glaube m.
Fundstelle: Lfg. 8 (1939), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 7777, Z. 20
fides, fiducia, confidentia, credulitas, religio, confessio, symbolum.
herkunft und form. westgerm. deverbatives abstractum; von glauben, vb., abgeleitet wie mit anderem suffix got. galaubeins (etymologisches s. bei glauben, vb., sp. 7819) und ahd. gidingo, gidinga, gidingî von gidingen, vgl. Wilmanns gr. 2², 199. ahd. gilouba, f., giloubo, m., selten giloubî(n), f.; as. gilô bo, m.; ags. gelēafa, m., selten lēafa, m.; mhd. geloube, gloube, f., m.; mnd. gelove, gelof, m., love, m.; afries. lava (lauwa), mnl. gelove (glove), geloof, m., f., n.; mengl. beleafe (erweitert aus ags. leafa); engl. belief; nl. geloof, n.; nord. nicht vorhanden, älterdän. love 'zutrauen' ist aus dem mnd. entlehnt, vgl. Falk-Torp 657.
1)
ahd. tritt glaube sowohl als masc. wie als fem. bereits in den frühesten quellen (glossen Pa. K. Ra.) auf; grob gezeichnet stellt sich das masc. giloubo als die nördlichere, das fem. gilouba als die südlichere (bair. alem.) form dar, die aber auch von Otfrid verwendet wird. dasz das fem. die ältere form war, aus der sich das masc. erst sekundär gebildet hat, so Jac. Grimm gr. 3, 553, ist angesichts as. gilô bo, m., und ags. gelēafa, m., unwahrscheinlich; vermutlich liegt eine alte, dialektisch begründete doppelung vor. das sw. fem. ist unhäufig, vgl. Graff 2, 72, wozu noch ein einziger beleg aus Otfrid III 10, 41 (alle hss.) tritt. giloubî(n), vgl. galaubin (dat.) Monseer fragm. 34, 12 Hench, galaupin ebda 1, 8, kalaubin ebda 17, 18; gloubi Otlohs gebet (nach 1067) bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 183. das fem. erscheint auch mhd. noch in obd. quellen, vgl. mhd. wb. 1, 1019ᵃ, Lexer 1, 823 sowohl st. wie sw., s. dazu die geloͮbe (acc. sg.) Lucidarius 53, 21 Heidl., der geloͮbe (dat. sg.) 55, 33, tritt aber gegenüber dem masc. sehr stark zurück, das sich seit dem spätmhd. als einzige form durchgesetzt hat. mnl. ist gelove (geloof) gewöhnlich n., aber oft auch fem., seltener m., s. Verwijs-Verdam 2, 1279. mnd. erscheint gelove als m., vereinzelt bleibt neutrales geschlecht: dat kersten geloven passio Christi 253ᵇ bei Schiller-Lübben 2, 47; das mnl. (mnd.) neutrum scheint von dem formgleichen gelove (geloof), n., 'gelübde' auszugehen, da im altnl. (altnfrk.) gilôvo wie im as. nur als m. bezeugt wird; ob das mnl. f. mit dem ahd. f. zusammenhängt, ist aus demselben grunde fraglich.
2)
der vokal des präfixes ge- wird schon spätahd. und mhd. vielfach ausgestoszen, vgl. z. b. glouba Notker ps. 68, 22 (aber gelouba 64, 11), gloubo 73, 17 (aber geloubo 5, 7), glouben Hartmann v. Aue Erec 8123, Freidank 70, 21, gloube Matthias v. Behaims evangelienbuch 23 (aber geloube 137), und fehlt spätmhd. in der regel; doch findet sich gelaub auch noch im frühnhd., vgl. vocab. theuton. (1482) k 6ᵇ, theologia deutsch 10 Mandel, geloubens Niclas v. Wyle translat. 348, 1 Keller; bei Spreng Ilias (1610) 2, 19ᵃ wo bleibt unser gelaub und trew wohl nur künstlich der alternation wegen eingeführt.
3)
der stammvokal weicht in schriftlichen quellen nur selten von der normalen schreibung au (älter ou) ab; dialektisch bedingt: globen Seuse dtsche schr. 154, 4 Bihlm., Elsbeth Stagel 110, 19 Vetter, städtechron. 4, 96; glab städtechron. 4, 320, glabe Seb. Lotzer beschirmbüchlein 48, 43 Götze. glabens (gen. sg.) Joh. Keszler sabbata 8; wohl in analogie zum verbum: gloibin urk. a. d. j. 1397 von Johannes Rothe, s. Hans Neumann d. lob d. keuschh., ein lehrged. v. J. R. (1934) 217; glayben bei Schmeller-Fr. 1, 1407; glayb Joh. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 155; dagegen wird glewb Eberlin v. Günzburg 3, 212 ndr. (aber glaubens 1, 193, glouben 1, 10) durch glawb (ewer glewb ewer richter!) zu ersetzen sein. nd. und rhein. erscheint noch hie und da umlaut, der vom verbum aus übertragen sein kann, vgl. z. b. gelöfe, glöfe ten Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 604, glö͏̂be Schambach 64, glöw Danneil altmärk. 65, gläube Deiter Hastenbeck nachtr. 47, jəlø̄f u. ähnl. rhein. wb. 2, 1259.
4)
die oblique form glauben dringt bereits spätmhd. auch in den nom. sg. ein, vgl.glauben Suchenwirt 41, 915, Oswald v. Wolkenstein 52, 24 Schatz, und steht im nhd. oft neben glaube bei ein und demselben autor, vgl. glauben (voc. d. 15. jhs., md.) Diefenbach gl. 233ᶜ, für Luther s. C. Franke schriftspr. Luthers 2, 247, Carbach Livius (1551) 271ᵃ, Moscherosch gesichte (1650) 1, 10; s. dazu PB beitr. 27, 309, wo weitere belege; häufig vor allem in der 2. hälfte des 18. und der 1. hälfte des 19. jhs., von Nast d. teutsche sprachforscher (1777) 1, 48 als allein richtige form erklärt, vgl. z. b. Bürger s. w. (1829) 2, 31, Klinger w. (1809) 5, 158, Göthe IV 15, 223 W., Schiller 5, 2, 85 G., Wackenroder herzensergiesz. (1797) 15, Chamisso w. (1836) 3, 361, Lenau 2, 218 nat.-lit., W. Alexis Cabanis (1832) 5, 144, doch überwiegt die ursprüngliche form erheblich; in neuester sprache ist glauben oft erhalten in der juristischen formel treu und glauben (s. teil 11, 1, 2, sp. 310 unter δ) und tritt vereinzelt auch sonst noch auf, z. b. im reim auf rauben Paul Ernst kaiserbuch (1923) 1, 1, 273: die formlosigkeit wird immer stärker sein als die form, aber stärker als jene sind wille, kraft und glauben R. Hohlbaum Stein (1934) 22; s. auch H. Paul dtsche gr. 2, 37 und bes. PB beitr. 28, 331. den nom. sg. auf -en bewahren vielfach die mundarten, vgl. z. b. Staub-Tobler 2, 587, Martin-Lienhart 1, 254, Fischer schwäb. 3, 677, gläuben (glaben) Schmeller-Fr. 1, 1407, kloom (Gösznitz) Müller-Fraureuth obersächs. 1, 423, glom Mensing 2, 395 u. s. w.
5)
die apokopierte form glaub erscheint vom 15.-17. jh. sehr häufig, sonst nur vereinzelt, vgl. glawb Luther 14, 23 W. u. ö. (neben glaube und seltenerem glauben), s. auch C. Franke a. a. o.; glawb Berth. v. Chiemsee t. theol. 45 Reithm.; glaub Joh. Nas warnungsengel (1588) 73; glaub (: staub) Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, a 1ᵇ, Logau 113 Eitner; Lenz ges. schr. 1, 73 Tieck; als gültige form wird glaub noch im schwäb. magazin von gelehrten sachen (1775) 378 gefordert, vgl. PB beitr. 28, 331; mundartlich z. b. glaub (selten) Staub-Tobler 2, 586, klaͦaͦp Müller-Fraureuth obersächs. 1, 423, jloub Rovenhagen Aachen 45, glâw Gangler luxemb. 182. mnl. nl. geloof, mnd. gelōf und mundartlich im nd. glof Mensing 2, 395, glow Mi mecklenb. 27ᵇ, glöw Danneil altmärk. 65, vgl. auch nordfries. giluuw Johansen 7, sind nach Verwijs-Verdam 2, 1279 nicht verkürzt aus gelove, sondern stellen eine selbständige form dar; möglich wäre auch eine sekundäre formübertragung von gelof, m. n., 'erlaubnis' aus, vgl. dieses bei Schiller-Lübben 2, 46, Lasch-Borchling 1, 2, 55, geloub Eike v. Repgow Sachsenspiegel 192, 2 Eckh. und laub teil 6, 287, wenn man nicht schon mit einer alten zweiformigkeit rechnen will, für die das as. freilich kein zeugnis bietet.
6)
zum nom. sg. glauben wird seit dem ende des 14. jhs. ein stark flektierter gen. glaubens gebildet, der anfang des 16. jhs. bereits als regel gilt, vgl. ungeloubens Kaufringer 2, 282 Eul. (aber des gerechten glauben 377), gloubens (v. j. 1412) bei Janssen Frankfurts reichscorr. 1, 245, geloubens Niclas v. Wyle translat. 348, 1 K., glaubens städtechron. 5, 900, Luther eine heerpred. (1542) b 4ᵇ (aber des glauben 34, 1, 364 W.), zimmer. chron.² 346, 18 Bar. u. s. w., vgl. auch PB beitr. 27, 309 und H. Paul dtsche gr. 2, 37, wo weitere belege. die alte form des gen. glauben tritt nach dem 16. jh. nur noch selten auf, vgl. A. Gryphius trauersp. 220 Palm, des aberglauben schwäb. magazin (1775) 489;
(lasz dich) nicht verführen zu den meineidigen rotten
und zu denen, die des glauben spotten
Rückert mak. (1844) 1, 127;
vgl. auch H. Paul a. a. o., PB beitr. 27, 309 u. 28, 331.
7)
pluralbildung zu glaube im sinne 'religiöse ansicht' oder 'religion, konfession' begegnet seit dem 16. jh., bleibt aber unhäufig; vgl.glauben Luther tischreden (1573) 8ᵃ Aurifaber, glöuben (v. j. 1531) bei Staub-Tobler 2, 587, ebenso noch mundartlich gläubeⁿ 586, Fischer schwäb. 3, 678, globens Mensing 2, 395; s. auch schon mnl. bei Verwijs-Verdam 2, 1279.
bedeutung und gebrauch. die verschiedenheit der bildungen (got. galaubeins = ahd. giloubî, ags. gelēafa = ahd. giloubo, ahd. gilouba) macht wahrscheinlich, dasz glaube erst in christlicher zeit als bedeutungslehnwort für πίστις bzw. fides (vgl. PB beitr. 60, 23 und Luginbühl d. altdt. kirchenspr. [progr. 1936, S. Gallen] 8f.) zum zwecke des christlich-missionarischen gebrauchs zu dem alten verbum glauben (s. unten sp. 7820) gebildet wurde, und zwar zunächst als gotische schöpfung nach dem muster des biblischen paares πιστεύειν : πίστις wie ähnlich slav. vèra aus vèriti; die paarung glauben : glaube, die an den entsprechenden lat. wörtern credere und fides kein formales vorbild hatte, ist im bereiche des wgerm. von anfang an fester bestandteil der christlichen terminologie und wurde vermutlich im anschlusz an den gebrauch der got. kirchensprache eingeführt. inhaltlich ist glaube sowohl got. wie ahd., as., ags. in den ältesten zeugnissen vom christlichen begriff πίστις, fides unmittelbar abhängig (s.glaube I). in diesem begriff lagen zwar schon die bedeutungen 'vertrauen' (s. II) und 'fürwahrhalten' (s. III) für den religiösen bereich mit eingeschlossen, doch geht bei der bedeutungsentwicklung offenbar wieder das verbum voraus, das seinerseits unter dem einflusz von lat. credere steht, s. unten sp. 7822. anderseits wirkte auch lat. fides in seinen profanen bedeutungen mehrfach auf den sinngehalt von glaube ein, besonders als 'fiducia, confidentia' (vgl. thes. ling. lat. 6, 1, 688) auf glaube II. über den gelegentlichen wettbewerb mit treue vgl. teil 11, 1, 2, sp. 289.
I.
glaube als religiöser begriff; vgl. die annehmung der grundsätze einer religion heiszt vorzüglicherweise der glaube (fides sacra) Kant w. (1838) 6, 344 Hartenst.
A.
in der christlichen religion. als übersetzung von gr. πίστις, lat. fides sowohl in der got. bibel wie in den ältesten geistlichen denkmälern des westgerm. für den spezifisch christlichen begriff; bis zu Luther hin tritt auch treue vereinzelt in gleicher anwendung auf (s. teil 11, 1, 2, 289), vgl. auch glauben, vb., sp. 7822. der christliche begriff glaube enthält zunächst die glaube II entsprechende bedeutung 'auf gott gerichtetes hingebendes vertrauen', dann die mit glaube III parallel gehende 'fürwahrhalten von gottes wort und zuversichtliche gewiszheit, dasz die lehre Christi und der kirche die wahre göttliche offenbarung enthält', und weiter 'innere bejahung, aneignung und bewahrung der offenbarten gotteserkenntnis, mit der sich gehorsam, treue u. s. w. gegenüber den christlichen geboten und lehren verbinden'. sowohl die neutestamentlichen schriften selbst wie die theologen der christlichen konfessionen definieren den begriff glaube im einzelnen verschieden, vgl. darüber Herzog realencycl. f. prot. theolog. u. kirche³ 6, 674 ff., Wetzer-Welte kathol. kirchenlex.² 5, 616 ff., R. Eisler wb. d. philos. begr. (1927) 1, 565 u. 570; vor allem wird der anteil von glaube II und III unterschiedlich aufgefaszt, vgl. etwa Augustins 'cum assensione cogitare' de praed. sanct. 5, Thomas von Aquins '(fides est) actus intellectus, secundum quod movetur a voluntate ad assentiendum' summa theol. II 2, 4, 2 c, dagegen Luthers ablehnung einer wesentlich intellektuellen bewertung (glaube III): diszer glawb (das fürwahrhalten) ist mehr eyn wissenschafft odder merckung denn eyn glawb Luther 10, 2, 389 W.; sie (die papisten) heiszen das glauben, das sie von Christo gehört haben und halten, es sey alles war, wie denn die teuffel auch gleuben (vgl. Jac. 2, 19) und werden dennoch nicht frum da durch. aber das ist nicht ein christlich glaub, ja es ist mehr ein wahn denn ein glaube bei Dietz 2, 128; anders noch, glaube III B b 1 und c näher stehend: es ist aber der glaube eine gewisse zuversicht des, das man hoffet, und nicht zweiveln an dem, das man nicht sihet Hebr. 11, 1, zu welcher stelle Luther bemerkt: anderst kan mans einem Deudschen nicht sagen, so ers verstehen sol. denn der glaube ist und sol auch sein ein standfest des hertzen, der nicht wancket, wackelt, bebet, zappelt noch zweivelt, sondern fest stehet und seiner sachen gewisz ist 54, 32 W.; 21. frag: was ist warer glaub? antwort: es ist nicht allein ein gewisse erkandtnusz, dardurch ich alles für war halte, was uns gott in seinem wort hat offenbaret: sonder auch ein hertzliches vertrauen, welches der heilige geist durchs evangelium in mir würcket, dasz nicht allein andern, sonder auch mir vergebung der sünden, ewige gerechtigkeyt und seligkeyt von gott geschenckt sey, ausz lauter gnaden, allein umb des verdiensts Christi willen Heidelberger katechismus in: d. bekenntnisschr. d. reform. kirche 687 Müller.
1)
als seelisch-geistige handlung (akt) und inneres verhalten (habitus) des menschen gegenüber gott und seiner offenbarung.
a)
der begriffsanteil 'hingabe des vertrauens an eine person' (vgl. unten II A 1 a) ist bei der beziehung auf die göttlichen personen meist noch deutlich, vgl. auch Luthers satz: der glaube geht allezeit auf eine person ohne stellenangabe zitiert bei Dietz 2, 128; doch ist besonders in neuerer zeit der anteil von III B 1 b oft entscheidend.
α)
nur in älterer sprache wird das personale objekt, wohl nach griech.-lat. vorbild, mit in angeschlossen, vgl. z. b. πίστιν εἰς τὸν κύριον ἡμῶν Ἰησοῦν apostelgesch. 20, 21 (fidem in dominum nostrum Jesum Christum vulg.), s. auch glauben in etw. (sp. 7823): de ungelovigen menschen hebben ock geloven unde (aber) nicht in gode, wente hedden se geloven in gode, so en weren se nicht ungelovisch dial. Greg. 214 bei Schiller-Lübben 2, 46; das erste und hochste aller edlist gut werck ist der glaube in Christum Luther 6, 204 W.;
der dritt freund deut (bedeutet) den glauben frumb
in den herren Jesum Christum
Hans Sachs 1, 433 K.;
darumb mercks wol, dasz der glaub in gott nicht so ein gemeyns ding sey, wie die welt davon narriert, sondern er ist ein göttliche gab Joh. Nas d. warnungsengel (1588) 73.
β)
mit an seit dem 9. jh., nhd. die einzig überlebende konstruktion, s. auchglauben an etw. (sp. 7823f.):
hluttro haƀas thu an thînan hêrron gilôƀon ...
Heliand 3068 Heyne, vgl. 3026;
sî welle, obe got wil, werden dîn wîp,
deme heiligen grabe welle si werden undertân
unde an Jêsum Krist gelouben hân
Münchener Oswald 1376 Baesecke, vgl. 2990;
habt glauben an gott Marc. 11, 22; nach dem wir gehöret haben von ewrem glauben an Christum Col. 1, 4; und höret in von dem glauben an Christo apostelgesch. 24, 24; (diejenigen,) so nicht durch die taufe und glauben an Christum, durch den heiligen geist wiedergeboren werden H. v. Schweinichen denkw. 2 Österley; der seligmachende glauben an den gekreutzigten herrn Jesum habe keine wurtzel in seinem hertzen gefasset? discourse d. mahlern (1721) 1, 2; denn der glaube an gott thut noch täglich wunder E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 264; (vorurteil) nennt der atheist den glauben an gott M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 23.
γ)
andere präpositionen begegnen seltener und drücken z. t. besondere formen der beziehung aus, so vor allem das auf gott hingerichtete vertrauen, vgl. oben α; als muster können hier z. t. die griech. konstruktionen mit ἐπί, πρός gedient haben, vgl. H. Cremer wb. d. neutest. gräcität³ 642. zu:
... the gio mêr te gode
an themu landskepie   gelôƀon habdi than
Heliand 2128 Heyne, vgl. 2318, 4269;
es ist ein glaube von Christo und nicht zu odder an Christum Luther post. (1528) 8ᵃ. auf: wie die propheten den glauben auff Christum gepredigt und getrieben haben Luther bücher u. schr. 3, 267ᵇ (ausgabe nicht ermittelt); in erkenntnisz und glauben auff den mitler Melanchthon in: corp. doctr. christ. (1560) 485; im glauben auff in (Christus) leben und sterben Joh. Magirus zwo christl. leuchpred. (1600) 19ᵇ. gegen, mit dem sinn 'in bezug auf': wilcher lere gar stund auff dem glauben gegen gott und der liebe gegen den nehisten Luther 17, 1, 103 W.;
man merckt, wie gegen gott der glaube sey bestellt,
aus dem, wie glaub und trew man seinem nechsten hält
Logau sinnged. 351 Eitner.
δ)
mit objektsgenetiv, im anschlusz an griech.-lat. konstruktion: habaiþ galaubein gudis got. bibel Marc. 11, 22 (ἔχετε πίστιν θεοῦ); habet gotes giloubon (habete fidem dei) Tatian 121, 3;
... thôh wili imu the kraftigo drohtin
gilônôn allarô liudô sô hwilîkumu,   sô her is gelôƀon antfâhit
Heliand 3508 Heyne;
von dem gelawben der heiligen drivaltikeit (überschrift) Johann v. Neumarkt soliloquien 76 Sattler; sy verkundigen ... den glauben der hailigen drivaltikeit erste dtsche bibel 1, 5 Kurr.; was ich itzt lebe, ... das lebe ich in dem glauben des sons gottes Gal. 2, 20.
b)
in denselben konstruktionen auf gottes und Christi eigenschaften, taten, gaben u. dgl. bezogen, wobei der begriff des intellektuellen gewiszseins (s. unten III B 1) stärker heraustritt: þairh galaubein waurstwis gudis got. bibel Kol. 2, 12;
in thiu werk minu   so ist stark gilouba thinu
Otfrid III 10, 43;
fast is sîn gelôf in gods almagt ten Doornkaat-Koolman 1, 604;
mikil is thîn gelôbo an thea maht godes
Heliand 3026 Heyne;
that ik min lif endi minan gilovon an godas huldion giendion moti sächs. beichte bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 319; man schämte sich des glaubens an die heilenden wirkungen des befehls im namen Jesu, des kreuzzeichens, des weihwassers Cl. Brentano ges. schr. (1852) 9, 86; mit dem glauben an den erlösertod Jesu Christi Fontane ges. w. I 4, 384; daz ire geischlich vater so groszer andaht und guͦten globen hate zu dem minneklichen namen Jesus Seuse dtsche schr. 154, 4 Bihlm.; lath my dy (gott) gefellich syn im geloven up dyne warheit bei Schiller-Lübben 2, 46; da sihestu, das er gar keynen glawben hat auffs opfer Christi Luther 18, 30 W.;
der glaub auff Christus werck, der glaub auff meine wercke
Logau sinnged. 113 Eitner.
c)
ohne angabe eines objekts.
α)
allgemein und ohne nähere bestimmung für den seelischgeistigen akt; entsprechend dem glaubensbegriff der synoptischen evangelien zunächst das hingebende vertrauen auf gott und die gewisse überzeugung von der göttlichen sendung und macht Jesu, vgl. dauhtar, galaubeins þeina ganasida þuk got. bibel Mark. 5, 34; gasaiƕands þan Jesus galaubein ize 2, 5:
... nis iu noh fast hugi,
giloƀo is iu te luttil
Heliand 2254 Heyne;
gilouba thin in wara   thiu deta thih hiar heila
Otfrid III 14, 49;
thera giloubun festi   irkant er in ther brusti
III 10, 41;
durch sine geloube
iroffenote ime (Abraham) got di tougene,
daz er wesse daz ez was
sancta trinitas
Vorauer Moses 16, 22 Diemer;
(sie) bat unsern heren das er sy ires globen lies geniessen und ir ze hilff kem, und das gebet erfult unser her und machet der frowen hand ... gesund Elsbet Stagel 110, 19 V.;
(die ärzte) kränken manchmal mehr als sie gesund gewehren.
der glaube macht gesund, nimmt gott die gantze krafft,
dasz er uns spricht gesund und vollen frieden schafft
P. Fleming ged. 199 Lapp.;
dann zittr ich auf vor wonn aus meinem staube,
blick hin zu gott mit heitrem angesicht,
und hör es, wie in mir der glaube
sein abba, abba! spricht
Schubart s. ged. (1825) 1, 7.
zumeist aber in einem umfassenderen, schon im Johannesevangelium und den paulinischen briefen deutlichen sinne für das durch gottes gnade erweckte religiöse verhalten des menschen, durch das die in Christus und im worte gottes dargebotene übernatürliche offenbarung erlebt, erkannt und angenommen wird; den stillschweigend vorausgesetzten gegenstand des glaubens bildet der lehrinhalt der christlichen religion, dessen wahrheit und verbindlichkeit durch den glauben anerkannt wird: darumb wirt der glaub genennt ain argument, das ist ain bewærung unscheinberlicher (unsichtbarer) sachen, dadurch die vernüft (vernunft) bewegt wirdt zeglauben hoffenliche ding Berthold v. Chiemsee t. theol. 10 Reithm., vornehmlich aber die in dieser lehre bezeugte tatsache der versöhnung gottes im neuen bunde durch Christi opfertod und die möglichkeit, in Christus die göttliche gnade zu ergreifen, vgl. etwa Luthers erläuterungen, bei dem die heilsgewiszheit im vordergrunde steht: so sey denn derselb glaub nichts anders, denn ein tröstlich, lebendig verlassen auff Christus gegeben verdienst bücher u. schr. (1555) 2, 219ᵇ; glaube ist eine lebendige erwegene zuversicht auf gottes gnade, so gewisz, dasz er (der mensch) tausendmal drüber stürbe 63, 125 Erl. ausg.; so garaihtein þo us galaubeinai got. bibel Röm. 9, 30:
gilouba thin si kreftig,   thaz thir sin tod si githig,
mit sinemo wihe   iz frammort thir io thihe
Otfrid IV 37, 15;
swer sô gelouben nîne hât,
der ist durre unde tôt:
der tiuvel in nîne mîdet,
wante er den gelouben nîdet
himml. Jerusalem 158 Waag;
swaz wir mit sinne niht megen bevahen
mit unserem wenigem gelouben,
daz pite wir dem tougen,
daz ist dem heiligen geistes chraft
Vorauer bücher Mosis bei Diemer dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 42, 22;
wan der heilige gloube, der ist senfte ze enphahende, man muoz in aver mit ærbeiten behalten altdtsche pred. 3, 84, 34 Schönbach; der ghelove sal wesen in der verstandeliker kracht der zele, ... unde de holdynge der ghebode sal wesen in der eernstigher offte modigher kracht Joh. Veghe pred. 343 Jostes; so merket nu, ... dasz durch die lampen on öl uns bedeutet wird ein auswendig ding und eine leibliche übung ohn glauben im herzen, ... denn so der glaub der art ist, dasz ihn gott schafft und erweckt im herzen, so vertraut der mensch in Christum Luther 15, 540 Erl. ausg.; mit bestimmenden adjektiven: schwacher glaube ders. ettl. schöne pred. (1533) j 3ᵃ; denn die heubtsumma des gebotes ist liebe ... von ungeferbtem glauben 1. Tim. 1, 5; gedichte reue und geferbten und geschminkten glauben Mathesius Syrach (1586) 1, 113ᵇ; bekenneten diese herren und stätte ... als ... ernstliche zuhörer des lebendigen wortes, voll rechtschaffenes und lebendigen glaubens, ihren glauben J. B. Schupp schr. (1663) 842; helffe wer doch helffen kan, und lasz sich erbarmen der armen jugend ..., dazu wir (oberkeit und eltern) auch beruffen, und eben umb derselb willen leben. sonst wäre uns unser glaube für unser person genug, welche stund wir auch stürben Moscherosch ins. cura par. 2 ndr.; wie können wir aber an dieser unschätzbaren wohlthat (der erlösung durch Christus) theil nehmen? durch den glauben, antwortet die schrift. was ist denn glauben? ... dieser zueignende glaube musz ein eigener, dem natürlichen menschen ungewöhnlicher zustand des gemüths sein Göthe 22, 316 W.; gott selbst ist durch keine andere weise bey uns wirksam als durch den glauben Novalis im Athenäum (1798) 1, 80;
auf klöster besonders der Ungarn wille steht,
denn gold und silber gibt es da zu rauben,
das gott zum dienste brachte frommer glauben
Paul Ernst kaiserbuch (1923) 1, 1, 273.
glaube III B 1 c mit einschlieszend für die gläubige erwartung bestimmter verheiszungen, vor allem eschatologischer art:
'... all hebbiu ik gelôƀon sô', quađ siu,
'that it sô giwerđan skal,   sô hwan sô thius werold endiôd'
Heliand 4046 Heyne;
dat wy holden vasten unde truwen loven (in hinsicht auf das jüngste gericht) urk.-buch d. st. Lübeck 9, 731;
darum ist auch mein glaub als mauerfest gegründet,
... (dasz) mir wieder scheinen werd auf dieses traurigsein
... gottes gnadenschein
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 139.
β)
im (in) glauben als adverbialer ausdruck, 'in der haltung des glaubens' oder 'auf dem wege des glaubens', vgl. etwa 2. Kor. 5, 7: kinder, hie muͤssent ir in gloͮben und in hoffenunge beiten und uͤch mit Jhesum umbkleiden Seuse dtsche schr. 492, 27 Bihlm.; wen alle die cristenheit, die do in der geloͮbe was, do unser herre an dem crúce hieng, die wart alle getoufet mit sinem bluͦte unde mit dem wasser Lucidarius 55, 33 Heidl.; dargegen sol ouch üwer guͦtes (das ir alle ding im glouben thuͦnd ...) nit geschmächt werden Zwingli v. freih. d. speisen 24 ndr.;
ein christe, der an Christo klebt,
und stets im geist und glauben lebt
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 370;
vor demselben (gottes gericht) musz unsere freudigkeit auf nichts des unsrigen, sondern allein auff der liebe gottes selbs, die wir im glauben uns zueigenen, beruhen Spener erkl. d. ep. Joh. (1699) 450; bis sie ... ihr das verdienst Jesu Christi in wahrem glauben zugeeignet J. B. Schupp Corinna 59 ndr.;
lasz was dein mund im glauben heiszt,
uns auch im glauben hören
B. Neukirch ged. (1744) 74;
... mit sehnendem verlangen
zu ihm, den ich im glauben angeschaut
Zach. Werner Martin Luther (1807) 23.
γ)
in typischen bildern, die bestimmte eigenschaften des glaubens kennzeichnen, wobei der religiöse ausgangspunkt nicht selten verlassen wird, aber doch fühlbar bleibt; im anschlusz an Eph. 6, 16 schild des glaubens: yn allen dingen aber ergreyft den schildt des glaubens Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 193 ndr.;
panier sei hoffnung, unser schild dein glaube
Rückert w. (1867) 1, 24;
licht des glaubens (die von gott geschenkte gnade der inneren erleuchtung, die den glauben bewirkt = lumen fidei):
o sonne, die das werthe licht
des glaubens in mir zugericht
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 331;
hand, arm des glaubens, das ergreifen der göttlichen gnade durch den glauben versinnbildlichend:
kommt herbey,
füllet frey
eures glaubens hände
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 330;
... vertraue
dem allvermögenden, — der dürre stab
kann zweige treiben in des glaubens hand
Schiller 12, 560 G.;
wie kan ich mit dem arm des glaubens dich umfassen,
eh deine liebe sich zu meiner schwachheit bückt?
v. Canitz ged. (1727) 16;
auf seine kostbarkeit deutend:
des glaubens diament
B. Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 905;
was haben sie (die frommen) von gott bekommen?
des glaubens kleinod, das weit besser,
als ehrenstellen
Triller poet. betracht. (1750) 1, 259;
(dann) miszbrauchte man des glaubens gold zu ketten
Zach. Werner Martin Luther (1807) 6;
anker des glaubens, vgl. teil 1, 380 und glaubensanker; flügel des glaubens:
kein schlusz der weisheit schlägt die kühne brücke,
und nur des glaubens flügel trägt hinüber
Geibel ges. w. (1888) 1, 104.
δ)
in fester verbindung mit den verben mehren, stärken, vgl. Luk. 17, 5:
das verblendte taube heer
wirdt ihn sehn und hören,
und mit lust zu seiner ehr
ihren glauben mehren
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 336;
es (das himmelsbrot) dämpfet alle böse lust,
und mehret deinen glauben
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 98;
keine deutlichere erinnerung der ... güte des höchsten konnte die gläubigen besser in ihrem glauben stärken Scheibe crit. musicus (1745) 186;
die kirche ists, die heilige, die hohe,
die zu dem himmel uns die leiter baut,
... denn nur der glaube aller stärkt den glauben
Schiller 12, 559 G.
ε)
im betonten gegensatz zu anderen begriffen.
aa)
neutestamentlich wird glaube dem werk (des gesetzes) gegenübergestellt, vgl. Röm. 3, 20-31, Jak. 2, 14-26; vgl. diu kiloube ist tot ane dei werh pred. a. d. 10. jh. bei Hoffmann fundgruben 1, 61;
wan seit, daz der geloube si gar ane guotiu werk ein niht
bruder Wernher minnesinger 2, 234ᵃ v. d. Hagen;
das verhältnis beider ist eines der hauptthemen in der konfessionellen polemik des 16. jhs.: der glawbe kan nit neben yhm leyden die ölgotzen der werck Luther 10, 1, 1, 368 W.; David begæret hülfe von got, sich beruͦffend uͦf seinen glauben, uͦnd nicht uͦf seine wærke Schede psalmen 52 ndr.; daher sprichwörtlich: der glaube bestätichts werk Rother schles. sprichw. (1928) 289.
bb)
glaube und zweifel als kontrastbegriffe, wohl ausgehend von Hebr. 11, 1 und Jak. 1, 6; glaube bezeichnet hier besonders die wahrheitsgewiszheit:
ther se nan (Petrus auf dem meere) sar tho sankta   so imo ther hugu wankta;
ni druag inan thaz zwival   so thiu gilouba ubar al
Otfrid III 8, 40
nie zwivel in dir uf gestuont
der cristenlichen sachen
möchte ir e geswachen
und dem gelouben würre
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 1125 E. Schr.;
zweiffel ist desz glaubens feind Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, h 3ᵇ; wie ich den zweifel geschildert hab, so würde ich ... auch den glauben schildern können Gutzkow ges. w. (1872) 4, 376; zu glaube IV A 2 gehörig: alles, was als glaube festgestellt ist, das wär da, um seine zweifel dran auszubilden Bettine d. buch gehört d. könig (1843) 1, 42; um wieviel schöner musz doch dem kindlichen glauben die grausame welt sein als unserm zweifel W. Schäfer wendekreis n. anekd. (1937) 42.
cc)
glaube und vernunft, wobei glaube den bereich der übernatürlichen offenbarung, vernunft die sphäre des natürlichen erkennens umgreift, vgl.offenbarungsglaube und vernunftglaube: wie ich mich versehe, dasz ir ... selbs wisset, wie göttlicher friede nicht in den fünff sinnen oder vernunfft, sondern weit darüber in glauben schweben sol (v. j. 1539) Luther briefw. 8, 353 W.; vernunft ist des glaubens grösztes hindernisz Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, f 4ᵃ; wenn der glaube in geistlichen sachen sich auf die vernunft verlässet, so gehets ihm wie einem blinden vater, der sich von seinem kinde an der hand herum führen lässet und alle schritte des falls befahren musz Joh. Riemer apophthegm. vormund (1687) 109; was der glaube nicht vermag, wird die vernunft schwerlich ausführen Gottsched d. vernünft. tadl. (1725) 1, 197; die sich sträubende vernunft unter das joch des glaubens ... schmiegen Gerstenberg schlesw. lit.-briefe 102 lit.-dkm.; die mysterien des christianismus muszten durch den ... streit, in den sie vernunft und glauben verwickelten, ... zur ... resignazion ... oder auf kritischen idealismus führen Fr. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 2, 62; rationalistisch auf gleiche ebene gesetzt:
drum war ihr aufgeklärter glaube
die frucht gereinigter vernunft
Gottsched ged. (1751) 1, 144.
in ähnlichem gegensatz:
wesz des den synnen ist zuͦ kluͦg,
thuͦt uns allein der glayb genuͦg
J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 155;
es gab 1442 noch keine kritik, aber dafür desto mehr glauben Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 130.
dd)
glaube und wissen; glaube zielt auch hier zunächst auf das dem natürlichen erkennen nicht zugängliche gebiet der religiösen offenbarung, dessen gegenstände nur von der subjektiven überzeugung ohne die für das wissen erforderliche objektive erfahrungsgrundlage ergriffen werden können; zu der frühchristlich schon behandelten problematik von glaube und wissen (z. b. bei Origines, Clemens Alexandrinus u. a.) vgl. R. Eisler wb. d. philos. begriffe (1927) 1, 565 sowie Jac. Fr. Fries wissen, glaube und ahndung (1805) titel, vgl.glauben sp. 7813: darinnen bestehet demnach die erklärung ... der heil. schrifft, dasz wir 1. den rechten verstand der worte, 2. die verknüpfung der wahrheiten zeigen. es ist aber nicht zu besorgen, dasz solcher gestalt der glaube mit dem wissen vermenget wird. denn weil wir in einem schlusse den hintersatz nur zugeben umb der fördersätze willen, so musz auch der hintersatz nur geglaubet werden, wenn die fördersätze auf dem bloszen glauben beruhen Chr. Wolff ged. v. d. kräften d. menschl. verstandes (1719) 167; ich nehme das wort 'wissen' hier so, wie es dem glauben entgegengesezt wird Lichtenberg briefe (1901) 2, 335; denn wie der glaube da beginnt, wo das wissen endet, so fängt die poesie da an, wo die geschichte aufhört G. Freytag ges. w. (1886) 14, 37;
... wissen und glaube,
siege und opfer werden nichts gelten
ihm, der die dürftigen pfeiler der brücken
... bau der vernunft, geschmettert in stücken
R. G. Binding gedichte (1922) 19;
dazu: reine religionswissenschaft ... erfaszt, was als religion wirklich ist. wissenschaft kann religionen kennen und verstehen, ohne dasz der forschende in irgendeiner selbst steht und glaubt. der wirkliche glaube ist nicht wiszbar K. Jaspers existenzphilosophie (1938) 19; von hier ausgehend kann glaube auch im bereich des natürlichen denkens als 'spekulative überzeugung' den gegensatz zum wissen bilden, also glaube III B 1 b entsprechen, s. unten sp. 7813. vergleichbar, aber unter anderen voraussetzungen, vgl.denn wir wandeln im glauben und nicht im schawen 2. Kor. 5, 7: in disem jamer hort sy aber ain stim, di sprach: 'du solt alles din leben richten nach dem globen' ... und do erkant sy lutterlich das der glob gröszer ist dann die sicherhait und die schowung die sy hat gehebt Elsbet Stagel 75, 187 V.
2)
die durch den glaubensakt bewirkte 'religiöse überzeugung des christen', die das fürwahrhalten biblischer und kirchlicher lehren, dogmen und vorstellungen ebenso einschlieszt wie das leben nach den christlichen geboten und vorschriften.
a)
allgemein: rihti dera calaupa, dera ir in herzin cahuctliho hapen sculut (regulam fidei, quam in corde memoriter habere debetis) exhortatio bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 49;
dî der ainen got pechennent:
den gelouben si gewinnent
vor dem tîvele mit gewalte
himml. Jerusalem 256 bei Waag 63;
mich dunket daz niht schône
der kristen ordenunge stê.
daz si pflegen swacher ê,
daz wirt an ir gelouben kunt
Konrad v. Würzburg Silvester 2987 Gereke;
syn (Johannes) ghelove was klaer und vast, want he ghelovede, wat unse leve here ghesecht hadde Joh. Veghe pred. 347, 3 Jostes;
man schreib yhn fur ein brieflein kleyn,
daz hies man sye selbs lesen,
die stuck sye zeychte alle drein,
was yhr glaub war gewesen
Luther bei Wackernagel kirchenlied 3, 4;
die einzige wahre religion (ist darin) ... also abgehandelt, dasz die freunde derselben in ihrem glauben gestärkt und befestiget (werden) Lessing 7, 1 M.;
ihr gläubigen! rühmt nur nicht euren glauben
als einzigen, wir glauben auch wie ihr
Göthe 5, 131 W.;
ich gebe den schöpfer auf, sobald ich an einen gott glaube. wozu brauche ich einen gott, wenn ich ohne den schöpfer ausreiche? du hast mir den glauben gestohlen, der mir frieden gab Schiller 4, 35 G.; der einfältige glaube des volkes lachte aus dieser buntheit (der votivtafeln in der kirche) Watzlik d. pfarrer von Dornloh (1930) 12; so in der mundart, vgl. z. b.: er het keⁱⁿᵉⁿ gl. glaubt an keinen gott Martin-Lienhart 1, 254; hej hät genne gl. mehr rhein. wb. 2, 1259. sprichwörtliches:
wenn der christ im glauben krank,
hat der teufel leichten fang
Rother schles. sprichw. (1928) 288;
der glaube macht selig Binder sprichw. 75, meist scherzhaft auf glaube III B 2 übertragen: der gl. macht selig wer etwas glaubt, fühlt sich glücklich Müller-Fraureuth obers. 1, 423; de gl. mecht seilig on de honger mecht neilig (schwach) rhein. wb. 2, 1259; der glaube macht selig, beim becken wird man mehlig kindervers Fischer schwäb. 3, 678. auf glaube III A übertragen: deʳ gl. macht selig angewandt auf leichtgläubigkeit Staub-Tobler 2, 586. redensartlich: des kolers glaub ist der best glaub sprichw. (1548) 54ᵇ; weitere belege und näheres dazu s. unterköhlerglaube teil 5, 1591f. glaube ist im gegensatz zu unglaube oder aberglaube meist speziell die vom christentum inhaltlich bestimmte religiosität (doch sieh auch unten B 1 b): wissenschaftlich steht über die sittlichen wirkungen des glaubens und des unglaubens an sich eigentlich nichts fest Fr. Lange gesch. d. materialismus (1866) 534; die classischen studien herrschten; als sittenregel eine auffassung der dinge, die sich gegen gut und böse, glauben und unglauben im christlichen sinne gleichgültig verhielt H. Grimm Michelangelo (1890) 1, 47; ich bin noch nicht ungläubig, aber ich bin auf der seufzerbrücke, die zwischen glauben und unglauben sich düster spannt E. Wiechert wälder u. menschen (1936) 167; aberglauben steht dem einigen wahren seligmachenden glauben entgegen J. G. Schmidt rockenphil. (1706) (a) 3ᵇ; reutet mir den aberglauben aus; ja wahrhaftig, der rechte glaub wird mit drauf gehn und ein nacktes feld da bleiben Lenz ges. schr. 1, 73 Tieck; Gaby war ... ein frommer sohn seines glaubens, eines glaubens freilich, wie ihn der hochlandsbauer im herzen trägt: ein glaube, der untrennbar verwachsen ist mit dem aberglauben Ganghofer almer- u. jägerleut (1900) 42. oft sehr verallgemeinert 'religiosität, religiöses gefühl, religiöse vorstellung': das eigentliche ... thema der welt- und menschengeschichte ... bleibt der conflict des unglaubens und glaubens Göthe 7, 157 W.; nach einem unregelmäszig besuchten religionsunterricht hatte ich bei meiner einsegnung ... keinen andern glauben, als einen nackten deismus Bismarck briefe an s. braut u. gattin (1900) 2; die breite masse eines volkes besteht nicht aus philosophen; gerade aber für die masse ist der (religiöse) glaube häufig die einzige grundlage einer sittlichen weltanschauung überhaupt A. Hitler mein kampf (1933) 293; so erscheint es mir, wenn ich zurückblicke und nach der überpersönlichen vernunft spähe, die, wie der glaube möchte, alles im leben des einzelnen lenken soll Weigand d. Löffelstelze (1919) 297.
b)
durch typische adjektive näher gekennzeichnet: rechter (wahrer) glaube (= fides recta, vera), im gegensatz zu einer der christlichen lehre nicht gemäszen religiösen überzeugung (vgl. unten sp. 7792f.): forgip mir in dino ganada rehta galaupa enti cotan willeon Wessobrunner gebet bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 16; daz er (gott) iu verlihe rehtis glouben unde warer riwe ebda 345;
selig sint, die mich nie gesahent,
und rehten globen doch verjahent
schausp. d. mittelalters 1, 256 Mone, vgl. dazu Joh. 20, 29;
mag ich unglück nit widerstan,
musz ungnad han
der welt umb mein recht glauben,
so weisz ich doch, gott ist mein kunst
Forster fr. t. liedlein 34 ndr.;
welcher den rechten glauben nicht hat, der ist ... desz teuffels Nigrinus von zäuberern (1592) 177; der hochgelehrte Aristoteles pflegte zu sagen: ein weiser mann sey gott am angenehmsten. aber niemand ist weise zu schätzen, welcher sich von dem rechten glauben entfernt. denn gott erkennen ist die höchste weiszheit Joh. Riemer apophthegm. vormund (1687) 152. —
o crux salvatoris,
dû unser segelgerte bist.
disiu werlt elliu ist daz meri,
... der segel de ist der wâre geloube,
der hilfet uns der zuo wole
Ezzos gesang 401 bei Waag 16;
er sol ain liecht der haiden sin,
das sy von ir vinstrin
irs ungloͮben bringen mag
in des gewaͤren gloͮben tag
schausp. d. mittelalt. 1, 175 Mone;
sondern man redet (hier) vom wahren glauben, der da gläubet, dasz wir durch Christum gnade und vergebung der sünde erlangen, und der nu weisz, dasz er einen gnädigen gott durch Christum hat Augsburg. confess. 20. art. in: christl. concordienbuch (1739) 43 Weisz; desz wahren glaubens rost ist der aberglaub Lehman floril. polit. (1662) 2, 534. christlicher glaube (= fides christiana, vgl. thes. ling. lat. 6, 1, 689), oft in die objektive bedeutung (christliche lehre) übergehend (s. unten 5 a α): bi syn cristena lauwa (v. j. 1481) bei Richthofen altfries. wb. 885; das aber Cristus gott ist und vereint mit der menscheit, des zuͦ glauben ist notturfftig unser cristenlicher glaube erste dtsche bibel 1, 3 Kurr.; zu 1 gehörig dagegen: sihe ein solcher gutter wahn odder trostliche tzuversicht oder frey vormutung tzu got oder wie du es ymer nennen wilt, das heist ein christenlicher glaube Luther ev. v. d. 10 aussetzigen (1520) d 2ᵇ. mit anderen adjektiven: thaz er habe allicha gilauba (ut teneat catholicam fidem) Weiszenburger katechism. bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 31; die gemeinun gelauba (catholicam fidem) Notker 2, 638 P.; ich blib by mym alten got, by mym alten glauben, by der alten leer Judas Nazarei v. alten und neuen gott 3 ndr.; anders: D. Fr. Strausz der alte und der neue glaube, ein bekenntnis (1872) titel, wo der alte glaube die christliche weltanschauung, der neue eine materialistische weltsicht umschreibt; man sal eyn reynen glawben haben, der nichts on grund der schrifft glewbt Luther 10, 1, 1, 446 W.; mit negativ wertenden adjektiven: man macht iedem ketzer ain gelwes krütz an sin gewand ... zuͦ ainem urkünd ires posen globen städtechron. 4, 96; da sihestu, wie falscher glaube nicht bestehet Luther 19, 208 W. von hier aus auf andere, aber noch im bereich christlicher vorstellung liegende glaubensformen übertragen:
der glaub an gott ist recht fürwar,
der weltlich glaub ist voller fahr
Er. Alberus praecepta vitae (1548) 106ᵃ;
in dem das du (der jude) wenest und halten möchtest, das wir christen eynes unrechten glaubens weren und fremde götter anbetten cammergerichtsordnung (1555) 73ᵃ; auf glaube III B 2 a angewandt in der redensart: ein dieb hat den unrechten gl., er meint, anderer leute sache sei auch sein bei Fischer schwäb. 3, 679. vereinzelt im plural 'religiöse anschauungen': ich hab nu ausz meinem hertzen weg gejagt alle andere glauben, sie heiszen auch wie sie söllen Luther tischreden (1573) 8ᵃ Aurifaber.
c)
in formelhaften wendungen biblischer herkunft, nach 1. Tim. 1, 19: dr. Carlstad ist ausz dem reich Christi gefallen und hat schiffbruch am glauben erlitten Luther 18, 121 W.; so leiden sie schiffbruch am glauben Jung- Stilling s. schr. (1835) 6, 463; so aber jemand die seinen ... nicht versorget, der hat den glauben verleugnet 1. Tim. 5, 8; auf IV B 2 übertragen: ich weisz, dasz ich nie meinen glauben verleugnete J. G. Jacobi s. w. 1, 6; nach 1. Tim. 4, 1:
und spricht: der geist sagt deutlich,
das zu den letzten zeiten sich
etlich vom glauben werden tretten
und anhangen des teuffels reten
Hans Sachs w. 6, 373 K.;
nach 1. Petri 1, 5: darzu wir denn unsere häupten sollen aufheben und der zeichen wahrnehmen, uns in die zeit schicken, den glauben bewahren J. Prätorius winterflucht (1678) vorr. a 5ᵇ.
3)
als christliche tugend besonders die eigenschaften des gottvertrauens, der treue, des gehorsams gott gegenüber umfassend; namentlich als eine der drei göttlichen tugenden neben hoffnung und liebe nach 1. Kor. 13, 13:
zewâre sagen ich iu daz:
fides, spes, caritas,
der geloube joch diu minne,
der zuoversiht darinne
rîhsenet mit gewalte:
dannen choment uns ander tugente manicvalte
himml. Jerusalem 440 bei Waag 69;
die vier ecke an deme crúce bedútent die geloͮbe unde die zuͦversiht, unde die ware minne, unde verendunge guͦter werke Lucidarius 53, 21 Heidlauf; viel schöner ... bücher geschrieben ... sind, in welchen der glaub, lieb, hoffnung und was zum christentumb nöthig ... offenbahret (wird) W. Spangenberg ausgew. dicht. 7 Martin; der nur sylber und golt im hertzen hat, da wächst kein glaub, lieb und hoffnung Lehman floril. polit. (1662) 1, 278; die drei schönen eigenschaften glaube, liebe und hoffnung Göthe 23, 185, vgl. 15, 223 und IV 27, 15;
die liebe starb, die hoffnung und der glauben
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 9;
mehr als erkenntnisinhalt bewertet: die stoiker aber und der dichter Vergil schon kommen dem 'glauben', hier im sinne einer christlichen tugend, des christen nahe, dasz gott licht ist, ewiges licht Th. Haecker Vergil (1931) 114.
4)
vereinzelt und nur an biblischen gebrauch angelehnt als eigenschaft gottes im sinne von 'treue, zuverlässigkeit', vgl.treue II 1 (teil 11, 1, 2, sp. 288f.): solt irer unglaube gottes glaube aufheben? Röm. 3, 3; zu verkundigen früe deyne güete und deynen glaüben des nachts Luther bibel 1, 518 W., wo die endgültige fassung von ps. 92, 3 warheit hat.
5)
objektiv für die gesamtheit der lehren, die gegenstand des christlichen glaubens sind.
a)
allgemein 'christliche lehre' oder 'lehre einer christlichen konfession oder sekte'.
α)
gegenüber anderen religiösen lehren durch besondere attribute bestimmt: ich gloube in der allichun cristinlichun gloube, daz der alemahtige vater unde der sin einborne sun ... Bamberger glaube bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 135;
michil wirt sin ubirmuͦt,   er wil wesin got,
den christenlichen gelouben   hat er ze geziuge
Milstätter gen. u. exod. 111, 24 Diemer;
uppe dat de cristen love nicht vorkart worde städtechron. 7, 22 (Magdeburg, 14. jh.); wie der kristliche glaube pesser dann der indisch were Arigo decam. 30 K.; der glaube der christen, schrecklicher geheimnisse voll, ist keines lachenden schmuckes fähig Ramler einl. i. d. schön. wiss. (1758) 2, 62; ez en sî, daz ine der pâbes schuldege, daz her an deme rechten gelouben tzwîvele Eike v. Repgow Sachsensp. 139, 14 Eckh., vgl. orthodoxa recht glaube (md., 15. jh.) Diefenbach gl. 401ᶜ; es ist auch zu mercken, das das volgk in der Walachei, in der groszen und clainen Walachei, crichischen glauben halten Schiltberger reisebuch 52, 12 lit. ver.; (ein büchlein,) darinnen er ... alle fundament und besten grund desz h. röm. glaubens erholet, alle newe ketzereien widerlegt Fischart binenkorb (1588) a 2ᵇ; dasz unter allen christlichen glauben der katholische der beste ist (brief a. d. j. 1764) Mozart bei O. Jahn Mozart 1, 65; bei der verkündung und der verteidigung des neuen glaubens kamen die missionare mit den herkömmlichen sprachlichen mitteln ... nicht aus Lindqvist zs. f. dt. altert. 60, 1; in dem religiösen gespräch Octavius wird der neue glaube gegen die einwürfe eines heidnischen freundes muthvoll verteidigt A. v. Humboldt kosmos (1845) 2, 27; sonst ist oft der neue glaube die reformatorische lehre gegenüber dem alten glauben, der katholischen: nun muszte er (Luther) vorwärts gehen (auf der Leipziger disputation mit Eck), sei es zum scheiterhaufen, sei es zu einem neuen glauben W. Beumelburg reich und Rom (1937) 135; für sektiererische lehren:
wenn schuster, gerber, andre bengel
... mit newen glauben schwanger gehen
Zinkgref auserles. ged. 24 ndr.
indem Joachim I. unerschütterlich am alten glauben festhielt, griffen die neuen anschauungen ... ... in seinem lande ... um sich Ranke s. w. 25, 158; von hier ausgehend redensartlich: deʳ bringt ke neueⁿ gl. ūf! (vermag keinen neuen brauch einzuführen, d. h. hat wenig ansehen) Staub-Tobler 2, 587; ik blief bei den olen globen d. h. bei der alten form der liturgie Schütze holst. 2, 40; olen globen und oold beer (altholstein. wahlspruch) bei Mensing 2, 395. formelhaft der (allein) seligmachende glaube, d. i. der katholische, vgl. teil 10, 1, sp. 536. sie war eine der ersten, die der reformation beitrat, und seitdem vest und mannlich ob Luthers glauben hielt Schubart leben u. gesinn. 1, 10;
(die frage) betraf der Manichäer ketzerei,
und was ihr glaube gewesen sey
Kortum Jobsiade (1799) 1, 91.
β)
ohne nähere bestimmung:
wande uns saget der geloube hêre unde stæte,
der erfullet alle guotæte,
daz wir ze jungist schuln erstân
... mit dem vleische unde mit dem gebeine
vom rechte 373 bei Waag 81;
dar zû behîlden se al ir alde recht, wâr iz weder der kristlicher ê unde weder deme gelouben nicht ne was Eike v. Repgow Sachsenspiegel 30, 12 Eckh.; die liden daz sint diese viere: zwifel an dem gloͮben, zwifel an gottes erbarmherzikeit Seuse dtsche schr. 498, 10 Bihlm.; (die ketzer) werdent vorderben die gerechten, unschuldiges blut vergizzen und auch die warheit des gelauben alzumal zureizzen Joh. v. Neumarkt leben d. hl. Hier. 66 Benedikt; meinstu nicht hie zefinden, der dir die tauff gebe; du zweifelst villeicht an dem gelauben? wo sein gröszer lerer und meister der heiligen geschrifft dann hie zuͦ Parisy, do man dich des du zweyfel hast ... unterrichten mage und dich dines irren klar machen Arigo decam. 30 K.; man sol yn der schrifft die wort lassen gelten, was sie lauten, nach yhrer art, und kein ander deutung geben, es zwinge denn ein öffentlicher artickel des glauben Luther 26, 403 W.; sy söllent vor hin gedencken, waz in bösz zu wirt fallen, ..., daz do wer wider den glauben Stephan Fridolin dtsche pred. 6, 2 Schmidt; die veränderung des brots in den waren leib Christi (ist) ... vom h. vatter und papst Innocentio dem dritten ... für ein artickul des glaubens auffgeworffen worden Fischart binenkorb (1588) 86ᵃ; die man mit lebendiger stim im glauben unterweyset C. Hedio chron. Germ. (1530) 7ᵇ;
der eine kennt der weisen witz,
und kann dadurch die spötter dämpfen,
die wider schrift und glauben kämpfen
Gottsched ged. (1751) 1, 158;
in der katholischen kirche, die eine unfehlbarkeit des pabstes zum ersten grundsatz ihres glaubens annimmt Lenz vertheid. d. herrn W. (1776) 3;
wie viel pfaffen, o sprich, wie viel trompeter des glaubens,
wie viel heilige stehn bei den ministern in gunst?
Herwegh ged. e. lebendigen (1843) 137;
selten für das einzelne dogma: auch seynd zuͦ mancherlei zeiten in den conciliis mancherlei glauben gesetzet worden wider die uffgonden unglauben Murner kl. schr. 1, 49 Pfeiffer-Belli; als ein bestimmter artikel der christlichen lehre: die lehren vom glauben, von der sündenvergebung Dav. Fr. Strausz ges. schr. (1877) 3, 195.
b)
der inhalt dessen, was der christ als sein bekenntnis betrachtet, besonders für bestimmte formen des bekenntnisses wie das apostolische, athanasianische, nicänische symbolum, vgl. symbolus (!) geloube (obd., anf. d. 15. jhs.) Diefenbach gl. 534ᵇ.
α)
allgemein 'glaubensbekenntnis', in dessen artikeln die christliche lehre zusammengefaszt ist: ih gidahda inti gisprah inti gideda, thaz widar gote wari ... inti widar minemo gilouben inti widar mineru wihun doufi Lorscher beichte bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 323; after dero widersahhunga ode den inteiz dez gilouben: in gidancun, in tatin Würzb. beichte (10. jh.) ebda 317; mit dem heiligen gelouben (in der vorlage: fides catholica), den ir nu gesprochen habet, habt ir dem tiufle widerseit süddt. glaube (12. jh.) ebda 348; bei der engen verbindung von bekenntnis und beichtformel auch auf letztere übertragen: mit disimo globen so gi ich dem almahtigen gote ... Benediktbeurer beichte (11./12. jh.) ebda 336; ohne alle veranlassung fing ... der abgeordnete an, die hauptstücke des christlichen glaubens zu beten Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 46.
β)
für eine der festen bekenntnisformeln des 'credo', namentlich für das apostolische symbolum oder das credo in der messe (das nicänum):
dî rede des geloubin
aldus beginnet,
so man in den bûchen vindet:
credo in unum deum
Hartmann rede v. glauben 58 v. d. Leyen;
daz dorfliut ist niht wol beriht,
kan der pfaffe des glouben niht
Freidank 70, 21 Grimm;
den geloben her ime vore sprach
Trierer Silvester 294 v. Kraus;
de keiser ... sprak sin paternoster unde den loven vor allen luden städtechron. 7, 188 (Magdeburg, 14. jh.); wie wir beten ym teglichen glauben Luther 2, 717 W.; der muͦst betten zuͦ unser frawen 3 paternoster und ave Maria und ain glauben städtechron. 25, 83; es sein noch mer glauben, Athanasius hat auch den glauben vil witleuffiger beschriben, dan du in bettest Karsthans bei Clemen flugschr. 4, 103; poet ist ein kriechisch wort, ist in unser sprach 'schöpfer' ... darumb im kriechischen glauben ... sagen die Kriechen (man singts in der kirchen) 'ich glaub in got vater, den almechtigen poeten himels und ertrichs' Aventin s. w. 4, 422; ich weisz nit wasz der glaub oder die zwolff stuck des glaubens sint (vor 1468) Joh. Wolff beichtbüchl. 6 Batt.; die zwoͤlff stúck des christenlichen gelaubens d. ew. wiszheit betbüchl. (1518) c 4ᵃ;
ich glaub die zwölff artickel schlecht
des glaubens, das sie all sind war
Hans Sachs 6, 174 K.;
und haben wir doch das von den zwölfbotten als ein artickel unsers glaubens empfangen Th. Murner kl. schr. 1, 48 Pfeiffer-Belli; die wir alles glauben, was im apostolischen glauben stehet J. B. Schupp schr. (1663) 374; das vaterunser, den glauben ... kann ich nur noch bruchstückweise Bettine die Günderode (1840) 1, 171; so mundartlich geläufig, vgl. z. b. s unservater, deⁿ gl. und die h. 10 gibot Staub-Tobler 2, 586; den gl. beten rhein. wb. 2, 1260; glaube das apostolische glaubensbekenntnis Seiler Basler ma. 138; als zeitmasz 'länge eines gesprochenen credo', vgl.alleⁿ glaüweⁿs lang oft, wiederholt, so rasch als man einen glauben betet Martin-Lienhart 1, 254; keⁱⁿ glaüweⁿs lang in kurzer zeit ebda; s hat nuʳ eⁱⁿᵉ gl. ᵍᵉdauret Fischer schwäb. 3, 679: der (andre handwerksbursche) ist ein letzkopf! dachte es (das färberlein), und ich bin meines lebens neben ihm nicht eines glaubens länge sicher Mörike ges. schr. (1878) 2, 119. der lange glaube entweder das nicänische credo oder der englische grusz mitsamt dem credo, vgl. Fischer schwäb. 3, 679, Staub-Tobler 2, 587; mundartlich in bildlichen redensarten, vgl.des ist der lange gl. ein endloses geschwätz, dauert sehr lange Fischer a. a. o.; die beten den langen gl. (miteinander) disputieren endlos ebda; den langen glauben mit einem treiben jem. hinhalten, zum narren haben ebda; dᵉ lang gl. mit eiⁿᵉm macheⁿ lange umstände machen Martin-Lienhart 1, 254; deʳ lange gl. für ein gespräch, wobei man das gesagte immer wörtlich wiederholt Staub-Tobler 2, 587.
c)
in festen verbindungen wie (christlichen) glauben annehmen, zum glauben bringen u. ähnl. mit dem sinne 'sich taufen lassen' bzw. 'taufen'; mhd. gelouben emphâhen:
unde (du könig Aron) solt balde gâhen
unde kristenlîchen gelouben empfâhen
Münchener Oswald 2992 Baesecke;
eins tages (er) ... in pate, daz er ... den kristenlichenn gelauben an sich nem Arigo decam. 29 K.; der doch endlich den christlichen glauben hat angenommen und sich tauffen lassen Joh. Rist d. friedewünsch. Teütschl. (1647) 48; durch welches gesichte viel jüden und heyden bewogen worden, den christlichen glauben anzunehmen Sperling Nicodemus quaerens (1718) 1, 1124; (Alfred) versprach dabey für den neubekehrten, dem glauben treu zu bleiben, den derselbe eben annahm A. v. Haller Alfred (1773) 33; da hat er (Widekindus) sich zum glauben geben, ist von st. Bonifacio getaufft bey Fulda Chr. Entzelt altmärk. chron. 107 Bohm; die provincie is van Bremen erst to dem loven komen brem. geschichtsquellen 79 Lappenberg; wie viel völker wären (ohne die schiffe) niemals zum christlichen glauben gekommen Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 2, 40; under den geloven bringen zum glauben führen Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 2, 57;
war könig und regiert mit macht,
das reich zum christling glauben bracht
Hans Sachs 8, 548 K.;
Wittechindus, ... welchen Carolus Magnus ... zum christlichen glauben gebracht Jac. A. v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 11; auch die apostell, do sie den leiden (leuten) anzeigten, wie sie sich halten und wesz sie sich enthalten solten, do sie dy erstlich zum glauben aufnamen landgraf Philipp v. Hessen bei Luther briefw. 8, 633 W.; (die Litauer hat) Hieronimus von Prag zu dem christlichen glauben bekört Seb. Franck weltbuch (1534) 55ᵇ; jetzt sollten die kaiser selber sich zu jenem glauben bekennen Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 21.
6)
die christliche religion in all ihren erscheinungsformen als ganzes gesehen, das 'christentum', vgl. christianismus ein christenlich ordenung o. (oder) der christen glaub (voc. v. 1512) Diefenbach gl. 634ᵃ: sein wunderhaftige zeichen haben sich durch alle land gebreitet, also das der heilge cristenliche gelaube domite bestetiget und gesterket ist Joh. v. Neumarkt leben d. hl. Hier. 96 Benedikt;
und habt pfaffen, die hohe rosz reiten,
die da sölten umb den glauben streiten
fastnachtsp. 296, 18 K.;
(der Türke sucht) zu dempffen christlichen gelauben
Hans Sachs 1, 219 K.
7)
eine der äuszeren formen der christlichen religion, 'konfessionelle gemeinschaft, religiöser verband, konfession oder sekte', vgl. secta ungemain glaub (md., 15. jh.) Diefenbach gl. 523ᵇ, ungemein gloub (obd., voc. v. 1466) nov. gl. 333ᵇ: anno 1420 jar vieng der Hussen glab recht an (v. j. 1469) städtechron. 4, 320; (wie sollen diejenigen bei gegenseitiger unverträglichkeit leben, wo) siben glöuben in einer stadt (sind) bei Staub-Tobler 2, 587 (v. j. 1531);
luthrisch, päbstisch und calvinisch, diese glauben alle drey
sind vorhanden; doch ist zweiffel, wo das christenthum dann sey
Logau sinnged. 246 Eitner;
ja, ... wenn zwei glauben raufend werden, das ist ein wilde sach Karl Schönherr glaube u. heimat (1910) 8; der sonst unbeschränkte könig hat persönlich die einzige verpflichtung, dasz er lutherischen glaubens sein musz H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 130; (die) unverschämtheit, mit der man den katholischen glauben mit einer politischen partei zu identifizieren versuchte A. Hitler m. kampf (1933) 294; mundartlich ebenso, vgl. z. b. hê is fan gelôfe n Menniste (Mennonit) ten Doornkaat-Koolman 1, 604; wie hebbt all een gott, man bloot nich een globen Mensing 2, 395; s gibt ällerhand gläubeⁿ Fischer schwäb. 3, 678; voⁿ was für ᵉⁱⁿeme gl. isᵗ er? Martin-Lienhart 1, 254; er is vum gl. abgefall hat die konfession gewechselt rhein. wb. 2, 1259; sprichwörtlich: twe gelôfen up ên pö͏̂l, is ên to fö͏̂l ten Doornkaat-Koolman 1, 604, vgl. Mensing 2, 395; terminologisch der alte glaube die katholische konfession, der neue glaube die protestantische konfession: Hall hat sich in des kaisers willen ergeben und hat mit den stäten des alten glaubens zuͦgesagt städtechron. 23, 325 (Augsburg, 16. jh.); es ward ein messe im sal gehalten ... und wer des newen glaubens oder augspurgischer confession (war), der gieng herausz zimmer. chron.² 4, 294 Bar.
B.
auf auszerchristliche religiöse vorstellungen und religionen übertragen.
1)
nichtchristliche religiöse vorstellung, überzeugung, lehre.
a)
für vorstellungen, ansichten, dogmen, lehren anderer religionen:
der site (der beschneidung) ist hiute   undir judischem liute,
und ist ir geloube,   ez si in bezzer danne diu touffe
Milstätter gen. u. exod. 37, 8 Diemer;
die mit ir opfer bî gestânt
den abgöten allen.
ir muot der ist gevallen
ûf kranken unde ûf tumben wân,
sît si gelouben wellent hân
daz si götlichen rât
vinden an ir hantgetât,
die si dâ selbe hânt geworht
Konrad v. Würzburg Silvester 1597 Gereke;
dise drey erzböszwicht hatte Mahomet für seine lehrer, und machte ausz dero unterschidenen glauben ein gemischte speisz Abr. a s. Clara auff auff ihr christen 12 Wiener ndr.;
wie schwerlich läszt ein Türk den eingepfropften glauben,
des alkorans gesetz sich aus dem busen rauben
Gottsched d. neueste (1751) 1, 512;
... da du nun
so weise bist: so sage mir doch einmal —
was für ein glaube, was für ein gesetz
hat dir am meisten eingeleuchtet?
Lessing 3, 88 M.;
es ist ein schöner glaub in meinem land,
die götter hätten doppelt einst geschaffen
ein jeglich wesen und sodann geteilt
Grillparzer s. w. 5, 92 Sauer;
auch zur bezeichnung volkstümlicher religiosität: endlich führte er mich einsmals tief im geheiligten hayn des Apollo in eine grotte, welche ein uralter glaube der bewohner des landes von den nymphen bewohnt glaubte Wieland Agathon (1766) 1, 267; den zauber- und mitternachtston mit allen gebräuchen und glauben der beschwörungen werden sie selbst überall erkennen Herder 5, 177 S.; das flüstern derer, die in gräbern wohnen, ist ein allgemeiner glaube der Ebräer, Araber und andrer alten völker 12, 18,; nach manchen morgenländischen glauben reicht die kundschaft des namens von der erde gen himmel Fr. L. Jahn w. 2, 646 E.
b)
für vorstellungen des volksglaubens, die im gegensatz zur kirchlichen lehre stehen oder über sie hinausgehen, vgl. superstitio uberflüssigkait des glaubens vel der falschait (voc. v. ende d. 15. jhs.) Diefenbach gl. 567ᵇ, und aberglaube teil 1, 32, afterglaube 1, 186, gänseglaube teil 4, 1, 1, 1270, miszglaube teil 6, 2290, überglaube teil 11, 2, 275, unglaube 2 teil 11, 3, 959f.:
Erec der muotveste
bedâht sich frœlîch unde wol,
alsam der unverzagte sol
den man niht lîhte entsprechen mac.
keins swachen glouben (aberglauben) er phlac
Hartmann v. Aue Erec 8123;
dann zum vordrosten ist zuͦ betrachten, ob sy von dem win, von den essen, von dem verworfnen bösen globen (superstitionibus), von dem schlaͮff, von den mannen aller verrost sy H. Österreicher Columella 2, 270 Löffler; hilff das alle miszglauben und überig glauben auszgewurtzelt werden eyn kurtz form der zehen gebott d. Martini Lutheri (1520) c 4ᵇ, aber ubirglauben Luther 4, 221 W.; der gemeine glaube von den unvermutheten veränderungen, die einen nahen tod vorbedeuten Lessing 10, 93 M.;
... es ist
ein alter glaube, unfruchtbare weiber,
berührt bei diesem heilgen wettelauf
entladen sich des fluchs
Shakespeare (1797) 2, 12;
das sind (eso) alti gläubeⁿ abergläubische überlieferungen Staub-Tobler 2, 586; dat is en Mözer gloof ein aberglaube der leute aus Mözen Mensing 2, 396; dat is globen för de höhner, wo de hahn nix von weet aberglaube ebda; absolut, 'abergläubische vorstellung': wegen der licentz oder, wie man es damaln nennete, glauben des kornes in abstehenden kriegen Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 3, A a 1ᵃ, vgl.dasz seine vorfahren solchen kornglauben gepflogen zugeben A a 1ᵇ; das geschwätz gieng mir unverständigem ein, der glaube bestätigte den wahn (dasz die 'mare' ihn nachts gedrückt hätte und an der krankheit schuld sei) J. Prätorius anthrop. plut. (1666) 1, 33; nun ist der glaube so eingerissen, dasz ich einen priester in einer vornehmen stadt kenne, der in einem gastgebot offentlich gesagt, wenn man zugleich ein kind im feuer und ein messer auf dem rücken liegen sähe, solte man eher dem messer als dem kinde zulauffen Chr. Weise erznarren 128 ndr.; es ist ein glaube im Hennegau, wer ein hühnlein von dieser zucht ... in seinem stall habe, dem gedeihen die hühner Cl. Brentano ges. schr. (1852) 4, 63; anders 'festes vertrauen auf die wirksamkeit zauberischer gebete': durch unsern ernstlichen glauben werden die leut zu tod gebeten, krumb und lahm Paracelsus opera (1589) 1, 252; mit objektsangabe, glaube an übernatürliche kräfte und wesen, wobei sich III B 1 b als überzeugung von ihrer existenz mit primitiven religiösen vorstellungen von ihrer macht und wirksamkeit verbindet, so glaube an hexen, geister, zwerge u. dgl.: dem vater würde ich mehr dumpfen glauben an das geister- und goldmacherwesen geben Göthe IV 7, 168 W.; noch heute weit verbreitet ist der glaube an hexen M. Wähler d. dtsche volkscharakter (1937) 38; heute finden sich (in Niedersachsen) kaum noch reste vorchristlicher religion; die letzten sind in der vorletzten generation erloschen: etwa der glaube an den helljäger ebda; dem gl. nāᶜʰ gāⁿ (als wahrsager) den leichtgläubigen leuten nachgehen Staub-Tobler 2, 586.
c)
im anschlusz an A 1 betonter für die handlung des religiösen fühlens und denkens: meintend so sy der abgöttern spysz ässen, doch keinen glouben hetten in die abgött Zwingli von freiheit d. speisen 7 ndr.; weil sie vom niedrigen zum erhabenen fortschreitend den fetischdienst bis zu dem glauben an ein höchstes und sittlich vollkommenes wesen zu verklären vermag Peschel völkerkunde (1874) 258; die religion übte schlechterdings keine herrschaft über den glauben und die gesinnungen aus, sondern schränkte sich auf cärimonien ein, die jeder bürger zugleich immer von der politischen seite betrachtete W. v. Humboldt über d. studium d. alterthums 58, 26 lit.-dkm.; das übergehen aus dem glauben in den mythus, und das schwinden dieses glaubens, während der kultus bleibt U. v. Wilamowitz-Möllendorff glaube d. Hellenen (1931) 1, 1.
2)
nichtchristliche religionsform, religionsgemeinschaft, vgl. judaismus jüdisch glaub oder syt (voc. v. 1512) Diefenbach gl. 311ᵇ: und der zugefügten heiden in dem jüdischen glauben erste dtsche bibel 3, 31 Kurr.; in allen sprachen und glauben von anfang der welt her (haben) die gaistlichen ir selbs ... nit vergessen, mer sich dan ander leut bedacht Aventin 4, 9 L.; diener und dienerinnen hatte er (Abdias) von dem volke seines glaubens bekommen A. Stifter s. w. 3, 77 Sauer.ganz allgemein gefaszt, 'religion' überhaupt: ich lebe nochmahls in diesen gedancken, es sey kein besser glaube auf der welt, als religio prudentum Chr. Weise die drey klügsten leute (1675) 60;
mein glaube.
welche religion ich bekenne?   keine von allen,
die du mir nennst! und warum keine? aus religion
Schiller 10, 172 G.;
ähnlich wie die tättowierung reicht der federschmuck der Polynesier von dem gebiet der mode auf dasjenige des glaubens hinüber Ratzel völkerkde (1885) 2, 141. — in fester verbindung einen glauben halten: ermelte zween könig, Türck und Persianer, ... hielten auch bede mahumetischen glauben, jedoch mit verscheidenheit Joh. Mayr epitome (1604) 27ᵇ; vgl. mundartlich, aber auf A 2 bezogen: den glauben net mih halde an nichts glauben rhein. wb. 2, 1259.
II.
das vertrauen, zutrauen einer person oder sache gegenüber, welches in der inneren gewiszheit besteht, dasz vorausgesetzte werte, fähigkeiten, kräfte und eigenschaften sich bewähren.
A.
in aktiver anwendung. 'vertrauen' als seelische empfindung und geistiger akt sowie der daraus entspringende innere zustand, vgl. ags. habbaþ geleáfan habete fiduciam bei Bosworth-Toller 407; fiducia trou vel ghelove (nd. vocab. v. 1420) Diefenbach gl. 234ᵃ; glaube, truwe (md., 15. jh.) ebda. in älterer sprache ist der spielraum dieser bedeutung einerseits durch treue eingeschränkt, anderseits überliefert die vorwiegend geistliche literatur glaube = 'vertrauen' fast ausschlieszlich innerhalb der religiösen anwendungssphäre (s. I), vgl. etwa:
in thiu werk minu   so ist stark giloube thinu
Otfrid III 10, 43
und ags. ic hæbbe me fæstne geleáfan up to đam ælmihtegan Gode bei Bosworth-Toller 407. sowohl im ags. wie im mnl. ist die bedeutung 'vertrauen' besser bezeugt als im ahd., as. und mhd., vgl. ags. geleáfa 'belief, faith, confidence, trust' Bosworth-Toller a. a. o. und suppl. 354, entsprechend seit dem 12. jh. belief 1 Murray 1, 782; mnl. gelove 1 Verwijs-Verdam 2, 1279; älterdän. love 'zutrauen' ist aus sinngleichem mnd. love entlehnt, vgl. Falk-Torp 657. formelhaft erstarrte reste dieser bedeutung, die auch mundartlich z. t. noch sichtbar ist, erscheinen mhd. und älternhd. wie im nl. noch zahlreich. im jüngeren nhd. sind glaube I und III beherrschend in den vordergrund getreten, so dasz glaube II fast ganz dem konkurrenzwort vertrauen zum opfer fiel; doch hat sich im anschlusz an glaube I A 1 a ein verwandter gebrauch ausgebildet, der unter glaube IV behandelt ist.
1)
personen gegenüber; 'vertrauen' im hinblick auf ihre verläszlichkeit, ehrlichkeit, treue oder zutrauen zu ihrer tüchtigkeit, zu gewissen eigenschaften und kräften, die man ihnen zuschreibt.
a)
mit meist präpositional abhängigem objekt, vgl. ags. geleafa mit to: mid geleáfan tô mê Bosworth-Toller suppl. 354, engl. belief mit in (früher to, of), mnl. gelove mit in und an; für das ältere deutsche ist in nur bei dem religiösen gebrauch belegt, s. oben I A 1 a. mit zu: (Seuse) bat got mit ernste ... uber den morder, daz in got liessi geniessen sins guͦten globen, den er zuͦ im (zu Seuse) gewan Seuse dtsche schr. 80, 33 Bihlm.; das wir oft wirtschaften beraiten den menschen, von denen wir das zuͦ dancksagung vor haben vermercket und zuͦ denen wir, und sy widerumb zuͦ uns, haben guͦten glouben und früntlichs vertruwen Niclas v. Wyle translat. 120 K.; und dich auch umb deiner geschicklikeyt und glauben, des sie sych zu dir versehen, gelobet und preyst haben Hutten opera 2, 189 Böck.; aus dem entstund, das weder der rat zu der gemeyn oder hinwider die gemeyn zu eynem rath vil glaubens hett Carbach Livius (1551) 34ᵇ; weil sie den glauben zu ihm (dem wirte) nicht hätten Jer. Gotthelf ausgew. w. 3, 194 Bartels; ähnlich auch: das mädchen ... hatte viel glauben zu seinen (des bruders) kenntnissen, seiner einsicht und seiner macht Stifter s. w. 5, 1, 216 S. selten mit gegen, auf, geläufig mit an: (die frau) bat ihn (den mörder) heimlich und sprach: eya lieber geselle, ga hin und biht och! sú sind da heime in guͦtem globen gen ime: wer im (Seuse) gebihtet, wie sundig er ist, daz den got niemer well gelassen Seuse dtsche schr. 79, 29 Bihlm.; eine allgemeine landwehr ..., die im glauben auf gott und vaterland ins feld zieht E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 245; ik heb mîn gelōfe up hum ferlaren ten Doornkaat-Koolman 1, 604;
wan ich so guͦten glouben han
an den vil heilgen (st. Jacob) man,
er lat nieman ungewert
der mügelicher bette gert
Kunz Kistener Jakobsbrüder 97;
nachdem ich etliche gelbsüchtige und ein paar febricitanten curirte, die einen besonderen glauben an mir gehabt haben müssen, wurde mir erlaubt, ... wurtzel und kräuter zu meinen artzneyen zu samblen Grimmelshausen Simpl. 319 Scholte; glaube an jem. im sinne von vertrauen zu seinem wert und seiner leistung s. unten IV A 1; mit sachlichem bezuge: er aber hatte keinen glauben an die fremde und wollte ehrlich freud und leid mit seinem vaterlande theilen Eichendorff s. w. 3, 324. vereinzelt mit genitiv der person: dasz die menschen vilmahl sicherer seyn mit bekandten und unerkaufften artzneyen, als beym glauben der ärtzt, welche ein gar ungerechten lohn ausz übrigem verzug der gesundmachung biszweilen nemmen J. B. Schupp schr. (1663) 769.
b)
in absolutem gebrauch, vgl. biblisches dein glaube hat dir geholfen Markus 10, 52 (s. I A 1 c α), danach lasse si geniessen ire guͦten globen, ire herzklichen getrúwens, wan si scriet úns na Seuse dtsche schr. 100, 26 Bihlm., und entsprechend die berichte der augenzeugen über seine wunder ... zeigen uns ihn getragen von der verehrung und dem glauben tiefbewegter massen Nitzsch dtsche studien (1879) 8: dat se in den loven (das vertrauen) der lude quemen Korner 151ᶜ bei Schiller-Lübben 2, 734; Ulenspiegel sprach: fraw ir seint von kleinem glauben (d. h. misztrauisch), es wer nit guͦt, daz all kouflüt also weren Eulenspiegel 55 ndr.; uneinigkeit unter eheleuten, dadurch der eheliche glaube und das band der ehelichen liebe offtmals zerrissen wird J. B. Schupp schr. (1663) 200. in geläufigen verbindungen: also würde es an ... trew, ehr und glauben einen bessern zustandt auff erden haben B. Ringwaldt christl. warnung (1588) a 4ᵇ; sprichwörtlich: die ehr, glaub und aug leiden keinen schertz Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 3ᵇ;
wer mit augen, ehr, glauben thut schertzen,
wird schwerlich dulden ihren schmertzen
(= cum fama, fide et oculis
non est ludendum in minimis)
Eyering prov. copia (1601) 3, 539;
so ist das alte sprichwort mehr als genugsam war, dasz der glaub, das aug und die jungfrauschafft den geringsten schertz ohne schaden nicht vertragen könne Grimmelshausen 2, 389 Keller.
2)
gegenüber dingen hinsichtlich ihrer kräfte und wirkungen, vorab auf heilmittel bezüglich: das weib (bereitete) die artzney nach Clawerts lehre und weil sie den glauben darzu hatte, ward sie darvon gesund B. Krüger Hans Clawert 39 ndr.; keine artzney wircke besser, als da man den glauben darzu habe Chr. Weise erznarren 180 ndr.; die ärzte wollen mich nach Carlsbad, ich gehe ungern hin, weil ich den glauben daran verloren habe Göthe IV 29, 158 W.; iᶜʰ habᵉ keinᵉⁿ gl. dran kein vertrauen dazu (zu einem heilmittel) Fischer schwäb. 3, 678; er hat keⁱⁿᵉⁿ gl. draⁿ (hält nichts davon, z. b. von sympathischen heilungen) Martin-Lienhart 1, 254; ähnlich, vertrauen zur guten qualität: wie gefalt euch sein arbeit? ich hon schwachen glauben darzuͦ, er sicht wie ein schalck Eulenspiegel 40 ndr.; vereinzelt auf glauben mit abhängigem genitiv 'im vertrauen auf etwas': auf glauben meiner langen erfahrung wage ichs zu sagen Herder 23, 65 S.
3)
speziell vertrauen zur ehrlichkeit einer person hinsichtlich der von ihr gegebenen zusage, versprechung, versicherung u. dgl.
a)
allgemein: alsus ward de konning in guden geloven bedrogen städtechron. 7, 355;
(Satan zu Herodes und Salome:)
dan wo Johannes blibet leben,
das wird uch beiden gar uneben:
disser herschaff wirt hie uch berauben,
des volget mer in guttem glauben
Alsfelder passionsspiel 30, 979 Grein;
wann einr sein glauben auff dich bawt,
und hat dir etwas liebs vertrawt,
demselbigen bewar das sein,
mit solchem fleisz als wer es dein
Er. Alberus praecepta vitae (1548) 102ᵃ;
damals gab man nur kurze verbriefungen und war viel glaubens Körte sprichw. 502; im anschlusz an die in neuerer sprache noch bewahrte formel treu und glauben (s. unten): ich sehe schon, es ist weder freundschaft, noch treue, noch glauben mehr in der welt Lessing 3, 427 M.;
kein glaub, keine treu noch redlichkeit
ist unter männern mehr
Shakespeare 1, 98;
vergleichbar auch:
(Melusine:) wenn sich dein vertrauen trübte!
(Raimund:) treue, glauben und bestand! (verspricht R. der Melusine)
Grillparzer s. w. 7, 245 Sauer;
vgl. mundartlich: hann i woll glâbe? vertraut ihr mir wohl? Lexer kärnt. 115.
b)
in präpositionaler formel auf glauben, 'im vertrauen auf die ehrliche erfüllung einer zusage, versprechung, verpflichtung'; ebenso auf treu und glauben (s.treue teil 11, 1, 2, sp. 312f.), vgl.so einer eim etwas frey auff glauben und wolvertrauen hingibt und leycht guter hoffnung, er werde im gleychs wider überantwurten, oder aber anders an die statt gäben, das doch als vil wärt als seins seye ire vel abire in creditum Frisius dict. (1556) 475ᵇ; ich solls ihm auff deinen glauben geben dabo illi tuam fidem sequutus Henisch (1616) 1630: welker unser dusse scrifft ... behovede, deme solde hey (der abt) se up geloven leynen unde lesen laten weisth. 3, 101; we up loven denet, de mot des loven warden bei Schiller-Lübben 2, 734; glauben sol man halten gegen denen, so etwas auff glauben auffgeben Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) t 2ᵇ. etwas anders 'auf vorausgesetzte ehrlichkeit und treue hin', wenn sich die vertrauensvolle erwartung auf das handelnde subjekt richtet, zu II C 2 c α hinüberleitend: auch durfften die menner nit berechen, den man das geld thet, das sie es den erbeitern geben sondern sie handelten auff glauben 2. kön. 12, 15; mit dem geding, dasz er (Regulus) auff glauben widerkäme und sich stellet in willigen todt Seb. Franck weltb. (1534) 237ᵇ. in beiden beziehungen gern verstärkt auf guten glauben: das sie auff guten glauben und getrawen das silbergeschirr den Egyptern abborgen und entwendens gleichwol? Luther 16, 158 W.; disz ist eine warhafftige ... hochheyt seins (Cäsars) gemüts gesein, ... das er sye (die briefe) uff guͦten glauben verbrannt und nit geleszen hat Eppendorff Plinius (1543) 19; als ich solches noch unvollzogenes wercklein (das manuskript der chronik) auff guten glauben einem meiner benachbahrten herrn vertrauwet, mir etliches darausz entfrembdet, und ferner ... in offentlichen druck publiciret Binhardus thüring. chron. (1613) vorr. a 4ᵇ; es ist besser, sein geld zu behalten, als solches an ort und leute auf guten glauben hinzuschicken, die man nicht kennt J. Möser s. w. 1, 344 Ab. mit besonderer anwendung im 15. und 16. jh. in formeln wie auf glauben beischlafen, schlafen, beiliegen, zulegen für 'auf das zutrauen (oder versprechen), dasz die mit einem manne schlafende frau nicht entehrt wird', vgl. auf mecklenburgisch so saget sie (die jungfrau), ich sollt mich zu ihr in ihr bette auch legen; dazu ich mich nicht lange bitten liesz, leget mich mit mantel und kleidern, ingleichen die jungfrau auch, und reden also bis vollend zu tag, jedoch in allen ehren ... das heiszen sie auf treu und glauben beigeschlafen; aber ich acht mich solches beiliegens nicht mehr, denn treu und glaube möchte zu ein schelmen werden Hans v. Schweinichen denkwürd. 39 Österley, sowie die erzählung mit der überschrift: auff glauben schlefft einer bey einer jungkfrauwen bei Kirchhof wendunmuth 1, 394 Österley: zu solchem (ehebruch) dienet wunderwol das hofieren und das beischlaffen auff glauben, wan sie sad essens und trinckens sein, weins und lauterdrancks G. Lorichius ausleg. zu Ovidii metam. (1545) 25ᵇ;
manch voller narr, der wirt betaubt,
der seinem weyb vergündt und glaubt,
das sy mit küssen sey gemain,
auff glauben schlaff, bleyb keusch und rayn
J. v. Schwarzenberg v. zutrinken 33 ndr.;
diser gott ist nit also ehrenfest gewest, wie heut unser adel ist, welche in iren hoffwercken und bandliren, wann sie druncken sein, bei eynander auff glauben liegen, und dannocht so keusche leut bleiben, das sie inen die erbarkeyt alleyn zuschrieben G. Lorichius a. a. o. 68ᵃ; zum dritten (sollt ihr sehen), das etliche zuͦtrincker ihre schöne lyebe eheweiber, döchter, schwester, muͦhmen und basen andern allein auf glauben zuͦlegen J. v. Schwarzenberg v. zutrinken 40 ndr.; du solt ouch nüt dann alles guͦtz vertruwen ob du sy (die frau und den freund) schon nacket in dem bett by einander findest, denn es ist in dem Niderlandt ouch der bruch, so der wyrt ein lieben gast hat, daz er im syn frow zuͦlegt uff guten glouben Murner geuchmatt (1519) e 3ᵃ; vereinzelt mit in: die schönen frauen hier haben hörn sagen von einem hübschen gesellen, der heist herr Sigmund Bueschinckh, der sey bey der k. may.; die haben grosz verlangen, den zue sehen und bey ihm im glauben schlaffen, doch in schönen ehrn (v. j. 1485) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 271; in C 2 c α übergehend: der gut stalbruder Euritus hat seines hengstes art nach, der braut Perithoi begeret, daraus so eyn groszer streit erstanden ist. man solt disen hengst auff fürstlichen und edelmans glauben, so er druncken wasz, inns frawenzimmer haben lassen mummen ghen, ubi oscula rapta placent, oder solt ihm der braut in eyn bette zugelegt haben Lorichius a. a. o. 127ᵇ.
4)
die verbindung guter (opp. böser) glaube hat oft den speziellen sinn 'ehrliches vertrauen auf die befugnis, das recht, die berechtigung etwas zu tun', gleitet aber gern in III B 2 mit der bedeutung 'ehrliche, aufrichtige gesinnung' hinüber; besonders in juristischem gebrauch nach dem vorbild von lat. bona fides (vgl. thes. ling. lat. 6, 1, 680), vgl.dy gueda lawa (bona fides) jurisprud. frisica 2, 10 bei Richthofen altfries. 885: zu einer jeden possession und rechtmeszigen innhabung ein guter titul und glaube von nöthen seye J. Ayrer hist. proc. juris (1600) 127; erlangt der erwerber auf grund der veräuszerung den besitz von zubehörstücken, die dem veräuszerer nicht gehören oder mit rechten dritter belastet sind, so finden die vorschriften der § § 932-36 anwendung ...; für den guten glauben des erwerbers ist die zeit der erlangung des besitzes maszgebend bürgerl. gesetzbuch § 926; wo das gesetz eine rechtswirkung an den guten glauben einer person geknüpft hat, ist dessen dasein zu vermuten schweiz. ziv.-ges. art. 3; ich will ihnen den guten glauben zubilligen. sie haben vermeint ..., aber sie haben sich geirrt R. Hohlbaum Stein (1934) 86. geradezu 'ehrlichkeit': die nation ... verzeichnet förmlich ihre (des königs) zusicherungen, um über ihren guten glauben, über die aufrichtigkeit ihrer eide ... zu entscheiden Dahlmann gesch. d. franz. revolution (1845) 371; ich kam mir oft wie ein halber betrüger vor und hatte stunden, wo ich mir die letzte hälfte guten glaubens absprach A. Winnig wunderbare welt (1938) 83. früh in präpositionalen wendungen, die die formel bona fide widergeben; auf das ältere nhd. beschränkt bleibt mit (einem) guten glauben: dieweil er nit ausfündig macht, dasz er nit gewist, dasz solch gütter geraubt seien, sonder die mit eynem guten glauben an sich bracht habe Carolina 43 Zöpfl, vgl. 47; wo man nicht alle ding, lauter, einfeltig und mit gutem glauben redt und handelt (quam non simpliciter ac optima fide et loqui et facere omnia) U. v. Hutten opera 2, 193 Böck.; aber nichts minder mag der kauffer, der mit guten glauben kaufft, dem verkauffer um widerstellung des kauffgeldes ... beklagen v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 15ᵇ; heute gebräuchlich in gutem glauben: war der besitzer bei dem erwerb des besitzes nicht in gutem glauben, so haftet er dem eigentümer von der zeit des erwerbes an bürgerl. gesetzbuch § 990, vgl.§ § 936, 1121 u. s. w.; was ein aktionär in gutem glauben als gewinnanteil oder als zinsen bezogen hat, ist er in keinem falle zurückzuzahlen verpflichtet handelsgesetzbuch 217; diese masznahme findet nicht anwendung auf waren, bezüglich deren ein neutraler nachweisen kann, dasz er sie in gutem glauben vor dem 13. märz in ein neutrales land einführen liesz, oder dasz er deren eigentum in gutem glauben vor dem 13. märz erworben hat amtliche kriegsdepeschen nach berichten des WTB v. 17. 3. 1915. — z. b. etwas in gutem glauben tun im vertrauen auf die äuszere oder innere berechtigung zum handeln; hierzu: (es war) kein anlasz von principiell so weittragender bedeutung, um der regierung zu bestreiten, dasz sie im guten glauben gehandelt habe Bennigsen d. nationallib. partei (1892) 115. anders, entsprechend 3 b: item welcher mit eins andern gutern, die ime in guten glauben zu behalten unnd vorwaren gegeben sein, ... dem glaubiger zu schaden handlet Carolina 147 Zöpfl. gegensatzbegriff ist böser glaube (mala fides), vgl. altfries. myt een qwade lawa (mala fide) jurisprud. frisica 2, 18 bei Richthofen 885: wurde aber obgemelter ... geraubten gütter halb, jemandt mit bösem glauben und verdacht darbei betretten, und der ankläger gegen ... den selben peinlichs rechtens begert Carolina 181 Zöpfl; dann wann ers allwegen mit bösem glauben und one guten titel besessen und ingehabt, so werd er die früchte allesampt schüldig widerzugeben und zuzustellen J. Vetter practica (1581) 256; der nach den bestimmungen des artikels 36 legitimierte besitzer eines wechsels kann nur dann zur herausgabe desselben angehalten werden, wenn er den wechsel in bösem glauben erworben hat wechselordnung art. 74; vergleichbar redensartlich, aber auf 2 b bezogen: dat hält we (wie) ne schlechte gl. vun zwölf ohr bis meddag rhein. wb. 2, 1260.
5)
in verbalen verbindungen, die sich teilweise auch bei glaube III A 2 finden, vgl. mnd. ênem gelôven stellen 'vertrauen in jem. stellen' Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 2, 57, ênem den gelôven holden 'vertrauen zu jem. haben' ebda; besonders glauben geben 'vertrauen schenken': einem bösen verachten menschen sol man nicht glauben geben Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) p 2ᵃ; das sie sich auff ire rebleut gantz und gar verlassen und solchem ... lumpenvölcklin ... zuvil glaubens geben Sebiz feldbau (1579) 505; ich hab noch merers bevolchen dem Schiller in meinem namen anzuleiten, den (= dem) wollet ihr alsz mihr selbst vestlichen glauben geben (v. j. 1624) bei J. A. v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 53;
wehrtes seelgen, wilst du nicht
deinem diener glauben geben,
wann er dir so viel verspricht
Chr. Weise überfl. gedanken 101 ndr.
etwas anders auf jem. glauben setzen 'sich auf jem. verlassen': dasz uns disz sprichwort erinnere, wie kleyn glaub auff ander leutt zu setzen sei in groszen sachen schöne weise klugr. (1548) 75ᵃ; vergleichbar noch mundartlich: er häd-em deⁿ glauben zutrauen zu einer sache oder person Staub-Tobler 2, 586. mit dinglichem dativobjekt:
den zusagen ires fursten gut
woltens nit glauben geben
chron. d. stadt Bamberg 2, 200 Chroust.
mit einschlag von glaube I A 1 auf gottes verheiszungen bezogen: der groszen gnaden gots unsz verlihen, seinem gnedigen zuͦsagen hertzigklich in begir den glouben geben Judas Nazarei v. alten und neuen gott 5 ndr.; der unbewegliche will und mainung gottes (ist), dasz du die predig seines worts hören, seiner verheiszung glauben gebest Gretter erklär. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 577, vgl. 13.
B.
in passiver verwendung; das vertrauen, das eine person bei einer andern genieszt sowohl hinsichtlich der moralischen zuverlässigkeit in erfüllung ihrer pflichten oder gegebener zusagen wie in bezug auf ihre materielle leistungsfähigkeit.
1)
ganz allgemein das auf moralischer qualität, können und leistung, sozialer stellung oder besitz beruhende 'ansehen', wohl von lat. fides = bona fama ausgehend, vgl. auchgunst und glauben von etwas arbeits erlangen oder überkommen colligere gratiam ex aliquo labore Frisius dict. (1556) 246ᵇ: dasz man gar wenig piers (biers) von uns ausfurt, ist erfuntlichen in dem, wir sulten alwegen Michaelis anheben zu prewen und zu ostern aufhoren. so haben wir nu alwegen altes pier genug bisz nach Martini, in dem verlieren wir unsern glauben (renommé) des prewens und dasz sich das volck an die lantschaft, di junges pier haben, schlahen und geprauchen (v. j. 1488) quellen z. alten gesch. d. fürstenth. Bayreuth 1, 1, 57; ein man von groszem glauben, redlich in kauffmanschatz Stainhöwel de clar. mulieribus 81 lit. ver.; sehend das einig laster nimmt im (dem bischof) allen glauben vor den menschen Zwingli dtsche schr. 1, 46; dise barbarische ineptia und grobe unhöflikeit nimpt euch nit allein den glimpff und glauben dises handels (beraubt euch des vertrauens in bezug auf diese angelegenheit), sonder ist auch der gantzen universitet ein schand Vogelgesang-Cochläus gespräch v. d. trag. Joh. Hussens 12 ndr.; die alten, stenden und abgonden, geschlecht (vertrösten sich) ires alten, gueten harkommens und bekommner eren und glowens V. Anshelm Berner chron. bei Staub-Tobler 2, 586; glaub ist besser dann silber und gold Eyering prov. copia (1601) 2, 667; noch vergleichbar: die münz ist eines fürsten glaub und stehet sein name, wapen und siegel drauf, gleich wie auf einem brief, als eine gerechte und gute wahr Scriver goldpredigten (1702) 127; unter ihnen (den damen) schien besonders ein junger mann mit einer verachtenden miene in einem gewissen glauben und ansehen zu stehen Eichendorff s. w. (1864) 2, 150; determiniert durch gut:
so müssent wir vor allen dingen
nach einem guͦten glauben ringen
Murner von den fier ketzeren 34 Fuchs;
bona opinio homini tutior pecunia est ein guͦter glaub ist besser dann bargelt Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 66ᵃ; nun komme ich zu den geschworenen, die des bergwercks wol und sehr verstendig seindt, auch eines guten glaubens Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 70; kontrastbegriff ist böser glaube 'schlechtes ansehen': bösz glück, böser glaub klugreden (1548) 160ᵇ; es gehet schir allen weiberen wie den stiefmüteren, die vonwegen etlicher allezeit müssen einen bösen glauben und namen haben Fischart 3, 199 Hauffen.
2)
besonders in wirtschaftlicher beziehung 'vertrauen hinsichtlich der zahlungsfähigkeit', 'kredit'; namentlich in nd. handelssprache vom 14.-17. jh. reich bezeugt, dann wie im nl. von kredit zurückgedrängt, vgl. Verwijs-Verdam 2, 1282, woordenb. 4, 1245 f. und mnd. den gelôven nicht holden könen den kredit nicht einhalten können Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 2, 57; ênem den gelôven holden kredit halten ebda, geloven hebben kredit haben ebda, up gôden gelôven auf kredit ebda: use love wert zere krenket, werdet de lude nicht beret (d. i. bezahlt) (v. j. 1376) bei Schiller-Lübben 2, 734, wo weitere belege; unde in dem lanckwiligen krige alle ere redeste unde barschop van gelde unde sülver vorteret hadden, also dat se keinen geloven mehr bi den kramers gehat script. rer. Livonic. (1848) 2, 143; alse desse gewalt ome faste sere vorswacket hefft sinen gloven, des ome to vorhandelinge siner kopenscup behouff unde noet was urk.-buch d. stadt Lübeck 8, 389; solches man die drenglichsten schulde ablegen und einen ansehenlichen glauben kan machen (v. j. 1563) ständeakten Joachims II. 2, 276 Friedensburg; erstlich wurde mancher man durch öffentliche kummer umb seinen glauben kommen, dehn er sonsten durch haimliche arrest noch lange erhalten hette erklär. d. Freib. rates v. j. 1573 bei Schott d. land- u. stadtrecht 3, 103; im spiel mit glaube I A 2:
dasz ich vertrieben bin nur um des glaubens (kredits) willen (grabschrift eines banquerouten)
Hoffmannswaldau-Neukirch ged. 6, 63;
ja mein credit were durch sie fast des gehen todes gestorben: denn wo ich etwa ... prählete um meinen guten glauben aufrecht zu halten, da plauderte sie gleich aus, dasz ... mein beutel nur noch von der windsucht aufgeschwollen wäre oder mit nächstem absterben würde Lindenborn Diogenes (1742) 1, 363; formelhaft den glauben verlieren: in dem (die verschwender) den gelauben verloren und die in gelichen hetten, an in czweiffelten Arigo decam. 67 Keller; do nun der buͦb (hiesz Andrean) ... auch den glauben verloren hett under den kaufleuten Fortunatus 20 ndr.; mit der weisz theten die fürsten ... die kirchengüter an sich ziehen, und müszt also wol unser muter die h. kirch umb all ir schätz, reichthum, ehr und würde kommen, iren glauben verlieren, ... und zuletzt ir armselig leben jämerlich in eym spital vertriefen Fischart binenkorb (1588) 50ᵃ;
wenn dein beutel dann ist leer,
und dein guter glaub verlohren
so sag ich dir nur zuvoren,
komm zu mir nicht wider her
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 76;
mundartlich erhalten, vgl. gene glauben mih han (keinen kredit mehr haben) rhein. wb. 2, 1260; hann i woll glâbe habe ich wohl credit? Lexer kärnt. 115; so in älteren sprichwörtern, aber z. t. nicht scharf von 1 zu trennen: er (der händler) bedarff gelt, seinen glauben damit zu erhalten Agricola sprichw. (1534) q 6ᵇ; er hat ein guͦten glauben sprichw. (1548) 140ᵇ; grosz gelt, grosz glaub ebda; viel borgen macht schwachen glauben Lehman floril. polit. (1662) 3, 447;
gelt thut glauben machen,
gelt hilft zu allen sachen
ebda 133;
wer glauben hält und immer richtig zahlt, dem wird auf glauben wiederum verkauft und geborgt Körte sprichw. (1837) 160.
3)
als persönliche eigenschaft aufgefaszt im sinne von 'vertrauenswürdigkeit', 'redlichkeit, ehrlichkeit', häufig neben gleichartigen begriffen, besonders treue, vgl. teil 11, 1, 2, sp. 309f.; auch hier ist der einflusz von lat. fides = fidelitas deutlich spürbar; vgl. bereits ahd. den kontrastbegriff ungilouba infidelitas, perfidia Graff 2, 73. formelhaft den glauben verlieren die vertrauenswürdigkeit einbüszen:
solt er (der ehemann) mich aber nach den zeitten
auff einem faulen pferdt erreitten (beim betrug erwischen),
so trawet er mir nimmermehr,
ich verlür glauben, trew und ehr
und etwann auch darzu den leib
Hans Sachs 27, 19 K.-G.;
formelhaft erscheint im 17. jh. deutscher glaube 'deutsche ehrenhaftigkeit, biederkeit':
und euer eignes vaterland verachtet,
den alten teutschen glauben nicht betrachtet
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 104;
das römische reich bleibet gewisz bey den Deutschen, so lange sie (anrede an einen fürsten) bey deutschen glauben und tapferkeit verharren und ihre gedancken auf dessen aufnehmen und wohlstand hochrühmlich richten Gueintz dt. rechtschr. (1666) )( 5ᵇ; in koordination mit sinnverwandten wörtern: er ist ein man bewerter tugent und glaubens, von dem nit leichtlich etwas böses entstanden sey in der gemein Boltz Terenz (1539) 95ᵃ; nicht gold oder silber, sondern der glaub und tugend machen einen ehrlichen mann Lehman floril. polit. (1662) 1, 93.
4)
verdinglicht, 'das anvertraute gut(?)': weret sake, dat wy dat lehen unde loven an dessen dorpen nicht lenck holden wolden, so moghen wy en halff jahr to vorne kundigen und denne dat lehen unde loven vorlaten (v. j. 1420) bei Schiller-Lübben 2, 734; im sprichwort: wo einer seinen glauben gelassen hat (seine sache einem dritten im vertrauen übergeben hat), musz er ihn wieder suchen Graf-Dietherr rechtssprichw. 110; wo einer seinen glauben gelassen, musz er ihn wieder suchen Pistorius thes. paroem. (1715) 5, 375; wo-meⁿ deⁿ gl. glō (verloren) het, do muess-men-e wider suecheⁿ Staub-Tobler 2, 586.
C.
das vertrauen voraussetzende, fordernde und bewährende verhalten und die es äuszerlich bekräftigende zusicherung oder handlung, vgl.treue III A und B.
1)
in verschiedenen anwendungen; bürgschaft für die ehrlichkeit, zuverlässigkeit, wahrhaftigkeit in erfüllung geleisteter versprechungen, versicherungen u. s. w., vgl. mnd. gelôven dôn bürgschaft, gewährschaft leisten Lasch-Borchling mnd. hwb. 1, 2, 57; glauben tun = handtreu tun Brinckmeyer gloss. dipl. 1, 922: die auch den glauben mit iren eyden darzo deden, das soliche dyeneste ... eyme graffen von Dyetsche gescheen sy (v. j. 1428) bei Senckenberg sel. jur. et hist. anecdota (1734) 2, 415; we de cyse koft, sal der stad geloven unde wysheit (sicherheit) doen, dat he dat gheld to maendstunden betalen sal bei Schiller-Lübben 2, 46; des groten hillgedoms en do ick so rokelose van my nicht sunder guden geloven unde warborgen (bürgen) ebda.redliches verhalten im geschäftsverkehr:
so ich doch meyn, es (das kaufen, d. h. der handel) sey gelouben,
so ist es nüt, den stelen, rouben
Murner schelmenzunft 41 ndr.;
fürwar ein fürsichtiger ... und erfarener diser kunst (des bergwerks), so er am glauben des verkauffens oder kauffens (redlichkeit des handels) zweiflet, fart er alsbald in die gruben Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 19;
der heilige glaube und weltliche glaube.
in dem glauben für den höchsten wil man ketzern nichts gestehen,
in dem glauben für den nechsten läst man alle falschheit gehen
Logau sinnged. 478 Eitner.
politisch guter glaube 'verbürgte verpflichtung, frieden zu halten': ok hadde greve Gherd etleken guden luden de slote genomen under guden geloven unde veligen vred Lüb. chron. 2, 321 Grautoff; da schickten die von Halstat hin und zundten etlich schlosz, zum ersten Rodt an. das was ir guter glaub chron. d. stadt Bamberg 2, 33 Chroust; als wiedergabe von lat. fides in frühnhd. übersetzungsliteratur für das durch ein treuversprechen besiegelte politische bundesverhältnis: darnach ergaben sich viel ander mechtige stätt, ... alleyn blib Rhegium die statt im glauben der Römer Carbach Livius (1551) 129ᵃ; dieweil sie nach der flucht des königs, durch welches vertröstung sie von der römischen büntnusz gewichen weren, nicht in der missethat verharret hetten, weren si wider in glauben von den Römern auffgenommen ebda 319ᵃ; mit gebürlichem lob, dasz eine statt Bern ihre pünd und glauben von keines glücks wegen nie verändert habe V. Anshelm Berner chron. bei Staub-Tobler 2, 586; derselb ausruf ... hoit den groszen pfaffen von Mentz also erschreckt, das er den krieg, den er lang zugericht ..., abegelegt, und glaube, frieden und verbundtnis willigklichen ingangen ist M. v. Kemnat chron. Friedrichs I. 21 Hofmann; ähnlich ist zu bewerten (vgl. auch 2 b α): dasz also die Sorben desto sehrer gezwungen worden, das sie glauben halten (ruhe halten, sich demütigen) müssen Albinus Nivemontius comment. novus de Mysnia (1580) 183.
2)
'versprechen, gegebenes wort; eid, eidliche aussage'; mnd. von love ('gelübde') formal nicht zu unterscheiden, sodasz dessen trennung von love ('glaube') nur nach analogie des obd. gebrauches durchzuführen ist; vgl. jusjurandum ... eleganter dicitur der höchste glaube, argumentum fidei certissimum Besold bei Fischer schwäb. 3, 677.
a)
allgemein: der herzog (habe) mit synen listen understanden, solichs gelüpt und glauben mit dispensieren des bobstes abzetuend (v. j. 1476) Baseler chron. bei Staub- Tobler 2, 586; dennoch ist mein gn. herr ... nit genaigt, leichtlich umb ein iede sach willen bey dem ayde zu gebieten, darmit man solchen höchsten glauben in ehren halte (v. j. 1502) bei Fischer 3, 677 ; ähnlich: do makede de konnynck enen so groten loven (schwur, beteuerung), dat he ute deme watere gingk (15. jh.) Korner 71ᶜ bei Schiller-Lübben 2, 734; Dymma schwuͦr im des den glouben A. v. Pforr buch d. beispiele 30 Holl.; dann vilmals wurt ainer von ainem unmanbaren, der noch zu sin tagen nit komen und den zum tail aid und gloub nit zu vertruwen ist, ... angeben (v. j. 1514) d. dt. bauernkr. aktenbd. 86 Franz; als er sölichen rath gegeben, seinen worten und glawben genuͦg thet und wiwol sein weib und sein kinder ... weineten, auch er wol wist, das die Carthaginenser greulich mit ym umbgehen würden, doch, das er nicht unstanthafftig und unglawbhafftig erfuͦnden würde, zuͦg er wider gen Carthaginem R. Lorichius wie junge fürsten ... 159 I.; (die weinende Helena bat) man solte sie, die doch einmal von inen glauben und schirms zuͦsag empfangen, nit lifern (ausliefern) Herold Dictys (1554) 6; Wladislaus, hertzog in der Masaw, bekam nach dem kriege alsbald die stadt Cracaw ein (wie dann glaub und zusag zugleich mit dem glück sich wendet) Heinr. Rätel Curäi chron. (1607) 86.
b)
in festen verbalen fügungen.
α)
besonders häufig glauben halten (= fidem habere, servare, praestare) 'das empfangene vertrauen durch die tat bewähren', 'das gegebene wort halten', vgl. servans promissi der da glauben helt Alberus nov. dict. (1540) 16ᵃ, servare fidem glauben halten nomencl. lat.-germ. (1634) 269: dat ioe nen lauwa schil haulden werda (v. j. 1486) bei Richthofen altfries. 885; nuhn hielt der eine (knecht) ihm nicht glauben mit dem weibe Luther tischr. 4, 584 anm. 1 W.; die zwey wort, warheyt und glaube ym ebreischen fast gleich und schier eins für das ander genomen wird. wie auch auf deutsch wyr sagen, der helt glauben, der warhafftig und trew ist derselbe vorr. auf den psalter, bibelübers. 7, 329 B ndseil-Niem., vgl. Sirach 27, 18; es haben im (dem kaiser) die bäpst glauben geschworen, und nit gehalten U. v. Hutten opera 5, 371 Böck.;
o seelig, wer sein hoffen gründet
auff den, der himmel, erden, meer
... gemacht hat, welcher noch biszher
uns redlich glauben hat gehalten,
und lest ihn nimmer mehr veralten
A. H. Buchholtz bei Fischer-Tümpel 2, 363;
wer seine zusag und glauben nicht hält Lehman floril. polit. (1662) 1, 348; altertümelnd: dieser (freier), weil er sahe, was kommen würde, da sie reich und nach ihrer art wankelmüthig war, sprach zu ihr, sie werde ihm nicht glauben halten Grimm deutsche sagen (1891) 1, 147; speziell, auf die einlösung einer geldschuld bezogen: wor en borge (bürge) gelavet hefft, wen de geltdach umme komen is, wil de borge sinen loven nicht holden, so ... Dithm. landrecht II 2, art. 210 § 1 bei Schiller-Lübben 2, 734; wer auch dem andern schuldig was und im nit glauben hielt oder bezalt, so sprach man in mit recht seinen glaubiger an die hand Carbach Livius (1571) 28ᵃ;
der gleubiger zum kauffman spricht:
... do du mir ehrlich glauben halst,
und mich zu rechter zeit bezahlst,
kan ich ein willn beweisen dir
Eyering prov. copia (1601) 1, 2.
allgemeiner 'treue bewahren': Pamphilus ... verheiszt über das der Mysidi, er wöll der Glycerio aller ding glauben halten Boltz Terenz (1539) 8ᵃ; variiert: haben ... mit den Römern freundschafft und bündtnusz mit groszen glauben gehalten Stumpf Schweizerchron. (1606) 149ᵃ. auf das religiöse gebiet (glaube I) angewandt: ich hab den laufft volendet, ich hab glauben gehalten (τὴν πίστιν τετέρηκα 2. Tim. 4, 7); könig Thudun mitsambt herzogen Zoten gaben sich künig Pipin, ... alda wurden si getauft und ... wider haim in ir land (Ungarn) geschickt. aber künig Thudun hielt kainen glauben, fiel wider umb Aventin s. w. 5, 124; im spiel mit glaube III A 2 a:
'jo,' sagendt sy, 'man musz uns allen
glouben halten nach gefallen'.
seht für üch eben, yeder lug!
des glouben halten war genug,
wir wendt denn wyben glouben halten,
wie sy uns offt ouch herlyn spalten
Murner geuchmatt 202, 456 Fuchs.
β)
in ähnlicher verwendung seltener (seinen, den) glauben bezahlen, erlösen, leisten, erretten, vgl.synen geloven betalen (sein gelöbnis halten) bei Schiller-Lübben 2, 46: dasz mir dannoch aus der kanzley ein antwort werde, damit ich meinen glauben, das ich gesucht habe, erlosen müge Luther br. 3, 484 de Wette; darumb will ich hie meinen glauben erlöszt und meiner zuͦsagung gnuͦg gethon haben Seb. Franck laster d. trunckenheit (1531) a 2ᵃ; ob der Türck vil verheysset und gibt vil guter wort, kein glauben er doch leystet W. Schmeltzl zug in d. Hungerland (1556) b 4ᵃ; ein jeder aber, der nit glouben leistet, der hat nit billiches vor im (nichts gutes im sinn) J. v. Watt dtsche hist. schr. 1, 155 Götzinger. auf eine finanzielle verpflichtung zielend: als ich verhoffet, er wollte mich gebürlich zufrieden gestelt haben, uf das auch ich meinen glauben bey meinen glawbigern hett erretten mögen (v. j. 1500) bei Diefenbach-Wülcker 626; sie auch vermöcht, das sie der wollen so viel, bisz sein desz königs auffgenommenes gelt bezahlt und sein glauben gerettet, ... und den handelsleuthen zu ihrem genügen eingeliffert worden Th. Elychnius bedencken (1623) 37.
γ)
glauben zusagen, verheiszen, versprechen, geben 'treue, erfüllung einer zusage u. s. w. versprechen', vgl. astringo tibi fidem meam ich sag dir glauben zu Alberus nov. dict. (1540) 16ᵃ: want se em dan sodaenen geloven to gesecht hadden, den geloven dechten se em to holden münster. chron. 1, 254 Ficker; der könig sagt ihnen glauben zu Zach. Müntzer Livius (1562) 772; glaube, dem feinde verheiszen, sol gehalten werden Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) u 1ᵃ; welcher ein sölichen esel verkauffen wöllen, der hat warhafft und guͦten glauben versprechen müssen, dasz er kein mangel wüsse Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 42ᵃ; wen si (die Engländer) trostend ald etwas zusichernd und glauben versprachend, das hieltend si styff Äg. Tschudi chron. Helv. (1734) 1, 463; der papst Stephanus ... absolviert den Pipinum von allen dargeben eydtnüssen und glouben, so er dem alten künig Hilderich geben und versprochen hatt Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 23 ndr.; also schlug er nun seinen gegebenen glauben ins vergessen und die hand an den degen, willens, den handel damit vollends auszuführen Er. Francisci schau- u. ehrenplatz (1684) 28.
δ)
den glauben brechen 'die zusage, das versprechen nicht halten': den eth unde loven breken (15. jh.) Korner 41ᵇ bei Schiller-Lübben 2, 734; inen (den Franzosen) ist ouch fast gemein glauben brechen und darzue lachen (v. j. 1479) Baseler chron. bei Staub-Tobler 2, 586;
wiltu dein glauben an mir brechen,
so bin ich von dir losz und quitt
Jac. Ayrer opus theatr. (1618) 93ᵇ;
versprechen ehelicher treue: ob dein fraw unkeusch ist und bricht den gelawben an dir, gedenck, ob du an ir auch nit gebrochen hast Albrecht v. Eyb dtsche schr. 1, 10 Herrm.;
und wenn ein geiles weib den glauben einmahl bricht,
so hütet Argus sie mit hundert augen nicht
Rachel satyr. ged. 103 ndr.
c)
älternhd. in präpositionalen formeln, die zu rein affirmativem gebrauch erstarren können.
α)
auf glauben, aus II A 3 b entwickelt; 'auf die gegebene versicherung hin', etwa heutigem auf ehrenwort entsprechend, vgl. auff glauben, bey meiner trew verhaisz ich das mea quidem id promitto fide Henisch (1616) 1629: dasz ich denen vier kavallieren ... ernstlich und auf glauben versprochen, dasz ich ... J. Rist d. friedewünsch. Teütschland (1647) 139; worauf aber die jungfrau gesprochen: 'nein, lieber herr, trinket nur auf meinen glauben! denn es wird euch keinen schaden geben, sondern zum besten gereichen' br. Grimm dtsche sagen (1891) 2, 169; als versichernde interjektion 'fürwahr, wahrhaftig!', wobei oft glaube III A 3 mitschwingt, sobald es sich um das vertrauen zur wahrheit einer aussage handelt:
das nünlein thet ersehen
die pruech, thet zu ir jehen:
'fraw eptasin, auf glauben!
die peutel, die nachthawben
pind auf, die euch da foren
hangen uber die oren!'
Hans Sachs fabeln u. schw. 4, 39 ndr.;
fro war der dolpisch pawren knecht,
dacht: die wüercz füegt mir eben recht,
ich hab vil feint, auf glauben!
ebda 286;
Hans Pfriem, auf glauben, sihe dich für!
Hayneccius Hans Pfriem 777 ndr.;
auch die da wohnten, auff gelauben,
zu Tiszbo, da er hat vil tauben
Spreng Ilias (1610) 22ᵃ;
mit glaube I A 1 vermengt:
wann er sichs himels sol verzeihn,
das günn ich ihm, auff Christi glauben, nicht
Hayneccius Hans Pfriem 295 ndr.
β)
bei (im) glauben, meist mit adjektivischer oder pronominaler erweiterung, vgl. bei treu und glauben (teil 11, 1, 2, sp. 312); die bedeutung 'bei der vertrauen fordernden versicherung, versprechung; bei gegebenem wort, eid u. s. w.' verflüchtigt sich z. t. bis zur bloszen beteuerungsformel; mit subjektsangabe: wenn du desz ... zufrieden bist, dasz der papengei in dieser sach und unserem gespann richter sei, verheisz ich dir bei meinem glauben, was er sprechen wirdt, dasz ich dasselbig halten und darbei will bleiben lassen J. Wetzel reise der söhne Giaffers 62 lit. ver.; mit dem contract, dasz sie bey ihrem glauben wider kommen solten R. Lorichius päd. princ. (1595) 392; sin gnad sol ouch bi obgemeltem glouben us unser statt Nuwenburg, vor und ee denn si dri tag und dri nächt darus gewesen ist, mit verdachtem muͦt gevarlich uf niemand angreifen noch einichen schaden tuͦn (v. j. 1491) stadtrecht von Neuenburg a. Rh. 81 Merk; der furst saget auch etlichen des rats, so zu ime in gescheften geordnet waren, bei furstlichem glauben zu, das er sich ... umb kein hilf beworben noch berufen hett chron. d. stadt Bamberg 2, 49 Chroust; ich schwere bei adelichem glauben, dasz die Teutschen sind die besten leut auff erden, dieweil sie uns Spaniern die gebührende ehre und respect anthun Londorp acta publica (1668) 1, 223; wo ihr mir bei adels glauben zusagen wöllet, dasselb heimlich zu halten Amadis 291 K.; durch wertende epitheta verstärkt: das sagten dan die siechen Ulenspiegel bei groszem glouben zuͦ Eulenspiegel 26 ndr.; wo er mir die zyt und ziele nit halten und mich in unglauben (miszkredit) füren wolt; das er by hohem glauben zugesagt, aber nit gehalten und mich in unglauben und merklichen costen gefurt (v. j. 1526) bei Diefenbach-Wülcker 626; (die frau antwortete:) bei hohem glauben, sie woll es niemand sagen buch der liebe (1587) 302ᵇ;
der sagt mir also bald bey teuren glauben zu,
dasz er wolt tag und nacht nicht haben rast noch ruh,
bisz ich wer aus dem bann
Reinicke fuchs (1650) 286;
das alles ist mein will und meinung, gerede und verspreche auch solches alles bey meinem trewen, glauben und verpfändung aller meiner haab und güter Jac. Ayrer hist. proc. jur. (1604) 487. absolut, vgl. stipulatio verheiszung als da einer stupfft by glauben (vocab. v. 1512) Diefenbach gloss. 553ᶜ: ich verheisz es euch, saget der könig, bey glauben Amadis 33 K.; sagten ihnen bey glauben zu, sie wolten ihnen beystehen biblia (1662) 3. Macc. 3, 11; als interjektion 'wahrhaftig, fürwahr', vgl. 'adverbia jurandi: medius fidius bei glauben' Alberus nov. dict. (1540) e 1ᵃ: ich soll bey glauben ylen (v. j. 1519) bei Fischer schwäb. 3, 677; nun ist das doch bey glauben ein schöner hengst, er ist weit besser, denn er kostet buch der liebe (1587) 9ᵇ;
aus den ausgequetschten trauben
kömpt Lyäus süszer saft.
eine rose hat, bei glauben,
ungerieben schwächre kraft
P. Fleming dtsche ged. 1, 82 Lapp.
im glauben bleibt vereinzelt: in warem glauben, es ist anders nicht denn so buch der liebe (1578) 295ᵇ; denn in hohen glauben, so ist kein frömmere fraw denn die euwer ebda 295ᵇ.
D.
in formelhafter paarung mit treue, wofür das teil 11, 1, 2, sp. 309 unter b gesagte gilt. glaube als erstes glied erscheint weniger häufig als treu und glauben, das a. a. o. sp. 308-313 behandelt ist, dazu einige nachträge, die sich auf die verschiedenen bedeutungen von II A-C (selten III A, s. unten sp. 7809) verteilen; glaube zeigt hier auch in jüngerer sprache fast stets die form mit -n (s. oben sp. 7778): auff treuw und glauben possessio fiduciaria Frisius dict. (1556) 1026ᵇ; so begehen sie wider ihren willen die schwachheit und nehmen auf treu und glauben hin ohne fernere undersuchung alles an, was ihnen die imagination vorstellet discourse der mahlern (1721) 2, 43; dat men dem godeshuse van Magdeborch Sandowe wedder scholde antwerden, wente dat on in guden truwen unde geloven af gewunnen was städtechron. 7, 345 (Magdeburg, 14. jh.); in guten trauen und glauben Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 184 Steigerwaldt; Agesilaus freuwet sich, dasz sein feind Tissaphernes, durch sein unstandthafftigkeit und aufflösung in trew und glauben gemachter verbündtnusz, die götter erzürnet hette R. Lorichius päd. princ. (1595) 396; der feldmarschall weist in der sehr lebhaft geführten unterredung den ungarischen ministerpräsidenten darauf hin, dasz das ganze verhalten der ungarischen regierung ... ihn dazu zwinge anzunehmen, dasz die ungarische regierung ... wider treu und glauben gehandelt habe v. Mackensen briefe u. aufzeichn. (1938) 374; entsprechend bei glauben (s. oben II C 2 c β): da hat Matheus Ehem herr Raymundo Fugger bei trau und glauben verhaiszen städtechron. 23, 239 (Augsburg, 16. jh.); jedoch werden ir mir verheiszen bey edelmans trewe und glauben, das in ewer liebe nichs anders sy dan zucht und ehr Warbeck d. schöne Magelone 23 Bolte; wir ... versprechen bey fürstlichen ehren und würden, in rechten guͦten trewen und im wort der warheyt, auch bey traw und glauben abschied d. reichstages zu Augsburg (1555) 11ᵃ; er verspricht bei treue und glauben Göthe 43, 176 W.; als er ihm bei treu und glauben versprochen, ihn nicht (fest) zu halten, ... sagte er br. Grimm dtsche sagen (1891) 1, 63; affidare il suo in eines trawen und glauben stellen ('anvertrauen') Hulsius dict. (1618) 2, 14ᵃ. die umkehrung glaube und treue s. teil 11, 1, 2, sp. 313f., dazu als nachtrag: lug, das du guten glouben und trüw haltest Keisersberg christenl. künigin (o. j.) e e 1ᵇ; sy versprachen irs bei glauben und trewen Schaidenreiszer Odyssea (1537) 65ᵇ; (sie schwören,) dasz sie ... desselben jungen (verwaisten knabens) güter und person zu seinem nutz in gutem glauben und treuwen (ehrlich und treulich) vertreten kammergerichtsordnung (1555) 69ᵇ;
wo bleibt unser gelaub und trew,
wo kompt hin unser bündtnusz new?
J. Spreng Ilias (1610) 19ᵃ;
unbesonnen in der schlacht, ohne glaub und treu im rathen,
trieb ihn nichts als gold und geiz zu den wutherfüllten thaten
v. Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 109;
bleibend ist nichts mehr, es irrt selbst in dem busen der gott.
aus dem gespräche verschwindet die wahrheit, glauben und treue
aus dem leben, es lügt selbst auf den lippen der schwur
Schiller 11, 88 G.;
er nahm zu schwert und schilde
den glauben und die treu
Schenkendorf ged. (1815) 4.
III.
glaube als eine subjektiv begründete überzeugung von der wahrheit oder wahrscheinlichkeit einer aussage, eines urteils, einer vorstellung, annahme, der realität eines objekts u. ähnl.; die innere verbindung mit glaube II besteht darin, dasz glaube III zunächst das rein gefühlsmäszige vertrauen zur wahrheit einer aussage bedeutet, und zwar ohne eigene einsichtnahme in den sachverhalt, lediglich auf grund des zeugnisses einer zweiten person, deren vertrauenswürdigkeit das masz des glaubens bestimmt; das vertrauen geht also vom personalen auf das sachliche objekt über, s. auchglauben, vb., sp. 7828; zur definition vgl.durch den glauben verstehe ich den beyfall, den man einem satze giebet umb eines anderen zeugnisses willen Chr. Wolff ged. v. d. kräften d. menschl. verst. (1719) 123; der glaube ist ein subjectiv zureichendes, objectiv aber mit bewusztsein unzureichendes fürwahrhalten, also wird er dem wissen entgegengesetzt Kant w. (1838) 1, 130 Hartenst.; s. auch R. Eisler wb. d. philos. begriffe (1927) 1, 564, wo belege. der christliche begriff des glaubens (s. I) schlieszt sowohl einen akt des vertrauens zu gott wie die überzeugung von der wahrheit und wirklichkeit der heilsbotschaft in sich, sodasz bereits für die frühesten zeugnisse in der religiösen literatur die bedeutungskomponente des fürwahrhaltens mehr oder weniger fühlbar einbezogen ist, vgl. gilouba in theru wuntarlichun gifti Otfrid I 17, 70, warđ im sân after thiu antlokan is gelôbo, that hie wissa ... Heliand 5910 Heyne und ags. hê wæs þurh þæs mæssepreóstes lâre on fullum geleáfan heofonrîces (de vitae aeternitate securus) bei Bosworth-Toller suppl. 354. wieweit der gebrauch in profaner sprache schon im ahd. das element der wahrheitsgewiszheit mit umfaszte, ist schwer abzuschätzen; doch spricht wohl auch die formel zi giloubu sagên 'glaubwürdig, zuverlässig, genau sagen' für einen solchen, beim verbum glauben und adj. glaublich besser erkennbaren einschlusz, vgl. waz wânest tu nû dero sarfi des chuninges fone in dien er so gram was mugen ze geloubo gesaget werden Notker 1, 28, 28 P.;
ich enkunde iu wærlîche
ze gloube nimer daz gesagen,
waz er ritter hât erslagen,
Iweret, der vogt mîn
Ulrich v. Zazikhoven Lanzel. 3851 Hahn
vgl. noch dialektisch: z glaub sägeⁿ 'einem etwas glauben machen, weis machen wollen' Staub-Tobler 2, 586.
A.
das hinreichend sichere 'fürwahrhalten' von aussagen, behauptungen, urteilen, die von einer anderen person, einem buch, einer wissenschaftlichen lehre u. dgl. als richtig bezeugt oder hingestellt werden; vgl. ags. and ic nô ne wearþ of þâm sôþan geleáfan (qui me ob hac sententiae veritate depellat) bei Bosworth-Toller suppl. 354.
1)
allgemein:
in buachon duat man mari,   er (Jesus) fiar jar thar wari;
sume quedent ouh in war   thaz es warin zwei jar.
thia gilouba, ih sagen thir war,   thia laz ih, themo iz lisit thar;
ni scribu ih hiar in urheiz,   thaz ih giwisso ni weiz
Otfrid I 19, 25 E.;
ich weiz si (Sara) lahchote (über die verheiszung),
neheiner geloube si ne phlac,
dar umbe wart ire ein orslac
bei Diemer dtsche ged. 18, 26, vgl. auch 69, 10;
ik sach mînen heren vor my stân,
des schaltu iummer loven hân
Marienklage 248 Schönem.;
mit glauben meine wort ergreiff
J. Spreng Ilias (1610) 7ᵇ;
glaub ist, was ein frommer, ehrlicher mann sagt, dasz ichs vor wahr und gewisz halt Lehman floril. polit. (1662) 1, 344; überzeugen heiszt, einen ... überweisen, dasz ein ding so und nicht anders gewesen ... der beyfall den man durch diese überzeugung wirket, heiszt der glauben Gottsched beob. (1758) 369; nichts verpflichtet uns, ihren (der kunstrichter) aussprüchen einen blinden glauben zu unterwerfen Gerstenberg schlesw. litbr. 228 lit.-dkm.; sie glaubte ... seiner erzählung und er glaubte ihrem glauben O. Ludwig ges. schr. 2, 317; hierher auch: Delaroche hat in diesem ... meisterwerk gezeigt, was ein wahrhaft historisches bild sein soll, — ein bild, das mehr als nur die wiedergabe, sozusagen, einer in ihrem detail unverbürgten historischen tradition ist. vor dem bilde Delaroches steht man mit vollem glauben Gutzkow ges. w. (1852) 7, 479. das objekt wird durch an beigefügt: ich für meinen theil ... habe keinen glauben an seine schön geschmückte rede Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 267; obgleich meine ganze erziehung den unbedingten glauben an dergleichen (schiffermärchen) vernichtet hatte H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 72; 'da kanns auch blosz dein beten gewesen sein, das gholfen hat', rief der jäger, und der feste glaube an diese worte sprach aus seinen blicken Ganghofer almer- u. jägerleut (1900) 216.
2)
häufig in verbindung mit bestimmten verben; seltener auftretende verbindungen: datse wilkerren toienst den lava ne sette bei Richthofen altfries. wb. 885; wellicher aber dawider handelt ..., darumben dann dem herrn lantrichter, desgleichen dem haubtman ... oder deme, so darzue verordent werden mocht, glauben gesezt werden, der soll schuldig sein ... (v. j. 1509) österr. weist. 5, 459; darumb ich aber kain glauben darauff setze, macht das, das in der gantzen geschrifft nichts darvon ist Luther 12, 597 W.; do hett er unterrichtung, dasz kein glauben derselben zügen (zeugen) wäri ze haben Äg. Tschudi chron. Helv. (1734) 2, 61;
ich nehm mich wohl in acht,
dasz es, wenn er so spricht, mir keinen glauben macht
samml. v. schausp. (1764) 1, Democrit 56;
die vorwände waren zwar augenscheinlich nichtig; aber sie waren ja auch nicht darauf berechnet, glauben zu erwecken Storm s. w. (1899) 1, 157; ebenso hat Jacob Grimm, der romantiker, bei seiner anfechtung der heptaden mit recht einer andern grundauffassung romantischer herkunft in Lachmanns Nibelungenkritik, in seinen bestimmten scheidungen der echten lieder, ihrer fortsetzung und ihrer interpolationen den glauben versagt K. Burdach in: briefw. d. brüder J. u. W. Grimm mit K. Lachmann (1927) lxxxv Leitzm.; alsz er vermainet seine leren in glauben und scepter zuͦ bringen, darumb das sie der ewangelischen leren gleichformig sei Th. Murner kl. schr. 1, 98 Pfeiffer-Belli;
so erlaubt er sich alles, damit er seiner erzählung
glauben schaffte
Göthe 50, 61 W.;
mundartlich: do muss mᵉr e guteⁿ gl. han (zu einem, der lügt) Martin-Lienhart 1, 254; helfᵉ dir deiⁿ gl. (antwort auf etwas unglaubliches) Fischer schwäb. 3, 678; das gibt mer gloom das kommt mir glaublich vor Müller-Fraureuth obers. 1, 423; etwas anders 'die bereitschaft, etwas für wahr zu halten': durch das kurze ritornell (Elviras) ist der zuhörer so vollständig in diese weiche, zarte stimmung eingeführt, dasz er vollen glauben mitbringt für das, was er nun erfährt O. Jahn Mozart (1856) 4, 407.
a)
feste aktive wendungen; glaube II am nächsten stehen die fälle mit personalem dativobjekt, vgl. jemandem glauben = die aussage jemandes glauben (s. unten sp. 7828); die relativ jungen, mit dem 15. jh. auftretenden verbalverbindungen wie glauben setzen (s. oben kopf), geben, zustellen, schenken u. s. w. sind nur stilistische varianten von glauben, vb.
α)
glauben geben, namentlich vom 15. bis 17. jh. in gebrauch, vgl. affiduciare glauben geben (15. jh.) Diefenbach gl. 16; accredo glauben geben Calepinus XI ling. (1598) 19ᵇ; mit persönlichem objekt: und sölt dann eim solichen in uwern hertzen glouben geben werden? Riederer rhetoric (1493) a 7ᵃ; und als aber kein thail dem andern seines anzeigens und berüemens glauben geben oder nit stat thuen wöllen (16. jh.) österr. weist. 2, 162; dasz ich ... zwar alles wahrsage, aber mir niemands glauben gibt J. B. Schupp schr. (1663) 745; mit sachlichem objekt: ist unser ernstlicher wille und bevelh, solichen unbestendigen und ungegrunten worten und furbringen kein gelawben noch statt geben (v. j. 1498) lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 54 Gr.-M.; der arczte ... Bruno wort so groszen glauben gab also wer es im ein wiszliche warheit gewesen Arigo decam. 523 K.; Olympia stellte sich, als wenn sie seinen betheuerungen völligen glauben gäbe Lohenstein Arminius (1689) 1, 240ᵃ; diesen ieczo erzehlten beschwerpuncten haben die gehorsamben fürsten und stende umb so viel desto mehr stadt und glauben geben können acta publ. 1, 221 Palm; desz teuffels lügen mehr glauben und beyfall geben als der warheit gottes Lehman floril. polit. (1662) 1, 507; absolut:
ists nicht unmöglich dann, und zeiget es darneben
der obere beweisz, so musz man glauben geben
Opitz H. Grotius v. d. wahrh. d. christl. relig. (1631) 315.
β)
glauben zustellen, vom 17. bis zu anfang des 19. jhs.; mit stellen und darstellen schon im 16. jh., vgl. sonder up dat erss möge gudt glove gestellt werden, so redet he, dorch nydt vorblendet, syne und der synen schande unde laster d. jüng. glosse z. Reinke de vos 17 Brandes;
(der fuchs zum raben, er habe gehört:)
ir wert ein böses tier so frech,
und gar vil schwerzer denn das pech.
da saszen ander leute bei,
die widersprachen das gar frei.
denselben stellt ich glauben dar,
befind auch jetzt, dasz nicht sei war
B. Waldis Esopus 1, 27 Tittm.;
mit personalobjekt: schwöret er aber, so ist es eine anzeigung, er habe zuvor einmal gelogen, dasz man ... ohne schwören ihm nicht mehr habe glauben zustellen wollen Moscherosch insomnis cur. parent. 82 ndr.; man musz ihnen (den Spaniern) nicht ... weiter glauben zustellen, als einem die naasz lang Zinkgref-Weidner teutscher nation weish. 3 (1653) 19; mit sachobjekt: dasz sie nicht so leichtlich eines jeden rede glauben zustellen Reinicke fuchs (1650) 373; weil es nichtsdestoweniger jene nicht vermag einzunehmen, wenn der aussage der miszgünstigen Miltons glauben zugestellt wird Bodmer v. d. wunderbaren (1740) vorr. 4; glauben stellet man zu fürstlichem wort Herder 27, 312 S.; durch einfaches stellen ersetzt: es ist dumpfsinnige verblendnis, solchen grobangelegten behexungen glauben zu stellen Fr. L. Jahn w. 1, 247 E.
γ)
glauben beimessen (beilegen), seit dem 17. jh. und noch heutiger sprache bekannt, wenn auch schon geziert klingend; mit personalem objekt: wann disz also geschehe, dasz man seinen betrug entdeckte, ihm nicht glauben beymessete J. Prätorius saturnalia (1663) 82; nur ist die frage, inwieweit dem Tacitus ... glauben beyzumessen sey M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, vorr. 7; mit sachobjekt: damit ihre frau dem verdachte desto weniger glauben beimesse J. Prätorius glückstopf (1669) 303; schon fing er an, den worten seiner schwester glauben beizumessen Göthe 24, 264 W.; welche überlieferung wird die mythologie höher schätzen, welcher gröszeren glauben beimessen, der getrübten heutigen oder der reinen alten? W. Scherer kl. schr. 1, 179; seltener bleibt beilegen: er musz auch acht haben, wohin er gehe, musz auch schauen, wem er glauben beylege Reinicke fuchs (1650) 46; herr dr. N., dem als einem vornehmen manne und churfürstl. brandenb. bedienten mehr glauben ... beygeleget werden musz Thomasius ernsth. ged. (1720) 2, 56.
δ)
glauben schenken, erst jung belegt, heute die geläufigste wendung: man schenkt also gern jener meinung glauben, obgleich diese gebäude viel kleiner als die römischen sind Göthe 43, 13 W.;
die knaben schick ich ihm zuvörderst und den dolch,
damit dem brief er glauben schenke
H. v. Kleist 2, 356 E. Schmidt;
erst als ich ihr alles geld gegeben, das ich bei mir hatte, ... schenkte sie mir glauben M. v. Erner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 320; mundartlich: ᵈᵉm weibergreineⁿ und ᵈᵉm hundshenkeⁿ musz maⁿ net zᵘviel gl. schenkeⁿ (bedeutung geben) Fischer schwäb. 3, 678; eⁱⁿᵉmeⁿ verrisseneⁿ kleid schenkt maⁿ wenig gl. ebda.
b)
verbindungen passiven sinnes, meist mit dinglichem subjekt, treten erst mit dem 18. jh. in festen formen auf; vereinzelte wendungen: hiraus sehen wir erstlich, dasz der Reinke von dem könige keinen glauben bekommen kan Reinicke fuchs (1650) 365; wie wenig glauben weisz sich Harduin von dieser seite auch nur bei einem halbkenner der lateinischen sprache zu verschaffen Herder 3, 325 S.; ähnlich mit anderer konstruktion: disze ding bringen auch dem Democrito ein glauben, da er saget, das ein trach den Thoantem ... erhalten hab Eppendorff Plinius (1543) 54. glauben haben: alsdann hat auch die gantze nachvolgende red statt und glauben bey den zuhörern Xylander Polybius (1574) 4; seine nachrichten haben keinen glauben bey mir theater d. Deutschen (1768) 13, 181. glauben finden: unwahre worte, ... die dem andern an seiner ehre schaden, wenn sie bey einigen glauben finden Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 663; da die mahlerkunst ... auf denjenigen sinn würcket, der die gröste macht auf die seele hat, und am leichtesten glauben bei ihr findet Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 15; meine darlegung, dasz den kaisern im prinzip ein vorrang vor königen nicht eingeräumt werde, fand keinen glauben Bismarck ged. u. erinn. 2, 148 volksausg. glauben verdienen: die sage von ihm (Orpheus) verdient um so weniger glauben, da sie nicht so alt zu seyn scheint, als priester sie ausgeben A. W. Schlegel im Athenäum (1798) 1, 10; was daher von Cato angeführt wird, verdient ... völligen glauben Niebuhr röm. gesch. 1, 23; (es) verdient diese (tradition, dasz Mozart das ave verum in Berlin komponiert habe) gegenüber der angabe in Mozarts eigenhändigem verzeichnisz, dasz dasselbe am 18. juni 1791 in Baden componirt sei, offenbar gar keinen glauben O. Jahn Mozart (1856) 4, 477 anm. 23.
3)
in präpositionaler fügung auf glauben, mit verben verbunden; vgl. auch ahd. zi giloubu, mhd. ze geloube oben sp. 7806, sowie die formgleichen verbindungen unter II A 3 c und II C 2 c, die hier auf den wahrheitsbegriff ausgedehnt sind, ebenso wie vielfach die formel auf treu und glauben (s. teil 11, 1, 2, sp. 312f.); z. t. ist auf glauben wohl nur verkürzung dieser zwillingsformel:
dyt sede he up loven Isegrime
Reinke de vos 202 Leitzm.;
das weibervolck ... glaubet entweder zu wenig mit dem Thoma oder zu viel mit den jüden, welche denn auch ... mehr auff glauben nehmen ... als ein ander weiser thun soll und kan J. Prätorius philosophia col. (1662) a 2ᵇ; sie nehmen doch auf glauben an, dasz da ... schätze zu finden seyen Europa (1803) 2, 4; man kann aber auf glauben versichern, dasz ... eine andere form nicht ausgemittelt werden kann A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 2, 334; ebenso auf guten glauben: damit, was ein ieder in seiner jäger-, fischer- oder vogelstellerkunst verstünde, auf guten glauben und gewissen dem Aristoteli, als dessen naturkündiger erzehlete J. Prätorius winterflucht (1678) 367; die bibel selbst lernen wir nichts besser verstehn, und müssen es blosz auf guten glauben annehmen, ob dieser oder der richtig erklärt habe oder nicht Gerstenberg br. über merkwürdigk. d. liter. 297 lit.-dkm.; diese wunderbaren kräfte, die uns auf guten glauben versichert wurden Göthe 17, 185 W.
4)
im älteren nhd. für die eigenschaft einer person, die leicht geneigt ist, einer aussage glauben zu schenken, 'leichtgläubigkeit, vertrauensseligkeit': huet dich, glaub ist miszlich S. Franck sprichw. (1541) 228; durch den glauben wird mancher betrogen Tappius adag. cent. sept. (1545) 8ᵃ; betont leichter glaube: denn gegen einen verschlagenen und schlauen finden sich wol zehen tausend einfältige tropffen, deren tummigkeit, leichter glaube und verwegenes, hastiges gemüthe denen listigen zu ihrem ehrgeitze dienen musz Christian v. Ryssel v. d. seelenfrieden (1685) 309. ähnlich auch: ut captus est servulorum als vil und ein armer knächt verstand und glauben hat Frisius dict. (1556) 186ᵇ.
5)
seit dem frühnhd. bezeugt und formelhaft nachlebend soviel wie 'glaubwürdigkeit' einer person, einer aussage, behauptung, lehre, überlieferung u. ähnl., dann auch 'wahrheit, echtheit', vgl. credulitas der glaub (voc. des 15. jhs.), ghelove (voc. des 15. jhs., nd.) Diefenbach gl. 156ᵃ; mit persönlichem subjekt in der aus II B stammenden formel den glauben verlieren 'die glaubwürdigkeit einbüszen', vgl. neque domi, neque apud amicam mihi iam quicquam creditur man glaubt mir nit mer, ich hab meinen glauben verloren Frisius dict. (1556) 342ᵃ: die eyd bringen dem mann keinen glauben, aber der mann den eyden Lehman floril. polit. (1662) 3, 9; auf den inhalt des ausgesagten zielend: dorumb zu einer bewerung des gelauben (in argumentum ergo fidei) hielt sy (die frau Potiphars) den mantel, sy zaigt in dem mann do er widerkert zuͦ dem haus erste dtsche bibel 3, 178 Kurr.; die (geschichtsbücher) der Kriechen (sind) um muetwilliger dichtung willen niena den gemelten an glowen und warheit zue vergleychen V. Anshelm Berner chron. bei Staub-Tobler 2, 586; des zu noch mereren schein und gelauben so het hertzog Albrecht auf die zeit noch da, das erblich von seinen vorfadern an in gefallen was, das schultas mit sambt etlichen andern anhengenden gerichten U. Füetrer bayer. chron. 228 Spiller; dem hind ... wachsend keine horn, wiewol etlich schreybend aber one glouben, dasz auch gehörnte hind söllend gesähen seyn Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 80; die (bücher) hatten ihren glauben verloren Fischart binenkorb (1586) 5ᵇ; solche (zwei gewisse unverwerfliche zeugen) machen einen volkommenen glauben, weil in zweier zeugen mundt alle warheit bestelt Nigrinus v. zäuberern (1592) 358; wann solchs geschrey ist auszgebracht, so werden ... (alle diese umstände) der sach mehr schein und glauben geben W. Spangenberg griech. dramen 2, 16 Dähnh.; aber so mag der glaube (in bezug auf diese geschichte) bey ihm beruhen Prätorius Blockesberges verr. (1668) 11; geradezu 'echtheit': es finden sich zwar am ende der teutschen bibel altes testaments zwey feine gebettlein, ... welche dem Assariae und seinen gesellen beygemessen werden ..., aber diese beyde hymni sind nicht im chaldeischen fonte, noch gleiches glaubens mit Daniels geschicht, sondern stehen allein ursprünglich in der grichischen version der lxxii dolmetscher Mich. Walther erläut. d. proph. Daniel (1645) 1, 456. in neuerer juristischer sprache bedeutet öffentlicher glaube die 'öffentlich anerkannte glaubwürdigkeit' einer urkunde: unberührt bleiben die landesgesetzlichen vorschriften, nach welchen die dem staate zustehenden ablösungsrenten ... zu ihrer begründung und zur wirksamkeit gegenüber dem öffentlichen glauben des grundbuches nicht der eintragung bedürfen bürgerlich. gesetzb. einführungsgesetz art. 114, vgl. auch 182, 188, 191.
B.
die vorwiegend gefühlsmäszige überzeugung von der wahrheit eines tatbestandes, einer annahme, vorstellung u. dgl., von der wirklichkeit eines objekts, der wahrscheinlichkeit oder möglichkeit irgendwelcher, der erfahrung nicht zugänglicher erscheinungen, geschehnisse, überlieferungen u. s. w., meist 'rein aus subjektiven gründen, ohne die für das objektive wissen nötige erkenntnisgrundlage' Eisler hwb. d. philos. (1922) 254, wobei sich aber die subjektiven gründe z. t. 'objektiv ergänzen und rechtfertigen lassen' Eisler wb. d. philos. begriffe (1927) 1, 564.
1)
eine 'feste überzeugung', eine 'gewiszheit', die nicht so sehr durch das zeugnis einer anderen person als durch eigenes erfahren, urteilen und empfinden gestützt wird und den gedanken des zweifels nahezu ausschlieszt.
a)
hinsichtlich der wahrheit einer tatsache, annahme, vorstellung u. ähnl., vgl. persuasio ein gefaszte meinung, beredtnusz, glaub Frisius dict. (1556) 992ᵇ.
α)
allgemein:
âne minne wirdet niemer herze rehte frô.
sît ich den gelouben hân,
frouwe Minne,
fröit ouch mir die sinne
Walther 14, 10;
fühlen macht den glauben Lehman floril. polit. (1662) 3, 98; die augen haben mehr glauben als die ohren P. Winckler 2000 gutte gedancken (1685) a 8ᵇ; darumb gab er mir selbst ursach, mich der gewiszheit zu versichern und in mir durch die öfftere augenscheinliche erfahrung einen festen glauben zu setzen Grimmelshausen 2, 526 Keller; (es gilt) die verschiedenen meinungen ..., ehe Livius die schon vorherrschende zu einem historischen glauben erhob, zu sondern Niebuhr röm. gesch. 1, 142; mit objektsatz, der den inhalt der überzeugung ausdrückt:
sie hæten alle wol gesworn,
daz in (könig Artus) nieman mohte betouben.
er brâhtes in den glouben,
daz man die vorhte vor im gewan,
daz sie noch baz tûsent man
getorsten hân bestanden
der Stricker Daniel v. blüh. tal 3592 Rosenh.;
wer sinen gehorsam frevelichen bricht,
... den saltu in dime glouben also han (von dem sollst du dessen gewisz sein)
das der uss dem orden geloffen sy
Joh. Rothe lob d. keuschheit 2240 Neum.;
ich bin auch in guͦtem glauben (ich bin fest überzeugt), daz alles glück und heil, so die loblich stat Straszburg hat in irem regiment und wol angesetzer politien, daz sie es sunderlichen hab durch schickung gottes usz fürbitt der junckfrawen Marie H. Gebweiler beschirm. d. lobs Marie (1523) 17ᵃ; das licht klomm an dem türmchen hinauf, bis es zuletzt nur noch auf dem goldenen wetterhahn funkelte, und eines abends fand ich mich plötzlich des bestimmten glaubens, dasz dieser hahn gott sei G. Keller ges. w. (1889) 1, 34, vgl. 147; (Lachmanns textkritik liegt) der feste glaube zugrunde ..., dasz die deutsche dichtung des mittelalters nicht barbarisch, nicht formlos und willkürlich gewesen sein könne K. Burdach in: briefw. d. brüder Grimm mit K. Lachmann (1927) xvi Leitzm.; in redensartlichem gebrauch, deutlich von glaube I ausgehend: des menschen glaube ist sein himmelreich Fischer schwäb. 3, 678; mien globen is, dat 7 pund fleesch en gude supp ward Mensing 2, 395. glauben haben an etwas etwas für wahr halten: da gottes stimme in ihm selbst nicht mehr sprach, oder da er doch keinen glauben mehr daran hatte, dasz sie es tat O. Gmelin d. ruf zum reich (1936) 101; vgl.men mot er glöben an hem Schambach Gött. 64; ähnlich: hê hecht (heftet) dr gîn gelôf an Doornkaat-Koolman 1, 604; vgl. auch die viecher hamm heier gar keen gloom (die spatzen lassen sich durch keine schreckmittel verjagen, glauben nicht an den ernst der dinge) Müller-Fraureuth obers. 1, 423; absolut: er het deⁿ gl. (glaubt daran) Staub-Tobler 2, 586; nd. auch mit zu, vgl. ik heb dr gîn regten gelôf to, dat dat wüddelk (wirklich) wâr is ten Doornkaat-Koolman 1, 604; dor heff ik keen globen to, dor hört globen to das ist nicht (schwer) zu glauben Mensing 2, 395.
β)
in festen verbindungen. der glaube kommt (geht) einem in die hände u. ähnl. 'jem. wird handgreiflich überzeugt': als solten sich die schwermer (Kaspar Schwenckfeld) rhümen ich were mit inen eines, welchs ich nicht hab wöllen glauben, weil es keiner öffentlich von sich hat wöllen schreiben. aber mit dieser weise solt mir wol der glaube in die hende komen, ehe ichs mich versehe Luther bücher u. schr. (1568) 8, 174; aber der glaube kam ihnen (den städten) bald in die hand, indem kurtz darauf der felsen wie ein boltzen herabschosz, und die gantze stadt zerschmetterte Sperling Nicodemus quaerens (1718) 1, 54; schles. noch mundartlich: dr glaube werd dr schunn no ei de hand kumma, und ähnlich: kaͦm m ei de hand geloofen Rother schles. sprichw. (1928) 289; vgl. auch Schmeller-Fr. 1, 1407. du willst auch gar nichts glauben, bis dir der glaube in die hände gehet, und alsdann ist es zu spät v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 107; der glaub ist mir in die händ worden meo malo expertus sum Aler dict. (1727) 1, 951ᵃ; die erfahrung wird dir den glauben in die händt geben Minderer medicina milit. (1620) 146; mundartlich: meⁿ muess im deⁿ gl. iⁿ d händ gëⁿ Staub-Tobler 2, 586; abgewandelt: ᵉs glaubt eⁱⁿ mancher ⁿit, bis ihms der glaubeⁿ in dⁱᵉ händᵉ gibt Fischer schwäb. 3, 678. des glaubens leben 'der festen überzeugung sein'; die formel stammt dem wortlaut nach aus Röm. 1, 17 der gerechte wird seines glaubens leben, gehört also zunächst glaube I A 1 an, vgl. 'so mags im himmel zugehen', sagte Stein, 'auf dieser welt wirst du nur theile dieses idealischen ganzen finden', dazu eine anmerkung von Schubarts sohn: er wird nun seines glaubens leben, denn er ist wenige wochen nach meinem s. vater auch hinübergegangen in jene bessere welten bei Schubart leben u. gesinn. 2, 25: somit könnt ihr überzeugt sein, dasz wir in Deutschland des glaubens leben, man könne nach euern bisherigen leistungen nur von euch lernen Fr. L. Jahn w. 2, 973 E.; er unterrichtete sich fortwährend über die lage der dinge und lebte des festen glaubens, seine pflicht werde sich ihm deutlich vor augen stellen M. Meyr erzähl. a. d. Ries (1868) 1, 85; da er aber des glaubens lebte, dasz auf diese art die verborgene wahrheit am besten ans licht komme, so entschlosz er sich endlich dazu Ranke s. w. 1, 278; vergleichbar auch mundartlich: hê stun stîf in de (bzw. in t) gelôfe, dat ik hum betâld harr ten Doornkaat-Koolman 1, 604.
b)
hinsichtlich der wirklichkeit eines dinges, der existenz einer erscheinung, der realität eines vorgangs, der wirksamkeit eines tuns u. dgl.; das objekt wird meist durch an verbunden wie beim verbum glauben, vgl. sp. 7835; formal gleicher art ist der alte gebrauch in religiöser sphäre, s. oben I A 1 a β, von dem der jüngere profane auszugehen scheint. glaube an gott, der die überzeugtheit von dem dasein gottes einschlieszt, wurde wohl zunächst auf andere übernatürliche wesen angewendet, wie geister, gespenster, hexen u. s. w. (sieh oben I B 1 b), dann auf unsichtbare erscheinungen aller art: dies zum beweise, dasz mir der glaube an die existenz von geistern nicht anererbt (ist) Just. Kerner bilderbuch (1849) 3; beiträge zur lösung der frage vom ursprung unseres glaubens an die realität der auszenwelt und seinem recht (titel) W. Dilthey in: sitzungsber. der Berliner akad. d. wiss., phil.-hist. kl., jahrg. 1890, 977; zweifele ich nun an den überbösen, so wird er mir es auch zu gute halten, wenn ich nicht so festen glaubens an die überguten bin Klinger w. (1809) 7, 97;
Horatio sagt, es sey nur einbildung,
und will dem glauben keinen raum gestatten,
an dieses schreckbild, das wir zweymal sahn
Shakespeare 3, 141;
(ich) konnte keinen glauben an ihre unfehlbarkeit schöpfen Jul. v. Vosz gesch. m. milit. laufbahn (1808) 256; (ich habe) nicht weniger den glauben an meinen einflusz auf die würdigsten justizfreunde so ganz von der hand weisen können Göthe IV 28, 37 W.;
lasz mir den glauben nur an seine liebe
Grillparzer s. w. 4, 191 Sauer;
wenn man es ablehnt, sie auf das politische leben zu übertragen, und im letztern den glauben an die geheime einsicht aller zugrunde legt, so geräth man in einen widerspruch Bismarck ged. u. erinn. 2, 79 volksausg.; ich meine damit den naiv realistischen glauben an die auszenweltlichkeit der wahrnehmungsinhalte J. Volkelt quellen d. menschl. gewiszheit (1906) 70; mit gen. des objekts nur vereinzelt: er (der besser unterrichtete) wird mir einräumen, dasz ... das gefühl der nothwendigkeit ... empfunden wird bald mehr als rechtsgefühl, bald mehr als glaube einer blosz moralischen verpflichtung Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 1, 30. ähnlich mit von als ersatz für einen genetiv: vom wohnen auf der vermeintlichen mitte des erdkreises war dann kein glaube mehr Fr. L. Jahn w. 2, 858 E.; mit objektssatz: was gehöret nicht vor ein baumstarker glaube dazu, wenn man des herrn von Lydio trenchirte insul als ein wahrheit in den backofen seines physicalischen gewissens schieben will? Schnabel insel Felsenburg 4, 6 Ullrich; ohne objektsbestimmung: nicht die furcht, mein leben zu verlieren, ängstigte mich, nur der gedanke, ihre (Elfriedes) liebe möchte meinem glauben nicht entsprechen. wo seyd ihr nun, ihr sorgen? mit einem ihrer blicke haben sie den glauben von neuem in meiner seele angezündet Klinger w. (1809) 1, 217; ich merkte, wie mein glaube schwand, und fühlte zugleich den äuszersten hasz gegen die ungebetene aufklärerin (über zauberkunststücke) H. Carossa kindheit u. verwandl. e. jugend (o. j.) 89. der gegensatz vonglaube undwissen, theologischer problematik entstammend (s. oben sp. 7785), wird in den bereich des natürlichen denkens übertragen, wobei glaube die spekulativ erreichte überzeugung von der existenz eines objekts bedeutet im gegensatz zum wissen, das sich auf eine sinnliche erfahrung gründet:
wen geloube ist grozer dan wan
und ist minner vil dan wizzen
H. v. Hesler apok. 3414 H.;
ich muszte also das wissen aufheben, um zum glauben platz zu bekommen Kant 3, 19 akad.; es gibt den unterschied zwischen wissen und glauben auch im natürlichen leben und vor der offenbarung ... der unterschied zwischen natürlichem evidenten wissen und wagnishaftem natürlichen glauben bleibt innerhalb der natur Th. Haecker d. geist d. menschen u. d. wahrheit (1937) 122.
c)
auf zukünftiges bezüglich 'zuversichtliche erwartung, dasz etwas geschehen wird'; von hoffnung einmal durch die stärke der inneren gewiszheit unterschieden und weiter durch den möglichen bezug auch auf unerwünschte ereignisse; vgl. in verwandter anwendung, auf ein orakel bezogen:
swie dicke ichz tete (das abzählen), sô was ie daz ende guot.
daz trœstet mich: dâ hœret ouch geloube zuo
Walther 66, 12.
α)
mit objektssatz; noch in mischung mit I A:
den glouben kan ich nit enhon,
das er vom grab mög uff stan
schausp. d. mittelalters 2, 148 Mone;
und daz er (Christus) uber uns richten sol,
daz geloubet der teufel so wol,
daz er von dem gelouben nicht kumt
cod. pal. germ. 341 178, 497 Rosenhagen;
inde wisse, dat ich des ganzen geloyven hain, dat mir in diseme iaere geyn arch in mach gescheyn privatbr. d. mittelalters 1, 5 Steinhausen; er wolte aber keinen glauben noch hoffnung schöpffen, dasz er durch busz möchte zur gnade gottes gebracht werden volksb. v. dr. Faust 31 Braune; viele haben mir einen freundlichen dank geboten, dasz ich sie der mühe wert geachtet, den spiegel ihnen vorzuhalten, und dasz ich den glauben gehabt, dieses vorhalten führe zur besserung und nicht zu eitlem zorn Jer. Gotthelf ausgew. w. 1, 16 Bartels; Junkmann thut mir herzlich leid, obwohl ich selbst immer mehr des glaubens werde, dasz er nie festen grund unter den füszen bekommen wird A. v. Droste-Hülshoff briefe (1893) 221 Schück.; gleichwohl bewahrte ich innerlich meine nationalen empfindungen und den glauben, dasz die entwicklung der nächsten zukunft uns zur deutschen einheit führen werde Bismarck ged. u. erinn. 1, 20 volksausg.; auch die geiszelfahrten der späteren bianchi nährten sich von dem glauben, dasz die welt in kurzem untergehen werde A. Hübner geiszlerlieder (1931) 29.
β)
mit präpositional angeschlossenem objekt: der gebrauch des wassers bekommt mir ganz wohl, nur will sich der glaube an recht gute folgen noch nicht stark machen Göthe IV 19, 358 W.; Grolman, dessen commentar über den code Napoléon auf den festen glauben an dessen nahe einführung hindeutete W. v. Humboldt briefe an Welcker 29 anm.; er hatte wohl wenig glauben an die rettung (des tieres) gehabt A. Stifter s. w. 3, 89 S.; M. hat mir so lebhaft einzubilden gewuszt, dasz jener band köstlichster funde (d. v. Hellingrathschen Hölderlinausgabe) mir bestimmt gewesen sei, dasz sie es ihm schon zuschreiben müssen, wenn ich dem glauben an eine so liebe und erwünschte möglichkeit nachhänge und nachgebe R. M. Rilke briefe 1907 -14 (1933) 373; der glaube an den sieg wich (bei den alliierten) der furcht vor der kommenden niederlage A. Hitler mein kampf (1933) 216.
γ)
absolut:
Fritz hatte weder glauben
noch geld im beutel mehr
Rachel satyr. ged. 34 ndr.;
die Herdern ist nach ihrer art recht wohl, und ein wenig mehr glaube, ein biszgen weniger hypochondrie würde sie ganz herstellen Göthe IV 7, 102 W., vgl.mut und glaube 31, 148;
du hast gehoft, dein lohn ist abgetragen,
dein glaube war dein zugewognes glück
Schiller 4, 30 G., vgl. 12, 208 anm.;
dasz dir glaub und hoffnung wachs
Mittler dtsche volkslieder (1865) 586;
der erreichung eines auch nur mittelmäszigen glückes (stehen) noch so viele ... hindernisse entgegen, dasz man mit einer art eigensinnigen glaubens die hoffnung festhalten musz, um nicht durch bange ahnungen getroffen zu werden Thibaut üb. d. notw. e. allg. bürgerl. rechts (1814) 406; wenn der glaube, den ich aus der innigkeit ihres (Wilhelmines) betragens gegen mich schöpfte, zu kühn und zu übereilt war, so scheuen sie sich nicht, es mir zu sagen H. v. Kleist 5, 57 E. Schmidt; wenn wieder drei jahre über das land gezogen sind, so bereiten wir ihm (dem kaiser Napoleon) das verderben. 'sagen sie mir das alle tage', bat der kranke, 'denn dieser glaube allein kann mir zur genesung helfen' G. Freytag ges. w. (1864) 13, 167; man sieht es ohne mühe ein, dasz dieser glaube trog Mommsen röm. gesch.⁴ 3, 198. kleiner glaube 'geringe zuversicht': ich merk, das klainer glaub bey dem gemainen man ist (v. j. 1525) in: d. dtsche bauernkrieg, aktenbd. 363 Franz; ähnlich dialektisch: eim e schlëchter gl. gëᵇᵉn von oder für jem. nicht viel gutes hoffen, namentlich in bezug auf eine krankheit Martin-Lienhart 1, 254.
2)
als annahme einer wahrscheinlichkeit oder möglichkeit, die sich mit einem urteilsakt verbindet, ohne dasz dessen inhalt das gefühl der gewiszheit erwecken kann; 'meinung, ansicht, anschauung'; 'vermutung', vgl. opinio glaub vel haltung (voc. v. ende d. 15. jhs.) Diefenbach gl. 397ᶜ; presumitur man globen hat vel helcz vel achtsz (ebda) 457. vergleichbar ist ein selten auftretender älterer gebrauch, bei dem das wahrscheinlichkeitsurteil noch nicht so beherrschend heraustritt: nein, disz war seins glaubens gar nicht, er fieng kein trojanischen farrenwütigen Hellenkrieg drumb an Fischart Gargantua 89 ndr.;
bauren sind zum rauben,
ist der krieger glauben
Logau sinnged. 392 E.
a)
allgemein: er mochte den glauben hegen, als habe ich die rache der Franzosen verwirkt Gaudy s. w. (1844) 4, 104; wir stellen diese gerüchte, als dem reiche der phantasie angehörig, unverbürgt dem glauben eines jeden anheim Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 68; so lange man sie in dem glauben erzieht, ihr vornehmster lebenszweck sei — zu gefallen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 18; entsprechend auch mundartlich:
der landrichter, der tratzt ihn recht,
und sagt: 'i han den glaaben (bin der ansicht)
dasz dös nit geht, die heiratssach!'
K. Stieler ged. 4, 39 (Reclam);
na mîn gelôfe schal t wol nêt gôd gân ten Doornkaat-Koolman 1, 604; des glaubens sein 'meinen':
des glaubens bin ich nicht
Stoppe Parnasz (1735) 27;
(ich war) des glaubens, sie müszten auch hilfebedürftig sein Fontane ges. w. I 5, 43; im absoluten genitiv meines glaubens 'meiner ansicht nach': drei theile zu einem ganzen abzuschlieszen, ist meines glaubens die absicht der (sonatenschreiber) R. Schumann ges. schr. (1854) 1, 98. von wissenschaftlichen anschauungen: und sagend usz irrendem gloͮben, er sye ain got desz meres Stainhöwel de claris mul. 24 lit. ver.; vor den regenfluthen ... welche, auch nach der griechischen weisen glauben, frühere menschengeschlechter ... vertilgt haben Niebuhr röm. gesch. 1, 96; man hat sich nachgerade daran gewöhnt, dasz in sachen der Nibelungen jeder seinen glauben hat, von der wahl der handschrift bis zur wertung der dichtergrösze und bis zur erschlieszung der ursage A. Heusler Nibelungensage u. Nibelungenlied (1929) 328. von der meinung einer gröszeren zahl von personen, mit adjektiven wie gemein, allgemein, herrschend u. ähnl. verbunden, vgl. suffragilatio gemeyner gelawbe (voc. v. anf. d. 15. jhs., obd.) Diefenbach gl. 565ᵃ: es ist schon allgemeiner glaube, dasz die freundschaft der madame Geoffrin den ruf vorzüglicher gaben bestätigt H. P. Sturz schr. (1779) 1, 68; gestützt auf dem ansehen der gesetze, ... dem öffentlichen glauben und der bestimmung der öffentlichen abgaben ... erklärt das parlament, dasz Frankreich eine monarchie ist Dahlmann gesch. d. franz. revolution (1845) 129; (in städten,) wo ein schriftsteller, der nicht des herrschenden glaubens ist, für jede gemeinnützige und unläugbare beobachtung, für jedes liberale wort, büszen musz Zimmermann üb. d. einsamkeit 1, 78; P. Hesse ... führt dennoch keinen fall an, der den weitverbreiteten glauben (dasz die speischlange ihr gift von sich speie) rechtfertigen könnte Brehm tierleben³ 7, 370 P.-L.abgeschwächt 'vermutung', vgl.glauben, vb., sp. 7841f.: von den räten ... erfuhr (er), was ihm allerdings sein erster glaube schon gesagt hatte, dasz die geschichte von dem passierschein ein märchen sei H. v. Kleist 3, 146 E. Schmidt; Hvitfeld gibt dem glauben raum, viele dörfer seyen seitdem verschwunden, viele ackergründe öde geblieben Dahlmann gesch. v. Dännemark (1840) 1, 500.
b)
mehr objektiv, auf den inhalt des für wahrscheinlich oder möglich gehaltenen zielend, vgl. etwa mhd.
weistu, liebiu, waz du seist (sagst)?
vil sêre wider den glouben (das glaubliche) reist;
solhiu dinc unmügelich sint! (nämlich dasz eine reine magd ein kind trägt)
Konrad v. Fussesbrunnen kindh. Jesu 884 Kochendörffer:
(wenn ein tischgast etwas sagt,)
so streiten andre gleich darwider,
und legen solchen glauben nider,
und wölln da richten ausz beim wein,
solch sachen, wann sie sinnlosz sein
Casp. Scheit Grobianus 2238 ndr.;
vereinzelt im 17. jh. über allen glauben (= lat. ultra fidem) 'mehr als glaublich', vgl. mnl. boven gelove, jegen tgelove, meerre dan geloof Verwijs-Verdam 2, 1280: meine feinde, die ... Polen ... haben mich und meine Tartaren ... über allen menschlichen glauben treflich besieget J. Rist d. friedejauchzende Teutschland (1653) 199; den glauben übersteigen, übertreffen 'das für glaublich, möglich gehaltene masz übersteigen':
wo pracht und kostbarkeit den glauben übersteigen
v. König ged. (1745) 25, vgl. 103;
seine nachahmungsgabe überstieg allen glauben Göthe 22, 113 W., vgl. 8, 371; ich will ihn bitten, dasz er einmal hier vorbey reitet: und das thut er mir gewisz zu gefallen. wie fest, wie gerade und männlich! und so leicht, so anmuthig, mit solcher würde! es übertrift allen glauben Kretschmann s. w. (1784) 3, 15.
c)
speziell; mit negativer bewertung 'falsche ansicht, einbildung, wahn, irrtum': die gesetzlose unbestimmtheit, womit diese gattung (der roman) nach so unzähligen versuchen immer noch behandelt wird, bestärkt in dem glauben, als habe die kunst gar keine forderungen an dieselbe zu machen A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 150;
(von einem mönch, der sich auf die erde geworfen hat)
und langsam ging sein fall an ihm vorbei.
er flog empor, als ob er flügel würde,
und sein erleichtertes gefühl verführte
ihn zu dem glauben seiner vogelwerdung
R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 261;
der widersinn selbst liegt vielmehr in dem glauben, dasz das chaos der wahrnehmungsinhalte schon dadurch in eine physikalisch-chemische welt eingegliedert werde, dasz ich zu den wahrnehmungsinhalten den vorstellungsinhalt ... hinzufüge J. Volkelt quellen d. menschl. gewiszheit (1906) 59; wohl von dem glauben ausgehend, dasz acht lahme ineinander gehängt sicherlich einen gladiator ergeben A. Hitler m. kampf (1933) 577. mit formalem anschlusz an II A 4: Hesz stand noch in dem guten glauben, dasz ... D. Fr. Strausz ges. schr. (1877) 3, 8; (sie) liesz mich ihre tägliche frage in dem guten glauben beantworten, dasz es nicht so viel auf sich hätte G. Keller ges. w. (1889) 2, 46; loss en of seim gude gl. (seinem irrtum) rhein. wb. 2, 1260; mⁱr wëˡˡᵉn ⁱʰne uf ᵈem gueteⁿ gl. loⁿ (in seinem irrtum nicht stören) Martin-Lienhart 1, 254. — als feste wendung erscheint vom 16. bis 18. jh. jemanden auf dem glauben lassen, wo heutige sprache in oder bei verwendet: damit er aber ... die Teutschen auff dem glauben liesze (dasz das feindliche kriegsvolk sich lagern wolle) Fronsperger kriegsbuch 3 (1596) 234ᵃ; sie lieszen dasselbe (publikum) auff dem glauben, dasz die entzündung der maschine ... zufall gewesen sey Wieland s. w. (1794) 30, 100; die frau nahm das für eine absichtliche gewaltthat, und der schneider liesz sie, plötzlich von klugheit erleuchtet, bei diesem glauben, um sein ansehen zu stärken und seine kraft zu zeigen G. Keller ges. w. 6, 230; ebenso jemandem den glauben lassen: die alte hatte den rohen menschen nach und nach zahm gemacht, indem ... sie ihm den glauben liesz, als wenn Felix sein sohn sei Göthe 23, 111 W.; laszt ihm seinen glauben (er sei ein wohlhabender mann), ... helft ihm, wo ihr könnt H. Eckmann d. stein im acker (1937) 189. auf den glauben bringen: (Margarete von Parma) führte den verderblichen herzog von Alba über das land herbei, weil sie den könig auf den glauben gebracht hatte, dasz die unruhen in den provinzen weniger der härte seiner verordnungen als der unzuverlässigkeit des werkzeugs ... beizumessen seien Schiller 7, 329 G.
IV.
aus dem bereich des übernatürlich-religiösen (glaube I) wird glaube im 18. jh. mit besonderem sinngehalt auf das gebiet des natürlich-diesseitigen übertragen und bedeutet hier zumeist ein starkes, gefühlsmäsziges verhältnis zu innerweltlichen werten, idealen, persönlichkeiten u. s. w., das an innerer kraft und sittlichem gehalt dem religiösen glauben verwandt erscheint.
A.
mit einem besonderen, meist durch an verbundenen objekt.
1)
auf personen bezogen, an glaube I A 1 a anschlieszend und mit II A 1 a vermischt; vgl. auchan einen glauben (s. sp. 7845). glaube an jem. 'vertrauen auf den sittlichen wert, die geistige kraft oder schöpferische leistung'; zunächst glaube an sich selbst, anscheinend eine prägung der neuhumanistischen zeit: unser glauben an uns selbst, um ein neumodisches kraftwort zu gebrauchen, läszt nicht zu, die frage zu beantworten allg. deutsche bibl. (1777) 31, 2, 486;
hab glauben an dich selbst
Schiller 13, 205 G.;
dem bescheidenen ... Deutschen ist der glaube an sich selbst von jeher sehr schwer geworden Göthe 48, 18 W.; Theodor hat recht, mag denn die zeit auch vieles umgestaltet haben, fest steht doch in unserm innern der glaube an uns selbst E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 11 Gr.; vorbedingung zur erreichung dieses zieles ist, dasz ein volk das bewusztsein seiner selbst, das wissen um sich selbst, den glauben an sich selbst erhält Arthur Hübner Jac. Grimm 14 in: Berliner sitzungsber. (1935); nationalitäten, die uns heute in offener fehde oder in feindlichem misztrauen gegenüber stehen, verdanken ihren glauben an sich und einen teil ihrer waffen der deutschen literatur und dem zeughaus der deutschen wissenschaft Edward Schröder dtsche namenkunde (1938) 1; ähnlich: so nahm man dem leben ... den glauben an sich O. Ludwig ges. schriften 5, 56 E. Schm.; da das nun aber alles ... vollkommen tonlos abläuft, so bedarf es wirklich einiger innern harmonie, um das ohr aufrecht zu erhalten, welches blos möglich ist im glauben an dich und was du thust und schätzest Göthe IV 29, 55 W. in bezug auf eine zweite person: mache meinen glauben an dich wahr A. Stifter briefw. 2, 179; dieses glück ist ein ungetrübt reines geblieben, denn niemals hat mein glaube an Wagner gewankt H. St. Chamberlain lebenswege (1919) 104. weltanschaulich-politisch, auf eine politisch und geistig führende persönlichkeit gerichtet als unbedingtes vertrauen sowohl zu der sittlichen lauterkeit ihres wollens wie zu ihrer fähigkeit, die richtigen ziele zu erkennen und die besten wege dahin zu weisen, z. b. unser glaube an den führer. — anders, mehr auf das persönliche vertrauensverhältnis, die gegenseitige zuneigung zielend: bleibt in der liebe und glauben an mich (aufforderung Göthes von Rom aus an die freunde in der heimat) Göthe 32, 7 W.; wenn du so leicht den glauben an mich verlieren kannst, wo sollen wir beide frieden und ruhe hernehmen? Iffland theatr. w. (1827) 2, 249; vieles ist seitdem verändert, unsere freundschaft aber und unser gegenseitiger glaube aneinander nicht briefe v. u. an Herwegh (1896) 21.
2)
auf nicht individuell-persönliche objekte angewandt.
a)
glaube an die menschheit, die welt u. ähnl. als 'innere gewiszheit, dasz die menschheit, die welt u. s. w. ethische werte und kräfte aufzuweisen hat': ein junger mann, der mit hohen begriffen von liebe und freundschaft durch die unempfindlichkeit der meisten menschen von dem glauben an die menschheit abgewandt worden wäre Solger nachgel. schr. (1826) 1, 15; eine längere gemeinschaft der menschen vermindert die neigungen, den glauben an ihr geschlecht Novalis schr. 2, 25 Minor; ich fürchte meinen glauben an die menschen zu verlieren, an mich selbst, an alles gute in der welt kriegsbriefe gefallener studenten (1928) 22 Witkop; ich überdachte stiller mein schicksal, meinen glauben an die welt Hölderlin ges. dicht. 2, 95 Litzm.; (er) konnte ... jetzt das leben nach herzenslust genieszen. er hat es auch gethan; bald war ihm nichts mehr heilig; und so verlor er den glauben an die welt, dann an sich selbst und schlieszlich an gott Greber Lucie (1901) 45.
b)
vertrauen zur gültigkeit sittlicher werte und ideale, wobei III B 1 b insofern hereinkreuzt als auch die gewiszheit von ihrer existenz gegenstand dieses glaubens ist:
der glaube an die tugend wankt
Klinger w. (1809) 5, 158;
er ist dahin, der süsze glaube
an wesen (die ideale), die mein traum gebahr
Schiller 11, 23 G.;
der segen einer heiteren weltanschauung, der glaube an das gute ... war der mindeste lohn, den das schicksal einem so herzlich guten menschen (wie Wilhelm Grimm) schuldete W. Scherer kl. schr. 1, 52; ihr habt den glauben an alles grosze verloren Hölderlin s. w. 2, 136 v. Hellingrath; hierher auch: das heer hielt gegenüber dem jüdisch-demokratischen gedanken einer blinden anbetung der zahl den glauben an die persönlichkeit hoch A. Hitler m. kampf (1933) 308.
c)
zuversichtliches vertrauen auf äuszere und innere kräfte, die menschlichem wollen und wünschen erfolg verheiszen, z. b. glaube an das glück u. ähnl.: wir werden sie alle überleben, wenn wir nur den glauben an unsern stern bewahren W. Beumelburg reich u. Rom (1937) 28; jetzt bin ich ruhig durch ... den glauben an zureichende kraft meines wesens Schiller br. 1, 411 Jonas; wenn es einen glauben gibt, der berge versetzen kann, so ist es der glaube an die eigne kraft M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 7; von diesem augenblick an datiert sich ... mein glaube an mein inneres musikalisches talent E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 44 Gr.; ist aber dem dichter nicht ein inniger glaube an die menschliche regierung des schicksals unentbehrlich? Novalis schr. 4, 166 Minor; vergleichbar auch: noch vor einer stunde klagten wir das jahr an, das von uns geschieden war, ohne uns freude zu bringen. wir hatten den glauben an die zeit verloren, o und wie herrlich brach sie über uns herein Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 275.
d)
feste überzeugung, dasz wissenschaftliche, weltanschauliche oder politische lehren und systeme einen der wahrheit entsprechenden, ethisch wertvollen, dem allgemeinen heile dienenden inhalt besitzen; vereinzelt mit objektsgenetiv: der glaube einer verknüpfung unsers geistes mit der unsichtbaren welt Wieland s. w. (1794) 3, 410; das schrecklichste, was ein geist denken kann ...: der blinde glaube ans system Bettine d. buch gehört d. könig (1843) 2, 341; der jeweilig regierende kaiser ist nur der exponent für den glauben an die majestät des reiches U. v. Wilamowitz-Möllendorff glaube d. Hellenen (1931) 2, 430. — unbedingte zuversicht, dasz ideale, ziele, aufgaben und erstrebte lebensformen ihre verwirklichung finden: ich kann dir gar nicht sagen, wie meine verehrung, meine leidenschaftliche liebe, mein glaube an Deutschland zunimmt Chamberlain lebenswege (1919) 59; deshalb ist es aber erst recht notwendig, den rechenmeistern der derzeitigen realen republik den glauben an ein ideales reich gegenüberzustellen A. Hitler m. kampf (1933) 487; die überzeugung vom recht der anwendung selbst brutalster waffen ist stets gebunden an das vorhandensein eines fanatischen glaubens an die notwendigkeit des sieges einer umwälzenden neuen ordnung dieser erde 597; für das reich musz man sterben und für den glauben an das reich. es musz aber dieser glaube so stark sein, dasz er durch nichts erschüttert werden kann, denn nur aus solchem glauben vermag das reich zu wachsen W. Beumelburg Mont Royal (1936) 114.
B.
ohne besondere objektsangabe.
1)
'vertrauen zur wohlwollenden gesinnung eines menschen', vgl.A 1: Bettina, sei nicht so ungeduldig, dir fehlt ganz und gar der glaube ..., habe also volles ... vertrauen zu mir fürst Pückler briefw. 1, 96; wenn ihr euch nicht im glauben und zutrauen an einen freund halten mögt, den ihr lange genug kennt Göthe IV 9, 113 W.; beyde waren mit glauben und neigung zu mir gekommen 27, 4.
2)
für eine überzeugung, die als wesentlicher teil der weltanschauung eines menschen gelten darf; künstlerischwissenschaftlich: am meisten umfang ... hat eines, bund der kirche mit den künsten genannt, und ist nach unserer ansicht besonders merkwürdig, weil es als ein allgemeines bekenntnisz des damaligen zustandes dieser neuen lehre und glaubens in den künsten darf angesehen werden Göthe 49, 36 W.; dasz sein poetischer glaube wohl nicht vom politischen zu sondern ist Tieck schr. (1828) 1, xii; die gemeinde, der das herz schlug für ihren glauben (die ernsthafte wissenschaft), ist heute ein kleines häuflein geworden U. v. Wilamowitz-Möllendorff briefwechsel (1934) 10. philosophisch, 'weltanschauung', vgl. vernunftglaube: es ist vielmehr dieser sogenannte glaube des gesunden menschenverstandes bei den englischen philosophen ein gemachter Fr. Schlegel s. w. (1846) 2, 157; allgemeiner gefaszt: ich denke mir die welt am liebsten, wie ein häuslich leben, wo jedes, ohne gerade dran zu denken, sich ins andere schickt, und wo man sich einander zum gefallen und zur freude lebt, weil es eben so vom herzen kömmt. — froher, erhabener glaube! rief ich Hölderlin s. w. 2, 157 v. Hellingrath.
3)
für ein unbedingtes vertrauen zur eigenen kraft, zum heilsamen walten des schicksals, vor allem aber zur macht und verwirklichung sittlicher, politischer, nationaler ideale und ziele u. s. w., die dem bereich der weltanschauung angehören; glaube kennzeichnet hier oft in besonderem masze eine dem religiösen empfinden nach stärke und würde vergleichbare gesinnung, deren ursprung im irrationalen liegt: mir mögten manchmal die knie zusammenbrechen, so schwer wird das kreuz, das man fast ganz allein trägt, wenn ich nicht wieder den leichtsinn hätte und die überzeugung, dasz glaube und harren alles überwindet Göthe IV 4, 245 W.; wenn du das mittlere gedicht von den drey beykommenden auf dich beziehen und es deiner liedertafel, zur stärkung des glaubens aller wohlgesinnten, widmen willst, so werd ich dir dank wissen 40, 69;
auf des glaubens sonnenberge
sieht man ihre (der freude) fahnen wehn,
durch den risz gesprengter särge
sie im chor der engel stehn
Schiller 4, 13 G.;
wer nicht den glauben hat, für den bemühn
sich die dämonen in verlornen wundern
12, 208 anm.;
sollte es (das licht) nie zu seinen kindern wiederkommen, die mit der unschuld glauben seiner harren? Novalis schr. 1, 9 Minor; mein leben und mein glaube ... sind ja dein Bettine Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 86; festhalten an der idee, — sie über das sichtbare, mit händen zu fassende stellen, glauben, weil wir den bürgen des glaubens in unserm eigenen herzen finden Fouqué gefühle, bilder u. ansichten (1819) 1, 22; die traurigsten erfahrungen werden einen muth nicht dämpfen, der in unserm eigenen busen die quelle des schöneren glaubens findet Caroline br. 1, 70 Waitz; dein leben war noch fast ohne nüchterne wirklichkeit, es war noch traum und glauben Otto Gmelin Konradin reitet (1933) 37; wie vermöchte er (Napoleon) dieses leben auszuhalten ..., die ganz unerhörte stellung eines dictators, wenn nicht ein zug von begeisterung, sanguinischem glauben in ihm wären? G. Freytag ges. w. 13, 112;
der glaube führt, die treue folgt, und liebe
durchglühet alle, gibt den händen kraft,
zu helfen, wenn der bruder hilfe heischt
Ernst Leibl zeit unterm stern (1931) 48;
(dort) stand ein saal voll menschen vor mir, zusammengeschlossen von einer neuen überzeugung, einem neuen glauben, von einem neuen willen A. Hitler m. kampf (1933) 405; aus einer allgemeinen weltanschauung musz ein bestimmter, politischer glaube geprägt werden 418: wir brauchen für unsern staatlichen glauben die tradition, wir brauchen das bewusztsein innern zusammenhangs A. Hübner Arndt u. d. deutsche gedanke (1925) 6; Stein: 'das ist fatalismus!' Scharnhorst: 'das ist glaube!' R. Hohlbaum Stein (1934) 178; sanken aber Luther und seine reformation, so fiel auch die hoffnung auf ein neues Deutschland, denn beide nährten sich vom glauben wie zwillinge an den brüsten ein und derselben mutter W. Beumelburg reich u. Rom (1937) 224; die werke deutscher gesinnung, deutschen glaubens, deutscher grösze wachsen und verdrängen den schutt der vergangenheit O. Paust land im licht (1937) 671.
Zitationshilfe
„glaube“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/glaube>, abgerufen am 26.08.2019.

Weitere Informationen …