Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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grabstein1, m.

¹grabstein, m.,
nl. grafsteen, engl. gravestone. mhd. seit dem 13.—14. jh. bezeugt, s. Lexer 1, 1071 und unten 1 b; d; mnd. grafsteⁱn, graveste(i)n Lasch-Borchling 1, 2, 147; 154. nicht selten in der form grabestein, besonders älter, daneben im 18. und 19. jh., auch in ungebundener rede, grabesstein (s. unt. die belege); vereinzelt bleibt gräberstein Weigand renaiss. (1903) 2, 97; Weinheber späte krone (1936) 22.
1)
der über einem grabe errichtete oder auf einem grabe liegende gedenkstein, der zum teil (s. z. b. unt. b), aber durchaus nicht immer auch die funktion hat, ein grab zu decken und zu schlieszen, dasselbe wie jüngeres leichenstein (s. d.) undin älterer bedeutung — sarg (s. d. 4). in glossierungen und lexikalisch stehen dafür lapis supra sepulcrum gemma gemm. (1508) 28ᵈ; la pierre du sepulchre, la pietra del sepolchro Hulsius-Ravellus t.-frz.-ital. (1616) 144ᵇ; pietra sepolcrale, lapida M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 553ᵇ; la pierre de sepulcre, tombe Schwan nouv. dict. (1783) 1, 781ᵃ; daneben, im zuge hartnäckiger antiker tradition, auch cippus Bentz thes. lat. (1596) 98; Henisch (1616) 1722; Stieler stammb. (1691) 2139; seltener monumentum Frischlin nomencl. (1586) 383ᵃ; Reyher thes. (1686) g 5ᵈ.
a)
allgemein der einem erdgrab zugefügte gedenkstein, vgl.grab A 3 b:
wolt halten auch ein sondre weisz,
dieweil viel leut mit sonderm fleisz
acht haben, wie man sie begrab,
ob auch jr grab ein grabstein hab
Fischart w. 2, 457 Hauffen;
ein schöner grabestein
der bringt der leiche nichts, ist nur ein blosser schein
Opitz opera (1645) 3, 314;
ich möchte ... weder grabstein noch aufschrift auf meinem staube haben Cramer nord. aufseher (1758) 2, 124; wir setzten uns an die seite auf einen alten bemoosten grabstein Schelling w. (1856) I 9, 12; sie haben (dem dorfe) genommen alles, aber sie konnten nicht tragen weder die schornsteine noch die grabsteine E. Wiechert missa sine nomine (1950) 510. auszer im christlichen auch im vor- und frühgeschichtlichen, antiken oder primitiven bereich: der ort aber da der grabstein (des Ovid) ligt, ad fines Graeciae, ist bewohnt gewesen Rätel chron. d. herzogt. Schlesien (1607) 99; dieses ländchen Putbus ..., welches mit seinen hügeln, wäldern, hünengräbern, grab- und opfersteinen ... ganz eine romanze und ein gedicht ist E. M. Arndt w. 1, 36 R.-M.; eingemauert fanden wir nun altäre, antike grabsteine, fragmente aller art in den gartenumfriedigungen (der dörfer bei Neapel) Göthe I 31, 12 W.; dasz in diesen idolen oftmals einfache grabsteine zu erkennen sind, wird um so klarer Ratzel völkerk. (1885) 2, 334. auf form, grösze und art der bearbeitung des grabsteins anspielend: wie bre(i)t und wie lang grabsteine sin sun. swer der burger ... dehein grabstein machet, der lenger ist denne siben füesze und breiter danne dry füesze, der git ein pfunt ze buoze in: schweiz. id. 11, 824; dozumal ist im (dem verstorbenen grafen) aber kain gehawner grabstain oder auch ainig epitaphium aufgericht worden Zimmer. chron. ²1, 580 Barack; bey einem jeden grab steht ein marckstein, einer elen hoch, zum theil raw vnd vngearbeit, zum theil vierecket oder rund behawen ... da sihet man zu Constantinopel und an allen orten in städten vnnd dörffern viel tausendt solcher grabstein Schweigger reyszbeschr. (1619) 199;
oder ach! ...
schimmerst du, falschlächelnder mond, auf seinen
ragenden grabstein?
J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 59;
und der obelisk (in einem park) sieht aus wie ein grabstein Fontane ges. w. (1905) I 5, 50. oft neben und im unterschied zum grabkreuz: der gottesacker mit seinen moosigen grabsteinen und schwarzen kreuzen Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 24; die mauer ist nicht hoch, man sieht grabsteine und kreuze Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 63. aber auch: auf dem sandigen platz dörrten hier in der sonne ein paar verstreute grabhügel und schiefe, eingesunkene grabsteine in kreuzesform Meschendörfer büffelbrunnen (1935) 327. aus verbalverbindungen wie einen grabstein legen bzw. aufrichten läszt sich auf die liegende oder aufrechte stellung des grabsteins schlieszen:
wolt ir (der ehefrau) auch legen ein grabstein
Hans Sachs 5, 269 lit. ver.;
in der nähe lag ein beseitigter alter grabstein, der vor. ungefähr achtzig jahren errichtet worden mit der inschrift auf einen dazumal verstorbenen Albertus Zwiehan G. Keller ges. w. (1889) 2, 105; jhm ward ein ehrlicher grabstein mit erzälung seiner tugenten auffgericht J. Herold chron. aller ertzbischoven zu Mayntz (1551) 10ᵃ. gelegentlich in ausdrücklicher abgrenzung gegen die anspruchsvolleren formen des grabmals und grabmonuments (doch s. unten 2): im jahr 1786 kam man auf den gedanken ihm (Kepler) zu Regensburg ein monument aufzurichten, wo von ihm nicht einmal sein grabstein geblieben war Herder 23, 547 S.; selbst die grosze königin Elisabeth hat nur einen grabstein mit einer inschrift Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 149. in älterem gebrauch gern mit anspielung darauf, dasz die steine aufgelassener gräber als behauene steine zu bauzwecken verwendet wurden: (wenn) ein meister und die gesellen in die steingruͦben gon oder farent und do werkend, das sollent sie ernstlich und trúwelichen volenden und was do gefallet es sigent grabstein, schliffstein oder ander gestein, sol alles unser frowen buws sin (bauhüttenbericht Basel 1496) bei Mone anz. f. kde d. dt. mittelalt. 3 (1834) 206; (1514) in: schweiz. id. 11, 825; und beschainet sich wol, das die gebew, so mit kirchen und grabsteinen bevestiget, nit würig ader fürtreglich; dann wie lang hat der Asperg, wie lang Kirchen und Schorndorf gehalten? die sein merthails von kirchen und grabstainen erbawen und sollichs so unverschempt, das auch die epitaphia und wappen der verstorbnen offen und unbedeckt gelassen Zimmer. chron. ²3, 539 Barack.
b)
in speziellerem sinne die liegende (nachträglich oft auch an wände angelehnte oder dort aufgehängte) verschluszplatte, die ein in den fuszboden einer kirche, eines klostergangs u. ä. eingelassenes grab nach oben abschlieszt und das grab wie den begrabenen kennzeichnet, soviel wie grabplatte (s. d. 2): und were daz der grebil arbeit hette ein grabestein abe ze nemen als nider zu lênne, so sol der grabil dar umb nemen, daz bescheiden si (1316) in: Züricher stadtb. 1, 11 Zeller-Werdmüller. im folgenden beleg diesen gebrauch voraussetzend: 18 schrit von der understen staffel gegen den undergang der sonnen, ist (im bereich des heiligen grabes zu Jerusalem) die statt vermerkht recht als mit einem grabstein ebenschlecht mit dem pflaster, da die heilig draurig muetter gesessen ist mit dem todten leichnamb ihres lieben sohnes (1483) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 117; do ward sin tottner lib in die Richenow gefürt, daselbs by dem altar unser lieben frowen in dem cor zuͦ der rechten sitten begraben, wie uff hüttigen tag ain grabstain anzaigen gibt Oheim Reichenauer chron. 65 Barack; ob woln die grabstein darüber (über den in der kirche begrabenen toten), so seyn die maurer ... mehrermals nachlässig, dasz sie nicht wol vnnd gleimb die stein verlöten Guarinonius grewel (1610) 514; wir suchen jetzt hier des mannes (Taulers) grabstein, der im kreuzgange des dominikanerklosters gewesen sein soll, haben aber noch nichts gefunden Görres ges. br. (1858) 3, 10; die kirche war offenbar sehr alt, die fenster zum teil noch aus gemalten scheiben bestehend und wand und boden mit grabsteinen und mälern bedeckt G. Keller ges. w. (1889) 3, 137; hinten (beim St. Gereonsdom) tritt man durch eine enge spitzbogentür sogleich in den alten kühlen kreuzgang, wo die grabsteine der adeligen geschlechter ... die wände entlang lehnen W. Raabe s. w. I 2, 6 Klemm.
c)
sowohl zu a wie zu b gehört der grabstein als träger einer inschrift, die den begrabenen mit namen und lebensdaten, oft auch durch gedenkworte kennzeichnet (s. grabschrift 1): (der sohn) liesz dise mit solchem bscheid von sich und schreib auff seines vatters grabstein, wie folgt Kirchhof wendunmuth 1, 156 lit. ver.; ich find zuͦ Waldsachsen auff zwey grabsteinen, die ich anno etc. 1562 ... selbs gesehen, zwo Elspeth von Orttenberg ... auff dem ersten kein jarzahl, aber auff dem andern, das sie anno etc. 1272 verstorben Vig. Hund bair. stammenb. (1598) 2, 3; lasse ... auf beyder grabestein schreiben: dasz darunter die uberbleibung zweyer leiber, aber nur einer seele ruhe Lohenstein Arminius (1689) 2, 456ᵇ; der selige Gerhard Terstegen machte ihm folgende grabschrift, die auf den grabstein eingehauen ist Jung-Stilling s. schr. (1835) 6, 30; die einzige erbin des weiland syndici Hornbostel, eines begüterten mannes, auf dessen grabsteine viel schöne und löbliche eigenschaften und tugenden in güldener schrift aufgezeichnet zu lesen sind W. Raabe s. w. I 6, 365 Klemm. der grabstein kann hier ebenso fiktiv gemeint sein, wie das vielfach von der grabschrift (s. d. 2 a) gilt:
dein grabstein sol diss zeugnüss haben,
von meiner eignen hand gemacht:
hier liegt das ädle bild begraben,
der recht vollkomne tugendpracht (die gestorbene geliebte)
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 329.
besonders in der verbindung jemandem etwas auf den grabstein schreiben etwas zum gedächtnis eines toten sagen: Schlesien schreibet zwar unserm pyastischen hertzoge auf seinen grabestein: er habe, nach dem verlangen seines volckes, zu wenig; nach seinen verdiensten, genung; nach seinen bekümmernüssen, zu viel gelebt; und nach seinem ehrenruhme müsse er ewig leben Lohenstein lobschrifft (1680) K 3ᵃ; Sandrart schrieb seinem groszen kunstgenossen Albrecht Dürer auf den grabstein, da der meister die erde ausgemalt, so male er nun im himmel weiter Riehl d. dt. arbeit (1861) 179; so darf man, was man der jugendgeliebten Goethes auf den grabstein setzte, mit weit gröszerem recht von Grillparzers ewiger braut sagen:
ein strahl der dichtersonne fiel auf sie,
so reich, dasz er unsterblichkeit ihr lieh
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 5, 257.
d)
gern mit anspielung auf die häufige plastisch-bildnerische ausschmückung der grabsteine: auch gebietten unnser herren vom rate, das hinfür kayn ir burger ... auf kaynen grabstayn eynichen schylt oder zaychen machen lassen, on wissen unnd sonnder vergunst des kyrchenmaysters (13./14. jh.) Nürnberger polizeiordn. 114 Baader; als er seinen preceptor Philagrum ehrlich bestattet, hat er jhm einen raben, auff seinen grabstein hawen lassen Xylander Plutarch (1580) 351ᵃ; der liesz auff sein grabstein ... zwey schnallende finger mahlen Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 86; darum sind in alten grabsteinen häufig tauben eingehauen, die der christliche glaube noch näher auf den geist bezieht Jac. Grimm dt. myth. (1876) 2, 690; wo sind die grabsteine? ... die Lehninischen grabsteine ... beschränken sich auf einen ..., damit schritt er die stufen zum hohen chore hinauf, wo ein mönch, in stein geschnitten, auf seinem grabe lag Fontane ges. w. (1905) I 2, 8.
e)
gelegentlich steht der grabstein als teil des grabes umschreibend für das grab selbst:
meiner liebsten mutter hand will ich in gedanken küssen.
...
und ich weis, ihr muttersegen folgt mir bis zum grabestein
Gottsched ged. (1751) 1, 415;
steh ich einst vom grabstein auf
Schubart s. ged. (1825) 1, 206;
doch der sohn wird älter, er liebt, musz als jüngling in die welt, und findet bei der rückkehr statt seiner Emma, ihren grabstein Grabbe w. 4, 299 Bl. auch die verbindung unter dem grabstein liegen u. ä. meint 'im grabe liegen': heut stehest holdselige dame unter lauter edlgestein, vielleicht morgen ... wirst du schon ligen unter dem grabstein Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 155; E. M. Arndt w. 4, 193 R.-M.; der mann namens Knolle, der nicht unter einem grabstein ruhte ..., sondern der auf einem der schwarzen märkte des landes eine dunkle ... rolle spielte E. Wiechert missa sine nomine (1950) 427.
f)
von der realen vorstellung des grabsteins nimmt sentenzartiges und redensartliches seinen ausgang: ein sauberer grabestein bedecke auch die besudeltsten lebenstaffeln (sagt Segesthes) Lohenstein Arminius (1689) 1, 76ᵃ;
o leichter
wird ihm der grabstein jetzt
Herder 26, 286 S.;
und so es eben mit unserm leibe steht,
ob er auch am grabstein in tausend scherben geht,
ich glaub an einen meister, der fügt ihn einst (zusammen)
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 92;
und wer den gröszten mühlstein in seinem leben zu tragen hatte, bekommt meist den kleinsten grabstein Gutzkow ges. w. (1872) 7, 58.
2)
gelegentlich, wenn auch kaum in scharf umrissenem gebrauch, trifft grabstein in der bezeichnung für ein gröszeres plastisches monument mit der sonst fernzuhaltenden bedeutung 'grabdenkmal' im sinne von grabmal 2 a zusammen; hierher vielleicht auch scenotinum grabstain (obd. 1421) Diefenbach nov. gl. 84ᵇ s. v. cenotaphium: zuerst also erscheinet der schon angeführte grabstein beym Boissard. weil die ausdrücklichen überschriften desselben nicht verstatten, uns in der deutung seiner figuren zu irren: so kann er gleichsam der schlüssel zu allen übrigen denkmählern heissen Lessing 11, 18 L.-M.; dieser grabstein mit einer schwarzen büste Börnes und mit schwarzen basreliefs machte mir einen traurigen eindruck H. Laube ges. schr. (1875) 16, 49.
3)
verschluszstein eines felsengrabes, im biblischen bereich, vgl.grab A 2 a: do er (Christus) den grabstein schuoef aufzeheben vnnd lawt sprach zum Lazero, gee herfür Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 508 Reithm. so namentlich der stein, der den eingang zum grabe Christi schlosz: weil sein leib viel geschwinder und leichter ist denn keine stymme und ist yhm alle creatur durchleufftiger, denn die lufft der stymme ist, wie er das ym grabe stein beweiset hat Luther 26, 338 W.; Spee güld. tugendbuch (1649) 107;
Kephas sprach zur gefährtinn, indem sie dem führer mit mühe,
und von ferne nur folgte: genommen wäre der leichnam?
von den priestern? allein die haben, sagt man, den grabstein
ja versiegelt!
Klopstock Messias (1780) 462.
4)
grabstein in bildlich-vergleichendem und uneigentlichem gebrauch, z. t. der gleichen verwendung von grabmal (s. d. 6) entsprechend.
a)
vereinzelt unmittelbar vergleichend, im rein konkreten bereich: jetzt seh ich überall zerstörung, wie grabessteine schimmern jenes tempels trümmer A. v. Arnim s. w. 16 (1857) 355; das haus stand nunmehr, da die katze schlief und die spatzen aus der holderstaude geflohen waren, wie ein einziger groszer grabstein Dörfler um d. komm. geschlecht (1933) 166.
b)
auch sonst vergleichend, durch die merkmale des schweren, lastenden bestimmt, aber in abstrakter beziehung:
und (der hasz) legt sich wie ein grabstein schwer auf alle freuden
Göthe I 11, 31 W.;
ja, vater, das schicksal werfe einen grabstein auf diese brust und zermalme sie, wenn sie die tugend und die gottheit und ihr herz verloren hat Jean Paul w. 15/18, 33 Hempel; schweiz. id. 11, 824; mit diesem worte wälzte sich wieder der grabstein des trotzes über die tiefen ihrer in kindlichem vertrauen sich öffnenden seele Halm ausg. w. 4, 37 Schlossar. in doppelgliedrigem vergleich korrespondieren gern beide glieder in konkreten merkmalen, wobei aber grabstein uneigentlich gebraucht ist: o Sparta, die du ... deine bürger zu ihren grabmälern bey Thermopylä gehen sahst, zu den grabmälern, die sie sich mit ihren eigenen schwertern zubereiteten, auf welchen haufen erschlagener Perser als grabsteine aufgetürmet stunden Th. Abbt verm. w. (1768) 2, 24; jene monumente (waren) ... nur die grabsteine jenes einst lebendigen hellenischen kunstmenschen R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 3, 213;
ach der stein der weisen
ist der grabstein nur
Arnim trösteinsamkeit 265 Pfaff;
die schwelle, die ich überschreiten musz, um in die welt hinauszugehen, ist mein eigener grabstein B. Auerbach schr. (1892) 4, 74.
c)
für ein dem wirklichen grabstein als erinnerungszeichen vergleichbares gedenkzeichen geistiger art: ich habe dieses, was ich hie schreibe (das ganze buch) ... dem frommen fürsten ... gleichsamb zum grabstein setzen wollen Micraelius altes Pommerland (1640) 1, 48;
diene nun der liederklang (mein poetisches schaffen)
mir zum grabstein, dir zum bildnisz (meiner selbst)
Justus Frey ges. dicht. (1899) 212.
vereinzelt steht grabstein geradezu für den ruf und das ansehen, in dem ein toter steht: dasz er (ein literarischer kritiker) ... einige liebe grabsteine und monumentchen beschädigt hat — was thut das? ist der mann, der unterm steine liegt, wahrhaftig grosz, so brauchts entweder keinen stein, oder der schaden, der dran geschieht, ist des aufhebens nicht werth Göthe I 38, 390 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 1643, Z. 58.

grabstein2, m.

²grabstein, m.,
zu graben, vb. 1) bezeichnung des bernsteins: seine finger waren mit unzähligen ringen voll grabsteine bedeckt A. v. Arnim s. w. 3 (1857) 165; aus allen diesen (geologischen) schichten wird der bernstein gewonnen, teils durch bergbau (landbernstein, erdbernstein, erdstein, grabstein), teils durch baggern Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 2, 271. 2) von einem gebrannten tonstein zur beschwerung der fischernetze, s. Frischbier pr. wb. 1, 248. in der form grapstein: als senker, die ebenfalls auf eine besondere leine aufgereiht sind, dienen kleine steine oder tonringe (grapsteine) Seligo d. fanggeräte (1914) 103.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1957), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 1648, Z. 8.

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Zitationshilfe
„grabstein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/grabstein>, abgerufen am 06.03.2021.

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