glaubensgrund m
Fundstelle: Lfg. 8 (1939), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 7861, Z. 44
1)
zu glaube I A 1 u. 2 bzw. B 1 und grund IV B 1, vgl. der glaub (ist) unsers hayls anfang und grund Berth. v. Chiemsee t. theol. 10 Reithm.objektiv, 'grundlage des religiösen glaubens'; poetisch von Christi mund, aus dem die glaubenslehren geflossen sind:
o süszer mund,
o glaubensgrund,
wie bist du doch zuschlagen (zerschlagen)
Joh. Rist bei Fischer-Tümpel kirchenlied 2, 172;
meist bestimmter von den lehrwahrheiten, der heilsordnung u. dgl.: Ignatius sagt von der gewiszheit des glaubensgrundes Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 50ᵇ; die papisten und Lutheraner (seien) in fundamento fidei, im glaubensgrunde, einander gantz zuwider Sperling Nicodemus (1719) 2, 425; hier vermischet der herr graf den lehrgrund und den glaubensgrund miteinander Fresenius bew. nachr. (1746) 1, 542; die lehrer der kirche, die gegen jede verstümmelung des symbols als eines historischen glaubensgrundes sich eifrig erklärten Herder 19, 209 S.; Hulsius ... setzt mit recht geradezu an die stelle des testimonium internum den vernunftbeweis als letzten glaubensgrund Tholuck vorgesch. d. rational. (1853) 1, 2, 249; (die Dominikaner) saszen über den schriften und suchten mit eifer und scharfsinn den glaubensgrund ab W. Schäfer d. 13. bücher v. d. dt. seele (1925) 183. 'grundlegende glaubenslehre', 'fundamentalsatz der religiösen überzeugung': die Jontyfer (sind) schlecht und einfältig, sowohl in ihren glaubensgründen, als auch in ihrem bürgerlichen handel und wandel W. Schultz ostind. reise (1676) 182ᵇ; einer abergläubischen lehre: ich hoffe aber, wer nur ein wenig nachsinnen kan, der würde begreiffen können, dasz dieser (dasz erstgeborene kinder nie den namen der eltern bekommen dürfen, da sie sonst eher sterben) und alle andere solche glaubensgründe nicht einen pfifferling werth sind J. G. Schmidt gestr. rockenphilos. (1706) 1, 54. subjektiv, 'innere basis des glaubens im menschen': auch begehret er (der schuster) in Christo nach seinem inwendigen glaubensgrunde mit Christo und in Christo vergöttert zu werden Jak. Böhme apologien (1682) 358;
die tauff ist ja der bund,
so macht ein gut gewissen,
und festen glaubensgrund
Joh. Maukisch bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 121;
der glaubensgrund, aus dem alle guten werke flieszen müszten, fehlte dir also gänzlich Jung-Stilling s. schr. (1835) 2, 103; das alles hatte einst den glaubensgrund gebildet, der mich getragen, dem ich mich anvertraut hatte A. Winnig d. weite weg (1932) 381. 'festigkeit, stärke des glaubens':
lasz mir nichts liebers seyn, als dich mit freuden preisen,
und meinen glaubensgrund auch mit der that beweisen
M. Rinckhart bei Fischer-Tümpel 1, 468.
2)
zu grund IV C 'ursache, motiv des glaubens'; religiös (glaube I): dasz die alttestamentischen weissagungen für uns nicht ... glaubensgründe sein können in dem sinn, dasz wir deswegen an Christum glaubten Schleiermacher s. w. (1834) I 4, 466. zu glaube III B 'ursache, etwas für wahr, richtig zu halten': ich (möchte) wohl von dir hören, was für einen glaubensgrund du hattest ..., bey den andern (philosophen) vorbeyzugehen und gerade den stoischen den vorzug zu geben? Wieland Lucian (1788) 5, 22; für diese göttliche autorität (findet) selbst kein anderer glaubensgrund statt, als die vernunftmäszigkeit Fichte s. w. (1845) 5, 120.
3)
vereinzelt in bildlichen verwendungen anderen sinnes; zu glaube I A 1 und grund II A: die textträher ... holtz, heu, stoppeln auff den glaubensgrund bauen Dannhauer cat.-milch (1657) 1, 432; zu grund I A: sie ward irre nicht am herrn, aber an seiner schickung, das that ihr so weh, und dasz sie Jakob in die welt hinausgeschleudert sehen muszte, ehe er seinen anker in guten glaubensgrund hatte fallen lassen Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 11, 330.
Zitationshilfe
„glaubensgrund“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/glaubensgrund>, abgerufen am 15.10.2019.

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