ländl. ged. (Georg. 3, 384) 4 (1800), 495;
sorget für das feld und sieht,
wie nun ihr der weinberg blüht.
gürtet sich zu mehr gewinn,
stärket neu sich arm und sinn,
denn sie schmecket, wie so süsz
sei ihr segen und geniesz.
Herder (lieder der liebe 1778) 8, s. 557 Suphan;
disz schneid den wein, das schneid den gewinn, das truckt der taschen das hirn ausz, was soll mirs gelt inn der taͦschen, mir thut viel basz das gurgelwaͤschen, schenckt ein unnd lebt wol, wir woͤllen werden voll. Fischart Gargantua (8) 135 neudr.; nun von dem abhängigen, durch klima, berghöhe, feuchtigkeit auf das mannigfaltigste bedingten pflanzenreich einige worte. auch hierin habe ich keine sonderliche veränderung, doch gewinn gefunden. äpfel und birnen hängen schon häufig vor Inspruck in dem thale, pfirschen und trauben hingegen bringen sie aus Welschland. Göthe (ital. reise 1) 27, 22; mit verwunderung sahen wir diese beiden ernsthaften männer, mit scharfen taschenmessern, vor einer solchen distelgruppe stehen und die obersten theile dieser emporstrebenden gewächse niederhauen; sie faszten alsdann diesen stachlichen gewinn mit spitzen fingern, schälten den stengel und verzehrten das innere desselben mit wohlgefallen. Sicilien. 28, 183;
da ich die biene bin,
wie sollt' ich den gewinn
der düfte dort nicht holen
bei nelken und violen!
Friedr. Rückert (liebesfrühl. 1, 37) 1, 385.
2))
den zusammenhang mit dem engeren aus dem geschäftsverkehr gewonnenen begriffe kennzeichnen auch solche belege, in denen gewinn nicht den ertrag selbst, sondern den aus ihm zu lösenden geldbetrag kennzeichnet: und bat den vater noch desselben abends, dasz er mir ein gewisses stücklein lands abtrete ... aber er ... fragte nur, was ich damit anfangen wolle? 'ha! sagt' ich, es in ehren legen, mattland daraus machen und den gewinn beiseiten thun.' Bräker der arme mann im Tockenburg (2) 41 Bülow; von einem eintzigen schäflein, wann es einen guten schäfer bekommen hat, kanst du soviel gewinn jährlich erwarten, als wann du zwantzig gülden dem wucherer auszgelegt hättest. Schuppius schriften 618 (kunst reich zu werden); so schrumpfte der ganze geträumte gewinn aus dem obst zusammen auf einige batzen. Jeremias Gotthelf (der bauern spiegel 3) 1, 40 Vetter.
γ)
auch der bedeutungsverengerung innerhalb der berufssprache des bergwerks (s. sp. 5881) wirkt in diesem zusammenhang ein weiterer begriff des ertrags entgegen: gewin von kolwerck, oder kolbrennen, quaestus carbonarius. Henisch 1600; der gewinn an erz, an metall, an kohlen ... was man an erz, an metall, an kohlen erhält, oder durch arbeit zuwege bringt. Adelung 2, 662; Campe 2, 364ᵃ; [in mining] der gewinn an kupfer, silber etc., the produce of a mine in copper, silver etc. Hilpert ii, 1 s. 464ᶜ;
ik ghinck to werke unde opende dat ghat
mit minen voeten unde krop dar in.
dar vant ik groten ghewin,
fines suluers vele unde rot golt.
Reinke de Vos 2276 Prien (da fand ich nun sehr groszen reichthum. Gottsched 1, 25; da fand ich köstliche sachen. Göthe 5);
herzoge soll ich euch begrüszen,
gebietet Sparta's königin,
nun legt ihr berg und thal zu füszen,
und euer sei des reichs gewinn.
Göthe (Faust II, 3) 41, 222;
δ)
solchem umfassenden begriffe des ertrags streben auch andere wendungen zu, die auf der verallgemeinerung des begriffes geldvortheil beruhen:
ist einer heute gutes muths,
ergötzt und freut sich seines guts:
eh ers vermeint, fährt sein gewinn
zusamt dem guten muthe hin.
Paul Gerhardt ich hab oft bei mir selbst gedacht (Fischer und Tümpel 3, 370);
doch will er uff iij oder iiij stifften canonicus sein, nit von arbeit wegen, sunder umb zeitlichen gwin. Eberlin v. Günzburg (4. bundsgenosz) 1, 41 Enders; seind doch geittig, wollustig, auff zeitlichen gwin und gütter diser welt geneigt. S. Frank chronica 2, 119ᵇ; dann nit lesen sie in meinung etwas drausz zu lernen, oder den weg der göttlichen gebotten zu ergreiffen, sonder von des zeitlichen gewinns wegen. Aegidius Albertinus landtstörtzer Gusman (2. th.) 647; dieses ambt ist ein weg voller strupffen, in denen sich die seel wegen des keders eines zeitlichen gewinns leicht verlauffet, dasz sie nicht mehr heraus kan: lieber alles einkommen, allen gewinn fahren lassen, als deswegen ewig verderben. Abraham a Santa Clara etwas für alle (der gewichtmacher) 2, 277; die sich Christo allein ergeben, allen gewinn der welt in lufft schlagen. J. B. Fickler ... von verbotenen büchern 1, 66ᵇ; das gleiche Rachel satyr. ged. 112 neudr.;
diese perle, unvergleichbar
jedem irdischen gewinn.
Gerok palmblätter (abendmahl) 156.
b)
die engere richtung auf den geschäftsverkehr (gewinn, erwerb oder geldvortheil) hält zähe an den gebrauchsformen fest, die sie schon in der älteren sprache zeigt:
α)
reich belegt ist noch immer die ungeschwächte verbalkraft: gewinn = erwerb.
1))
das substantiv in der verbindung mit synonymen, die ein nomen actionis kennzeichnen: hand wol ermessen, dasz, wo einer sinen fründ oder nachburen sähe bald und unversehenlich on besunderen gwünn und gwerb rich worden sin. Zwingli (vermahnung an die eidgenossen) 2, 2, 315 Schuler u. Schulthesz; vgl.: quaestuosus, gewerbhaftig, voll gewinn. König 966ᵇ; ähnlich Matthiae 1, 1105ᵇ; massen die buchführer ... sich nicht allein untereinander wie brüder lieben, und ein jeder dem andern seine nahrung und ehrlichen gewinn von hertzen gern gönnet. Grimmelshausen wieder erstandener Simplicissimus (3, 3: verkehrte welt 10) 3, 235;
des menschen haupt, mund, hand, reich an witz, reden, macht,
mag tag und nacht
durch kunst, lehr und gewin, sein lob, ehr, gut vermehren.
Georg Rud. Weckherlin (ps. 19, 12) ged. 2, 56 Fischer;
weil handlung und gewinn blosz in den friedens-jahren
den wucher, der sie zieht, mit gröszrer lust erfahren.
Joh. Chr. Günther ged.² 789;
deszgleichen haben auch alle künste in Karthago geblühet, die irgend dem handel, dem schiffbau, dem seekriege, dem gewinn dienten, obgleich Karthago selbst im seekriege gar bald von den Römern übertroffen wurde. Herder ideen (12, 4) 3, 108.
nur dasz ihr eifer, irrend, wie so oft,
sich gegen jene andersgläub'gen wendet,
die handel und gewinn im land zerstreut;
schon ward ein Jude hier und da miszhandelt.
Grillparzer (Jüdin v. Toledo 1) 9⁵, 145; ebenso (Ottokar 3) 6⁵, 95;
eine so ergiebige quelle von einflusz und gewinn. Wieland (Agathodämon) 32, 197; durch gewinn und neugier. Herder (vom geist der ebr. poesie) 12, 150; dasz sie die ehrensache des vaterlandes ... zum gegenstande des gewinnes und der berechnung gemacht haben. G. Keller (fähnlein d. 7 aufrechten) 6, 275;
2))
das isolierte substantiv:
(Ruth.) laszt mich von euch aufs feld hingahn
und ehrn auflesen, dem mann nach
für dem ich gnad find allgemach,
(Naemi.) geh hin mein tochter, so geh hin,
in meinem volck ist guotter gewin,
die frembdling werden wol bedacht.
Nicodemus Frischlin (Ruth 2, 2) deutsche dicht. 100 Strausz;
er kam zurück und forderte
die zehn bestellten knechte,
damit er nunmehr den gewinn
von iedem wissen möchte.
Joh. Chr. Günther (am feste des h. Ludovici) ged.² 32;
die confirmation, fasten, der priester weihe, der tempel und glocken teüffen, werden allein ausz begirde des gewinns, dem bapst und bischoff vorbehalten. S. Frank chronica 2. 157ᵇ; aber bald hernach, wie man den gulden pfenning (als er auch der mainung ist) erfunden hat, ist die menschen ein solche begird des gewinns ankommen, das sie sich inn alle gefärligkeit, oder (also zuͦreden) gewagt spil, ergeben haben, nun das sie vil kauffmanns wahre füretend. Tat. Alpinus übers. des Polyd. Verg. (3, 16) 78ᵃ; als die frag vorfiele, weil fast alles dem menschen mit der zeit erleide, welches dings er dann nimmer muͤd wuͤrde? antwortet er: lucri: des gewins. Zinkgräf deutsche apophthegm. 1, 252; vgl. G. Wesenigk böse spielsieben 127; so wenig werth hat sie (die Karthagische republik) für die geschichte der menschheit, da in ihr wenige familien der stadt, barbarische, reiche kaufleute, durch miethvölker um das monopolium ihres gewinns stritten und sich die beherrschung aller länder anmaaszten, die diesem gewinn dienen konnten. Herder ideen (12, 4) 3, 107.
3))
dem substantiv sind genetive oder ähnliche bestimmungen untergeordnet:
dasz ich auch ewre lehr und ehr nicht gab dahin,
für einiger geilheit, golds oder gelts gewihn,
so weisz ich dasz ir mich in allem gern gewehret.
Georg Rud. Weckherlin (auf Amalia Elisabeth v. Hessen) ged. 2, 312 Fischer;
der trunk hatte, schien es, sein gedächtnisz gestärkt, das ihm anfangs versagte, als es sich um den gewinn von zwei ducati handelte. Karl Gutzkow der zauberer von Rom (8, 9) 9, 288; aber um unbeschäftigte hände, selbst ohne geldgewinn, nützlich zu beschäftigen, dazu ist gewisz die aneignung der naturfonds die nützlichste beschäftigungsweise. selbst bei geldverlust bildet sich hier oftmals ein gütergewinn dadurch, dasz hier der mensch sich ein gut aneignet, das er ausserdem hätte entbchren müssen. Lotz handb. der staatswirthschaftslehre 1, 206;
aus der vögel hohen flügen
soll ich prophezeiung lügen
um verhaszten goldgewinn.
Herm. Lingg (die priesterin der Isis in Rom) ged. 1⁵, 24.
4))
bei den präpositionalverbindungen, die an sich die verbalkraft des substantivs zäher festhalten, zeigen sich doch überall die übergänge zum collectivbegriff und zur sachbedeutung. wo es anging, wurden die gruppen gesondert; in zweifelhaften fällen und manchmal auch aus gründen eines anderen zusammenhanges wurde darauf verzicht geleistet.
a))
die verbindungen in gewinn, mit gewinn, ohne gewinn.
α))
die erste verbindung wahrt die verbalkraft: wo er (der handel) aber am höchsten steht, musz der bürger in seinem gewinn am mäszigsten sein; indem, wenn alle genug haben wollen, niemand weder zu viel noch zu wenig haben kann. Hamann (beilage zu Dangeuil) 1, 17 Roth.
β))
bei mit gewinn ist die entscheidung strittig: auf das nomen actionis deuten:
sunst so wir tütsch büchlin schreiben,
die trucker das mit gewin vertreiben
und füllen ire seckel damit,
Murner vom groszen Luth. narren v. 1270 Kurz;
erhandle nicht leicht eine wahr, sie seie dann entweder schandwolfeil oder du wissest sie wieder eigentlich in baͤlde mit gewinn an mann zubringen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplicissimus (3, 2: rathstübel Plutonis 2) 3, 127;
und gärten oder schöne häuser mit gewinn
zu kaufen war mir keiner gleich.
Wieland Horazens satiren 2, 78 (hortos egregiasque domos mercarier unus cum lucro noram 2, 3, 25);
so ist er auch denn wie die andern alle:
ein sklav des nutzens; nur der neigung herr,
um etwa mit gewinn sie zu verhandeln.
Grillparzer (Libussa 2) 7⁴, 162.
dasz ein handel ... d. h. ein regelmäsziger, beruflich organisierter wareneinkauf zum zwecke des wiederverkaufs mit gewinn sich bei den naturvölkern nirgends nachweisen läszt. K. Bücher entstehung der volkswirtschaft⁵ 60. die sachbedeutung ist durch das verbum oder durch ein attribut nahe gelegt: foeneratum beneficium, ein guͦtthaͤt mit nutz und wuͦcher oder gwün widergolten. Cholinus-Frisius (1541) 377ᵃ; anders Frisius (1556) 575ᵃ; lucrifacio .. ich uberkomme mit gewinn. Dasypodius S 8ᶜ; ebenso Serranus o 3ᵇ; wann sie der waar mit dem geringsten gewinn koͤnten abkommen. Zinkgräf deutsche apophthegm. 3, 315, ebenso (mit dreifachem gewinn verkaufen) 1, 43 u. 1, 47.
γ))
bei on gewinn schlägt das nomen actionis vor:
und so der bock ein gärtner wirt,
die jungen baum er selten ziert:
also wer weib und pferd leicht hin,
ist auch ein kauffmann on gewin.
Schwarzenberg vom zutrinken s. 34 neudr.
der laufft pald zu dem peckhen hin
der gibt im on sondern gewin.
das prot recht gwegen in dem kauff
wie doch der traid hat seinen lauff.
Georg Rösch v. Geroldshausen tiroler landreim (1558) 371 Fischnaler;
gratuitò, guͦts willens, on gwün, umb sunst. Frisius dict. (1556) 611ᵇ (guͦts willens, selbs willigklich, vergaͦben, on lon. Cholinus-Frisius (1541) 396ᵇ); umsonst, ohne gewinn. König (1668) 505ᵇ; eine waare one gewinn verkaufen. Adelung 2, 662.
b))
vom gewinn.
α))
nomen actionis: de erste van den dren ist borgerie unde koplude unde alle de sik erneren mit ummeslach unde leuen van deme ghewinne. Reinke de Vos s. 4 Prien. das gleiche bei Brandes (jüngere glosse) s. 5; vom gewin leven, de lucro vivere. Henisch 1600; ebenso Steinbach, Hederich; die handwercker seind zum theil verächtlich, und zum theil von schlechtem gewinn. Grimmelshausen wieder erstandener Simpl. (3, 1 satyr. pilgram 1, 4) 3, 17; vgl. auch unten (attribute).
β))
collectivbegriff zehr sparlich vom gewinn. Petri u. a., s. sp. 5890; auch die lockerung des gefüges in der eben belegten formel kennzeichnet den übergang: von seinem gewinn leben, to live by ones winnings. Hilpert 2, 1, 464ᶜ.
c))
vor dem (für den) gewinn: vor dem gewinne weder ruhen noch schlafen koͤnnen, lucrum prœsupponere sopori et quieti. Steinbach 2, 1029; ebenso Hederich 1, 1423;
was aber solt ich dir zum angebinde kauffen,
da ich ein Petrus bin, dem gold und silber fehlt?
wer von salat und obst die finger müde zehlt,
der kan vor den gewinn gar leicht zum koche lauffen;
die kräuter bringen mir nicht einen heller ein.
Joh. Chr. Günther (nahmens-wunsch eines sohnes an seine mutter) ged.² 1058.
d))
zu gewinn.
α))
nomen actionis: darvon her bei den Cipriern, der brauch auffkommen was ... das si die junckfrawen, vor auffgesetzter hochzeit, hinausz an das meeres gestatt schicktend, zu gewinn, auff das si ain heirat guͦt uberkaͤmend (in quaestum). Tat. Alpinus verdeutsch. d. Polydor. Verg. 79ᵃ; aber einer der reich gedenckt zuͦ werden, leszt sich nit an einem wenigen genuͤgen, sondern suchet und trachtet auff alle hendel, unnd wo ein solcher alle hendel, ia alle creaturen zuͦ sich bringen, und zum gewinn gebrauchen moͤchte, so thet ers gern. Joh. Agricola sprichw. 185ᵇ; gleich wie aber geitz, und die begierde zu dem gewinn, bei den schiffleuthen allzu grosz ist. Fr. Caccia lebensthat d. heil. Antonius 236;
wie? wer nach golde geizt, obgleich kein gold beglücket,
braucht alle stunden zum gewinn,
und läuft nach wucher hin,
wann kaum der junge tag aus weissen wolken blicket.
Uz (die wissenschaft zu leben) 93 Sauer;
quœstui servio, zum gewinn helfen, εἰμὶ πρὸς τῷ λήμματι. Garth-König 620ᵃ;
mein vater scharrte thaten nur,
nicht louisd'or zusammen;
sein weib war mild wie die natur,
und rasch wie feuerflammen
zum geben, langsam zum gewinn:
wohl mir, dasz ich nicht reicher bin;
Goeckingk lieder zweier liebenden² 42.
β))
collectivbegriff und sachbedeutung: so hat er auch zuͦ gewinne was er es neher kouft. Straszburger ordnung von 1453 Brucker 545; so soll er an ainem pfund nehmen ein pfenning zu gewin. und soll geben des scheffen kesz ein pfund für 8 [[undefined:curundefined5wb]] ... so sollen sie einen pfennig an einer metzen zu gewinn nehmen. marktordnung v. Wertheim (16. jahrh.) 41 Schroeder;
den riemen zieh, den sackel aufschnürt,
neunzehen doublonen für die hosen muszt du lohnen,
dem schmiedeknecht eine zechin,
für stiefel und sporn acht scheffel gut korn,
der magd eine juppe zu gewinn.
die schmiede (des knaben wunderhorn 1, 451);
vorsichtig häuft er korn auf ferne theurung hin,
und allgemeine noth macht er sich zum gewinn.
Haller (der mann nach der welt 122) 107 Hirzel.
e))
nach gewinn führt unmerklich zur sachbedeutung über:
zuͦ dem marckt lutzel jemandt gat,
dem sein sinne nach gewinne stat.
Agricola sprichw. s. 349 (aus Freidank);
do er sie auch uszsendt zuͦ predigen, sprach er nit 'ziecht hin, suͦchent reichtumb, erwerbent guͦt, stellent nach gewinn.' Neu - Karsthans s. Hutten 4, 654 Böcking; dann die Italianer sicht man zuͦ allen zeiten haͤssig, karg und geitzig sein, vil begeren, nach gewinn stellen, betriegen, glauben brechen. (quaerere) Hutten 4, 287 (die anschauenden);
Grimbart sprack: id is eine ere.
ein islick mach sick vrouwen sere,
de kinder heft na sineme sinne,
de sus mede sint na ghewinne.
Reinke de Vos 3360 Prien (die bald nach dem erwerbe streben. Gottsched (2, 5) s. 78 Bieling; und die zum gewerbe bald sich gewöhnen. Göthe (7));
hir mit ghinck he wech na sinem ghewin.
Reinke de Vos 1113 Prien (und damit gieng er seine strasze. Gottsched 1, 13 s. 24 Bieling; und eilte nach seinem gewerbe. Göthe (3)). ganz ähnlich 2271;
lucri turpis cupidus, der unehrlichem gewinn nachgehet. Garth - König 430ᵃ, lucri studiosum esse, nach gewinn streben. 429ᵇ;
hier sprechen edle männer, nach gesetzen,
und krieger lauschen auf gemess'nes wort.
hier flehen heilig einsame zum himmel;
beschäftigt strebt die menge nach gewinn.
Göthe (nat. tochter 5, 6) 9, 370;
ein kaufmann bin ich auch — ich selbst bin meine waare;
doch schenk' ich nicht davon, ich trachte nach gewinn.
wer herz um herzen tauscht, dem folg' ich bis zur bahre:
du hast den preis bezahlt, — so nimm mich hin.
Grillparzer (für einen jungen kaufmann) 3⁵, 49.
f))
auf, für gewinn.
α))
nomen actionis: soll dann ain ieder seins gefallens auf gewin reuten, so volget entlichen darausz, dasz ieder reuter und fueszknecht darvon lauft, stehet das hör ler und das geschütz blosz ... das zu verhieten, were sein rat, niemant auf gewin ziehen zue lassen. schreiber des truchsessen G. v. Waldburg s. Baumann s. 545; der geitzige befleissiget sich mehr auff gewin, denn auff ehr. Henisch 1601 (vgl. dazu: sich des gewinnes befleissigen, quaestui inservire. Steinbach 2, 1029); servire quaestui, alles auff gewin richten. Schönsleder V 5ᵇ; ebenso Dentzler 640ᵇ; die wort im psalter geschriben 'den weg der warheit hab ich erkoren.' ... kan aber keiner warlich sagen der weltliche guͤtter begert, oder haͤndel uff gewinne treibt. Neu Karsthans, s. Hutten 4, 656 Böcking;
es wimmelte der berg von hundert tausend füssen,
die krämer wolten sich der messe nicht entziehn,
um, weil Mercurius den jahr-marckt ausgeschrien,
auf künfftigen gewinn die buden aufzuschliessen.
Joh. Chr. Günther (zu Joh. Christ. Ernestis doctorwürde) ged. s. 508.
auffallend ist in solcher verwendung die präp. für, die meist nur bei übertragungen üblich ist (doch vgl. sp. 5901): alle seine (des kaufmanns) kräfte sind nur für gewinn wie beim schacherjuden, und sonst für nichts. F. L. Jahn (deutsches volkstum) 1, 187 Euler.
β))
sachbedeutung ist dem engeren begriff des zinsertrages eigen, der gerne an dieser formel haftet:
nach dem der arm stetigs nachsan,
wie er das gelt möcht legen an,
das er nicht drumb kom und darfon,
sünder auf gwin
mocht leihen hin.
es hin und her pewag.
H. Sachs (der reiche mit dem armen schuhflicker) fab. u. schw. 5, 360 Goetze u. Drescher;
gibt auff wuͦcher und gwün hin. Cholinus-Frisius 377ᵃ; (zur verbindung wucher und gewinn s. sp. 5905/6) foenere ... wuͦchern, wuͦcher treiben, auff wuͦcher geben, auff wuͦcher und gwün auszlihen. Frisius dict. (1556) 575ᵃ; foenero, ich gib mit wucher, ich leihe auff gewinn. Dasypodius N 2ᶜ; wuͦchern, mit oder auff wuͦcher hingeben, auff gewinn leihen. Serranus 17ᵃ; wie werden die juͤngere kauffleute die kauffmannschaft uͤben, wie werden die handwercksleute und eure bauren biszweilen ihre sachen fortbringen, wann sie nicht auff gewinn geld auffnehmen. Schuppius schriften 608 (kunst reich zu werden).
γ))
auch die lockerung der fügung durch den zutritt von pronominibus und attributen, die als merkmal der sachbedeutung anzusprechen ist, läszt sich hier viel belegen: wir verkauffen tauff, absolution, begrebtnüsz, heirath. kurtz, alle unser handlung ist gericht uff boͤsen gewinn. Eberlin v. Günzburg (sieben ... pfaffen klagen) 2, 66 Enders; klug auf seinen gewinn sein, ad suum quœstum callere et ratum eluere (esse), callidum esse. Hederich 1, 1424; da that der Jude einen lauten schrei, nahm das geld und sagte: 'au weih, ich hab's gewonnen!' an diesen Juden soll jeder denken, wenn er versucht wird, mehr auf einen gewinn zu wagen, als derselbe wert ist. Hebel (schatzkästlein 42: schlechter gewinn) 2, 84 Behaghel; hier mündet in neuerer umformung auch die alte verbindung gewinn und verlust (sp. 5879 f.) ein: auf gemeinschaftlichen gewinn und verlust, so dasz so wohl der gewinn, als auch der verlust unter alle theilnehmer gleich vertheilet werden. Adelung 2, 662; ganz ähnlich Campe 2, 364ᵃ.
g))
mannigfaltig sind hier die präpositionalverbindungen, die von der vorstellung des ziels und zwecks zu einem causalverhältnis weiter führen: um gewinn, um gewinns willen, gewinnes wegen, halber, gewinnes fleisz (anders: wurden wir ... um den sechsten gewinn verkauft. Grimmelshausen Simpl. s. 514 Kögel):
der unschuld um gewinn ein laster an zu luͤgen,
und durch gedungnes lob die nachwelt zu betrügen.
Joh. Chr. Günther (auf die Gettwert- u. Hornigische hochzeit) ged. 464;
auff oder umb den gewin, quaestus lucri causa. Schönsleder V 5ᵇ (unter gewinn); vocem venalem habete, umb den gewin schwetzen. ebenda: um den gewinn schwetzen, vocem venalem habere. Aler 1, 937ᵃ; vgl.: lingua est in quœstu, er redt umm gewinns willen. Dentzler 640ᵇ; ob du umb gewinsz willen bist meineidig worddn. Geiler v. Keisersberg (dreieckecht spiegel) siben tractat Ee 4ᵃ; sie (die ärzte) verbieten im (dem kaufmann) die (föllerei) wol, aber sie übersehen jm doch ettwas, unnd lassens hingehen. dann wan er nit also lebt, müsten sie hunger leiden. und leichtlich sehen sie im durch die finger, umb gewinnes willen. Hutten (febris secunda) 4, 136; ebenso 4, 130; captare aliquem emolumento aliquo, einen umb etwas nutzes willen an sich ziehen, oder umb etwas gwüns willen eim augendienen. Frisius dict. (1556) 187ᵃ (eim augendienen, und sein gunst suͦchen auff etwas nutzes. Cholinus-Frisius 138ᵃ); umb gwüns willen ander leuten übel reden. 108ᵃ; genau so Maaler 201ᵈ, vgl. auch 180ᵃ (umb gewünns willen eerenleuten schandtlich und lasterlich zuͦreden); die kauffleute handlen nicht ausz geitz, oder um gewins willen. Grimmelshausen Simpl. 426 neudr.; man leihe und borge einander aus christlicher liebe und gar nicht um gewinns willen. wieder erstand. Simpl. (3, 5 verkehrte welt 11) 3, 239; facere aliquid sui quœstus aut commodi causa, etwas umb seines gewins oder nutzs willen thun. Faber 668ᵃ; um gewinns willen sich auf boͤse dinge legen, quœstus gratia animum ad malas artes adducere. Steinbach 2, 1029; ebenso Hederich 1, 1424; um gewinnes willen, par interêt. Schwan 1, 745ᵇ; um des gewinnes willen, for the sake of interest, gain or lucre. Hilpert ii, 1 s. 464ᵇ; nicht gebewe, ... nicht gelt ... nicht kauffmannschafft, nicht das gantze meer, von gewinnes wegen umbgeschiffet, auch zuletzt nicht die grosse anzal der burger ... sonder allein ... tugent ziert unnd adelt. verdeutschung der trostbücher des Petrarca 114; ars quaestuaria, ein kunst von gewinn wegen erdacht. Dasypodius Ee 7ᵈ; compendii sui causa, von seines gewins wegen. Schönsleder V 5ᵇ; ebenso Aler 1, 937ᵃ; das vollsauffen und alle unzucht wegen desz gewinns gestatten. Aegidius Albertinus landtstörtzer Gusman (48) 423; sie ist allein nit des gewins halb frölich. aber auch deshalb das die gab von dir kumpt. darumb hat sie dich liber dann die gab. Straszburger übers. d. Terenz (Eunuch 6. scene) 48ᵃ; gewinns halber thut man viel, multi id faciunt, ut lucri plurimum faciant. Calvisius 700ᵃ; lucri causa aliquid facere, etwas gewinns halber thun, ποιεῖν τι ἐπὶ τῷ κέρδει. Garth - König 429ᵇ; etwas seines gewinnes halben thun, facere aliquid sui quœstus et commodi causa. Steinbach 2, 1029; ebenso Hederich 1, 1424; alles nur gewinns halber thun, omnia metiri emolumentis et commodis. Steinbach 2, 1029; ebenso Hederich 1, 1424; gewinnshalber, for proffit's sake. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773.
drumb, do ichs vor gelassen hab,
uff setzen sie uns vastenspeisz,
das thuͦnd sie nuͦr gewinnes fleisz.
Hutten (clag und vormanung 599) 3, 459 Böcking.
β)
wo die sachbedeutung in der engeren richtung auf den geschäftsverkehr sicher gestellt ist, lassen sich andererseits bedeutungsabstufungen sondern. dem allgemeinen umfassenden begriff geldvortheil, geschäftsvortheil stehen engere fassungen gegenüber, unter denen die parallele gewinn, zins schon oben mehrfach gestreift ist. daneben musz auch dem begriffe des überschusses beachtung geschenkt werden, der im rahmen der kaufmännischen sprache sich weiter verengt:
1))
der weitere begriff: gewinn, was ein geschäftsmann erwirbt:
a))
du hantwercksman muͤsst mit mir dran!
drumb lass all din werchzüg stan,
damit du ernert hast wib und kind,
din gwin verschwindt glich wie der wind!
Nicolaus Manuel (todtentanz 19) 15 Bächtold;
kein gut, kein kauffmanns-schiff erwirbt so viel gewinn,
als dir ietzt der besitz der schönen Dietrichin.
Joh. Chr. Günther (auf die Dietrich-Ropperische heimführung) ged.² 786;
steht nun verliebter geitz den reinen seelen an,
so wuchre nacht und tag mit spielen, schertz und küssen;
dein kind wird den gewinn in ein gewölbe schliessen,
worein kein loser dieb zum raube steigen kan.
537;
der gewinn, der mir aus so mancherlei handthierungen zugieng, that mir so sanfft, dasz ich dessen je länger je mehr begehrte. Grimmelshausen Simpl. schriften (Courage cap. 18) 3, 261 Keller;
niemals tadl' ich den mann, der immer, thätig und rastlos
umgetrieben, das meer und alle straszen der erde
kühn und emsig befährt und sich des gewinnes erfreuet,
welcher sich reichlich um ihn und um die seinen herum häuft.
Göthe (Herm. u. Doroth.: Polyhymnia) 40, 278;
da brach mit sturmes schnelle
hervor dein starker sinn,
nun maasz mit and'rer elle
der kaufmann den gewinn.
nun lieben die studenten
erst recht die wissenschaft,
und alle herzen brennten
in einer gluth und kraft.
Max v. Schenkendorf (die deutsch. städte) 257;
es ist ein engelländisch handelsschiff,
den neuen weg hat es zu uns gefunden,
was doch der mensch nicht wagt für den gewinn!
Schiller (Demetrius 2, 1) 15, 2 s. 488;
weil aber die welt das nützliche zur höchsten instanz macht, so wähle ich einen gegenstand, den die welt auch für nützlich hält. meiner kraft ist es eins, oder soll es eins sein, — also entscheidet der gewinn. Schiller briefe 2, 7;
b))
erweitert und verallgemeinert wird so das substantiv überhaupt für geld und geldeswert gebraucht, vgl. auch sp. 5898: der klager sol nit liegen, betriegen ... den richter nicht kauffen ... wann alsz denn ist der gewine im peutel, unnd der schade mit der seel. Albrecht v. Eyb spiegel der sitten (1511) 104;
wär' auch am ende nichts darin,
(denkt er) trag' ich's zum gieszer hin,
so wird mir doch so viel gewinn
auf sieben tage brot zu kaufen.
Wieland (wintermärchen 1) 18 (1796), 222;
dazu vgl.: die könnten beide mit allem recht das berühmte motto Vespasians in ... ihr petschaft schneiden lassen: der gewinn stinkt nicht darnach. Klinger (betracht. u. gedanken 1, 65) 11, 59.
2))
engere aus dem geschäftsverkehr sich ergebende begriffe.
a))
für die mehrfach berührte gleichung gewinn, zins ist der ausgangspunkt wol im kaufmännischen begriffe des substantivs zu suchen, ihre verallgemeinerung zu der weiteren vorstellung eines ertrages im rahmen des landwirtschaftlichen betriebs und ähnlicher betriebsformen ist oben (sp. 5897. 5894 ff.) dargelegt, vgl.: ein schlosz in die lufft bawen, das ist, wann man guͦt eigen anschleg hat die nit faulen, und schon den gwin, die woll, federn, und die eier rechnet, die die lemmer, gensz und hünlin, so disz jar erst sollen fallen und auszschlieffen, bringen sollen, was man mit thuͦn woͤlle, als hab mans schon gewisz im seckel, da noch drauff stehet, man krieg keinen heller davon, ja verleurt das hauptguͦt zu dem gewin. Franck sprichw. 1 (1541), 147ᵇ; dann der järlich gwin des pleibergkwercks, so er mitt den früchten eines besten und fättisten felds vergleichen wirt, ist allezeit wo nicht dreifältig, doch zum wenigsten zweifach grösser und besseren. Georg Agricola vom bergwerk (1) deutsch v. Bechius 3;
allein die stolcze pewerine,
die het kain kes gar üeberal
und het auf ostern kain fladen zu essen:
hin war ir hauptgüet sampt dem gewine.
die pewrin spoten ir zw mal,
das sie ir fladen kes vor hin het fressen.
H. Sachs (die bäuerin frasz alle tage einen käse) 5, 132 Goetze u. Drescher;
auf den geldverkehr als solchen weisen hier schon: es si schulde, gelihen gelt, gewinne, geworbe oder in zinnsen. Straszburger zunft ... ordnung von 1494 bei Brucker 447; einer leihet dem andern 25 fl. zwei jar, umb gwin und gwins gwin. wan nu die 2 jar auss sind. gibt er im wider 49 fl. ist haubtgut, gwin und gwins gwin alles bei einander. ist die frag wie vil die 25 fl. das erste jar gewuchert haben. Mich. Stifel die coss Christoffs Rudolffs (1553) 389ᵇ;
mein kremerei ist unwert und gilt wenig,
gar spiczig ist der pfenig.
die hauͤpt suͦm und der gwin
get mit der zeruͤng hin.'
H. Sachs (die fünfzen ordenslewt) 3, 65 Goetze u. Drescher;
ein sprichwort: wer ainfeltig ist,
verlewst hawpt guͤet und gwin.
(die pewrin mit dem hon und 12 hennen) 4, 217; ebenso 21, 321 Keller u. Goetze, 5, 139 Keller
(und so noch häufig im übertragenen sinne s. unter c): sein rechenbuͤcher hoͤren lesen, und jm lassen sein gewinn unnd wucher rechnen. Hutten (Vadiscus) 4, 152;
fangen doch fürsten und herrn an,
dasz sie an jetzo kauffleut wern.
o nemmen sie den gwinn nicht gern
und hielten wucher für ein schand.
J. ayrer (der falsch notarius) 5, 2980 Keller;
dasz euch euer ausgelegt geld ... gegen meiner unversehrten aushändigung mit 10. fachem wucher u. gewinn soll wieder gegeben werden. Grimmelshausen wieder erstandener Simplicissimus (3, 4: Dietwald u. Amelinde 3, 2) 3 (1713), 327.
b))
in manchen dieser belege machte sich zugleich ein nebenbegriff geltend, der des überschusses, eine dem reinen geldverkehr erwachsene vorstellung: in dem jar (1289) was ein burger, hiesz Tufel, der koufft von dem probst ze sant Alban 100 vierntzal roggen, ie die vierntzal umb 6 s. ee das jar uszkam, do galt ie ein vierntzal 3 lb. mit dem gewin buwt er die capellen sant Oszwalt bi sant Leonhardt. Basler chroniken 5, 17; das kriegen on not, sei mit einem gülden hamen fischen, welcher so er verloren würde, so kündte jn die fischerei nicht bezalen, fienge er aber etwas, so ubertreffe die köste doch den gewin allzuweit. Luther (der 82. psalm ausgelegt 1530 abschn. 2) 5, 154ᵃ Jena; man musz alles von den vorkeuffern und amptknechten auffs aller thewrest nemen, welchen nichts feil ist, es bringe denn dopffel gewin und ubernutz. Ludw. Milichius schrapteufel S 1ᵇ; und nach abzug des aufwandes, und deren abgaben oder laster (wird) nachdem davon zu erwartenden gewinn, der werth des ackerbaues oder des waldes, ingleichen der gebäude, absonderlich bestimmt. Chomel 1, 462.
c))
hierauf im besonderen baut sich der kaufmännische begriff des gewinns auf: der überschusz des gesammtertrags eines geschäftes über die aufgewendeten kosten: item mainen, (das) ainer der isen vail haͮt, an ainer schinen isen, die er dings git, 5 oder 6 den, gewins nemen sol und darúber nit. Überlinger verordn. von 1461, s. zsch. gesch. Oberrh. 18, 30; den gleichen begriff kennzeichnen auch die oben (sp. 5901) für zu gewinn nehmen angeführten belege, vgl. auch die stellung von gewinn innerhalb der begriffsbestimmung von interesse bei Simon Rot (s. o.); kauffleute, so zu handeln gewohnet, sind nicht allein der anforderung des interesse wegen eines augenscheinlichen schadens, sondern auch wegen ermangelnden gewinns, zu recht befugt. Chomel 4, 1061; alle diese, und noch viel andere betrachtungen mehr, geben hernach ziel und maasz, wie viel oder wenig gewinn ein kauffmann über die einkauffskosten und seine gethane spesen auf die waaren schlagen könne. 1060; er verliert dabei immer ... weiter nichts, als die entbehrung eines erwarteten, ihm von der vorsehung beschiedenen gewinnes. Lotz handb. der staatswirtschaftslehre 3, 200; der ersetzende schaden umfasst auch den entgangenen gewinn. als entgangen gilt der gewinn, welcher nach dem gewöhnlichen laufe der dinge ... erwartet werden konnte. d. bürg. gesetzb. § 252 im reichsgesetzbl. (1896) 238; bei diesem handwerke ist nicht viel gewinn zu hoffen. Adelung; es ist dabei an keinen gewinn zu denken. Campe; aber ein postbeamter, der nicht auf der höhe steht, von wo ihm ein staatliches urtheil geziemt, der wird alles andere wie feindes land betrachten, was nicht postalischen interessen dient, und er wird jeden gewinn, auch selbst mit schaden für die anderen departements, mit gutem gewissen nach haus tragen. Bismarck im reichstag des nordd. bundes. 16. 4. 1869.
γ)
aus der sachbedeutung eines geschäftsvortheils erwächst nun eine stattliche reihe fester verbindungen, die vielfach in dem vorstellungskreise verbleiben, mannigfach jedoch auch übertragene bedeutung annehmen (s. II, 3).
1))
für die verbindung mit substantiven ist vor allem
a))
die zusammenstellung mit synonymen bemerkenswert, unter denen die oben aus wörterbüchern belegten parallelen breiten raum einnehmen.
α))
die moͤnschen, die in fleischlichen sünden versenckt nit wider auff ston woͤllen, oder iren wucher unrechten kauffmanschatz, und gewinn unauffhörlich treibend, oder froͤmbd gut mit unrecht inhalten. Geiler v. Keisersberg (dreieckecht spiegel) siben tractat Dd 3ᵃ; unrechter böser gewinn und wucher ist dem schaden nicht ungleich. Joh. Matthesius Syrach (1586) 1, 34ᵃ; ein erbarer und redlicher gastgeb ... verstattet wegen desz gelts und gewinns keine vollsauffereien. Aegidius Albertinus landtstörtzer Gusman (48) 422; u. a. vgl. auch die belege auf sp. 5902. 5906; nit als ietzund die bischoff und prelaten in irem gebräng leben, und all ding uff gewinn, reichtumb und wollust setzen, darumb sie auch des geistlichen stands begeren, sunst woͤlten sie das zu nichtes. Neu Karsthans s. Hutten 4, 662 Böcking:
wir sind nicht zu erfüllen
mit reichthumb und gewinn,
und gehn umb geldes willen
offt zu der höllen hin.
Simon Dach (Vorjahrs-liedchen) 465 Österley;
seht keine freundschafft an, verkaufft das hertze nicht
umb gaben und gewinn, sprecht keinem wider pflicht
sein recht und vortheil ab. disz recht ist zu verfluchen,
das von dem rechte wil gewinn und wucher suchen.
Tscherning d. ged. frühling 316 (an Veit Röhl);
selig ist der mensch, der von keinem armen gaben oder gewinn in seiner hand hat. Pestalozzi Lienhard und Gertrud (1, § 39) 1³, 166.
β))
und fäll dorusz beschreiben, deren sie etzliche, bischöfliche fäll, etliche bäpstlich nennen, umb geniesz, und gewinnes willen. Hutten (Vadiscus) 4, 231 Böcking; doch trägt sichs offt zu, dasz er (der teufel) mit etlichen sachen bei denen seinen umb eines geringen schädlichen gewinns oder geniesses willen gerad eingehet. (Kirchmaier) instit. metall. 18; der jüngling spricht: der mehrertheil raach sol nicht auff das bösz, sondern auff nutz und gewün gerichtet sein. Wetzel reise d. söhne Giaffers, deutsch, 103 neudr.; ob du froͤmdes schadens, ein ursach williklich und mit froͤuden gesein bist, auff dʒ du gewin oder nutz davon hettest. Geiler v. Keisersberg (dreieckecht spiegel) siben tractat Ee 4ᵃ; denn je kein fahr, noch kein gewinn oder nutz kan so grosz sein, als jene fahr ist, wo man sich lest inn ergernusz füren. Luther hauspostille (evang. am tag Michaelis) 2, 95ᵇ; und disz ist, daruff er (Paulus) allen sinn unnd muͦtt gesetzt, allenn eigen nutz unnd gewinn übergeben hat. Neu Karsthans s. Hutten 4, 657 Böcking; um ires stinkenden gewinns und schantlichen nutzes willen. s. 674; ein gewinn und nutz der mit einem bösen namen und geschrei zuwege gebracht wird, ist nicht für ein gewinn und nutz, sondern für verlust und schaden zu achten. J. Matthesius Syrach 1, 34ᵃ; das leben bei der französischen bottschaft gefil mir nicht, dann ich hatte einen schlechten nutz und gewinn, aber vil mühe unnd gefahr bei jhm. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (20) 147; ähnlich (2. theil) 638 (nutz, gewinn, noch segen); letztlichen understund ich mich einen erfundenen guten gang unnd ertz zuuersetzen unnd verzimmeren, in meinung, sie inn künfftiger zeit zubawen und meinen eignen nutz unnd gewinn darbei zusuchen. (53) 452; ähnlich (16) 107, vgl. sp. 5913;
die ander gansz ist auch bekand
und wird die schwartze gansz genand.
mit wust behengt, und auch beschissen,
die nichts dann nur vom geitz will wissen.
darumb sie auch bei tag und nacht,
nach dem gewinn, und nutzen tracht.
Wolfh. Spangenberg ganskönig (6, 276) 120 Martin;
mit versicherung, dasz sie ohne fluchen und lügen weit mehrern gewinn und nutzen in ihrer handelschafft spühren werden. Abraham a. S. Clara etwas für alle (der kaufmann) 1 (1699), 130; die gefräszige schaar der tischfreunde, das lustige völklein der lustigen brüder, die spieler, lungerer und alle, die von dem verlohrnen sohn nutz und gewinn hatten, sahen sich wohl vor, ihn zu einiger besonnenheit kommen zu lassen. Musäus volksmärchen (stumme liebe) 4, 7; vgl. auch die übertragung in: warum sie (trübsal u. widerwertigkeiten) uns zugeschikt werden? zu unserem besten, entweder uns zu versuchen; oder uns zu verbessern: und ob sie uns schon sehr widrig fürkommen; so sein sie doch nutzbar und foll gewins. Butschky Pathmos (34: creutz u. verfolgung) 57.
γ))
hat die Ephesier ... der geist und das gewissen dahin getrieben, dasz sie, unangesehen des grossen wehrts, unnd vorstehenden gewinsz under den haiden, einen mercklich grossen hauffen bücher verbrennt. J. B. Fickler übers. v. Putherbeys tract. v. verbotenen büchern (2) (1581) 89ᵇ;
schmeichler sind wie sonnen-blumen, blicken nach dem himmel hin,
wurzeln aber in die erde, suchen vortheil und gewin.
Logau sinnged. (3, 2, 43) 468 Eitner;
(vgl. die übertragene verwendung der formel bei Günther ged.² 1053); behaltet ewre perlenschnur, ich begehre keinen theil daran, oder lohn und gewinn für eure pflege. Musäus volksmärchen (Ulrich mit dem bühel) 4, 159; ebenso 3, 19;
befahl die noth zu weichen,
so wich und trug dein volck die schönsten sieges-zeichen,
mit von der wahl-statt weg, weil du, als dessen hertz,
des glückes blinden hasz und ungerechten schertz,
mit groszmuth und verstand behertzt zurücke schlugest,
und mehr gewinn und ruhm als alle sieger trugest.
Joh. Chr. Günther (lobschrifft auf Friedrich August) ged.² 712;
ich habe deine seele frei gemacht aus den ketten und banden des alltäglichen mühens um gewinn und verächtliche ehren. Paul Heyse buch der freundschaft: siechentrost.
δ))
ist nun disz nit das geringst, das zum hauszhalten gehört, nemlich, dasz das weib des manns arbeit unnd gewinn zurath halt. Erasmus Alberus ehebüchlein G 3ᵇ; wenn die gestudirten in den hohen schulen diese künste (der hauszhaltung) gelernt hätten, würden sie dem guten jcto (jurisconsulto?) diese summe gelds mit gewinn und grosser dancksagung wieder geben können. Schupp schriften 596 (von der kunst reich zu werden); die jr chur und bisthumb jetzt allein mit gelt und geilen uberkummen, als sei es von gewinns und herrschafft wegen auffgesetzt. S. Frank chronica (1543) 2, 142ᵇ; ja das ganze betragen dieses volks in fremden ländern zeigt, wie hart und geizig dieser aristokratische staat war, der eigentlich nichts als gewinn und afrikanische knechtschaft suchte. Herder ideen (12, 4) 3, 106; er wollte die sache der freiheit und aufklärung nach der weise eines klugen fabrikanten betrieben wissen, welcher nicht darauf ausgeht, mit ungeheuren kosten auf ein mal ein kolossales prachtgebäude herzustellen, ... sondern der es vorzieht, unscheinbare räucherige gebäude, werkstatt an werkstatt, schuppen an schuppen zu reihen, wie es bedürfnis und gewinn erlauben. Gottfried Keller (der grüne Heinrich 2, 15) 1, 377.
b))
für die form der unterordnung ist an sich nur der subjective genetiv hier zuständig; doch münden in die bequeme form auch wendungen ein, die einem anderen verhältnisse erwachsen, vgl.: dem sänger Marchesi zahlten die entrepreneurs der italienischen oper für einen winter funfzehnhundert pfund sterling, nebst dem gewinn einer vorstellung, freiem tisch und freier equipage. G. Forster ansichten v. Niederrhein 3, 149 (vgl. auch die belege sp. 5908). für den subjectiven genetiv vgl.: dasz er inen hat anzeigt solichen überschwenklichen gewinn der kaufleut in so kurtzer zeit, darob sie ain fraid hatten und sagten, der kauffleut gewinn übertreff der juden wucher sibenveltig. d. chron. 23, 123; da hingegen ist der kauffleut handel gefährlich: der wucherer gewinn schändlich und lästerlich. Grimmelshausen wieder erstandener Simpl. (3, 1: satyr. pilgram 1, 4) 3, 17; der pfaffen - gewinn ist wucherlich; der kauffmanns - gewinn ist gefährlich und hinterlistig, und gehet selten ohne betrug und beschwehrung ab; der capitalisten- und wechszler-gewinn ist unbarmhertziglich; der künstler - gewinn ungewisz, derer handwercker verächtlich und miszlich; aber der feld-bau hat seinen unfehlbaren gewinn, ohne jemandes beschwehrung. kunst- u. handwercksnotarius (1732) 145; hurengewin Steinbach 2, 1029; zum glück für Europa war diese üppigkeit damals nichts weniger als allgemein, und sein gröszester theil muszte dem baaren gewinn der Lombarden nur dienen; dem entgegen regete sich noch mächtig ein anderer, der rittergeist, uneigennützig und nur für den gewinn der ehre alles unternehmend. Herder ideen (20, 1) 4, 285; geschäftsleute, welche in aller seelenruhe auch den gewinn der unredlichen an sich bringen, ohne über den ursprung forschungen anzustellen. Gottfried Keller (grüner Heinrich 1, 14) 1¹⁸, 143; ich hab auch kein zweifel, so ich den jungen mein müh, arbeit, verschleissung langr zeit mit versaumung des gewinns mein erfunden lehr werd mittheilen, sie werden sölchs auf ihr verbessrung mit gutem willen annehmen. A. Dürer schriftl. nachlasz 341; mehr auf den ausgangspunkt als auf das subject weisen:
druckherei, und buechpindens gwin
hat Schmalkaldisch krieg gnomen hin.
kumbt herwider vergangne zeit
so gewinens von newem ain beit.
Georg Rösch v. Geroldshausen wunschspruch von allerlai welthenndlen 590. 593 Fischnaler;
welcher kunst gwin, nicht wider gott, nicht hessig, noch unflätig ist, die selbigen mögend wir ehrlich halten. Georg Agricola vom bergwerk (1) deutsch v. Bechius 17, vgl. auch s. 3 (gwin des pleibergkwercks); ja man siehet, dasz gleichsam die stuffe einer vollkommenheit von arbeits- und handelsgewinn und nutzen, ... bei dem eigentlichen manufactur-wesen zu suchen. Chomel 1, 492; den gewinn ihrer freibeuterei. Musäus volksmärchen 4, 197; das grundverhältnis wird klar in den präpositionalverbindungen: der gwin ausz dem bergwerck, so ich disen, mit den andern weiens und wegen, damit dʒ gelt gewunnen vergleiche. Agricola 17; gewinn von gerichtsdingen, quœstus forensis. Hederich 1, 1424.
2))
verbindung mit verbis.
a))
als subject verbindet sich das substantiv vor allem gern mit dem verbum substantivum, doch führen diese verbindungennamentlich unter zutritt des possessivpronomensmeist zum übertragenen gebrauch über, s. sp. 5913, in unseren zusammenhang fallen:
(der wirt:) gedenck wol, der gwin sei an dir klein,
der reichtumb bei dir nit regirt.
Peter Probst (fastnachtssp. v. einem freihirten 38) 123 Kreisler;
an disen ist gewinn, an jhenen aber ist kost unnd arbeit verloren (in illis fructus est). Val. Boltz Terenz (Phormio 2, 2) 208ᵇ; gwün sein, esse compendio. Maaler 201ᵈ;
der kauͤfman mich auͤch druͤcket.
den werckzewg muͤes ich zalen nach seim sine,
daran ist kein gewine,
hab weder gelt noch pfant.
des muͤs ich auͤs dem lant.
H. Sachs fab. u. schw. (d. 15 ordensleut) 3, 67;
bei dieser waare ist mehr gewinn als bei jener, this commodity does better turn to account than the other does. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773;
doch das erworbene erhalten ist auch
gewinn.
Leisewitz Julius v. Tarent 1, 6 (litt. denkm. s. 25);
andere verbindungen sind hier selten, vgl.: der gewinn nimbt abe, quaestus minuitur. Calvisius 700ᵇ, ebenso Stieler 2544 (sein gewinn);
wo nutz sich nicht erzeigt, wo kein gewinn sich weist,
ist freundschafft nicht daheim, ist über land gereist.
Logau sinnged. (2. zugabe zum 3. tausend nr. 144) 657 Eitner;
vgl. auch: dasz ein stattlicher gewinn dabei zugewarten war. Grimmelshausen wieder erstand. Simpl. (3, 7 der fliegende wandersm. 1) 3 (1713), 522.
b))
überaus mannigfaltig und viel verbreitet, auch in den wörterbüchern treulich verzeichnet, sind die wendungen, die gewinn als object an das verbum schlieszen:
(der wirt:) mir khumbt wol offt ein oder laur
an dem ich je nit hab vil gwins.
Peter Probst (fastnachtssp. v. einem freihirten 15) 122 Kreisler;
facere lucrum, ein gwünn haben. Cholinus-Frisius 524ᵃ, ebenso Frisius (1556), Calvisius, Steinbach, Kramer; ähnlich Maaler (was heth ich gwüns daran); Rondeau (er hat an dieser waare zehen pro cento gewinn; grossen, schlechten gewinn); Adelung (vielen gewinn):
sie sprach: nembt doch den pfenning hin,
solt jhr haben kein gewin,
jhr kundt nit narr vergebens sein,
nehmens doch auch die andern ein.
Sandrub histor. u. poet. kurzweil s. 14 Michsack;
es verstudirt offt einer tausend gülden und hette guten gewinn, wenn er die kunst umb 10 güld wider hingeb. Chr. Lehman floril. polit. 459; gewinne machen, lucrifacere. vocab. theut. (Nürnberg 1482) M 5; ebenso (quaestum facere u. a.). Aler grossen gewinn machen, Steinbach, Hederich (seinen gewinn machen); Schwan (unerlaubten gewinn machen); hier ist kein gewinn vor die diebe zu machen, hic nihil est quaestus furibus. Steinbach 2, 1029; ebenso Hederich 1, 1424;
o was sünder seh ich nicht, die auf deine langmuth pochen!
ihre boszheit schwärmt und blüht, und disz alles ungerochen.
sie versuchen dich mit lasten, machend durch betrug gewinn,
und wenn auch ihr ziel erschienen, fahren sie mit lust dahin.
Joh. Chr. Günther (zufällige trostgedanken für Elias v. Beuchelt) ged.² 847;
die Rheinlande, französirt, waren, als das interesse an der vaterländischen sache die gemüther auch in ihnen bewegte, wie ein seefahrer, der mit einem schiffe gewinn machen will, scheitert, gerettet wird und im bergehafen hört, er habe in der lotterie gewonnen. Immermann (memorabilien: Düsseldorfer anfänge) 20, 123 Hempel;
kan er sein fuͦg do mit erwarten,
so schafft er im sein eigen gwin,
das ich do mit verdorben bin.
Murner schelmenzunft 27 neudr.;
vortheil, gewinn schaffen mit einer waar, voordeel, winst doen, voorleggen met zyn koopmanschap. Kramer 2, 256ᵃ;
hie sihst du wie man handlet gott,
der muͦssz offt leiden zwangk und nott,
das nur der bapst treib seinen gwin.
Hutten (Vadiscus) 4, 260 (fieri omnia spe lucri);
bei den Babyloniern, ists auch der brauch gewesen, wann si ir habe unnd guͦt verthon hetten, das ain iegklicher von der gmain, seine toͤchter noͤttet, mit jrem leib ain gewinn zetreiben. Tatius Alpinus verdeutsch. des Polydor. Verg. de rer. invent. (3, 17) 119ᵃ (ad quaestum corpore faciendum); einen gewinn mit etwas treiben, aliquid habere quaestui. Dasypodius Tt 4ᶜ, ebenso Steinbach, Hederich; lucrari, lucrum facere, gewins treiben, erobern, gewinnen. Faber 462ᵃ; vgl. 668ᵃ; gewinnen, gewin treiben, gewin überkommen, lucrari, quaestum facere, lucrifacere, mereri. Henisch 1599; quaestum facere, gewinn treiben. Garth - König 620ᵃ; ebenso Calvisius (schändlichen gewinn treiben); Dentzler (mit dem regiment gewinn treiben);
und lasz sich ihren geist an meinen thränen spiegeln,
eh ohnmacht, schwäch und zeit die gnaden-thür verriegeln,
damit sie mehr gewinn von ihrem pfunde ziehn.
Joh. Chr. Günther (busz-gedancken) ged.² 703;
zwar steht, uns zu verderben,
in deiner macht: doch hoffe nicht davon
gewinn zu ziehn — barbar, auch ich kann sterben.
Wieland (Oberon 12, 52) 23, 282;
patron, hier den gefangnen schenk' ich dir;
du, sein gehülfe, zieh' gewinn von dem;
(and thou that art his mate make boot of this).
Schlegel übers. v. Shakespeares Heinrich VI. theil 2. 4. 1;
gewinn ziehen aus den zöllen, lucrum facere ... Hederich 1, 1423; von etwas einen grosen gewinn ziehen, tirer grand avantage. Schwan 1, 745ᵇ; ähnlich Hilpert 2, 1, 464ᵇ (draw great advantages); ... in der absicht, aus dem verkaufe der hervorgebrachten waare, oder aus dem, was der arbeitsfleisz dem werthe des rohen materials zugesetzt hat, einen gewinn zu ziehen. Garve übers. des Adam Smith; durch den gröszern oder geringern gewinn, welchen der unternehmer eines gewerbes aus dessen betrieb durch den mehr oder minder vortheilhaften absatz seiner gewerbserzeugnisse zieht. Lotz revis. der grundbegr. der nationalwirthschaftslehre 3, 265; der sundzoll bringt der krone Dänemark viel ein; denn ohne anstrengung ihrer kraft zieht sie von der glücklichen lage ihres landes gewinn. F. L. Jahn (bereicherung des hd. sprachschatzes) 1, 75 Euler; denn einmal hat er schon selbst geld bei derlei dingen verloren, dann, setzte sie mit gesenkter stimme hinzu, ist er so gewohnt, von fremden gewinn zu ziehen, dasz er es freunden vielleicht auch nicht besser machen würde. Grillparzer (der arme spielmann) 13⁵, 256; dieselbe partie sölte auch den gewin allein davon nemen. Wertheimer privileg von 1410, s. oberrhein. stadtrechte 1, 20 Schroeder; ... den burgeren ind gantzer gemeinden verkouffen, ungeburlich gewin daran (v. gesalzenen fischen) nemen ... urk. v. 1482 bei Stein, akten zur gesch ... der stadt Köln 2, 574; ich neme zwei gewinne für ein. Eberh. Tappius germ. adag. (vgl. sp. 5889) 123ᵃ; dieselben nahmen auch mit ihrem lohn den achtzehenden gewinn hin. Grimmelshausen Simplic. schriften 2, 891 Keller; einem den gewinn nemen, intervertere, praeripere alicui lucrum. Calvisius 700ᵇ, ebenso Stieler 2544; eim den gewünn und nutz lassen (dare lucrum). Cholinus-Frisius 524ᵃ; ähnlich Frisius (gwün und nutz geben oder lassen). Maaler, Calvisius; auff dem seittenspil der harpffen, da hofft er ein gwin zu erlangen (pretium sperans). Boltz übers. des Terenz (Eunuch 1, 2) 51ᵃ; in guter hoffnung, nun ein statlichen gewinn zu erlangen, gesegnet sein hauszfraw und die andern, und zohe frölich darvon. Kirchhof wendunmuth (3, 175) 2, 448 Österley; im übrigen mögen ... eheweiber (in Sachsen) bei ihrer männer concurs die morgen-gabe und das musz-theil deszwegen nicht fordern, weil sie blos darunter einen gewinn zu erlangen, und sich zu bereichern suchen. Chomel 4, 1060; den gewinn erlangen. Adelung, Campe (erlangen, davontragen); bei welchem actu mein gewesener herr, der hänfer, den zehenden, der hanff-schauer den elfften ... das kauffhaus den sechzehenden und die kärchelzieher, die mich dem kauffmann heimführten, den siebenzehenden gewinn bekamen. Grimmelshausen Simplic. schriften 2, 891 Keller; einen gewinn bekommen, emolumentum reportare, quaestum parare. Stieler 2544; und also auch einen gewinn von meinetwegen empfangen. Grimmelshausen a. a. o.; als einen gewinn davon tragen, quaestum facere. Hederich 1, 1424; wie dann dise in verkauffung der milche allzeit das drittl wasser darein gossen, wordurch sie nit einen geringen gewinn darvon tragen. Abr. a S. Clara Judas der ertz-schelm 2 (1689), 226; (quaestum refert) der bergverwalter (rentmeister) trägt einen gebuͤhrlichen gewinn von den ertzgruben. Bachmann janua lat. bipatens 566; und ist jhnen keins zuvil, wenn es nur gewin tregt. G. Agricola sprichw. 185ᵇ; lucrosus, was gewin trägt. Corvinus; man soll aller handwercksleute arbeit resigniren, was nicht ein besondern gewinn einträgt. Grimmelshausen wieder erstand. Simpl. (3, 2: rathstübel Plutonis 2) 3 (1713), 132;
und hielt dafür in seinem sin,
der handel wurd jhm bringen gwin.
Sandrub hist. u. poet. kurzweil 62 Milchsack;
sohn! wirff den bettel hin,
und häng den brot-korb an; kein reimen bringt gewinn;
und wenn die krancken uns den fetten zins entrichten,
so müszt ihr, faules volck! von magern kühen dichten.
Joh. Chr. Günther (an herrn v. B.) ged.² 473;
usurarius, das nutz oder gewin bringt, nutzträgig. Dasypodius Oo 6ᶜ (das nutz, gewin oder wuͦcher gibt E 8ᵇ); ganz ähnlich Faber (lucrosus), Duez, Garth-König, Calvisius, Mathiae, Hederich; gewinsam, das vil gewin bringt. Hulsius (1596) G 2ᵃ; heuchler und huren bringen keinen guten gewinn. Henisch 1600; vgl. auch gewinn bringen bei Aler, Steinbach u. a.; jahreseinkommen aus gewinn bringender beschäftigung. amtliches preusz. formular für steuerklärungen (1908), s. gewinnbringend; anders: den gewinn davon bringen, gagner [remporter] le prix. Rondeau 2 Uu 3ᶜ; ebenso Schwan (1783) 1, 745ᵇ. so er an korn und weinkauff sein gewinn sucht. S. Frank chron. 2, 109ᵇ; dasz man auch ... nicht eben allzeit den gewin an dem oort suchen musz, wo er zu sein scheinet. Zinkgräf deutsch. apophtegmata 1, 43; mit dem jüdenspiesz rennen, oder mit diebsnägeln krawen, das heiszt gewinn suchen durch bose stuck. Creidis nuptialia (Augsb. um 1652); seinen gewinn suchen, eigennützig sein, cupidum esse quaestus. Calvisius 699ᵇ. ähnlich Stieler 2544, Rondeau, Schwan; ... wan der herr solte länger bei ihnen verharren, so konten sie nicht mehr mit säu handlen, und ihren gewinn suchen. Abr. a S. Clara Judas der ertzschelm 2 (1689), 203; der allenthalben gewinn suchet, lucrio. Calvisius 699ᵇ; gewin suchen, quaestum sibi instituere. Schönsleder V 5ᵇ, ebenso Aler, Kirsch, Matthiae, Hederich; übermässigen gewinn suchen. Schwan; unehrlichen gewinn suchen. Emmel, Aler; die woche über müssen sie ihre nahrung fortsetzen, ihren handel treiben, gewinn suchen, des sonntags, wenn sie eine predigt angehöret, müssen sie sich mit lustiger gesellschaft ergetzen. Christ. Scriver seelenschatz (3, 3) 1, 427ᵃ; lucrifuga, der den gewinn nicht achtet, König 674ᵇ; der des gewinns nicht achtet. Dentzler 413ᵃ; der den gewinn nicht achtet, oder keinen gewinn suchet. Matthiae 1, 799ᵇ u. a. vgl. sp. 5913.
wett all jr sag sen widersin,
als offt als si finstu gewin
Joh. v. Schwarzenberg (memorial der tugent) teutsch Cicero 120ᵃ;
gewinn einfordern, exigere, tollere aliquid lucri. Calvisius 700ᵇ; den gewinn erziele ich nur auf kosten eines verlierenden. C. A. Kuhn ein heldengrab (1906) s. 11; die mägde, die knechte, die verwalter der vielen zweige, in denen gearbeitet und gewinn angestrebt wurde, alle standen in der regel in den fällen, wo's, wie er sagte, 'auf grütze im kopf' ankam, 'wie die heuochsen' und waren die dummköpfe selbst. Karl Gutzkow der zauberer von Rom 1, 122; sich einen gewinn ganz gewisz einbilden, spe devorare lucrum. Hederich 1, 1423; kam er in einer stadt an, wo er gewinn durch seine kunst erwartete ... Cl. Brentano (die mehreren Wehmüller) 4, 214; nur Juden orientalisch immer aufgeweckt und munter in und vor den thüren stehend und immer auf neues und lärmendes oder gewinn versprechendes lauschend. E. M. Arndt wanderungen u. wandelungen³ 98; den gewin mit einander theilen, lucrum dividere. Henisch 1600; den gewinn unter sich theilen (spielgewinn). Adelung 2, 663;
nun tauschet waar' um waare, theilt gewinn!
ein alt vertrauen wirke neuen bund —
der erste gruss ist viele tausend werth,
drum grüsze freundlich jeden der begrüszt.
Göthe (west-östl. divan: buch der betrachtungen) 5, 71.
zum heutigen kurs kann ich sofort 80 000 mark aktien erwerben. bis morgen um 11 uhr vormittags teilen wir den gewinn. C. A. Kuhn ein heldengrab s. 61.
c))
für den zutritt von attributen, der in verschiedenen festen verbindungen zugleich den übergang zur sachbedeutung kennzeichnet, ergaben sich schon bei der betrachtung des sprichwortes einige bevorzugte gruppen.
α))
grosser, kleiner gewinn (vgl. auch sp. 5889): wenn er sie loͤsz grossen gwin an ir sein. verdeutschung des Terenz von 1499 (Heautont. 9 sz.) 77ᵃ;
jedoch pringt in das drüncklein hin;
des hat der wirt den grösten gwin.
H. Sachs fab. u. schw. (9 elenden wandrer) 3, 157 Goetze u. Drescher;
vgl.: grosser gewin bei Henisch, Duez, Rädlein, Aler, Hederich; hofften nunmehr auf einen grossen gewinn. Gottsched Reineke fuchs (1, 27) 50 Bieling (hopeden beide up ghewinne). vgl.: ansehnlichen gewinn. Albertinus landstörtzer Gusmann 431; statlichen Kirchhof wendunmuth 2, 448; Grimmelshausen wieder erstand. Simpl. 3, 522; besondern gewin ebenda 3, 132; unermesslicher gewinn. Hederich 1, 1423; übermäszigen gewinn suchen, etendere la courroie. Schwan 1, 745ᵇ; reicher gewinn. Hederich 1, 1424;
heut bringt das betteln reichen gewinn,
denn wohnet die freude in herz und sinn,
gar willig die hand ein gäblein reicht.
Joh. Mart. Usteri (der frühlingsbote) dicht. 1, 72;
darumb unsere veter kein beschwerung gehabt, den liben heiligen tzu feiren, und ein kleinen gewin oder vorlust nith angesehen. Emser (gegen Luther) Enders 1, 106; din kleinen gwin. verdeutschung d. Terenz v. 1499 s. 86ᵃ (Boltz klein gewinnle);
hete seidn und zwirn die naterin
guet baumwolln die schlairwürckherin
unnd daran nit ain klainen gwin
niemandts kundt mit in kumen hin.
Georg Rösch v. Geroldshausen wunschspruch von allerlai welthenndlen 276 Fischnaler;
auch ists ein müh mit kleinem gwinn.
Scheidt Dedekinds Grobianus deutsch 104 Milchsack;
vgl.: klein gewin bei Henisch, Emmel, Duez, Rädlein, Dentzler, Aler, Kirsch, Matthiae, Hederich, Frisch nouv. dict. d. passag. Kramer, s. auch gewinnlein; dasz sie einen geringen gewinn vor zulässig erachten, etwann 5. oder 6- per cento in disen ländern. Abraham a S. Clara Astriacus 10; mäsziger gewinn, quaestus mediocris. Hederich. vgl.wann bei kümmerlicher nahrung und schlechtem gewinn viel auszgebens ist, wie kläglich thustu. Heinr. Müller geistl. erquickstunden (190) 360. ebenso Grimmelshausen wieder erstand. Simpl. 3, 17.
β))
das er an iedem fuͦder guͦten gewinne hat. Straszburger weinzapfordnung v. 1453 Brucker s. 545; ich wil die sinne-bilder (gemälde) umb meinen stammbaum, welche du meisterlich gerissen, mit gutem gewinn (interesse) vergelten. Bachmann janua lat. bipatens (1631) nr. 865; wer wol thut, der kriegt gut gewin. Henisch, ebenso Schottel (s. u.); guten gewinn, compendium optabile. Aler, ebenso Hederich (lucrum bonum); ein billiger gewin ist, das man von zwenzig pfennigen einen habe. Luther tischreden (v. hendeln u. wucher) 87ᵇ Aurifaber; mit recht nimmt er einen billigen gewinn, denn ein arbeiter ist seines lohns werth; mit unrecht nimmt er einen vortheil oder ubergewinn ... Heinr. Müller geistl. erquickstunden 349; rechtmäsziger gewinn, gain legitime. Rondeau; herrlicher gewinn, lucrum praeclarum. Hederich; straff der jhennen, so jre eeweiber oder kinder durch böses gewins (var. geniess) willen willigklich zu unkeuschen wercken verkauffenn. Carolina (122) s. 64 Kohler u. Scheel; vgl.: böser gewin bei Henisch u. Schottel; boshafter gewinn, lucrum improbum. Hederich; nicht weinsuchtig, nicht beissig, nicht schendlichs gewins girig, sondern gastfrei, güttig. Eberlin v. Günzburg (wie sich ein diener gottes worts ... halten soll). 3, 201 Enders; vgl. dazu die parallelen aus der bibelübersetzung, s. sp. 5882; schändlicher gewinn s. Henisch, Calvisius, Emmel, Duez, Rädlein, Rondeau, Hederich; dann die reiche solche kleider ausz ubermut und hoffart tragen, aber die gemeine dirnen umb schändlichen gewinns willen. Ryff übers. v. Artemidors traumbuch (2, 3) 77ᵇ (διὰ τὴν τρυφὴν); aber das macht vielleicht die sache strafbar, dasz die lehrreichen aussprüche von den komödianten nicht der erbauung, sondern eines schändlichen gewinns wegen vorgebracht werden ... Kästner (gedanken über die christl. tragödien) 3, 128; so si ein freud haben ob dem bübischen gewin, den sie von pfaffen huͤren haben. Eberlin v. Günzburg (so ein priester kein eheweib hat) 2, 30 Enders; schnöder gewinn Kirsch, Matthiae, Hederich; unrecht gewinn Henisch; ... der beck ist halt gehenckt worden, und wer weisz, ob er nicht das brod für die hof-bediente gar zu klein gemacht, und folgsam mit ungerechtem gewinn sich bereichet. Abraham a S. Clara etw. f. alle (der beck) 1 (1699), 589; sordide dicere, uel concionari, umb uneerlichs gwüns willen. Cholinus-Frisius 805ᵃ; ebenso Frisius dict. (1556) 1226ᵇ; uneerlicher gwün Maaler, Schönsleder, Emmel (unehrliche gewinn suchen), Dentzler, Aler; unerlaubten gewinn machen. griveler Schwan; ein bürgerlicher und rechtmessiger handel wird von gott gesegenet, das einer von zwentzig pfennigen einen hat, aber ein gottloser und unleidlicher gewinn im handel wird verflucht. Luther tischreden 87ᵃᵇ.
γ))
einige verbindungen gehören unserer engeren bedeutung im besonderen an: auff gleichen gewin, communis negociatio, ubi est aequalitas lucri et damni, Henisch 1600; ebenso schon Rudinger observat. juris cameral. 76, vgl. auch oben sp. 5879; täglicher gewinn, quaestus quotidianus. Hederich; steter gewinn Steinbach, Hederich; gewisser gewinn ebenda; item so hab ich eingenommen von dem Sweller 28 [[undefined:poundsign]] dn. an dem alten gwinn von dem wein. O. H. Ruland handlungsbuch 11 Hassler; ist lauter gewin, id in lucris pono. Schönsleder V 5ᵇ; das gleiche (ausführlicher) Aler 1, 937ᵃ; der saubere oder nette gewin, the clear gain. teutsch-engl. lex. (1716) 2, 773; nach abzug aller unkosten bleibt ein reiner gewinn von hundert gulden. Hilpert 2, 1, 464 (clear profit); ohne rücksicht auf materiellen gewinn. C. A. Kuhn ein heldengrab s. 29.
δ))
auch die beiwörter, die Hamann als nächste begleiter des substantivs aufführt, erwachsen dem engeren begriffe des geldvortheils: gewinn. beiwört. der sichere. schädliche. erwucherte. grosse. theure. unerkannte. geschätzte. hohe. redliche. erworbene. gesuchte. gefundene. schändliche. erwünschte. beneidete. billige. poet. lex. 471.
d))
das possessivpronomen.
α))
wo das bedürfnis vorliegt, ein zu gewinn vorausgesetztes subject zu kennzeichnen, sind hier im gegensatze zum übertragenen gebrauch die grenzen eng gezogen:
hetn fuerleüt unnd saͤmer allain
toplts fuerlon, ir gwinn wer nit klain.
G. Rösch v. Geroldshausem wunschspruch 418;
nichts bringen wir her, nichts tragn wir hin,
ein stück leinwat ist unsr gewin;
solchs führen wir mit uns ins grab,
wenn wir gestorbn.
(auferimus nihil, nisi lintea vestimenta) wahlspruch der stadt Eger bei D. Meisner thesaurus philopoliticus (auszerlesene schöne emblemata);
ein bischen salz und mehl ist alle mein gewinn.
hingegen jenes (des goldnen Jupiters) heerd wird fett vom opferblute.
Lichtwer fab. (2, 3: die zween Jupiter)² 59.
itlicher betracht sinen gewin und nutze höher den sines nechsten. Hartw. v. Cronberg s. 22 neudr.; wisten sie nit iren gewin daruff, sie sehent sie nit an. Geiler v. Kaisersberg christl. bilger 128ᵃ.
β))
der gebrauch des pronomens überschreitet vielfach den bedürfnisfall. einzelne feste verbindungen ziehen das pronomen gewohnheitsmäszig an sich, vor allem gewinn suchen (s. o.): unde alleine sin ghewin socht unde sine bathe, unde nicht der meenheit. glosse zum Reinke de Vos (1, 17) s. 63 Prien; wechsler usz allen landen, die iren gwin zu Costentz auch suchten, waren 58. Sebastian Fischer chron. v. Ulm 199 Veesenmeyer; das si mit failem leib jren gewinn gesucht haben. Tat. Alpinus verdeutsch. des Polyd. Verg. 79ᵃ; seinen gewinn suchen. Calvisius, Schönsleder, Stieler, Steinbach (mit dem maule seinen gewinn suchen); Hederich, Rondeau, Schwan;
der trage zungen feil, bediene faule sachen,
doch dasz er beide theil ihm kan zu fremden machen,
geb' einen schreiberknecht, and suche sein gewinn,
was nicht ins kaͤstlein faͤlt, das faͤlt beneben hin.
Rachel satyr. ged. 122 Drescher.
zur verbindung mit andern verbis vgl.: zu solchem end brauchte ich beim tag die rechte, und bei der nacht die falsche maszkandel, und führte meinen gewinn auff mancherlei weg, manier und verribene bossen. A. Albertinus landtstörtzer Gusmann (48) 425; ihrer vil sein den sünden deswegen ergeben, weil sie ihren gewin dabei haben. Butschky Pathmos 197; seinen gewinn mit etwas machen, facere quaestum aliqua re. Hederich 1, 1424.
γ))
die verstärkung des pronomens durch das adj. eigen steht unter dem einflusz der parallele von gewinn und nutzen, mit der sie wieder verschwindet: ewren eigen nutz und gewinn betrachten. A. Albertinus landstörtzer Gusman (16) 107, ebenso (53) 452; Neu Karsthans (Hutten 4) 657; schafft sein eigen gwin. Murner schelmenzunft 28 Matthias.
3)
übertragene verwendungen.
a)
die verbalkraft des substantivs ist auch in übertragenen wendungen mehrfach erhalten oder wird secundär wieder aufgefrischt.
α)
seltener trifft dies das alleinstehende substantiv: mit den allen habe wirtschaft, mit ir tugenden unde mit ir gnâden unde mit ir guotem bilde. alsô bistû allenthalben gewinneshalp, sie vliesen oder gewinnen an in selben. David v. Augsburg (spiegel der tugend) s. myst. 1, 340;
deut' mir eins der liebe werke,
ob verlust sie, ob gewinn?
gibt dem weibe männerstärke
und dem manne — weibersinn.
Grillparzer (der traum, ein leben 1) 7⁵, 125;
hier heiszt gewinn, was sonst verlust.
je mehr du schenkst, je froher scheinst du,
je mehr du nimmst, je sel'ger weinst du.
Geibel (jugendged. 4: minnelied) 1³, 187;
das, ob sie gleich die gantze welt gewönnen, ihnen solcher gewinn doch nichts nützen würde; weil sie hergegen an der sele schaden leiden. S. v. Butschky Pathmos (482) 698.
β)
häufiger ist die verbindung mit objectivem genetiv belegt, dessen grenzlinien gegen den subjectiven sich freilich immer mehr verwischen, so dasz manche fälle strittig bleiben; scene mit Wrangel, an welche sich sogleich als tragisches moment der erste sieg des gegenspielers Octavio schlieszt: gewinn des generals Buttler für den kaiser. G. Freytag (technik des dramas) 14, 179 (vgl. dagegen: sie eilte in die befreundeten familien, den gewinn an herren mitzutheilen, und herrn Wohlfart durch einige geheimniszvolle andeutungen auszuschmücken. [soll u. haben 2, 1] 4, 175); er schwieg und widersprach nicht, als Judith ihm die rückkehr in die alten verhältnisse, und namentlich den gewinn ihres vaters in den schönsten farben schilderte. K. Gutzkow (der sadducäer von Amsterdam) 11, 134; ebenso der zauberer v. Rom 3, 239 (gewinn zweier seelen); aber die scientz der andacht unnd beichtens bescheret uns den gewinn der gnaden. A. Albertinus landtstörtzer Gusmann (2. theil) 528; der gewinn ihrer neigung und freundschaft, der mir so spät geworden ist, bleibt mir um so unschätzbarer als eigentlich lange leben nichts heiszt, als andere überleben. Göthe (an Reinhard 1809) briefe 20, 357;
als poet fand ich ruhms gewinn,
frei segel, freie wimpel.
zahme xenien (5) 4, 369;
denn Böhmens hauptstadt soll das glück erlangen,
des höchsten anblicks einzigen gewinn.
(der kaiserin v. Österreich majestät) 13, 253;
o mögen mir den tag die götter schenken,
wo ich im stand dich ʒu vergessen bin!
wann aber wird mir solches glücks gewinn?
wo meine arbeit deinen sich verschrenken.
Friedr. Rückert (liebesfrühling 4, 5) 1, 504;
dafür die präpositionalverbindungen: und zu den irdischen vorteilen, die ihm von gönnern und edlen frauen erblühen und die vielleicht an goldwert ... nicht die wage halten, kommt der gewinn an ruhm und die lust des fahrenden lebens, so dasz er eher zu beneiden als zu beklagen wäre. Paul Heyse troubadournovellen: der verkaufte gesang; diesen gewinn an kenntnissen liesz sich Lucinde ... wohl gefallen. der gewinn mehrte sich, als die langen abende kamen. Karl Gutzkow der zauberer von Rom 1, 97.
b)
die sachbedeutung berührt sich hier am engsten mit dem allgemeinen begriffe vortheil, in dem übertragungen der begriffe beute, ausbeute mit der verallgemeinerung der eben belegten wendungen zusammentreffen.
α)
so kehren hier neben manchen neubildungen bemerkenswerte typen der verknüpfung mit substantiven und der präpositionalverbindungen wieder:
als er in strudel kam pei Grein,
zerscheittert der flos an eim stein;
die hünd fiellen in Thonaw nein ...
so thet er auch in disem stüeck
gwin und hauptguͦt verliesen.
H. Sachs fab. u. schw. (der Payer) 4, 131; ähnlich 4, 203. 3, 127;
wen schon auff dieser welt behagelt solche pein,
wie sol der todt ihm nicht gewinn und wucher sein?
Tscherning d. ged. früling 14 (Rachel klaget über den kindermord Herodis);
was giebt uns wohl die welt vor frieden und gewinn?
ein leben voller müh und täglich neue sorgen.
Joh. Chr. Günther (auf die verlobung mit seiner Phillis) ged.² 689;
sie gingen dahin, gewinn und gefahren
redlich zu theilen. doch müh' und gefahr trug jener alleine.
Göthe (Reineke Fuchs 1) 4, 10 (auf gemeine gefahr. Gottsched; up beider ghewin. Reinke de vos 203);
ich ein teufel, will dir zeigen, mit welchem rechte und gewinn, ein wurm wie du, sich zum richter und rächer des bösen aufwirft. Klinger (Fausts leben 5, 4) 3, 269;
mit ieres heiling todes gwin
zum ewing leben khumends hin.
lied aus der Sigmundslust (1524) Wackernagel 2, 1123ᵃ;
es geht uns der ganze gewinn des lebens verlohren, wenn wir uns nicht mittheilen können. Göthe (an Meyer 1796) br. 11, 100;
du versuchst, o sonne, vergebens,
durch die düstren wolken zu scheinen!
der ganze gewinn meines lebens
ist, ihren verlust zu beweinen.
(den 6. juni 1816) 4, 160;
liebe, nicht liebesgewinn
Ferhad und Schirin.
(west-östl. divan) 5, 47;
lieben! ihr fragt mich, was unglücklicher liebe gewinn sei?
ist nicht liebe für sich schon ein lebend'ger gewinn?
Platen (gelegenheitsged.: distichen) 1, 435 Redlich;
wie ich hereingekommen, ich kann's nicht sagen: es faszte
Hebe den wandrer, und zog mich in die hallen heran.
hast du ihr einen heroen herauf zu führen geboten?
irrte die schöne? vergib! lasz mir des irrthums gewinn!
Göthe (7. elegie) 1, 270 (erst: des irrthums mich freun. Weimarer ausgabe 1, 416);
was ich in dem büchlein darbringe, ist gewinn meiner nebenstunden, und darum wählte ich gerade diese arbeit. F. L. Jahn (bereicherung des hd. sprachschatzes) 1, 25 Euler; die ehre ist der gewinn der tugend, l'honneur est le prix de la vertu. Rondeau 2, Uu 3ᶜ, genau so Schwan 1, 745ᵇ; was hier zunächst nur vom gewinn des gemüths für die gottseligkeit überhaupt gesagt worden ist, wurde es auch von jedem gewinn für die kirche selbst. Gutzkow der zauberer von Rom 5, 347; hatt iemand uber das mehr gutts drann (an der ehe) der hat szo viel mehr tzu gewin und danke got. Luther 10, 2 s. 299 Weimar:
euch bleibt, bethörte leute!
der schaden zum gewinn, und der verlust zur beute.
Joh. Chr. Günther (bei dem todes-falle hn. Joach. Siegm. v. Seidlitz) 1085;
denn schönheit ist das licht der hohen seelen;
in ir bricht auf das leben zum gewinne.
K. Immermann (Merlin: der Gral) 4, 360 Maync;
es gereicht ihm zum gewinne, est ei lucro. Steinbach 2, 1029; ebenso Hederich 1, 1424; zum gewinn gereichen, gewinn haben, lucrari. Frisch 2, 451ᵃ;
unser gröszter fint ist darin:
o hetten wir den schon mit gewin!
Murner vom groszen Lutherischen narren 11 Kurz;
und sein rathschlusz crönt forthin
kurze quaal mit viel gewinn.
Joh. Chr. Günther (an seine braut) ged.² 272;
die erfahrung Klopstocks und einiger andern ... die den gebrauch jener nordischen mythen mit sehr wenig gewinn für die dichtkunst schon versucht haben. Schiller br. 4, 314;
der schnelle wind fährt ohne zügel,
ein leichter pfeil eilt auf gewin.
P. Fleming ged. 1, 79 Lappenberg (s. o.);
men Reinken wart dat swin gantz sur:
he moste krupen tom venster in
unde werp dat nedder up beider ghewin.
Reinke de vos (1, 3 v. 206) 13 Prien (beiden zu gut. Gottsched; die gemeinsame beute. Göthe);
den kheren thuͦt er nemen hin,
laszt in die sprew für jhren gwin.
lied v. Karl V. u. Philipp v. Hessen (1547) bei Soltau s. 366 (59, 21);
kein tag, kein stündlein geht dahin,
in welchem man nicht spühret,
was gottes wolthat für gewinn
ir unser' häuser führet.
Joh. Rist (lob- u. danklieder 8) geistl. poet. schr. 2, 160;
in lucro deputare, für einen gwünn halten. Cholinus-Frisius 524ᵃ; Aler, Kirsch, Matthiae; für gewün schätzen oder halten. Frisius 783ᵃ; Maaler; für gewins rechnen. Faber 462ᵃ; ebenso (für gewin) Henisch 1600; Garth-König; (vor gewinn achten) Stieler 2544; Steinbach, Frisch, Hederich, Dentzler, matthiae;
und werffe meinen gram so wie den kummer hin,
und fasse frischen muth und halt es vor gewinn,
wenn neid und eigennutz mich und mein thun verschwärtzt.
Joh. Chr. Günther (auf den herrn v. Schickfusz) ged.² 1158.
β)
unter den verbis, die mit gewinn hier in verbindung treten, wird das verbum substantivum ganz besonders begünstigt; hier ist es die durch ein pronomen vermittelte beziehung auf personen, die eine ungewöhnliche vielseitigkeit in den spielarten des gewinns erschlieszt:
1))
dem Cristus daz leben ist und sterben ist im ain gewinn. Gregors dialoge (Augsburg 1473) II cap. 3;
Christus der ist mein leben,
sterben ist mein gewin.
dem thu ich mich ergeben,
mit fried fahr ich dahin.
geistl. lied bei Wackernagel 5, 435ᵃ; ebenso 433ᵃ. 3, 953ᵃ;
das gleiche bei Joh. Heermann bei Fischer u. Tümpel 1, 316;
vgl. Philipper 1, 21;
vgl. sterben ein gewinn der seeligen. Günther 615;
sterben waere mir gewinn. O. H. v. Loeben ged. 25;
vgl. die parodie im volkmunde: 'sterben ist mein gewinn' sagte der todtengräber. S. Hetzel wie der Deutsche spricht;
'o mutter, mutter! hin ist hin!
verloren ist verloren!
der tod, der tod ist mein gewinn!
o wär' ich nie geboren!'
Bürger (Lenore) ged. 172 Sauer;
die gefahr verfolgt ihr schwelgen, fall und tod sind ir gewinn,
und mit diesem wollust-knochen ist ihr gantzer lohn dahin.
Joh. Chr. Günther (deprecations-schr. an seinen vater) 869;
Christus ist fuͤr mich gestorben,
und sein tod ist mein gewinn,
er hat mir das heil erworben;
drum fahr ich mit freud dahin,
Georg Albinus alle menschen müssen sterben s. Freylinghausen gesangb. (1741) 969ᵃ, vgl. auch (dein sterben ist ein gewinn) Günther 1080;
dô selbet si sich spîstend und fuͦrend bald dâr von;
der wind das mer was rîszen, das schif rant schnell dâr von;
si gwunnet starken wider wind
hin und sî schwoiftend, das leben was ir gwin.
Felix Faber pilgerbüchlein 123 f. Birlinger;
allein das heilthuͤm habt darvon.
was das selb ist für ein gewinn,
das legen nuz mit klugem sin.
Murner v. groszen Luth. erznarren v. 3490 Kurz;
from sein ist allein gewin. Henisch 1601; vgl. oben sp. 5890;
inschriften bedeckten den rand (der glocke); eine lautete:
ruf ich, öffne deinen sinn,
gott zu dienen ist gewinn.
Th. Fontane (vor dem sturm 5) I, 1 s. 41;
weg mit den taͤnzen und den pfaͤnderspielen,
und mit der zeitverderberin,
der kart'! ist weisheit nur gewinn;
so lasz in ihrem schatz mich wühlen.
Goekingk (an herrn Schmidt 1770) ged. 3 (1782), 8; vgl. (ist weiser rath dir kein gewinn) Uhland 1, 72 E. Schmidt;
mit euch, herr doctor, zu spazieren
ist ehrenvoll und ist gewinn.
Göthe (Faust 1) 12, 54;
er träume denn, ihm ist ein traum gewinn,
wem noch der flaum besät das weiche blonde kinn.
Platen (mir hielt der tag den spiegel vors gesicht) 1, 371 Redlich;
wie ist all mein innres offen!
wie verdoppelt jeder sinn!
nachbild hat das bild getroffen,
jeder augenblick gewinn.
Grillparzer (der genesene) 1⁵, 139;
(Golo:) ich kniee nur, damit sie zögern musz!
o, jeder blick in dieses angesicht
ist ein gewinn.
Fr. Hebbel (Genoveva 2, 4) 1, 114 Werner;
je läng'rer weg, je mehr gewinn,
was sich an diese nadeln setzt,
das ist die zeit, das wird geschätzt.
Hebbel (diamant, prol.) 1, 316 Werner;
und in versüszter lust zu schweben,
sei allen ein gewinn.
Ettner des getreuen Eckarths med. maul-affe (1719) 82;
(Epimetheus:) trostlos zu sein ist liebenden der schönste trost;
verlornem nachzustreben selbst schon mehr gewinn,
als neues aufzuhaschen.
Göthe (Pandora) 40, 411;
ähnlich Rückert 1, 119 (sinniges sprechen ist gewinn), O. H. v. Loeben (ist ... gewinn, wen man ... trifft);
und ist das kuͤwen nur sein gwin.
Murner schelmenzunft Matthias 43;
die tugend ist sein stolz, die freiheit sein gewinn.
Uz 221 Sauer;
dasz du erzürnt nicht
eifertest, käme dir etwa von mir kein einziges brieflein.
was ward desz mir gewinn, wenn die mir zusagenden rechte
du mit gewalt anzwackst.
Voss Horaz (ep. 2, 2 v. 23 quid tum profecit) 2, 334;
ein jeder lebt nach seinem sinn,
das ist nun also auch mein gewinn.
ich lass einem jeden sein bestreben,
um auch nach meinem sinne zu leben.
Göthe (zahme xenien 4) 4, 321;
willst du dir aber das beste thun,
so bleib nicht auf dir selber ruhn,
sondern folg' eines meisters sinn;
mit ihm zu irren ist dir gewinn. (sprichwörtlich)
2, 236;
römisch mag man's immer nennen;
doch wir den bewohner kennen,
dem der echte deutsche sinn,
ja der weltsinn ist gewinn.
i. d. album der gräfin C. v. Egloffstein (jub.-ausg. 3, 165);
daher weisz ich für den poetischen genius kein heil, als dasz er sich aus dem gebiet der wirklichen welt zurückzieht ... daher scheint es mir gerade ein gewinn für ihn zu sein, dasz er seine eigne welt formiert und durch die griechischen mythen der verwandte eines fernen, fremden und idealischen zeitalters bleibt. Schiller briefe 4, 314;
gelehrig sonst an ihrer (der natur) frommen seite,
schien jetzt nur trotzig schaffen mir gewinn,
ihr wort verklang in meines busens weite,
ihr wink verschwand vor meinem stumpfen sinn.
Grillparzer (jugenderinnerungen im grünen) 1⁵, 232;
ir lachen wird: hon, schand ist ir gewin:
der ewig got wird ir wuten uͦnt toben
verspotten nuͦr: dan nichts fragt aer nach in ̃.
psalmenübers. des Melissus Jellinek 13;
wer ein falsches hertz verliehret,
dessen schaden ist gewinn.
Joh. Chr. Günther (an sein Hannchen) ged.² 310;
was böse scheint, ist mir gewinn,
der tod selbst ist mein leben.
Paul Gerhardt ich hab in gottes hertz u. sinn bei Fischer u. Tümpel 3, 314;
wo sind nun meine freuden,
wo ist mein' hoffnung hin?
an ihre stat ist leiden
und hochbekränckter sinn
geworden mein gewinn.
Simon Dach (klag-lied) 219 Österley;
ach, wer wie ich so elend ist,
giebt gern sich hin der bunten list,
die hinter eis und nacht und graus
ihm weist ein helles warmes haus,
und eine liebe seele drin —
nur täuschung ist für mich gewinn!
Wilh. Müller (die winterreise: täuschung) 119 Hatfield;
gut! die folgen seien dein gewinn! du wirst es bereuen. F. M. Klinger (Fausts leben, thaten und höllenfahrt 2, 11) 3, 108;
2))
jetzt bleibt ihm der gewinn, dasz sein gedächtnisz stincket,
so lang ein Schlesier aus unsern brunnen trincket.
Joh. Chr. Günther (der entlarvte Crispinus) 506;
bleibt uns dennoch der gewinn,
dasz man ir beliebt confect
durch drei jahre schon geschmeckt.
(bei einer vertrauten compagnie in Brieg) 194:
ohngeachtet nach dem glaubensbekenntnisz eurer antisalomonischen schulmeister, die furcht des herrn der weisheit ende ist: so bleibe es mein grosser gewinn, gottselig und genügsam zu sein! Hamann (in der Königsbergischen zeitung 1772) 4, 19 Roth; denn was soll das reale an sich? wir haben freude daran, wann es mit wahrheit dargestellt ist, ja es kann uns auch von gewissen dingen eine deutlichere erkenntnisz geben; aber der eigentliche gewinn für unsere höhere natur liegt doch allein im idealen. Göthe gespr. (mit Eckermann 18. 1. 1827) 6, 23 Biedermann; 'ich besuche das theater jeden abend', antwortete dieser, 'und ich finde, dasz der gewinn für das verstehen der sprache sehr grosz ist'. 5, 124; der gewinn ist schlecht, wer auf gnad sündigt, kriegt ungnad und zorn zum lohn. Heinr. Müller geistl. erquick. stunden 19.
3))
o wie gar grossen gewin hab ich dises sterbens: wann Cristus, mein herre, furbas mer mein leben sein wirdet. Johann v. Neumarkt leben des hl. Hieronymus 61 Benedict. (im ndd. druck v. 1482: o wo gar grote hopeninge, o quantum lucri);
sie habens kein gewinn.
Luther (ein feste burg) 8, 401ᵇ Jena;
darumb haben wirs auch kain gewinn, dann unnser wil ist schuldig, das er getödt werd, sinteinmal er bösz unnd verdampt ist von Adam her. (predigt 1523) 12, 429 Weimar;
davon sie hatten kein gewinn,
ja kamen bed umb leib und leben.
E. Alberus fabeln Esopi 23 Braune;
du hast seins heuchelns kein gewinn.
praecepta vitae (1548) 109ᵃ;
von der unordentlichen traurigkeit hat der mensch eben diesen gewinn, welchen das holtz von dem wurm ... empfangt. Fr. Caccia lebensthat des heil. Antonii 168;
lasz fahren, kind, sein herz dahin!
er hat es nimmermehr gewinn!
Bürger (Lenore) ged. 172 Sauer;
denn was haͤtt ich desz gewinn,
so du fuͤhrst zum teufel hin?
Stolberg werke 1, 168 (die büszende);
entbehrst du gleich dadurch die freude auf der erden,
durch pflantzen ihrer schoosz ein grosz-papa zu werden,
so hast du doch gewinn; ihr spiegel reiner zucht,
damit ihr edler stand der welt zu leuchten sucht,
kan leicht an enckels statt bis auf die letzten zeiten
den namen deines ruhms in tausend ohren breiten.
Joh. Chr. Günther (leben Frantz Antons grafen v. Sporck) 723;
frage nicht was morgen sein wird,
zieh gewinn von jedem tage.
Platen (an Thaliarchus) 1, 548 Redlich;
er sprach zwar von der schwierigkeit, der öffentlichen meinung in Oestreich gegenüber ganz ohne äquivalent aus der gegenwärtigen situation hinauszugehn, wenn Preuszen einen so groszen gewinn wie Schleswig-Holstein mache. Bismarck ged. u. erinn. (17) 1, 345;
4))
die schetz der kirchen nimpt man hin,
das wird uns bringen klein gewin.
E. Alberus s. Wackernagel 3, 880ᵇ;
der Abraham bringt üch kleinen gwün
wan fromme vatter und muͦter han
hilfft nit, er si denn inen nach schlan.
tragoedia Johannis (1549) (1, 2) B 4ᵇ;
der schaden bringt doch den gewinn!
du magst es noch so lange treiben.
Joh. Chr. Günther 945;
den mördern bringt die unthat nicht gewinn,
wir aber brechen mit der reinen hand
des blutgen frevels segenvolle frucht.
Schiller (Tell 5, 1) 14, 411;
alle den kämpfenden
bring' es gewinn!
Göthe (Faust II, 3) 41, 240;
ernste männer, ich bekenn' es,
dasz ich ungelehrig bin;
ja ich tadl' es, ja ich nenn' es
einen ungelenken sinn,
und euch bringt er nicht gewinn.
Otto Heinr. v. Loeben (geständnisse) ged. 111 Pissin;
5))
wenn in den neuern zeiten durch einiger gelehrten exegeten ... fleisz dies studium insonderheit in prüfung der beweisstellen gewonnen hat: so brauchen sie diesen gewinn still und bescheiden. Herder (briefe das studium der theologie betreffend, 3. theil) 10, 316 Suphan; dabei solte ich bedencken, dasz sich der teuffel freilich nicht umsonst desz spielens so eiferig annehme, sondern ohn zweiffel seinen trefflichen gewin darbei zu erschöpffen wisse. Grimmelshausen Simpl. 154 Kögel; die lieb sucht nit iren gewinn, und ermanet sie, das er in dz ewangelium umb sunst geprediget hab. Neu Karsthans, s. Hutten 4, 657; dahero billig wir alle unseren gewinn bei gott suchen sollen. Abr. a S. Clara etwas für alle (der kaufmann) 1 (1699);
dasz sie plötzlich den gewinn,
den sie nicht verdient, verliere.
Müllner die schuld 1, 2;
wer jetzt etwas durchsetzen will, kann das nur mit benutzung des liberalismus thun. ... wer sie unehrlich benutzt, (ist) in gefahr, seinen gewinn wieder zu verlieren. G. Freytag an Treitschke (1865) briefwechs. s. 55; dennoch weisz ich mancher stunde einen gewinn abzujagen, und dies gelingt mir nur dadurch, dasz ich mich ganz und gar in den augenblick ... zu versenken weisz. Hebbel briefe 1, 269 Werner; lange zeit sträubten sich beide noch, aus diesem grausigen zufall für ihr eigenes leben gewinn zu schlagen. Georg Reicke das grüne huhn (4, 13)² 471;
täuscht euch nicht, und erwartet gewinn von der schlechten gemeinschaft;
einen verbündeten blosz giebt es, die liebe des volks!
Platen (epigramme: an die guten fürsten) 1, 290 Redlich;
ich berechnete noch über diesz den gewinn, den selbst das genie des gelehrten durch die fragen der lehrbegierigen unwissenheit erhält, die ihn oft auf betrachtung und nachdenken über eine neue seite gewisser gegenstände führt, die er als gering übersah. S. v. La Roche Frl. v. Sternheim (1) 121 Ridderhoff; man ist diesz schon der wahrheit schuldig, wenn es auch der abenteurer nicht verdienet, und man sich keinen weitern gewinn von diesen bemühungen versprechen sollte. J. F. Köhler unters. über d. leben u. d. thaten ... dr. Joh. Fausts (1791) 65; die natur hat uns das schachbrett gegeben ... nun ist es an uns, züge zu thun, von denen wir uns gewinn versprechen. Göthe maximen u. refl. nr. 420 Götheschriften 21, 85.
γ)
zum possessivpronomen und seiner bedeutsamen stelung neben dem verbum substantivum vgl. oben sp. 5915 ff.; andere wendungen sind hier seltener:
ich wil nichts den himmel achten,
wil nach keiner erden trachten,
hab' ich dich, herr, mein gewinn,
allzeit nur in meinem sinn.
S. Dach (73. psalm) 181 Österley;
zu verschweigen meinen gewinn,
musz ich die menschen vermeiden;
dasz ich wisse, woran ich bin,
das wollen die andern nicht leiden.
Göthe zahme xenien 8 (jub.-ausg. 4, 113),
mehrere bedeutende fremde, deren man auf frequentirten universitäten immer als gäste zu finden pflegt, lernt' ich daselbst kennen, und mit jedem tag vermehrte sich der reichtum meines gewinnes über alles erwarten. (annalen 1801) 31, 110; auffallend ist die freie übertragung im folgenden:
ihr schenckelgen, und ihr, ihr zarten beingen,
verzeiht mir, liebes volck, und heiszt mich ja kein schweingen,
wo etwan ich zuͦ tieff bei euch gekommen bin,
ihr tragt die gantze last von euerem gewinn.
ihr seid die pfeiler, so die schöne wohnung stützen.
Rachel satyr. ged. (10. jungfernlob 47) 140 Drescher.
δ)
die attribute halten sich auch bei übertragener verwendung mit vorliebe im rahmen der am engern begriff beobachteten typen.
1))
zur dritten säcularfeier unserer protestantisch wahrhaft groszen gewinns. Göthe an Voigt 27. 2. 1816; hierbei gereicht es Deutschland zu einem groszen gewinn, dasz der vortrag trefflicher dichtungen allgemeiner geworden ist. maximen u. reflexionen nr. 736 (schriften der Göthegesellsch. 21, 164);
so treib jn doch, und halt nicht still,
ob du jn moͤgst von seinem sinn
bringen, das wer ein grosz gewinn.
Erasmus Alberus präcepta vitä (1548) 102ᵃ;
ähnlich Paul Gerhardt, s. Fischer u. Tümpel 3, 358ᵃ; Göthe 31, 20;
ein schrecklich, gresslich end er (Herodes) nam
und brent jtzt in der hellen flamm,
ich mein, er ists sein worden inn,
was er hat für ein grossen gwin.
Nicolaus Herman die sonntags euangelia (16);
'meinst du, sie hätten sich dabei keinen groszen gewinn erwuchert?' 'ja', 'welchen gewinn?' 'den segen Bayerns über Wittelsbach.' Babo (Otto v. Wittelsbach 5) schausp. 1 (1793), 166; was von seinen untersuchungen mir den gröszten gewinn versprach, war die aufmerksamkeit, die er dem übergangsgestein geschenkt hatte. Göthe (tag- u. jahreshefte 1806) 31, 268; dagegen möchte ich es mit ihm als einen groszen gewinn ansehen, wenn dem unwesen der licitationen und submissionen einigermaszen gesteuert würde, einen gewinn nicht allein für die handwerker, sondern auch für den staat. Bismarck (im preusz. landtag 18. 10. 1849);
dein recht solstu da auch verliern,
weil ich richter und kläger bin.
du sollst sein haben kleinen gewinn.
Ayrer (Valentin u. Ursus) 1341 Keller;
ganz ähnlich Teuerdank (83) Goedeke s. 201; Erasmus Alberus J. Witzel B 1ᵇ; vgl.: geringer gewinn. Göthe (Reineke fuchs 4; schlechte rache bei Gottsched) 40, 61; mäsziger gewinn. briefe 15, 246; an wenigem gewinn. Schlegel Shakespeares Heinrich VI. theil 1, 2, 1.
2))
die beste weisheit ist's, nach der die zweifler trachten,
mir schenkt sie wenigstens den wichtigsten gewinn.
Thümmel die zweifler (Göttinger musenalmanach auf 1770);
und als einen wichtigen gewinn durfte ich schon die beseitigung der katholischen abtheilung ... betrachten. Bismarck ged. u. erinn. 2, 134;
doch das gröszte glück im leben
und der reichlichste gewinn
ist ein guter leichter sinn.
Göthe (antworten bei einem gesellschaftlichen fragespiel) 1, 40; das gleiche zahme xenien 2;
dort, sich und uns zu köstlichem gewinne,
verwechselt' er die zeiten wundersam.
(epilog zu Schillers glocke) 13, 170;
das gleiche (an Voigt) 4, 101; ebenso Grillparzer Sappho 1, 3;
als der knabe nach der schule
das pennal in händen ging,
hofft' er endlich schön zu schreiben
als den herrlichsten gewinn.
Göthe (der gräfin Titinne O'Donell) 4, 408:
ebenso (Faust II, 5) 41, 307; (west-östl, divan) 5, 145; Hebbel briefe 3, 315; vgl. auch: ein herrlicher gewinn, praeclarum lucrum. Steinbach 2, 1029;
mit hocherhabnen, hochbeglückten männern
gewalt'ges ansehn, würd'gen einflusz teilen:
für edle seelen reizender gewinn!
Göthe (die natürliche tochter 1, 6) 9, 272;
er (der schauspieler Larkens) entsagte dem unwürdigen leben, raffte sich zu neuer tätigkeit auf und ward ein erfreulicher gewinn für die stadt. Mörike (maler Nolten 2) 5, 16 Krausz;
wann wird der dank zum lieblichen gewinne?
wenn ihn die kön'gin beut der schönheit und der minne!
Immermann (epigonen 4, 11) 6, 67 Hempel;
die zarte brust gehört dem sel'gen mann,
der auch den leib, den süszesten gewann;
holdselige gewinne,
um die ich nicht grau florgewebe spinne.
(Tristan u. Isolde 2: Brangäne) 13, 255 Hempel;
aufopfern dich, du himmlischer gewinn,
dich engel! einer bulerin? —
R. Lenz 107 Weinhold.
3))
alle mühe, die man also noch dran wendet, ist ein reiner gewinn, und die wachsende vollkommenheit bei der vorstellung dieses stücks musz zugleich die fortschritte unseres theaters zu bezeichnen dienen. Schiller briefe 7, 81; es ist nicht immer reiner gewinn bei einer sehr lebhaften einbildungskraft. gräfin O'Donell an Göthe 1813, s. schriften der Göthegesellsch. 17, 60; nun aber kommen mir die freundlichen stimmen dasz ich nicht eilen, dssz ich mit vollständigerem gewinn nach hause kommen soll. Göthe an den freundeskreis 6. 1. 1787; hätte er den vollen gewinn des knaben geahnt, seine befriedigung würde sich noch heller und deutlicher luft gemacht haben. W. Raabe Schüdderump⁵ 73; vgl.: vollgewinn s. u.; unvergänglichen gewinn, quaestus immortalis. Hederich 1, 1424;
du hast, was menschen haben,
die höchsten schicksalsgaben,
den wirklichen gewinn,
und dennoch dichterin?
Grillparzer (in das stammb. einer dichterin) 3⁵, 50;
dabei waren wir ununterbrochen tüchtig gesegelt, bald scharf rechts, bald scharf links, so klein ist der objective gewinn beim laviren. Heinr. Laube neue reisenov. (11: der sturm) 1, 208; ich fürchtete nämlich um ein erhabenes bild ärmer zu werden und nur ein richtigeres dafür zu erhalten — ein zweifelhafter gewinn für einen dichter. Grillparzer (tageb. auf der reise nach Italien) 16⁵, 198.
4))
und da man allain dem aller nützlichsten gewin nachstellet, und waren alle freuden, allain in dem besitzen und vermügen. Tat. Alpinus verdeutsch. des Polyd. Verg. v. erfindung der dinge (2, 3) 32ᵇ;
was sollt' ein kranz, den niemand trüge?
was ungewinnlicher gewinn?
was ohne tugend tugendsinn?
Tiedge (an Rosalia) episteln 1, 104;
such er den redlichen gewinn!
sei er kein schellenlauter thor!
Göthe (Faust I) 12, 37;
gott, der aus lieb im fleisch erschienen
bringt uns den seligen gewinn.
C. L. Scheidt aus gnaden soll ich selig werden:
'was du tust, so hab fleisz darinn,
es soll dir tragen guten gewinn.'
Teuerdank (66, 32) Goedeke s. 155;
München macht einen guten gewinn an dem professor Phillips von Berlin, der dort, weil convertit, übel angesehen war. Cl. Brentano schriften 9, 283 (briefe an seinen bruder Franz);
beszrer gewinn ist sein, wenn ihn des todes
gruft verschlinget, als wenn die rettungslose
qual ihn foltert, ihn, des Achaiaheeres
tapfersten krieger.
Chr. v. Stolberg (Aias) werke der brüder St. 14, 202;
mögen sie meiner bei dieser geistlichen verwandschaft in liebe gedenken ... so sehe ich davon für mich den besten gewinn. Göthe an J. W. Sander 25. nov. 1801; diesen seltsamen gewinn festzuhalten, ein werk von so bedeutendem und mannigfaltigem inhalt mir zu vergegenwärtigen, und in allen seinen theilen auszuführen war mir um so angelegener, als ... (dichtung u. wahrheit 13) 26, 223; der kampf mit jenem harten und unverbrauchten naturvolk in einem kulturrohen lande hat dargetan, dasz das deutsche volk trotz aller errungenschaften einer hohen kultur an seinem kriegerischen werte noch nichts eingebüszt hat. in diesem sieghaften bewusztsein liegt ein hoher innerer gewinn, und schon um dieses gewinnes willen sind die schweren opfer an gut und blut nicht vergeblich gewesen. kämpfe der deutsc en truppen in Südwest-Afrika (herausg. v. groszen generalstab) 6. heft; vgl. auch hochgewinn theil 4, 2, sp. 1622.
Zitationshilfe
„gewinn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gewinn>, abgerufen am 20.08.2017.

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