gluck
Fundstelle: Lfg. 2 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 225, Z. 1
schallnachahmendes wort, mit kluck (s. teil 5, 1258) wechselnd (s.klucken und glucken), gern in wiederholung gluck gluck, vgl. auch glu (gluglu) sp. 224 und unten glunk.
1)
naturlaut der hühner, sei es der lockruf, mit dem die henne die küchlein ruft (Campe 2, 407), sei es sonstiges gackern, vgl.gluck ... vox gallinis propria, seu cum ovis incubiturae sunt, seu cum pullos ducunt et advocant Stieler (1691) 674. bildlich: du bleibst heut bei mir und auch für künftig brauchst blosz: gluck, gluck zu rufen, so renn ich dir unter die flüg wie das küchlein der alten henn Anzengruber ges. w. (1890) 3, 135. anderseits auch als lockruf zum rufen der hühner Fischer schwäb. wb. 3, 709; mulieres quoque pullos gallinarum hac voce gluck, gluck, gluck, quando illis escam proiicere volunt, alliciunt Stieler 674; auch vom hahn:
dann ruft er (der hahn) alle hennen
mit gluck gluck gluck zu hauf
Fr. Güll kinderheimath (1846) 142.
2)
für das geräusch, das beim gieszen aus einer flasche bzw. einem gefäsz mit engem hals oder beim trinken entsteht, vgl. lothr. glugluck Follmann 209:
o fläscherl, hübsch und fein,
gefüllt mit branntewein! ...
gluk gluk, gluk gluk, gluk ...
o goldner branntewein,
wie süsz schlüpfst du hinein!
Schubart s. ged. (1825) 3, 81;
ich und mein fläschchen sind immer beisammen!
niemand versteht sich so herrlich als wir!
steht auch der erdball in feuer und flammen,
sprichts doch in zärtlichster liebe zu mir:
gluck, gluck, gluck! gluck, gluck, gluck!
liebliche schöne, zaubrische töne!
und sie verstehet der moor und kalmuck
Langbein s. schr. (1841) 2, 175.
gluck gluck machen braf sauffen Rädlein (1711) 395ᵃ; gluckgluck machen 'wacker trinken' (Österreich, Pfalz) v. Klein dt. provinzialwb. (1792) 1, 152; gluck der laut beim trinken mancher personen. daher gern gluckgluck machen, oder mit einem worte glucken gern trinken Bernd Posen (1820) 76; 'aus der flasche trinken' K. Rother d. schles. sprichw. (1928) 100: du erschrickst, schwester, wenn der krug macht gluck, gluck, gluck Eichendorff Lucanor (1840) 53; vgl.glu, ↗glu machen sp. 224. auch vom stärkeren geräusch beim ausflieszen des letzten inhalts aus einer flasche: aber plötzlich heists: gluck, gluck! und der letzte tropfen ist heraus! Hebbel w. 11, 379 Werner.
3)
vom gluckenden geräusch flieszenden gewässers:
ein bächlein murmelt wo gluckgluckgluckgluck
Liliencron s. w.⁹ 11, 108.
gluck m.
Fundstelle: Lfg. 2 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 225, Z. 52
vgl.kluck, ↗klück, m., teil 5, 1258; wohl eher rückbildung zu glucken (vgl. unten glucks) als substantivierung der interjektion gluck (kluck); letzteres ist der fall in der verdoppelung gluck-gluck, gluckgluck, die daher neutrum ist.
1)
das glucken der hühner, wenn sie brütig sind, brüten oder junge führen, wohl auch das hühnerweh, der erregte reizbare zustand, in dem sich die hennen zu dieser zeit befinden; belege jedoch nur mit anlautendem k, s. teil 5, 1258 und Höfler krankheitsnamenbuch 276ᵇ. in der verdoppelung auch übertragen: der name blieb, nun alle contretänze zu bezeichnen, die nach dem tanzen der poule (huhn) geschrieben wurden, obgleich spätere melodien mit dem gluck-gluck nichts gemein hatten F. M. Böhme gesch. d. tanzes (1886) 224.
2)
schluck, was man auf einen zug trinken kann: ist aber der wein nach deinem schleckermaul, so setze niemal ab, sondern schlinge die gläser auf einen gluck hinein L. Tölpel baurenmoral (1752) 42;
und wieder sasz beim weine ...
der herr vom Rodensteine
mit schwerem schluck und gluck
Scheffel gaudeamus¹⁴⁰ 78;
ich that betrübt den letzten gluck
Baumbach lieder e. fahr. gesellen (1878) 13.
in der wiederholung vom geräusch des trinkens bzw. vom ausgieszen der flasche: denn wer weisz nicht, dasz der trunkenbold sich an nichts sonst vergnüget als an einem frisch eingeschenkten glase, da das gluck, gluck, gluck in floribus zum halse hinein gehet G. Dexelius histor. lustgarten (1701) )( 3ᵃ;
in gluck-gluck leb ich,
in gluck-gluck schweb ich
Mittler dtsche volkslieder (1865) 935.
glück n
Fundstelle: Lfg. 2 (1941), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 226, Z. 8

Unterbegriffe in diesem Artikel

herkunft. das wort tritt erst spät auf: mhd. gelücke n., selten lück n., mnl. ghelucke, geluc n., lucke, luc n., mnd. gelucke, lucke n., daraus entlehnt afries. luck n., mittelengl. lukke, luk (15. jh.), engl. luck, spätanord. lukke, lykka f. (14. jh.), ädän. lykkæ, lukkæ f., dän. lykke f., mittelschwed. lykka, löcka f., schwed. lycka f. obwohl für das nl. frühe belege fehlen, scheint man ein altndfrk. *galukki voraussetzen zu können. nichts zu tun hat mit glück entgegen vielfachen versuchen (zuletzt Trübners dt. wb. 3, 1939) die ahd. glosse viridante giluchemo ahd. glossen 2, 444, 60 St.-S.die herkunft des wortes ist unsicher. von allen ableitungen ist keine überzeugend; am ehesten sprechen noch die unten bei b und f vorgetragenen an. alle ableitungen lassen jedoch das späte und beschränkte auftreten des wortes unerklärt. es stehen sich in der hauptsache gegenüber
a)
die seit dem 17. jh. (z. b. Henisch 1654, Stieler 674) vielfach vertretene ableitung von gelingen (z. b. Walter in: zs. f. vergl. sprachforsch. 12, 383 anm. 2, Paul in Paul-Braunes beitr. 7, 133 anm., woordenboek d. ndl. taal 4, 1290, E. Schröder im anz. f. dtsch. altert. 23, 157 f., Franck-van Wijck² 184, Murray 6, 486, erwägend Walde-Pokorny 2, 426); so lockend sie sich darbietet, ist sie doch besonders im hinblick auf die nordwestl. herkunft des wortes abzulehnen; denn gelingen ist gerade dem ndfrk. fremd (im mnl. nur im osten unter deutschem einflusz). die als parallele genannten ruck (angeblich zu ringen), druck (angeblich zu dringen) gehören in andere zusammenhänge, s. Walde-Pokorny 1, 731; 735; 759; 2, 361; 1, 273; das von Murray genannte schluck zu schlingen (ganz jung ˂ slinden) ist unhaltbar, ebensowenig halten die andern in Paul-Braunes beitr. 7, 133 anm. angeführten parallelen stich.
b)
zusammenhang mit der idg. wurzel leug- 'biegen', aus der sich über die bedeutung 'zubiegen, zuziehen' die germ. sippe 'schlieszen, öffnen' entwickelt hat: got. galūkan 'schlieszen, einschlieszen', uslūkan 'aufschlieszen', ahd. lūhhan 'schlieszen', antlūhhan 'aufschlieszen', as. bilūkan 'verschlieszen', antlūkan 'erschlieszen, öffnen', mnl. lūken 'schlieszen, decken, aufschlieszen, sich schlieszen', ags. lūcan 'schlieszen, beenden, öffnen', anord. lūka 'schlieszen, aufschlieszen, beendigen'; dazu mit ablaut got. usluks 'öffnung', ahd. loh, loch 'verschlusz, höhle, öffnung', ags. loc 'verschlusz, riegel, gefängnis', anord. lok 'schlusz, deckel, ende', loka 'türschlosz', ahd. lucka, mhd. lucke, lücke 'lücke, loch'; daneben germ. *lukjan, anord. lykja, schwed. lykja, dän. lukke 'schlieszen, verschlieszen'; die bedeutung 'biegen, krümmen' liegt zugrunde ahd. loc, as. afries. lok, ags. loce, anord. lokkr 'locke' und anord. lykkja 'biegung, krümmung, schlinge eines taus', lykna 'die knie beugen, sich krümmen' (weiteres s. Walde-Pokorny 2, 413 f., Falk-Torp 681 unter løkke). die von Heyne (dtsch. wb.² 1, 1209) angesetzte bedeutung 'flechten, knüpfen, verknüpfen' (glück dann 'schicksalsknüpfung und gewebe des schicksals seitens der göttlichen mächte') gibt es im germ. nicht. glück hätte sich nach Falk-Torp 669, Torp nynorsk etym. wb. 394 und Walde-Pokorny 2, 414 aus dem verbalbegriff 'sich zusammenbiegen, zusammenneigen' = 'sich gut treffen' entwickelt, was auf die grundbedeutung 'glücklicher zufall' führen würde; doch ist diese günstige bedeutung erst abgeleitet, vgl. unten I. die ursprünglich neutrale bedeutung von glück würde sich in einklang bringen lassen mit 'art, wie sich etwas biegt, d. h. ausläuft' (Hellquist etym. ordb. 431) oder noch besser 'art, wie sich etwas schlieszt, endigt' (vgl. die übertragene bedeutung von ags. lūcan, anord. lūka). für die bedeutungsentwicklung wäre zu vergleichen altbulg. pri-ključiti sę 'sich ereignen' zu ključiti 'schlieszen', ključь 'schlüssel', vgl. H. Petersen ark. f. nord. filol. 24 (1908) 300.
c)
ableitung von derselben wurzel leug- 'biegen', aber mit ganz anderem ausgangspunkt vertritt H. Güntert in: wörter u. sachen 11, 135; grundlage wäre *lukian 'krummes gebilde, glücksamulett', wozu als bedeutungsparallelen lett. kļūtas 'schicksal, ereignis', lit. nekliūtas 'unheil, schlechtigkeit' zu kliúti 'anhaken, hängen bleiben', ir. cló 'nagel', russ. kl'uká 'krücke, krummstab' u. ä. sowie aisl. kapp 'glück' zu lit. kabė́ti 'hangen' ohne überzeugungskraft verglichen werden.
d)
gleichfalls von derselben wurzel, aber mit besonderer anknüpfung an griech. λύγος 'weidenrute, biegsame gerte', λύγινος 'geflochten' leitet O. Heinertz (etymol. studien z. ahd. [1927] 27) glück her und setzt als grundbedeutung an 'umzäunte ackerstücke, die zu bestimmten zeiten durch das los verteilt wurden', dann 'los, günstiges los', während die konkrete grundbedeutung in altnorweg. lyk(k)ja, schwed. lycka 'kleines eingezäuntes grundstück', norweg. lykkja 'umzäuntes ackerstück, kleiner hof mit garten und acker', dän. lykke 'eingezäuntes feld' erhalten ist. aber wann und wo wurden umzäunte ackerstücke verlost?
e)
zusammenhang mit der sippe 'locken', ahd. lockōn, lucchen, mhd. locken, lücken (lucken), mnl. locken (mnd. nur locke f. 'lockung'), ags. loccian, anord. lokka, als deren grundbedeutung 'sich (durch worte, gebärden) freundlich gegen jem. erweisen (um ihn zu gewinnen)' anzusetzen ist, vgl. lit. lūgoti, lett. lùgt 'bitten, flehen' (-kk- lautsymbolische dehnung, s. Endzelin in: zs. f. vergl. sprachforsch. 52, 115; Wissmann nomina postverbalia 1, 176). als grundbedeutung von glück ergäbe sich dann 'günstiges geschick', was mit der doppelseitigkeit der frühen belege schwer in einklang zu bringen ist.
f)
van Wijk in: tijdschr. v. nederl. taal- en letterk. 35 (1916) 39 ff. (so auch v. Haeringen suppl. zu Franck-v. Wijk [1936] 55) stellt glück zu einer idg. wurzel leug (als [i]ja-bildung zu einer partizipialform idg. *luqnó), die in slav. lučiti 'treffen, erlangen' vorliegt, vgl. altbulg. lučiti sę 'τυγχάνειν, contingere', prilučiti sę 'λαγχάνειν, τυγχάνειν, γίγνεσθαι', sъ-lučajь, pri-lučajь 'zufall, gelegenheit', po-lučajь 'los', russ. u-lučьe, kleinruss. po-łuka 'erfolg, gelingen', bulg. s-po-luka dass.; altbulg. po-lučiti, serb. po-lučiti, russ. po-lučit 'bekommen'; dazu Berneker slav. etymol. wb. 1, 742; die wurzel ist wahrscheinlich identisch mit *leug 'leuchten, glänzen, sehen' (vgl. licht). doch spricht gegen diese etymologie, dasz es die angenommene assimilation von n an vorhergehenden verschluszlaut nicht gibt, s. Trautmann germ. lautgesetze 1906, 63 ff., Wissmann nomina postverbalia 1, 160 ff.; man könnte diesem einwand entgehen, wenn man glück als *galukja- auf eine neben leuq stehende wurzelvariante leug, die vielleicht durchs keltische bezeugt wird (s. Walde-Pokorny 2, 410), zurückführt oder als *galukkja- mit lautsymbolischer dehnung bei gleichzeitiger verschärfung erklärt.
verbreitung und auftreten. ins deutsche dringt glück vom Rhein aus: um 1160 (sol is gelucke walden Straszb. Alexander 6292 Kinzel als selbständiger zusatz gegenüber der quelle) bereits in Rheinfranken bzw. der rhein. lit.-sprache heimisch, wird es mit der von nordwesten kommenden welle höfisch-ritterlicher kultur weitergetragen; besonders wirkt Heinrich v. Veldeke fördernd; bei Hartmann noch selten, wird es bei Gottfried v. Straszburg und besonders bei Wolfram häufiger. so tritt es in konkurrenz zu den beiden hauptvertretern des begriffsfeldes sælde (westgerm. bildung zu urgerm. sēl-) und heil (gemeingerm.); sælde, das mit der höfisch-ritterlichen weltanschauung eine enge verbindung eingeht, herrscht während der blütezeit stark vor, wird dann aber mit dem niedergang der höfischen kultur immer mehr zurückgedrängt, vgl. Regina Strümpell gebrauch und bedeutung von sælde, sælic und verwandten bei mhd. dichtern (1917) und Th. Scharmann studien über die sœlde in d. ritterl. dichtung d. 12. u. 13. jh. (1934). wenn sælde auch noch im 15. und 16. jh. belegt ist (s. teil 10, 1, sp. 501f.), so wird es doch schon im 15. jh. in hss. und drucken gern durch glück ersetzt (z. b. Stricker Daniel 3374, 3993 R.; Hugo v. Trimberg renner 13644 E., vgl. P. Warlies d. Frankf. druck d. renner 69ᵃ). während sich heil fast unangetastet hält (s. teil 4, 2, sp. 817f.), erfährt das jüngere sælekeit starke inhaltliche einschränkung (s. teil 10, 1, sp. 528 ff.). von den in spezieller bedeutung synonymen mhd. worten linge, gelinc, gelinge, aventiurgelinge, wolgelinge, gevelle, aventiure, fortûne, spuot (besonders nrhein., vgl. das nl.), framspuot, framspuoticheit kann sich schriftsprachlich auf die dauer in verwandter bedeutung nur gelingen und das gelehrt immer wieder aufgefrischte meist personifizierte fortuna behaupten, während anderseits fall, zufall, glücksfall, geschick, schicksal, los, zeitweise auch schanze, segen raum gewinnen und z. t. ältere bedeutungen von glück übernehmen; jünger ist für teilbedeutungen die konkurrenz von erfolg (seit dem 17. jh.), stern, wohlfahrt, wohlstand und von vulgärworten wie schwein, sau, dusel, torkel. das späte auftreten von gelücke läszt sich nicht mit sicherheit erklären. die besonders von Heyne vertretene auffassung (dtsch. wb² 1, 1209), es habe 'sich zu einem heidnisch-religiösen begriff entfaltet gehabt, schicksalsknüpfung und gewebe des geschicks seitens der göttlichen mächte bezeichnend' und sei 'darum von den christlichen missionaren zurückgedrängt und im gebrauche erst wieder hervorgetreten, als der heidnische sinn des wortes gänzlich verschwunden war', ist angesichts der christlichen umfärbung verwandter heidnischer begriffe (vgl. besonders as. metod und wurd für 'schicksal, tod') nicht erweisbar und findet im etymologischen wie im religionsgeschichtlichen keine ausreichende stütze. auch eine anknüpfung an den begriff der hamingja oder der fylgia über die allgemeine bedeutungsberührung hinaus (Jac. Grimm dt. mythologie³ 2, 828f.; Rocholz dt. glaube u. brauch [1869] 1, 92 ff.; P. Herrmann nord. mythologie [1903] 80) ist kaum statthaft (vgl. de Vries altgerm. religionsgesch. 2, 349; Ninck Wotan u. d. germ. schicksalsglaube [1931] 202; W. Gehl d. germ. schicksalsglaube [1939] 64 ff., 121 ff.). glück hatte wohl eher von anfang an örtlich beschränkte geltung; wenn es ein ursprünglich ndfrk. wort war, ist angesichts des geringfügigen materials die späte bezeugung nicht so sehr verwunderlich; von interesse ist zum vergleich, dasz belege für den begriff 'glück' in der älteren nord. dichtung bis auf Einarr skálaglamm wie in allen eddaliedern, die anspruch auf ein höheres alter machen können, gänzlich fehlen (Gehl schicksalsglaube 78). den mundarten ist glück heute wohl überall, wenn auch nicht mit gleicher stärke, geläufig. doch kennzeichnet es sich in den obd. mundarten als entlehnung, da es überall umlaut hat, auch dort, wo sonst vor ck der umlaut unterblieben ist, vgl. v. Bahder grundlagen d. nhd. lautsystems (1890) 202 ff., Strümpell a. a. o. 17 (mit lit.), Fischer schwäb. wb. 3, 712, Wiget Toggenburg 40. dasz es sich aber auch im obd. um ziemlich frühe aufnahme handelt, davon zeugt der vielfache wandel des vokals in übereinstimmung mit altem ü, weniger die entrundung, wobei lautsubstitution nahe läge (z. b. Claus Uri 52, Brun Obersaxen 118, Hotzenköcherle Mutten 119, Jutz alem. maa. 217 [im norden]), als die entwicklung zu ö (z. b. Tobler Appenzell 225, Vetsch Appenzell 148, 158, Enderlin Thurgau 172). allerdings konkurrieren mit glück im hochalem. und südl. schwäb. noch heute, zum mindesten in der bedeutung 'äuszeres glück, glücksfall', stark mhd. gevelle (vgl. schweiz. g'fell Staub-Tobler 1, 745 f., daneben auch fortune 1, 1043), im elsäss. die teilsynonyma schick und massel (Martin-Lienhart 2, 404 u. 1, 717). die nichterwähnung in einigen älteren md. wbb. (z. b. Kehrein Nassau, Vilmar-Pfister hess., Crecelius oberhess. [dagegen Hofmann niederhess. 108 glegə], Hertel Thüring.) darf schwerlich als fehlen in der mundart gedeutet werden, wenn auch für ein teilgebiet des begriffes in einigen landstrichen dusel volksläufiger ist (z. b. Hertel Thüring. 87, Gerbet Vogtland 216 u. 356); der herkunft von nordwesten entsprechend scheint glück allerdings in den westlichen mundarten früher heimisch geworden zu sein und daher bodenständigere formen aufzuweisen (z. b. Rovenhagen Aachen 42, 45 jelöcke, jlöck Leihener Cronenberg 46 gløke, Hoenig Köln 66 glöck, am Niederrhein (Krefeld) jlöck, Christa Trier 5 glögk, Follmann lothring. 208 glick, glek, luxemburg. wb. 148 glek, Kisch vergleichend. wb. d. Nösner u. moselfränk. ma. 93 gläck, gleck); doch weist auch im osten etwa die sprachinsel Schönwald in Oberschlesien mit ihrer altertümlichen form g'ẹlek'ẹ (Gusinde 69) auf frühe verwurzelung des wortes. im nd. findet sich entsprechend dem mnd. nebeneinander von gelucke, lucke teilweise noch die durch abwurf des präfixes entstandene form lukk, lükk, lükke, z. b. Berghaus Sassen 2, 434 u. 449, brem. wb. 3, 96, Schambach Gött.-Grubenh. 127; doch ist die form glück(e) stark im vorrücken (s. Schambach a. a. o.) oder hat sich bereits als einzige durchgesetzt, s. z. b. Woeste westfäl. 81, Berghaus 1, 580, Bauer-Collitz Waldeck 40, Mensing 2, 401 (ohne g nur noch das verbum lücken 2, 403 u. 3, 545), Frederking Hahlen 12, Böger Schwalenberg 151, Dähnert pomm.-rüg. 154, Frischbier preusz. 1, 238, Fischer Samland 53; wie im hochalem. g'fell, so tritt im nd. für die bedeutung 'glücksfall, blindes glück' z. t. slump in konkurrenz mit glück, vgl. Mensing 4, 572, Mi Mecklenburg.-Vorpomm. 81, Richey Hamburg 265, Damköhler Nordharz 169, Danneil Altmark 196.
form. glück ist auf deutschem boden stets starkes neutrum; die scheinbar schwache form in nd. taum glücken (z. b. Reuter stromtid 2, 158, 237, 274 Seelmann) ist urspr. wohl der subst. inf. gelücken, wenn sie heute auch auf das subst. bezogen wird, vgl. Mensing 2, 402. — ein plural ist dem mhd. im gegensatz zu andern abstrakten und insbesondere zu dem synonym sælde, aber in übereinstimmung mit heil fremd, während er im mnl. gelegentlich begegnet:
want in sinen ghelucken een man
sinen vrient niet kinnen can
rose 4775 bei Kausler denkm. 2, 162.
in der sprache der gegenwart ist glück plurallos; als ersatz tritt z. t. der plural glücksfälle ein. doch begegnet seit dem 17. jh., auf mehr oder weniger konkrete einzelfälle von glück bezogen, ein plural auf -e bzw. ohne endung:
für ein glück wirstu haben drei
Zinkgref auserles. ged. 48 ndr.;
ach leider! musz ich nun erfahren,
dasz sich zwey glücke selten paaren
Triller poet. betracht. (1750) 6, 553;
sechs glück ebda 2, 223; man denke hiebei nur an glücke wie der Rasumowski, Orlow, Potemkin ... usw. E. M. Arndt s. w. 1, 155 R.-M., vgl. ztschr. f. dtsch. wortforsch. 6, 217; beliebt bei Rilke: kindheiten von eltern und voreltern, ängste von sterbestunden, kleine glücke tagebücher 1899-1902 (1931) 388;
zufälle sind die menschen, stimmen, stücke,
alltage, ängste, viele kleine glücke
stundenbuch (⁵1912) 57;
erlenzweige,
die vom pulsschlag der tragenden hand
zusammenschwingen mit menschlichen glücken
K. Friedrich-Kossat hymn. jahr (1937) 8.
für die mundarten wird in der regel kein plural angegeben, gelegentlich sein fehlen ausdrücklich betont (z. b. Baumgartner Berner Seeland 143); ganz vereinzelt begegnet ein plural auf -er, s. Fischer schwäb. wb. 3, 710 (anders dagegen bei unglück, s. Staub-Tobler schweiz. id. 2, 622 und teil 11, 3, 992). kein plural liegt vor in der wendung tausend glück, wo tausend allein verstärkende kraft hat: dasz ich dir in gedanken tausend glück zu deiner veränderung gewünscht Lessing 18, 220 M., vgl. tusendglück Staub-Tobler 2, 623. das e des präfixes, das bereits mhd. häufig schwindet, wird besonders aus rhythmischen gründen im 16. und 17. jh. noch häufig bewahrt; bei Luther überwiegt die synkopierte form, s. Dietz 2, 139 f.; gelück s. z. b. Ringwaldt christl. warnung (1588) k 3ᵇ; Spreng Äneis (1610) 6ᵃ; Ilias 68ᵇ; 89ᵇ; Rachel satyr. ged. 32 ndr.; gelücke Chr. Günther 1, 8 lit. ver.; J. v. Besser schr. (1732) 1, 22; weitere belege s. Paul-Braunes beitr. 31, 315; für Maaler ist 1561 bereits glück die gültige normalform (nur ein beleg mit verweis unter gelück 166ᵃ); Stieler (1691) kennt nur noch synkopierte formen. wie bei glied (o. sp. 5) ist in den obd. mundarten die synkope so früh eingetreten, dasz gl- als stammhaft empfunden wurde und die schärfung des anlauts daher unterblieb, s. Enderlin Kesswil 117, Vetsch Appenzell 158, Henzen Freiburg 155 anm. 1, Wiget Toggenburg 113, Stucki Jaun 174, Jutz alem. mundarten 219; andererseits haben auszengebiete wie das lusernische und das cimbrische den präfixvokal festgehalten: galücke Schmeller cimbr. 144, gelükh Bacher Lusern 256. infolge der häufigen bzw. durchgehenden synkope des präfixvokales verlor das auslautende e die stütze, die es an der mit ge- abgeleiteten ja-gruppe hatte; es unterlag daher dem gleichen geschick wie das der einfachen ja-stämme, d. h. es wurde nicht nur obd., sondern auch md. weitgehend apokopiert. bereits bei Luther überwiegen die apokopierten formen, vgl. Dietz 2, 139 f., v. Bahder idg. forsch. 4, 363; auf obd. boden kennen Maaler (1561) 186ᵇ, ᶜ und Henisch (1616) 1654f. nur glück. dagegen hält sich auf md. und nordd. boden die zweisilbige form neben der apokopierten; für Bellin hochd. rechtschr. (1657) 124 ist glücke noch die normalform, für Gueintz dt. rechtschr. (1666) 75 dagegen glück. besonders bleibt hier glücke neben häufigerem glück in der dichtung lebendig und wirkt mit der dichtersprache des 17. jh. auch auf das obd. zurück, so dasz seitdem die zweisilbige form zu den freiheiten der poetischen sprache gehört; sie hat sich auch in der nordd. vulgärsprache erhalten (Paul dt. gramm. 2, 21; 1, 236), während Adelung wb. 2, 724 und Campe 2, 407 nur die einsilbige form anerkennen. belege für glücke bei Opitz und Fleming s. idg. forsch. 4, 363; Logau sinnged. 386 lit. ver.; Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 316; Lohenstein Arminius (1689) 1, 429; Chr. Weise erznarren 20 ndr.; ollapatrida 36, 15 Wiener ndr.; Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 309; Gottsched ged. (1751) 4 (bei ihm glücke fast ebenso häufig wie glück); nach Paul-Braunes beitr. 31, 323 vermeidet A. v. Haller die apokope, während (s. 320) Lessing die zweisilbige form nur ganz vereinzelt braucht; glücke ferner bei E. v. Kleist (1760) 1, 44; Schubart ged. 308 Hauff; vgl. 309; ein künftig glücke Göthe I 4, 199 W.; vgl.I 16, 191; dazu Fischer Goethewb. 302; ein beszres glücke Hölderlin 1, 37 Litzmann; das glücke (nom.) Tieck Genovefa (1820) 46. der stammsilbenvokal wird obd. im allgemeinen mit ü wiedergegeben, s. Bahder grundlagen d. nhd. lautsystems 202 ff. (doch z. b. gluckes Seb. Brant narrenschiff 39 Z.); im md. wird besonders bis zur mitte des 16. jh. der umlaut sehr häufig nicht bezeichnet, vgl. z. b. gluck Luther 19, 136; 299; 381; 556 W.; glucke ders. 9, 518 W. formen mit mundartlicher entrundung finden sich besonders auf österreichischem boden und bei volkstümlicher haltung bis ins 18. jh.: glickh J. A. frhr. v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 14; von dem missginstigen glik Abr. a s. Clara neue predigten 103, 20 lit. ver. ganz vereinzelt auftretende schreibungen mit einfachem k (z. b. glük Göthe IV 4, 142; 143 W.; glüke Grob dicht. versuchgabe [1678] 39; 58; 68; 93) sind rein orthographisch zu verstehen. die form glückt geht auf mhd. gelückede zurück, s. unten glückde.
bedeutung und gebrauch.
I.
glück ist ursprünglich 'schicksal, geschick, ausgang einer sache'.
A.
verlauf, ausgang eines geschehens oder einer angelegenheit, sei er nun günstig oder ungünstig; das ergehen, bzw. erleben einer person, dann abstrakter das geschick, das los eines menschen oder spezieller das eintreten eines unerwarteten ereignisses, geradezu der zufall (besonders ein ungünstiger). vgl. sors gluck, luck, geluck, gelucke Diefenbach gl. 543ᶜ.
1)
ohne kennzeichnendes epitheton:
wirt mîn gelücke alsô guot
sô mîn herze und der muot,
ich weiz wol, sô verdiene ich daz
daz ir mich erkennet baz
Hartmann von Aue Iwein 5517 L.
gelücke, daz dâ heizet sors
gesamtabenteuer 1, 473;
von gelücke (zufällig) daz geschach
daz der künec zuo im sprach
Laubacher Barlaam 6201 Perdisch;
vnd leget dorein das kint vnd leget es in dem veslin auff das gestatt des flosz. sein schwester stuͦnt von verr vnd merckt daz gelúcke (eventum) des dings erste dt. bibel 3, 223 Kurrelm.; der were ein al under die claider kommen und het ir zu allem glück (zufällig, unglücklicherweise) die scham antroffen zimmer. chron.² 3, 423 Barack; und geschah also, das der junge marschalck dem alten nicht folgen wolte, darumb sie denn auch solch glück gehabt haben (sie wurden besiegt) Hennenberger preusz. landtaffel (1595) 15. 'dauernd innewohnendes schicksal': ey wie gar arme und unglücksalig ist das gelücke der frawen Arigo decamerone 198 Keller; damit ist nu die art und gluck des evangelii angezeigt, wie es yhm ynn der welt gehe Luther 19, 136 W.; sondern dafür solle man es halten ..., dasz dieses des euangelij altes glück seye, dasz allweg wenig, vnd darzu die nachgültigsten menschen daran glauben Gretter erklärung d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 661; dasjenige, was das schicksal über das glück der menschen vorherbeschlossen hat, ist ... unveränderlich J. Bodmer abhdl. v. d. wunderbaren (1740) 122;
wie enggebunden ist des weibes glück
Göthe I 10, 4 W.
mehr äuszerlich 'vom geschick zugewiesene lebensstellung': vregete si wi si hîzen und wannen si wêren und waz ir glucke were. dâ sageten si iz ime: wir sint erzte Hermann von Fritzlar in: myst. 1, 206 Pf. dann vom eintreten eines unerwarteten ereignisses: glück zufall, aventur, glückfall, fors, fortuna, casus, eventus inexspectatus, μέσον enim est vocabulum Henisch (1616) 1654; glück ist ein zufall in guten oder bösen Gueintz dt. rechtschreib. (1666) 75; glück ist der zusammenflusz vieler erwünschten oder verdrüszlichen umstände, die einen mit ehren und gütern überhäufen oder sie einem auch rauben Gottsched beobacht. (1758) 429; de fatis atque usu studii juris feudalis. vom glück und gebrauch des lehenrechts in Deutschland (buchtitel) E. J. Westphal (1724); auch mit ausgesprochen ungünstigem sinn: (wer etwas unternehmen will, soll sich prüfen, ob er es vermag)
do mit im nit eyn gluck zuͦ fall
vnd werd zuͦ spot den menschen all
S. Brant narrensch. 18, 27 Z.
2)
je mehr sich glück zu der heutigen bedeutung 'gutes geschick' verengt (s. II), um so nötiger wird es, dem worte in seiner weiterlebenden neutralen bedeutung kennzeichnende epitheta beizufügen: Petrarche Francisci zwei trostbücher, von artznei und rath, beide im guten und widerwertigen glück (1559) (titel); welche sich vnderstehen, andern leuten ihre natiuiteten zustellen, vnd ihnen ihr gutes vnd böses glück vnnd endt zu propheceyen Äg. Albertinus Lucifers königreich 88 L.; beydes das gute und wiederliche glück Butschky Pathmos (1677) 25. daraus die im 16. und 17. jh. beliebte abkürzende wendung beides glück, bei der vielleicht Petrarcas bekanntes werk de remediis utriusque fortunae (schon 1532: von der arznei beides glücks) mitgewirkt hat: ein trewes weib pfleget sich in des mannes beiders glücks fleissig zu schicken Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) o 2ᵇ;
standhaffter muth;
der nicht fällt zu rücke,
sondern krieget stets den preisz,
dasz er zu begegnen weisz
beydem glücke
Simon Dach in: Königsberger dichterkreis 204 ndr.;
zu prüffen wer ihn liebt
und wer ihm hertz und sinn in beydem glücke giebt
Opitz opera (1690) 1, 65;
beydes glück durch unüberwindlichen muth ertragen ebda, psalmen Davids, vorr. 2; verwandt:
bedenk, auf ungetreuen wellen ...
schwimmt deiner flotte zweifelnd glück
Schiller 11, 231 G.
verbreiteter sind wendungen einseitig charakterisierender art, besonders böses, widerwertiges glück für 'unglück, miszgeschick', offenbar gefördert durch lat. fortuna adversa: da aber Esopus ... erkennet, das alle rät wider in gemacht wurden, klaget er sein ungevel und böses glück Steinhöwel Esop (1555) 25ᵇ; das ein warer fraind inn widerwertigem glügke erkandt würdt J. v. Schwarzenberg t. Cicero (1535) 75; bös glück, böser glaube Friedrich Wilhelm sprichwörter-reg. (1577) s 2ᵇ; in ansehung meines grossen vnfalls vnd widerwertigen glücks Amadis 52 lit. ver.;
da begab sich ein böses glück,
welchs sich nit jedermals so schickt
Fischart Eulenspiegel v. 87 Hauffen;
alsdann klagte er mit beweglichen worten an sein widersinniges glükk S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 7;
trau auff gott im bösen glücke
J. Sieber bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 4, 189;
in welchen (kurzen augenblicken) viel verdrusz, vermischt mit schlechtem glücke,
und lauter unbestand sich zu erkennen gab
Canitz ged. (1727) 3;
wir sind es schon gewohnt, unseren helden niemals gröszer zu sehen als im widrigen glücke Wieland Agathon (1766) 2, 257; 's gáhh glück der zufall Schmeller-Fr. 1, 970.
B.
schicksalsmacht, die günstiges oder ungünstiges schickt, den verlauf einer sache oder das ergehen einer person glücklich oder unglücklich gestaltet, zufall als von auszen einwirkende macht.
1)
ohne kennzeichnende epitheta:
der hêre ende sîn here
fûren dô uber mere
dar si gelucke sande
Heinrich von Veldeke Eneide 110, 33 E.;
besonders seit dem humanismus macht sich hier stark der einflusz von lat. fortuna geltend; dabei ist die grenze zwischen der auffassung als schicksal, das günstiges und ungünstiges schickt, und der als glückspendende macht, die zwar nur günstiges verleiht, aber deren abkehr für den betroffenen unglück bedeutet, nicht immer scharf zu ziehen; die ausgesprochenen personifizierungen als Fortuna 'glücksgöttin', bei denen beide auffassungen eng verquickt sind, sind daher unter II C 2 zusammengefaszt: also macht das gelukch aus einem ratman einen gevangen und aus einem gevangen einen ratman Heinrich v. Mügeln (1369) in: mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 46, 16; das gelücke (la fortuna) ir schnell zuͦ bereyt neüe traurikeit Arigo decamerone 111 Keller; als ... ich also aussgezogen und gebunden in den wald geführt und dem glück übergeben worden, gieng ich ... in grossem zitteren ... lang hin und wider J. Wetzel reise d. söhne Giaffers 170 lit. ver.; dann was kan doch ... ainem menschen auff erden vom glück widerwertigs zuͦsteen, des sich nit ... (Ulysses) ... genietet hatt Schaidenreiszer Odyssea (1537) 3; das glück kan kein mittel, es ist eitel glück oder unglück sprichw. sch. w. klugreden (1548) 160ᵇ (sprichw. Henrici Bebelij); wenn das glück wütet, verzage nicht J. B. Schupp schr. (1663) 552;
so bisz du auch getrost, mein hertz,
und ubersteh des glückes schertz
M. Opitz bei Fischer-Tümpel dt. ev. kirchenlied 1, 237;
das glück will mir verschlissen
was andern offen steht
Simon Dach in: Königsb. dichterkreis 18 ndr.;
ich musz mich geben drein ...
disz weisz ich mehr als wol, und gleichwol führ ich klagen,
als ob ich mich der not des glückes könt entschlagen
P. Fleming 177 Lappenberg;
das glücke (unglück) greift mich allenthalben
und zwar mit allen pfeilen an
J. Chr. Günther 2, 44 lit. ver.;
aus argwohn vor dem glücke
ders., ged. (1739) 2, 32;
leute, welche glück und auferziehung an die niedrigste stelle gesetzt hat Lessing 4, 183 M.;
denn beide, hatte gleich das elend ihre blüthe
halb abgestreift, verriethen durch gestalt
und sinnesart, wo nicht ein königlich geblüte,
doch sichrer einen werth, dem selbst die allgewalt
des glücks nichts rauben kann vom reinen vollgehalt
der innern angebornen güte
Wieland (1796) 23, 90;
wohl mir, dasz mir ward vergönnt,
den zu sehen, dem zu danken,
der mir meine letzten tage,
mir mein sterbebett verschönt,
mit dem glücke mich versöhnt
Grillparzer s. w. 4, 35 Sauer;
das glück schien endlich wieder gut machen zu wollen, was es bisher an ihm gesündigt Justi Winckelmann (1866) 1, 443. besonders hält sich diese bedeutung in der festen formel wenn das glück gut ist 'wenn das schicksal gewogen ist, wenn die umstände günstig sind, wenn keine hindernisse eintreten', meist als blosze einschränkungsformel aus höflichkeit: sie sehen ... heute abend, wenns glück gut ist, einen erfreulichen abschlusz Göthe I 25, 232 W.
2)
die schicksalsmacht wird gern durch entsprechende epitheta als ungünstig gekennzeichnet; doch ist das negative epitheton an sich nicht immer beweis, dasz dem subst. die neutrale vorstellung zugrunde liegt, da auch die göttin des günstigen glücks als zurückhaltend, nicht jedem bzw. nicht immer ihre freundschaft und ihre gaben gewährend gedacht wird, vgl. z. b. mit welchen gaben sich die natur viel freygebiger gegen ihr erzeigt hatte, dann das missgünstige glück mit den seinigen Grimmelshausen 2, 336 Keller. entsprechende wendungen, die meist stark personifizierenden charakter haben, s. unter II C 2; hier also nur beispiele, wo dem subst. eindeutig die allgemeine bedeutung 'schicksal' zugrunde liegt: wie das nicht sein schulde, sunder des bösen gelückes gewesen seye Arigo decamerone 587 Keller;
du hessigs glück,
magst noch dein tück
zu hinderen mich nit lassen.
wie ich mich duck,
vor dir verschmuck,
noch irstu mich in allen strassen
bergreihen 116 ndr.;
als mich das schnöde glück von ihrer hand gerissen,
hat es zugleiche mich gerissen auch von mir
M. Opitz teutsche poemata (1624) 28;
was mir ... wie obgemeldet, unterthänig zu verrichten, von meinem wiederwertigen glük vor dismal nicht gegönnet werden wollen G. Neumark neuspross. t. palmb. (1668) 258;
ein unerbittlich glück
verfolgt uns bis hierher
Joh. E. Schlegel w. (1761) 1, 15;
allen zufällen des widrigen glücks ... ausgesezt Wieland Agathon (1766) 1, 4.
C.
an A schlieszt sich an die bedeutung 'vorzeichen, vorbedeutung für den günstigen oder ungünstigen verlauf einer sache'; da sie nur in glossaren und übersetzungen begegnet, ist sie wohl gelehrten ursprungs (im gegensatz zu der verbindung von 'glück' und 'vorbedeutung, vorzeichen' in gemeingerm. heil, vgl. Gehl germ. schicksalsglaube 48). bezeugt ist sie nur vom 13. bis zum 16. jh.: auspicium gelucke (14. jh.) Diefenbach 63ᵃ; omen geluke (Kaadner vocab., anf. d. 15. jh.) Prager dtsche stud. 8, 452; geluck omen vel augurium, vogelgesanck vocabul. v. 1482 k 7ᵇ; omen gelucke, geluckh, gluck (15. und 16. jh.) Diefenbach gl. 395ᶜ; augurium glück der vögel, glück ausz der vögel flug und geschrei Nicl. Heiden Valerius Maximus (1565) 10; Lucius Tarquinius könig wolte die drei geschwader der reisigen, welche Romulus durch glück der vögel verschriben hat, mehren ebda 11; vgl. bonis aevibus (lies avibus) mit gutem glück oder wind Spanutius (1720) 510.
II.
bereits im mhd. überwiegt für gelücke die einengung der bedeutung nach der günstigen seite; es bezeichnet eindeutig den günstigen verlauf oder ausgang eines geschehens, das günstige geschick, woraus sich weitere bedeutungen entwickeln. die daneben weiterlebende neutrale bedeutung schwingt aber oft noch mit. vgl. dazu die hiervon rührende beliebte verbindung gutes glück, in der nicht erst gut dem subst. günstige bedeutung gibt. zur bedeutungsentwicklung ist zu vergleichen lat. successus, ursprünglich 'der verlauf', aber schon im klassischen latein gern 'der gute verlauf, der glückliche erfolg'; franz. succès 'erfolg'; ähnlich fortuna 'zufälligkeit', dann 'glück, glücksgut'; zweifellos hat die bildung unglück an dem erstarken der günstigen bedeutung von glück entscheidenden anteil, vgl. Kr. Sandfeld sprogvidenskaben (²1923) 99.
A.
günstiger verlauf oder ausgang eines unternehmens, eines zweckbestimmten geschehens, gelingen, erfolg, und zwar zumeist als ergebnis oder im verfolg einer mehr oder weniger zielstrebigen handlung oder wirksamkeit.
1)
allgemein:
dô ez also was komen ...
daz Erecke sô wol gelanc
daz er Idêrs betwanc ...
sîns gelückes wâren dô
vil herzenlîche vrô
arme unde rîche
Hartmann von Aue Erek 1294 Haupt;
nu liez in Tristan sâ zestunt
die tôten hant des risen sehen
und seite im, alse ez was geschehen,
sîn gelücke und sîne linge
an allem disem dinge
Gottfried von Straszburg Tristan 16 190 Ranke;
das gut geluck hat mich selig gemacht prosper eventus felicem me fecit modus latinitatis (1498) 10ᵃ; (der übergang über den tief verschneiten Thüringer wald) ging als wol zu gutem glucke usz, das vnszer keiner krangk noch sich wart K. Stolle thür.-erfurt. chron. 126 lit. ver.; und sein herr sahe, das der herr mit im war, denn alles was er thet, da gab der herr glück zu durch in 1. Mose 39, 3; ach gebe mir gott das glück, dass ich ihn auff sein pferdt brächte buch d. liebe (1587) 90ᵃ; bey arger list ist nit allzeit gut glück Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, k 8ᵃ; arbeit ohn glück hilfft nichts ebda 2, j 2ᵇ; in der reichsstadt nun, dem stillen sitze der musen ... hoffte Faust bessres glück Klinger w. (1809) 3, 12; ungeachtet seines glücks bei hofe Göthe I 45, 68 W.; das glück, das gelingen verbindet: das unglück zersetzt und zerstreut Ranke (1867) 1, 121.
2)
in festen verbindungen (vgl. auch unter 3).
a)
sehr beliebt sind paarungen und sonstige substantivische verbindungen mit verwandten begriffen: da gebe gott, das sie keyn glück noch gelingen haben müssen Luther 18, 361 W.; es ist nicht alles recht vnd gott gefällig, was glück vnd fortgang hat Lehman flor. polit. 1 (1662) 371; ich habe glück und gedeihen bei meiner administration Göthe an Knebel 1, 44 Guhrauer. hier nimmt wohl auch die verbindung glück und heil ihren ausgang; doch ist sie früh besonders unter dem einflusz von wünschen und segensformeln zu der bedeutung 'inbegriff aller günstigen umstände' erweitert worden, so dasz die beziehung auf den günstigen ausgang einer bestimmten sache nur noch da ersichtlich ist, wo ein ausdrücklicher hinweis vorliegt: darzuͦ wöl dir gott glück, heyl vnd wolfarn verleyhen Hutten 1, 449 Böcking;
so mögend wir mit glück vnd heil
einander dapffer bystand thuͦn
schweiz. schauspiele d. 16. jh. 3, 22 Bächtold;
wann künfftig vns mit glück vnd heyl
die reich statt Troja wirdt zu theil
J. Spreng Ilias (1610) 4ᵃ;
wolan das ist das ander stück,
gott geb uns darzu heyl und glück
L. Sandrub hist. u. poet. kurzweil 31 ndr.;
ähnliches gilt von der verbindung glück und stern, weder glück noch stern, wobei der erste begriff wohl das gelingen, der zweite das an die konstellation gebundene günstige schicksal meinte; auch sie erweitert sich zu 'inbegriff aller glücklichen umstände' (vgl. u. II D, bes. 1); hierher darum nur vereinzelte fälle:
dabey ist weder glück noch stern
W. Spangenberg bei Dähnhardt griech. dramen 2, 28;
Josua ... hat ... in seinem krieg nichts als glück und stern erfahren Abr. a s. Clara etwas für alle 2 (1711) 520; lauter römische käyser haben weder glück noch stern gehabt, alle elendiglich umbs leben, umb cron und thron kommen ders., auf auf ihr christen 54 Wiener ndr.; messet und rechnet. ohne das ist kein stern, kein glück! Gottsched anmuth. gelehrsamkeit (1751) 4, 453;
lern mägdlein lern,
so hast du glück und stern
Mittler dt. volkslieder (1865) 585.
gelegentlich hierher auch glück und segen: glück vnd segen (ist) darbey (beim krieg) gewesen Reutter v. Speir kriegsordnung (1594) a 3ᵃ.
b)
verbale verbindungen: glück gelingt s. teil 4, 1, 2, sp. 3034. am geläufigsten ist glück haben, das aber starke übergänge zu anderen bedeutungen von glück aufweist, vgl. besonders II A 3, II B 3 b, D 2; mhd. noch verhältnismäszig selten:
ich hân von iuwern sculden   scaden vil genomen:
der wirt mir nu vergolten,   ob ich gelücke hân
Nibelungenlied 249, 2 Bartsch;
swer gelücke hiute hât ...
der vert morgen swache
Laubacher Barlaam 5543 Perdisch;
sie meinen wol, glück wider ihn zu haben Luther tischreden 1, 456 W.; es hetten auch die von Bamberg nit so vil glúcks, das inen die statt Nurmberg sunst zwei oder dreitausend gulden gelihen hette chron. d. stadt Bamberg 2, 65 Chroust; manicher hat vil erfahren, waiszt auch vil vnd hat dannocht kain glück Mayr sprüchw. (1567) d 7ᵃ; ich habe seit kurzem enormes glück mit kaufen und schenken gehabt A. v. Droste- Hülshoff br. (1893) 77; dasz andre leute kein glück haben, finden wir sehr leicht natürlich M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 63; i, wenn mir herr Krieger erst a so kommt, mit holz bezahlen und solchen sachen, da hat er bei mir kee glicke nich G. Hauptmann biberpelz (1893) 55; dasz ich so ein fürchtigs glück ghabt hätt (auf der jagd) Ganghofer almer u. jägerleut⁴ 216. — glück tun 'gelingen geben':
ob mir got gelúck tuͦ,
so wil ich nit enberen,
gen der statt hin keren
Friedrich von Schwaben 4042 Jellinek.
glück machen 'günstigen verlauf seiner angelegenheiten finden, erfolg haben' (vgl. teil 6, 1375, 10), seit anfang des 18. jh. wohl nicht ohne einwirkung von franz. faire fortune geläufig; die wendung wird aber früh, besonders in verbindung mit dem possessivum (sein glück machen), auf die mehr materielle bedeutung von glück 'glückliche äuszere lebensumstände, lebensstellung, ansehen' (s. II D 4 f) bezogen. hier also nur beispiele, in denen die betonung des materiellen noch nicht hervortritt (vgl. auch II A 3 d): wir (die kritischen jungen lebemänner) zerreiszen wie tiger alles, was glück macht Göthe I 54, 82 W.; doctor Gall macht in Berlin groszes glück und nimmt viel geld ein ders. IV 17, 277 W.;
freund, ich verzweifle,
dasz du bei hofe glück machst
Zach. Werner söhne d. thals (1803) 2, 313;
unterstützt von einer sehr edlen gestalt, ... hätte er in der welt groszes glück machen müssen Gutzkow ritter v. geiste (1850) 2, 263; aber es schien, als sollte er bei den groszwürdenträgern des protestantismus kein glück machen Justi Winckelmann (1866) 1, 182. mit pronomen: es wird aber auch aus solchen (untüchtigen) leuten nachgehends nichts rechts, und tugendhaffte und verständige avanciren und machen ihr glück v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 124; ich stehe ihnen dafür, dasz er bey uns sein glück nicht machen werde Gerstenberg schlesw. lit.-br. 113 lit.-denkm. auch von sachlichem subjekt, 'erfolg haben, anklang finden' (vgl. II A 3 d): noch weniger glück konnte das ältere papier aus rinde von allerley bäumen ... machen, da es zu dick, steif und zerbrechlich war F. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 3, 257. glück machen aber auch 'erfolg bewirken, verursachen' (vgl. teil 6, 1373), s. u. sp. 239.
c)
adverbielle wendungen. mit (gutem, besserm, gleichem) glück 'mit (gutem u. s. w.) erfolg', wobei zumeist die vorstellung der fähigkeit, des könnens der handelnden person im hintergrund steht:
hab auch sein hauszhaltung biszher
mit glück erhalten ohn beschwär
W. Spangenberg bei Dähnhardt griech. dramen 1, 71;
un wenn ehre selige mama ... ok vel dornah stangelt hadd, sei en beten vörnemer tau maken, hir, bi sinen leiwling, hadd de kammerrat mit glück dat gegenpart hollen Fritz Reuter w. 2, 147 Seelmann;
habt ihr mit glück geschäften vorgestanden
Grillparzer 8, 225 Sauer;
wenn er sein verrähtrisch stük
hett verbracht mit gutem glük
Reinicke fuchs (1650) 182;
die mode kam ietzo und siegt mit besserm glück
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 97;
ein zweiter bote geht
und kehrt zurück, doch nicht mit besserm glück
Grillparzer 8, 224 Sauer;
beide widmeten sich früh den bürgerlichen geschäften; aber nicht mit gleichem glück A. G. Meissner skizzen (1778) 1, 2;
'niemand soll mich bestechen' — ich glaub es, die häszlichen
weiber
drohen mit gleichem glück ihren verführern mit schmach
Göthe I 5, 298 W.;
einen gegenpapst, der sich mit vielem glücke behauptete Ranke (1867) 1, 20;
Melitta: ich suchte blumen.
Sappho: und nicht ohne glück
Grillparzer 4, 167 Sauer.
da in dem seit dem 17. jh. aufkommenden wort erfolg die vorstellung von dem eigenen verdienst des handelnden stärker in den vordergrund tritt, dienen besonders die negativen wendungen mit schlechtem glück u. s. w. 'mit geringem erfolg, ohne erfolg' der milderen bzw. höflicheren ausdrucksweise, indem die nebenvorstellung des waltens einer willkürlichen schicksalsmacht hervorgerufen wird (vgl. II B und C): er ... begab sich nach Merseburg, wo er advocirte, aber mit so schlechtem glücke, dasz ... Liscow samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) vorr. 16;
oft kehrt ich noch mit immer schlechterm glücke
auf die fatale flur zurück,
bis mir zuletzt das günstige geschicke
noch einen tag, den ich nicht hoffte, gab
Göthe I 5, 61 W.;
(gegen etwas) mit wenigem glücke ankämpfen A. v. Humbold ansichten d. natur (1808) 1, 191. zu(m) glück belangen, schlagen, ausschlagen, einschlagen, geraten: es belangt ihnen nicht zum glück Fischart Garg. 36 ndr.; capram caelestem orientem conspexit es schlegt ihm alles zu glücke nomencl. lat.-germ. (1634) 172; die gute that zog unaussprechliches weh auf mein haupt, und ich hoffe, die bösen allein sind zum glück ausgeschlagen Klinger w. (1809) 3, 272; ich wäre dem tode nahe, wenn mir einmal etwas auf der welt zum glücke einschlüge Castelli s. w. (1844) 10, 168; aber ihr war es zum glück geraten Ganghofer almer u. jägerleut⁴ 129. hierher wäre eine reihe von wunschformeln zu stellen; da dabei aber die bedeutung von glück meist erweitert wird, sind die gesamten wunschformeln unter II D 1 zusammengefaszt.
3)
in besonderer verwendung.
a)
glück bei frauen 'fähigkeit, die neigung von frauen sowie die erlangung ihrer gunst zu gewinnen'; anscheinend erst anfang des 18. jh. aufgekommen, vielleicht im anschlusz an frz. bonne fortune, homme de bonnes fortunes; zunächst noch nicht allgemein gebräuchlich, Adelung und Campe verzeichnen die wendung noch nicht: sein glück bey einem frauenzimmer machen ihre völlige gunst besitzen, die höchste (letzte) gunst von einer genieszen, bekommen, erhalten Rädlein (1711) 396ᵃ; Göthe ist die wendung durchaus geläufig: er schien des guten glücks bei frauen gewohnt zu sein I 22, 103 W.; das glück bey frauen, das ihnen niemals gefehlt hat, wird sie auch in Holland nicht verlassen I 8, 314 W.;
sprach von seinen heldenthaten,
seinem glücke bei den weibern
Grillparzer 8, 127 Sauer;
genug, sie sah ihn — und er machte glück
Gaudy s. w. (1844) 2, 13;
wie weit es mit seinem sagenhaften glücke bei weibern ging, habe ich nie erfahren können Stifter s. w. 3, 194; nor recht schlecht zeik geschwätzt, des is e hauptsach, wann mer bei de weibsleit glick mache will Niebergall dram. w. 257 Fuchs; er war lebemann, jagdreiter, sah gut aus, hatte glück bei damen und wuszte sich auf dem hofparket geschickt zu benehmen Bismarck ged. u. erinn. (1898) 1, 112.
b)
glück im spiel 'erfolg, gewinn im glücksspiel, kartenspiel' u. ä.; daneben ist gerade für das spiel auch die vorstellung einer aktiven, erfolgverleihenden macht lebendig, s. unter II C 1 a; mehr auf letztere bezüglich ist wohl: nicht allein seynd die könige nur erd und staub, sondern seyndt auch gleichsamb wie das glück in spiel Äg. Albertinus hirnschleiffer (1664) 101; dagegen: im anfang hatte ich lauter glück, aber darnach machten sie mich auf tertia major labeth Chr. Weise erznarren 34 ndr.;
des spiels ich gar kein glück nit han
Erlach volksl. d. Deutschen 1, 55;
du gönnst mir doch
mein glück? (fast konkret für den im spiel gewonnenen einsatz von 1000 dinaren)
Lessing 3, 45 M.;
sie spielten kaum eine halbe stunde, so war er schon oft labet geworden, und Hildegard hatte glück Heinse w. 5, 274 Sch.; darum haben auch glücklich liebende kein glück im spiele A. v. Arnim Hollins liebesl. 56 Minor; rabensteine und leichen bedeuten glück im spiele Alexis hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 152; denn er spielte zwar klug und fein, aber er war ohne glück wie in allem Alverdes pfeiferstube (1929) 79.
c)
glück im kampfe, im kriege 'erfolg, sieg'; doch ist gerade in dieser sphäre auch die vorstellung des glücks als einer siegverleihenden macht (s. II C) und als des günstigen zufalles, des unerwartet eintretenden glücklichen ereignisses (s. II B 1) besonders wirksam; mhd. ist dieser gebrauch mehr durch wünsche vor dem kampfe als durch epische wendungen bezeugt:
ich weiz wol, friwent, daz dîn vart
gein strîtes reise ist ungespart.
dâ geb dir got gelücke zuo
Wolfram von Eschenbach Parzival 331, 27 L.;
Hilde diu schœne   wünschen dô began
gelückes Herwîge   und allen sînen man,
daz in nach ir êren   müeste wol gelingen
Kudrun 727, 1 B.;
die Celter ... haben sich vnderstanden das letzte glück zu erfaren (das kriegsglück zu versuchen) Xylander Polybius (1574) 92; da ... nicht gros glück bey den Römern war, denn die Schwaben wehrten sich hefftig Christoph Entzelt altmärk. chron. v. j. 1579, 79 Bohm; ein grosser streyt ... darinn die stett nit guͦt glück hatten Stumpf Schweizerchron. (1606) 109ᵇ; im rücken der armee ..., wo für ihn (einen jungen offizier) wenig glück zu erhoffen war Göthe I 33, 8 W.;
empfehlt mich euerm herrn. ich nehme theil
an seinem guten glück (seinem sieg), und wenn ihr
so viele freude nicht bezeugen seht, mich
als diese siegespost verdienen mag,
so glaubt, es ist nicht mangel guten willens,
denn unser glück (schicksal) ist nunmehr eins
Schiller 12, 372 G.;
er focht mit glück gegen die Salyer Mommsen röm. gesch. (1874) 2, 161. besonders beliebt glück der waffen: und die Griechen wurden geschlagen, bis der erzürnte held (Achill) ... bewogen ward, das glück der waffen wieder herzustellen Ramler einl. in d. sch. wissensch. (1758) 2, 134; auch die stellung, welche der könig ... angenommen, beruhte auf dem glücke seiner waffen in dem bairischen kriege Ranke s. w. (1867) 1, 121; das glück der waffen anrufen Bruno Brehm zu früh u. zu spät (1936) 511. mehr dichterisch glück der schlacht(en):
das glück der schlachten ist das urtheil gottes
Schiller 13, 186 G.;
als er von da eine reise durch Libyen machte, kostete er auch das glück der schlachten Stifter s. w. 3, 20;
sie (die landsknechte im himmel) lauschen und spähn, ihnen zittern die hände,
wie sich das glück der feldschlacht wende
B. frhr. v. Münchhausen balladen u. ritt. lieder (1908) 28.
mit betonung der wandelbarkeit des glücks, wobei sich glück also der neutralen bedeutung (I A 2) nähert: es waren grosze schlachten vorgefallen, es waren wunder des wechselnden glückes geschehen Stifter s. w. 3, 169; im ersten feldzuge wurde mit sehr abwechselndem glück gestritten Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 37.
d)
in bezeug auf künstlerische und geistige leistungen wird glück sowohl vom künstler bzw. geistigen urheber als vom künstlerischen bzw. geistigen erzeugnis gebraucht im sinne von erfolg, beifall'.
α)
vom dichter, künstler, gelehrten u. s. w.: um so mehr verdientes glück hatte Goethe mit einer dichtung ... 12 jahre vorher gehabt D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 214; besonders (sein) glück machen 'erfolg haben, beifall finden': solche komponisten werden ... bei verständigen ihr glück machen Göthe I 45, 183 W.; ich hoffe, auch mit meinen übrigen wissenschaftlichen arbeiten glück zu machen ders. IV 9, 261 W.; es kann nicht fehlen, sie werden glück machen und befriedigung an ihrem werke finden Müllenhoff an Scherer, briefw. 31 L.; Campe, der besser das über setzen als das über setzen (von fremdwörtern) versteht, doch in beiden kein glück macht Fr. L. Jahn w. 2, 612 Euler; dem hrn. C. ... der ... als erster tänzer der oper angestellt war, und bei dem publiko auszerordentliches glück machte H. v. Kleist 4, 133 E. Schm.; Anfossi hatte in Rom mit seiner incognita perseguitata ... 1773 auszerordentliches glück gemacht O. Jahn Mozart (1856) 1, 359 anm. 1. besonders in der verbindung mit glück nähert sich glück stark der bedeutung 'fähigkeit, können, geschick, begabung': nachdem Cervantes die ungeheuern ritterbücher durch seinen don Quichote mit vielem glück lächerlich gemacht hatte Lessing 5, 201 M.; Bach hat sich in allen arten des musikalischen styls fast mit gleichem glück gezeigt Schubart ästh. d. tonkunst (1806) 202; Wieland ... hat den Shakespear mit glük übersetzt ders. br. 1, 4 Strausz; er hat (auf der zeichnung einer kolonnade) eine carawane, die eben quer durchzieht, mit vielem glück angebracht Göthe IV 8, 259 W.; er hat bey uns mit vielem glück einige porträte gefertigt IV 31, 166 W.; mit mehr oder weniger fähigkeit und glück II 2, 133 W.; mit glück hat unser sprachgewandte Schlegel dem fremden canal das einheimische wort sund vorgezogen Fr. L. Jahn w. 1, 107 Euler; dieser letzten art der einheit bedient sich der dichter oft mit vorzüglichem glücke W. v. Humboldt Pindar 53 lit.-denkm.; mit geschicklichkeit und glück ders., ges. schr. 4, 19 akad.-ausg.; die alte chinesisch-japanische karte, ... die von Klaproth mit so vieler gelehrsamkeit und glück lehrreich erläutert ist Ritter erdkunde (1822) 2, 192; diese zeitgemäsze wiederbelebung und umgestaltung (der tanzmusik) haben Franz Lachner, J. Raff und Rubinstein mit glück und geschick versucht Böhme gesch. d. tanzes (1886) 263. seltener und nur in älterer sprache in der wendung glück haben zu etwas: zu oden, antwortete ich, habe ich besser glücke als zu anderer art versen P. Fleming 93 L.
β)
vom kunstwerk, der geistigen oder artistischen leistung:
der lehren kraft und glück beruht
nur auf der kunst, sie vorzutragen
Eschenburg beispielsamml. z. theorie (1788) 1, 98;
da nun ... von der wahl des gegenstandes ... das glück eines kunstwerks abhängt Göthe I 48, 49 W.; auf dem glück der fabel beruht freylich alles ebda IV 12, 83 W.; sie (die singbühne) soll mit anfangs october eröffnet werden. ich meinestheils verspreche ihr nicht viel glück Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 4, 150; das glück des ausdruckes (stilistische gewandtheit) O. Ludwig ges. schr. 5, 499 E. Schm. besonders in der wendung (sein) glück machen meist mit der betonten bedeutung 'publikumserfolg haben'. von literarischen werken: ein lustspiel wider den selbstmord konnte in Paris kein groszes glück machen Lessing 9, 252 M.; weil wir nicht wissen können, ob diese lyrischen versarten ihr glück unter uns machen werden: so sind hier noch einige exempel von strophen Ramler einl. in d. sch. wissensch. (1758) 1, 182; die fabeln des La-Fontaine haben ihr glück sehr gut gemacht ebda 1, 292; wie konnte ein stück von der art ein so ungewöhnliches glück machen? Gerstenberg rezensionen 55 lit.-denkm.; ... ihnen zu sagen, dasz ihre sachen hier kein groszes glück gemacht haben Göthe IV 5, 136 W.; besonders die bereitung des kaffees (parodie Röllers auf die 'glocke'), scherzhaft dem glockengusz Schillers folgend, machte in damaliger zeit groszes glück Laube ges. schr. (1875) 1, 37; das alte lateinische stück (die brüder des Terenz) ... machte beim publicum glück Hebbel br. 4, 388 Werner. von musikalischen u. ä. werken: im osnabrückischen machen auf dem lande die englischen countrytäntze ihr glück und die menuette werden vergessen Lichtenberg aphorismen 2, 21 lit.-denkm.; unsere operetten haben das glück, das sie auf der bühne gemacht, blosz den veredelten gefühlen und ausdrücken der natur zu danken Lenz ges. schr. 2, 324 Tieck; auch diese sonate ... des hr. M. wird wegen ihrer gefälligen manier bei den liebhabern der kunst ihr glück machen mus. realzeitung 1788 bei O. Jahn Mozart 4, 30 anm.; er schrieb den Soliman von Migliavacca, der auszerordentliches glück machte ebda 1, 226. von geistigem, gelehrtem, politischer meinung u. dgl.: solcherley ... vorurtheile pflegen eben kein glük zu machen Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 15; in universitätskreisen macht das buch groszes glück Müllenhoff an Scherer, briefw. 33 L.; (ich) bin endlich mit meiner ansicht (in der judensache) durchgedrungen und werde dann ja sehen, wie viel glück sie in der kammer macht Dahlmann an J. Grimm, briefw. 1, 40 Ippel; daneben auch glück machen 'erfolg bewirken':
allein der vortrag macht des redners glück
Göthe I 14, 34 W.;
in unsern tagen
macht politik
des autors glück
Blumauer ged. (1782) 72;
im Hamlet macht das geistig überlegene des charakters hauptsächlich sein und des stückes glück O. Ludwig ges. schr. 5, 201 E. Schm.
B.
günstiges geschehen, das der einwirkung der beteiligten person entzogen ist, günstiger zufall, günstige fügung, günstiger umstand.
1)
unter betonung des einmaligen geschehens:
daz Gînover und die frouwen
her abe mohten schouwen
ir ieglîcher tücke (beim turnier),
daz was des gelücke
dem daz bescherte sælekeit,
sô daz er ritterlîchen reit
Heinrich von Türlin krone 710;
und hyesz im das wunder sagen; der nam im das zu einem grossen glück für ... und meynt ... das wer von dem almächtigen gott ein zeichen Schiltberger reisebuch 15 lit. ver.; der eltern todt ist offt der kinder glück Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, n 6ᵇ;
das glück hat hier an deiner ehre,
erhöhter Hommel, keinen theil
Gottsched ged. (1751) 1, 179;
es ist ihr glück, dasz sie in meine hände verfallen sind Hafner ges. lustsp. (1812) 1, 16; vor allem ... wird das glück der niederländischen künstler gepriesen, dasz ein so günstiger gegenstand (wie die anbetung der hl. drei könige) ... ihnen als nationalgegenstand aufgenöthigt wurde Göthe I 49, 15 W.; er ... pflegte zu versichern, 'dasz ihm sein lotterieglück ... teuer zu stehen gekommen sei', hinzusetzend, 'dasz es vielleicht mit jedem glücke dasselbe sei' Fontane I 5, 152; dasz der kleine disput ein glück für den verlauf des festes gewesen war ebda 4, 13; erst in meinem 66. lebensjahre ist mir das glück geboten worden, thätigen antheil an einem feldzuge zu nehmen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 27; zum teufel auch, wenn man von hunderten der überlebende ist, das musz man wohl glück heiszen P. Dörfler abenteuer d. Peter Farde (1929) 3. —
durch_glück
nicht alle reichen sind es durch glück geworden, sondern viele durch sparsamkeit Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 398; der könig in Spanien, der die provinzen durch gut glück zusammen besitzt Göthe I 8, 206 W.
besonders gern unerwartetes, unverhofftes, unverdientes, unglaubliches glück: unerwartetes glück, unverhoffte befreyung von übeln, krankheiten ... wurden dann ... dem bilde selbst zugeschrieben Heinse 5, 103 Sch.; es ist ein unerwartetes glück für unser haus, dasz ... Lenz ges. schr. 1, 87 Tieck;
bist dus Medea? unverhofftes glück
Grillparzer 5, 89 Sauer;
er findet es viel, dasz mir bösewicht ein so unverdientes glück geworden ist Bismarck br. an s. braut u. gattin (1900) 48 (mit hereinspielen der bedeutung II E 4 b, c); es ist wirklich ein unglaubliches glück, solch ein wesen gefunden zu haben W. v. Humboldt br. an Welcker 18 Haym.
oft allgemeiner als das wünschenswerteste, erstrebenswerteste:
der tod schien ihm ein glück, das leben eine strafe
bei Eschenburg beispielsamml. z. theorie (1788) 1, 101.
2)
unter betonung der günstigen verhältnisse 'günstiger umstand, günstige zufälligkeit im zuständlichen, gute fügung, günstige möglichkeit, gelegenheit, vorteil, nutzen, vorzug'.
a)
eigentlich:
wir haben Gaschiere
gevangen einen grâven abe:
der biutet uns vil grôze habe.
der ist Kayletes swester suon:
swaz uns der nu mac getuon,
daz muoz ie dirre gelten.
sölch gelücke kumt uns selten
Wolfram von Eschenbach Parzival 31, 20 L.;
des raben gelücke wol erschein:
die küniginne vant er (der rabe) alein
Münchener Oswald 2024 Baesecke;
das war das grosz glück, dann wo ein stein vonn dem tach fiel oder ein balcken von dem husz, so möcht man sprechen, wer ich da gestanden, so het mich der stein ... zu tod gefallen, das war myn grosz glück, sollich glücks wollt er gern entberen Eulenspiegel 31 ndr.; und sagt Ausonius ..., dasz die wiedererstattung der gesundheit bey den krancken nicht der kunst der medici, sondern dem glück zuzuschreiben seye Grimmelshausen Simpl. (1713) 3, 102; das beste glück war, dasz eine kleine seitentreppe zur hinterthüre zu gieng Chr. Weise erznarren 172 ndr.; ein hübsches mädchen, so das glück hat, vom funfzehnten bis zum neunzehnten jahr in einem guten hause zu seyn Hippel üb. d. ehe (1774) 15; bei allem unglück doch ein glück A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 87;
sagt, menschen, ists kein glück, sein schicksal nicht zu wissen?
Gellert w. (1839) 1, 87;
in der christlichen religion ist es ein glück, dasz die menschen unter 20 000 heiligen ... wählen können J. Möser s. w. 5, 85 Abeken; es ist ein glück für ein groszes volk, wenn es neben der entwickelsten arbeitskraft auch noch einen reichen rückhalt wenig benützten kapitals an land und leuten besitzt W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 133; ich erlebte nie so andauernd schönes wetter — und ein glück ists für unser einen, dasz Wien so liebliche umgebungen hat Stifter s. w. 1, 99; der ganze mann zitterte, und es war sein glück, sonst wäre ich ernstlich ... böse geworden M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 145; es ist ein glück, dasz die menschen unter ihren sternen schlafen können; nur so wird die sehnsucht zum glauben und nicht zum stachel E. G. Kolbenheyer weihnachtsgesch. (1933) 24. mit annäherung an die abgeschwächte verwendung (b β): da ich das glück habe, fast in allen beträchtlichen städten Deutschlands mit männern von kenntnissen und talenten in korrespondenz zu stehen Nicolai reise d. Deutschl. (1781) 1, 14; und er hat das glück, mit den besten seines zeitalters und kreises in dem schönsten verhältnisse zu stehen Göthe I 46, 28 W.; Jordan, den ich zum erstenmal sah, der aber nicht das glück hatte, uns zu gefallen Jac. Grimm an Dahlmann in: briefw. 1, 26 Ippel. an 1 und 2 a anknüpfend oft ironisch zur bezeichnung des unmöglichen: wirt der deheiner behalten (wird einer von denen, die gott nicht wesentlich in ihr herz aufgenommen haben, beim jüngsten gericht gerettet), so hant si guͤt gelucke Tauler pred. 189 Vetter; hasen mit paucken fangen ist grosz glück Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Hh 5ᵃ. glück 'günstige gelegenheit':
in das innere zu dringen
gibt das äuszre glück und lust
Göthe I 4, 50 W.
besonders häufig in der sehr vielseitig gebrauchten wendung das glück haben, zu mit inf. 'günstige, erfreuliche gelegenheit haben, zu': drey sind der schrecken derer, die ihm von hinten nachzusehen das glück haben Lessing 8, 33 M.; (man musz) sich erst an der schale freuen, bis man zu dem kerne zu gelangen das glück hat Göthe I 24, 44 W.; ich hatte das glück, die beiden ersten und die letzte offensive (des jahres 1918) mitmachen zu können Adolf Hitler mein kampf (1933) 217; mögen sie daraus die grösze einer zeit ermessen, die sie das glück haben, miterleben zu dürfen ders., rede v. 22. jan. 1938, Münchener neueste nachr. v. 24. jan. 1938. ähnlich von nichtpersönlichem: eine derselben (oden) hat das glück gehabt, ... ins lateinische übersetzt zu werden Dusch verm. krit. u. sat. schr. (1758) vorr. a 2ᵇ. bei den entsprechenden wendungen mit konjunktionalem dasz-satz ist meist schwer zu entscheiden, ob das ereignis selbst (s. 1) oder die günstige gelegenheit dazu im vordergrund steht:
... nicht ein jeder hat das glück,
dasz er vngeschlagen den bapst erblick
Fischart geschichtklitterung 30 ndr.;
und hatte Florinde das glück, dasz er im dritten gange dem unbekannten eisenfresser eines in den arm versetzte Chr. Weise erznarren 20 ndr.ironisch für 'unglück, pech': ich zweifle nicht: der neider wird seiner löblichen art und tugend nach dieses büchlein nicht unangefochten lassen: wie denn dieser art schriften insonderheit das glück haben Rachel satyr. ged. 3 ndr.
b)
in stark verblaszter bedeutung.
α)
in der wendung es ist ein glück, dasz 'es ist nur gut, dasz', in der regel mit der nebenbedeutung 'es ist ein unglück verhindert, es hätte leicht schlimmer sein, schlimm ausgehen können': es ist ein glück für die welt, dasz die wenigsten menschen zu beobachtern gebohren sind Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 21; es ist ein glück, dasz die fächer getrennt sind Göthe IV 28, 176 W. gern mit adjektiven wahres, besonderes glück: das ist ja ein wahres glück, dasz er (der conrektor) seiner secunda nicht so als galoppierende windmühle ins auge ... fällt Raabe Horacker (1876) 82; es ist ein wahres glück, dasz es solche liebes- und zärtlichkeitsnamen gibt Fontane ges. w. I 5, 142; ein besonderes glück ist, dasz es niemand gesehen hat H. Seidel Leb. Hühnchen (1899) 15. häufig elliptisch: ein glück für mich, dasz ihr mann ein eifersüchtiger narr ist Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 27 anm.;
dein glück, dasz zu verzagt die Troer sind,
sonst hätten sie ...
Bürger w. 151 Bohtz;
ein glück, dasz dus gesehen hast
Göthe I 14, 199 W.;
Siegwart, ein roman der vergangenheit, fand ich auf dem klavier das tintenfasz draufliegend, ein glück, dasz es nur wenig tinte mehr enthielt Bettine d. Günderode (1840) 1, 23; ein glück, dasz ich arbeit habe; je mehr arbeit, desto besser Fontane ges. w. I 5, 134. gelegentlich mit verschobener konstruktion: glück sind diese mordanfälle, dasz sie immer fehlschlagen, aber gröszeres unglück, dasz sie überhaupt stattfinden Gutzkow ges. w. (1872) 7, 407.
β)
in höflichkeitswendungen. glück 'vorzug, freude' mit annäherung an die bedeutung II E 3 u. 4. besonders häufig im komplimentierstil des 17. jh., s. A. Denecke z. gesch. d. gruszes u. d. anrede, zeitschr. f. d. dt. unterricht 6 (1892) 337: ich wollte wohl sagen, er solte platz an meiner seite nehmen, so zweiffle ich, ob ich das glück würde haben können Chr. Reuter ehrl. frau zu Pliss. 40 ndr.;
das glücke, dir gedient zu haben,
wird in ermanglung bessrer gaben
mein ansehn bey der nachwelt seyn
J. Chr. Günther ged. (1739) 157;
das glück ..., ewr. excellenz persönlich aufzuwarten Lessing 18, 214 M.; verschaffen sie meiner frau das glück, frau v. Humboldt kennen zu lernen Göthe IV 21, 273 W.; es wäre unerlaszlich, dasz seiner tochter, bevor sie sich erkläre, das glück seiner näheren bekanntschaft würde H. v. Kleist 3, 258 E. Schm.; ich habe nur meinen bruder aufgesucht; auf das glück, diese herren zu treffen, war ich nicht gefaszt A. Bäuerle kom. theater (1820) 1, 23;
herr vetter Anselmo, wie hat man das glück?
was führt euch endlich zu uns zurück?
A. v. Chamisso w. (1836) 3, 224;
wir machen uns ein glück daraus, dieses blatt durch deinen ruhm zu zieren J. J. Schwabe belustigungen (1741) 1, 42. auch mit sachlichem subjekt: ew. durchlaucht zum geburtstage aufzuwarten wird dieses blat das glück haben Göthe IV 19, 47 W.
3)
in festen verbindungen, in denen vielfach der übergang zu glück II A 2 und II D, E sehr flieszend ist.
a)
neben verwandten oder gegensätzlichen begriffen. glück und heil:
welnd ir mich füern in Venus land,
daz zel ich mir für glück und heil
Hermann von Sachsenheim mörin 143;
desz geringern heyl vnd glück ists, wenn er den gewaltigen zum freund hat Lehman floril. polit. (1662) 1, 335;
was dir denn ist für guts, für glück und heyl geschehen
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 359.
glück und heil im gegensatz: der inneren stimme gehorchen zu dürfen ... sei nicht blosz das glück, sondern auch das heil des Darius Fontane ges. w. I 6, 17. — glück und flor Gottsched neueste ged. (1750) 17. —
glück_und_stern
ich hoff mit meiner kunst soll weder er noch jemand anders ... glück und stern haben Widmann Fausts leben 382 Keller; haben sie doch weder die gratiam noch den stern oder das glück Thurneysser magna alchymia (1583) vorr. 2; wenn der orientalische kaiser Phokas hätte den wein gemeidet, so wäre er nicht so elend um sein reich und leben gekommen. nie weniger glück und stern ist, als wenn man sternvoll ist Abr. a s. Clara 4, 15 Strigl;
seit vaters tod hatt ich nicht stern noch glück
Z. Werner 24. februar (1815) 94.
einige weitere paare:
di christlich kirch hat glück vnd fall (heil)
von meng der klösterlichen zal
J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 139;
lessestu disz glück vnnd fuͦg (gelegenheit) fürüber sprichw. sch. w. klugreden (1548) 178ᵇ; wem bei einem herren gnad und glück widerferet ebda 84ᵇ; wo der allmechtig gnad und glückh verliehe, das goldgenge entblösset (würden) (1540) bei Lori baier. bergrecht 243;
das ist ein sonder adlich stück,
damit bekumpstu gunst vnd glück
Scheit Grobianus 34 ndr.;
wer gottes gab hält lieb vnd werth,
dem ist glück vnnd segen beschert
Lehman floril. polit. (1662) 1, 172;
gelúcke und vngelúcke, liep und leit das dienet alles dem menschen zu selikeit Tauler pred. 96 Vetter; seine besonnenheit im glück und unglück Mommsen röm. gesch. (1854) 3, 18; glück und ungefell Xylander Polybius (1574) 311.
b)
in den verbalen verbindungen schillert glück z. t. sehr stark nach andern bedeutungen hinüber, besonders nach II D 4; E 3 u. 4. glück bedeuten: dasz sie (eine eule) glück bedeut vnd mit sich bracht habe G. Nigrinus v. zäuberern, hexen (1592) 135; z. b. bedeuten böse träume glück, todtsagen langes leben Novalis im Athenäum (1798) 1, 78. — glück bringen:
dith synt twelff stucke (schlusz einer priamel),
de bringen selden guth gelucke
(1575) Husemann spruchsamml. 80 Weinkauff;
fromm werden bringet glück
Paul Gerhardt ged. 10, 11 Ebeling;
dasz er (Alektryo) ihrem hause glück bringe Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 69; eine reine jungfrau bringe glück Fontane ges. w. I 5, 35. — glück bedürfen, älter auch dürfen: es bedarf etwan gelück mit eignen pfarrern ich geschweig der frembden Eberlin von Günzburg 1, 63 ndr. öfter mit dem nebensinn, dasz etwas normalerweise nicht möglich ist, vgl. o. sp. 241:
man spricht, welch rych sich selbs zerteil,
sol das bestendig blyben,
so darff es glück und heil
(1521) Rochholz eidgen. liederchron. 349;
swer zwein herren dienen sol,
der bedarf gelückes wol
Freidank 50, 6.
— glück (älter glücks) bekommen, glück wird beschaffen, beschieden, beschert, glück geschieht u. ä.:
nach meinem langen schmertzen ...
bin ich geluckes hie bekomen
(er hat sein kind wieder gefunden)
Heinrich von Neustadt Apollonius 16987 S.;
asinus in paleas er hat ein sonderlich glück bekommen nomenclator lat.-germ. (1634) 175. fatum beschaffens glück und was eim von gott beschaffen (beschieden) ist Simon Roth dict. (1571) g 2ᵇ; beschaffen glück ist unverseumpt Eyering proverb. copia (1601) 1, 213, vgl. teil 1, 1543;
und dir war nicht dies glück beschieden
Hoffmann v. Fallersleben w. 1, 27 Gerstenberg.
nu müeze dir gelücke und sælde got dar beschern
Ortnit 72, 4;
hie war Hans Clawerten mehr glück bescheret als recht B. Krüger Clawerts werckl. hist. 9 ndr.;
ich wuszt es ja, mir ist kein glück beschert
Grillparzer 8, 252 Sauer.
was dir denn ist für guts, für glück und heil geschehen
Paul Gerhardt ged. 1, 5 Ebeling;
das dir nimer glück besche Eulenspiegel 129 ndr. — glück geben, schenken (von gott, dem himmel; wunschformeln s. unter II D 1 a, sp. 255): got gab das glück, das sie (die anrennenden gegner) bed felten Ludwig v. Eyb Wilwolt v. Schaumburg 105 lit. ver.; dasz ich ... dem himmel aus übervollem herzen dankte, dasz er mir das glück geschenkt, in dieser zeit leben zu dürfen Adolf Hitler mein kampf (1933) 177. — glück schlägt dazu, darein, trägt sich zu, wiederfährt, steht zu u. ä. 'wird zuteil' (vgl. II D 1 a): daher es dann gewöhnlich geschicht, das wenig glück vnd heil darzu schlegt, wo man also mit vngewaschenen händen zum bergwerck lauffet Bech Agricolas bergwerckb. (1621) vorr. 2ᵃ;
es schlacht sunst bald niemer glück darin
N. Manuel Barbali 1254 Bächtold;
so het doch ich des kriegs genuog
da doch ein glueck sich mir zwtrueg
von meinem hochwirdigsten füersten
H. Sachs 22, 479 K.-G.;
waz uns gluckes von gotes gnaden widervert (1356) E. L. Schmitt dt. urk.-sprache in d. kanzlei Karls IV. (1936) 157; so mag dir glück vnd hail zuͦston H. Braunschweig chirurgia (1539) 2ᵃ; daz dich nymmer glück beste Eulenspiegel 84 ndr.; diesen augenblick ist mir ein glück aufgestoszen Zesen Assenat (1679) 27;
gar über sein verhoffen
hat ihn solch glück betroffen
Fr. Rückert w. (1867) 1, 59.
häufig hierher auch (das) glück haben (vgl. II A 2 b):
sein geld vergraben in der erd ...
wers glück hat, dem ist es beschert
Kirchhof wendunmuth 2, 261 Österley;
zumal der graf von Solms das glücke hatte, im ersten treffen den römischen obersten Pansa zu töten Lohenstein Arminius (1689) 1, 429; ich habe nur leider nie das glück gehabt, neben mir einen tüchtigen tonkünstler zu besitzen Göthe IV 19, 19 W.; er hatte glück; gerad an ihm kamen die abgesandten der siegreichen Kelori vorbei P. Dörfler Peter Farde (1929) 199. — das glück genieszen: übrigens genosz er das glück, nicht viel zu hause zu sein K. Ph. Moritz Anton Reiser 35 lit.-denkm.; wenn ein dichter in einem kleinen städtgen zu leben das glück genosz J. G. Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 8. —
kalt stiesz ich damals dieses glück von mir
Schiller 12, 474 G.
— sein glück verschlafen trascurare la sua fortuna Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 539ᶜ; vnd wiszt nit, das er gelück vnd hail verschlaffen hett Fortunatus 110 ndr.;
ihr wiszt nicht, reiche prasser,
was ihr für glück verschlaft
Chr. F. Weisze lieder f. kinder (1767) 62.
— sein glück bereden (durch reden zerstören) Fontane ges. w. I 6, 14. — sein glück aufs schwert setzen Görres ges. schr. (1854) 1, 116. — im anschlusz an frz. corriger la fortune besonders im 18. jh. das glück verbessern: J. E. Schlegel w. (1751) 3, 399; Quantz anweis. d. flöte zu sp. (1798) 208. — den übergang zu den präpositionellen verbindungen bildet die verbreitete wendung von glück sagen können, mögen, zu sagen haben 'glück, günstiges geschick haben, bzw. gehabt haben', zumeist in dem besonderen sinne von 'vor einem unglück, einem gröszeren schaden bewahrt geblieben, glimpflich davon gekommen sein':
czu Poncien wullin wir in (Christus) sendin.
kan her dan daz do geendin,
daz her blibit unirslagen,
so mag her wol von glucke sagin
J. Rothe passion 122 Heinrich;
(er) hatte von glück zusagen Stumpf Schweizerchron. (1606) 423ᵃ; meine schlafsucht hat sich ganz verloren; und wenn sie sie nicht etwa mit der zeit in meinem Nathan wiederfinden: so habe ich von glück zu sagen Lessing 18, 295 M.; sie können von glück sagen, dasz sie so schnell einer sorge los geworden sind Göthe I 18, 375 W.; man kann von glück sagen, nicht unter diesen executiones mitzuzählen Bettine d. buch geh. d. könig (1843) 2, 418; von glück kann man sagen, wenn es nicht zu excessen kommt M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 2, 143. unter gänzlicher verblassung des ursprünglichen wortsinnes: wer einfach niedergeschossen wurde, konnte von glück sagen, die meisten aber wurden durch einen bajonettstosz auf die strasze geschleudert Fontane ges. w. I 6, 337. selten in einfach positiver verwendung ohne seitenblick auf ein (halbwegs) vermiedenes oder drohendes unglück:
ich mag gewiszlich wol von gutem glücke sagen,
ich bin durch ihren mund zu letzte noch erfreut
Opitz teutsche poem. 103 ndr.;
nach dem eindruck, ... den man ziemlich allgemein ... von ihnen in Halle gehabt haben musz, können sie von glück sagen (zufrieden sein) Müllenhoff an Scherer, briefw. 88 L.
c)
adverbielle wendungen. auf(s)glück 'in der hoffnung auf günstiges geschick, aufs geratewohl', wobei der nachdruck bald mehr auf der günstigen hoffnung, bald mehr auf der unsicherheit, zufälligkeit im gegensatz zu sorgfältiger vorbereitung, kenntnis, fähigkeit oder vorsicht liegt; besonders mit wagen oder anderen verben, die die unternehmung einer fahrt, reise ausdrücken, vgl. aleam iacere, hoc est periclitari sein glück versuchen, es wagen auff glück und unglück Bas. Faber thesaurus (1587) 35ᵇ:
noch wag wirs immer hin auff glück,
bis uns einmal ein schantz gerat
H. Sachs 21, 4 K.-G.;
wer seine sachen auffs glück vnd gerathwol wagt, der thut ein kühne, aber nicht weise that Lehman floril. polit. (1662) 1, 309. mit stark materiellem beiklang (vgl.glück II D 4 b):
auff glück er do ken hoffe reit
pfarrer v. Kalenberg 62 ndr.;
denn er weis, das er nur auffs glück
der zalung halb, aus arger tück,
von frecher pursz dazu bewogn,
sey wider seinen gott gezogen
B. Ringwaldt d. lauter wahrheit (1598) 20;
auff glück borgen Lehman flor. polit. (1662) 2, 731; partiren aber ist im kriege ... auff glück ausreiten Stieler zeitungs lust u. nutz (1695) 476. —
auf_gut_glück
durch den zusatz des adj. wird das zufallsmoment stark betont; nur in dieser verbindung in neuerer zeit wirklich geläufig. zumeist mit unflektiertem adj.:
(ich will) mich hinfort ins bawren leben
wiederumb auff gut glück begeben
W. Spangenberg ausgew. dicht. 347 M.;
auf gut glück einen wurf ins blaue wagen Musäus volksmärchen (1826) 3, 65; so will ich es denn auf gut glück wagen Göthe I 19, 107 W.;
wol auff, so rüst euch alle samdt
vnd ziecht auff gut gluck mit vns ausz
J. Ayrer dramen 1, 135 lit. ver.;
alles ist schon bestellt, und ich will nicht rathen, auf gut glück hieher zu kommen Göthe IV 21, 333 W.; sie hatten sich ... ins bott salvirt und trieben nun so auf gut glück vor dem winde herum Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 71. mit anderen verben: er entdeckt sich seiner alten liebe auf gut glück Gerstenberg rezensionen 51 lit.-denkm.; die arbeit der alten ist deshalb löblich, weil nicht wie heutzutage dergleichen auf ungefähr und gut glück nach dem einfall des werkmeisters ... arbeiteten Justi Winckelmann (1866) 1, 379; da warfen sie ihre munition auf gut glück dem nächsten an den kopf Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 102; Franziska nahm auf gut glück eins der bücher vom bücherbord Fontane I 4, 115. bei geistiger tätigkeit 'ohne sichere grundlage': er schreibt also ohne wahl und prüfung aus und lehrt auf gut glück, es mag wahr oder falsch seyn Lessing 10, 289 M.; selbst Hippias scheint nur aus den personen jenes gesprächs auf gut glük herausgegriffen als hauptperson ohne irgend einen besonderen grund Schleiermacher Platon (1805) 1, 2, 295; autoren, die ... sich auf gut glück allerlei fratzen darüber ausspekulieren Europa (1803) 2, 10. —
auf_gut_glück_hin
die gemeinen leute geben kein acht, wie sie ihre stutten beschellen lassen, sondern lassen dieselbe auf gut glück hin unter andern pferden Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 2, 92ᵃ; der herr baron — er gab ihm diesen titel auf gut glück hin Fontane ges. w. I 5, 194. — mit flektiertem adj.: auf gutes glück Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 309; Pfeffel poet. vers. (1802) 3, 116; Lessing 6, 348 M.; Hölty ged. 23 Halm; sollte er den ... krieg auf gutes glück weiter fortsetzen ...? Ranke s. w. (1867) 9, 25. seltener auf blindes glück (hin) (vgl. auch II C 2):
nur wir, auf blindes glück, als schiffer ohne karten,
durchkreuzen ihn, den faulen pfuhl der zeit
Lessing 1, 140 M.;
und um aufs blinde glück hin zu suchen, dafür reichte ... die zeit nicht aus Gervinus an Jac. u. W. Grimm in: briefw. 2, 17 Ippel.anderes: es ist nicht rathsam, ein schwere sach auff ein vngewisz glück anfangen Lehman floril. polit. (1662) 2, 821; ich griff auf besser glück nach einem andern (band) von mittlerem format Thümmel reise (1791) 3, 162; seine sache aufs glück setzen Hutten op. omn. 2, 191 B.; (etwas) auf gewagtes spiel und glück setzen (aufs spiel setzen) Amadis 29 lit. ver.ähnlich nach glück 'aufs geratewohl': nimbt nachmals nach glück der kugeln eines heraus H. Kilian res publ. (1557) E bᵇ. —
für_glück
'zu künftigem glück':
für glück stürzt die troische burg zusammen; gewappnet
stieg der ganzen welt herrscherin, Rom, draus empor
E. M. Arndt 6, 67 R.-M.
mit (gutem, allem) glück 'mit günstigem geschick, wohlbehalten, ohne schaden' (vgl. II D 4 g):
wenn wir mit glück kommend darvon
H. R. Manuel weinspiel v. 1515 ndr.;
und kamen in kurtzer zeit mit allem glück gen Venedig Fortunatus 7 ndr.; sie aber doch solcher gefährlichkeit mit gutem glück entgehen W. Spangenberg anmüt. weiszheit lustg. (1621) 585;
so will ich dich sprechen bald mit des himmels guten glücke
(wenn der himmel glück, gute gelegenheit gibt)
Chr. Reuter Schelmuffsky 44 ndr.;
jemandem vor dem glück stehen, sein u. ä. 'dem günstigen geschick jemandes im wege stehen': dasz man ... ihn noch darzu ... verleumbdet und vor seinem glück stunde Grimmelshausen Simpl. (1713) 2, 312; du begehrtest deiner tochter vor ihren glück (vgl. II D 4 b, c) zu stehen ders. 2, 364 Keller; 'du bist zu etwas besserm bestimmt als zu dienen', sagte mein herr. 'ich darf dir nicht vor deinem glücke seyn' Schiller 4, 279 G.; und einem einzigen kinde mag man doch auch nicht vor seynem glück seyn ebda 3, 362. zu glück 'so dasz es glück, vorteil, günstiges geschick bringt oder bringen soll'. schon mhd. steht die wendung gern in verbindung mit einem dativ der person (aus dem dativobjekt wird immer mehr der dativ des interesses):
das got dem wigande
dar ze gelúcke sande
ein wundirliche helfe groz
Rudolf von Ems weltchron. 27856 E., vgl. auch 6388;
welchem zw gluck
schneyet ein groszer schne die selbig nachte
H. Sachs fabeln u. schw. 3, 195 ndr.;
dem bruͦder gaben sy zuͦ glück
des heilgen creütz ein michel stück
Murner fier ketzer 38 Fuchs;
(gott) schaff zu glück
dasz mich nicht hinderschleiche
sein bosheit grosz und arge list
A. Suarinus bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 1, 13.
seit dem späten mittelalter wird die verbindung mit dem possessiv geläufig; gleichzeitig gewinnt die wendung unter romanischem einflusz (per ventura, par bonheur) gröszere beliebtheit: (es) sich zu seinem gelücke (per ventura) begabe, ein abt auch do auszreyte Arigo decamerone 67 Keller; wenn nicht zu seinem glücke ein pferd ihm den helm vom haupte getreten hätte Lohenstein Arminius (1689) 1, 39ᵃ. zum glück. die erst beträchtlich später auftretende form mit artikel zeigt zumeist auch veränderte bedeutung, 'glücklicherweise, so dasz es ein glück, günstiger zufall, umstand ist', oft stark abgeschwächt 'erfreulicherweise'. auf das subjekt des satzes bezüglich: wobey (bei einer elektr. entladung) der beobachter zum glükke abwesend gewesen J. F. Hartmann gewitterelectricität (1764) 15;
zum glück entkam
ich noch und floh hierher zum patriarchen
Lessing 3, 134 M.;
zum glück haben wir noch einige obwohl verstümmelte, nachrichten von einem Römer M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 160; zum glück hatte der hirt ... nicht unterlassen, vor dem kapellchen ... sein ave zu beten W. Grimm dt. sagen (1891) 1, 143; zum glücke fiel er auf die staffel nach oben und erhielt sich am geländer S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 245. der glücksumstand bezieht sich auf eine andere genannte person: zum glück hatten sie (die räuber) mir die weste und darin einige thaler gelassen Langbein s. schr. (1835) 31, 36;
ja er hätt ihm gewisz das leben-genommen, wofern ich
nicht zum glücke des wegs gekommen wäre
Göthe I 50, 7 W.;
zum glück ist die sorge kein dauernder gast bei der Heiterethei O. Ludwig ges. schr. 2, 50 E. Schm. mit dativ der person oder umschreibendem für:
da kam ihr (der erstickenden schlange) zum glück ein wandrer gegangen
Göthe I 50, 126 W.;
zum glück für sie sang Eugenia gleich weiter fort Heinse 6, 128 Sch. oder es handelt sich um eine allgemein wertende feststellung: für imitation pompejanischer villen ... war, zum glück vielleicht, die zeit noch nicht gekommen Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 347; die geschäfte gehen hier langsam. zum glück wird in der Türkei weniger geschrieben als bei uns Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 89. gelegentlich mit abhängigem dasz-satz statt eines finiten verbs (wohl aus vermischung mit elliptischem ein glück, dasz entstanden, s. o. II B 2 b α):
wo aber nun den trauring herbekommen?
zum glücke, dasz der ring an seinem finger ist,
den er im eisenthurm dem riesen abgenommen
Wieland (1796) 22, 211;
ich muszte lachen, und nur zum glück, dasz mich der rauch in ein starkes husten brachte, sonst hätte ich ... als ein unnatürlicher barbar erscheinen müssen Tieck schr. (1828) 4, 35. mit verstärkenden adjektiven (mit und ohne artikel). zu allem glück: als sie an die pfort des meers ging, do fandt sie zuͦ allem glücke ein schiffer Warbeck Magelone 51 Bolte; vgl. noch Scheit Grobianus v. 3485 ndr.; Montanus schwankb. 21 Bolte; Grimmelshausen 2, 331 Keller; Lessing 2, 165 M.; Kerner bilderbuch (1849) 66. zu gutem glück: eben zu gutem glück hat der juncker (bei dem überfall) sein schilt vnd spiesz noch ganz Amadis 60 Keller; vgl. noch Heyden Plinius (1565) 169; Gottsched dt. schaubühne (1740) 1, 385; Bode Thomas Jones (1786) 4, 500; Pfeffel poet. vers. (1812) 3, 49; Wieland (1794) 1, vorber. 15. zum guten glück:
und wenn die antwort nicht zum guten glück
auf dem papier, das man den herrn doctoren
versiegelt übergiebt, geschrieben stünde
Schiller 13, 379 G.;
vgl. noch Gellert dicht. 303 Sch.; Gaudy s. w. 3, 145 M.; Böhme gesch. d. tanzes (1886) 264; Scheffel ges. w. 1, 142 Proelsz. zum gröszten glück: die gnädige frau scheint mir jetzt etwas besser, zum gröszten glück M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 196.
C.
glück 'von auszen wirkende günstige schicksalsmacht'.
1)
allgemein, ohne eigentlich persönliche vorstellung. glück wird mit zahlreichen aktiven verben verbunden, für die aber nicht die vorstellung einer persönlichkeit, sondern allein des numinosen maszgebend ist; allerdings ist die scheidung von den persönlichen bildern nicht immer scharf.
a)
glück in erster linie als prinzip, das die günstige entscheidung gibt:
ieweder durch friwendinne lîp
sîn verch gein der herte bôt.
gelücke scheidez âne tôt
Wolfram von Eschenbach Parzival 738, 16 L.;
eines tages gedacht herr Cagnis, er wolt das glück lassen walten vnd sehen, ob er zu der frauwen möcht kommen buch d. liebe (1587) 102ᵇ. besonders im ausruf: glück waltz H. Sachs fabeln u. schw. 4, 209 u. 376 ndr.; das walt glücke ebda 5, 76. weiterhin: füget es das glükk, dasz jemand ... gewürdiget wird ... Neumark neuspr. t. palmb. (1668) 79; wenn es mein glück fügt, werde ich in dem walde wohnen Stifter s. w. 10, 293. ey, das wöll glück nicht Ayrer hist. proc. jur. (1601) 572; ein gutes glück müste wollen, dasz ... eine ältere vollständige handschrift des Wilhelm von Orlens zum vorschein käme Jac. Grimm kl. schr. 3, 6. bisz sie das studium juris vor die hand nahmen, darzu sie von dem glücke waren gewidmet worden Chr. Weise erzn. 48 ndr.
b)
glück als gebendes, schenkendes prinzip:
gelücke het an in geleit
triuwe, manheit unde ouch zuht
Konrad von Würzburg Partonopier 284;
daz das glück vsser disen mir ainen man geben hett N. v. Wyle transl. 28 Keller; also gab im das gelucke, das er ir liep erlanget gantz heimlichen Warbeck Magelone 65 Bolte; das glück gibt den augenblick Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, N l 2ᵃ;
wenn ihm das glück ...
eine denkende freundin giebt
Klopstock oden 1, 4 M.-P.;
mit guͦtis geluckis gabe
Rudolf von Ems weltchr. 28835 Ehrismann;
die gaben des glücks Gerstenberg schlesw. lit.-br. 197 lit.-denkm.;
solch guͦt hat dir das glück nit beschert
Scheit Grobianus v. 227 ndr.;
nun hab ich begert vor langst,
das mich das glück auch thet begaben,
das ich ein zeytlang rhu möcht haben
H. Sachs 1, 437 K.;
diese ungebundene freyheit ... wäre das einige vorrecht und vortheil, die das glück ihnen zugeschantzt hätte Lohenstein Arminius (1689) 1, 14ᵇ;
siehst du, freund, wie das glück würden und ämter theilt
Herder 27, 26 S.;
auch darin war er vom glück miszgünstig bedacht gewesen Kolbenheyer weihnachtsgesch. (1923) 132; des glücks geschenke Platen 1, 23 Redlich.
c)
glück als geleitendes, führendes, lenkendes, förderndes, helfendes prinzip:
dasz allemal zu dem, mit dem du dich verbunden,
das glücke dir gefolgt
J. v. Besser schr. (1732) 1, 11;
zuerst scherzte sie ... über das gute glück, das ihn verfolge und ihn auch hierher gebracht habe Göthe I 21, 304 W.; das glück begleitete ihn in allen seinen schlachten Hahn vollst. einl. z. d. t. hist. (1721) 5, 193; nun haben wir einen wichtigen weg vor uns, wo wir das geleit des glückes nötiger haben als jemals. morgen solls nach den Savoyer eisgebirgen Göthe IV 4, 117 W.; wenn michs glück an die (!) ende brächt, da sie ist buch d. liebe (1587) 82ᵃ; hätte das glück ihn nicht sogleich mit Mengs zusammengebracht Göthe I 46, 39 W.;
si sprach: mir hât gelücke dich
gesendet, herzen freude mîn
Wolfram von Eschenbach Parz. 801, 6 L.;
dann schickt das glück einen kleinen deutschen dampfer Beumelburg sperrfeuer um Deutschland (1929) 106; vnnd zoge der junkherr ... für, also wie sie das glück führet Amadis 70 lit. ver.;
den Tobias führt das glück
in der frommen Sara haus
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 434ᵇ;
ein wunderbares glück kömmt allen meinen unternehmungen entgegen Wieland Agathon (1766) 1, 29; das glück steht auff seiner seiten Flacius Illyricus ankunft d. röm. keyserth. (1567) 123; mir soliches gelük in meinen alten tagen zustuͦnd Fortunatus 44 ndr.; so lang sie darinn (in den häusern) gewohnet, wäre ihnen glück und heyl zugestanden Grimmelshausen Simpl. 69 Scholte;
das glükke steht dier bei
Zesen verm. Helikon (1656) 1, a 4ᵇ;
ob mich gelücke wil bewarn
Wolfram von Eschenbach Parz. 8, 10 L.;
des helfe mir gelücke, daz si (Kriemhild) uns genædic müeze sîn
Nibelungenlied 1154, 5 Bartsch;
im das gelücke gehilfflich war Arigo decamerone 74 Keller; indem in das gelücke grossenn peystand thet ebda 66; so hat doch das glück, das ihnen seitdem desto günstiger gewesen ist, sie in den stand gesetzt, ihre eigene familie wieder empor zu heben Wieland (1794) 11, 124; die mähne (haupthaar) macht es (schützt)! nein, der schutzgeist, das gute glück P. Dörfler Peter Farde (1929) 322. — in parallele zum geleitenden glück steht das verlassende glück:
dô kerte von in unde vlôch
gelücke, daz in wonde bî
Konrad von Würzburg Trojanerkrieg 5754;
welchen das glück letzlich verliesz
Eyering proverb. copia (1601) 2, 338;
auch Regulus, den groszen, göttergleichen,
verläszt das glück, es nahet Nemesis
H. Jos. v. Collin Regulus (1802) 7;
das glück weicht von meinem stammhaus Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 55.
d)
feste wendungen, die sich vorwiegend auf glück als schicksalsmacht, fügung (a-c) beziehen.
α)
substantivische. an paarungen erscheinen besonders gott und glück:
gunde uns gelücke oder got
daz wir fröuden solden pflegen,
zwâre sô lebete noch der degen
Tristan als mönch 1242;
vnsere wolfart sollen wir gott vnd dem glück zuschreiben Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) gg 2ᵃ; dieweil aber gott und das glück die ding ye also schicken Wickram 1, 14 lit. ver.; es läszt sich gott vnnd das glück nicht bochen (herausfordern) Lehman floril. polit. 3 (1662) 78. —
natur_und_glück
gaben, die im das gelück, natur, oder gott verlihen hat G. Mayr sprüchw. (1567) c 3ᵃ;
alles was
ich sonst besitze, hat natur und glück
mir zugetheilt
Lessing 3, 4 M.
zeit_und_glück
des glücks und zeit mit geduld erwart Eyering proverb. copia (1601) 3, 51;
unterdessen musz ich leiden
was mir glück und zeit bescheiden
J. Chr. Günther ged. (1739) 306.
glück_oder_zufall
so müssen wir gestehen, dasz diese launische unerklärbare macht, welche man glück oder zufall nennt, den wenigsten antheil daran hatte Wieland Agathon (1766) 2, 213; bis glück oder zufall etwas für die thun wollen, die ... Klinger w. (1809) 3, 226. genitivische verbindungen:
im half aldâ gelückes heil
daz er in allen entwart
passional 243, 30 K.;
desz glücks gunst Amadis 118 lit. ver.; gelückes fall (schickung des glücks) Brant narrensch. 9 Z.
β)
verbale wendungen. das glück anklagen: Lohenstein Arminius (1689) 1, c 4; annehmen: Carbach Livius (1551) 132ᵃ; v. Koenig ged. (1745) 35; etwas dem glück anvertrauen: Schiller 8, 190 G.; befehlen: Riemer polit. maulaffe (1679) vorr.; Maaler (1561) 186ᶜ; glück begegnet: Warbeck Magelone 11 Bolte; kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 36; seinem glück dank sagen: Stoppe Parnasz (1735) 9; danken: Holtei erz. schr. 2, 49; sein glück fliehen: Zesen adriat. Rosemund 27 ndr.; dem glück fluchen: Lichtwer äsop. fabeln (1748) 92; sich ans glück lassen committere se fortunae Maaler (1561) 186ᶜ; es stehet bei dem glück ..., wie es gerathen solt sprichw. schöne weise klugr. (1548) 93ᵃ;
zwâr es muos an glüke stân
fischfang u. minne in: lehrh. litt. d. 14. u. 15. jh. 1, 233 Vetter;
dem glück trauen: Reinicke fuchs (1650) 196; Schiller 12, 207 G.; vertrauen: Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 2; Schiller 13, 445 G.; sich auf glück verlassen: Ringwaldt christl. warn. (1588) k 3ᵇ; E. Jünger d. wäldchen (1928) 125; am glück verzagen: Spreng Ilias (1610) 250ᵃ; auf das glück zählen: Ranke s. w. (1867) 1, 65; etwas dem glück zumessen: Dentzler (1716) 1, 386ᵇ; mit dem glück zürnen: (Nürnb. 1488) städtechron. 3, 97. hierher vielleicht auch das glück versuchen, doch weisen die anscheinend früher und häufiger belegten wendungen mit possessivum mehr auf die bedeutung II D 2: so ... wolte ich ... das glück versuchen Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 46 Bieling; wer das glück offt versucht, dem lästs endlich in hindern sehen Lehman floril. polit. (1662) 1, 309 (übergang zur persönlichen vorstellung, vgl. II C 2);
versuchen wir denn anderwärts das glück
Grillparzer 8, 90 Sauer;
ein jeder zog dann weit hinaus,
dasz er das glück versuche
O. Roquette widmungsged. f. d. Lahrer kommersbuch;
in anderer bedeutung, 'in versuchung führen, in gefahr bringen': und so liesz er denn auch alles gut sein und wollte mit grübeln das glück nicht versuchen, das ihm so unversehens über den kopf gewachsen Eichendorff s. w. (1864) 3, 414.
2)
im anschlusz an die dem mittelalter geläufige vorstellung der vrou Sælde und insbesondere an die immer wieder neu belebte der göttin Fortuna werden dem glück zahlreiche persönliche züge beigelegt; sie treten in den epochen antiken einflusses besonders hervor. trotzdem liegt in der mehrzahl der fälle eine echte personifizierung nicht vor, da ihr das neutrale geschlecht von glück widerspricht; meist handelt es sich um blosze übertragung von Fortuna her. über die ursprünge dieser bilder vgl. A. Doren Fortuna im mittelalter u. in d. renaissance, vortr. d. bibl. Warburg 1922 /23, teil 1 (1924) 70-144. — im oben angedeuteten gebrauch nähert sich glück vielfach der vorstellung des doppelseitigen geschicks (s.glück I B), doch überwiegt die anschauung von der macht, die günstiges zu vergeben hat, aber treulos und nicht jedem geneigt ist. die übergänge sind im einzelnen so flieszend, dasz eine scheidung nach diesem gesichtspunkt nicht möglich ist. sehr selten ist die verbindung frau Glück, vgl. z. b.:
ob im sach ich schweben nachmals
auff einer gülden kugel flück
mitten im sal die zart fraw Glück,
die man etwa Fortuna nent
H. Sachs 1, 438 Keller;
als die leut gesehen, dasz fraw Glück sie wolt verlassen Lehman floril. polit. (1662) 2, 851. oder das glück wird als weibliches wesen bezeichnet: die iunkfraw des glücks Fortunatus 3 ndr.; das glück ist die göttin der lebendigen menschen und um seine gunst recht zu fühlen, musz man leben Göthe Wilhelm Meisters theatr. send. 134 Maync; die natur und das glück thut nichts umsonst; beide sind töchter und hände gottes zu wohlthaten und strafen Hamann w. 7, 398 Roth; man darf das glück nicht warten lassen; denn es ist weib W. Weigand renaissance (1904) 1, 167. — häufiger ist die apostrophierung des glücks, wobei aber vielfach auch allgemein an die numinose macht gedacht sein kann:
wær ez niht unhövescheit,
sô wolt ich schrîen 'sê, gelücke, sê!'
gelücke daz enhœret niht
Walther von der Vogelweide 90, 18;
o glück, dein angsicht mir erzeyg!
H. Sachs 2, 5 Keller;
kum, glück, und schlag
mit hauffen drein, das sie mich thu geweren!
G. Forster fr. teutsche liedlein 102 ndr.;
du abgott niederträchtger sinnen,
dich, falsches glücke! red ich an
J. Chr. Günther ged. (1739) 201;
schaff, das tagwerk meiner hände,
hohes glück, dasz ichs vollende!
lasz, o lasz mich nicht ermatten!
Göthe I 1, 102 W.
bei der geringen kraft der personifizierung ist selten von aussehen und der äuszeren gestalt des glückes die rede (flügel des glückes s. unten); häufig ist nur die blindheit des glückes (noch nicht mhd.): das blind glück Luther 10, 1, 1, 568 W.; das widerfuhr ihm nicht vom blinden glück, wie die heyden vor zeiten fabuliert haben, sondern von dem lebendigen gott M. Walther erl. d. proph. Daniel (1645) 1, 583; das glück ist blind und macht blind Schellhorn sprichw. (1797) 154; derjenige, der ein blindes unstetes glücke anbetet A. G. Kästner (1755) verm. schr. 1, 3; je mehr ein blindes glück solches (das laster) mit allen zeitlichen vortheilen überhäufet Gottsched anm. gelehrsamkeit (1751) 1, 495. meist aber rein metaphorisch: im ersten falle kommt es blosz auf mühe und fleisz, und dabey auf blindes glück an Chr. Wolff v. d. menschen thun u. lassen (1720) 226. — das glück mit dem füllhorn vgl. teil 4, 1, 1, sp. 517:
und das glück ...
gieszt in freudiger erfüllung
mir sein schwellend füllhorn hin
Grillparzer 4, 23 Sauer;
vgl. Jacob Grimm dtsche mythol.⁴ 2, 725; 3, 264. selten ist die antike vorstellung des glückes mit dem steuerruder: zuförderst (auf einem denkstein) sollte das gute heilsame glük stehen ..., die launische freundinn und belohnerin keker unternehmungen mit steurruder und kranz Göthe IV 4, 143 W. sehr lebendig ist die vorstellung von moralischen mängeln des glückes, besonders der treulosigkeit, falschheit und launenhaftigkeit:
das unsthet, untrew, waltzend glück
H. Sachs 8, 451 K.;
dem vngetreuwen glück vertrauwen Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) k 4ᵃ; ach du falsch glück H. Sachs 17, 3 K.-G.;
nicht ganz hat mich das falsche glück betrogen
A. v. Droste-Hülshoff 2, 240 Cotta;
das wanckelbar glück Stumpf Schweizerchron. (1606) 321ᵃ; das glück ist unstät A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) e 2ᵃ; unbeständig Eyering prov. cop. (1601) 1, 78; grillenvertreiber (1670) 13; Rachel satyr. ged. 21 ndr.; täglicher spiegel desz wanckelmüthigen glücks P. Beckler histor. Hovorea (1694) 2, 116 randglosse; o wanckelhafftes glück Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 10; das spöttlich trüglich glück Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 6; das unfreundlich neydig glück buch d. liebe (1587) 139ᶜ; dasz das tückische glück der Syrenen art an sich hat, die demjenigen am übelsten wollen, denen sie sich am geneigtesten erzeigen Grimmelshausen Simpl. 255 Scholte; das glück lest nit sein tück Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, m 2ᵇ; das glück ist ihm selbs gram, vnnd neidet ie ein glück das ander sprichw. sch. weise klugr. (1548) 40ᵇ. die launen des glückes ursprünglich in unmittelbarer anknüpfung an die wechselnden mondphasen:
eya glücke, eia heil,
nv hast du mir daz swarze teil
allenthalben zv gekart ...
do ich hette der salden schin,
do was alle die werlt min
Herbort von Fritzlar liet v. Troye 15465 Fr.;
diu sældenrîch fortûne
und ir gelückes lûne
hât an im gewelzet
Hugo von Langenstein Martina 218ᵇ;
vgl. dazu Jac. Grimm dtsche mythol. 671 ff.; W. Wackernagel kl. schr. 1, 250 f.; später mit dem bedeutungswandel von laune (s. teil 6, sp. 344 ff.) mehr charakterlich gefaszt, z. b. das glück hat seine launen:
dein glück ist heute gut gelaunet
Schiller 11, 231 G.
das glück erwählt sich lieblinge, begünstigt sie, zeigt ihnen ein freundliches gesicht, läszt sie in ihrem schosz ruhen, besucht sie in ihrem haus: gelückes gunst Rudolf v. Ems Alexander 10 J.; genade des gelückes Arigo decam. 252 K.;
vnd nit vom glück so hoch erkorn
Scheit frölich heimfart e 3ᵇ;
nicht weil dir blindes glück gewogen
Triller poet. betracht. (1750) 4, 193;
dieweil aber das glück dem menschen nit gern lang günstig oder geneigt ist (wie man denn spricht, gut glück ist nimmer ohn dück) Wetzel reise d. söhne Giaffers 170 lit. ver.; glück, das mich begünstigte Storm (1899) 1, 45; vor wenigen tagen noch ein günstling des glücks Wieland Agathon (1766) 1, 4;
und wenn ich ständ in beszrer gunst beim glücke
Rückert (1867) 3, 127;
dort wird mir das glück hold sein maler Müller (1811) 1, 356; aber das glück war uns abhold Platen (1839) 368; eh ihn das glück gekannt Gottsched ged. (1751) 1, 285; wie das glück ... sich wieder zu uns neiget Stoppe Parnasz (1735) 2; wem das glück will, der fährt auf einem besenreis über den Rhein Binder sprichwörterschatz 77; wenn ihm das glück will und sein genius nicht verläszt Göthe IV 5, 229 W.;
groszgünstig glück das will ihn wohl
Zinkgref auserl. ged. 12 ndr.;
fürwar das glück wil vns mit ganzem fleiss schmeicheln buch d. liebe (1587) 218ᵈ; wen das glück verderben will, den verzärtelt es Schellhorn sprichw. (1797) 156; das glück verwöhnet uns gar leicht durch seine gaben Göthe I 9, 49 W.;
weil vns das glück schawt lieblich an
Spreng Ilías (1610) 73ᵃ.
das betrügliche glück gibt Simplicio einen freundlichen blick Grimmelshausen Simpl. 7 Scholte; aber das glück veränderte ihm bald sein freundliches angesicht, so es ihm zuvor gezeigt Prätorius glückstopf (1669) 1;
du weiszt ja wohl, was neulich für ein glücke
ohn mein verdienst mich freundlich angeblickt
Gottsched neueste ged. (1750) 101;
das glück lachet mich an S. Franck sprüchw. (1541) 1, 14ᵇ; dasz euch das glück der liebe (vgl. II E 4 b) noch lachen wird E. Th. A. Hoffmann 12, 78 Gr.; doch sollte das glück mir einmahl lächeln maler Müller (1811) 1, 357; eine theure gefährtin ..., deren glück wieder glück in ihre seele lächeln wird Stifter s. w. 18, 132;
das glücke, das ...
mit der gemahlin ...
dich gleichsam um die wette herzt
Stoppe Parnasz (1735) 51;
je mehr dich glück und liebe küssen
ebda 19;
das glück ist wie ein jung weib, das liebet die jungen männer und läst die alten Riemer polit. stockfisch (1681) 240; in die arme des glückes ... führen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 64;
denn die dem glück im schoosze liegen,
dieselben fliegen niemals auf
Triller poet. betracht. (1750) 1, 562;
wie sitzt so mancher prinz dem glücke selbst im schoosz
Gottsched ged. (1751) 1, 30;
wer im schosz des glückes ruht, lebt seinen begierden nach W. Weigand renaissance (1904) 1, 30; im schoosze des glücks? o sehr wahr! sie ist eine metze Shakespeare 3, 207; wann ich schon das glück vornen zum hausz hinausz schlüge, lieff es zur hinderthür wider hinein Höniger narrenschiff (1574) 82ᵃ;
glück läuft dem einen ins haus,
dem andern läufts hinaus
Binder sprichw.-schatz 77;
wo ... das glück eingekehrt ist G. Keller (1889) 6, 283. das glück beugte sein haupt unter der niedern thür Raabe hungerpastor (1864) 1, 5. im anschlusz an die antike (filius fortunae) erscheint der begünstigte gern als sohn, kind des glückes, oder es werden andere verwandtschaftliche beziehungen vorgestellt (vgl. mhd. der saelden barn väterbuch 7258; 18380; passional 249, 92 K.):
er ward des glükkes sohn, für allen hochgestellt
Rachel sat. ged. 67 ndr.;
des glückes abentheuerlichen sohn
Schiller 12, 8 G.;
glück hat zu seinem kinde Sutrinum auszgekiest
Logau sinnged. 221 lit. ver.;
er (Scherer) war ein kind des glücks bei W. Scherer kl. schr. 1, xix; des glückes aftersohn Rost verm. ged. (1769) 10;
des glükkes beschmutzten bastard (Napoleon)
v. Stägemann kriegsges. (1813) 20;
dasz stiefmütterliche glück d. fruchtbr. ges. erzschrein 418 Krause; ich vermeynte, das glück hätte mich zur ehe genommen Grimmelshausen Simpl. 255 Scholte. glück als mutter in anderer sphäre:
da gebieret das glück dem talente die göttlichen kinder,
von der freyheit gesäugt wachsen die künste der lust
Schiller 11, 87 G.;
hierher ursprünglich wohl auch vom glück getragen werden, z. b. Ihne röm. gesch. (1890) 7, 367. glück selbst als kind:
in der wiege des bewusztseins
liegt der säugling deines glücks
Hoffmann v. Fallersleben w. 1, 54 Gerstenberg.
das glück scherzt oder spielt blosz mit dem menschen: des glückes schertz Opitz teutsche poemata 52 ndr.;
dem glücke das mich äfft
J. Chr. Günther ged. (1739) 770;
mit der gelücke lang zeit sein spile und wellen gehabt het Arigo decam. 120 K.; also spielet das glück gemeiniglich mit groszen herren und regenten P. Beckler hist. Hovorea (1670) 2, 116; das glück spielt nur. trau nicht Heinr. Müller geistl. erquickstunden (1667) 63;
des glückes spiel und ball
Opitz teutsche poemata (1629) 1, 295;
er war ein ball des glückes Ramler einl. in d. sch. wiss. (1758) 2, 131. das glück wendet sich, kehrt dem begünstigten den rücken, nimmt abschied (vgl. o. sp. 251):
so haut sich doch glick bald gewendt
bei Mone schausp. d. mittelalters 2, 144;
wie leicht das glück sich wendet
J. v. Besser schr. (1732) 1, 75;
nie wird das glück von Österreich sich wenden
Schiller 12, 83 G.;
denn als das glück ihm da den schnellen rücken kehrte
v. König ged. (1745) 122;
dem hat das glück a dieu gesagt Lehman flor. polit. (1662) 2, 886. — das glück als feind: experiri fortunam iniquam das glück zu wiedern haben nomenclator lat.-germ. (1634) 5; des glücks zorn Weckherlin ged. 1, 152 lit. ver. das glück ist auf dem wege: dasz ihr gleichsamb das glück entgegen laufen werde Kopf Thuanus deutsch (1621) 1081; dieser schnelle gang seines ... glücks Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 20; übrigens ist mein glük auf einem sehr guten weg Schubart br. 1, 35 Strausz; was das glück für mancherlei wege nimmt Göthe I 43, 344 W.; schwebend ging ein glück mit mir und war wacher als am morgen O. Gmelin haus d. träume (1937) 270. das glück ist geflügelt, steht auf einer rollenden kugel (vgl. u. das rad des glücks), fährt auf einem wagen, ist daher in ständiger bewegung, schwer oder gar nicht zu erreichen oder festzuhalten: das glück hat flügel Schellhorn sprichw. (1797) 154;
geflügelt ist das glück und schwer zu binden
Schiller 14, 40 G.;
ich säh das falsche glück gelassen von mir fliegen
Gottsched anm. gelehrs. (1751) 8, 216;
das glück auf einer kugel steht
und wunderbar regierth
Böhme volkstüml. lieder d. Deutschen 261;
der sieg hat nur bey dir die flügel abgelegt
und dein gegründtes glück die kugel nicht bewegt
Pietsch geb. schr. (1740) 2;
immer wieder mit leeren händen
sitzt der bettler an staubiger strasze,
drauf das glück mit den tönenden rädern
leuchtend vorbeifuhr
O. E. Hartleben Diogenes (1905) 30;
das glücke flieht
und läszt euren Pyrrhus stehen
B. Neukirch ged. (1744) 10;
es ist das glück ein flüchtig ding,
und wars zu allen tagen;
und jagtest du um der erden ring,
du möchtest es nicht erjagen
Geibel ged. (1851) 91;
im jagen nach dem eigenen glück Adolf Hitler mein kampf (1933) 328; die jagd nach dem glück häufig gebrauchte wendung; das glück ... zu erhaschen v. Ettner-Eiteritz d. getr. Eckh. unw. doktor (1697) 358;
bis ich ein glückh erschleych
volks- u. gesellschaftslieder 207 Kopp;
gott vnnd das glück lassen sich erschleichen, aber nicht erlauffen Lehman floril. polit. (1662) 3, 130;
wir dem gebahnten pfad folgend beschleichen das glück
Göthe I 2, 127 W.;
jetzt ... galt es das glück an der locke zu fassen Treitschke dt. gesch. (1879) 1, 182; die vormals sich lassen träumen, sie hätten das glück am strick Otho evang. kranckentrost (1730) 322; das gefesselte glück A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 15; das glück an der ketten führen kunst- u. handwerksnotarius (1732) 207;
es läszt sich schon das glück nicht binden,
man hält es fest, so lang es geht
Hoffmann v. Fallersleben ges. w. 1, 40 Gerstenberg.
aber auch der gang des glückes ist bedeutsam:
ihr (der falschspieler) glück geht auf krucken
Ditfurth volkslieder d. bayer. heeres 32;
vff stelctzen (1521) allg. dt. bibl. 3, 2, 83; das glück geht gern einen raschen gang Klinger w. (1809) 1, 40. das glück hat starke bein Kirchhofer schweiz. sprüchw. 156; vgl. aber glück hat keine beine Fouqué held d. nordens (1810) 3, 17. das glück wird müde und schlummert: so wurde ... das glück dieser vertrauten zusammenkunft müde Riemer polit. maulaffe (1679) 25;
doch nunmehr ward das glück bey deinen siegen müde
v. König ged. (1745) 12;
und selbst das glücke wiegt er (der winter) ein,
zu neuen freuden es zu wecken
Göthe I 16, 191 W.;
min glucke hat nit geslafen
bei Mone schausp. d. mittelalters 1, 118;
es lag und schlummerte in eines hirten laube
das glück, das müde glück
Ramler einl. in d. sch. wiss. (1758) 1, 250.
im anschlusz an antike vorstellungen und in deren ausführung erscheint seit dem mittelalter das glück mit dem glücksrade, auf dem die menschen steigen und fallen, wobei glück (neben fortuna) von anfang an den vorrang vor dem heimischen sælde hat; aber selten ist hier glück wirklich persönlich gesehen, vielmehr wird glück meist selbst mit dem rade gleichgesetzt (s. u.), während fortuna, seltener sælde als das rad umtreibend gedacht wird, wofern es nicht als sich selbst drehend erscheint oder der sprachliche ausdruck eine entscheidung vermeidet:
innerhalp den landen   kan uns gelücke rîden
daz rat ze beiden handen
j. Titurel 4767, 1;
daz sint sachen und getzug
damit umb gan dut
gluck sin radt und schiben
und uff und abe driben
pilgerf. d. träum. mönchs 12200 B.;
daz in fortuna brâht zem hôhsten sitze
ûf gelückes rat
j. Titurel 122, 4;
gelückes rat niht stille stât:
vrou Sælde diu ez trîbet, daz erzeiget hât
an vieren, die dâ wonent bî ...
Joh. v. Rinkenberg in: minnesinger 1, 340ᵇ v. d. Hagen;
daz nieman ûf gelückes rat sol stîgen,
frou Sælde biet im dann die hant
meisterlieder d. Kolmar. handschrift 513 Bartsch;
vgl. Jac. Grimm dt. mythol.⁴ 2, 722; 3, 263; W. Wackernagel kl. schr. 1, 241 ff.; Strümpell a. a. o. (sp. 227) 25f.; nhd. fast regelmäszig in der komposition glücksrad (s. d.). die bereits mhd. vielfach mit dem glücksrad gleichgesetzte scheibe ist ursprünglich ein symbol der welt und hat neben kreis die bedeutung der kugel, s. Wackernagel a. a. o. 253 ff.; zumeist wird auch hier das glück damit identifiziert, sodasz keine persönliche vorstellung vorliegt (s. u.); das auf der kugel schwebende glück (s. o.) ist erneute übernahme aus der antike. das glück als spielmann: derjenige tanzt leicht genug der das glück zum spielmann hat kern auserl. sprichw. (1718) 11; der hat gut tanzen, dem das glück aufspielt Binder sprichw.-schatz 192; wenn das glück pfeift, ist gut tanzen Schellhorn sprichw. (1797) 155; wenn das glück zu tantz blest, so wils jagen Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Aaa 6ᵇ. sonstiges: das liebe glück anrufen, dasz es so überschwenglich reiche gaben auf euch regnen lasse maler Müller (1811) 1, 285;
denn es darf sich keiner rühmen
dasz sein glück steh auff blumen;
bald kömpt ein reifflein über nacht
und nimbt dem blümlein seine krafft
M. Hammer hist. roseng. (1654) 110;
aber glück (schicksal), das selten etwas inn lautern freüden zergehn last, warff des leydts samen vnder dise ding Carbach Livius (1533) 9ᵇ;
ihr seid aus demselben thon,
aus dem glück die männer bildet
für den purpur, für den thron
Grillparzer 7, 120 Sauer;
einen menschen, der alle seine kraft gefühlt, gefühlt den zügel, den glück und schicksal ihm anhielt maler Müller (1811) 2, 6; das glück herschet, erhebt vnd nidriget Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, m 2ᵃ; wem das glück die hand bietet, dem schlägts gern ein bein unter Binder sprichw.-schatz 77;
lasz sehn, ob du auch heute um lohn gedungen das glück
Scheffel ges. w. 2, 193 Proelsz;
glück und unglück
tregt eins das ander auff dem rück
loci comm. prov. (1572) 68.
ohne anknüpfung an die glücksgöttin: die sonne des ostertages war gesunken, aber ein junges glück, das schon begraben lag, war wieder auferstanden zu neuem leben Ganghofer dopp. wahrheit (1893) 64. sehr abgeblaszt: fleisz ist des glückes vater Binder sprichw.-schatz 52; arbeitsamkeit ist des glückes mutter Schellhorn sprichw. (1797) 115.
D.
glück mehr kollektiv und zuständlich, die gesamtheit der glücklichen umstände, die jemand zuteil werden, bzw. zuteil werden können, angenehmer, erfreulicher zustand, namentlich äuszerer.
1)
in wünschen. viele wunschformeln haben zweifellos ihren ausgang in dem wunsche des gelingens, des erfolges im einzelfall; sie erweitern sich aber darüber hinaus zu einer anwünschung alles guten überhaupt, wobei das fernbleiben alles ungünstigen (krankheit, unfälle bei reisen und unternehmungen u. dgl.), in neuerer zeit auch das glücksgefühl, das gefühl der inneren befriedigung und freude, eine entscheidende rolle spielen. auf der andern seite verblassen sie vielfach zu einer bloszen bezeugung der anteilnahme, wobei das zuwünschen von glück ganz in den hintergrund tritt, besonders wenn zu schon vollzogenen ereignissen, die auf das weitere ergehen des betreffenden keinen einflusz haben, glück gewünscht wird.
a)
verbale wendungen:
got sol iu gelücke geben
Hartmann von Aue Erec 657;
got der gebe gelücke uns beiden
Gottfried von Neifen 14, 5;
ir solt lesen vnd predigen wie vor ... mit disem beding, das ir hinfort on sein wissen und willen nichts solt im druck lassen auszgeen. gott gebe euch glück darzuͦ Vogelgesang heimlich gespräch 36 ndr.; gott erhalte euch lang dabey undt gebe euch glück undt seegen Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 1, 364 Holland;
gott gebe eüch hail und gelück
pfarrer v. Kalenberg 31 ndr.;
das dir gott glück vnd heil bescher
Er. Alberus fabeln 214 ndr.;
der höchste woll auf ihn der brüder glück und seegen,
so ihm sonst erblich ist, nunmehro doppelt legen
Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 194;
glück und heyl
bleibe dein beständig theil
ebda 1, 7;
heil und glück und gottes segen
komm euch zu wie merzenregen
Schweizer volkslieder 229 Tobler;
Hecaste, dir sey glück und heil
H. Sachs 6, 168 K.;
und an jedem ort
sei dir glück und heil zur seite
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 3, 138 G.
— da schlage glück zu bene sit, καλῶς ἔσω Henisch (1616) 1655; es haben sich an ym (Christus) auch geergert seine Ecken, Spitzen, Emser ... also mussen sich auch an mir meine Annas, Caiphas ... ergern, da schlag gluck zu (das wolle das glück geben) Luther 7, 274 W.; sonst gern ironisch: so sagen sie den: ey, ich thusz in eyner gutenn meynung. ja do schlah gluck tzuͦ, du thust gleych als die juden mit deyner guthen meynung ders. 10, 3, 408 W.; das sie (die Merowinger) ... nicht dann den eytlen namen des künigs fürten. aber schlag glück zuͦ, ir majordominus ... hetten sie also undertruckt, daz ir niemand mer achtet Seb. Franck chron. v. d. Francken ankunfft (1539) 45ᵇ. gratuliern ... glück zu einem ding geben S. Roth dict. (1571) g 8ᵃ;
die königin gibt ir glück und sagt:
gott wöll euch beden vil glücks geben
Jac. Ayrer dramen 879 Keller.
glück wünschen, mhd. hinter heiles, sælden wünschen noch ganz zurücktretend, bezieht sich zunächst auf etwas zukünftiges, der nachdruck liegt dann zumeist auf dem gelingen: gleich wie man einem glück vnd heil wündscht, wenn er was newes anfehet Luther bei Dietz Lutherwb. 2, 139ᵇ; doch auch allgemeiner: du solt inen weder glück noch guts wündschen ebda; (den zum ritter geschlagenen) glück in ihren neuwen orden wünschen buch d. liebe (1587) 239; wir wünschen (euch) zu euer wirtschaft zumal vil gelukches (1447) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 46; und diesem wünsch ich gut glück zur besserung Chr. Weise erznarren 3 ndr.; unter betonung des fernbleibens von schaden: ... womit ihme glück auf die reise gewündschet wird fruchtbr. ges. erzschrein 425 Krause. als grusz bei der aussaat s. Prause gruszformeln (1930) 149; glück wünschen beim niesen, s. handwb. d. dt. aberglaub. 6, 1072f.; wenn der kayszer ... nieset, so wünschen ihm die umstehenden ... glück Lichtenberg aphorismen 1, 70 lit.-denkm. besonders gern in den formeln glück und heil, glück und segen: allen ... inwonern in Saltzburg ... wünsch ich ... glück vnd hayl in unserm heeren Jhesu Christo Berthold v. Chiemsee theologey 2 Reithmeier;
vil glickh und heil
das wuntz ich ir (der geliebten)
volks- u. gesellschaftslieder 18 Kopp;
ich wünsch euch schlecht für meinen theil,
verliebte beide, glük und heil
J. Grob dicht. versuchgabe (1678) 131;
wir ... ihme dazu glück vnd segen ... wünschen Rollenhagen froschmeuseler (1595) b 5ᵇ. mit steigernden zusätzen: und wünsche ihnen und ihr selbst tausend glück darzu v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 311; wünschen tausend glück und segen E. M. Arndt s. w. 1, 109 R.-M.;
ich wünsche ihm so viel glücke fein,
so viel wie stern am himmel sein
A. v. Arnim w. 13, 71 Gr. (des knaben wunderhorn);
ich wünsche dir jedes erdenkliche glück Fontane ges. w. I 5, 76;
wünsch dir von herzen alles glück
maler Müller (1811) 1, 230;
und ich wünsche dir von ganzem herzen glück dazu Raabe alte nester² 211. echter wunsch für die zukunft steht im vordergrund: got grüsz dich, lieber Götz! ich wünsch dir vil gelücks in die ee zu deiner junckfrauen Albrecht v. Eyb dt. schr. 2, 150 H.;
dies ist ein muntres hochzeitsstück (der musik),
es wünscht dem jungen paare glück
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 10.
mit stärkerem nachdruck auf der freudenbezeugung: der doktor tritt mit dem Pantaleon auf, der ihm wegen der bevorstehenden heyrath seiner tochter glück wünscht Lessing 6, 387 M. eindeutig ist der sinn bloszer freudenbezeugung da, wo es sich um etwas in der vergangenheit liegendes handelt, etwas erreichtes, einen besitz, den erfolg eines angehörigen des beglückwünschten: und Achior und Nabath, Tobie vettern, kamen zu im, und wündscheten im glück, freweten sich mit im alles des glücks, das im gott gegeben hatte Tobias 11, 19;
wünschten ihm auch des glückes viel,
das er in sölchem ritterspiel
so tapffer ehr hatt eingelegt
Thym Thedel v. Wallmoden 1377 Z.;
vnd wünschet ihm gelück gar fein
zu dem gewunnen kleinot sein
Spreng Ilias (1610) 328ᵃ;
nach diesem wurde dem neuen herrn gesellschafter ... zu der eintretung glükk gewünschet Neumark neuspr. teutsch. palmb. (1668) 186;
die thiere wünschten schaarenweis
ihm glück zu dem errungnen preis
Pfeffel poet. vers. (1802) 4, 129;
ich habe von Betty eine sehr freudige neuigkeit gehört, und ich komme, ihnen dazu glück zu wünschen Lessing 2, 319 M.; man ... wünschte sich wechselweis viel glück, so gut aus einem so schlimmen handel gekommen zu seyn Klinger w. (1809) 3, 72; zuvörderst will ich zu eurem Rafaelischen fest glück wünschen, es war gut ausgedacht Göthe IV 33, 9 W.; und ich wünsche neuerdings glück zu der sprache, mit der sie (C. F. Meyers 'leiden eines knaben') gesprochen ist G. Keller 3, 544 Bächtold; dem alten fürsten (von Dessau) wünschte Friedrich zu einem sohne glück, der eine solche waffenthat auszuführen vermöge, ... eine festung zu nehmen, ohne kanonen noch sturmleitern, mit dem degen in der faust Ranke s. w. (1867) 28, 396. ohne persönlichen partner abgeblaszter 'glücklich preisen' im hinblick auf eine tatsache: wir wünschen dem menschlichen geschlechte zu diesem neuen schatze glück J. J. Schwabe belust. (1741) 1, 41; dasz ich ... sie (Denis' Ossianübersetzung) gleich unter die lieblingsbücher meiner bibliothek gestellt, und Deutschland zu einem barden glück gewünscht, den der schottische barde nur gewecket Herder 5, 159 S.; dasz wir dem deutschen vaterlande zu der bekanntschaft mit diesem dichter ... glück wünschen Solger nachgel. schr. u. br. (1826) 2, 611; schlüszlich wünsche ich dieser dichtart noch glück zu einem vorrechte, dessen sich ihre schwestern mit groszer sparsamkeit ... bedienen dürfen, nehmlich zum gebrauche der körnigten alten sprache Kretschmann s. w. (1784) 1, 22. sich glück wünschen 'sich freuen, sich glücklich preisen, zufrieden sein': ich wünsche mir öfter zu meinen lastern glück Göthe I 45, 102 W.; aber es wäre ein unglücklicher gedanke, sich glük zu wünschen, dasz die entzündungsperiode nunmehr überstanden sey Schiller 1, 169 G.; er wünschte sich glück, zugleich bruders und freundes stelle bei mir einzunehmen Scheffel ges. w. 3, 220 Proelsz; zu einem besonders glänzenden siege über träges herkommen durfte aber Turgot sich glück wünschen, als es ihm gelang, den ... landmann ... zum kartoffelbau zu bewegen Dahlmann gesch. d. frz. rev. (1845) 30. glück bieten 'glück wünschen, grüszen': wie der engel kummett und bewt der junckfrawen gluck Luther 9, 629 W.
b)
verballose formeln: vnd sprach: glück meinem herren Dauid ewiglich Züricher bibel (1531) 57ᵃ (1. kön. 1, 31); glükke den beyden! Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 264; viel glück Müllner dram. w. (1828) 4, 62. als abschiedsgrusz: viel glücks Lessing 3, 151 M.; gut glück, ihr kinder maler Müller (1811) 1, 315. als willkommensgrusz: als er (Hinz der kater) ... einen martingsvogel gewahr ward, rief er: gut glück, edler vogel! kehre deine flügel hierher Gottsched Reineke fuchs 21 Bieling; glück und heil (ohne sonstigen zusatz) Steinhöwel Äsop 41 lit. ver.; eur königlichen gnaden heil und glück Shakespeare (1797) 9, 31; glück und segen und des himmels auserlesenste gunst über dich M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 86. durch verbindung mit zu wird entweder ein bevorstehendes unternehmen bzw. sonst zukünftiges bezeichnet (echter wunsch, vgl. obenglück wünschen sp. 225): glück zum gastmahl sit felix convivium Orsäus nomencl. meth. (1623) 293; viel glücks zum neuen jahre, ihnen und unserm lieben kleinen grafen! Lessing 18, 216 M.; glück zu deinem geschäft Herder 23, 11 S.; viel glück zur reise Göthe IV 3, 54 W.; euch glück zur jagd; mir glück zur reise auf traumesfittigen Fouqué altsäschs. bildersaal (1818) 4, 49;
viel glück zu dem versuch!
Grillparzer 5, 159 Sauer.
schwächer als grusz: viel glick zum handwerk G. Hauptmann weber (1892) 97; geᵃt glatch (glück) zer arbet siebenbürg.-sächs. wb. 1, 175. oder es wird mit zu eine vollendete glückliche tatsache bezeichnet (freudenbezeugung, vgl. obenglück wünschen sp. 256):
viel glücks zum neuen meisterrechte
J. Chr. Günther ged. (1739) 522;
glük zu der weiszheit, sohn,
du Thales unserer zeit, du mehr als Salomon
Rachel sat. ged. 60 ndr.;
willkommen! glück zu deiner ankunft Heinse 6, 109 Sch. verbindung mit auf (immer echter wunsch): glück auff die reise sit felix iter, opto tibi incolumem reditum Orsäus nomencl. meth. (1623) 290; nun glück auf den weg, alter freund D. Fr. Strausz Schubarts leben (1849) 1, xviii. glück zu (vgl. unten zusammengerücktes glückzu), seit anfang d. 16. jh. bezeugt, entstanden durch verbindung mit verstärkendem, anfeuerndem zu (s. teil 16, 150f.), vielleicht unter mitwirkung von verkürzungen aus glück falle (dir) zu (s. teil 16, 347), glück schlage zu (s. o. sp. 255 und teil 16, 798), vgl. woordenboek d. nederl. taal 4, 1294: glück zuͦ, gott wölle das es dir glücklich vnd wol gange bene tibi vertat hec res, bene vertat Maaler (1561) 186ᵈ. als glückwunsch zu einem vorhaben u. dgl.: hosanna, das ist glück zuͦ, das ist got, gib glück Luther 10, 3, 68 W.;
glück zu, glück zu und alles gut,
das euch von got herkummen thut
H. Sachs 1, 157 K.;
theils seiner cameraden riefen ihm nach: glück zu, bruder, glück zu! Grimmelshausen Simpl. 329 Scholte;
glück zu dann! hohes paar, lebt noch so lange zeit
v. König ged. (1745) 173;
das glücke sey dir zugethan ...
glück zu! glück zu! so ruffen wir
Gottsched ged. (1751) 1, 113;
glückzu uns Römern, dasz er (Hermann) umkommt! es ist ein furchtbarer mann Klopstock s. w. (1823) 10, 284; glück zu also, glück zu dem lieben wanderer, der mich auf meiner romantischen reise zur wahrheit ... so brüderlich ... begleiten will Schiller br. 1, 245 Jonas;
ich möchte heim, bin satt von deiner (der welt) freude,
glück zu, wem sie gefällt!
K. Gerok palmbl. (1877) 90.
als freudenbezeugung:
bekränzt mich und ruffet: glükk zu!
der sturm ist vorüber, mir bleibet die ruh
Stieler geharnschte Venus 105 ndr.;
glück zu, gnädiger herr, unser traum ist erfüllt Wieland w. (1794) 12, 35; glück zu, alter, du bist dem tode entronnen Kotzebue s. dram. w. (1827) 2, 13; glück zu, dasz du mit Höpfern auseinander bist Göthe IV 5, 221 W. als zuspruch bei betrübnis:
glück zu, vatter! was bist betrübt?
sag ursach, was dich darzu übt
H. Sachs 6, 149 K.;
vergisz allen kummer; ... es gibt ja der dirnen noch viel. glück zu, alter freund maler Müller w. (1811) 1, 139. als begrüszungsformel: glück zu ave, salve Henisch (1616) 1655; glück zu salve Stieler (1691) 2653; gegrüsset, das ist böse deudsch. wir grüssen also auff deudsch, guten abend, glück zu etc. Luther glosse zur bibel 7, 546 f. Bindseil;
glück zu, ir herrn unnd gesellen mein
H. Sachs 5, 47 K.;
glück zu, herr Peter, ein guten tag
Hayneccius Hans Pfriem 20 ndr.;
am Belt stiesz einem nimmersatt
ein vielfrasz auf. 'glück zu! wie steht es um den magen?'
rief dieser
Pfeffel poet. vers. (1802) 9, 138;
glück zu! den schönen fraun, den klugen greisen
Göthe I 15, 1, 113 W.
auch an auszermenschliches:
glück zu, ihr grünen bäume
Königsb. dichterkr. 25 ndr.;
glück zu, du ödes feld! glück zu, ihr wüsten auen!
Logau 54 Eitner;
heute noch als handwerksgrusz der drechsler in Barmen: glück zu (meister und gesellen) von wegen des handwerks Prause dt. gruszformeln (1930) 101. im 16. und 17. jh. besonders auch als heilruf gegenüber fürstlichkeiten statt des späteren vivat, lebe, hoch u. dgl.: glück zu, er könig, glück zu, er könig 2. Sam. 16, 16; glück zuͦ dem neuwen künig Züricher bibel (1531) 135ᵇ (1. Sam. 10, 24); als er (der fürst) auf die burg fuhr, da rief jederman glück zu Zesen Assenat (1679) 432;
glück zu, o jüdenkönig
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 304.
als abschiedsgrusz:
geh, lauff nur hin! glück zu! glück zu!
zu rechter zeit kumb wider du!
H. Sachs 17, 103 K.-G.;
glück zu, ich fahr dahin mit pracht,
baldt werdt ich zu eim bapst gemacht
Er. Alberus fabeln 142 ndr.;
glück zu, nachbar Bruse, ich musz da in die schmiede gehen Schoch com. v. studentenleben (1657) h 7ᵃ;
glick zu, du hof und du hofleben
G. R. Weckherlin ged. 2, 448 Fischer.
erweitert als selbstbesegnung, selbstermunterung:
deshalben ich
will leiden mich
mit meinem herrn
ganz willig und gern —
glückh zue uf unser (var. meiner) seiten
volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 193 Kopp;
welt wie du wilt!
got ist mein schild.
glück zu auff vnser seiten
Forster frische teutsche liedlein 34 ndr.;
die ein testament wolten machen, sprachen: hoc bene sit, das wende gott zum besten, glück zu auff vnser seitten Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 3ᵇ. glück auf (vgl. unten zusammengerücktes glückauf). mit ermunterndem auf (s. teil 1, 603f.) wie das bereits mhd. wol ûf u. ä. wohl nach (auch früher bezeugtem) glück zu gebildet; mitgespielt haben vielleicht formeln wie glück auf die reise, auf den weg, die allerdings allgemeiner erst etwa gleichzeitig (anfang des 17. jh.; vereinzelt: die [Lutherischen] wünschen glück uff des Luthers syt Murner luth. narr. 14 Kurz) bezeugt sind. zunächst als allgemeine glückwunsch-, ermunterungs- und begrüszungsformel: glück auff, glück auff ihr wipper discurss etzl. pers. v. d. zustand d. kipper u. wipper (1621) b 1ᵃ; glück auf! formula congratulandi, idem quod: sit felix & faustum, res bene vertat Stieler (1691) 674 (der hinweis auf das angeblich daraus entstandene leykauf trinken zeigt, dasz nicht an bergmännische sphäre gedacht ist). im 17. und gröszten teil des 18. jh. in dieser allgemeinen verwendung nur selten: Thales: glück zu! Strabo: glück auf! H. G. Koch Democrit 4 in: samml. v. schauspielen (1764) bd. 1; erst seit der klassischen periode wohl unter dem einflusz des bergmännischen gruszes wieder häufiger. als begrüszung:
edler vogel! glück auf! (quelle: glück zu, s. o.) o wende die
her zu meiner rechten flügel und fliege
Göthe I 50, 29 W. (Reinecke fuchs);
beim eintritt begrüszte mich (Grüner) Goethe freundlich mit glück auf! bei W. frhr. v. Biedermann Goethes gespr. (1889) 4, 259; glück auf, mein schatz! glück auf! glaubtest du nicht, ich käme gar nicht zum essen nach hause v. Ayrenhoff s. w. (1814) 3, 24;
glück auf, ihr herrn. was führt euch her zu mir?
Grillparzer 8, 165 Sauer;
glück auf, Hanne! rief die alte drauszen Raabe schüdderump (1870) 1, 124. als abschiedsgrusz:
glück auf, ihr herrn! wir sehen uns demnächst
Grillparzer 6, 174 Sauer.
als echter wunsch:
also glück auf, und lassen sie vom stapel laufen, was gleiten will
Görres ges. br. (1858) 2, 306.
als freudenbezeugung:
glück auf! dasz wir so weit gekommen sind
Göthe I 36, 369 W.
im 18. jh. auch als jägergrusz: glück auf ist ein wunsch der jäger, wenn sie zusammentreffen, oder auf die jagd gehen Heppe wohlred. jäger (1763) 152ᵃ. seit der zweiten hälfte des 17. jh. zunächst im sächsischen als bergmännischer grusz, auf das sichaufschlieszen der erzgänge gedeutet: glück auff! ist der grusz, damit die bergleute einander grüszen G. Junghans auszgekl. gräubl. ertz (1680) c 3ᵃ; glück zu ist nicht bergkmännisch. glück auff ist bergkmännisch. glück auff! auff! heist es, nicht glück zu. bergkleute leiden diese formel nicht, sie dancken auch gar nicht gerne einmal auff das glück zu; aber auff das glück auff dancken die fleiszig Melzer bergkl. beschr. d. bergst. Schneebergk (1684) 671; glück auff! ist der bergleute gewöhnlichster grusz. und würden sie es sehr übel empfinden, wenn einer sagen wollte: glück zu. indem die klüfft und gänge sich nicht zu-, sondern auffthun müssen Herttwig n. u. vollk. bergbuch (1710) 178ᵃ; vgl. noch Minerophilus (1730) 299; Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 123ᵃ; R. Köhler alte bergmannslieder (1858) 20; Veith bergwb. 245 f.; Prause dt. gruszformeln (1930) 194 ff.;
glück auf, glück auf!
der steiger kommt
R. Köhler alte bergmannslieder (1858) 49;
metalle stürzen wir zu hauf
mit grusz getrost: glück auf! glück auf!
Göthe I 15, 1, 53 W.
glück an als grusz der landenden:
da landen wir,
da sind wir schon.
glück an! dem herren,
dem patron
Göthe I 15, 1, 296 W. (Faust v. 11167).
glück ab als fliegergrusz Anders-Eichelbaum wb. d. flugwesens (1937) 121. glück auch vereinzelt im fluch: botz glück Simbrecht ..., sagte er unterwegs, kommen wir in das paradies, wie wollen wir fressen Grimmelshausen Simpl. 183 Scholte; potz glück ebda 79; vgl. teil 2, 279 u. 7, 2039.
2)
schwer von glück als begleitendes oder förderndes prinzip (II C 1 c) zu trennen, erscheint glück oft geradezu als eine dem menschen eigene kraft, die sich im einzelfalle bewähren kann oder nicht (vergleichbar der nord. hamingja, fylgja) oder gar als die ständige eigenschaft dessen, der glück, erfolg, gelingen, glückliche umstände oder zufälle zu haben pflegt; bereits mhd. in deutlichen ansätzen vorhanden, wird diese verwendung besonders seit dem 16. jh. geläufig:
Condwîr âmûrs mac wol jehn
daz ich der unsælige bin
unt dîn gelücke hât gewin
Wolfram von Eschenbach Parz. 213, 10;
sus irhubin si (die beiden könige, die sich zum gottesurteil
entgegentreten) den nit:
si rifin 'moschalem!' gelfe,
iz insolde en nimant helfe,
wan ir ein konic aleine eme
solde sinen got zu hulfe neme,
zu besen sin glucke,
mitten uf der brucke.
welchis got vermochte me,
des gloube solde vort ge
Helwig märe v. hl. kreuz v. 843 Heymann;
arm leuth haben eben einen namen, wie sie glück haben S. Franck sprichw. (1541) 1, 117ᵃ; es erbet wol einer desz andern geld, aber nicht sein glück Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, z 5ᵇ; ein jedes kind bringt sein glück mit, wenns geborn wird, vnd nimpts mit weg, wenns stirbt ebda 2, h 1ᵃ:
wer glück hat, dem fleucht jeder stund
wol ein gebraten hun in mund
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 59;
welches ... ein gut omen für mich war, dasz ich noch mit der zeit, wann ich anders das glück darzu hätte, ein weltberühmter mann werden solte Grimmelshausen Simpl. 12 Sch.;
ich spüre was in mir von seinem (Cäsars) geist,
gieb mir sein glück, das andre will ich tragen
Schiller 2, 2, 12 G.;
und bat
die himmlischen, den muth und arm, das glück
des groszen königes mir zu verleihn
Göthe I 10, 90 W.;
auch glaub ich gewisz noch glück von ihr her zu haben. denn elternsegen ruht auf kindern und kindeskindern U. Bräker s. schr. (1789) 1, 18; vgl. jemandes glück erben teil 4, 1, 2, 3033; in einigen dingen habe ich doch ein rasendes glück A. v. Droste-Hülshoff br. 204 Schücking; schau, Hermann, ich hab kein glück; wenn ich etwas anrühre, gerät es mir zum unheil oder es zerbricht mir unter den händen W. Weigand d. rote flut (1935) 441;
krank an glück, an leib und ehre
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1878) 261;
man soll sich seines glückes nicht rühmen Fontane ges. w. I 5, 43. hierher wohl auch sein glück versuchen 'sein glück kennen lernen wollen, auf die probe stellen' u. ä. (vgl. ohne possess. oben sp. 249):
doch wolt er sins glúckes teil
bas ervarn und oͮch sin heil,
ob got im helfen wolte
das im gelingen solte
Rudolf von Ems weltchronik 18370;
ich wil vürebaz
mîn gelücke noch versuochen,
ob dâ vrouwe Sælde mînes heiles welle ruochen
Neidhart von Reuental 99, 39 H.-W.;
du soltest reht versuͦchen din gelúk Seuse dt. schr. 12 Bihlmeyer; dieses müssen sich alle diejenigen wohl merken, die ihr glück auf der schaubühne versuchen wollen, damit sie nicht ungereimtes zeug machen Gottsched vers. e. crit. dichtk. (1751) 27;
ein jeglicher versucht sein glück
Schiller 11, 206 G.;
so nahe bei Paris, konnte ich unmöglich versäumen, mein glück auch in den dortigen sammlungen zu versuchen Ranke s. w. (1867) 3, vi. doch wird die wendung meist nicht mehr so empfunden, sondern sie gewinnt den sinn von 'etwas in hoffnung auf gelingen bzw. aufs geratewohl unternehmen, wagen, durch etwas erfolg zu erreichen suchen':
jeder streicht zu, versucht sein glück,
es ist zuletzt eine katzenmusik
Göthe I 3, 334 W.;
um in den schrägen schuttstreifen mein glück (beim anstieg) zu versuchen H. v. Barth nördl. Kalkalpen (1874) 325. besonders im militärischen bereich (vgl. II A 3 c): ... resolvierte er ... unterdessen auf dieses thor mit petardieren sein glück zuversuchen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 74; die Athenienser ... versuchten solchergestalt ihr glück zur see Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 21; so gut das gebirge besetzt war, so war doch Maximilian nicht abzuhalten, sein glück daran zu versuchen Ranke s. w. (1867) 1, 119; sein glück probieren Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 23.
3)
glück als irdische und himmlische glückseligkeit; dabei ist nur für erstere glück wirklich geläufig, während für die himmlische synonyma wie (mhd.) heil, sælde, sælekeit, (nhd.) heil, seligkeit u. s. w. üblicher sind. vielfach ist die himmlische der irdischen glückseligkeit gegenübergestellt: nu spricht aber her David: 'entschlaffent ir entzwúschent zwain gelúken ...' ... daz ist der welte vroͤde und ere und guͦt, daz ist daz aine; daz ander ist hymelschú vroͤde. und dirr gelúke hant wir enweders, won swer der welte gelúke versmahet und zuͦ gaischlichem lebenn kunt, der schlâffet zwúschent zwain gelúken, der welte und des hýmelriches St. Georgener prediger 93;
dann uff die wält und iren pracht
hat er mer gseen und gott veracht,
dann uff das glück und sines heil,
darumb er der sünd ist worden z'teil
J. Ruff Adam u. Heva 85 Kottinger;
mein ewig glücke kan kaum blühn,
wofern ich ruhig lebe,
und dort den rechten schatz zu ziehn,
mich nicht der welt begebe
J. Chr. Günther ged. (1739) 70;
mein zweck ist, unser deutsches vaterland zu belehren, dasz der weg zum wahren zeitlichen und ewigen glück zwischen unglauben und schwärmerei mitten durchgehe Jung-Stilling s. schr. 6, 6 Gr.;
und wer das glück der ewigkeit
für erdenglück verschenkt
Schubart ged. 260 Hauff;
dasz unsere göttliche religion unser glück hier und jenseits des grabes baue Herder 1, 22 S. auch ohne die gegenüberstellung: wir ... han gegeben den bruͦel zu Loͤhen dem cloͤster ze Steten durch meiner sele gelukes willen, also das sie alliv jar min jargezit da mit sulen began (1300) monumenta Zollerana 1, 109;
aus Zion wirt got segen dich,
daz du wirst schawen stetiglich
das gluck der stadt Jerusalem
Luther bei Wackernagel dt. kirchenlied 3, 9;
hilff heilige dreyfaltigkeit
zu glück vnd seligkeit
Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 4ᵃ.
zeitliches, irdisches glück u. ä.: tzijtlich gelucke pilgerf. d. träum. mönchs 11730 Meijboom; es kommt ihnen mehr auf ihren ruhm oder ihr zeitliches glück ... an J. J. Engel schr. (1801) 1, 78;
es folgt gedeihn und festes irdsches glück
Göthe I 2, 147 W.;
freilich hatte er dann wieder stunden voll verachtung gegen alles, was auf erden glück heiszt P. Dörfler abenteuer d. Peter Farde (1929) 278; in dieser streitbaren beschränkung auf das glück des diesseits liegt der erfolg und — die tragik des sozialismus beschlossen W. Weigand d. rote flut (1935) 135. damit in gewissem zusammenhang, doch ohne unmittelbare beziehung auf das religiöse, das glück des lebens: das glück des lebens liegt dunckel auf mir Göthe IV 3, 140 W.;
mag ich kalt das opfer nehmen,
das du mit der tugend freuden,
mit des lebens glück mir bringst?
Grillparzer 4, 20 Sauer;
denn abschiednehmen will nicht eines gern,
das gern am glück des lebens sich erfreut
R. A. Schröder herbst am Bodensee (1925) son. 7.
glück geradezu als inbegriff des lebens:
mit einem winke giebst du und nimst du ja
dem wurm, dem stunden sind wie jahrhunderte,
sein kurzes glück
Klopstock oden 1, 74 M.-P.;
ich vertraue dir das glück meines lebens (er will sie entführen) Iffland theatr. w. (1827) 1, 28; das glück ihres daseins E. M. Arndt s. w. 1, 24 R.-M.
4)
glück als der zustand einer günstigen äuszeren lage, des besitzes von glücksgütern oder auch diese selbst.
a)
allgemein: nu hat der mensche doch alle ding von got emphangen, alles das er hat inwendig und uswendig: guͦt der naturen, guͦt der gnaden und guͦt des gelúkes Tauler pred. 137 Vetter; glück heist ... derjenige zustand des zeitlichen lebens, da man gutes und wohl genieszet G. H. Zincke allg. öcon. lex. (1753) 1, 967. in verbindung mit religiösen werten:
gottes gnad, ein gsunder leib,
ein gutes bett, ein schönes weib,
tausend dukaten in der not,
fröhlich urstand nach dem tod,
wer die sechs glück beisammen hat,
der komm und lösch den reimen ab
(hausspruch aus Röckingen) Gött. gel. anz. (1901) 868.
b)
auf äuszeren besitz bezogen:
und ich (habgier) wil dir sagen daz ich bin die
die das gelucke eindeil hait hie,
und ich fuͤgen den luden glucke zu,
wann ich wil
pilgerfahrt d. träum. mönchs 9357 Bömer;
er was von geringem glück (arm) Erasmus Sileni Alcibiades (1525) a 2ᵇ; Cn. Scipio ... hat viel krieg geführet, unnd viel glücks (glücksgüter) erobert, dadurch er allein den römischen gemeinen nutzen bessert R. Lorichius paedag. principum (1595) 336;
beschert dir gott ein ziemlich glück,
so sihe, das dich der geitz nicht drück.
nach reichthumb eil nicht all zu sehr,
das sich das glück nicht widerkehr
Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, k 4ᵃ;
allein sie sind ihrer mittel und väterlichen güter beraubet worden, und die gemüther sind grosz, das glück aber ist gering
J. B. Schupp Corinna 84 ndr.;
und dasz sie (die galgenmännlein) geld und glück über glück eintragen sollen
Grimmelshausen Simpl. (1713) 3, 627;
freunde, die in not man liebet, haszt im glück man unverholen
Logau sinnged. 407 Eitner;
welch elend ist mein glück, wenn ich von unruh voll,
als meines schatzes herr, den schatz nur hüten soll!
Gellert (1784) 2, 5;
nichts nennt er sein als seinen rittermantel,
drum sieht er jedes biedermannes glück
mit scheelen augen giftger miszgunst an
Schiller 14, 284 G.;
viel blanken goldes lieszen sie zurück,
für manchen andern ein ersehntes glück
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 221.
die gleichsetzung von glück und reichtum besonders volkstümlich sehr verbreitet, daher häufig im märchen, z. b.: als die mutter hörte, wie es zu dem reichthum gekommen, wollte sie der andern schönen und faulen tochter gern dasselbe glück verschaffen kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 109. sprachläufig geworden ist der titel des 83. der kinder- und hausmärchen Hans im glück u. ä.; oft aber in umfassenderer bedeutung.
c)
von günstiger äuszerer lebenslage, sozialer lebensstellung. bereits mhd. begegnet vereinzelt die der neutralen bedeutung von glück näher stehende bedeutung 'lebenslage, beruf', s. o. sp. 231. auch spätere belege zeigen noch ein mehr neutrales gepräge: mit seinem glück vnnd stand zufriden sprichw. sch. w. klugreden (1548) 45ᵃ; es soll jeden benuͤgen das glück vnd stand, darein in gott gesetzt ebda 173ᵃ; also musz man die menschen nicht nach ihrem stande und glücke beurteilen Ramler einl. in d. sch. wissensch. (1758) 2, 78. daneben dann mit stärkerer betonung der günstigen seite: wann ich mein glück eigengefallen nach erdichten & erdencken könte, wolte ich mich einen dorffpfarrer wünschen J. B. Schupp schr. (1663) 562; in der that hatte ich unter den süszen träumen eines adelichen glückes schon mein vier und zwanzigstes jahr herangebracht Rabener s. w. (1777) 3, 164; wenn sie mich in kurzem wiederum von allen hoffnungen und ansprüchen auf ein fixiertes glück, wie man es nennt, weit entfernt sehen sollten Lessing 17, 208 M.; (ich) werd auch einmal für sein glück zu sorgen wissen Lenz schr. 1, 9 Tieck; von dem falschen ehrgeiz ... der ... vor dem im glücke sitzenden laster kriecht S. v. Laroche frl. v. Sternheim 99 lit.-denkm.; der papst habe dir eine stelle von fünfhundert scudi gegeben, ich bitte dich, bringe dich nicht ... um ein solches glück Göthe I 43, 347 W.
d)
von macht, ehre, ruhm (von c nicht immer sicher zu trennen):
diesz ist die vrsach, warumb gern
die groben esel werden hern,
das glück ist grosz, die kunst ist klein
Er. Alberus fabeln 104 ndr.;
o! denkst du bey dir selbst, geh, stolzer höfe glück,
dich sucht mein ehrgeiz nicht
J. J. Schwabe belustigungen (1741) 1, 130;
Seni ... hatte es in den sternen gelesen, dasz die glänzende laufbahn seines herrn noch lange nicht geendigt sey, dasz ihm die zukunft noch ein schimmerndes glück aufbewahre Schiller 8, 143 G.;
neidenswertes glück der grösze
Grillparzer 7, 121 Sauer;
sitzt ein könig stolz im glücke: wenig gilt ihm ein prophet
K. Gerok palmbl. (1877) 21;
dich nennt dein vaterland und sieht auf dich,
das ist der höchste gipfel jeden glücks
Göthe I 10, 183 W.
e)
von äuszerlich günstiger heirat, 'günstige partie', vgl. auch unter f: vnnd kame allso ausz, dasz er ain eefrauwen nemen wollt ... vnnd gedacht ym ain yeder: wer waiszt, got gibt meiner tochter das glück als bald als ainer annderen Fortunatus 64 ndr.; es dauerte auch nicht lange, so kam ein könig ... und machte es (die stieftochter) zu seiner gemahlin. die mutter aber gedachte, sie wollte ihrer tochter auch so ein groszes glück verschaffen kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 46; und sie hielten hochzeit miteinander; die beiden schwestern aber, weil sie ihr glück versäumt hatten, waren so bös ebda 2, 103. vgl. auch f.
f)
vorzugsweise auf a-e beziehen sich einige feste verbale verbindungen: dem glück fröhnen: Ramler lyr. ged. (1772) 164; sein glück gründen: Gellert, s. teil 10, 1792; sein glück verscherzen: herrn v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 23 Neukirch; ausschlagen: J. B. Schupp Corinna 27 ndr. (sein) glück suchen: ... bestimmen mich ... diese müszige landlebensart zu verlassen und auf dem wege ritterlicher abenteuer ein anständiges glück zu suchen Wieland (1794) 11, 122; der in seiner jugend hart von den eltern gehalten, sein glück in der ferne gesucht hatte Göthe I 45, 61 W.; einmal war ihm der gedanke gekommen, ob er nicht vielleicht zu höherem bestimmt sei und in der weiten welt sein glück suchen sollte M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 234; ich (Moltkes vater) muszte nun mein glück wieder im militärstande suchen, da ich als landmann nichts mehr zu hoffen hatte Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 11; so wollte ich in ein besseres land und mit gottes hülfe ein besseres glück suchen Göthe I 43, 278 W. besonders sein glück machen eine günstige lebensstellung erlangen, zu reichtum, macht, ehre kommen (vgl. II A 2 und teil 6, 1375): nun bin ich endlich auf dem wege, mein glück zu machen, und ein mann von wichtigkeit zu werden Rabener s. w. (1777) 3, 155; einen weg, auf welchen zu allen zeiten ... die nichtswürdigsten leute an höfen ihr glück gemacht haben Wieland Agathon (1766) 2, 214; ich komme, mein glück zu machen (er sucht eine stellung) Schiller 14, 223 G.; freimaurer sollte heut einer sein! ... dann macht er sein glück Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 30. besonders in der welt sein glück machen: sein glück in der welt machen und treiben Spener erkl. d. 1. ep. Joh. (1699) 452; dasz man dadurch (durch verkennung der ehre) öffters sein glück in der welt mache Chr. Wolff v. d. menschen thun u. l. (1720) 402. dann, besonders von frauen, 'heiraten, eine günstige partie machen', sein glück machen heiszt bei dem gemeynen volke: ein hauskreuz nemen J. J. Spreng idiot. raurac. 18 Socin: dasz sie nimmermehr hoffen darf, ihr glücke auf eine ihrem stand und ihrer geburt gemäsze weise zu machen Gottsched vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 159; verliebte sich in eine der schönen töchter, welche dachte, ihr glück gemacht zu haben mit so einem reichen herrn kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 340; auch ohne possessivum: (der vater zur tochter) wenn du nicht ein glück machst, dasz du ordentlich darnach zitterst, so darfst du nicht aus dem hause — ein glück muszt du machen, dasz die ganze Fichtau die hände zusammenschlägt Stifter s. w. 2, 41. auch jemandes glück machen 'sein glück bewirken, ihm besitz, eine günstige lebensstellung u. dgl. verschaffen' (vgl. teil 6, 1373):
wir haben uns groszmütig vorgesetzt
auch dieses armen bettlers glück zu machen
Schiller 13, 428 G.;
ich danke ihnen ... für den vorsatz, mein glück so machen zu wollen H. Beck d. herz behält s. rechte (1788) 1, 18; ich bin überzeugt, dasz ich mit dieser ernennung dein glück mache A. v. Arnim 15, 54 Gr.; jemanden einen spitzbuben nennen heiszt sein glück machen, statt ihn zu brandmarken Grillparzer 13, 60 Sauer; gegen mich ist er väterlich warm und will mein glück machen, da er mich wirklich mehr liebt, als ich es verdiene Stifter s. w. 1, 71.
g)
wohlergehen, gesundheit, fernsein von unglück, schmerzen u. dgl.:
mîn minne sol iu fride bern,
gelückes vor der angest wern,
daz iwer ellen niht verbirt
irn wert iuch vaste unz an den wirt
Wolfram von Eschenbach Parz. 371, 10;
das wahre glück des menschen ist gesundheit und froher mut palmblätter (1797) 2;
den genesenen grüszt doppelt willkommen das glück
R. A. Schröder elysium (1912) 229;
welche (alraunwurzel) vorzeiten, und noch etwa, für ein gross heiligthumb zum glück der menschen und des viehes gehalten werden Prätorius saturnalia (1663) 188. spezieller: o ir götter, ich bitt euch geben diser glück zuͦ geberen (facilitatem pariundi) Boltz Terenz (1539) 8ᵃ. auch übertragen auf auszermenschliches, vegetatives: bei den bäumen, deren glück sie kannten, deren frühling und sommer ihnen in die frühesten erinnerungen klang R. M. Rilke br. 1899 -1902 (1931) 79.
h)
freiheit, uneingeschränktheit der persönlichen betätigung (doch vgl. auch II E 5): (da) sah ich, dasz das unschätzbare glück der freiheit nicht darin besteht, dasz man alles thut, was man thun mag Göthe I 22, 346 W.;
doch weiter scheint das langentbehrte glück,
der freiheit süszes gut, ihn nicht zu rühren
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 248;
und wünschte der goldenen freiheit der landstrasze wieder teilhaftig zu sein, welche ihm jetzt, so schlecht das wetter war, als das höchste glück erschien G. Keller ges. w. (1889) 5, 16.
i)
gern auf den staat bezogen, grösze, macht, wohlfahrt des staates sowie das dadurch bedingte wohlergehen der untertanen: dieweil glück und heyl eines gantzen lands an guter institution desz landtherren gelegen Lorichius paedag. princip. (1595) 18; vor des ... lands wolfahrt vnd glück Zinkgref-Weidner teutschr nation weish. 3 (1653) 35;
nun glaube, treues reich, dasz wolstand, glück und segen
auf deinen horizont mit dieser sonne (Karl XII.) tritt
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 28;
nahte sich Griechenland jetzt seiner höchsten staffel von schimmer und glück A. G. Meissner Alcibiades (1781) 1, 3;
zu gründen
Borussias glück
Schubart s. ged. (1785) 2, 286;
die männer ... die Spaniens glück in den händen haben Klinger w. (1809) 4, 65; für das glück und die sicherheit der nation zu wachen Archenholtz England u. Italien (1785) 1, 1, 23;
verschworen kam sie gegen Englands glück
Schiller 12, 404 G.;
als auf das glück der neuen republik getrunken wurde Steffens was ich erlebte (1840) 1, 80; der deutsche adel ist ... für das glück der zukunft des deutschen volkes noch nicht wegzustreichen Mollat reden d. dt. parlam. (1895) 108; dasz jetzt das grosze glück kommt. das glück des tausendjährigen reiches W. Weigand d. rote flut (1935) 68.
E.
subjektives glück, das auf körperlichen oder seelischen gefühlen beruht, glücksgefühl, der zustand starker innerer befriedigung und freude; die bedeutung tritt in nhd. zeit immer mehr hervor, findet sich in ansätzen aber bereits mhd. (vgl. 1, 3 und 4 a, b, c, vgl. auch F 1):
aller menschen ungemach,
gelúke, froͤde, smerczen
truͦg si (die junge Marie) an ir herczen
mit ebendol, dú raine,
als wære es ir allaine
schweizer Wernher Marienleben 1159 H.-P.
1)
auf reinen körpergefühlen beruhend: wan also weltliche lúte und súndige menschen verblibent in gelúcke der sinne, in guͦte und in eren, also verblibent die lúte in eigenre genuͦgede Tauler pred. 87 Vetter;
das höchste glück der erde
lag auf dem rücken der pferde
B. v. Münchhausen balladen u. ritterl. lieder (1908) 143;
glühend noch vom glücke ihrer balgerei Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 303; das glück sportlicher betätigung u. ähnl.
2)
abhängig vom religiösen und moralischen: auff gott trawen ist das beste glück, es gehe sonst, wie es will Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, a 3ᵇ;
fromm werden bringet glück
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 344;
von dem glücke der frommen A. v. Haller Usong (1771) 74;
verfolge diese spur, du wirst viel tausend finden,
die dir zum beispiel da ihr glück auf tugend gründen
Schwabe belustigungen (1741) 1, 201;
die tugend wird die quelle unsres glückes A. W. Schlegel im Athenäum 1, 161; prüfe deine natur, beurtheile, welches moralische glück ihr am angemessensten sei H. v. Kleist 5, 44 E. Schmidt.
3)
glücksgefühl, das durch äuszere sachliche einwirkungen oder eindrücke ausgelöst wird, freude über bestimmte äuszere gegebenheiten. z. t. im übergang von glück II B her:
der dritte (hund erhielt von den dieben) eines bachens ein
der geswaick ouh durch daz g lucke stucke,
kleinere mhd. erzähl. 3, 96 Rosenhagen;
das glück eines heitern tages Göthe I 20, 404 W.; damit er erstlich bis dahin in den seligsten thräumen des nahen elterlichen glückes (der freude über ein ihnen gesandtes goldstück) schwimmen ... könne Jean Paul (1827) 6, 2. mit weniger scharfer begrenzung: das glück dieses alleinseins Fontane I 5, 188;
(das kind) sah die ewigen lichter ...
fühlte, von stille und mondlicht selbst in schlummer gezwungen,
noch entgleitend das glück, eins mit dem allen zu sein
Agnes Miegel herbstgesang (1933) 79.
besonders gern von ästhetischen eindrücken: ich fand kein gröszer glück, als schauspiele zu lesen Göthe I 21, 41 W.;
da fühlte sich — o dasz es ewig bliebe! —
das doppelglück der töne wie der liebe
ders. I 3, 27 W.;
auch pfauen waren in den gärten, die so sehr gelassen durch die grünen reflexe und schatten gingen: du hättest an vielem groszes glück gehabt R. M. Rilke br. 1906 -1907 (1930) 26.
4)
glücksgefühl, das auf der gemeinschaft, auf der näheren berührung mit andern menschen beruht.
a)
glück durch freundschaft, verwandtschaft, geselligkeit:
von dir was mir gelücke mite,
nu ist mîn kraft gar gelegen
(klage Keidins über den angeblich toten Tristan)
Tristan als mönch 1274;
o des glückes!
wem des lichtes
heilger schimmer
seiner freunde
antlitz zeigt
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 262;
ich hatte gewählt zwischen macht und besitz und zwischen dem glück von geliebten freunden P. Dörfler abenteuer d. Peter Farde (1929) 178; das glück, einen bruder zu besitzen Stifter s. w. 7, 222; unser herz, das von kindheit an nur in der geselligkeit sein glück findet Göthe I 17, 179 W.
b)
glück durch liebe: schon Wolfram läszt die subjektive bedeutung zum mindesten mit anklingen:
du solt zir kusse gâhen
und ir lîp vaste umbevâhen:
daz gît gelücke und hôhen muot,
op si kiusche ist unde guot
Parzival 128, 1;
o glücke dieser nacht, die dich an sie getraut
bei: herrn v. Hoffmannswaldau u. a. Dtsch. ged. (1697) 2, 20 B. Neukirch;
ihr hertz zu besitzen ist sein gantzes glück auf erden Ramler einl. in d. sch. wiss. (1758) 1, 394; hierauf wollte er ihr antlitz enthüllen, um sein glück aus ihren augen zu lesen Musäus volksmärchen 1, 17 Hempel;
und doch, welch glück geliebt zu werden!
und lieben, götter, welch ein glück
Göthe I 1, 69 W.;
und nun mein ihn zu nennen! verwegenes entsezliches glük Schiller 3, 11 G.;
die liebe gibt, was sie entrissen,
mit reichem wucher bald zurück
und unter den versöhnungsküssen
entfaltet sich ein himmlisch glück
Novalis schr. 4, 97 Minor;
der du kalt und trocken stehst,
während ich nicht worte finde
für mein fühlen, für mein glück
Grillparzer 4, 48 Sauer;
das glück ist die liebe, die lieb ist das glück
A. v. Chamisso w. (1836) 3, 15;
und dennoch fühlte ich ein glück, wenn ich an ihrer seite ging, dasz ich es kaum mit worten hätte sagen können Stifter s. w. 7, 365; für wenige minuten (auf dem weg mit der geliebten) war nichts da als glück, vollkommenes, unsagbares, ewiges glück und die welt war erfüllt O. Gmelin haus d. träume (1937) 167.
c)
glück der ehe und familie: (du) sprichest, alles dein gelucke sei an deinem reinen frumen weibe gelegen ackermann aus Böhmen 24 B.;
wo artigkeit und tugend wohnen,
bringt Hymen ein gedoppelt glück
Gottsched ged. (1751) 1, 253;
und ists denn nothwendig zum glück der ehe, dasz man thierische triebe stillt? Lenz ges. schr. 1, 77 Tieck; die ehe ... bringt so vieles glück, dasz alles einzelne unglück dagegen garnicht zu rechnen ist Göthe I 20, 107 W.; ich ersuchte dich doch einst mir aufzuschreiben, was du dir denn eigentlich von dem glücke einer künftigen ehe versprächst H. v. Kleist 5, 141 E. Schm.; dein weib verlangt nach dir ... bist du deines glückes satt? Kolbenheyer weihnachtsgesch. (1933) 11. so vollkommen das glück dieser familie war Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 19; das glück der beiden menschen, wie sie sich hinneigten über den kleinen schläfer, war mir rührend anzusehen Karl Hase s. w. (1890) 1, 209. — sein glück machen (vgl. sonst II A 2, 3 u. II D 4 f) 'in der ehe glücklich werden bzw. machen': ob nun zwar das unschuldige kind nicht wuszte, was es sagen soll, einen mann nehmen, so war es doch schon geschickt, zu begreiffen, dasz ein solcher sein glück machen sollte discourse d. mahlern (1721) 1, 2; sie darf nur in den spiegel sehn, um überzeugt zu seyn, dasz sie mein ganzes glück machen werde Lenz ges. schr. 1, 82 Tieck; es ist überzeugung, dasz, da Lothario nicht mein werden konnte, dieser neue freund das glück meines (Theresens) leben machen wird Göthe I 23, 194 W. — eheliches glück auch ironisch bzw. abgeblaszt für 'ehe':
schon lange verflucht ich mein ehliches glück,
das sind nun die früchte der blüthen!
Göthe I 3, 5 W.
stärker der objektiven bedeutung II D nähert sich das häusliche glück, das glück im hause:
nie schlägt um mich des vaters arm sich mehr,
dir, häuslich glück, dir musz ich ganz entsagen
Schiller musenalmanach f. d. jahr 1797, s. 96;
das glück im hause ist das schönste, das der mensch erreichen kann Stifter s. w. 17, 314; Hans zog in dieser epoche (als halbwachsener knabe) das bewegte leben der gasse ... dem häuslichen glück ... bei weitem vor Raabe hungerpastor (1864) 1, 51; ihre (der Polynesier) geselligkeit ist vorwiegend die der männer ... untereinander, und was man häusliches glück nennt, gibt es nicht Ratzel völkerkunde (1885) 2, 183.
5)
glücksgefühl durch auswirkung der eigenen persönlichkeit.
a)
allgemein:
volk und knecht und überwinder
sie gestehn, zu jeder zeit;
höchstes glück der erdenkinder
sei nur die persönlichkeit
Göthe I 6, 162 W.;
die menschliche seele kann es sich nicht verhehlen, dasz ihr glück doch zuletzt nur in der erweiterung ihres innersten wesens und besitzes bestehe Feuchtersleben s. w. (1851) 3, 391; schon längst hatte ich mir meine eigene theorie vom glück gebildet, wonach die wurzel jeder glücksempfindung im gefühl und genusz der eigenen persönlichkeit zu suchen ist Paul Heyse rom. u. nov. II 7, 16.
b)
in der stärke des gefühls:
gib ungebändigt jene triebe,
das tiefe schmerzenvolle glück,
des hasses kraft, die macht der liebe,
gib meine jugend mir zurück
Göthe I 14, 195 W.;
das glück einer hochgespannten empfindung G. Freytag (1887) 42, 16; die mutter glaubte, das glück zu sehen. als ob es ein glück des hasses gäbe und als ob sich die freude durch hasz und fluch herbeirufen liesze P. Dörfler d. verderberin (1919) 137.
c)
durch betätigung, praktisches handeln, intellektuelles erkennen, ästhetisches schaffen u. dgl.: die thätigkeit ist das glück, und für den, der die freuden eines ununterbrochenen bestrebens empfinden kann, ist der erworbene reichtum ohne bedeutung Göthe I 2, 240 W.; von dem tage an lernte ich das süsze glück der macht kennen, die aus der eignen gnade und eignen knochen, dem eignen willen stammt Lersch im pulsschlag d. maschinen (1935) 26. das schönste glück des denkenden menschen ist, das erforschliche erforscht zu haben und das unerforschliche ruhig zu verehren Göthe 39, 100 jub.-ausg. (maximen u. reflexionen aus d. nachlasz); das glück des wissens gehört auch dadurch zum wahren glücke, dasz es einfach und rückhaltlos ... ist G. Keller ges. w. (1889) 3, 16.
denn sie (die bienen u. s. w.) theilen mit dem menschen
nun das schönste glück, die kunst
Göthe I 2, 169 W.;
das echte, wahrhaft grosze talent aber findet sein höchstes glück in der ausführung Göthe gespräche 3, 82 Fl. v. Biedermann.
d)
durch einbildungskraft, erinnerung, hoffnung u. dgl.: und wenns nichts wäre als das, als vorübergehende phantome, so machts doch immer unser glück Göthe I 19, 163 W.;
denn es ist ein zweites glücke
eines glücks erinnerung
ders. I 4, 92 W.;
ach, kanns für mich ein glück noch geben,
ist nur vergangenheit mein glück
Hoffmann v. Fallersleben 1, 114 Gerstenberg;
ja, wer sich mit mir (hoffnung) verschworen,
ist sich alles glücks bewuszt ...
ich mildre schmerz, das höchste glück vollend ich
Göthe I 16, 365 W.
6)
zustand der wunschbefriedigung, der inneren harmonie, gern im gegensatz zu den äuszeren glücksgütern:
dann kehr in dich zurücke,
entreisze dich der welt, und such in dir das glücke
Dusch verm. w. (1754) 305;
je emsiger er (der mensch) sich bestrebet, in sich selbst quellen von vergnügen zu entdecken: desto leichter sondert er sich von andern menschen ab, und desto gewisser findet er wahres glück Zimmermann über d. einsamkeit (1784) 1, 9;
o freund, das wahre glück
ist die genügsamkeit
Göthe I 2, 75 W.;
das glück der natürlichen einfalt Klinger w. (1809) 3, vii; es gibt noch ... ein stilles glück, das sich vor dem lauten tage verschlieszt Eichendorff s. w. (1864) 3, 122;
eines nur ist glück hienieden,
eins: des innern stiller frieden
und die schuldbefreite brust
Grillparzer 7, 215 Sauer;
gewisz, du hast recht, dasz die innere ruhe, welche du ... jetzt so verdientermaszen genieszest, das einzige wahre glück ist, wonach man ringen soll Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 7; mehr konkret:
tiefsten ruhens glück besiegelnd
herrscht des mondes volle pracht
Göthe I 15, 4 W.
dieser zustand der wunschbefriedigung bekommt leicht einen stich ins spieszbürgerliche. das stille glück im winkel im gegensatz zum glücksgefühl der einsatzbereitschaft und echter leistung: bequemlichkeit, selbstzufriedenheit, genügsamkeit und wie die überflüssigen bausteine des glücks alle heiszen ... ja, dergleichen ist für den nicht mehr brauchbar, der sich der unsterblichkeit hingiebt ...; ein solcher sieht wohl ein, dasz das glück, welches den menschen seszhaft und preszhaft macht und an die scholle fesselt, ihn durchaus nicht weiter fördern kann Bettine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 37; ob das kleine glück der Chinesen auch unser künftiges schicksal sein wird, möchte ich nicht entscheiden W. Weigand d. rote flut (1935) 352; wir (die schriftsteller) sind menschen, die von gott über ihre kraft gebraucht werden, das gelingen ist sein gelingen und steht auszer uns, aber dasz wir ein bequemes glück geringachten und dasz wir uns ringend bis zur verzweiflung hergeben, das ist unsere angelegenheit Hans Grimm in: veröff. d. wiss. ges. f. Südwestafrika 6 (1933) 118.
7)
verwandt mit 5 und 6, doch unter betonung des zusammenklangs objektiver und subjektiver elemente und daher sich öfter der bedeutung II D, besonders 2 und 3 nähernd, ist die vorstellung des von der eigenart eines jeden abhängigen individuellen glücks:
es hat ein jeder mensch sein eignes creutz und glücke
J. Chr. Günther ged. (1739) 84;
ist das streben des edeln und guten etwas anders als ein immerwährendes ringen nach dem glücke, das uns die natur zudachte Klinger w. (1809) 3, viii; denn jedes jahrzehnt des menschen hat sein eigenes glück, seine eigenen hoffnungen und aussichten Göthe I 20, 346 W.; in ihm selbst lagen die keime eines wünschenswerthen und möglichen glücks ders. I 46, 21; der vater und die mutter hatten beschlossen, das braune mädchen zu erziehen und es demjenigen glücke zuzuführen, dessen es nur immer fähig wäre Stifter s. w. 5, 1, 338;
ich wanderte sieben jahre durch regen und sonnenlicht,
und die straszen wuszten mein glück und sagten es nicht
B. v. Münchhausen balladen u. ritterl. lieder (1908) 173.
F.
zahlreiche nichtpersönliche bilder schlieszen sich an verschiedene bedeutungen von glück an, ohne dasz eine trennung möglich ist. im vordergrund steht dabei vielfach die vorstellung der den menschen beherrschenden schicksalsmacht (I B, II C); daneben tritt besonders die vorstellung des dem menschen eigenen glücks (glücksgüter, glückszustand, glücksgefühl, s. II D und E) hervor. die übersicht geht daher nicht vom inhalt, sondern von der sprachlichen form aus. glück als rad oder kugel (vgl. o. II C 2, sp. 253 u. 254, ferner glücksrad):
gelücke daz ist sinewel
und blîbet niht an einer stat:
des triuget mangen man sîn rat.
einer ûf stîget, den wil ez rîche,
der ander nider sîget, dem wil ez entwîche.
jener sitzet ûf dem rade: wer könde im gelîche?
dirre muoz in der aschen baden jêmerlîche
Hugo von Trimberg renner 17270 Ehrismann;
wan gelücke ist sinewel,
ez ist ze dem argen alsô snel
leider sam ze dem besten
Heinrich von dem Türlin krone 5965;
nun ist das glück ein solch radt, das der himmel für und für ein strengen gang hat mit seinen zeichen und anderm gestirn, dieselbigen im fürlauffen gehen durch einander, nach ein ander, voreinander, gut unnd bösz zeichen. nun wandlen wir auff erdtreich auch und lauffen wider jehnes radt Paracelsus chir. schr. (1618) 37ᶜ; das glück dreht sich geschwinder herum als ein mühlrad Rabener s. schr. (1777) 4, 32. vielleicht zu II C 2, sp. 253 u., gehörig:
dasz sich nun mehr der krieg musz enden
vnd des gelückes rad verwenden
Spreng Äneis (1610) 263ᵃ;
den stolzen überwinder niederschlagen,
umwälzen wirst du seines glückes rad
Schiller 13, 188 G.
glück als von frau Sälde umgetrieben (vgl. sp. 253 u.):
er wolt ein brievelin schriben,
ob im diu Sælde triben
wolt daz geluͤck
Johann von Würzburg Wilhelm von Österreich 6681.
ohne wörtliche anlehnung an die fest geprägte vorstellung des glücksrades:
ach du waltzend unstetes glück,
wie wendst du mir so bald den rück
H. Sachs 17, 9 K.-G.;
es weltzen nun mehr auch
die Parcae mitten drinn im fewer, flamme, rauch
vnd zorn dein glück herümb
Dietrich v. d. Werder buszpsalmen (1632) c 3ᵇ;
das glück ist rund, dem einen laufft es in den arsz, dem anderen in den mund
Tappius adag. cent. sept. (1548) d 4ᵇ.
hierher auch das glück schlägt um s. teil 11, 2, sp. 1081. glück als glas:
daz glesin glükke
daz hat kranke veste:
swanne ez under diu ougen spilt und schinet allerbeste,
so brichet ez vil lihte in kleiniu stükke
minnesinger 2, 278ᵃ v. d. Hagen;
fortuna vitrea est, quae cum splendet, frangitur das glück ist gläsin, wann es scheint, so brichts sprichw. sch. w. klugr. (1548) 154ᵃ;
glück vnd grasz, wie offt wächst das.
glück vnd glasz, wie offt bricht das.
Lehman floril. polit. (1662) 1, 309;
das glück ist gläsern vnnd rund ebda 1, 98. vgl. Wackernagel kl. schr. 1, 243. glück in anknüpfung an die gestirne und tageszeiten:
und verspare deinen preis, bis das glük an luhnen stelle
meine sonne werden wird
Zesen rosenmând (1651) a 2ᵇ;
in allem unglück ... blitzte von zeit zu zeit ein freundlicher sonnenblick des glücks auf
nord u. süd (1914) 34;
... bedurfte es der sonne des glückes
Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 70;
in der blendenden schwüle des glückes wie in der nacht des unglückes lauert die versuchung
Feuchtersleben s. w. (1851) 3, 330;
erleuchte dich des glücks erwünschter strahl
R. A. Schröder herbst am Bodensee (1925) son. 4;
des schönsten glückes schimmer
erglänzt euch
Uhland ged. 1, 51 Schmidt-Hartmann;
jezt dämmerte mein glük
Schiller 4, 25 G.;
und mir leuchtet glück und stern
Göthe I 6, 88 W.;
es geht dir glück und stern an deinen kindern auf
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 51;
wenn hochmuth aufgeht, geht glück unter Binder sprichw.-schatz 90, vgl. sprichw. sch. w. klugr. (1548) 154ᵃ; könig Franz war noch im aufgang seines glückes und ruhmes Ranke s. w. (1867) 1, 242; wenn das glücke aufgehet, so schneiet es freunde, wenn es aber unter ist, so hagelt es feinde Joh. Hoffmann pol. Jesus Syrach (1740) 30; der schatten meines glücks Grillparzer 8, 261 Sauer. glück im bilde der witterung:
o witterung des glücks,
begünstge diese pflanze noch einmal!
Göthe I 10, 152 W.;
wenns glück regnet, sitzt er im trocknen Binder sprichw.-schatz 77; das glück regnet zum dach hinein Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 156; und wenn ihnen gleich das glück zu thür und fenster hinein regnete und schneyete Terenz (1658) 502; anders: wenns übel gehet, sagt man: da regnets lauter glück, dasz man im dreck sitzt bisz über die ohren Lehman floril. polit. (1662) 2, 848; ich habe den kopf voll ideen und sorgen. keine für mich denn mir bläst das glück in den nacken Göthe IV 5, 253 W.; gebläht vom glück H. v. Kleist 2, 445 E. Schm.; all das glück, das ... auf einmal durch mich wehte O. Gmelin haus d. träume (1937) 138. bilder von meer und seefahrt:
ach, wellen glücks, wohin wart ihr geschwommen
Tieck schr. (1828) 1, 395;
der auf des glückes wogen taumelnd wird getragen
Grillparzer 4, 145 Sauer;
sich dem blinden zufall überlassen und warten, ob er uns endlich in den hafen des glückes führen wird Kleist br. an s. braut 31 Biedermann;
ach der sturm! verschlagen weg vom glücke
Göthe I 2, 73 W.;
(sie sind) in deines glückes schiff mit dir gestiegen
Schiller 12, 248 G.;
geht mein glücke, wie ich wil, in der allerbesten fahrt
Logau sinngedichte 433 Eitner;
hier scheiterte sein glück M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 35;
wenn glück auf glück im zeitenstrudel scheitert
Göthe I 14, 38 W.;
ich suche
in diesem schiffbruch meines glücks ein bret
zu fassen
Schiller 12, 475 G.
glück als strom, wobei die metapher des lichtstroms mitspielt:
dann glück das hat dich gantz umflossen
und mit sein gnaden übergossen
Wickram 4, 79 lit. ver.;
denn aus der quelle geht ein strohm von glück und segen
Neukirch anfangsgr. z. t. poesie (1724) 752;
drum schaffe, dasz dein glück sich über uns ergiesse
Stoppe Parnasz (1735) 19;
um alles, was sie schafft, ergieszet sich
ein unbegreiflich überschwenglich glück
Schiller 13, 177 G.;
in dem glück, das uns itzt quillt
Wieland I 1, 323 akad.-ausg.;
adieu du liebe unversiegende quelle meines glücks Göthe IV 5, 118 W. glück im bilde der pflanze (vgl. gedeihen als synonym zu glück): denn mein glück das blühet mir Schweinichen 84 Österley; da gehet alles wol zu, da blüet glük und segen J. Rist friedewünsch. Teutschland (1647) 21;
du suchest ja dein glücke,
das hier wohl nicht mehr blüht
J. Chr. Günther ged. (1739) 319;
wat süll för en glück dorute bläuhen Fritz Reuter stromtid 2, 453 Seelmann; und lasse er (der himmel) ihnen in Leipzig ... das beste glück aufblühen Gervinus an Dahlmann in: briefw. 2, 169 Ippel; wie diese rosen abgeblüht sind, so ist unser glück abgeblüht Stifter s. w. 7, 126;
gottes glück ist uns erblüht
Stefan George stern d. bundes (1914) 114;
nie knosp ihm irdisch glück fortan
Gaudy s. w. (1844) 4, 20;
auch werde ich die blüthe des glückes pflücken müssen, wo ich sie finde H. v. Kleist 5, 242 E. Schm.;
dem feineren sinn nur
duftet die blüte des glücks
Mörike 1, 128 Göschen;
(deine) art, die stundenblume des glückes sorgsam zu halten und tief in ihren kelch zu blicken, bis er sich schlieszt Adele Schopenhauer in: schr. d. Goetheges. 27, 259;
und jetzt sinkt mir die letzte stütze nieder,
die meines glückes rebe aufrecht hielt
H. v. Kleist 3, 59 E. Schm.
glück im bilde einer baulichkeit:
euch öffnen sich des glückes goldne thore
Schiller 15, 2, 451 G.;
unterm breiten lindendach ...
wölbt, teure, sich der tempel unsers glücks
Grillparzer 4, 202 Sauer;
wer ... als erster in der stadt des glückes ankommt G. Freytag ges. w. (1886) 12, 203;
dieses glück, so schön gebauet,
reisz ich voll verzweiflung ein
Göthe I 5, 9 W.;
wenn wer den weibsbildern glaubt,
der hat sein glück auf eis g baut
A. Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österr. 263;
(er) zertrümmerte das gebäude seines glücks Klinger w. (1809) 3, 130; auf eben diese täuschungen ... haben sie den ganzen bau ihres glücks gegründet ebda 10, 298. lokale bilder: so verlor er bald den pfad des glücks, auf den nur beschränktheit den sterblichen zu führen scheint Klinger w. (1809) 3, 4; zwei liebende herzen auf die bahn des glückes zu führen Tieck (1846) 20, 117; er wollte mein glück ... bahnen J. v. Voss milit. laufb. (1808) 244; neid steigt nur in die höhe, vnd reist die leut vom gipffel ihres glücks Lehman floril. polit. (1662) 2, 564; mir schwindelt vor dem gipfel des glücks, auf dem ich ... stehe Göthe IV 1, 114 W. abgeblaszt:
beschlosz der fürst, was unerhört bei uns,
den gipfel seines glücks, ihm meist zu eigen,
den anblick seines weibs, dem schwarm zu zeigen
Grillparzer 8, 223 Sauer;
im glücke sitzen u. ä.; (man musz) fortfahren, bisz man an den ort kompt, da glück ligt Lehman floril. polit. (1662) 1, 101; der markstein meines glücks Grillparzer 6, 27 Sauer. glück steigt und fällt (unabhängig von glücksrad), steht hoch, kommt vom himmel:
so möht ime gelücke, heil und sælde unde êre ûf rîsen
bei Lachmann-Kraus Walther von der Vogelweide 29, 31;
din gelucke ufstiget Tileman Limburg. chron. 90 W.;
ihr glücke steigt mit freuden auf
B. Neukirch ged. (1744) 50;
in diesem augenblicke steigendes glückes Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 32;
und wann der menschen glück am höchsten ist gestiegen,
so stürzt es unter sich und musz zu boden liegen
Paul Gerhardt ged. 1, 9 Ebeling;
und stehe wer da will hoch an des glückes spitzen
Opitz teutsche poemata 31 ndr.;
weh mir! ihr glück,
es steht zu hoch für meine schwache hand!
Grillparzer 4, 191 Sauer;
hoffnungsschwangeres jahr, bringest du neues glück
vom Olympos herab?
Herder 23, 19 S.;
doch leicht erworben, aus dem schoosze
der götter fällt das glück herab
Schiller 11, 262 G.;
das glück zu boden reiszen Butschky Pathmos (1677) 730. glück wird ausgeteilt, ist teilbar, wägbar und verkäuflich: dasz die gerechtigkeit nicht den vorsitz bey der austheilung des glücks der menschen habe Klinger w. (1809) 3, 6; weil sie vom glück nur den theil kennen, der sich am schnellsten abstumpft Göthe I 45, 60 W.;
wir werdend glücks den hufen han
N. Manuel 97 Bächtold;
in'n lerrigen badelsack steckt oft miehr glück in, as söss pier von'n eddelhoff trecken nd. jahrb. 31, 23; fingerschlang glick is mee wert wie armlang verstand Schön ma. d. Saarbrücker landes² 84; ein quentlein glück ist besser als ein pfunt weisheit Binder sprichw.-schatz 77;
dein glaube war dein zugewognes glük
Schiller 4, 30 G.;
das glück deiner tage
wäge nicht mit der goldwage,
wirst du die krämerwage nehmen
so wirst du dich schämen und dich bequemen
Göthe I 2, 234 W.;
(vielleicht an die persönliche vorstellung anknüpfend:)
auf des glückes groszer wage
steht die zunge selten ein
ders. I 1, 131.
demuth bietet glück und heyl
aller welt umsonste feil
J. Chr. Günther ged. (1739) 99;
jedes glück will mit schmerz bezahlt sein W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 1, 15;
des glückes markt ist offen; manneskraft
und klugheit kauft die feilgebotne erde
Schiller 12, 162 (var.) G.
glück als trank oder nahrung: glück vnnd heyl ist des neidtharts speisz sprichw. sch. w. klugr. (1548) 151ᵇ;
trink, o jüngling! heilges glücke
taglang aus der liebsten blicke
Göthe I 1, 48 W.;
doch kühn schlürfst du des glückes trank aus seines fasses spunde dir
Strachwitz ged. 333 Weinhold;
ihm zehrt der gram
das nächste glück vor seinen lippen weg
Göthe I 10, 3 W.;
nie erlischt, o menschenherz,
nie dein durst nach glück
Hoffmann v. Fallersleben 1, 85 Gerstenberg.
als schmuck oder krone:
bekränzt vom glücke
Körner w. 1, 123 Hempel;
mit glück und heyl bekrönt
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 68;
glück und triumph bekröne deinen helm
Shakespeare (1797) 9, 193.
sonstiges:
das glück lest sich melken
von dieben, huren und schelken
Henisch (1616) 693;
das glück ist ein heuschober, rupfe daran, so hast du Binder sprichw.-schatz 77; sein glück schmieden M. Meyr erzähl. aus d. Ries (1868) 2, 439, vgl. II G 6; du trittst dein glück ordentlich mit füszen Eichendorff s. w. (1864) 3, 81; das glück wil geritten und nicht gefürcht sein Lehman floril. polit. (1662) 1, 367; wer damit (mit den kräften Frankreichs u. s. w.) nicht ein zu wildes würfelspiel des glücks spielt E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 36.
G.
unerschöpflich ist die fülle der vorstellungen von art und wirkung des glückes, wie sie in sprichwörtern und allgemeinen sentenzen zur geltung gelangen; auch hier flieszen die verschiedenen bedeutungen von glück ineinander, mag auch glück als schicksalsmacht (I B, II C) oder als äuszerer glückszustand (II D 4) vorherrschen und die bedeutung 'subjektives glück, glücksgefühl' (s. II E) in echt volkstümlichen prägungen am geringsten vertreten sein. hier können nur in knapper auswahl von belegen die wichtigsten vorstellungen zur geltung kommen, und zwar nur, so weit ihre sprachliche formung von belang ist.
1)
macht des glückes: hette ich glück vnd guten wind, so füre ich auch wol mit einem schüsselkorb vber Rein Tappius adag. cent. sept. (1548) v 4ᵇ;
wers glück hat, führt die braut heim
und fehrt in eim korb übern Rhein
Eyering prov. copia (1601) 3, 535;
wers glück hat, dem kelbert ein ochs sprichw. sch. w. klugr. (1548) 143ᵃ; dem gelucke entegen is, de brikt wol ein bein up slichter erden Tunnicius sprichw. nr. 449 H.; das glücke kan mehr als der längste arm erreichen Joh. Hoffmann pol. Jesus Syrach (1740) 66.
2)
wirkung auf den betroffenen: gros gluck ist eym menschen zu schwer zutragen Luther 19, 381 W.; eyn menschlich hertz kan nicht mas halten, wenn glück da ist ders. 19, 373 W.; der naren glück ir höchst vnglück sprichw. sch. w. klugr. (1548) 140ᵇ; wen das glück verderben wil, dem zärtelt es wie ein muͦter ebda 59ᵃ; glück ist der reichen marter vnd staupe Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Ff 6ᵃ; freiheit ist wie glück, dem schädlich und jenem nützlich Novalis 3, 42 M.; zuvil glücks macht muͦtwillig sprichw. sch. w. klugr. (1548) 15ᵃ; es ist ein grosz glück von dem glück nit überwunden werden ebda 140ᵇ; gelt macht diebe, glück macht schelcke Luther 19, 381 W.; fortuna quem nimium fovet, stultum fecit wen das glücke zu wol hellt, den macht es zu einem narren Luther 26, 237 W.; guͦt glück gebirt narren sprichw. sch. w. klugr. (1548) 45ᵃ; glück macht verrückt ebda 37ᵃ; glück macht blind, taub vnd vnsinnig Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Ff 6ᵇ; groszes glück ist die feuerprobe des menschen, groszes unglück nur die wasserprobe Jean Paul 32, 37 Hempel.
3)
wirkung auf die umwelt: wem das glück wohl will, dem wil niemand übel sprichw. sch. w. klugr. (1548) 95ᵇ;
gehet es nach glück mit reichem schal,
so finden sich freunde ohne zahl,
so bald sich aber das glücke wendt
ist alle freundschafft aus behendt
Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) d 2ᵃ;
freund des glücks vnd der zeit
haben keine beständigkeit
Lehman floril. polit. (1662) 1, 229;
glück bringt freund, unglück probirt sie Aler dict. (1727) 1, 790ᵃ;
darnach das glück thut deiner walten,
also die freund sich zu dir halten
Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, l 7ᵃ;
ich sprach: gelück hat allweg neid
Hans Sachs 7, 244 K.;
gifft findt man nit in armer leut küchen. dargegen ist des glücks gefert neid sprichw. sch. w. klugr. (1548) 40ᵇ; des einen glück ist des andern vnglück bona nemini hora est, quin alicui sit mala ebda 20ᵇ.
4)
dauer des glücks und beziehung zum unglück: klein glück das best sprichw. sch. w. klugr. (1548) 69ᵃ; zimlich glück lebt am besten Eyering prov. copia (1601) 1, 124; bei groszem glück grosze gefahr Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) s 2ᵇ; grosz glück hält nicht lange farb Binder sprichw.-schatz 78; glück ohn mangel ist nimmer ohn angel Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Ff 6ᵇ;
kein glück darf ungetrübt dem menschen werden
Tieck schr. (1828) 1, 64;
kein glück besteht auf erden Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 10; glück vnnd vnglück sind zween nachbarn Lehman floril. polit. (1662) 3, 134; frewd vnnd leyd sind so nahe nachbawren als glück vnd vnglück. also wenn glück im hausz ist, so wart das vnglück vor der thür ebda 1, 233; glück und vnglück tragen einander auf dem rücken Binder a. a. o. 77; wandern mit einander auff einem stege Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Ff 6ᵇ; halten einen steten wechsel ebda; sind zwei eimer am galgenbrunnen Binder a. a. o. 77; sind einander zur ehe gegeben Mercurius historicus (1665) 138; bey einem glück sind zwey vnglück Petri a. a. o. 2, k 8ᵇ;
es ist kein unglück so grosz,
es trägt ein glück im schoos
Kirchhofer schweiz. sprichw. (1824) 157.
5)
glück und religiosität: als wir lesen in der bibel, also hat vnser hausz ein gibel, das ist gleich wie wir vns der heiligen gschrifft annemen, darnach haben wir glück vnd hail vnd also geht es vns S. Rot 292 Öhmann; das glück macht selten fromm Joh. Hoffmann pol. Jesus Syrach (1740) 26; das glück leidet keinen frommen ebda; so gehts im glück, so lange das mit uns hält, so lange halten wir selten mit unserm herregott Göthe IV 1, 132 W.; bösz glück, böser glaub sprichw. sch. w. klugr. (1548) 160ᵇ.
6)
glück abhängig vom eigenen verhalten: jeder ist seines glückes schmied Binder a. a. o. 78; daran anknüpfend Triller poet. betracht. (1750) 5, 334; A. v. Arnim 17, 43 Gr.; G. Keller ges. w. (1889) 2, 185; G. Freytag (1886) 14, 36; wirb, das glück ist mirb sprichw. sch. w. klugr. (1548) 142ᵃ; glück hat einer, darnach er thut Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) s 2ᵇ; darnach der mann ist, ist auch sein glück Petri a. a. o. 2, l 7ᵃ; ander mann, ander glück ebda 2, j 3ᵃ; wie einer thut, so hat er glück Lehman floril. polit. (1662) 1, 366; das glück vnd recht ist der wachenden sprichw. sch. w. klugr. (1548) 165ᵃ; glück kompt nicht vom schlaffen Petri a. a. o. 2, Ff 6ᵃ; das bekante sprüchwort ..., dasz ein jeder seines eignen glückes meister seye Gottsched vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 19; jeder hat sein eigen glück unter den händen, wie der künstler eine rohe materie Göthe I 21, 109 W.; fortes fortuna iuvat man muͤsz dem glück vnder augen gehen sprichw. sch. w. klugr. (1548) 138ᵇ; glück fürcht die kecken Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) s 2ᵇ; das glück versagt den kühnen nichts Petri (1604) 2, m 3ᵃ; das glück hilfft den starcken Eyering prov. copia (1601) 1, 306; das glück ist dem kühnen hold Wander sprichw.-lex. 1, 1735 nr. 91; ein verzagten man gehet kein glück an Petri (1604) 2, y 7ᵇ;
dem blöden
wird das glück nicht zu theil, der kühne sucht die gefahr auf
Göthe I 50, 119 W.;
wage das glück zu wollen, den umständen gebieterisch es abzufordern, und du hast das glück H. v. Barth Kalkalpen (1874) 544; wo einer hin will, macht ihm das glück die thüre auf Binder sprichw.-schatz 77; aber glück hat auf die dauer doch zu meist wohl nur der tüchtige (1871) Moltke militär. werke II 2, 292 grosz. generalstab;
kömpt dir ein glück, so nim es an,
jetzt ists da, bald ists davon
Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) e 1ᵃ n. 12;
das glück reitet auff der post, wers ereylet, der hats
Lehman floril. polit. (1662) 1, 367;
glück klopfft vnd schellet bey manchem an, wer die thür bald auffthun kan, der hats
ebda 1, 368;
glücke läszt sich finden, behalten ist die kunst
Spanutius (1720) 594;
wem das glück die finger reicht, der musz ihm die hand entgegenbieten
Binder a. a. o. 77;
rath ist besser dann glück
Lehman floril. polit. (1662) 3, 298;
sinn auf! denn sinn ist mehr als glück ... das glück thuts nicht allein, sondern der sinn, der das glück herbeiruft, um es zu regeln
Göthe I 25, 31 W.
7)
glück unabhängig von verhalten und tüchtigkeit:
das glück kommt von ungefähr
wohl über neunzig stunden her
Binder a. a. o. 77;
das glück musz den mann suchen, nicht der mann das glück kern auserl. sprichw. (1718) 8; yhe erger schalck, yhe besser gluck Luther 19, 299 W.; fortuna fovet ignavos ie böser mensch, ie besser glück sprichw. sch. w. klugr. (1548) 22ᵇ;
je krümmer holtz, je besser die krücke,
je ärger schelm, je besser das glücke
E. Meisner sprüchw. (1705) 116;
ie ärgere hure, ie besser glücke jungfer Robinsone (1724) 107; je böser strick, je besser glück Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1013ᵇ; wann das glück wol wil dem man, so gilt es gleich was er kan sprichw. sch. w. klugr. (1548) 95ᵇ; glück ist der dummen vormund Binder a. a. o. 77: das glück vnd die weiber, haben die narren hold sprichw. sch. w. klugr. (1548) 22ᵇ; gut glück bleibt dem narren Lehman floril. polit. (1662) 3, 135; wa grosze vernunft ist, da ist wenig gelück, und wa vil gelück ist, da ist selten grosz vernunft H. v. Müglein Valerius Maximus (1489) 50ᵇ; ye weniger verstand, ye mehr glück S. Franck sprüchw. (1541) 2, 44ᵃ;
das glück die weisen verjagt,
den narren nichts versagt
Petri (1604) 2, M 2ᵃ;
ein tröpfflin glücks gilt mehr denn ein fasz voll weiszheit ebda 2, y 6ᵇ; narren haben mehr glücks dann recht sprichw. sch. w. klugr. (1548) 69ᵃ; er hat mehr glücks dan rechts Tappius adag. cent. sept. (1545) d 7ᵃ; er hat mehr glücke als verstand Spanutius (1720) 594, volkstümlich verschleiert zu mehr glück als Ferdinand; glück darff keinen rath Lehman floril. polit. (1662) 1, 366; bescheiden glück kompt vber nacht Petri (1604) 2, k 4ᵃ; wem das glück wohl will, zu dem kommts im schlafe maler Müller (1811) 1, 140.
H.
konkretisierungen.
1)
von der bedeutung E 4 aus wird glück gern bezogen auf personen, die die quelle des glücksgefühls sind, seltener auch auf gegenständliches.
a)
besonders auf die geliebte; der anrede gelücke an die geliebte im späten mhd. liegt wohl noch die vorstellung der glücksgöttin zugrunde (vgl. die anrede frouwe Seld an die geliebte bei Heinrich v. Neustadt Apollonius 2384 Singer):
chomm, aller glück gelücke,
und mir gelück zu scheib
liederbuch der Hätzlerin 74 H.;
Epimetheus: so nenne mir den namen deines holden glücks!
Phileros: verborgen ist ihr name wie der eltern mir
Göthe I 50, 301 W.;
um den mangel meines rechten ohrläppchens zu verstecken, das mein scheidendes glück im schmerzenssturme des abschiedes mir abbisz O. Ludwig ges. schr. 2, 440 E. Schm.-St.; denn die junge frau war fast noch mehr sein stolz als sein glück Fontane ges. w. I 3, 5. scherzhaft auf sachliches übertragen: liebeslied an die weinflasche
du bist mein trost, mein leben, ruh und glücke,
und himmelreich
E. v. Kleist (1760) 1, 44.
b)
auf freund, bruder, kind u. ä.:
Orestes war mein trost, er war mein ganzes glück
Joh. E. Schlegel w. (1751) 1, 10;
mein bruder, höre!
geh nicht von mir, du meines lebens glück
Grillparzer 6, 205 Sauer,
das unbedeutende begebnis war wie ein mehltau auf Ursinens rosige stimmung gefallen, und nur der anblick ihres schlummernden glückes in der wiege oben vermochte ihr den gestörten frieden wieder zu geben G. Reicke d. grüne huhn² 456.
c)
gelegentlich auch unter mitklingen der bedeutung D 4 i: dieser kann vielleicht unser glücke (den könig) wieder gesund machen? Chr. Weise grün. jug. 219 ndr.;
und dann sey du (sonne), was du bisher gewesen ...
dem ganzen erdball glück
R. Z. Becker mildh. liederbuch (1799) 1.
d)
auf gegenständliches: meine bücher sind mein ganzes glück; hierher mit stärkerem bezug auf II D wohl schon:
daz gloupten sumelîche
daz al daz ertrîche
ein gelücke wære (gegensatz: jammertal),
daz was ein fremdez mære
Laubacher Barlaam 2398.
2)
vereinzelt bleibt die übertragung auf gegenständliches, an dem das glück hängt, von dem das glück (besonders in der bedeutung II D 4) in magischer weise abhängig ist oder vorherbestimmt wird:
nun her mit dem glücke von Edenhall (ein becher)
Uhland 2, 187 Schm.-H.;
und ich bewahre es (ein von Lenau geschenktes kristallglas) jetzt so ängstlich auf, als wäre es das glück von Edenhall Th. Kerner Kernerhaus (1894) 12; im ostpreuszischen Sylvesterbrauch des glückgreifens bezeichnet glück (glöck) die neun mit fester bedeutung verbundenen figuren, durch die man sein schicksal für das nächste jahr bestimmt; das glück wird von armen kindern durch die straszen zum verkauf ausgerufen Frischbier preusz. wb. 1, 238ᵃ; Betcke Königsberger ma. 30.
3)
verwandt mit H 2 ist die bezeichnung der glückshaube (s. d.), des wehmutterhäubleins mit glück: glück theil des embryonalhaut, die am (kopf des) neugeborenen hängen bleibt, ihn als glückskind bezeichnet und auch losgelöst glück bringt Höfler krankheitsn. 196ᵇ; vgl. teil 14, 147 unter wehmutterhäublein, ferner unten glückshaut, glückskäppel.
4)
beim scheibenschieszen im schweizerischen und bairischen 'die letzte abtheilung der gewinstreihen, in welcher so viele kaufschüsse gethan werden dürfen, als es dem schützen beliebt', daher aufs glück gehen, auf dem glück schieszen, sein Schmeller-Fr. 1, 970; en schotz (schusz) iⁿs glück; iⁿs glück gëⁿ (geben) Staub-Tobler schweiz. id. 2, 622.
5)
im elsäss. die regenspinne, 'weil der aberglaube besteht, dasz, wer unvermutet eine solche sieht, glück zu erwarten hat' Martin-Lienhart 1, 258ᵇ.
6)
im schweiz. die glückskirsche, zwei aneinandergewachsene kirschen, die glück bringen Staub-Tobler schweiz. id. 2, 622.
7)
im schweiz. das fünffingerkraut, potentilla reptans, weil es als glückbringend betrachtet wird Staub-Tobler schweiz. id. 2, 622.
Zitationshilfe
„gluck“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gluck>, abgerufen am 11.12.2019.

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