Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

gewitterluft, f.

gewitterluft, f.:
1)
früh gebildete zusammensetzung, mit der in der schönen litteratur später die verbindung gewitterhafte luft erfolgreich concurrirt, s. d.
a)
man holet dadurch aus der gewitterluft eben die electricität, die man sonst durch kunst erreget J. F. Hartmann anmerkungen über ... gewitter-electricität s. 3; desgl. s. 24; gegenden, wo dergleichen phosphorisches licht an den öbersten spitzen der cörper, ... bei einer gewitterluft gesehen wird J. N. Tetens sicherung seiner person bei einem gewitter 28; das gleiche Reimarus vom blitze 81, ebenso (bei einer gewitterluft mit starkem winde) 72; wenn zur abendzeit gewitterluft ist 453; die braut von Messina ist gestern gegeben worden bei sehr vielen zuschauern, aber es war eine drückende gewitterluft und ich habe mich weit hinweggewünscht Schiller br. (aus Lauchstädt) 7, 49. dazu vgl. die gewitterluft, die schwüle, schwere luft, wie ... vor und bei einem gewitter ... Campe 2, gewitterluft l'électricité de l'atmosphäre Schwan 1,748ᵇ; heavy, sultry air prognosticating a electric fluid Hilpert 2, 1, 466ᵃ; bei schwüler gewitterluft A. v. Baumgartner über gewitter s. 8; das gleiche Sohncke s. 16;
in jeder nerve war zu spüren
die schwefelnde gewitterluft.
A. v. Droste-Hülshoff (ein sommertagstraum) 3, 203.
Juno aus gewitterlüften
sieht das zeugungswerk von fern.
F. Rückert (Minerva u. Vulkan) 7, 285.
b)
übertragungen: und es schwebte daher in den ersten sommermonaten eine gewitterluft über der universität, die freilich uns junge leute wenig angriff Immermann (memorabilien) 5, 325 Maync; der konnte wohl die brütende stille der gewitterluft, wo nur das eine wort des tyrannen gilt, als den heitern himmel der ruhe und glückseligkeit der welt verkündigen E. M. Arndt geist der zeit 2², 28; freiheitssinn und mäszigung wehten von hier lange als ein erquickender wind auf die nachbarländer und in die schwüle gewitterluft der ebnen des despotismus herab 1, 360. desgl. 2², 89.
2)
mit der starken verbreitung dieser bildung mag es zusammenhängen, dasz ihr neuerdings einzelne stilisten wieder aus dem wege gehen und lieber zu einem fremdworte greifen: eine gewitteratmosphäre schien über dem proszenium zu schweben, jedes wort, jede gebärde mit verhaltenem feuer zu tränken P. Heyse (erkenne dich selbst) II, 4, s. 156.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1910), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 6417, Z. 65.

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Zitationshilfe
„gewitterluft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gewitterluft>, abgerufen am 10.08.2020.

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