gewogen participiales adjectiv
Fundstelle: Lfg. 12 (1911), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 6445, Z. 46
das wohl eher zu wegen (s. auch wägen) als zum verbum gewegen (sp. 5394/5) zu stellen ist. in der hauptrichtung seiner adjectivischen entwicklung mit der bedeutung von zugethan, geneigt entfernt es sich weit von beiden verbis.
1)
abstammung und übergangspunkte in der entwicklung.
a)
die abstammungsfrage ist im wörterbuch schon mehrfach und nicht immer übereinstimmend gestreift. theil 1, sp. 1768/9 läszt Jacob Grimm bei bewogen zwei möglichkeiten für die entwicklung der abgezogenen bedeutung benevolus offen: die wagschale, die sich einem zuneigt, oder allgemeiner die bewegung, die sich einem zuwendet. für das weitere wird auf gewogen verwiesen. oben sp. 5395 war für den darsteller des folgenden anlasz gegeben für das particip gewegen die sinnlichen und die übertragenen verwendungen zusammenzustellen, die schon an diesem lautgesetzlich zunächst berechtigten vorläufer von gewogen zu beobachten sind. voraussetzung für diesen artikel war die zugehörigkeit von gewogen zu dem verbum, das sich im heutigen wägen fortsetzt.
α)
dem entgegen wird theil 13 sp. 423 für gewogen im sinne von geneigt ein anderes, abgeleitetes und schwaches wegen in anspruch genommen, das althochdeutsch (s.wegon Graff 1, 661) und mhd. (wegen mhd. wb. 3, 640ᵃ) blühte, im neuhochdeutschen aber ausstarb und für das mit unbelegten starken verbalformen gerechnet werden musz, um die entgegenstehenden fälle schwacher formen zu entkräften; vgl.:
nu fergomes thia thiarnun selbun sancta Mariun
thaz si uns allo worolti si zi iru sune wegonti.
Otfrid 1, 7, 26 u. a.
wege uns an dem lîbe
unt an der sêle.
kaiserchronik 16253 E. Schroeder u. a.
nicht zu gunsten dieser annahme wird theil 13 (sp. 425) der lautwandel von gewegen zu gewogen, der bislang aus der beeinflussung der participialformen durch die änderungen im formensystem des praeteritums (wac wâgen zu wac wogen zu wog wogen) erklärt wurde (s.gewoben), als ein selbständiger vorgang in der art von woche aus wecha, wola aus wela aufgefaszt, der umgekehrt auf die formen des praet. zurückwirke. auffallend bliebe bei dieser erklärung das späte auftreten eines sonst nur auf älteren sprachstufen beobachteten vorgangs und seine beschränkung auf das particip gewegen im gegensatze zu den präsensformen. doppelt auffallend wäre diese beschränkung, wenn die änderungen des particips sowohl die formen von wegen = bewegen als die von wegen = helfen träfe.
β)
es liegt aber kein zwingender grund vor, gerade bei einer so entwicklungsfähigen sippe, wie sie das verbum der bewegung mit seiner beziehung zur wage darstellt, sinnliche und abgezogene verwendungen in dieser weise auseinander zu halten und auf verschiedene wortprägungen zu vertheilen. man braucht nur ein paar beispiele aus dem bereiche der composita des starken verbums wegen herauszugreifen, um zu erkennen, wie ungezwungen sich schon aus der zielrichtung einer bewegung je nach dem zusammenhang die vorstellungen der gunst und ungunst ergeben, die unsere sprache ja mit fast demselben bilde durch zu- und abneigung ausdrückt, und auf die die lat. sprache mit propensus zu propendere und declinatio (vgl. auch animus adversus) an manchem punkt wohl vorbildlich eingewirkt hat. gegen:
der friunde schiere sich bewiget
swer alle zît niugerne pfliget.
Freidank 97, 26 W. Grimm (var.: des freundts man sich gar pald verwigt u. a.)
zu iungest man sich sin erwac.
in der ungevugen not
liez man in ligen gar vur tot.
passional 110, 20 Köpke u. a. mhd. wb. 3, 633ᵇ.
vgl.:
die rede nam sî sich allez an
und gie dem fliehenden man
als inneclîche suoʒe mite,
biz daz si'n an dem vierden trite
der minne erzôch, dâ er si flôch,
und in zuo ir her wider zôch,
daz er sich aber dar bewac
und aber dô was naht unde tac.
Gottfried Tristan 19423 Bechstein u. a. s. mhd. wb. 3, 631ᵃ;
brichestu dein trewe an ir
ich richeʒ immer an dir:
daz chan dir nieman gewegen
du solt mir auch mines ruders phlegen.
die tochter u. d. hund v. 15 (erzählungen der Melker handschr. Leitzmann).
andere berührungspunkte bietet aber auch die schon abgeleitete bedeutung des wägens:
Abel den vil tugende rîchen
deme sîn opfer werdeclîchen
wac dô für den gotes zorn.
Walther 150, 73 Lachmann. u. a. vgl. Lexer 3, 726; mhd. wb. 3, 634ᵃ.
γ)
die participialformen, die von diesen verbis adjectivische verwendungen abzweigen, entfernen sich damit natürlich weiter von der gemeinsamen grundlage, aber auch dabei fehlen die anhaltspunkte nicht, die auf diese zurückweisen:
unde wârn dâ bî doch
rittre vrech zu allir zît
und irwegin gar ûf strît.
Jeroschin 8868 Strehlke;
der was ain auszerwelter degen,
ain helt des leibes wol verwegen.
Heinrich v. Neustadt Apollonius 17751 Singer; vgl. verwegener muot Frauenlob 377, 1 Ettmüller;
si waren zwêne degen
in strîte vil bewegen
Dietrichs flucht 8577.
an diesem letzteren particip ist die doppelerscheinung des lautwandels und der zuspitzung der bedeutung zum ersten mal beisammen beobachtet: das die brüder ir bewogen gezeugnis halten Luther 3, 133; und sie mir sonsten mit allen gnaden bewogen war Hans v. Schweinichen 2, 305 u. a. vgl. theil 1, sp. 1768, wo noch mehrere zeugnisse für bewogen angemerkt sind, aus Ayrer, Opitz und Logau, vgl. auch:
welch weib uns ist bewogen,
welch unerschrocken weib das vaterland nicht haszt,
sol nachthun, was ihr seht.
Lohenstein Sophonisbe (1689) 12; u. a.
δ)
unter gewegen waren oben sp. 5395 verwendungen belegt, die sich zunächst mit irwegen, verwegen, bewegen in den eben angeführten stellen eng berühren: vünf hundert riter gewegen Mai und Beaflor 113, 9 u. a.; vgl. auch:
hie ritet hin gewegenlich
herzoge Wildhelm von Österrich.
Joh. v. Würzburg, Wilh. v. Ost. 11678 Regel.
diese bedeutung des particips wird nicht so sehr einer der beliebten übertragungen von der wage her entsprungen sein (vgl. meintend Joseph war nit so ein hoch gewegener mann, das man im glauben solt Geiler; wer uns sein freundtschafft gewegen und angnäm S. Frank s. oben sp. 5395. 5396), vielmehr liegt eben jene bedeutung einer bewegung zu grunde, die sich in der verbindung des verbums mit bestimmten zielpunkten differenzirte und die ihre so gewonnene bedeutung weiter entwickelte, nachdem die beziehung auf den einzelfall abgestreift war (vgl. auch verwegen). umgekehrt bleibt solch ein bestimmtes zielund zwar die beziehung auf eine person, der sich das subject zuwendetausschlaggebend für die bedeutung, die wir heute mit gewogen verbinden, und die an gewegen schon in Rothes thüringischer chronik beobachtet ist (der om gewegen was unde on ssere schutzte 267 s. o.). es liegt also keine nothwendigkeit vor, hier auf das abgeleitete verbum gewegon zurückzugreifen, zu dem doch starke verbalformen nicht mit sicherheit zu stellen sind und dessen synonymon helfen die participialformen beholfen, geholfen sehr kümmerlich und in anderer richtung entwickelt hat. die oben für den roman von den Haimonskindern, für Geiler, Hans Sachs, S. Frank, Spalatin angeführten zeugnisse zu gewegen beschränken sich zunächst auf die gegenüberstellung von personen, genau so wie in den folgenden nachzutragenden belegen:
und mit einem gschenckh sie (die richter) schmieren
das sie mir mein sach aussführen
dann sie mir auch sonst gewegen
drumb ichs leichtlich wil erregen
das sie es nicht lassen feilen.
P. Rebhun (Susanna 2, 1) 19 Palm;
und als sie ein kindlein bracht das ein knäblein was, ist jr der mann dest gewegener worden Hedio verdeutschung des Josephus (von alten gesch. 1.) 18ᵃ (1556; bei Spreng [1580] geneigter; bei Lautenbach: freundlicher zu ir thate). während die verdrängung des persönlichen subjects durch ein abstractes nur mit einem zeugnisz belegt ist, das der bedeutung nach strittig scheint (S. Frank weltb. 61ᵇ), liegen für die einbürgerung des abstracten objects auch schon ältere belege vor, so neben einer stelle aus dem Dictys des Herold (s. o.) in: sein almacht ist biszher gegen seiner kirchen also gesinnet gewesen, auch mit solcher gütigkeit unnd fürsehung gewegen, dasz man sich nit zu förchten, dasz er der aller gütigste gott die seinigen verlassen werde J. B. Fickler übers. v. Putherbeys tract. v. verbot. büchern (1581) 154ᵇ; auffallend und vereinzelt ist die wohl von dem bedeutungsverwandten geneigt (s. unter 2) beeinfluszte verbindung mit einer präpositionalbestimmung: wie sie (k. maj.) zu erhaltung der Teutschen und des hei. reichs hocheit, libertet und aufnemen zum hochsten gewegen und dieselbige helfen zu schützen geneigt (gutachten v. 1554) s. Christoph v. Wirtemberg briefw. 3, 24 Ernst; vgl. auch Fischer schwäb. wb. 3, 614. wenn sich die form gewegen für die sinnliche bedeutung bis in das 17. jahrh. noch belegen läszt (vgl. theil 13, sp. 425, wo für das 16. jahrh. die vorherrschaft in Oberdeutschland festgestellt wird und für das 17. ihre zähigkeit gegenüber den forderungen der grammatiker, die für gewogen eintraten), so hält sie sich für die übertragene bedeutung anscheinend noch länger: bei Hulsius ist sie noch 1616 allein gebucht. Henisch verweist zuerst auf gewogen, aber noch Rädlein nimmt von gewegen kenntnisz, und Neubauer stellt diese form noch aus der Egerländer md. fest.
b)
die form gewogen in übertragener bedeutung ist zuerst im 16. jahrh. beobachtet, in Götzens lebensbeschr., in Kirchhoffs wendunmuth, bei Heinr. Jul. v. Braunschweig, sie findet sich dann bei Opitz, Fleming, S. Dach, P. Gerhardt, Zesen, Grimmelshausen u. a. entsprechende formen im niederländischen, friesischen (Oudemans 2, 668) und dänischen (vgl. bevaagen theil 1, sp. 1768) sind entlehnungen. aus den ältesten belegen (s. u.) läszt sich für die rangordnung im verhältnisz zwischen der person des subjects und der des objects wenig gewinnen. mehrfach wird der niederstehende als gewogen gegenüber dem höherstehenden bezeichnet, doch ist auch die uns heute geläufigere entgegengesetzte auffassung gleich oft vertreten. auch für das verhältnisz der beiden geschlechter zu einander liegen früh belege vor, namentlich ist es die frau die dem manne gewogen erscheint. das vordrängen von abstracten in den kreis des objects oder des subjects scheint sich erst vorzubereiten.
c)
die buchungen lassen zwischen sinnlicher und abgezogener bedeutung in bezug auf den gebrauch von gewegen oder gewogen kaum unterschiede erkennen, doch scheint gewogen für die sinnliche bedeutung früher eingebürgert.
α)
begriffsbestimmung.
1))
für die sinnliche bedeutung: gewogen, gewagen, libratus Henisch 1606; gewegen, pensus, expensus, appensus 1595; appensus, gewogen, angehengt König 94ᵇ; pensus, gewogen, erwogen 839ᵃ; repensus, vergolten, gewogen 1004ᵃ; dazu vgl.: gewogen, ō gewāgt, pesato, ponderato Kramer 2 (1702), 1233ᵃ; gewogen haben oder sein, to have or been weighed. teutsch-engl. lex. 775; gewogen, pensus Steinbach 2, 1013; libratus, pensus Aler 1, 941ᵇ; gewogen, als mit der wage, s.wage Frisch 2, 455ᵇ; gewogen, mit der waage, pensus, libratus Kirsch 2, 152ᵃ; Matthiae 2, 182ᵃ; Hederich 1, 1428 (fehlt: libratus); gewogen, pesé Schwan 1, 748ᵇ; dazu vgl.: g·wôg·n und g·màsz·n ît bàll g'frász·n, das zugewogene und zugemessene, also gekaufte, im gegensatz zum selbsterzeugten und darum reichlicher vorhanden, ist bald verzehrt. sprichwort aus Franken s. Frommann d. dtschen. mda. 6, 327.
2))
für die übertragene bedeutung.
a))
verweist Hulsius (1614) bei gewogen auf gewegen (164ᵇ), bucht aber schon 1605 gewogen, affettuoso, primo d'affetto 63ᵃ gegenüber von: gewegen, hold, favorisant, bening, bien vuellant, portant une bonne affection, favorevole, beningno, amorevole (1616) 137ᵇ; Henisch umgekehrt verweist bei gewegen auf gewogen: gewegen, gewägen, geneigt (oben auch huld) s.gewogen 1595, dazu vgl.: gewogen, genaigt, wol gewoͤlt sein, propensus, affectus, benevolus, optime animatus 1607; amicus, gewogen, freundlich König 71ᵇ; benevolens, gewogen 137ᵇ; benevolus, geneigt, gewogen 138ᵃ; benevole, gewogen 77ᵃ; das gleiche Hederich 1, 1428; bei Stieler begegnet der erste versuch, den übertragenen begriff auf die sinnliche bedeutung zurückzuführen, die wir noch heute zu grunde legen: gewägen in usu non est, sed gewogen, adj. quod metaphor. notat propendens, inclinans voluntate, benevolus, favens, cupidus studiosus alicui, et adverb. benevole, studiose 2523; in gleicher richtung,nur unter einfügung der deutschen parallelen geneigt und günstig — folgen Aler 1, 941ᵃ—941ᵇ; Steinbach 2, 1013; Frisch 2, 455ᵇ; Kirsch 2, 152ᵃ; Matthiae 2, 182; Hederich a. a. o. in den wörterbüchern, die auf neuere fremdsprachen bezug nehmen, ist unter den deutschen parallelen neben geneigt meist auch dasjenige adjectiv angeführt, dessen bedeutungswandel zeitlich mit der einbürgerung von gewogen übereinstimmt, hold. die beziehung auf persönliche verhältnisse, die hold im 17. jahrh. (s. theil 4, 2, sp. 1735) mit absoluten wendungen vertauscht, übernimmt ja unser adjectiv zur selben zeit in gröszerer ausdehnung. dazu vgl.: gewogen, geneigt, hold, enclin, affectionné, favorable, qui porte bonne affection, et porté à quelque chose, benevolus, bene affectus, et propensus, inclinatus Duez 199ᵇ; hold, favorevole, benevole, affezzionato, favorable, portant une bonne affection, affectionné Rädlein 1, 382ᵃ; vgl. auch 1, 384ᵇ; hold, favorable, portant affection, affectionné Frisch dict. d. pass. 2, 280; adj., favorable, affectionné Rondeau 2, Un 4ᵃ; adj. et adv., günstig, geneigt, favorable, ami, qui favorise, affectionné, qui veut du bien à, qui a de l'inclination pour, portant affection Schwan 1, 748ᵇ.
b))
die etymologischen deutungen (zu Stieler s. o.) knüpfen im 18. jahrh. vielfach an die wage an: gewogen, adj., dal verbo wägen, propendere, quasi propendente, ò propenso, favorevole, inclinato, affettionato Kramer 1 (1702), 521ᶜ; gewogen kommt von wägen, von wag, libra, da sich ein theil und schale wegen des gröszern gewichts auf die seite neigt, daher ist geneigt soviel, als gewogen, propensus Frisch 2, 455ᵇ; jemand gewogen sein, ist eine redensart, welche von dem wägen mit einer wage hergenommen ist, da sich die eine schale, wegen des grösseren gewichts, auf die seite neiget. es scheinet also, den begriff eines vorzugs mit sich zuführen, welchen man jemand vor andern giebt, nachdem man ihre gute eigenschaften erkannt, und gleichsam gegen einander abgewogen hat Stosch gleichbedeut. wörter 2, 519; Adelung lehnt diese erklärung ab und hält sich an die allgemeinere bedeutung von wegen, gewegen: 'welches figürlich auch von der neigung oder bewegung des gemüthes zu einer person, besonders von der liebe, neigung und dem mitleiden gebraucht wurde' 2, 668. als beleg führt er ein älteres zeugnisz für das eben besprochene abgeleitete wegen an, bei dem er nicht erkennen läszt, welches verhältnisz er ihm zu gewegen zuweist, dazu vgl.: gewogen, from wegen or wiegen = neigen, to bund, to incline, adj. and adv., favourable, friendly, kind Hilpert 2, 1, 4661.
c))
mit Adelung setzen auch in den buchungen die versuche ein, gewogen in den gegensatz einzubeziehen, der für die bedeutungsverwandten geneigt und hold ursprünglich geltung hat, der aber schon bei diesen bald verwischt und verblaszt. geneigt zielt von hause aus auf ein subject, das dem persönlichen object übergeordnet, hold auf ein solches, das ihm untergeordnet ist. hier soll sich gewogen ganz an geneigt anschlieszen (s. dazu jedoch sp. 6452): in engerer bedeutung wird dieses ... nur von der neigung höherer gegen geringere gebraucht. allein in gesellschaftlichem umgange sind sie aus höflichkeit auch unter personen gleichen standes sehr üblich Adelung 2, 668. — wohlwollen, liebe gegen jemand empfindend und äuszernd; gewöhnlich von angesehenen gegen geringere gebraucht, oder von einer geliebten person Campe 2, 369ᵃ; mehrentheils wird das wort gewogen, nur von den höheren gegen geringere gebraucht Stosch 2, 521.
β)
diese auffassung wird allerdings durch den zusammenhang, in dem die beliebtesten unter den syntaktischen verbindungen des adjectivs vorzugsweise erscheinen, sehr begünstigt, vgl.: einem gewogen sein, favoriser aucun Hulsius (1614) 163ᵇ; u. a. man musz den bedürfftigen gewogen sein, propensior voluntas esse debet in calamitosos Aler 1, 941ᵇ; wir bleiben euch in gnaden gewogen ebenda; vgl. vor allem die wendungen einem gewogen bleiben, sich einen gewogen machen u. a. diese verbindungen sind meist früh und sorgfältig gebucht.
1))
auf die ältere zeit beschränkt erscheint die verbindung mit den adverb wol, das die im präfix schon gegebene hauptrichtung der bedeutung noch einmal zum ausdruck bringt; einige wörterbücher, die vom einfachen particip keine kenntnisz nehmen, buchen es in dieser form: er ist dir vor allen anderen wol gewogen, nemo illo est ad te amandum propensior, singularis illius est in te benevolentia Henisch 1606; einem wol gewogen sein, estre bien affectionné à quelqu'un, le favoriser, luy vouloir du bien, luy porter de l'affection ou une singuliere affection, favere alicui, bene affectum esse erga aliquem, amore ipsum prosequi Duez (1664) 199ᵇ; habere aliquem in amoribus, einem sehr wol gewogen sein Reyher 1, 320; wol gewogen, sehr, treflich wol gewogen, affettionatissimo Kramer 1 (1702), 521ᶜ; wohlgewogen, benevolus, amans Steinbach 2, 1014; gewogen, bene vel male affectus, wolgewogen propensus, übelgewogen, male affectus Wachter 583; favorable, günstig, angenehm, wol gewogen, hold, gut Sperander à la mode sprach 258ᵃ, einem gewogen oder wohlgewogen sein, ihm geneigt und günstig sein, to be affectionate or well-affected to one ... einem nicht gewogen sein, to be disaffectionate to one. teutsch-engl. lex. 2, 775; einem nicht gewogen, nicht wol gewogen sein, non esser affettionato ... Kramer 1, 521ᶜ (1702). ungewogen, invisus, odiosus Stieler 2523; malevolus, malevolens Steinbach 2, 1014; Frisch 2, 455ᵇ; mirifico esse studio et officio, einem sehr gewogen sein Reyher 3, 1720; einem sehr und trefflich gewogen sein, praestanti benevolentia et divino studio in aliquem existere Stieler 2523; einem sehr gewogen sein, s'attacher d'affection à qqun Schwan 1, 748ᵇ, vgl. auch Stosch 2, 521; ich kann dir nicht gewogner sein, als ich dir stets gewesen, benevolentior tibi esse non possum, quam semper fui Steinbach 2, 1013; Frisch 2, 455ᵇ (gewogener); ebenso Hederich 1, 1428; du hast niemanden, der dir gewogner ist, habens neminem tui amantiorem Steinbach 2, 1013; Hederich 1, 1428 (gewogener).
2))
schon bei diesen verbindungen des prädicativen adjectivs hat sich
a))
die vorzugsstellung des verbum substantivums gezeigt: er ist ihm gewogen, lui porta bon affettione Hulsius (1605) 63ᵃ; einem gewogen sein, favoriser aucun, (1616) 138ᵃ; einem gewogen sein, in aliquem esse propensa benevolentia Henisch 1607; dazu vgl. Rädlein 1, 382ᵃ; Aler 1, 941ᵇ; Steinbach 2, 1013; Frisch 2, 455ᵇ; Hederich 1, 1428; Rondeau 2, Uu 4ᵃ; Frisch dict. d. passag. 2, 280; Schwan 1, 748ᵇ; vorübergehend wird an stelle des persönlichen dativs präpositionalverbindung angemerkt: gegen einem gewogen sein, suam in aliquem navare benevolentiam Steinbach 2, 1013; gewogen ist er gegen uns beide, amans est ille utriusque nostrum Hederich 1, 1428; nur vereinzelt verzichten die buchungen auf die kennzeichnung des objectes: benevolo animo esse, gewogen sein Garth-König (1658) 77ᵃ; gewogen sein, favere, benigno animo in aliquem esse, benevolentia aliquem complecti, inclinatione voluntatis propendere in aliquem Kirsch 2, 152ᵃ; Matthiae 2, 182ᵃ; to be affectionate, be well affected to one, to favour one Arnold⁴ 427ᵇ; zögernd nur findet die erweiterung des objects (abstracta) anerkennung: einer sache, person gewogen sein, être affectionné à une affaire, une personne Rondeau a. a. o.
b))
die beliebteste verbindung des heutigen gebrauches, gewogen bleiben, das in der zwangslosen sprache ironische färbung annimmt, wird spät, aber hier gleich in der stilform, der es entstammt, gebucht: wir bleiben euch in gnaden gewogen, we assure you of our clemency, mercifulness, royal affection, favour. teutsch-engl. lex. 2, 775; ähnl. Aler 1, 941ᵇ; vgl. ich verbleibe euch in gnaden gewogen, resto affettionato vostro Kramer (1702) 1, 521ᶜ; ähnlich Adelung; Campe u. a.; dazu vgl. bleiben sie mir gewogen Adelung 2, 668; Stosch 2, 521; bleiben sie mir allzeit gewogen Stosch 2, 521; ich bitte sie, mir ferner gewogen zu bleiben, I desire you to continue me your favour Hilpert 2, 1, 466ᵇ; bleiben sie mir gewogen, er kann mir gewogen bleiben Albrecht Lpzger mda. 122ᵇ; bleiben se mir jewogen! d. i. lassen sie mich in ruhe H. Meyer d. richtige Berliner⁵ 53ᵃ.
c))
die bei hold häufiger zu beobachtende verbindung des prädicativen adjectivs mit machen ist auch für gewogen mehrfach angemerkt, ganz im gegensatz zu dem stand der belege (s. u.). sie wird in zwei formen verzeichnet, neben: sich einen gewogen machen, facere sibi aliquem benevolum, benevolentiam alicujus sibi conciliare Hederich 1, 1428; jemanden sich gewogen machen Adelung 2, 608; jemand sich gewogen machen Campe 2, 369ᵃ; sich jemand gewogen machen, to gain any one's favour or good will Hilpert 2, 1, 466ᵇ; ich habe die leute mir gewogen gemacht, studiosos mei illos habeo Steinbach 2, 1013; sich die soldaten mit geschenken gewogen machen, largitione militum voluntates redimere Hederich 1, 1428; vgl. auch die auffallende fügung: sich einem gewogen machen, facere sibi aliquem benevolum Steinbach 2, 1013; benevolentiam alicujus sibi conciliare Frisch 2, 455ᵇ; sich den soldaten mit beschenkungen gewogen machen, largitione militum voluntates redimere Steinbach 2, 1013; sich bei der bürgerschafft gewogen machen, benevolentiam civium contrahere Steinbach 2, 1014.
3))
attributive verbindungen sind kaum angemerkt: gewogene leute habe ich an ihnen, habeo illos studiosos mei Hederich 1, 1428; dagegen wird die heute wieder zurücktretende substantivirung mehrfach verzeichnet: gewogener, der, fautor, gewogene, die, fautrix Stieler 2523; der gewogene ... ein freund, gönner Campe 2, 369.
γ)
formen.
1))
mundartlichen schwankungen unterliegt unsere form nur wenig, da sie sich erst spät gegen gewegen durchsetzt und dann auf schriftsprachlichen gebrauch beschränkt, nur in der formel bleiben sie mir gewogen von der zwangslosen sprache erfaszt wird, vgl. (s. o.) jewogen, vgl.jewuͦge E. L. Fischer mda. in preusz. Samlande 108; Lenz Handschuhsheim mda. 28ᵃ merkt gewogen als ungewöhnlich an (dafür hold, grün). zu den theil 13, sp. 426 besprochenen participialformen mit a gehört auch gewagen in der niederdeutschen fassung von Kantzows chronik; das gleiche darf auch im liede aus dem venusgärtlein (s. u.) aus dem reim sagen ... gewogen für die ursprüngliche fassung erschlossen werden.
2))
steigerungspartikeln, auf die schon die buchungen hinwiesen, und die eigentliche steigerungsform sind am adjectiv viel beobachtet:
a))
(die Maroniten) seind den Christen gar gewogen, dargegen aber den Türken und Juden sehr feind Türckischer vagant (14) (1683) 125; ich bin den dichtern sehr gewogen, die mit der exposition haushalten, mich immer nicht mehr davon wissen lassen, als zum verstande des folgenden auftritts erfodert wird J. v. Sonnenfels br. üb. die Wiener schaubühne (Wiener neudr. 7) 46;
dort hinten kommen zwei,
sie sind gar niedlich angezogen,
's ist meine nachbarin dabei;
ich bin dem mädchen sehr gewogen.
Göthe (Faust I) 12, 50;
dann träum ich mir, du wärst mir recht gewogen!
auch wüsstest du, wie mir die pulse flogen,
wie du mich freund und lieber freund genannt.
Theodor Körner (nachtgedanken) 2, 53 Hempel;
die ehelichen kinder sind natürlichen nie recht gewogen Arnim 5, 41; vgl.schlecht gewogen Günther 2, 192;
wie doch verfielst du,
du guter knabe,
dem alle mädchen
so wohlgewogen,
der ihnen allen ...
das herz entrückt,
... auf mich.
G. Fr. Daumer Hafis (1846) 258;
ähnlich (so gewogen) venusgärtlein 163; P. Fleming 1, 192; dagegen vgl.: wer heiszt den herrn Klopstock philosophiren? so gewogen bin ich ihm freilich nicht, dasz ich ihn gern philosophiren hörte Lessing (br. die neueste litt. betr. 111 br.) 8³, 262; dazu vgl. den gegensatz vonungewogen (s. o.) und nicht gewogen (vgl. Opitz Arkadia 520; A. G. Kästner 1, 208); da sie dem heimischen bewerber nicht gewogen war P. Heyse (die talentvolle mutter) II, 4, s. 103;
den kaiser, der vorhin uns nie gewogen war,
erbittert sie gewisz im höchsten grade.
Wieland (Oberon 9) 23, 129.
b))
er lasse sich auf die sache ein, und schweige von den personen. welcher von diesen der kunstrichter gewogener ist ... verlangt kein mensch von ihm zu wissen Lessing (wie die alten) 11³, 4;
nein, sagt' ich einst zu einem spielgesellen,
dem ich gewogner war, beredet mich nur nicht,
Wieland (Idris u. Zenide 3, 9) 17, 131;
der superlativ ist anscheinend ganz an die adverbiale function geknüpft: ich habe einst in Deutschland das gelübde gethan, wenn ich mit den siegern nach Paris käme, den siegesbogen zu besteigen, und bitte jetzt, dasz sie mir gewogenst die erfüllung meines gelübdes gestatten F. L. Jahn 1, 492; unter seinen geheimen räthen zeigte er sich denen am gewogensten, die am eifrigsten katholisch waren L. v. Ranke d. röm. päpste 2 (1836), 49; dazu vgl. gewogentlichst s. u.
2)
der neuere adjectivische gebrauch der form gewogen beruht ganz auf der übertragenen bedeutung, adjectivische wendungen in der sinnlichen bedeutung sind ganz selten und zumeist jüngeren ursprungs: wann man hundert pfund erden in ein irrdin geschirr thete, und pflantzte zuvor gewogene samen oder kräuter darein, so offt nach einander, bisz man hundert pund (!) kraut darausz gewachsen bekomme, und wiege die erden wider, so ... N. Cusanus dialog v. waag u. gewicht (1617) 31;
ich gebe dir beides, silber und gold
wohl fünfzehn gewogene pfunde.
Heine (elementargeister) 4, 400 Elster
(das gleiche schon W. Grimm altdän. heldenlieder: funfzehn gewogene pfund). in übertragenem sinne könnte das sonst nach der bedeutung geneigt weisende folgende auch hierher gestellt werden:
und schmücket euch zu dieser zeit
im hertzen mit dem hochzeit-kleid,
das in der tauffe huld gewogen
eur Jesus euch hat angezogen.
J. W. Brodtkorb Ringwalts teutsche wahrheit 110.
denn an die vorstellung der wage knüpfen eigene übertragungen an, die wiederum dem particip im besondern gelten:
und nun nach manchen jahres zwischenräumen,
zum mann gereift, gewogen und erkannt,
find' ich mich wieder unter diesen bäumen.
Grillparzer (jugenderinn. im grünen);
dieser prophetenblick, dieses durchschauende ehrfurcht erregende staunen! ... dieses stille, kräftige geben weniger, gewogener goldworte Herder (in Lavaters physiognom. fragm.) 9, 472; so lange dies einfache grosze gesetz aller gegen einander gewogenen und abgezählten kräfte dauert, stehet der weltbau fest (ideen 15, 2) 14, 214;
a)
für die rangordnung zwischen den am verhältnisse betheiligten personen giebt der litterarische gebrauch zu den in den buchungen oben besprochenen festsetzungen bemerkenswerthe ergänzungen und abweichungen.
α)
in der stellung der personen ist eine rangabstufung erkennbar.
1))
der fall, dasz die untergeordnete persönlichkeit mit dem particip gekennzeichnet wird, ist zwar selten, aber für die ältere zeit doch nicht eigentlich eine ausnahme. verhältniszmäszig häufig trifft dieser gebrauch ein collectivum: sein weib ... möchte uns sonstet allen handel verderben, die landtschafft ist ihr wol gewogen, und möchte sich zu ihr schlagen Heinr. Jul. v. Braunschweig (ungeratn. sohn 4, 3) 361 Holland; dahär dan das gemeine folk dem adel sehr gewogen ist und mit aller ehr-erbietung begegnet, die ädelen auch erzeugen sich widerüm gegen das folk sehr glimpflich. Zesen adriatische Rosemund 180 neudr.
unser regiment und die andern vier ...
sind ihm ergeben und gewogen,
hat er uns selbst doch herangezogen.
alle hauptleut setzt' er ein,
sind alle mit leib und leben sein.
Schiller (Wallensteins lager) 12, 17;
vgl. auch sich an die spitze des volkes stellen, das ja, wie Laertes beispiel gezeigt, dem könige so ungewogen und so leicht zu lenken ist L. Börne (dramaturg. blätter: Hamlet) 1 (1840), 392; vgl. dagegen: denn er Fritz von Littwach mir allwegen gewogen und dienstlich gewesen ist Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 52 Bieling; von dem gesellen, der ihm (dem sohne des herrn) nicht gewogen war O. Ludwig (zw. himmel u. erde) 1, 228.
2))
die hauptzahl der belege freilich läszt die gewogenheit von einem höhergestellten subject ausgehen, wie namentlich auch die festen verbindungen erkennen lassen: wie allergnädigst ihre kay. may. gegen den ständen gewogen bericht von böhmischen sachen (1609) s. 9; hertz. Otto ist den geistlichen personen wol gewogen gewesen Bünting Braunschw. chronik 407; e gn. unterthänigst bittend dieselbe geruhen diese offerierung mit gnädigen augen anzuschawn, und fürters mir und den meinigen mit gnaden gewogen zu sein J. H. Weidner, widm. z. 3. theil von Zinckgreffs apopht. (1665); das hauszgesind ... wolte mir wohl, weil sie sahen, wie mir mein herr gewogen war Grimmelshausen Simpl. 133 neudr.;
ich irrte — nein! Segest ist mir umsonst gewogen.
J. E. Schlegel (Hermann 3, 2) 1, 350;
weil ihm ohnehin der könig wegen der rebhüner, die er meinte von ihm empfangen zu haben, gewogen war br. Grimm märchen (der gestiefelte kater) 1, 152; das gleiche Wieland 23, 129; ebenso (s. sp. 6458 gewogen bleiben) 22, 42; Friedrich der Grosze bei Ortloff 34; C. F. Meyer Angelo Borgia 169; der präsident ist mir gewogen Schiller (kabale u. liebe 1, 2) 3, 363; besonders häufig wird das adjectiv vom verhältnisz der gottheit zum menschen gebraucht:
ich habe Jesum angezogen
schon längst in meiner heilgen tauf;
du bist mir auch daher gewogen,
hast mich zum kind genommen auf.
'wer weisz, wie nahe mir mein ende' (1686);
du hast mich je und je geliebt
und auch nach dir gezogen;
eh ich noch etwas guts geübt,
warst du mir schon gewogen.
P. Gerhardt (o Jesu Christ) Ebeling s. 209;
desgl. (s. u.) 'schwing dich auf; vgl. Jos. Joach. Moller; vgl. auch Rist Parn. C. 3ᵇ; Venus und du ... Cupido, der jr mir bisz anhero allezeit sonderlich mit ewr gnad und gunst, gewogen schauspiele engl. comöd. (tragikomödie 1, 2) 196 Creizenach; o fortuna wie wol bistu denjenigen gewogen, die du ernehrest ohn die hoffbisʒlein 206; weil ich (Jupiter) aber dem menschlichen geschlecht mit sonderbarer gunst gewogen bin, und ohn das allezeit lieber die güte, als eine strenge verfahrung brauche. Grimmelshausen Simpl. 208 neudr.; ihr hingegen findet an uns (an Apollo u. den musen) lauter erleuchtete und unbestochene richter, und sind euch beiderseits im übrigen in allen gnaden gewogen. J. Kuhnau musik. quacksalber cap. 45 s. litt. denkm. 83, 201;
allein der krieges-gott war unserm feind gewogen,
so tapfer als ich auch die schlacht von weiten sah,
so half doch alles nichts, der untergang war da.
Joseph Kurz prinzeszin Pumphia (Wien. neudr. 2, s. 23);
vgl. auch
zürne nicht mehr, sei gutes muths, und sei mir gewogen!
Chr. v. Stolberg (hymnus an Demeter) 16, 157;
und Apoll belebt die stille
seiner thäler, seiner höhen.
süsze laue lüfte wehen.
alle, denen er gewogen,
werden mächtig angezogen
und ein edler folgt dem andern.
Göthe (deutscher Parnasz) 2, 24;
zwo sind hier Menelaos der göttinnen jezo gewogen,
Voss Ilias 4, 6 (1793, ἁρηγόνες εἰσί;
gewogen schon Bürger 212ᵇ; bei Voss 1802 geändert: willfahren dem held Menelaos).
β)
fraglich ist, wie weit die beziehungen zwischen beiden geschlechtern auf eine solche rangordnung hindeuten.
1))
die vorzugsstellung, die hier im bereiche des subjectes das weibliche geschlecht einnimmt, läszt darauf schlieszen, dasz eswenigstens in bestimmten zeit- und stilgrenzen als der höher stehende theil erfaszt ist.
a))
hertzgeliebter vätter, ihr wisset, dass ich bin ein einig kind meiner eltern, derhalben ich euch zum höchsten, nicht allein mit gutem willen gewogen, sondern auch allezeit ... guͦte fürderung erzeigen kan. Kirchhof wendunmut (3, 236) 2, 513 Oesterley;
bedenck, ich war dir so gewogen,
als keiner ist und werden kan,
ich zeigte dir durch wahre treu,
was leben und was lieben sei.
J. Chr. Günther (Philine an Selinden, als sie ihm untreu wurde)² 315;
du liebst mich nicht, doch bin ich dir gewogen.
Tieck (Genovefa [zu Siegfried]) 2, 205.
b))
von mir sag dem allerschönsten hertzen,
eitel frewd und wonn ohn allen schmertzen,
thue ihr vor der presentz (dem präsent) grosz danck sagen,
froͤhlich bin ich, weil sie mir ist gewogen.
'schwing dich auff fraw nachtigal' in drei weltl. newe lieder (1639) s. venusgärtlein 163 Waldberg;
Albine war mir schlecht gewogen
und hiesz der anfang meiner quaal.
J. Chr. Günther (er erinnert sich der vorigen zeiten)² 192;
wie offt hat in der zeit die hoffnung mich betrogen.
die heute mich verschmäht, schien gestern mir gewogen.
Uz (sieg des liebesgottes 1) 282 Sauer;
und leicht gewogen hier am ort
sind mir die ros'gen schönen,
denn jede hört ein liebeswort
zur zither gern ertönen.
Geibel (schmetterling) 1³, 17;
die geistreiche gräfin ... schien mir gewogen H. Steffens was ich erlebte 5, 8;
kannst du mir gewogen sein?
möchtest du mich nicht verschmähen?
o dann würd ich in der freude
überseelig untergehen.
Tieck (kaiser Oktavian) 1, 32;
ebenso (s. u.) Göthe br. 5, 252; Th. Körner 2, 53;
ich bin so glücklich schon, dasz sie mir ist gewogen
und gut, fühl ich mich zu ihr so mächtig hingezogen.
Arnold pfingstmontag 31;
Minchen fürwahr ist gut, und war dir immer gewogen;
neulich fragte sie noch nach dir.
Göthe (Hermann u. Dorothea: Terpsichore) 40, 255;
was massen mein gnädigstes fräulein ihme nicht allein vor einem andern wohl gewollet, sondern so gar mehr als iemanden gewogen gewesen der abentheuerl. Jan Rebhu 135;
und sprach ich ihn, und schien ich ihm gewogen,
so zählst du's irrig ihm zum vortheil an;
denn einem andern weiht ich meine neigung.
Platen (Corneilles Horatius 1, 3) dramat. nachl. 41 Petzet;
eine frau von Niethelm hatte sich ihm von jeher gewogen gezeigt E. Mörike maler Nolten (2, 232 Cottasche handbibl.); desgl. P. Heyse II, 4, 103; G. F. Daumer Hafis 258.
2))
die einführung des männlichen geschlechtes in den bereich des subjectes, wenn sie auch früh bezeugt ist, tritt dem gegenüber doch stark zurück und überwiegt nur im sprachgebrauche Goethes: mein lieb, der ich mich euch zu eigen giebt(!), trauet mir und tröstet euch, ich bin euch mit liebe gewogen schausp. engl. comöd. 209; so weis ich doch, dasz sie mir deswegen ihre gütigkeit nicht entziehen werden; sondern dasz sie mir vielmehr gewogen genug sind, um mir meine fehler zu entdecken C. C. Lucius an Gellert br. s. 22 Ebert (vgl. auch die zahlreichen belege für gewogenheit);
Marthe: und unser pärchen?
Mephist.: ist den gang dort auf geflogen,
muthwillige sommervögel!
Marthe: er scheint ihr gewogen.
Mephist.: und sie ihm auch.   das ist der lauf der welt.
Göthe (Faust I) 12, 167;
an des lust'gen brunnens rand,
der in wasserfäden spielt,
wust' ich nicht, was fest mich hielt;
doch da war von deiner hand
meine chiffer leis gezogen,
nieder blickt' ich, dir gewogen.
hier, am ende des kanals
der gereihten hauptallee,
blick' ich wieder in die höh,
und da seh' ich abermals
meine lettern fein gezogen:
bleibe! bleibe mir gewogen!
Göthe (divan: Suleika zu Hatem) 5, 175;
wenn du d'lle Maas siehst, so erinnere sie freundlich an diese geschichten ... ich war ihr nämlich sehr gewogen wegen ihrer groszen ruhe und allerliebsten klaren recitation (an Zelter) br. 27, 5; vgl. auch br. 1, 201; werke 12, 50; vgl. Wieland 23, 194; G. Keller br. 3, 455.
γ)
für die gröszere zahl der belege, die im verhältnisz von personen des gleichen geschlechtes eine rangordnung nicht eigentlich erkennen lassen, gilt doch die von Adelung schon gebuchte beobachtung, dasz im gesellschaftlichen verkehr die höflichkeitsformen eine solche von fall zu fall herstellen.
1))
die meisten belege sind für die gewogenheit, die vom höheren zum niederen führt, in anspruch zu nehmen: gegen:
Hecator (zauberkünstler): die götter bestettigen
ewren guten vorsatz ... sein euch sonst vavorabel,
ich verbleibe nochmals mit meiner andacht ewer
schuldiger freund.
Stultanus: dergleichen bin ich euch mit meinen diensten
gewogen.
schauspiele engl. comödianten 268 Creizenach.
vgl.:
braut und bräutgam, seid gewogen!
euch zu ehren spielt mein bogen
fast ohn zuthun meiner handt.
S. Dach (hochzeit-schertz) 813 Oesterley;
grüszen sie herr M. und sich selbst, und was mir gewogen ist Thom. Abbt verm. werke 3, (1771) 126; major: erlauben sie den glückwunsch eines wahren hausfreundes, sie waren mir bisher gewogen — wenn ich es verdiene, so halten sie ferner etwas auf mich Iffland (reue versöhnt 1, 10) theatr. werke 3, 192; leben sie wohl und thätig und mir gewogen Göthe br. 16, 229. dazu vgl. (s. gewogen sein) Türck. vagant 125; Sonnenfels (Wiener neudr. 7) 46; Lessing 8³, 262; 11³, 4; Arnim 5, 41; Sudermann hohes lied 400; (gewogen bleiben) J. C. Günther² 901; Gottsched; Herder 19, 313; Göthe br. 30, 31; Rückert 11, 499; F. G. Kühne 354.
2))
andere verwendungen greifen über die ceremoniellen formen hinaus und erschlieszen mehr empfindungsgehalt, der die höchste steigerung bei Platen (s. u.) erreicht: ich gebe keinen poeten, antwortet' er, bin auch der verlobten personen bekanter nicht. doch, weil ich höre, dasz ihr ihnen so gewogen seid, so will ich an meinem theile meine glückwündschung nicht hindan setzen P. Fleming (poet. wälder 3) 1, 92 Lappenberg; dazu vgl.: nach diesem schickte er hin, und liesz den Philanax holen, welchem er nie gewogen gewesen Opitz übers. v. Sidneys Arkadia (3) 520 (whom he had ... long hated);
im hertzen war Despreaux dem Chapellain gewogen,
an dem er doch mit recht das reimen durchgezogen.
J. C. Günther² 462;
denn was wir auch von leuten hören,
die dichtern nicht gewogen sind.
A. G. Kästner verm. schr. 1, 208;
nach Corinthus von Athen gezogen
kam ein jüngling, dort noch unbekannt.
einen bürger hofft' er sich gewogen;
beide väter waren gastverwandt.
Göthe (braut von Corinth) 1, 242;
ist ein betrüger, wer andern zu leicht gewogen?
nein, sondern er ist leicht betrogen.
F. Rückert (26. makame) 11, 428;
dieser liebte die musik mit leidenschaft ... und war dem jungen Lockmann von herzen gewogen Heinse (Hildegard 1) 5, 16; viele halten mich für einen flüchtling und sind mir deshalb gewogen Rosegger waldschulm. 108; und (sie) nahm gleichmütig die geständnisse der damen entgegen, die ihr alle gewogen waren H. Sudermann das hohe lied (2, 10) 400; beim ersten blicke war ich dir gewogen Platen (an einen freund 1816) 1, 513 Redlich;
so werde mir, so zeige dich gewogen,
denn du nur fehlst dem herzen, theures wesen!
ich liebte manchen freund und ward betrogen.
doch mag die welt in diesen blättern lesen,
dasz ich dich allen andern vorgezogen.
(sonette 45) 1, 174.
b)
neuerungen im bereiche des objectes und subjectes.
α)
in das object dringen sächliche begriffe vor: während das ältere niederdeutsche für diesen fall präpositionalverbindungen verwendet (hertoch Barnim heft so deger up de closter gewagen geweset Kantzow niederdeutsche fassung der chronik v. Pommern 76 Böhmer; und ... mer tho verwiderínge des nigestifteden christendomes wen tho krige gewagen 67), gliedern die neuhochdeutschen belege auch hier im einfachen dativ an:
1))
wer war den künsten mehr als dein August gewogen?
J. U. v. König gedichte (1745) 121;
hiesz mit namen Barthel Regenbogen,
hat die kunst lieb, war ihr gewogen.
Wagenseil (v. d. meister-singer holdseligen kunst) de civitate Noriberg. 506;
im wirthshaus sassen etliche vornehme buchhändler, denen hörete ich eine weile zu, als deren handthierung ich sonderlich gewogen Grimmelshausen wiedererst. Simpl. 3, 618.
2))
'o! schreit der wanderer, zög sich ein wetter auf!
o hemmten blitz und schlag mir pein und lebenslauf!'
schnell zeigt der donnergott dem wunsche sich gewogen.
Lessing (der wunsch zu sterben) 1³, 185;
o lieber Amor, sei meiner liebe gewogen.
S. Gessner (1778) 2, 38;
diesem bund, den wir vollzogen,
heilge jungfrau, sei gewogen.
Geibel (Loreley) 6, 134.
3))
'was ist der geist der zeiten?' ... die flüchtige mode ist seine unächte schwester; er ist ihr nicht gewogen, lernt aber auch von ihr, und hat mit ihr zuweilen lehrreichen umgang Herder (br. z. bef. d. hum. 15) 17, 78; der logik, als einer denk- und vernunftkunst ist der philolog, der die grammatik selbst so einschränkte, nicht gewogen (kleine schr.) 9, 432;
pusten, grobes deutsches wort!
niemand, wohl erzogen,
wird am reinanständigen ort
solchem wort gewogen.
Göthe invektiven: Göthe und Pustkuchen (jub. ausgabe 4, 50);
du bist allein der engen pflicht gewogen,
getreu dem lebenschaffenden gedanken ...
Platen (prolog an Göthe) 1, 66 Redlich.
β)
im bereiche des subjects ist der eigentliche unpersönliche begriff von dem nur verdeckten persönlichen zu scheiden, wie er vorliegt in:
sein raht sprang offt mit aller treu
dem lieben vaterlande bei,
hat unser häupt an sich gezogen,
das ihm gar gnädigst war gewogen.
S. Dach (auf Hans v. Kalckstein) 921 Oesterley;
er war verzagt und ungezogen,
doch ob er gleich zu unzeit bellt und schrie:
so blieb ihm doch das ganze haus gewogen.
Gellert (fab. u. erz. 1: die beiden hunde);
die meisten belege für den eigentlichen unpersönlichen begriff führen auf poetische übertragung und personification zurück, die aber nur selten noch rein zum ausdruck kommt:
o liebe! sag es frei, du bist mir nicht gewogen,
und hast die trawrigkeit der freude vorgezogen.
J. E. Schlegel (ged. a. d. 2. eheverbindung eines wittwers) 4, 147;
vorwiegend ist diese grundauffassung durch die wiederholung in festen verbindungen abgeschwächt.
1))
am durchsichtigsten ist dieser thatbestand bei der meist verbreiteten formel vom glück:
ist dir das blinde glück geneiget und gewogen,
will jeder bei dir sein an freundschaft vorgezogen.
Opitz teutsche poemata 77 neudr.;
die brust war zärtlich und getreu, das glücke schien mir auch gewogen.
J. Chr. Günther (das ... vertheidigte frauenzimmer)², 433;
das glück ist stets
dem fleisz gewogen.
Knebel übs. v. Dodsleys Chiron im Tiefurter journal (schr. d. Göthegesellsch. 7, 292);
sieh'st du, o alter held,
das glück ist dir gewogen;
du bist nicht ausgezogen,
und stehst nun doch im feld.
Rückert (prinz Koburg) 1, 91;
dasz dem das glück zumeist gewogen,
der es am mindesten gehetzt.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 254 Schücking;
dazu vgl. die vereinzelte beziehung auf die formen, in denen sich die gunst des schicksals zuwendet:
mir ist's, da der sturm vorüber,
wie dem schiffersmann zu muth,
der sich vom orkan gerettet,
wenn die see sich wieder glättet,
und gewogen wird die fluth.
Platen (die tochter Kadmus 3, 6) dramat. nachlasz 97 Petzet;
fremd bin ich eingezogen,
fremd zieh' ich wieder aus.
der mai war mir gewogen
mit manchem blumenstrausz.
W. Müller (die winterreise: gute nacht) 111 Hatfield.
2))
auch herz und gemüth, als brennpunkte der empfindungswelt, die in einigen der oben abgegrenzten gruppen zum ausdruck kommt, werden viel in die function des subjects gezogen:
ach wie untreu und verlogen
ist die liebe dieser welt:
ist sie iemand wol gewogen,
währts nicht länger als sein geld.
P. Gerhardt (Jesu, allerliebster bruder) Fischer und Tümpel 3, 419ᵃ;
alle gemüther waren ihm (Josef) gewogen Zesen Assenat (1672) 193;
ich zweifelte, da ich gespielt den kalten,
ob ein gemüt mir noch gewogen werde?
Platen (gaselen 38) 1, 136 Redlich;
ich bin ein sohn
desz, der den thron
desz himmels aufgezogen.
ob er gleich schlägt
und creutz auflegt,
bleibt doch sein hertz gewogen.
P. Gerhardt (ich hab in gottes hertz und sinn) Fischer u. Tümpel 3, 314ᵃ;
du kleiner ort, wo ich das erste licht gesogen ...
sei immerhin unscheinbar, unbekannt,
mein hertz bleibt ewig doch vor allen dir gewogen,
Wieland (Oberon 4, 22) 22, 155;
seht mir nur ab, wie man vor leute tritt,
ich komme lustig angezogen,
so ist mir jedes herz gewogen,
ich lache, jeder lacht mit mir.
Göthe (paralip. z. schülerscene im Faust) 14, 289 Weimar;
prinz Karl, du theurer held,
mein herz ist dir gewogen;
ziehst du nicht mehr zu feld,
wie du zu feld gezogen?
Rückert (prinz Karl) 1, 88;
dazu vgl. die ganz vereinzelten fälle, in denen ähnliche abstracta beobachtet sind:
nun bin ich frei, in dem ich nicht mehr frei,
im fall mir nur dein mund gewogen sei.
H. v. Hoffmannswaldau s. Neukirchs samml. v. ged. 2, 318;
aber das wort tugend, welches ich etlichemal aussprach, war die beschwörung, durch welche ich ihren zorn besänftigte, und ihr alle aufmerksamkeit gab, die ich nöthig hatte, um mir ihre eitelkeit gewogen zu machen S. v. La Roche frl. v. Sternheim (1) 162 Ridderhoff. ganz vereinzelt erscheint das folgende:
viele lieb' hab' ich erlebet,
wenn ich liebelos gestrebet;
und verdrieszliches erworben,
wenn ich fast für lieb' gestorben.
so du es zusammengezogen,
bleibet saldo dir gewogen.
Göthe (sprichwörtlich (jub.-ausg. 4, 22).
c)
bevorzugte formen syntaktischer verbindungen:
α)
charakteristisch treten sich, je nach der rangordnung zwischen den trägern des subjects und objects, die syndetischen verbindungen mit bedeutungsverwandten gegenüber: gegen (s. o.) gewogen und dienstlich sein Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 52; ergeben und gewogen sein Schiller 12, 17; vgl.: denen du zu deiner zeit mit kaiserlichen gnaden so wohl gewogen und so geneigt gewest bist, dasz ... Grimmelshausen (verkehrte welt 2) wiedererstand. Simpl. 3, 193. indifferent in dieser richtung erscheinen: die wahrhafftige galanterie bestehe ... in einer absonderlichen conversation de l'air galant, als wenn es eine verborgene natürliche eigenschafft wäre, durch welche man .. gezwungen würde, einem menschen günstig und gewogen zu sein Chr. Thomasius v. nachahmung d. Franz. 11 Sauer;
dasz sich Almansaris
der schönen schwimmerin gar freundlich und gewogen
bewiesen hat, und ihr viel schönes vorgelogen.
Wieland (Oberon 10, 50) 23, 194.
als contrastverbindung vgl.:
o wie so selig lebt der mensch zur jeden frist,
dem gott gewogen u. dem sathan neidig ist.
Riss parn. 63ᵇ;
β)
ungewöhnlich breit entwickelt ist die prädicative function des adjectivs, und in ihr nimmt
1))
die verbindung mit dem verbum substantivum weitaus den meisten raum ein, wie sich schon im bisherigen zeigte:
a))
überwiegend wird das adjectiv auf eine dritte person bezogen, doch sind auch für die redenden und für die angeredete person zahlreichezum theil bemerkenswerthe formen ausgebildet.
schreie, tolle welt, es sei
mir gott nicht gewogen,
es ist lauter täuscherei
und im grund erlogen.
wäre gott mir gram und feind
würd er meine gaben,
die sein eigen worden seind,
wohl behalten haben.
P. Gerhardt (schwing dich auf) Ebeling s. 160
(bei Joh. Joach. Moller: es sei gott den menschen nicht gewogen); die gleiche fügung (s. o.) Opitz Arkadia 52; deutsche poem. 78; Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 52; venusgärtlein 163; J. L. Weidner zu Zinckgreff; Heinr. Jul. v. Braunschweig 361; Bünting Braunschw. chron. 407; Kantzow 76; Zesen adriat. Ros. 180; Assenat 193; Rist parnass.; Hoffmannswaldau 2, 318; Jan Rebhu 135; Grimmelshausen wiedererst. Simpl. 3, 193; Thomasius 11; Wagenseil 506; J. C. Günther², 192; 462; J. v. König 121; Jos. Kurz (Wiener neudr. 2) 23; Th. Abbt 6, 3, 12; J. E. Schlegel 1, 350; Uz 282; Kästner 1, 208; Heinse 5, 16; Wieland 23, 129; Herder 9, 432; 17, 78; Voss Ilias 4, 6; Göthe 12, 50; 40, 255; — 14, 289 Weimar, Schiller 3, 363; 12, 17; brüder Grimm märchen, 1, 152; Arnold pfingstmontag 31; Börne 1, 392; Rückert 1, 88; 1, 91; 11, 428; W. Müller 111; H. Steffens 5, 8; O. Ludwig 1, 228; Mörike 232; Daumer Hafis 258; Geibel 1³, 17; P. Heyse 2, 4, 103; Rosegger waldschulm. 108; H. Sudermann hohes lied 400.
b))
sag mir, wie du dich befindest, und dasz du mir gewogen bist Göthe br. 5, 252; die gleiche fügung in der anrede 16, 229; desgl. schon Paul Fleming 1, 92; S. Dach 813; Paul Gerhardt 209; kirchenlied 'wer weisz'; schausp. engl. comöd. 206; Grimmelshausen Simpl. 208; Gessner 2, 38; J. E. Schlegel 4, 147; C. v. Stolberg 16, 157; Iffland 3, 192; Th. Körner 2, 53; Tieck 1, 32; Platen 1, 66; Geibel 6, 134.
c))
zur fügung in der 1. person vgl.: Kirchhof wendunmut 2, 513; schausp. engl. comöd. 209, 268; Grimmelshausen Simpl. 208; Tieck 2, 205; Platen 1, 513.
2))
nur vereinzelt sind variationen wie einem gewogen werden (Platen 1, 136; vgl. auch unten Göthe 4, 43 W. u. a.) einem gewogen scheinen (Günther², 433; Göthe, Faust; Platen nachl. 41) beobachtet. dagegen ist die verbindung gewogen bleiben vielfach bezeugt, deren weiterentwicklung in der zwangslosen sprache schon bei den buchungen gestreift wurde (s. o.): gegen: die wir, in dessen erwartung wie auch sonsten jeder zeit euch und eurer guten stadt mit königlicher hulde und fürstlicher gnade gewogen verbleiben Friedrich der Grosze an Goslar 1765 bei Ortloff 34; vgl. andererseits: ... stiesz mit dem fusze aus, als sucht' er ihn zu treffen, und wendete sich kurrend abseits. 'lumpenhund! kann mir drei mal — gewogen bleiben! laszt den kerl laufen! und die donna auch! ...' F. G. Kühne d. freimaurer (2, 12) (1855) 354; er kann mir gewogen bleiben. auch: er kann mir gesund bleiben Frischbier preusz. sprichw.² s. 90 (no. 1265); 'du kannst mir gewogen bleiben', ironisch für 'du hast meinem vertrauen nicht entsprochen'; hat auch den sinn von 'küsz mir den ellenbogen' Wander 1, 1677. die anredeform, von der diese entwicklung abzweigt, überwiegt auch im litterarischen gebrauch:
a))
eh' du aufs haar vollzogen,
was ich dir hier von wort zu wort gebot,
ist deine wiederkunft unmittelbarer tod!
wir bleiben übrigens in gnaden dir gewogen.
der kaiser sprach's und schwieg. allein wie uns dabei
zu muthe war, ist nothlos zu beschreiben,
ein jeder sah, dasz so gewogen bleiben
nicht besser als ein todesurtheil sei.
Wieland (Oberon 1, 68) 22, 42;
dieser (Nikodemus) begreift nicht; indessen war er ein billiger mann, und blieb Christo von diesem gespräch an gewogen Herder (christl. schr.) 19, 313; auch die regentin ... blieb ihm aus klugheit und unbewuszter achtung einer verwandten anlage gleicherweise gewogen C. F. Meyer Angelo Borgia 169.
b))
dein ruhm baut dir ehren-bogen,
bleib nur unserm wunsch gewogen.
J. Chr. Günther (auf Gottfr. Fuchs)² 901;
lebe wohl, geneigter leser, und bleibe seinen (des verfassers) bemühungen ferner gewogen Gottsched vorr. zur neuen aufl. der vern. tadl. (1738); werfen sie sie (meine lieder) ins feuer, und sehen sie die gedruckten gar nicht an; nur bleiben sie mir gewogen Göthe (an Friederike Oeser 1769) br. 1, 201; empfehlen sie mich dem herrn bruder aufs beste und bleiben sie mir in freundlichkeit gewogen 30, 10; leben sie recht froh und gesund ... und bleiben sie stets gewogen ihrem Keller Gottfried Keller (an M. v. Frisch 1880) 3, 455 Bächtold;
ich bin hier zu haus
und weisz, wo du willst hinaus;
nimm die antwort in bausch und bogen
und bleib mir gewogen!
F. Rückert (36. makame) 11, 499 vgl. Göthe 5, 181.
3))
der persönliche dativ, der bei der verbindung mit verbis voraussetzung ist, wird vereinzelt abgestreift:
drum sind wir gewogen,
beglücktes vater-land!
J. Chr. Günther (auf Schweidnitz)² 907.
die gleiche fügung (s. o.) S. Dach 813; P. Gerhardt s. Fischer u. Tümpel 3, 314ᵃ; desgl.:
kämen sämtlich angezogen
dieser stämme frohe lichter,
würden könige gewogen
und begrüszten sie die dichter.
Göthe (der Frau v. Ziegesar geb. v. Stein) 4, 43.
4))
wendungen, die das subject der zuneigung im betreffenden satze als object einführen, sind nicht selten:
... und sprach so adelich,
und schien so ganz der mann,
der helfen kann,
dasz sie beim ersten anblick sich
ihm gleich gewogen fand.
Wieland (des maulthiers zaum) 18, 324;
dazu vgl. (s. o.) sich als gewogen beweisen Wieland 23, 194; — zeigen Lessing 1³, 185; Mörike (s. u. sp. 6454) u. a.;
behalte mir dein herz gewogen.
Göthe, mitschuldige (einactige fassung von 1769 vers 128) Döll 232;
vgl. einen einem gewogen machen Grimmelshausen Simpl. schr. 4, 56; S. v. La Roche Frl. v. Sternheim 162; einen gewogen wollen Grillparzer 8⁵, 32; — hoffen Göthe 1, 242.
γ)
die attributiven verbindungen haben sich erst im neueren gebrauch entwickelt, meist im anschlusz an die oben belegten prädicativen verbindungen, nur im poetischen stil greifen sie über diesen rahmen hinaus.
α))
am engsten bleiben in diesen grenzen die verbindungen mit persönlichem substantiv:
1))
der überwundne fiel, zu stets erneutem spott,
der sieger, wie er prangt, preis't den gewognen gott.
Göthe (Faust II, 4) 41, 288;
und wenn ihr an den hof kommt, so seid doch mein gewogner herr mit einem günstigen bericht (good lord) Schlegel Shakespeare (Heinrich IV. 2, 4, 3) 2, 82 Brandl;
der schäfer trug die post ...
zu seiner ihm gewognen schäferin.
J. v. König gedichte (1745) 44;
bei später abendzeit ... ward ich bei diesem, mir früher nicht ungewogenen, bedeutenden manne (dem marquis Luchesini) eingelassen Göthe (campagne in Frkrch.) 30, 175; ich bleibe nach wie vor sein vielgewogner freund Spindler der vogelhändler von Imst 3, 327; der gewogene leser Butschky Pathmos (1677) 4ᵇ (einführung); ich möchte den meisterwerken unserer dichtung gewogene leser verschaffen Gervinus gesch. d. dtschen dichtung 1⁴, 13; dasz der nicht sonderlich gewogene kritiker zu ehren unseres dichters dennoch günstige zeugnisse abzulegen genöthigt ist Göthe (neueste ital. lit.: graf Carmagnola noch einmal) 38, 286.
2))
dasz euch im traum ein wohlgewogner geist
die künft'ge königin von euerm herzen weist,
das hat er gut gemacht.
Wieland (Oberon 4, 13) 22, 149;
dazu vgl.den geist, den neuerung gewogenen Lohman 3, 290 s. Sanders erg. wb. 599ᵃ.
β))
weitere kreise ziehen die verbindungen mit unpersönlichen trägern.
1))
gegen: aber wenn der himmel, der mir jetzt hoffnung und vertrauen zulächelt, mich jemahls wieder zu meinem gemahl bringt, und ein gewogneres geschick über uns aufgehen heiszt. Wieland (Araspes u. Panthea 2, 4) 16, 270;
unter die menge greift er mit eigenwillen, und welches
haupt ihm gefället, um das flicht er mit liebender hand
jetzt den lorbeer und jetzt die herrschaftgebende binde,
krönte doch selber den gott nur das gewogene glück.
Schiller (das glück) 11, 270;
vgl. schon:
die rege freude nahm so gleich ihr zitterndes geäder ein,
und ihre späten abend-stunden erleuchtet ein gewogner schein (one bright gleam).
Brockes Thomsons jahreszeiten 313;
ihn laden überall gewogne schatten ein;
hier binden zefyrn ihn mit einer rosenkette ...
Wieland (Idris u. Zenide 5, 12) 17, 247;
indessen weht
gewogner wind vom land ins meer.   die schaar
beginnt, geordnet, itzt die reis'.
Ewald v. Kleist (der kranich) 125;
ich will es alles kund thun und verspreche
euch stille see, gewognen wind und segel
so rasch, dasz ihr die königliche flotte
weit weg erreichen sollt.
Schlegel Shakespeare (sturm 5, 1) 10, 377 Brandl (ausspicious gales, glückliche winde Wieland);
indesz verfolgt mit stets gewognem winde
der treue Scherasmin den anbefohlnen lauf.
Wieland (Oberon 9, 6) 23, 128.
vgl. geneigte winde s. o., vgl. bei favorablem winde Schnabel insel Felsenburg 1, 252;
daher nach gepflogener berathschlagung
und auf buchaufschlagung
und gewogner zeichen-befragung,
nahm ich zu meinem reisegefährten ein herz ohne gram.
Rückert (makamen 25) 11, 413;
ein stetes hoffen und ein süsz erinnern,
von qualm und sorgen freigemachte stirne,
gewognes leuchten oberer gestirne,
gott über dir und gott in deinem innern:
willst du noch mehr? willst du noch vollere garben?
Immermann gedichte VI (werke 11 s. 251).
2))
versichere ich denselben meines iderzeit gewogenen willens S. v. Butschky erweit. hochdeutsche kanzellei 2, 361.
a))
kein volck ist so wild, das die kunst nicht mit gewogener verwunderung angaffe, wenn es gleich dieselbe nicht allerdings versteht S. v. Butschky Pathmos 95; fürstl. gn. sothanem vorhaben gnädig gewogene meinung Schottel widmung zur zweiten aufl. seiner sprachkunst (an den herzog v. Braunschw.) 1651; ich kann nicht beschreiben, mit welchem freudigen stolze ich auf das zeichen des gewogenen andenkens von einem der vortrefflichsten unseres volkes hinblicke Bürger an F. L. v. Stolberg bei Strodtman 3, 176; das thätige zeugnisz ihres fortwährenden gewogenen andenkens ... bestätigt auch glauben und hoffnung für die zukunft Göthe (an Schreibers) br. 36, 268; ew. hochwohlgeboren an mich erlasznes gewogenes schreiben kam eben zur zeit an br. 15, 221; nunmehr erhalt ich durch die aufführung von Faust und die demselben vorgeschickten gewogenen worte die angenehmste versicherung (an Tieck) br. 46, 81.
b))
die handlung der gewognen triebe
trassiert auf Gott.
Stoppe Parnasz 351;
aber ich selbst will ehr' und gewogene liebe der menschen
vorziehn allem gewühle der ross' und der trabenden mäuler.
J. H. Voss Theokrit (16, 66) 153 (καὶ ἀνθρώπων φιλότητα πολλῶν ἡμιόνων).
bald auch schmeichelt' er einer vom schwarm der dienenden mägde,
um gewogene huld mit ängstlicher stimme sie bittend.
übers. d. Ovid (Pomona) 2, 364 (nec sibi dura foret);
so sizen wir dann noch einmal hier, noch einmal gekrönt, und wie ich hoffe, mit gewogenen augen angesehen Wieland (könig Johann 4, 2) 3, 409 (with cheerful eyes, mit freud'gen augen Schlegel); und musterte den blonden begleiter ihrer herrin mit einem nicht allzu gewogenen blick ihrer kleinen kalmückischen augen P. Heyse (das glück v. Rothenburg) 2, 10, 116; der herzog, angenehmer berührt durch die hinreiszende wärme des redenden als durch die stark aufgetragene schmeichelei, die der herzogin ein gewogenes lächeln entlockt hatte C. F. Meyer Jürg Jenatsch 121;
nun gute nacht! das spiel zu enden,
begrüszt uns mit gewognen händen. (give me your hands, if we be friends).
A. W. Schlegel Shakespeare (sommernachtstraum 5, 1) 7, 346 Brandl;
vgl. geneigte hand, ohren u. a.
δ)
wenig belegt ist die substantivirung des adjectivs, doch lassen die spärlichen zeugnissein übereinstimmung mit den buchungeneinen thatsächlich verbreiteteren gebrauch erschlieszen, der der neuesten sprache allerdings abgestorben ist: bringe alles schönstens zur ordnung, besuche August in Heidelberg, dancke seinen freunden und gewogenen und kehre über Würzburg und Bamberg zurück Göthe (an Christiane 1808) br. 20, 188;
hinweg hebt alle das antlitz,
wer ein gewogener ist! und das haupt der Gorgo entblöszt' er.
Voss übers. v. Ovid verwandl. (Perseus 354, vultus avertite vestros, siquis amicus adest!)
Zitationshilfe
„gewogen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gewogen>, abgerufen am 21.11.2019.

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