glut f.
Fundstelle: Lfg. 4 (1942), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 482, Z. 1
pruna.
herkunft und form. glut, urgermanisch *glōđi-, substantivbildung mit -ti-suffix zum verbum glühen, in allen germanischen sprachen heimisch, mit ausnahme des gotischen und des altsächs. (doch vgl. im Monac. glotuuelo, im Cott. golduuelo, Heliand v. 1646): aisl. glōđ; mnd. glôt; mnl. gloet (daneben mit anderer suffixableitung gloede, vgl. Verwijs-Verdam 2, 1996); ahd. mhd. gluot; mit umlaut altschwed. glöþ, altdän. glød, ags. glœ̄d, glēd, altfries. glēd neben glōd. über die wurzelformen und die weitere verwandtschaft vgl. glühen sp. 441. innerhalb des deutschen sprachgebietes mit lautgesetzlich erhaltenem diphthong im süden: gluet schweiz. idiotikon 2, 655; Fischer schwäb. 3, 720; Schmeller-Fr. 1, 978; gluat Jacob Wien 70. im niederdeutschen ist glôt die herrschende form, z. b. Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 397; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 641; Fischer Samland 53; am Niederrhein, s. rhein. wb. 2, 1290. aus der älteren sprache vgl. geloet (: moet) Karlmeinet 246, 8; glot Brun v. Schonebeck im nd. jahrbuch 30, 134; gloyt (nd. 1417) Diefenbach nov. gl. 177; gloyd ebda 292. als glaut (glout) in den nordwestdeutschen diphthongierungsgebieten, vgl. z. b. Woeste westf. ma. 80; Bauer-Collitz Waldeck 40; Schambach Göttingen 64 u. a. ebenso mecklenburgisch bei Mi 27, Fr. Reuter 2, 202 S. (vgl. dazu auch die diphthongierten formen unter glühen und glühendig). zu gleot diphthongiert in der mundart von Hahlen (bei Minden), vgl. Frederking 11, Hastenbeck, vgl. Deiter geschichtsbl. 24, 48, und Schwalenberg, vgl. Böger 151, dazu Sarauw lautlehre d. nd. mundarten 199. die anglofriesische lautform glöd ist in älteren mundartensammlungen für Dithmarschen belegt, vgl. Richey idiot. Hamburg. 411; brem.-niedersächs. wb. 6, 86; Mensing 2, 397 ('heute veraltet'). in der form glüete, glüeti, glüet wird der plural auf oberdeutschem boden speziell von glühenden kohlen gebraucht, vgl. Ch. Schmidt Straszburger mundart 43; Fischer schwäb. wb. ('alt') 3, 720; schweiz. idiot. 2, 655; Hunziker Aargauer wb. 108. literarische belege sind selten: (man) solte burnende gluͤte vor in legen. also nam er einen burnenden glůt und warf den in sinen munt (Straszburg 1386) städtechron. 8, 261. wie dieser beleg zeigt, treten bisweilen genusschwankungen auf grund einer rückbildung des singulars aus dem plural ein. ganz vereinzelt findet sich das masculinum auch sonst in fällen, wo glut nicht die konkreten einzelgegenstände bezeichnet, vgl.:
ich will mit warheit schreiben,
warumb Vesuvius kan steine von sich treiben,
woher sein brennen rührt und was es etwan sey,
darvon der glut sich nehrt
Opitz opera (1629) 22;
allwesend ewigkeit! lasz deiner blitzen macht,
den ernsten donnergluth, und was die ernste nacht
dräut deiner armen magd, in tiefste gunst verschwinden
Gryphius trauerspiele 111 Palm (variante der hss. C D).
als masc. heute im Aargau gebräuchlich, vgl. schweiz. idiot. 2, 655. daneben ist in einzelfällen auch das neutrum bezeugt: als wenn einer ein groszes feuerglut mit einem löffel voll wassers (auslöschen sollte) Luther tischreden (1573) 210ᵃ;
wann es (das rauchwerk) in alle höh auffbrindt,
so läst er (der Phönix) sich herab ins glut
Hans Sachs 1, 324 lit. ver.;
heute noch in der mundart von Toggenburg und St. Gallen, vgl. schweiz. idiotikon 2, 655.
bedeutung und gebrauch. glut bezeichnet gegenüber dem umfassenderen und allgemeineren begriff feuer den glosenden, flammenlosen brand, oft (heute besonders gern in mundartlicher verwendung) ganz konkret die glühenden kohlen, letztlich sogar das brennholz (s.A 1). ein weiteres bedeutungsmerkmal, die hohe temperatur, zeigt sich, wenn auch nicht gleichmäszig, in verbindung mit verwandten begriffen wie glut des feuers, glut des ofens, glut der hölle u. ä. diese bedeutung ist dem wort so eigen, dasz sie sich verselbständigen kann, und glut typische bezeichnung für einen hohen wärmegrad, hitze, wird, namentlich von der atmosphärischen wärme: glut der sonne, des sommers, des südens; ähnlich auch glut des fiebers. auch die übertragene anwendung auf das seelische leben wird von dieser bedeutung her bestimmt: glut der liebe, der begeisterung, der leidenschaft u. dgl. in dichterischer sprache findet glut gelegentlich verwendung als gewählterer ausdruck gegenüber feuer. schlieszlich kann das wort nur den visuellen eindruck wiedergeben und licht und farben kennzeichnen. ein für Sachsen vereinzelt bezeugtes glut 'grosze menge' (vgl. Müller-Fraureuth 1, 427) läszt sich bedeutungsmäszig hier nicht anknüpfen.
A.
glühende kohlen, glühender brand.
1)
zu frühest in ahd. glossen, vgl. gloot brune (d. i. prunae) 3, 1, 42 St.-S. (aus dem 8. jh.); glut, glot pruna 3, 121, 37; 38 (aus dem 13. jh.); grando et carbones ignis hagel unde gluot Notker 2, 49 P.: ein glüendiu gluot herzog Ernst B 2597; Rudolf v. Ems Barlaam 376, 44 Pf.; ein glüendic gluot Wolfram v. Eschenbach Parzival 81, 22; ein gluot diu glimmet Konrad v. Würzburg goldene schmiede 463; bornen alse eine glut märe vom heil. kreuz 119 Helwig;
ich hân im stadel unde korn gemachet zeiner glüete
Neitharts lieder s. 235 Wieszner;
wann du samenst die gluͦt auf seim haubt (prunas enim congregabis super caput) erste dtsche bibel 8, 69 lit. ver. im neueren schrifttum:
wer recht den winter ehren will,
der brauet punsch und trinkt!
ins feuer gaffend denkt er still,
wie glut in asche sinkt
J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 136;
mit eigenthümlicher anmuth hatte sie die gluth (im kamin) sorglich unterhalten Holtei erzähl. schr. (1861) 2, 41. die verbindung in glut und asche legen ist schon alt: St. Johanns kirche sampt beiden thürmen, desgleichen ihre glocken bis auff eine noch, sind in glud und asche gelegt M. Dreszer sächs. chron. (1596) 256. deutlich abgesetzt gegen hellflammendes feuer: man sols (die fische) auch sieden ... nicht bey riechendem fewer oder glut, sondern bey eim hellen und fackelnden fewer fischbüchlein (o. j.) 142; hinter und vor und neben mir feine glut, nicht flamme, tiefe, hohlaugige glut des niedergesuncknen orts Göthe IV 3, 69 W. erweitert zur bedeutung 'brennholz': in den welden gluote dingen und kouffen (1355) bei Ch. Schmidt Straszburger ma. 43; dazu vgl.: man sol ouch eim meister, so er anget, 2 kerbel mit gluͦten geben und nit me (1405) Eheberg verfassungsgesch. v. Straszburg 1, 13; ferner: zwei kleine korbelin mit gluͦten die sol man alle woche geben uff eins ammanmeisters stube ebda 14. anscheinend nur der frühen Straszburger ma. angehörend, dagegen gebraucht ältere sprache den plural auch sonst, die mundarten bewahren ihn bis heute: von übriger groszer hitz, die von den glueten komen, ward das werk in dem turn prinnen (Augsburg 1463) städtechron. 5, 303; vgl. Schmeller-Fr. 1, 978; Fischer schwäb. 3, 720; schweiz. idiot. 2, 655. doch ist glut auch in älterer sprache durchaus schon collectivum, vgl.: und er nam daz rauchvasz das er hat gefuͤllt von der gluͦt des allters (de prunis altaris) erste dtsche bibel 3, 415 lit. ver.; dorumb do sy abstigen zuͦ dem lande sy sachen die gluͦt gelegt und einen visch dorauff gelegt und brot (viderunt prunas positas) a. a. o. 1, 421. wohl zu scheiden hiervon sind jene allgemeinsprachlich pluralischen verwendungen, die mehrere feuerstätten oder feuerbrände bezeichnen: die heiligen gluten der altäre wollen verlöschen Fouqué altsächsischer bildersaal 2, 563; landhäuser stehen längs dem ufer und eisenschmieden, wo die wilden gluthen, die das eisen bezwingen, auflodern Görres ges. schr. (1854) 2, 176.
2)
glut in intensiver bedeutung.
a)
vor allem in der genitivfügung glut des feuers:
alsam der salamander
wüttett in des füres glütt
sam tet der zartte ritter gütt
Göttweiger Trojanerkrieg 20771 Koppitz;
wie der tyran Dionisius bekandte, da sein leben stunde als eines, dem ein blos schwerd uber dem kopffe an eyn seyden faden hienge und unter yhm eine grosse glut feurs brennete Luther w. 19, 638 W.;
und schweigend ward ein bündnisz jetzt beschworen,
das fest gehärtet in des feuers glut
bestehen wird in allen schicksalsproben
Schiller s. schr. 14, 406 G.
ebenso wenn beide begriffe sich zur paarformel verbinden:
wazzer leschet fiur unde gluot
Freidank 39, 6 Grimm;
den stal musz endlich feur und glut,
den marmel regen schwächen
B. Neukirch ged. (1744) 26;
nein, mit feuer und mit glut
soll man hier die ritter taufen
Schenkendorf ged. (1815) 16.
b)
auch in andern typischen verwendungen.
α)
in verbindung mit ofen oder herd:
Abdenago der stunt uf
gar an allerleie guf
prisende gotis guͤte
da in des ovens gluͤte
Daniel 1330 Hübner;
vgl. auch ebda 1431; 1571. bisweilen mit warmem gefühlston:
muszt mir meine erde
doch lassen stehn,
und meine hütte, die du nicht gebaut,
und meinen herd,
um dessen gluth
du mich beneidest
Göthe I 12, 76 W.;
in mein zimmer, in dessen ofen auch die tannenscheite krachten, oder ein nachgelegter buchenstock langsam in wärmeverbreitende gluth zerfiel Stifter s. w. (1901) 2, 209;
der herd.
um die gehütete glut
sippen wir unverlorn.
wasser vom himmel stürzt,
sturm fährt sausend ums haus,
wir darin sind gefeit,
geht nur die glut nicht aus
Weinheber o mensch gib acht (1937) 59.
β)
im zusammenhang mit schmiedewerkstätten und schmelzöfen:
sô wirde ich golde gelîch,
daz man dâ brüevet in der gluot
minnesangs frühling 19, 20;
vgl. Gottfried v. Straszburg Tristan 8292 Ranke;
sîn keiserlîchiu süeze jugent
was aller missewende frî.
si wiel ûf milte alsam daz blî,
daz ûf der glüete siudet
Konrad v. Würzburg Partonopier 265;
da ritt in seines zornes wuth
der graf ins nahe holz,
wo ihm in hoher öfen gluth
die eisenstufe schmolz
Schiller s. schr. 11, 250 G.;
die glut des schmelzofens Rudolf Herzog die Stoltenkamps (1917) 284.
c)
innerhalb der religiösen sphäre ist die verbindung glut der hölle weit verbreitet und häufig belegt; in unfester form zufrühest bei Heinrich v. Melk:
zwêne geverten hât diu ubermuot,
die setzent die rîter an die gluot
des êwigen flures vanchen
von des todes gehügede 340 Heinzel;
schon früh formelhaft:
dir ist bereit der helle gluot
von dem jungesten tage 104 Willoughby;
das er in behüte vor der helle glut
Christus u. die minnende seele 747 Banz;
lasz uns nicht vertzagen
fur der tiefen hellen glut
Luther bei Wackernagel kirchenlied 3, 10;
mit adjektiv: der wird ewiglich in der höllischen glut brennen müssen Fr. v. Spee güldenes tugendbuch (1649) 34; auch ohne genitivische bezeichnung: kinder, soltent ir in einer heissen stuben nacht und tag ligen, es solte úch ze swere dunken: ich losse ston enmitten in der gluͦt manig jor oder ewiklichen Tauler predigten 236 Vetter.
3)
verbale verbindungen, besonders im übertragenen sinn. die glut schüren: schür, teufel, schür glüt an! randglosse bei Wickram w. 3, 248 Bolte;
denn du (Karsthans) wol kanst schüren die gluͦd
mit dem pflegel, der nit wol thuͦd
reformationsflugschriften 4, 120 Clemen;
vgl. auch Wander sprichwörterlexikon 1, 1782. in die glut blasen:
du freust dich in erloschne glut zu blasen,
dein amt ist hader
G. Freytag ges. w. (1886) 3, 122.
aus mhd. zeit wazzer ze der glüete bringen 'die glut löschen':
wie genædic unser vrouwe (Maria) wære,
wie si bræhte mit ir güete
wazzer ze der glüete
Münchener Oswald 2552 Baesecke.
in die glut greifen 'ins feuer fassen':
sît ich gewan den muot daz ich began
zer werlte dingen merken übel unde guot,
dô greif ich, als ein tôre tuot,
zer winstern hant reht in die gluot
in: Walther v. d. Vogelweide ged. 123, 22 L.-K.
durch die glut ziehen 'verspotten':
dez von den buͦben er geschieret (= geschürt)
wart und dur die gluͦt gezogen
und dik von in an gelogen
der sœlden hort 4153 Adrian;
och schaffent si daz er gezogen
wirt dur die gluͦt, dur daz baht
ebda 4203.
ähnlich bildhaft in redensartlicher verwendung:
der iemer sô gewüete,
daz er sînes wîbes hüete,
er sazt sich ûf die glüete
Heinrich v. d. Türlin krone 10331;
aus späterer zeit: also hatten ihnen selbs die geistlichen vaͤtter mit ihrem zanck gluͦt auff die fuͤss gezogen Stumpf Schweizerchron. (1606) 369ᵇ.
4)
glut als bezeichnung für den häuslichen herd:
wie ein vischære
zôch sîne segene
dô flôz im engegene
ain maget in allen gâhen.
dô îlte er si vâhen,
er truoch si zuo der gluote
kaiserchronik 11902 Schröder;
bi einer heizen gluete
trink wir möste guot;
veizte braten gebent hochgemuete:
die lob ich vür des suezen meien bluot
bei v. d. Hagen minnesinger 3, 292;
daz selbe lop ist ninder gut
wan da heim bi der glut
Stricker in: kleinere mhd. erzähl. 191, 144 Rosenhagen;
sitz ze der glut uf die banc,
ich sihe wol daz du bist kranc
Rüdiger v. Hünchofen der schlegel 329 Pfannmüller;
du soltest da heimen bliben und haben gut husgemach
ob einer heiszen glute
jüng. Hildebrandslied in: denkm. 2, 27 Müllenhoff-Scherer;
wir wöllen zechen bei der glut,
darzu sind kitten und kästen gut (l. kälten, vgl. ebda 123)
Fischart Gargantua 145 ndr.
hierher auch: honicseim der wol gesoten si ane rouch uf der glute Breslauer arzneibuch 116; sie gieng und nam die ein (bratwurst) von der gluͦt Eulenspiegel 58 ndr.; (der suppe) sprach ich gewaltig zu, weil sie eben auf einer glut stunde Grimmelshausen 2, 405 Keller. vergleichbar auszerhalb des häuslichen bezirks als wachtfeuer, lagerfeuer: stuontun scalca inti thie ambahta zi theru gluoti, bithiu uuanta frost uuas, inti uuermitun sih (stabant autem servi et ministri ad prunas, quia frigus erat, et calefiebant) Tatian 186, 5; vgl. dazu auch erste dtsche bibel 1, 409 lit. ver.;
ains tags gieng ich durch guͦten muͦt,
da ich vand sitzen umb ain gluͦt
siben, die mich ruͦften an
liederbuch d. Hätzlerin 271;
darumb ratet Wilhelmus, in dem winter (die kopfwunden nach der schlacht) zuͦ binden bey ainer warmen gluͦt, so anders kain stuben da seind H. Braunschweig chirurgia (1539) 41ᵃ.
B.
glut als feuer.
1)
das wort wird in der dichterischen sprache des 17. und 18. jh. als gewählterer ausdruck für feuer gebraucht. seiner einsilbigkeit und leichteren reimbarkeit wegen ist es besonders in aufzählungen (der vier elemente u. dgl.) beliebt:
was irrdisch ist, verdirbt: die frömmigkeit besteht,
wann glut, lufft, erd und see zu grund und boden geht
(1624) Opitz teutsche poemata 66 ndr.;
ähnlich bei J. Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 116;
er singt, wie meer und gluth und luft und erd entstanden
Ramler einleitung in d. schönen wissensch. (1758) 1, 403;
jene welt ertrank durch flut;
diese welt erfodert glut
(1654) Logau sinnged. 30 Eitner;
mir wird unfrei, mir wird unfroh,
wie zwischen gluth und welle
Göthe I 5, 186 W.
so auch in der paarformel stahl (schwert) und glut (vgl.feuer und schwert):
der nie ein fremdes volk mit stahl und glut verderbt
Gryphius trauersp. 31 Palm;
laszt immer was nicht taugt, durch schwert und glut erkalten,
der herr wird dennoch wohl sein eigenthum erhalten
B. Neukirch ged. (1744) 154.
2)
einzelbedeutungen, zum teil auszerhalb der dichterischen sphäre.
a)
vereinzelt im sinne von 'scheiterhaufen':
(sie) wünschen der (wittenbergisch) nachtigall die glut
Hans Sachs 6, 370 lit. ver.;
hier ist nur folter, glut und strang,
verfolgung, pfahl und schmach zu hoffen
Gryphius ged. 497 Palm.
b)
als 'feuersbrunst':
wie manche schöne stadt, die reiszt die glut darnieder,
es raucht noch mancher ort, der erst ins feuer fiel
P. Fleming dtsche ged. 1, 104 lit. ver.;
eben damahls als die grimmige gluth die grosze kirchgasse hinan wütete ... nahm der cantor 2 nachbarskinder von der gasse Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 441;
als euren tempel grause gluth verheert,
wart ihr von uns drum weniger geehrt?
Göthe I 16, 138 W.,
heute ungewöhnlich. üblich geblieben ist dagegen: wie sie heimgekommen, (haben) sie das haus mit samt dem nest in voller gluth gesehen J. Prätorius winterflucht der sommervögel (1678) 149; wie (die angezündete scheune) nun in voller gluth stand, sah sich der bauer um Grimm dtsche sagen (1891) 1, 48.
c)
in dieser richtung entfernt sich glut gelegentlich von seiner ursprünglichen bedeutung so weit, dasz es auch die hellauflodernde flamme bezeichnen kann: voll zorn brandte ich das gemachte raquet an und schmiesse es in einem huy hinüber in das stroh, davon, nach einem vaterunser lang, die gluth schon zu dem dachfenster herausgeschlagen Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 353;
sie freuten sich der schönen glut,
die wie ein helles osterfeuer,
gen himmel flog
Hölty w. (1772) 1, 235 Michael;
und hüben und drüben zum himmel empor
steigt flackernde glut (ἄλλη δ' ἄλλοθεν οὐρανομήκης
λαμπὰς ἀνίσχει Agamemnon 93)
Droysen Äschylus (1841) 45.
ähnliche bedeutungsnüancen können sich spontan jederzeit von der grundbedeutung des wortes aus neu bilden; vgl. altfries. glēd 'feuerbrand' bei van Helten lex. des altostfries. 154, ferner die adjektivverbindungen helle glut, hellflammende glut: es brennet liechter lohe und heller glut Luther w. 53, 519 W.; näbenst einer hälflammenden gluht Zesen adriatische Rosemund 25 ndr.;
so mögen diese finger dann verdorren
und feuer sie bestrafen, lohe glut
Grillparzer s. w. 6, 188 Sauer.
C.
glut als hitze.
1)
im eigentlichen sinne. das wort wird ähnlich wie glühen (vgl. sp. 446 f.) allgemein von der sonnen- und sommerwärme gebraucht, um den höchsten grad der hitze anzudeuten:
es ümärmet und erwärmet
ihre (der sonne) glut die kalte welt
Sigismund v. Birken ostländischer lorbeerhäyn (1657) 26;
der sommer folgt. es wachsen tag und hitze,
und von den auen dränget uns die glut
Göthe I 16, 220 W.;
mehr visuell gefaszt: und er sah in die später werdende glut, bis endlich der sonnenball gesunken war Fontane ges. w. I 5, 103. von der hitze des tages, besonders ihrer mittäglichen steigerung:
ist diesz der dank, ...
dasz ich zur ärntezeit um deinen nacken spielte,
damit er nicht die glut der mittagssonne fühlte?
Ramler fabellese (1783) 3, 244;
kannst du dich nicht des goldnen zweiges freun,
der vor des tages gluth dich schützt?
Göthe I 2, 75 W.
allgemein 'hohe temperatur':
entsteht ein appetit nach beeren,
sie wachsen hier auch durch den schnee,
den weder lufft noch gluth verzehren
auff einer zweyfach schönen höh
Joh. Chr. Günther ged. (1735) 216;
(gott) hüll ros und röselein
gen frost und gluth in deine gnade ein
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 4, 76;
statt kühlung führt der ostwind neue gluth herbei A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 30. sinngemäsz von südlichen landstrichen: die ungewohnte gluth des südens zerstörte Ludwigs zarten körper und er fiel als eines der ersten opfer der seuche Meisl theatralisches quodlibet (1820) 1, 156; in die glut tropischer regionen H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 97; die ungewohnte glut der provençalischen sonne erschlaffte ihre sehnen Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 184.
2)
vom glühenden feuer des weins (vgl.glühen I A 1 c, sp. 447):
des weines glut, den vielgenusz der speisen,
bequemlichkeit und schlaf und sonstge gaben
Göthe I 2, 8 W.;
mein wein ist ohne glut und duft,
dein kusz, mein lieb, wie matt!
man kriegt in dieser krämerluft
sogar das dichten satt
Strachwitz ged. 171 Weinhold.
3)
von menschlichen empfindungen und gefühlen. von körperlicher wärmeempfindung: beym ersten mahle (des badens) wollte ich rathen, nur einmal unterzutauchen, und nie die zeit zu überschreiten, da die angenehme gluth, die man beym aussteigen (aus dem badekarren ins wasser) empfinden musz, in schauder übergeht Lichtenberg verm. schr. (1800) 5, 103; ich selbst fühlte die gluth auf meiner stirne maler Müller w. (1811) 1, 33. besonders von der fieberhitze:
des rosenwassers kraft
ist, in ihrer angst, den matten geistern nütze,
in denen gluht und brand beihnah das garaus spielt
PH. Zesen helikon. rosentahl (1669) 122;
hier liegt sie nun auf dem todbett, in der glut des hitzigen fiebers, sechs endlose wochen, ohne sich zu regen H. v. Kleist w. 2, 187 Schmidt. seelische empfindung und körperliches wärmegefühl werden durch erröten sichtbar: deine weggewandte augen, diese gluth auf deiner stirne sind treuere erzähler als deine lippen Gerstenberg Ugolino 239 Hamel;
sie (anrede) stuzen?
sie werden plözlich lauter glut?
Schiller s. schr. 5, 1, 116 G.;
diese rohe anspielung auf die verfallene burg seiner ahnen jagte eine hohe glut auf die wangen des jünglings Wilhelm Hauff w. (1890) 1, 29. vom schamgefühl:
(Petrus) dem keine glut ins antlitz flammt,
wenn man ob göttern hält gericht
Herwegh ged. eines lebendigen (1842) 121;
einmal machte er sich in gesellschaft vieler menschen durch seine reden und wortsprünge so lächerlich, dasz das mädchen mit gluth und scham übergossen dasasz Stifter s. w. (1901) 5, 1, 349; streng bildhaft: tauirst bluckte noch en mal de helle flamm von den zorn in de höcht un versackte dunn in de düsterrode glaut von scham Fr. Reuter stromtid 2, 202 Seelmann. ganz verinnerlicht: die stille glut seines gesichts war in das tändelnde feuer eines irrlichts, der heilige ernst in verstellte schalkheit verwandelt Novalis schr. 4, 199 Minor.
D.
zur vollen entfaltung seines sprachlichen lebens gelangt glut in der übertragung auf innere, geistig-seelische vorgänge.
1)
die entwicklung zeigt verschiedene formen, die früh schon nebeneinander stehen.
a)
im mhd. macht sich die beziehung auf den menschen vorerst im ausgeführten bild oder im vergleich geltend. noch ganz sinnlich in der vorstellung:
jâ macht mich zwîvel ungemuot
mit sînem ungemüete,
daz mich dunkt wie mir daz bluot
lige an einer glüete
Hartmann v. Aue klage 1802 Bech;
sit ich brinne
in diner minne
als in der glüete
Ulrich v. Winterstetten 2, 41 Minor.
der geblümte stil liebt vergleiche aus dem handwerkerleben:
sins edelen herzen tür
durch milte fliezens sich bewiget;
sin muot gebrant ist lœtik in der triuwen gluot.
vil sælde uf in riset
Hermann Damen bei v. d. Hagen minnesinger 3, 169.
b)
in gelösterer form ist glut nur durch ein adjektiv näher bestimmt: heilige, jugendliche glut (s. die belege unten sp. 490 u. 491);
o was vor frohe glut
erhitzet die entzündten geister
S. G. Lange freundschaftl. lieder 24 lit.-denkm.;
(das erfüllt) wahrlich mein herz mit freudiger gluth Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 1, 159; häufiger noch durch ein substantiv, das dann meist im genitiv folgt: glut der liebe, freundschaft, andacht, des zornes, grimmes, schmerzes, s. die belege unter 2; ferner: es ist eine glut der sehnsucht in dieser elegie wie in wenigen gedichten Göthe IV 9, 296 W.;
(sie) betheuern
unsrer treuen wünsche gluth
Ⅰ 16, 317 W.;
die erlöschende glut des affekts
Schiller s. schr. 5, 1 G.;
ungewöhnliche glut der phantasie mit kälte der sinne gepaart
W. v. Humboldt ges. schr. (1908) 1, 295;
die alte glut der leidenschaft erwacht in ihm
jahrb. d. Grillparzergesellschaft 8, 112.
nur gelegentlich über die grenze des gefühlslebens hinausgreifend: der wille strebt stets in die wirklichkeit zu treten und von neuem mit seiner ganzen gluth zu entbrennen Schopenhauer w. 1, 502 Grisebach.
c)
glut wird schlieszlich unmittelbar bezeichnung der seelischen erregung: liebe, begeisterung, hingabe (s. u. 2 a und e), oder auch allgemein im sinne von innerem feuer, verhaltener leidenschaft, also nur den intensitätsgrad des gefühlslebens ausdrückend: eine heimliche glut schlich in seinen adern; bestimmte und unbestimmte gegenstände wechselten in seiner seele und erregten ein endloses verlangen Göthe I 22, 68 W.; ich bin immer nur eins, ein ununterbrochenes sehnen und fassen, eine gluth, ein strom Büchner ges. schr. (1909) 1, 194; das sprühen der dunklen augen verrieth die gluth seines innern Moltke ges. schr. (1892) 6, 50. mit dem begriff der zielstrebigkeit: die glut nach edlen guten thaten Klinger w. (1809) 4, 89; wen durchdrang nicht lebendige glut zur tugend? Schiller s. schr. 3, 515 G. kennzeichnend für das temperament des südländers: (er) war so hingerissen, dasz er in seiner südlichen glut aufsprang Gutzkow ritter v. geiste (1850) 7, 45; Ornano vereinigte die äuszere ruhe und die feinheit eines Italieners mit dem ehrgeiz eines melancholischen von südlicher gluth erfüllten temperaments Ranke s. w. 9 (1876) 232.
2)
die einzelnen anwendungsbereiche.
a)
wie feuer und flamme ist glut zum sinnbild, dann auch zur bezeichnung für die liebe selbst geworden:
diu (Isolde Weiszhand) viuwerniuwet ime den muot
mit der glimmenden gluot
diu ime doch naht unde tac
betrochen in dem herzen lac
Gottfried v. Straszburg Tristan 19046 Ranke;
und meine grabschrift soll disz seyn:
die reinste glut bedecket dieser stein
Ziegler asiatische Banise (1689) 112;
oder wandle mit mir, holde begleiterin, ...
in die tage der ersten glut
Hölty ged. 72 Halm;
aber bei mir ist ja die warme hand, das volle herz, die tiefe gluth, der pulsschlag der leidenschaft — und bei ihnen ist nicht ein funke von dem allen fürst Pückler briefwechsel u. tagebücher (1873) 1, 320. auch der plural ist möglich:
in heimlichen gluten
still sich verzehren
Geibel ges. w. (1883) 2, 28;
denn hierin liegt die erfüllung aller geheimnisse der heiligen liebe. die gluten alle und alle die hingerissenheiten gehen aus in dem verlangen, alles zu verlieren Rilke ges. w. (1927) 6, 102. nicht inhaltlich, sondern graduell bestimmend: ich spindisirte wie ich diese neue angehende liebe in ihrer ersten glut zerstören möchte Grimmelshausen Simplicius 2, 541 Keller; ich liebe zum beispiel (ihn) sehr, — aber von glut und sehnsucht und dergleichen weisz ich nichts Deinhardstein ges. dram. w. (1848) 1, 13. in genitivischer verbindung: sein junges weib, das noch mit der ganzen glut ihrer mädchenliebe an ihm hing O. Ludwig ges. schr. 1, 162 Schm.-St. ähnlich auch von der freundschaft: aber die glut der freundschaft ist reine erquickende menschenwärme Herder w. 15, 312 S., s. auch Ernst Jünger das abenteuerliche herz (1929) 20. umschlagend in eine niedere sphäre wird glut sinnliche leidenschaft, brunst:
weh euch, wenn sie von euren thaten einst
den ehrenmantel zieht, womit ihr gleiszend
die wilde glut verstohlner lüste deckt
Schiller s. schr. 12, 501 G.;
bin ich nicht gut, so wollt ichs auch nicht scheinen.
ihr aber scheinet tauben, fromme tauben,
und seids in einem nur: in ewger glut
Grillparzer s. w. 6, 187 Sauer.
b)
der religiöse geltungsbereich schlieszt sich eng an die unter a gezeichnete verwendung an. sehr ausgebreitet im mhd.:
ze gote stuont sô gar sîn muot,
daz er als ein glüendiu gluot
begunde in gotes minnen
ie mêre und mêre brinnen
Rudolf v. Ems Barlaam 376, 4 Pfeiffer;
auch späterhin wird diese linie fortgeführt: denn liebe ist stark wie der tod, und eiuer ist fest wie die helle, ir glut ist fewrig, und ein flamme des herrn (quia fortis est ut mors dilectio, dura sicut infernus aemulatio: lampades eius lampades ignis atque flammarum) hohes lied 8, 6; wo eine solche glud, ein solcher brünstiger glaube ist, da wird das gebet recht angezündet Joh. Pomarius grosze postille (1590) 1, 505ᵃ;
lasz diese lieb als eine glut
in uns entzünden hertz und muth
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 396.
als inbrunst:
der hohen andacht gluth
ergieszt sich schon in jubelliedern
Schubart s. ged. (1825) 2, 50.
in der häufig bezeugten verbindung heilige glut:
ich lebe die tage
voll glauben und mut
und sterbe die nächte
in heiliger glut
Novalis schr. 1, 27 Minor;
halb Charis steht sie da und halb Mänade,
entflammt von ihres gottes heilger glut
Grillparzer s. w. 5, 20 Sauer;
die verbindung beschränkt sich nicht auf das religiöse: wer denkt noch je ernsthaft an einen krieg, der vor dreiszig jahren mit heiliger glut begonnen ward Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 144.
c)
in verbindung mit affekten wie zorn, hasz, rache u. ä. charakterisiert glut den höchsten grad der leidenschaftlichen gemütsbewegung. noch ganz bildhaft:
dâ von sîn herz in valsche erbran
unde in hazze sam ein gluot
Konrad v. Würzburg Partonopier 18135.
inhaltlich näher bestimmt durch den genetiv:
leidic in zornis gluete
samenten sie sich drate
Daniel 8058 Hübner;
die glut der rache kann alles wieder gerade machen Ziegler die asiatische Banise (1689) 278; vgl. ebda 12; aber eine wahre glut des grimmes athmet aus dem aufrufe Dahlmann gesch. v. Dännemark (1840) 2, 248; vgl. dazu:
wenn deiner feinde grimm und gluth
mir wil ein grab bereiten,
denn lasz als einen held
mich ziehen frisch ins feld
Rist geistl. poet. schr. (1657) 2, 212.
in lockerer verbindung ergibt jeweils erst der zusammenhang die bedeutung:
daz ist, da Job wart geletzet
und von gewalt insetzet,
daz er nichit wandelte den mut.
sunder er bleib noch in der glut
und gewislich in dem willen
daz er scheren unde villen
diz volk wolde, wer er by macht
Hiob 6414 Karsten;
gleicher weyse, die zornige wort oder hoͤnrede meines feindes, durch welche er mein bluͦt antzuͦndt unnd bewegt, weder ich selber noch mein bluͦt noch die hitzige bruͦnst oder glude meynes hertzen seind Karlstadt, s. Luther w. 18, 138 anm. W.;
die du mit ewger gluth mich tag und nacht begleitest,
mir die gedanken füllst, und meine schritte leitest,
o rache, wende nicht im letzten augenblick
die hand von deinem knecht
Göthe I 16, 20 W.;
es brennt in ihm, scham, reue, zorn, verachtung, eine dumpf fressende glut Ernst Wiechert die kleine passion (1929) 95.
d)
von der glut des leidens und des schmerzes: da straffe ich zum ersten meyn aller liebsten kinder, die an mich glewben, die müssen von ersten herhalten und sich lassen in die glut (des leidens) füren Luther w. 12, 385 W.; und was er erlebt hatte, das färbte sich neu und ward durchglüht von der glut dieses schmerzes und verlustes Emil Strausz freund Hein (1921) 327. durch die glut gehen als läuterung: der gerecht ist, der da glewbt, noch hatt es mühe und erbeyt ym glawben, das er hin durch kome und selig werde, denn er musz durch die glut hindurch gehen Luther w. 12, 385 W.
e)
in der bedeutung 'begeisterung, idealismus, hingabe, wärme'; als wesenszug eines charakters oder einer handlung: welche glut wars, die ihn (Peter den Groszen) zum fremdling, zum schüler machte Herder s. w. 1, 25 S.; mir ist, als wenn sie keins ihrer früheren werke mit der glut und innigkeit geschrieben hätten Voss an Göthe im Göthejahrb. 5, 77;
getrost, das leben schreitet
zum ewgen leben hin,
von innrer glut geweitet
verklärt sich unser sinn
Novalis schr. 1, 51 Minor;
sie tanzt ohne glut, ohne letzte hingabe, nicht schlecht, aber auch nicht schön Otto Gmelin sommer mit Cordelia (1933) 96. durch genetiv oder sinngemäsze verbindungen charakterisiert:
da sprach er viel mit der begeistrung glut
von gottes grösze
Schubart s. ged. (1825) 1, 2;
wie du entlehntes gut mit der glut deiner edlen empfindung umschlossen und an andere weitergegeben hast Martin Kähler der lebendige gott (1894) 21. häufig von jugendlicher begeisterung und schwungkraft:
furcht, gesellschaft, übereilung und des grünen alters glut
machen, dasz man unterweilen wider besser wissen thut
Joh. Chr. Günther s. w. 1, 206 lit. ver.;
hier möchte uns die jugendliche gluth ermangeln Göthe I 24, 325 W. mit mehr bildhafter prägung:
ich weisz noch wohl die liebe zeit,
in der ich mich genug erfreut:
was waren das vor süsze tage?
die schläfe trugen blum und glut
und kannten weder wunsch noch plage,
noch was den greissen bange thut
Joh. Chr. Günther ged. (1735) 195.
ähnlich vom dichterischen feuer: wer mir jetzt unendlich willkommen wäre, das wär ein neuer dichter voll glut und selbständigkeit Hebbel br. 1, 158 Werner; nicht glut und sittliche tiefe allein bilden den künstler Stifter br. 2, 193; der lehrer war über die glut der darstellung in erstaunen gesetzt H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 269.
f)
endlich vom leben selbst, seiner pulsierenden kraft und inbrunst:
und so erwuchs ich still am stillen orte,
in lebens glut den schatten beigesellt
Schiller s. schr. 14, 53 G.;
mein frevel war, dasz ich den vollen schatz
von lieb und eifer, meines lebens glut,
auf eine einzge seele hab gesetzt
G. Freytag ges. w. (1886) 2, 130;
mut zur wahrheit sei das höchste auf erden. alles andere — gelübde und reue — verschütte nur die glut des lebens, die heilig sei, wie sie auch brenne H. E. Busse Tulipan (1927) 19;
wir (bauern) geben euch das blut, den wein,
und unsre söhne obendrein
und unsrer töchter liebeskraft,
dasz nimmer das geschlecht erschlafft,
dasz sich sein kern, sein glück und glut
erweise in gesundem blut
J. Weinheber o mensch gib acht (1937) 33.
E.
glut als glanz, schimmer. im gegensatz zu glühen B, dessen bedeutung 'glänzen' ursprünglich und altbezeugt ist, scheint glut im altgerman. auf die bedeutung 'hitze, flamme, glühende kohle' beschränkt. die übertragung des substantivs auf das rein visuelle gebiet erscheint spät und selten; sie ist daher wohl nicht eigenständig, sondern von dem gebrauch des verbs maszgeblich beeinfluszt worden. bei der übertragung auf das leuchten und funkeln der augen schwingt auch eine beziehung auf die gesteigerte innere wärme oder den seelischen erregungszustand mit. im mhd. wie stets als bild:
ir augen prunnen als ain glüt
di man ausz dem ofen düt
Heinrich v. Neustadt Apollonius 10772 Singer.
aus neuerer zeit:
jener kranz, Pandorens locken
eingedrückt von götterhänden,
wie er ihre stirn umschattet,
ihrer augen gluth gedämpfet,
schwebt mir noch vor seel und sinnen
Göthe I 50, 304 W.;
sie ist schön und ihre augen haben eine verzehrende glut. ihr haar duftet verführerisch Rich. Beitl Angelika (1939) 187. besonders in poetischer sprache vom lichtschimmer der gestirne, dem widerschein des leuchtens, vom morgen- und abendrot:
der schöne nachtstern kömmt,
die angelegte glut der blancken sterne glimmt
Paul Fleming dtsche ged. 1, 66 lit. ver.;
da geht sie (die sonne) hervor an einem himmelsende hinüber zum anderen himmelsende, und alles ist voller glanz und glut Herder s. w. 6, 20 S.;
wie traurig steigt die unvollkommne scheibe
des rothen monds mit später gluth heran
Göthe I 14, 193 W.;
wie die säule des lichts auf des baches welle sich spiegelt,
hell wie von eigener glut flammt der vergoldete saum
Schiller s. schr. 11, 43 G.;
ich möchte hingehn wie das abendrot
und wie der tag mit seinen letzten gluten
Herwegh ged. eines lebendigen (1842) 102;
fiel ein strahl der untergehenden sonne auf ihre hohe, schlanke gestalt und liesz ihr helles gesicht in rosiger glut leuchten J. Mosen s. w. (1863) 8, 218; als die sonne untergegangen war, und die sanfte glut von den gipfeln der hochgebirge sich verlor, gingen wir zurück Stifter s. w. (1901) 6, 336; sie blickte dem vogel nach, bis er in der dunklen glut des morgens verschwunden war Binding Angelucia (1937) 65. von goldenen und roten farbtönen in der natur:
da wanken glöckchen
so weisz wie schnee;
safran entfaltet
gewaltge gluth
Göthe I 3, 38 W.;
die bäume standen in ihrem glänzenden nadelgrün oder in der stillen gluth ihres rothen und gelben laubes da Stifter s. w. (1901) 4, 1, 288;
sie (die ebene) gebiert. sie leuchtet. grüne flammen,
die ihr aufrecht an den furchen steigt,
schlieszt zu goldenen gluten euch zusammen,
wenn ihr euch der erde wieder neigt
Binding ges. w. (1937) 2, 181.
eigenartig:
hell in bläulicher glut flammte des erlenstrauchs
zartgekräuseltes laub
J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 46.
in steigerndem sinn von der intensität der farben: der kelch war schön gewunden, er bog sich oben zurück, den lippen entgegen, und inwendig funkelte das gold mit rother gluth Tieck schr. (1828) 4, 398; aus Tizians herrlichem bilde 'das bacchanal' weht eine wunderbare frische und holde lebensfülle; das kolorit ist wahre zauberei, eine kunst, ein glanz und eine glut in den farben, die einen wunderbaren reiz wirken L. Richter lebenserinnerungen (1909) 522.
Zitationshilfe
„glut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/glut>, abgerufen am 15.09.2019.

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