Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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glücken, n.

glücken n
gelingen, erfolg; die substantivierung ist selten:
gar bald verkehrt sich das gelücken
Spreng Ilias (1610) 206ᵇ;
das glücken des Donauüberganges bei Orsova ist sein werk A. v. Mackensen briefe u. aufzeichn. (1938) 274.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 294, Z. 59.

glucken, n.

glucken n.
substantivierung des vorhergehenden vb., s. dieses, insbesondere abschnitt 1 a, 1 b γ, 5 c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 284, Z. 39.

glucken, vb.

glucken vb.
schallnachahmende bildung, die mit klucken (s. teil 5, 1258) wechselt, aber erst später als dieses bezeugt ist. mit anlautendem k ist das wort gemeingermanisch: ags. cluccian 'glucken, lärmen', engl. cluck dass., engl. dial. clock und clutch 'glucken, brüten' Wright 651ᵇ u. 671ᵃ, Murray 2, 511; 541, dazu dial. cluck, cluckish, adj., 'bereit, geneigt zum brüten, brütig' Wright 666ᵃ; mnl. clocken 'kehllaute hervorbringen, glucken', holl. klokken 'glucken, glucksen'; mhd. klucken, glucken, gluggen, mnd. klucken; norw. klukka, shetl. klukk 'klucken (von hühnern)' Torp nynorsk et. ordb. 288; schwed. klukka, älter auch klokka, jetzt besonders vom truthuhn, auch 'gurgeln (den hals)' (seit dem 17. jh. bezeugt) svenska akad. ordb. 13, 1384; daneben neuerdings auch glucka s. ebda; schwed. dial. klokka, klaͦkka 'glucken', klykka 'brütig sein', von hühnern, klukka 'glucksen', von flüssigkeit Rietz 329ᵇ u. 330ᵃ; Wessmann östsvenska (1925) 1, 371ᵇ; Vendell östsvenska (1904) 1, 446ᵃ; dän. klukke 'glucken, glucksen, gluchzen', älterdän. klukke und (seltener) glukke 'glucken, seufzen, schmeicheln, gurgeln' ordbog over det danske sprog 10, 688; Kalkar ordbog til œldre danske sprog 2, 540ᵃ; dazu norw. kluk, adj., von hühnern, die brüten wollen. wegen der dialektformen sind die skandinavischen wörter schwerlich aus dem deutschen entlehnt. die parallelen bildungen lat. glōcīre, afrz. glocir, clocir, prov. closir, frz. clousser, cloquer, prov. closar, it. chiocciare, gallur. čučča, span. cloquear, port. clocar, griech. κλώσσειν, κλώζειν, sämtliche in der bedeutung 'glucken' oder ähnlich, frz. glougloter 'kollern', lit. žliúgauti 'schluchzen', kirchenslav. klъcati 'klopfen', lit. klukšéti 'den schluckauf haben', kliukčióti 'schlucken, gackern' sind wohl eher selbständige (auch innerhalb der romanischen gruppe nur z. t. von einander abhängige) schallworte, als urverwandt, wenn auch das fehlen der lautverschiebung bei der germ. gruppe nicht notwendig gegen zusammenhang spricht (s. Wackernagel voces variae animantium [1869] 79 u. 88); vgl. Walde-Pokorny 1, 497; Meyer-Lübke roman. etymol. wb. (³1935) 3795; Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. (1928) 472ᵃ; Bloch - v. Wartburg dict. étym. (1932) 1, 338ᵇ; Falk-Torp 1, 537; Hellquist 322; Berneker 1, 525. die form mit anlautendem k ist in den meisten nd. mundarten bezeugt, ferner in teilen des rheinischen und im luxemb. (rhein. wb. 2, 1285; Gangler 242). den g-anlaut hat das sonstige md. und das obd. (ausnahme lusern. klukn Bacher 285; cimbr. klucken Schmeller 199); in dem letzten, namentlich im süden, ist inlautende geminata nicht selten, z. b. gluggn Hintner Defregg. dial. 82; Lexer kärnt. wb. 117; gluggeⁿ schweiz. id. 2, 620.
1)
vom laut mehrerer vogelarten.
a)
in der regel vom laut der henne, die brüten will, bzw. brütet und junge führt, vgl. glocidare glucken (md., 15. jh.) Diefenbach gl. 265ᶜ; pipare schreyen oder gluggen wie die hennen Frisius (1556) 1006ᵇ; glocire, gallinarum est, cum ovis incubiturae sunt glucken B. Faber thesaurus (1587) 360ᵇ. seit dem spätmhd. vielfach neben klucken, vgl.
ein volkrüpflu henne
diu niht mere geklucken mac
(schwäb. hs. d von 1447: gluggen; Kolocz. cod. 164 gegen teil 5, 1258: gelouben) Rüdiger v. Hünchoven schlegel 257 Pfannmüller;
glucken, klucken, klucksen wie die gluckhenne glocire Widerhold dict. (1669) 501ᵇ: und stehet noch heutiges tages und ruͦfft, und glucket den armen zerstreueten hünlein (bildlich von der glucke, den plejaden) J. Pomarius grosze postilla (1590) 3, 38ᵃ; und die küchlein wollen die henne lehren glucken und eier legen S. Artomedes christl. auslegung (1609) 1, 86;
die gluck ihr stim verwandelt fern
gluckt und lockt freundlich ihr küchlein
J. Sommer epatologia (1605) e 6ᵇ;
im sommer ..., da die meisten hüner auffhören zu legen und hingegen anfangen zu glucken und junge auszubrüten
J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 1, 343;
hüner setzen, ist ein amt der häuszlichen weiber, die da, so bald sie mercken, dasz eine henne zu glucken anfängt, selbiger frische und tüchtige eier untersetzen
Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 907;
der gluckenden henne beneide ich ihre stimme nicht
Herder 28, 145 S.;
im stroh gluckten die hennen
Steguweit stelldichein d. schelme (1937) 73.
substantiviert:
hört! wie sie (die henne) läszt ihr glucken schallen
und sich nach ihren jungen sehnt
bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 206.
bildlich: husch, rennen die übrigen gedanken in den winkel und sitzen gluckend wie die brütenden hühner da Tieck schr. (1828) 17, 211; alsbald brütete an jeder himmelsecke eine grimmige wetterhenne ... ballte sich borstig und mit bösem glucken P. Dörfler d. lampe d. tör. jungfrau (1930) 369. auch von dem verwandten laut der hühner, den sie besonders in der angst von sich geben: die haushühner schlüpften unter der thürschwelle ängstlich gluckend in die lauben Rosegger schr. I 4, 42. auch von dem laut der küchlein:
picke die krume für dich und lasz dein glucken, du küchlein!
Voss ged. (1802) 1, 234.
vom laut auf das brüten selbst bezogen: glucken ovis incubare Frisch teutsch-lat. wb. (1741) 1, 357ᶜ; glucken, klucken ... still sitzen, brüten J. H. Kaltschmidt ges.-wb. (³1851) 345ᵇ; glukkæ 'brüten' Claus Uri 49. so vielleicht auch die bildliche anwendung: und ist doch eyn armer ungelerter mensch seyn leben lang blieben, der widder zu glucken noch zu eyer legen getücht hatt Luther 15, 51 W.
b)
von verwandten tönen anderer vögel.
α)
von weiblichen tieren: so volgend sy (die jungen pfauen) der gluckenden hennen (pfauhenne) nach Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 189ᵃ; cacabo ... glucken wie ein rebhun A. Corvinus fons latinitatis (1646) 120; das nahe und ferne der gluckenden stimmen (der brütenden vögel) lag wie ein netz von geheimnissen über den beseligten wäldern R. H. Bartsch frau Utta (1915) 146; (ein) thal, in welchem ... keine wildtaube will glucken Rosegger I 10, 88.
β)
von männlichen tieren; besonders vom lockenden ton des hahns, der decken will, vgl. cucurire glucken, locken wie ein han B. Faber thesaurus (1587) 220ᵃ; cucurriare kantern oder gluggen wie ein han Calepinus XI ling. (1598) 355ᵇ:
frech kräht sogar der hahn und gluckt
G. Kinkel ged. (1868) 2, 16;
diese heyden (die Hottentotten) ... führen eine ... spraach, wie wann sie gluckten als die indianische hahnen Joh. Jac. Saar ostindian. kriegsdienst (1662) 157; glucken ... von truthähnen glouglotter Schrader dtsch-franz. wb. (1771) 1, 358; wie er (der auerhahn) aber wieder zu glucken beginnt, geht er (der jäger) ihm von neuem auf den leib Cl. Brentano ges. schr. (1852) 6, 443;
und gluckend lockt der auerhahn
Beda Weber lieder aus Tirol (1842) 205.
γ)
vom gesange der nachtigall (so auch dän. klukke, vgl. ordbog over det danske sprog 10, 688):
wenn am abend aus dunkelm gebüsche
die melodische nachtigall gluckte!
Schubart ged. (1825) 1, 41;
gluckt, nachtigallen, zärtliche lieder
ebda 2, 140;
empfiehl mich ... der lieben Karschin, die singend lebt, singend stirbt, und einst als himmlische nachtigall in der schönsten paradieseslaube gluken wird ders., br. 2, 259 Strausz. substantiviert:
ihr (der nachtigall) kleiner hals, woraus ein flötend glucken quillt
Brockes ird. vergnügen (1728) 1, 24;
sie (die nachtigall) lässet, mit flöthen und glucken gemischt ...
die reinen gesänge bald steigen, bald fallen
ebda 8, 16.
2)
von verwandten tönen anderer tiere:
daher locket er (der frosch) aus heiszer brunst
mit einem gluckenden und dumpfigen geschrey,
dasselbige (das weibchen) zu sich herbey
D. W. Triller poet. betracht. (1750) 1, 155.
3)
von menschlichen lauten.
a)
in enger anlehnung an 1 a: nebenbei hatte er eine kleine familie mit einem nicht immer harmonisch gluckenden weiblein und drei töchtern Rosegger schr. II 3, 192; da war es denn nicht verwunderlich, dasz pfarrer und schwesterschaft, bauer und mütter ununterbrochen gluckten und die küchlein (die mädchen) am herde hielten H. Zillich siebenbürgische flausen 42. in übertragung des lockrufes: wie lang man auch nach ihnen (den vornehmen herren) guckte und gluckte — es kam nicht einer Sohnrey im grünen klee (1903) 162. — vgl. hier auch teil 5, 1259 oben goukelklucken aus dem renner; in der Nürnberger handschr. a. d. 15. jh.: goukel glucken.
b)
vom nachtigallenglucken (1 b γ) aus auf tremulierendes singen angewandt: die jetzigen sänger und sängerinnen seufzen und glucken zu viel Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 53.
c)
von glucksendem, stoszweise töne hervorbringendem lachen (vgl. ebenso schwed. klucka svenska akad. ordbok 13, 1385, dän. klukke ordbog over det danske sprog 10, 689):
aus wild verzerrtem munde gluckt
ein gräszlich lachen
Boie bei Weinhold H. Chr. Boie (1868) 313;
und Bamis gluckt noch einmal mit leisem lachen vor sich hin Carl Busse winkelglück (1916) 132; Goltz lacht aus vollem halse. er gluckt noch eine ganze weile vor sich hin aus vergnügten erinnerungen H. Fr. Blunck weibsmühle (1927) 265. wohl auch gehörsmäszig zu verstehen als das girren liebender: klukken abstrahiert 'liebeln, flattiren'. wo se mit eenander klukkert wie die miteinander liebeln! Schütze holst. id. 2, 287.
d)
den schlucken, das aufstoszen haben, vgl.klocken teil 5, 1221: 'glucken in Niederhessen auch allgemein für singultire' Vilmar 130; s. auch Höfler krankheitsnamenb. 276ᵇ.
e)
glucken im thüring. vom rufen der schwangeren Hertel 107.
f)
schweiz. gluggen andeutend sprechen, ohne die meinung recht herauszusagen: voⁿ 1800 guldi glucken 'zu verstehen geben, dasz man etwas für diese summe verkaufen würde' Staub-Tobler 3, 620.
4)
von dem mit dem glucklaut verbundenen stillsitzen, brüten der henne auf den menschen übertragen (vulgär oder mundartlich) 'gekauert sitzen, zu hause sitzen, ungern ausgehen oder etwas tun': glucken, uneigentlich 'den ganzen tag ruhig sitzen bleiben und nicht aufstehen wollen' Campe 2, 408ᵃ (als landschaftlich); berlin. du kluckst den janzen dach Brendicke 137; klucken bildlich, immer zu hause hocken, sich nicht von hause rühren Gutzeit Livland 2, 55ᵇ; in huse klukken Damköhler Nordharz 100; glucken sitzen, hocken Schultze nordthür. ma. 35.
5)
von flüssigkeit (vgl. ebenso schwed. klucka svenska akad. ordbok 13, 1385; dän. klukke ordbog over det danske sprog 10, 689; franz. glouglouter).
a)
vom glucksenden, stoszweise tönenden flieszen einer flüssigkeit durch eine enge Frischbier preusz. wb. 2, 382; dat kluckt ut dat fat 'läuft glucksend heraus' Mensing schlesw.-holst. wb. 3, 183: ich ... setzte eine flasche Rheinwein an, und liesz es so lange herunter glucken, bis ich den boden sah Bettine Goethes briefw. m. e. kinde (1835) 1, 333; eine tanzende säule gabs da und eine wasserharmonika, die ein dünnes, zitterndes madrigal glucken konnte H. Hart wunderlieder (1915) 163;
aus dem halse (des getroffenen) dumpf
und zäh gluckt blut
Paul Ernst kaiserbuch (1928) 3, 2, 116.
seltener vom geräusch beim schülpern, schwabbeln in einem gefäsz oder hohlraum: die alten eyer klucken in schütteln v. Rohr obersächs. hauswirtschaftsbuch (1722) 418.
b)
daher gern von dem entsprechenden geräusch beim trinken, schlucken (vgl. teil 5, 1259), häufig mit übler nebenbedeutung 'starke getränke lieben, schnapsen', so auch nl. klokken: gern gluck gluck machen oder mit einem worte glucken, gern trinken Bernd Posen (1820) 76; klukken 'schlucken; es wird aber nur in bösem sinn gebraucht für: starkes getränk lieben' brem. wb. 2, 812; klukken einen schluck über den andern nehmen und sich zum saufen gewöhnen Dähnert pomm.-rüg. ma. 238; ähnlich Danneil altmärk. ma. 106; Berghaus Sassen 2, 163ᵃ: (er) gluckte den becher geschwind vollends aus Willkomm sagen u. märchen aus d. Oberlausitz (1843) 1, 243. doch auch vom schlucken des säuglings Danneil 106.
c)
von dem gurgelnden geräusch freien wassers: als das wasser so komisch gluckte und gurgelte im hineinstürzen Reichenau aus unsern vier wänden (1860) 1, 88; dann kletterten (sie) ... in eine koje und lieszen sich von den gluckenden und klopfenden seen ... etwas erzählen Gorch Fock seefahrt ist not (1914) 145; in den pappeln sasz ein flüstern, wie die seen es an sich haben, wenn sie um den steven glucken ebda 230;
die hohen linden flüstern,
das wasser gluckt und singt
F. Langheinrich an das leben (1917) 59;
im wiesengrunde dunkel gluckt die quelle
Paul Ernst kaiserbuch (1928) 3, 1, 402;
das wasser gluckte und spritzte zwischen den filzdecken, die meinen sitzplatz bildeten Sven Hedin, abenteuer in Tibet ¹⁶143. substantiviert: und bei dem ... glucken des wassers schliefen beide bald ein Gorch Fock seefahrt ist not (1914) 107. ähnlich:
noch eine blase gluckt
im sumpf
Paul Ernst kaiserbuch (1927) 2, 2, 304.
6)
der gehörseindruck wird auch auf andere sinnesvorstellungen übertragen: klukken klopfen, von kopfweh, oder in geschwüren Berghaus Sassen 2, 163ᵃ; klucken, glucken bei abszessen, geschwüren: der pulsierende eiterungsschmerz Höfler krankheitsnamenbuch 276ᵇ. vgl. aber klücken teil 5, 1259, ferner klocken ebda 1220.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 280, Z. 70.

glücken, vb.

glücken vb
verbreitung. mhd. gelücken, mnd. lucken 'glücken', sich lucken 'sich zufällig ereignen', mnl. ghelucken, seltener lucken, mnl. lukken, gelukken, aus dem mnl. mittelengl. lukken, engl. dialekt. luck Wright 3, 682ᵇ; aus dem mnd. dän. lykkes, schwed. lyckas. die ableitung von gelücke ist wohl schon auf ndfrk. boden erfolgt, ehe die sippe ins hd. einwanderte; immerhin bleibt es auffällig, dasz zu derselben zeit, wo sich am Rhein die ersten spuren des eindringens des substantivs zeigen (Straszburger Alexander, um 1160), sich das verbum bereits in einem österreichischen denkmal (dem anegenge, um 1160, s. u.) findet. es bleibt vor dem 16. jh. sehr selten, ist jedoch nicht auf bestimmte mundartgebiete beschränkt und gelangt im 16. jh. zu groszer beliebtheit. es ist heute den meisten mundarten geläufig, vgl.glücken, daneben veraltend rip.-ndfrk. løkə rhein. wb. 2, 1215; jlocke, löcke Rovenhagen Aachen 45 u. 80; glöcken Laven ged. in Trierer ma. 233; gleken luxemb. ma. 148; Kisch vergleichend. wb. d. Nösner u. moselfrk. ma. 93; glegən Hofmann ndhess. 108; Martin Waldeck 219; Bauer-Collitz 40; glikken Damköhler nordharz. 62; Lambert pennsylvan. 66 (rheinpfälz.); gelicken Müller-Fraureuth 1, 427; Martin-Lienhart 2, 941; Staub-Tobler 2, 623; Tschumpert Bündner id. 608; Tobler Appenzell 225 (nur partiz.); Hunziker Aargau 108; Frederking Hahlen 12; lukken brem. wb. 3, 96; glücken, lücken Mensing 2, 403; Dähnert pomm.-rügen. ma. 154; glücken, lükken Berghaus 1, 580; 2, 434; Fischer samländ. 141. nicht populär und anscheinend der schriftsprache entlehnt ist glücken im schwäb., s. Fischer 3, 714. nicht verzeichnet bei Schmeller-Fr.
form. für die synkopierung des präfixvokales gilt entsprechend das über glück gesagte. nicht synkopierte formen begegnen noch über das 17. jh. hinaus, im anfang des 18. allerdings wohl nur in versdichtungen und somit durch rhythmische gründe veranlaszt:
und musz ihr (der liebe) doch dabey,
so kauderwelsch sie auch die sachen spielt, gelücken
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 333;
und wird euch (dem arzte) euer fleisz in dieser cur gelücken
v. Canitz ged. (1727) 86;
vereinzelt sogar noch am ende des 18. jh., doch wohl bewuszt antiquierend zur erzielung komischer wirkung:
gelückte eine heilung unter seinen händen,
so war ein posaunen hier und an allen enden
Kortum Jobsiade (1799) 2, 36.
im partizipium herrscht zunächst gelücket, glücket, das noch im 17. jh. begegnet: gelücket Niclas v. Wyle translationen 44 Keller; Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 74; gelucket Liliencron hist. volkslieder 1, 230ᵇ (von 1418); gelückt sprichw. sch. w. klugr. (1548) 46ᵇ; J. Ayrer dramen 4, 2281 lit. ver.; A. Gryphius Peter Squenz 23 ndr.; Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 365ᵃ; Neumark s. u. sp. 286; glücket J. Sleidanus reden 77 lit. ver.; Luther post. (1528) 233ᵃ (Dietz Lutherwb. 2, 140ᵃ); glucket Luther 10, 1, 1, 663 W.; daneben infolge der verschmelzung des präfixes mit dem stamm früh die durch erneute präfixzufügung gebildete form geglückt: Eck bibel (1537) 1. Mos. 24, 56; E. Hennenberger erclärung d. preusz. landtaffel (1595) 49; vgl. zeitschr. f. dt. wortforsch. 1, 299 f.als hilfsverb tritt dazu, besonders in älterer zeit, sowohl sein als auch haben; während sein vom anfang an überwiegt (so schon im anegenge, s. u., bei Luther u. s. w.), dringt im 17. und 18. jh. haben so weit vor, dasz es sich mit sein fast die waage hält; Adelung bemerkt ausdrücklich 'auch mit haben', ebenso Campe 'mit haben und sein'; im 19. jh. tritt haben sehr stark zurück, heute gilt sein wohl fast uneingeschränkt, vgl. Paul abhdl. d. bayr. akad. d. wiss. I. kl., bd. XXII, abhdl. 1, s. 168; belege mit haben, auszer den obigen partizipialbelegen, von denen nur Luther sein hat, z. b. Stolle thür. chron. 58 lit. ver.; Boltz Terenz (1539) 109ᵇ; H. Kellner chronica (1574) 93ᵃ; Neumark poet. u. mus. lustw. (1652) 51; Prätorius glückstopf (1669) vorr. 2; J. v. Besser schr. (1732) 1, 305 König; Triller poet. betracht. (1750) 2, 280; Gottsched ged. (1751) 1, 211; Wieland auswahl denkw. briefe (1815) 1, 58; M. I. Schmidt gesch. d. Dtsch. (1778) 1, 218; häufig bei Göthe, z. b. I 38, 115 W.; III 12, 123; IV 42, 163; Kortum Jobsiade (1799) 1, 158; Görres ges. br. (1858) 2, 227; Bettine Günderode (1840) 1, 65.
bedeutung und gebrauch. im mhd. ist das verb noch äuszerst selten, dabei zeigen die wenigen belege vor 1500 grosze verschiedenheiten in gebrauch und konstruktion, ohne dasz sich aus alter oder häufigkeit der belege eine klare entwicklungslinie ergäbe.
I.
mit unpersönlicher, intransitiver konstruktion.
1)
geht man von dem zugrundeliegenden glück aus, so wären zunächst anwendungen mit anlehnung an glück I 'schicksal, das günstig oder ungünstig sein kann' zu erwarten; die wenigen belege für glücken im sinne von neutralem 'sich ereignen, sich treffen, ausschlagen' sind aber mehr oder weniger spät wohl durch ironischen oder abgeschwächten gebrauch entstanden:
wann dann der herr sieht, wie dirs (dem Grobianer) glückt,
vnd wie du bist so vngeschickt,
so wird er eh selbs thon ein ding,
dann dasz er dich darzuͦ bezwing
Scheit Grobianus v. 1412 ndr.;
man könnte nicht wissen, wie das umwerffen allemahl gelückte (ausginge) Chr. Reuter Schelmuffsky 100 ndr.; gelückts (trifft es sich, will es der zufall), so musz der könig fort (d. h. sterben), der eseltreiber bleibt P. Fleming teütsche poemata (1642) 313;
ein mund, wie ihrer ist, darf, wie es glücket, sprechen
J. E. Schlegel in: samml. v. schauspielen (1764) 2, 32;
wie aber gar oft in bedeutenden, ja schrecklichen momenten etwas heiteres, auch wohl lächerliches sich zu ereignen pflegt, so glückte es auch hier Göthe I 24, 323 W.;
darüber ist es wohl geglückt (geschehen),
dasz ich ein wenig eingenickt
Mörike w. 1, 104 Göschen.
2)
ohne ausdrückliche beziehung auf ein bestimmtes ziel, eine bestimmte unternehmung, mit dativ der person, 'glück haben, vom glück begleitet werden, gute fortschritte, günstigen erfolg haben'; steht bei dem vielfach verwandten gelingen absicht und eigenes bestreben im vordergrund, so liegt bei glücken der nachdruck mehr auf dem zufälligen glück.
a)
ohne pronominelles subjekt wie bei gelingen in ursprünglicher konstruktion (mir gelingt, vgl. oben gelingen 2 a, teil 4, 1, 2, 3031). glücken tritt mit gelingen früh in parallele; die belege können nicht erweisen, dasz dies auch für glücken die älteste konstruktion ist; eher scheint direkter einflusz von gelingen vorzuliegen. die belege sind spärlich (vgl. auch unten I 4): und ist yhm durch hulff des teuffels glucket Luther 10, 11, 663 W.; und wer ime das inn sein (l. sin) gefallenn, das er gegen uns ein standt must thun, er hette sein leudt inn den krieg nit gefürt; aber er hat gemeint im solt glucken an eym zulaufft, des ist er betrogen wordenn Reuchlin erste olynth. rede 28 Poland;
dieweil (wenn du hustest) kanst du dein lügen schmücken,
vnd wird dir zu dem reden glücken
Scheit Grobianus v. 315 ndr.;
und hat zwar Josua hoffnung, weil ihm da glücket (siegte), er würde andern stätten auch mögen ansiegen J. J. Gugger christl. hauspredigten (1590) 2, 68.
b)
mit es als subjekt.
α)
allgemein:
es wird dir glücken
wie den Schwaben bei Lücken (schlacht bei Lucka)
bei Binder sprichwörterschatz 177;
glücket es einem, so glücket es hunderten nicht J. Agricola 750 t. sprichw. (1534) n 3ᵇ; du bist heüt fein herfür komen. es hat dir heüt fein geglücket Boltz Terenz (1539) 109ᵇ;
halt yhm (gott) nur still,
leydt was er will,
erzürn dich nicht, ob es dem bösen glücket
P. Speratus bei Wackernagel dt. kirchenlied 3, 38;
das hat er ... gewisst, ... das es im in wenig jaren gewaltig glücken werd J. Nas antipap. eins vnd hundert (1565) 5, 306ᵃ;
ihr seht wies steht,
wie alls nach seinem wündschen geht,
es glückt ihm, wie er selber wil
M. Hayneccius Hans Pfriem 81 ndr.;
wenns einem glücken musz, dem musz der bleystock kalbern Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 156;
es hat nicht vielen so gelükket,
wie gott es hat mit mir geschikket
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 174;
es glückte mir ziemlich auff dem weg, weil ich treuhertzige leute fand, die mir ... herberge und nahrung gern mittheileten Grimmelshausen Simpl. 531 K.;
es sol mir noch gelükken,
so ferne mier den rükken
des himmels gunst wird halten
Ph. Zesen verm. Helikon (1656) 2, 60;
es glückt uns beyden auf einerley weise fortuna mihi cum eo communis est Stieler (1691) 675; es hat mir geglückt favit mihi fortuna Aler dict. (1727) 1, 959ᵃ;
Sachsen würd es schwerlich so unter andern fürsten glücken
v. Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 54;
war er doch von dir empfohlen, gut aufgenommen, und, was mehr ist, es hat ihm geglückt Göthe IV 42, 163 W. auch mit adverb der dauer: denn wenn es einem auf seinem gange auch noch so lang glückt, fällt er doch endlich, und offt im angesicht des gehofften zwecks, in eine grube Göthe I 37, 129 W.
β)
gern auf kriegerischen erfolg, sieg angewandt: vnd schlug Odaren ... vnd die kinder Phaseron inn iren hütten. die weil es im aber also glückt, lieffen mehr leute zu im 1. Macc. 9, 66; er griff sie mit gesamletem heer noch ein mal an, da glücket es im Seb. Franck chron. Germaniae (1538) 38ᵃ; könig Matthias versuchte sich an den Walachen, aber es wolt im nicht glücken H. Rätel Curäi chronica d. herzogth. Schlesien (1607) 176;
hast du (der bote) die schlacht erblicket?
weiszt du, wo Cyrus kämpft? wo es Hyaspen glücket?
Gottschedin br. 3, 254 v. Runkel;
sie weichen! sie fliehn! ...
lasz blitze zücken,
wirf donner von oben, —
solln wir dich loben,
so lasz es uns glücken!
Tieck Genoveva (1820) 49.
γ)
wie glücken überhaupt, so wird es besonders gern in dieser verwendung bei negation mit wollen verbunden: seine knecht trurig waren, die weil es inen nit wolt glücken C. Hedio chron. Germ. (1530) 148ᵇ;
vnd hetts ihr nicht wollen glükken,
hett sie müszen gar erstikken
Reinicke fuchs (1650) 301;
es hat ihm nicht glücken wollen Widerhold (1669) 148ᵃ;
es will mir wirklich noch nicht glücken
A. v. Arnim s. w. 6, 36 Grimm.
δ)
zur verstärkung, vielleicht aber auch im hinblick auf glück I und den entsprechenden neutralen sinn von glücken (s. o. I 1) werden gern kennzeichnende adverbien wie wohl, sehr, gut, ganz oder adverbielle bestimmungen wie nach wunsch dazu gesetzt:
so mag es dir noch wol gelücken
H. Sachs 12, 189 K.-G.;
das es ihnen erst so wol geglücket hett Xylander Polybius (1574) 93; förchtet gott in all eweren handlungen, so wird es euch besser glücken als biszhero geschehen Moscherosch gesichte (1650) 2, 821; es glückte ihm nach wunsch A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 135; selbst ein erster miszgriff ist in der folge zu verbessern, und wem es zuerst nicht ganz geglückt, kann sich durch fortdauerndes bestreben in gunst setzen Göthe I 45, 179 W.; nachdem ich so das interessante und den spleen weg hatte, glückte es mir überall recht sehr Immermann 1, 14 Boxberger.
3)
wie 2 ohne ausdrückliche beziehung auf ein ziel u. dgl., aber ohne dativ der person 'es trifft sich gut, es paszt, es gerät, das glück ist günstig'; wohl stets mit es als subjekt: gibt gott, das es gluͦcket zu diesem male, so soll mein schiffen damit ein ende nemen Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 60 Herrmann; gerhäts, so gerhäts; glückts, so glückts Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 155 Huser;
gelückts, so seins gottes woltaten;
sonst ist wolgmeint, vbel gerathen
Rollenhagen froschmeuseler (1595) a 2ᵃ;
kurz! hier glückte es auch nicht
Knigge roman meines lebens (1781) 3, 32.
besonders im konditionalsatz:
vnd wann es würde glükken,
so solten sie sich all mit einem fetbespikten schmaus
aufs allerbest erquikken
Reinicke fuchs (1650) 224;
... sonder schuld den sieg, dafern es glückt, erworben
A. Gryphius teutsche gedichte (1698) 1, 58;
und weiterhin im mal, wenns glückt,
hat dich wieder ein mädchen berückt
Göthe I 3, 148 W.
seltener in der bedeutung 'es bringt glück' (vgl. II 3): es gar selten glückt, wenn man seines gleichen nicht heiratt Simplicissimi albern. briefsteller (1725) 14.
4)
durch einen präpositionellen ausdruck wird eine spezielle bezogenheit des verbs ausgedrückt; es steht aber wie bei 2 und 3 zunächst der verlauf, nicht das resultat einer handlung im mittelpunkt 'glück haben bei oder mit etwas'; in der regel mit es als subjekt und dativ der person; so schon mhd. (mit an, doch ohne es):
mîn herze sol ez immer klagen
daz in so früeje bî den tagen
ir wunne wart enzücket.
daz in niht ist gelücket
an ir freuden einen tac (dasz sie nicht einen tag lang ungestörte freude, liebesglück genieszen konnten),
daz ist ein dinc dâ von ich mac
sorgen unde leides pflegen
Konrad v. Würzburg Engelhard 3198 H.;
auch personell:
gelingen vnd geluckhen (glück haben im kampf, siegen)
mag dem künig an in (seinen gegnern) wol
(14. jh.) rer. austriac. scriptores 2, 306 Rauch;
es glückt manchem in bösen sachen, aber es gedeiet im zum verderben Sir. 20, 9; deme es in vielen streichen ziemlich glückete und ihm allein genug zu thun machete Prätorius zodiacus mercur. (1667) 65; auch siehet man, dasz es den künstlern in der einen art weit leichter glückt, als in der andern Ramler einl. in d. sch. wiss. (1758) 1, 89. die konstruktionen mit der präpos. mit nähern sich der auf ein resultat gerichteten zielstrebigkeit: so ist es auch nicht möglich, das sich eyn landgut möge bereichen, ... wo es ime nicht mit öle glücket Sebiz feldbau (1579) 384; dann (der Gargantuwalt) muszt gespilt haben: kart war sein morgengab, wie den augspurgischen weiber: wan es im mit eim buch der könig nicht wolt glücken, oho ein andere her Fischart geschichtklitt. 258 ndr.; meine gedanken waren noch ganz nicht in Holland zu bleiben, ob es schohn mit meiner reise nahch Frankreich so bald, als ich wohl gemeinet hätte, nicht glükken wolte (d. h. die reise kommt nicht zustande) Zesen adriat. Rosemund 40 ndr.; sein verlangen, den sänger in der nähe zu sehen und zu sprechen, war brennend; es wollte ihm aber nicht damit glücken Heinse w. 6, 122 Sch.; besser glückte es mir mit dem bau einer unterirdischen höhle Storm w. (1899) 4, 71; aber nicht immer ist es dem groszen dichter mit diesen wirkungen geglückt G. Freytag ges. w. (1886) 14, 74. auch mit beziehung auf eine person: (Hersilie zu dem für sie begeisterten knaben) mit meinen zeitbürtigen verehrern hat es mir niemals recht glücken wollen, es scheint, dasz die folgende generation mich nächstens entschädigen will Göthe I 24, 119 W.; dasz es diesem (stattlichen jungen krieger) auch bei frauen wohl geglückt sein müsse G. Freytag ges. w. (1886) 13, 53; dazu mit erläuterndem dasz-satz:
nachdem es also uns mit euch geglückt,
dasz ihr bestanden in den prüfungsstunden,
so ward mein herz von reiner freud entzückt
Z. Werner söhne d. thales (1803) 1, 257.
ohne dativobjekt mit auf, 'glücklich ausreichen zu': wenn es zwei (auerhähne) wären, so wäre einer für euch. da es aber auf zwei nicht geglückt hat (bei der jagd) ... Scheffel ges. w. (1907) 1, 226 Proelsz.
5)
die bezogenheit auf ein bestimmtes (gewöhnlich mit schwierigkeiten verbundenes) ziel oder vorhaben wird grammatisch nicht ausgedrückt, ergibt sich aber aus dem zusammenhange; das subjekts-es nähert sich dabei vielfach einem vor- oder zurückweisenden dies oder das (vgl. u. sp. 291).
a)
mit dat. der person; die bedeutung läszt sich in der regel durch 'dabei glück, erfolg haben' am besten umschreiben: weil alle seine gedancken auff gold ... stunden, gelückt es im, trifft einen ... gang J. Mathesius Sarepta (1571) 14ᵃ; daselbst hielten ... sie etliche pferde ..., den hirschen nachzurennen, sie zu ereilen ... und also zu fangen, und war, dem es glücket, eine grosze ehre Kirchhof wendunmuth 2, 75 Österley; es hat ... einer ... sich für einen neuen schich ... auffgeworffen ... und etliche verneuerung in der religion einführen wollen, in meynung, dasz es ihm auch wie schich Sefi glücken und zu so hohen ehren gedeyen würde A. Olearius pers. reisebeschr. (1696) 255; wenn es mir glückt, so wird er mein Gleim briefw. 1, 203 Körte; es glückte ihm aber nicht (in ein gespräch zu kommen) Heinse w. 5, 276 Sch.;
wem es glücket,
wer dich hört und sieht —
dem gram entflieht
maler Müller w. (1811) 1, 330;
die nachricht ..., es sey ihr doch geglückt (ein staatsamt zu verschaffen) Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 96; ein wilds blut hab ich ghabt ... und deine reden habens geweckt! da hat kein wehren geholfen ... ich habs probieren müssen! es ist mir glückt aufs erstemal Ganghofer almer u. jägerleut (⁴1900) 55.
b)
ohne dativ der person 'es hat erfolg, der erfolg bleibt nicht aus' (beträchtlich seltener als a):
Cupido zielte nechst und meint, es würde glücken,
auff Polla hertze zu
Logau s. sinnged. 215 Eitner;
als hunderte zu deinen sohlen
ihr stolzes haupt zum staub gebückt,
hab ich die rache mir befohlen,
und wunderbarlich ists geglückt
Strachwitz ged. (1850) 213.
von künstlerischem: (er) zeigte dazwischen dieser und jener stimme verbesserungen, machte sie ihnen vor, liesz sie einzeln nachsingen; und zum fünftenmal glückte es fast zur vollkommenheit Heinse 5, 15 Sch.
6)
das ziel, das erwünschte ergebnis wird durch einen satz mit dasz ausgedrückt; das pronominelle subjekt fehlt nur selten, ebenso ist der personelle dativ fast stets die regel.
a)
mit personellem dativ 'es gelingt mir, dasz ..., bzw. zu ..., ich habe den schwierigkeiten zum trotz glück, erfolg, so dasz ...'; seit dem spätmhd. bezeugt:
glucket es uch, dasz er en moget finden,
so sollet er en gar feste binden
Alsfelder passionssp. v. 768 Grein;
nu wil ich dir sagen, do ich vernam
dese da dem konynge de ere aff quam,
dachte ich, off mirt kunde gelucken
dat ich sij eme woulde untrucken
pilgerfahrt d. träum. mönchs 9306 Meijboom;
vnnd glückte doch deme keyser, das er den herzogen von Burgundien vndir sich warf K. Stolle thüring. chron. 58 lit. ver.;
dem ersten jungen ist es aber wol geglücket,
dasz er nicht in dem fall ihm hatt den halsz zerknicket
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 258;
nachdem es ... etlich soldaten geglücket, dasz sie über den eussersten graben kommen v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 200;
es hat ihm auch geglücket,
dasz er, nach seinem wunsch, die fremde welt erblicket
Triller poet. betracht. (1750) 2, 280;
indessen hat es ihr doch geglücket,
dasz sie meinen vater bestricket
Kortum Jobsiade (1799) 1, 158;
o freier schütze, dir ist es geglückt,
dasz du die büchse hast abgedrückt
Fr. Rückert w. (1867) 1, 59;
die konstruktion ist heute nicht mehr beliebt.an die stelle des personellen dativs kann eine persönlich gedachte sache oder eigenschaft treten: idoch glückt es ihm (dem schiff), dasz es wiederumb herausz kam und in Portugall anlendet Aug. Cassiodorus regnum Congo (1597) 2, 7; und da die lust dazu (zur musik) grosz war, so muszte es nothwendig der aufmerksamkeit glücken, dasz wir zusammen eines spielen konnten Holston u. Augusta (1780) 49.
b)
ohne dativ 'es gelingt, dasz ..., bzw. zu ..., das glück, der zufall fügt es trotz vorhandener schwierigkeiten günstig, dasz ...'; nur selten: wenn ... die armen unterthanen klagen wollen, können sie nicht für den herrn kommen, vnd wenn es etwa glücket, dasz einer befehl auszbringet, spottet seiner die ritterschaft hinterwerts Binhardus thür. chron. (1613) 134;
und ob es glükken möcht, dass er in einem streite
sich wol und tapfer hielt, und machte frische beute,
wie lange wehret das?
Rachel satyr. ged. 48 ndr.;
und es glückte, dasz er die feinde abhielt und ihnen hernach entrann brüder Grimm dt. sagen (1891) 2, 186.
7)
das vorhaben, das erstrebte ziel oder erwünschte resultat wird durch einen infinitiv mit zu ausgedrückt; diese heute überwiegende konstruktion läszt sich nicht vor dem späten 17. jh. nachweisen; als ein vorläufer ist allerdings vielleicht folgende wohl durch konstruktionsmischung entstandene fügung anzusehen:
van nyete hait he (gott) dich gemacht
ind na syns selfs gelijchnis volbracht,
geyn edelre geschefte mochte dir gelucken
van yme zo geven of in zo drucken,
(façon plus noble toi donner
ne te pouoit ne emprimer)
he hait dich geschaffen schoen ind claer
pilgerfahrt d. träum. mönchs 5975 Meijboom.
anders ist folgender infinitiv aufzufassen: ohne degen im finstern auff händel auszugehen, glückt (geht gut aus, bringt glück) auch nicht allemahl Chr. Reuter Schelmuffsky 90 ndr.
a)
überwiegend mit persönlichem dativ:
ihr (der menschen) etlich wil es nicht wol glücken
die haut geschwind von der gansz zu zücken
grillenvertreiber (1670) 3, 165;
hat mir es, in der that, zu leisten nicht geglücket:
so weiss ich, dass zur qual ich aufgehoben bin
J. Besser schr. (1732) 1, 305;
uns ruft zwar die natur; doch ist ihr ruf zu schwach,
und endlich musz es uns, nach langer arbeit, glücken,
die zärtlichkeit in uns hochmüthig zu ersticken
N. D. Giseke poet. w. 52 Gärtner;
dem kaiser Justinian hatte es bereits geglückt, durch den tapfern Belisar ... dem vandalischen reich ... ein ende zu machen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 218; sollte es ihnen glücken, nur einmal diese (die urschönheit) zu sehen, so ... Herder 17, 157 S.; es glückt ihm nicht nur, seine wünsche erfüllt zu sehen, sondern auch ... auf den beschneiten Brockengipfel zu gelangen Göthe I 41, 1, 338 W.; es ist euch mit eurer gesichtsfarbe geglückt, diesen ungeheuren weg, mitten durch ein in empörung begriffenes mohrenland, zurückzulegen? H. v. Kleist 3, 318 E. Schm.; wenn es mir glückte, in seine spur zu treten Chamisso w. (1836) 4, 287; manchem glückt es, überall ein idyll zu finden Fontane ges. w. I 4, 333. mit abstraktem dativ:
der milde glückts vielleicht, sie zu gewinnen
Göthe I, 9, 184 W.;
in scherzhafter anwendung, wo von einem vorhaben nicht die rede sein kann: es wird unter unsern himmelsstrichen nur verhältnismäszig wenigen glücken, etwa in einem planwagen zur welt zu kommen R. A. Schröder aus kindheit u. jugend (1935) 7. mit vorangestelltem infinitiv ohne es:
wenig ist nur des wahren, das mir zu ergründen glückte
Klopstock oden 2, 33 M.-P.;
betrachtend scharf das fahrzeug, ward ich bleich,
noch muszte mir bemerkt zu werden glücken
Chamisso w. (1836) 4, 159.
sonst nur selten:
wenigen glückt, was schön, was gut ist, mehren, das grosze
wenigsten nur
Gregorovius Euphorion (1858) 25.
b)
seltener und nicht vor dem 19. jh. ohne dativ: es hat endlich geglückt, das Göttinger Schach Nameh ms. für sie auszumachen Görres ges. br. (1858) 2, 227; selbst in Ägypten ist es nicht völlig geglückt, einen verlässigen zeitausdruck für ... zu finden Peschel völkerkunde (1874) 46; glückte es am Rheine, die auswanderer (aus Germanien) abzuwehren, so stieszen sie an der Donau gegen die grenzen G. Freytag ges. w. (1886) 17, 48.
II.
intransitiv mit sachlichem subjekt. diese konstruktion ist mit dem beleg des anegenge (um 1160) die frühest bezeugte des verbs überhaupt, sie bleibt aber vor 1500 noch äuszerst selten und steht auch im 16. jh. stark hinter der unpersönlichen zurück; es ist daher sehr zweifelhaft, ob diese konstruktion den ausgang des verbs bildet:
von der gothæît was daz vor bisehen
swaz vns solde geschehen
oder swie wir giraten wolden,
daz wir daz dulten solden.
daz was michel grozer reht.
denn daz div gvte vorbesicht
da gelvkket wære
anegenge 12, 47 Hahn.
1)
mit dativ.
a)
ein plan, eine unternehmung, ein vorhaben gelingt, führt zum erfolg, erreicht glücklich sein ziel; ein tun ist von glück begleitet, verläuft günstig, überwindet dank günstiger umstände die schwierigkeiten:
hette om dieselbige varth gegluckett
(15. jh.) bei Mone anzeiger für kunde d. dt. vorzeit 2, 222;
und fuͦren in Accium, zeversuͦchen, ob in der meres stryt itt bas gelüken wölte Stainhöwel de claris mulieribus 266 lit. ver.; so wirt uns unser anschlag nit glücken Schaidenraiszer Odyssea (1537) 86ᵃ; demnach die Gallier alle ding versuchten unnd inen keyns glücken wolt Ringmann Cäsar (1560) 70ᵃ; also glücket in ir rathschlag Herold Diodorus (1534) 138; sein tuͦn glükket ym ider zeit Schede Melissus psalmen 41 ndr.; endlich gelückte dem Deutschen ein heftiger streich des Römers pferd an hals Lohenstein Arminius (1689) 1, 33ᵇ;
glückt' Agamemnon doch so gegen jeden die rache
Bürger w. 214 Bohtz (Ilias ges. 4, v. 178);
(wir) haben uns das (dichten) schon so lange ... erkünstelt, dasz uns freilich jetzt kaum eine freie ausbildung mehr glücken würde Herder 5, 183 S.; ihre gesellschaftlichen speculationen sind ihnen wohl geglückt Göthe I 21, 105 W.; der hofschulze, dem im laufe einer stunde ... jegliches vornehmen geglückt war Immermann 1, 139 Boxberger;
wehe der hand, die dich (die lieblingsbuche) zu schädigen waget; ihr glücke
nimmer, in feld und haus, nimmer ein friedliches werk
Mörike w. 1, 78 Maync;
vielleicht war es die einzige prophezeiung, die dir glückte (d. h. die sich als wahr erwies) E. Colerus Tiberius auf Capri (1927) 129. öfter wird durch das subst. nicht das vorhaben oder die auf das ziel gerichtete handlung, sondern das als ergebnis erwartete oder bereits erreichte bezeichnet:
wenn ihr die schelmerey so glücket
Gotter ged. (1787) 1, 17;
dem jungen manne wollte in diesem augenblick weder ein herzliches wort von den lippen noch eine phrase glücken Göthe I 24, 323 W.;
gebt ihr ein stück, so gebt es gleich in stücken!
solch ein ragout es musz euch glücken
ders. I 14, 11 W.;
die genesung dieses mannes ist uns durch den sonderbarsten zufall geglückt ders. I 23, 288 W. gelegentlich wird glücken auf organisches bezogen, 'gedeihen': einem neidigen menschen glückt kein baum (den er pflanzt) H. Watzlik der alp (1923) 131. gern treten zu glücken einschränkende oder steigernde adverbia, auch übel, schlecht:
nachdem der erste kampff so übel ihm geglücket
A. Gryphius ged. 538 lit. ver.;
(der) prozesz, sich zu verjüngen, welcher dem rätselhaften grafen Cagliostro, der sage nach, besser geglückt hat Musäus volksm. (1826) 4, 127; das erste ist mir ziemlich, das letzte ganz geglückt Göthe IV 8, 327 W.; die tanz- und fechtstunden ... wollten nicht zum besten glücken ders. I 21, 186 W.;
doch schlecht ist schlechte list euch hier geglückt
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 6, 105;
was ihm jedoch ... weniger glücken konnte Ritter erdkunde (1822) 3, 625. neben das logische subjekt tritt gelegentlich es, besonders wenn jenes nicht durch ein subst., sondern durch ein pron. (gern mit relativsatz) ausgedrückt ist: es glückte ihm bald danach ein entscheidender sieg; es glückt mir alles, was ich nur angreife Göthe III 1, 115 W.; auch im plural:
und es glücken der heilenden kriegskunst
nie der vernünftigen stunden genug
Klopstock oden 2, 93 M.-P.
b)
gern von kunstfertigkeit, von künstlerischen und wissenschaftlichen leistungen:
weil dir nit gleich gerath vnd glückt
dein allererstes meisterstück
Fischart 2, 41 Hauffen;
du pflegst mir allezeit die trägheit auf zu rüken,
weil dir in kurzer zeit so lange lieder glücken
J. Grob epigramme 143 lit. ver.;
mit mehrerm entzücken, als je ein maler fühlt, wenn ihm ein schönes gemälde geglückt ist A. G. Meissner skizzen (1778) 2, 76;
Nikandern glückte jüngst ein trefflich epigramm,
so fein, so scharf, als je von Kästnern eines kam
Lessing 1, 4 M.;
überhaupt aber ist diese gattung den französischen dichtern minder als die meisten andern geglückt Eschenburg entwurf e. theorie (1783) 72;
von so zarten miniaturen,
wie der schönen hand sie glücken
Göthe I 4, 38 W.;
freiheiten, welche ich mir mit den begebenheiten herausnahm, wird der Hamburger dramaturgist entschuldigen, wenn sie mir geglückt sind Schiller 3, 5 G.; psychologie war das feld, wo ihm die zerlegung der begriffe am meisten glückte Herder 15, 52 S.
c)
in freierer verwendung, z. t. dem begriff 'zuteil werden' nahe kommend (vgl. auch 4):
so wenn den sterblichen der freudenanfang glückt,
musz offt das ende nichts als schwere thränen bringen
J. G. Neukirch anfangsgr. z. t. poesie (1724) 77;
Oesterreich vergalt die müh
der erhabenen poesie,
als dem Celtes kränze glückten
Gottsched n. ged. (1750) 50;
o solche lust mag doch nicht blumen glücken,
wie heisz sie auch in liebesodem glimmen
Fr. Rückert w. (1867) 3, 183;
weib, der erde verschworen, und mann, die stufen
fügend hinan in göttlich fernes: so glücke
grosz dem zwiespalt die mitte,
dauernd das unsre, der mensch!
J. Weinheber späte krone (1936) 48.
2)
a)
viel weniger häufig ist die konstruktion ohne dativ, durch die der gesichtspunkt der persönlichen einwirkung stärker zugunsten der schicksalsfügung zurückgedrängt wird: das es also gehet ynn der gantzen welt, was wir nicht mit gott anfahen, das das mus zerfallen und wird nicht glücken Luther 19, 302 W.;
sein anschlag gar nit wolt gelücken
H. Sachs 2, 315 K.;
wie hat das wäidwerck wol gelückt
J. Ayrer dramen 4, 2281 lit. ver.;
frisch auszgezückt, ist halb geglückt Eyering proverb. copia (1601) 2, 633; glückte der entwurf, so gewann er unendlich Archenholz England u. Italien (1785) 1, 258; diese erfahrung glückt bei bedecktem himmel Göthe II 1, 25 W.; ich habe mich höchlich gefreut, ein so bedeutendes über zwanzigjähriges unternehmen endlich noch glücken zu sehen ders. IV 20, 347 W.;
durch rasche that nur kann er (ein solcher schritt) glücken
Schiller 12, 225 G.;
dergleichen kleinliche machinationen glücken wohl eine kurze zeit briefe von u. an Herwegh (1896) 138; es wollte auch innerhalb Deutschlands gar nichts von den bewegungen der untern stände glücken Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 169; erst in unsern tagen ist die herstellung von 998 bis 999 tausendteile feinem ... reinem silber ... geglückt Luschin v. Ebengreuth münzkde u. geldgesch. (1904) 33; man kann nie sagen, ob so ein abenteuer glückt P. Dörfler abenteuer d. Peter Farde (1929) 37. mit präpositionalem zu in der bedeutung 'gedeihen, gelangen zu':
voll röselein hänget der kirschbaum;
neune gehören dem wind, das zehente glücket zur frucht nur
Mörike w. ²1, 375 Maync.
b)
gern wird das partizip geglückt attributiv gebraucht; dabei bleibt z. t. enger anschlusz an das finite verb: noch nicht ganz geglückter versuch, die streifen im spectrum zu finden Göthe III 6, 79 W.; sie ... nehmen theil (anteil) an diesem geglückten unternehmein (dem waiseninstitut, das 50 jahre besteht) ders. IV 42, 34 W.; (die) stelle, wo der ... bannerherr über der geglückten rettung des banners gefallen G. Keller ges. w. (1889) 6, 407. daneben entwickelt sich ein rein adjektivischer gebrauch, der sich über die bedeutung 'gut gelungen' zu der auch von gelungen (s. teil 4, 1, 2, 3035 e) erreichten bedeutung 'gut, vollkommen, den (höchsten) anforderungen entsprechend' (vgl. auch oben II 1 b) entwickelt: im geglückteren griff (auf einer leier, bildlich) v. Hippel s. w. (1828) 7, 303; der dichter (des j. Titurel) wiederholt selbst seine eigenen gedanken, wo sie ihm einmal geglückt scheinen Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 43; (die engel werden angeredet)
frühe geglückte, ihr verwöhnte der schöpfung,
höhenzüge, morgenrötliche grate
aller erschaffung
R. M. Rilke ges. w. (1927) 3, 264.
3)
mit oder ohne dativ hat glücken, besonders in älterer sprache, öfter die bedeutung 'glück bringen, zum guten ausschlagen, förderlich sein' (vgl. I 3):
das berckwerk thut mir wol gelücken
H. Sachs 1, 439 K.;
hauszartzney glückt offt am besten Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, H h 6ᵇ; die verschlagenheit glückt nicht allezeit Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 125; vor diesem glückete mir meines vaters salzbixle auff meinem tisch J. B. Schupp schr. (1663) 734; verdienste mangeln ihm; der stolz hat ihm geglückt J. Fr. Löwen schr. (1765) 1, 42;
noch immer scheint der vorsatz wohl erwogen,
dasz wir, in diesz gelegene thal,
das ganze heer gedrängt zurückgezogen;
ich hoffe fest, uns glückt die wahl
Göthe I 15, 1, 259 W.;
die kriecherische klugheit mag lange zeit glücken, aber wird das grosze nie gewinnen H. Laube ges. schr. (1875) 5, 100.
4)
vereinzelt steht glücken, z. t. wortspielend, z. t. wohl unter einflusz von gelingen (s. teil 4, 1, 2, 3034, 3 a), mit glück oder schanz (glücksfall) als subjekt:
das Pfriemers kopff der beste sey,
weil ihm die letzte schantz gelückt,
das er die kindlein so berückt
M. Hayneccius Hans Pfriem 80 ndr.;
sie sind ja zwar getreu, so lang das glükk wil glükken,
kehrt sich es aber um und zeiget uns den rükken,
so gehn sie auch mit durch
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 209.
mit volksetymologischer anspielung auf glucke: daher haben sie es glück genennet, das offt einem glücke oder zufalle, wie einer blinden henne J. Mathesius Sarepta (1571) 197ᵃ.
III.
vorzugsweise auf alemannischem, besonders schweizerischem boden erscheint glücken mit sachlichem wie mit unpersönlichem subjekt auch reflexiv, stets ohne dativ, aber auch ohne infinitiv. die belege reichen vom 14. bis ins 18. jh.; die bedeutung entspricht der entsprechenden nichtreflexiven.
a)
mit sachlichem subjekt:
als gelukt sich
alle sein sach sicherlich
daz im daz lant Persla
ward undertenig sa
der grosze Alexander 2753 Guth;
ich mein, min sach wel sich glücken
bei Mone schausp. d. mittelalters 2, 381;
sich hat die sach also gelucket,
dasz got kunic Sigmund hat erkucket
und liesz in uns geboren werden,
dasz er mach ainikait auf erden
(1418) bei Liliencron hist. volksl. 1, 230ᵇ;
in hoffnung die kunftig ee solte sich mit gottes gnad desto besser glücken Stumpf Schweizer chron. (1606) 78ᵃ; die sach glücket sich, es gehet glücklich res negotium feliciter, prospere succedit, belle cadit Dentzler (1716) 137ᵇ.
b)
mit es als subjekt: es haͮt sich nit gelücket disen wege, darumb gangen wir ainen andern N. v. Wyle transl. 44 Keller;
(ich) lasz nit ab,
bisz es sich glickht
und also schickht,
dasz ich mein tag
verstreckhen mag
mit dir allein
volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 32 Kopp;
darumb ich mein, es werd sich glücken
(1488) bei Liliencron hist. volksl. 2, 237;
es will sich nit gelücken mehr
Spreng Ilias (1610) 148ᵇ.
weitere belege s. Staub-Tobler 2, 623; so noch heute mundartlich, s. ebda und Tschumpert Bündner id. 609.
IV.
vereinzelt begegnet mhd. und frühnhd. (besonders in Bayern und Böhmen) persönliche intransitive konstruktion 'glück haben, zu erfolg gelangen, vom glück begünstigt sein', auch ironisch bzw. neutral 'ein geschick haben':
unser (der verstümmelten) keiner mac verwîzen
dem andern niht umb ein hâr:
wir sîn gelîch gelücket gar (wir sind vom gleichen geschick, d. h. unglück betroffen).
jâ wie frœlich unser wîp
sehen, sô wir bestümelten lîp
heim ze den schœnen brengen!
Ulrich von Eschenbach Alexander 15596 Toischer;
der valk hub sich von dannen
und uberkam den arn ...
dem arn mocht nicht gelingen,
wie wol er auf der erde haide het gelücket
der minnefalkner v. 115 Schmeller;
einen man, der in seinen tagen nicht wirt gelücken (qui non prosperabitur) Wenzelbibel, Jer. 22, 30 bei Jelinek mhd. wb. 278; daher werden wir nach Aristotelis meinung wol geglücket und wolgeborn genennt M. Pegius geburtsstundenbuch (1570) X xᵃ.
V.
alemannisch, vor allem schweizerisch begegnet transitive konstruktion mit persönlichem subjekt, 'glück verleihen, gelingen lassen, fördern'. das subjekt ist stets gott; die literarischen belege gehen bis ins späte 18. jh.; mundartlich z. t. noch heute üblich.
1)
selten mit persönlichem objekt: die gott mit sölichen fürgängen (erfolgen) well glücken (1476) Staub-Tobler 2, 623; glücken prospero, secundo, das ist glücklich machen Calepinus XI ling. (1598) 1178ᵇ; vgl. auch 1319ᵃ; glücken, glücklich machen aliquem beare, fortunare, prosperare, beatum facere Aler dict. (1727) 1, 959ᵃ.
2)
mit sachlichem oder unpersönlichem objekt: der herr hätte dein reich glücket über Israel für und für Züricher bibel (1531) 1. Sam. 13, 13; vgl. ebda 1. Mos. 24, 40; ir solt mich nit aufhalten; dann der herr hat mein weg geglückt Eck bibel (1558) 1. Mos. 24, 56; glücken, glückhaftig machen, ein guten auszgang oder ausztrag gäben fortunare, prosperare, secundare Maaler (1561) 186ᶜ;
so wil ich (gott) auch Agars sohn
reichlich begaben zu aller frist,
auch glücken all seine sachen
H. Haberer Abraham (1592) f 4ᵇ;
glücken, glück darzu geben ... aliquid fortunare, prosperare; aliquid feliciter vertere
Aler dict. (1727) 1, 958ᵃ;
die unsern züchent harheim, gott wöll es glücken
abschied (1530) bei Staub-Tobler 2, 623.
auch mit persönlichem dativ:
gott wöll vns glücken sin guͦt jar
Jac. Ruof Tellenspiel 127 Bächtold;
disen glücket gott ir fürnemen Wurstisen (1765) bei Staub-Tobler 2, 623; vgl. auch Tschumpert Bündner id. 609.
3)
mit fortlassung des unbestimmten objekts es: ein bapst ist erwelt, dem gott glücke H. Keller (1545-50) bei Staub-Tobler 2, 623.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 284, Z. 41.

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